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Porzellanmanufaktur und Museum Augarten

die bewegte Chronik der Porzellanmanufaktur Augarten

Die Porzellanmanufaktur wurde 1718 von dem k. k. Hofkriegsagenten Clau­di­us In­no­cen­ti­us du Paquier in Wien gegründet, sie ist die zweitälteste Manufaktur Europas.
Über 250 Jahre spannt sich der Bogen der Tradition von Clau­di­us In­no­cen­ti­us du Paquier`s „Porcellain-Fabrique“ im Gräf­lich Kunst­ein’schen Haus in der Rossau bis zur Manufaktur im Wiener Augarten.
Die zweitälteste Pozellanmanufaktur Europas, nach Meißen, wurde in „verbotener Liebe gezeugt“, wie einer ihrer Historiker 1819 feststellte. Denn du Paquier bediente sich offensichtlich nicht ganz legaler Mittel um nur acht Jahre nach der Gründung der Meißner Manufaktur (sie wurde von Au­gust den Star­ken gegründet) in den Besitz des Arkanums ( Arkanum des Porzellans ist Masse, Glasur und Farben) zu kommen und diese geheime und streng behütete Kunst der Porzellanherstellung nach Wien zu holen. Es muß du Paquier zu Gute gehalten werden, dass er dafür hohen persönlichen Einsatz an Studien, Geld und Unternehmermut investierte.
Wie es du Paquier gelang das gut gehütete Arkanum nach Wien zu bringen, konnte bis jetzt nicht geklärt werden, das es aber nur mit Mithilfe Meißener Mitarbeiter geschehen konnte, trotz der stren­gen säch­si­schen Si­cher­heits­vor­keh­run­gen ( strengste Strafen bis zur Sippenhaftung), ist völlig klar.

Erste Periode: Die Wiener Porzellanmanufaktur unter Clau­di­us In­no­cen­ti­us du Paquier von 1718 bis 1744

Auf Grund des von Karl VI. in Laxenburg, im Jahre 1718, unterzeichneten „Spezialprivilegium“ hatten du Paquier und seine „Mit-Consorten“ Peter Heinrich Zerder, Christoph Conrad Hunger (Kunstarbeiter aus Meißen), und Martin Becker (vermutlicher Geldgeber) für 25 Jahre das alleinige Recht, innerhalb der österreichischen Erblande Porzellan zu erzeugen.
Ab dem Jahr 1719 arbeitete auch der Meißener Arkanist Samuel Stölzel in der Manufaktur mit, aus diesem Jahr stammt die erste datierte Porzellantasse, sie befindet sich heute in Hamburg und trägt die Aufschrift: „3 May 179, Gott allein die Ehr und sonst keinem mehr“.
Doch schon kurze Zeit später verließ Stölzel, enttäuscht von den nicht erfüllten Zusagen du Paquiers, die Wiener Manufaktur und fügte ihr vorher noch beträchtliche Schäden zu, er zerstörte das kostbare Gut Porzellanmasse und nahm Höroldt, den besten Wiener Maler, nach Meißen mit, auch Hunger verließ im gleichen Jahr die Wiener Porzellanmanufaktur. Da Stöl­zel ver­si­cher­te, er ha­be nie­man­dem das Ge­heim­nis der Por­zel­l­an­her­stel­lung „so weit of­fen­ba­ret, dass die Fa­bri­que allhier oh­ne ihn fort­ge­füh­ret wer­den kön­ne“, wur­de er im Ju­ni 1720 wie­der in Mei­ßen auf­ge­nom­men.
Al­ler­dings lag Stöl­zel mit die­ser Ein­schät­zung falsch: du Paquier be­saß in der Zwi­schen­zeit aus­rei­chen­des Wis­sen über das Arkanum, er dachte sogar an eine Vergrößerung der Manufaktur und im Jahr 1721 war es soweit, er erwarb das Breunersche Sommerpalais in der Rossau.
Par­al­lel zum wach­sen­den An­ge­bot stieg auch der Be­darf an Por­zel­la­ner­de, de­ren Be­schaf­fung äu­ßerst schwie­rig wur­de. Im Jahr 1729 ver­bot Au­gust der Star­ke, zum Schutz der Pro­duk­ti­on in Mei­ßen, die Aus­fuhr der wei­ßen Er­de aus dem säch­si­schen Aue. Er­satz für die „Schnorr’sche Er­de“, die ih­re Be­zeich­nung nach dem Gru­ben­be­sit­zer Veit Hans Schnorr von Ca­rols­feld er­hielt, wur­de in der Pas­sau­er Er­de ge­fun­den. Die­se im Baye­ri­schen Wald ge­gra­be­ne Er­de ver­lieh dem du Paquier-Por­zel­lan sein ty­pi­sch gräu­li­ches Er­schei­nungs­bild.

Manufaktur Augarten


Trotz des En­ga­ge­ments du Paquiers ge­riet der Be­trieb im­mer wie­der in fi­nan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten. Nach der Auf­nah­me ei­nes Dar­le­hens er­hielt er auf kai­ser­li­chen Wunsch eine finanzielle Un­ter­stüt­zung durch die Stadt Wien. Nach Ablauf des 25 -jährigen Privilegiums sah sich du Paquier nicht mehr in der Lage die Fabrik weiterzuführen, daher übergab er 1744 sein „porcellain-fabrique“ dem Staat.
Mit die­ser Um­struk­tu­rie­rung war zu­gleich ei­ne neue Stil­rich­tung in der Por­zel­lan­ge­stal­tung ver­bun­den, die mitt­ler­wei­le ver­al­te­ten Wa­ren­be­stän­de wur­den bei Por­zel­lan-Lot­te­ri­en ver­äu­ßert.
Das Sor­ti­ment der Pe­rio­de du Paquiers um­fass­te „kost­ba­re Ge­schir­re und Auf­sät­ze zu Früch­ten und Con­fi­tu­ren auf Taf­feln, die sehr theu­er be­zah­let wer­den“. Zu den wert­vol­len Lu­xus­por­zel­la­nen ge­hörte ein Ge­schirrsatz mit über 30 Ter­ri­nen und Kühl­ge­fä­ßen aus der Zeit von 1730/1735. Mit sol­chen kost­ba­ren Ge­schen­ken konn­ten nicht nur di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen ge­pflegt, son­dern zu­gleich die Leis­tungs­fä­hig­keit und Mo­der­ni­tät der Wie­ner Por­zel­lan­ma­nu­fak­tur in die Welt ge­tra­gen wer­den.

In dieser Periode nahmen die Künstler und Handwerker Anleihen aus der zeitgenössischen Ornamentik, wie aus dem Laub- und Bandelwerk, aber auch aus asiatischen Vorbildern, die ihnen von den adeligen Auftraggebern zur Nachahmung überlassen wurden. Den Modegetränken Kaffee, Tee und Schokolade wurde durch das neue Luxusmaterial Porzellan ideal gedient. Die Trembleuse, ein Schokoladenbecher der mit dem Untersatz in einem geformt wurde, war eine geniale Schöpfung für das vergnügliche sowie repräsentative Frühstück im Bett, wie man es im 18. Jahrhundert sehr schätzte.

Porzellanzimmer aus dem Palais Dubsky in Brünn, um 1740

Sogenannte „Porzellan-Cabinette“ kamen in Europa um 1700 in Mode, nach dem importierten chinesichen und japanischen Porzellan gab es mit dem Porzellanzimmer aus dem Brünner Palais Dubsky das erste europäische Porzellan. Es ist wohl das wichtigste Werk der Porzellanmanufaktur unter du Paquier und war für die Gräfin Maria Antonia von Czobor, geborene Fürstin von Liechtenstein, bestimmt. Dieses Porzellanzimmer umfasst um die 1450 kleine und kleinste Porzellanarbeiten und entstand in den Jahren 1720 bis 1735, Untersuchungen ergaben, dass es ursprünglich für einen anderen Raum bzw. Ort vorgesehen war und erst danach in das Palais Dubsky eingefügt wurde.
Das prächtige Porzellanzimmer wurde 1912 für die Sammlung des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie (heute MAK) angekauft und ist dort zu besichtigen

Zweite Periode: Staatsmanufaktur unter Maria Theresia von 1744 bis 1784

Ab diesem Zeitabschnitt war die Manufaktur unter Aufsicht des Staates und unterstand ab nun der Hof-Banco-Deputation, deren erster Administrator Mayerhofer von Grünbühel war. in dieser Zeit waren Johann Joseph Niedermayer (er war Schüler von Georg Raphael Donner) und Ludwig Lücke Modellmeister in der Manufaktur. Eine der wichtigsten Änderungen in dieser Zeit war die Einführung des Bindenschildes, er war anfangs eingepresst, eingeritzt oder in den Farben rot, gold, schwarz, purpurrot über der Glasur angebracht, ab 1749 wurde der unterglasurblaue Bindenschild Vorschrift, Jahresstempel wurden erst ab dem Jahr 1784 eingeführt, daher ist es kaum möglich die Porzellane vor dieser Zeit einzuordnen.
Bedeutende Künstlerpersönlichkeiten waren für die Staatsmanufaktur tätig, wie Johann Gottfried Klinger oder der Porzallanbossierer Ludwig von Lücke aus Meißen. In dieser Zeit zeigte sich ein stilistischer Umschwung zum Rokoko, der anfangs durch die Meißener Künstler und der Übernahme von Meißener Modellen geprägt war, später war figurale Porzellanplastik ein zentrales Thema der Bildhauer dieser Epoche. Daher wird diese Periode auch „plastische Periode“ genannt, der „Zwettler Tafelaufsatz“ zeigt diese Periode in seiner schönsten Form der Wiener Figuren, wie Puttengruppen, Kaufrufe, Allegorien, Jahreszeiten uvm. Auch Hofzuckerbäcker und Theateringenieure prägten die Gestaltung der dekorativen „Gesellschaften“ aus Porzellan, die als vielfigurige Tafelaufsätze für den Dessertgang zum Einsatz kamen. Sie waren ein Abbild der höfischen Gesellschaft und ihrer Vergnügungen, außerhalb der Palaismauern waren es Kaufrufe und anderes Straßenvolk, die die Strukturen dieser Zeit dokumentieren.
Die figurale Porzellanplastik drängte die Tafelgeschirre des Rokoko in den Hintergrund, obwohl sie mit ihren typischen asymetrischen Formen wie Blumen- und Früchtedekore, reiche figurale Malereien und Watteaufiguren sehr hochwertig waren. Mit den 80er Jahren verabschiedete sich das Rokoko und der Klassizismus hielt mit dem Biskuitporzellan (unglasiert), ähnlich der Jasper-Ware Wedgewoods, Einzug.
Die Manufaktur hatte nach der Übernahme durch den Staat einen Aufschwung zu verzeichnen, doch das Mißverhältnis zwischen tatsächlichen und angegebenen Vernögen war derart unterschiedlich, das 1783 der letzte Ausweg eine öffentliche Versteigerung war, nach einer erfolglosen Versteigerung der Staatsmanufaktur wurde Sorgenthal zum Direktor ernannt.

Wiener Porzellanmuseum

Dritte Periode: Die Manufaktur unter Conrad Sörgel von Sorgenthal von 1784 bis 1805

Der große Umschwung und die Blütezeit der Porzellanmanufaktur kam mit Conrad Sörgel von Sorgenthal, es ist seinem Talent und Geschick auf künstlerischen und wirtschaftlichen Gebiet zu verdanken, dass die Manufaktur in der Ära Sorgenthal zu einem großen Erfolg wurde, die Künstler wurden akademisch ausgebildet und in Wettbewerben zu Neuschöpfungen inspiriert. Als Vorbild galt die Antike mit ihren klaren Formen, feingliedrigen Ornamenten und Mythologien. Auch die Produkte der königlich-französischen Manufaktur von Sèvres und der englischen Manufaktur Wedgewood beeinflussten die Ästhetik der klassizistischen Porzellane aus Wien. Zur Qualitätskontrolle der höchst anspruchsvollen „Prachtware“ führte Conrad von Sorgenthal Jahresstempel, Bossierer- (Figuren werden aus vorgeformten Einzelteilen zusammengefügt) und Malernummern ein.
Den qualitativ wohl bedeutendsten Anteil an der Porzellanmalerei des Klassizismus hatten die Dessinmaler. Das „Dessin“ in der Bedeutung von „Ornament“ hatte seine große Zeit, hunderte von Entwürfen und zahlreiche Musterbücher sind noch erhalten, das Bestellbuch weist sorgfältig ausgeführte Dessins auf, die verschiedenen Musterteller sind mit Akribie ausgeführt.
Die Wiener Porzellanmanufaktur bildete einige typische, unübertroffene „Dessins“ aus: der Reliefgolddekor gedieh zur höchsten Perfektion und wurde gerne auf kobaltblauen Porzellanen oder Kupferlüsterfonds aufgebracht. Das in mehreren Schichten aufgetragene und in mehreren Bränden gefestigte Reliefgold gehörte zu den berühmten Spezialitäten der Wiener Manufaktur. Das Kobaltblau (auch „Leithnerblau“ genannt) ist eine der schönsten und haltbarsten Porzellanfarben, es wurde von dem Obermaler Josef Leithner entdeckt und von anderen Manufakturen oftmals kopiert.
Die wichtigsten Figurenmaler sind Anton Schaller, Claudius Herr, Michael Weichselbaun, Carl Schweminger und Georg Lamprecht. In der Landschaftsmalerei ist der Obermaler Johann Weichselbaum oder in der Blumenmalerei sind Leopold Parmann, Josef Hinterberger zu erwähnen. Der Bildhauer Anton Grassi arbeitete als Porzellanmodellierer und war künstlerischer Leiter der Porzellanmanufaktur.
Unter der Direktion von Conrad Sörgel von Sorgenthal erlangte die Wiener Porzellanmanufaktur Weltruf und die Porzellane aus dieser Zeit erreichen heute bei Auktionen Höchstpreise.

Vierte Periode: Die Manufaktur unter Matthias Niedermayer von 1805 bis 1827

Matthias Niedermayer, der Sohn des Modellmeisters Joseph Niedermayer, übernahm nach dem Tod Sorgenthals die Manufaktur. Durch den österreichisch-französischen Krieg erlitt Österreich territoriale Verluste und die Zweigmanufaktur von Engelhartszell ging an Bayern verloren, die Produktion mußte reduziert werden da es durch die Donausperre an Rohmaterial mangelte und dadurch fleckiges Porzellan entstand. Etliche Mitarbeiter wurden zur Landwehr eingezogen, das waren alles negative Ereignisse für die ehemals sehr gut gehende Manufaktur und brachten sie an den Rande des Ruins.
Der Aufschwung begann wieder mit dem Wiener Kongress, die vielen rauschenden Feste ließen den Bedarf nach luxuriösem Porzellan wieder steigen und sehr gerne wurde die Prachtware als Präsent weitergereicht.
Das Biedermeier förderte den Sinn nach schönen Dingen und der Mensch begann sich auf persönliche Werte zu besinnen, zu dieser Zeit waren Tassen mit Sinnsprüchen und Widmungen die dem Freundschaftsideal huldigten sehr beliebt, die Tassensammlungen zeigten eine heile Welt fern aller Politik. Ebenso gehörten Blumenrätseln, die der Angebeteten zarte Geständnisse übermittelten, zu den beliebtesten Geschenken, die Motive der Blumenmalerei entstammten vorwiegend aus den Hausgärten, deren Pflege ebenfalls zu den beschaulichen Vergnügungen des Biedermeier gehörten.
Neben der Anfertigung großer Service und Tafelaufsätze brillierte die Porzellanmanufaktur in der Malerei auf großen Porzellantafeln.

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Niedergang und Schließung 1827 bis 1864

Trotz der großen Beliebtheit, der allerhöchsten Qualität und dem Privileg des k. k. Hoflieferanten konnte die Wiener Porzellanmanufaktur gegen die zunehmende Industrialisierung und der Überschwemmung von billigen und minderwertigen Produktionen (oder auch Kopien) aus Böhmen nicht standhalten und erlitt dadurch steigende Verluste. Weiters waren auch Zugeständnisse an neue Techniken notwendig und Drucktechniken ersetzten vielfach eine Bemalung von Hand. Die Zeiten einer „Kunstanstalt“ schienen sich zu neigen.
1864 gab Kaiser Franz Josef I. einem Auftrag des Abgeordnetenhauses nach, die k. k. Wiener Porzellanmanufaktur zu schließen. Der künstlerische Nachlass wurde dem damaligen Museum für Kunst und Industrie (MAK) übergeben. Wenig später wurde erkannt dass diese Schließung eine Fehlentscheidung war. Nach der Schließung wurde der Markt mit Fälschungen überschwemmt, die bis heute auf Flohmärkten, Online-Auktionsplattformen und bei Händlern zu finden sind. Als großer Glück für Fälscher erwies sich nach der Schließung die Versteigerung in der Sorgenthal-Ära mit unbemalten weißen Porzellan, da die Porzellane im späten 19. Jahrhundert oft nachträglich bemalt wurden, dieses weiße Sorgenthal-Porzellan hatte einen Original Bindenschild, Jahresstempel und Weißdrehernummer, die spätere Übermalung ist daher kein Kriterium für Echtheit und es ist somit eine Fälschung.
Jacob von Falke schrieb 1873 zur Wiener Weltausstellung, dass höfische Prunkobjekte der Vergangenheit angehörten und das Porzellan auf den zweckmäßigen, wenn auch schmückenden Gebrauch als Tafelgeschirr reduziert sei.
Die Gebäude der Porzellanmanufaktur wurden später abgeriessen und an ihrer Stelle steht heute das Gebäude der Generaldirektion der Tabakregie. Die Porzellangasse wurde im Jahr 1862 nach der Wiener Manufaktur benannt.

Ausstellungen „Wiener Wandlungen“ im Porzellanmuseum

Gründung der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten im Jahr 1923

Die gegründete Porzellanmanufaktur Augarten führte die Tradition der k. k. Porzellanmanufaktur fort und legte die bekanntesten figuralen Darstellungen und beliebtesten Servicedekore des Wiener Porzellans des Spätbarock, Rokoko und Klassizismus wieder auf. Weiters widmete Sie sich der handwerklich aufwändigen und somit kostenintensiven Herstellung von qualitativ hochwertigem Porzellan. Sowohl in der Wahl der Formen als auch für die Dekorationen schufen sowohl etablierte als auch junge Künstler neue Entwürfe für ihre Produktion.
Auf der „Jubiläumsausstellung Wiener Kunstgewerbe“ im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie im Jahr 1924 wurden Arbeiten von Franz Barwig, Hertha Bucher, Herma Gärtner, Otto Hofner, Josef Humplik, Mathilde Jaksch, Mela Köhler, Dina Khun, Jakob Löw, Carl Schwetz, Ida Schwetz-Lehmann, Vally Wieselthier und Franz von Zülow gezeigt. Walter Bosse übersetzte mit seinen vier für Augarten entworfenen Grotesken den Zeitgeist des Art déco in humorvoller Weise.
Für ihre Leistungen auf der Pariser Kunstgewerbeausstellung im Jahr 1925 erhielt die Manufaktur eine Goldmedaille, ausgezeichnet wurden die pastellfarben staffierte Uhr „Stadtbild“ von Hertha Bucher, die abstrahiert und farbintensiv bemalte Vase von Franz von Zülow, wie auch die dem damaligen Schönheitsideal entsprechenden schlanken Figuren „Erste Rosen“ von Ida Schwetz-Lehmann und „Mädchen mit Faun“ von Carl Schwetz.
Neue Formen und Dekore im Zeitgeist der Wiener Werkstätte brachten die Serviceentwürfe von Josef Hoffmann, Michael Powolny, Otto Prutscher und Ena Rottenberg. Meine persönlichen Favoriten sind das Melonenservice in schwarz/ weiß von Hoffman sowie das Service „Form 20“ von Ena Rottenberg, es besitzt anstelle der Deckelknäufe Exotenköpfe, wie den Inder, Malayen, Mohren und Chinesen. Das ist zwar politisch nicht korrekt, aber die Exotenköpfe nennen sich so:-)
Friedrich Ludwig von Berzeviczy-Pallavicini arbeitete im Winter 1935/36 an Entwürfen für Augarten, viele Ausformungen blieben Einzelstücke da sie durch den kobaltblauen Fond und Golddekor sehr kostenintensiv waren.

Die berühmte und sehr beliebte Serie der Lipizzanerfiguren Trab, Courbette, In den Pilaren, Levade und Piaffe wurde in den Jahren 1926 und 1927 von Albin Döbrich entworfen.
In den 50er Jahren zeigte sich eine Vorliebe für Schlichtheit wie an den Modellen von Ursula Klasmann zu sehen ist, die Modelle des Wolfgang Hutter und Arik Brauer zeigen die Symbiose Porzellankunst und die Wiener Schule des Phantastischen Realismus.
Das 21. Jahrhundert ist unter anderem mit den Künstlern Claudia Stuhlhofer-Mayr, Yu Feng, Kurt Spurey, Gottfried Palatin, Philipp Bruni, Mostlikely, Gregor Schmoll und Gundi Dietz vertreten, sie alle schließen mit ihren Entwürfen an die Tradition der Zwanziger Jahre.

Die Porzellanmanufaktur ist seit September 2003 ein Teil der Gesellschaft von Dr. Erhard F. Grossnigg, die Stadt Wien hätte das Traditionsunternehmen im Jahr 2003 in den Konkurs schlittern lassen, Werte und Tradition sind scheinbar für die Stadtregierung kein Thema…

Porzellan Museum Augarten

Seit 2011 beherbergt das Porzellanmuseum im ehemaligen kaiserlichen Lustgebäude im Augarten hervorragende Exponate aus den verschiedenen Epochen des Wiener Porzellans. Im Erdgeschoß des Porzellanmuseums ragt der 2-stöckige historische und imposante Brennofen aus dem Jahre 1923 über beide Ausstellungebenen, zur Zeit ist in seinem Inneren die Ausstellung „Wiener Wandlungen“ mit den Modellen von Bärbel Thoelke zu sehen.

Das Museum des weißen Goldes illustriert die Geschichte des Wiener Porzellans, es zeigt repräsentative Beispiele der verschiedene künstlerischen Phasen der Manufaktur. Im Erdgeschoß sind Modelle aus dem 20. und 21. Jahrhundert zu bewundern, wie unter anderem Exponate der Wiener Werkstätte und des Art Déco. Zur Zeit ist im Inneren des historischen Brennofen die Ausstellung „Wiener Wandlungen“ mit den Modellen von Bärbel Thoelke zu sehen.

Im Obergeschoß erfährt der Museumbesucher viel Wissenswertes über Porzellan und seinen Ursprung, der Gründung der Wiener Porzellanmanufaktur unter du Paquier bis zur Schließung im Jahre 1864 ist mit kostbaren Exponate ein großer Teil des Obergeschoßes gewidmet. Hier finden MuseumsbesucherInnen anschaulich die verschiedenen Produktionsschritte dargestellt, er oder sie kann auch die wichtigsten Ingredienzien des Porzellans: Kaolin, Feldspat und Quarz befühlen.
Die Exponate stammen zum Teil aus dem Bestand der Manufaktur und zum anderen Teil sind es Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen.
An dieser Stelle möchte ich mich für das sehr liebe Gepräch mit Frau Marina Yolbulur-Nissim, der Leiterin des Porzellanmuseums, bedanken sowie bei Mag. Andrea Stricker-Pokorn für die Genehmigung zu fotografieren.

Jedes Porzellan ist handgefertigt und daher ein Unikat, es besteht aus mehreren Einzelteilen, wie z. B. die Figur Courbette mit Reiter und Pferd, sie besteht aus 60 Einzelteilen.
Um 1860 wurde der Markt mit Billigprodukten aus Böhmen überschwemmt, heute ist es die noch minderere Massenware aus China, jedoch wird der Liebhaber des handgefertigten Porzellanes diese chinesische Ware nicht als Porzellan bezeichnen:-)
Die kostbaren Porzellanprodukte sind im Shop der Porzellanmanufaktur Augarten oder in einem der Flagshipstores zu erstehen.

Adresse

Obere Augartenstraße 1, 1020 Wien

Wiener Linien

U2 bis Taborstraße, 31er, 5A oder 5B bis Obere Augartenstraße

Öffi-App

Weblinks

http://www.augarten.at/
http://www.format.at/news/oesterreich/das-reich-sanierers-erhard-grossnigg-374628

http://www.mak.at/jart/prj3/mak-resp/main.jart?rel=de&reserve-mode=active&content-id=1343388632776&article_id=1339957565083&media_id=1342703965342&menu-id=1343388632776

Literatur

Waltraud Neuwirth: Porzellan aus Wien. Von du Paquier zur Manufaktur im Augarten, 1992
ISBN-13: 978-3811360846

Waltraud Neuwirth: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung, 1979
ISBN-13: 978-3900282073

Waltraud Neuwirth: Wiener Porzellanmanufaktur Augarten – Kataloge 1926-1927, 2010
ISBN-13: 978-3900282639

Waltraud Neuwirth: Wiener Porzellan 1718-1864. Vom Barock zum Historismus Broschier, 1983
ISBN-13: 978-3900282219

Waltraud Neuwirth: Wiener Porzellan. Vom Spätbarock zum Art Deco. Gebundene Ausgabe, 1990
ASIN: B007WC4CNA

weinkühler,porzellanmuseum augarten

Porzellanmanufaktur und Museum Augarten

die bewegte Chronik der Porzellanmanufaktur Augarten

Die Porzellanmanufaktur wurde 1718 von dem k. k. Hofkriegsagenten Clau­di­us In­no­cen­ti­us du Paquier in Wien gegründet, sie ist die zweitälteste Manufaktur Europas.
Über 250 Jahre spannt sich der Bogen der Tradition von Clau­di­us In­no­cen­ti­us du Paquier`s „Porcellain-Fabrique“ im Gräf­lich Kunst­ein’schen Haus in der Rossau bis zur Manufaktur im Wiener Augarten.
Die zweitälteste Pozellanmanufaktur Europas, nach Meißen, wurde in „verbotener Liebe gezeugt“, wie einer ihrer Historiker 1819 feststellte. Denn du Paquier bediente sich offensichtlich nicht ganz legaler Mittel um nur acht Jahre nach der Gründung der Meißner Manufaktur (sie wurde von Au­gust den Star­ken gegründet) in den Besitz des Arkanums ( Arkanum des Porzellans ist Masse, Glasur und Farben) zu kommen und diese geheime und streng behütete Kunst der Porzellanherstellung nach Wien zu holen. Es muß du Paquier zu Gute gehalten werden, dass er dafür hohen persönlichen Einsatz an Studien, Geld und Unternehmermut investierte.
Wie es du Paquier gelang das gut gehütete Arkanum nach Wien zu bringen, konnte bis jetzt nicht geklärt werden, das es aber nur mit Mithilfe Meißener Mitarbeiter geschehen konnte, trotz der stren­gen säch­si­schen Si­cher­heits­vor­keh­run­gen ( strengste Strafen bis zur Sippenhaftung), ist völlig klar.

Erste Periode: Die Wiener Porzellanmanufaktur unter Clau­di­us In­no­cen­ti­us du Paquier von 1718 bis 1744

Auf Grund des von Karl VI. in Laxenburg, im Jahre 1718, unterzeichneten „Spezialprivilegium“ hatten du Paquier und seine „Mit-Consorten“ Peter Heinrich Zerder, Christoph Conrad Hunger (Kunstarbeiter aus Meißen), und Martin Becker (vermutlicher Geldgeber) für 25 Jahre das alleinige Recht, innerhalb der österreichischen Erblande Porzellan zu erzeugen.
Ab dem Jahr 1719 arbeitete auch der Meißener Arkanist Samuel Stölzel in der Manufaktur mit, aus diesem Jahr stammt die erste datierte Porzellantasse, sie befindet sich heute in Hamburg und trägt die Aufschrift: „3 May 179, Gott allein die Ehr und sonst keinem mehr“.
Doch schon kurze Zeit später verließ Stölzel, enttäuscht von den nicht erfüllten Zusagen du Paquiers, die Wiener Manufaktur und fügte ihr vorher noch beträchtliche Schäden zu, er zerstörte das kostbare Gut Porzellanmasse und nahm Höroldt, den besten Wiener Maler, nach Meißen mit, auch Hunger verließ im gleichen Jahr die Wiener Porzellanmanufaktur. Da Stöl­zel ver­si­cher­te, er ha­be nie­man­dem das Ge­heim­nis der Por­zel­l­an­her­stel­lung „so weit of­fen­ba­ret, dass die Fa­bri­que allhier oh­ne ihn fort­ge­füh­ret wer­den kön­ne“, wur­de er im Ju­ni 1720 wie­der in Mei­ßen auf­ge­nom­men.
Al­ler­dings lag Stöl­zel mit die­ser Ein­schät­zung falsch: du Paquier be­saß in der Zwi­schen­zeit aus­rei­chen­des Wis­sen über das Arkanum, er dachte sogar an eine Vergrößerung der Manufaktur und im Jahr 1721 war es soweit, er erwarb das Breunersche Sommerpalais in der Rossau.
Par­al­lel zum wach­sen­den An­ge­bot stieg auch der Be­darf an Por­zel­la­ner­de, de­ren Be­schaf­fung äu­ßerst schwie­rig wur­de. Im Jahr 1729 ver­bot Au­gust der Star­ke, zum Schutz der Pro­duk­ti­on in Mei­ßen, die Aus­fuhr der wei­ßen Er­de aus dem säch­si­schen Aue. Er­satz für die „Schnorr’sche Er­de“, die ih­re Be­zeich­nung nach dem Gru­ben­be­sit­zer Veit Hans Schnorr von Ca­rols­feld er­hielt, wur­de in der Pas­sau­er Er­de ge­fun­den. Die­se im Baye­ri­schen Wald ge­gra­be­ne Er­de ver­lieh dem du Paquier-Por­zel­lan sein ty­pi­sch gräu­li­ches Er­schei­nungs­bild.

Manufaktur Augarten


Trotz des En­ga­ge­ments du Paquiers ge­riet der Be­trieb im­mer wie­der in fi­nan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten. Nach der Auf­nah­me ei­nes Dar­le­hens er­hielt er auf kai­ser­li­chen Wunsch eine finanzielle Un­ter­stüt­zung durch die Stadt Wien. Nach Ablauf des 25 -jährigen Privilegiums sah sich du Paquier nicht mehr in der Lage die Fabrik weiterzuführen, daher übergab er 1744 sein „porcellain-fabrique“ dem Staat.
Mit die­ser Um­struk­tu­rie­rung war zu­gleich ei­ne neue Stil­rich­tung in der Por­zel­lan­ge­stal­tung ver­bun­den, die mitt­ler­wei­le ver­al­te­ten Wa­ren­be­stän­de wur­den bei Por­zel­lan-Lot­te­ri­en ver­äu­ßert.
Das Sor­ti­ment der Pe­rio­de du Paquiers um­fass­te „kost­ba­re Ge­schir­re und Auf­sät­ze zu Früch­ten und Con­fi­tu­ren auf Taf­feln, die sehr theu­er be­zah­let wer­den“. Zu den wert­vol­len Lu­xus­por­zel­la­nen ge­hörte ein Ge­schirrsatz mit über 30 Ter­ri­nen und Kühl­ge­fä­ßen aus der Zeit von 1730/1735. Mit sol­chen kost­ba­ren Ge­schen­ken konn­ten nicht nur di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen ge­pflegt, son­dern zu­gleich die Leis­tungs­fä­hig­keit und Mo­der­ni­tät der Wie­ner Por­zel­lan­ma­nu­fak­tur in die Welt ge­tra­gen wer­den.

In dieser Periode nahmen die Künstler und Handwerker Anleihen aus der zeitgenössischen Ornamentik, wie aus dem Laub- und Bandelwerk, aber auch aus asiatischen Vorbildern, die ihnen von den adeligen Auftraggebern zur Nachahmung überlassen wurden. Den Modegetränken Kaffee, Tee und Schokolade wurde durch das neue Luxusmaterial Porzellan ideal gedient. Die Trembleuse, ein Schokoladenbecher der mit dem Untersatz in einem geformt wurde, war eine geniale Schöpfung für das vergnügliche sowie repräsentative Frühstück im Bett, wie man es im 18. Jahrhundert sehr schätzte.

Porzellanzimmer aus dem Palais Dubsky in Brünn, um 1740

Sogenannte „Porzellan-Cabinette“ kamen in Europa um 1700 in Mode, nach dem importierten chinesichen und japanischen Porzellan gab es mit dem Porzellanzimmer aus dem Brünner Palais Dubsky das erste europäische Porzellan. Es ist wohl das wichtigste Werk der Porzellanmanufaktur unter du Paquier und war für die Gräfin Maria Antonia von Czobor, geborene Fürstin von Liechtenstein, bestimmt. Dieses Porzellanzimmer umfasst um die 1450 kleine und kleinste Porzellanarbeiten und entstand in den Jahren 1720 bis 1735, Untersuchungen ergaben, dass es ursprünglich für einen anderen Raum bzw. Ort vorgesehen war und erst danach in das Palais Dubsky eingefügt wurde.
Das prächtige Porzellanzimmer wurde 1912 für die Sammlung des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie (heute MAK) angekauft und ist dort zu besichtigen

Zweite Periode: Staatsmanufaktur unter Maria Theresia von 1744 bis 1784

Ab diesem Zeitabschnitt war die Manufaktur unter Aufsicht des Staates und unterstand ab nun der Hof-Banco-Deputation, deren erster Administrator Mayerhofer von Grünbühel war. in dieser Zeit waren Johann Joseph Niedermayer (er war Schüler von Georg Raphael Donner) und Ludwig Lücke Modellmeister in der Manufaktur. Eine der wichtigsten Änderungen in dieser Zeit war die Einführung des Bindenschildes, er war anfangs eingepresst, eingeritzt oder in den Farben rot, gold, schwarz, purpurrot über der Glasur angebracht, ab 1749 wurde der unterglasurblaue Bindenschild Vorschrift, Jahresstempel wurden erst ab dem Jahr 1784 eingeführt, daher ist es kaum möglich die Porzellane vor dieser Zeit einzuordnen.
Bedeutende Künstlerpersönlichkeiten waren für die Staatsmanufaktur tätig, wie Johann Gottfried Klinger oder der Porzallanbossierer Ludwig von Lücke aus Meißen. In dieser Zeit zeigte sich ein stilistischer Umschwung zum Rokoko, der anfangs durch die Meißener Künstler und der Übernahme von Meißener Modellen geprägt war, später war figurale Porzellanplastik ein zentrales Thema der Bildhauer dieser Epoche. Daher wird diese Periode auch „plastische Periode“ genannt, der „Zwettler Tafelaufsatz“ zeigt diese Periode in seiner schönsten Form der Wiener Figuren, wie Puttengruppen, Kaufrufe, Allegorien, Jahreszeiten uvm. Auch Hofzuckerbäcker und Theateringenieure prägten die Gestaltung der dekorativen „Gesellschaften“ aus Porzellan, die als vielfigurige Tafelaufsätze für den Dessertgang zum Einsatz kamen. Sie waren ein Abbild der höfischen Gesellschaft und ihrer Vergnügungen, außerhalb der Palaismauern waren es Kaufrufe und anderes Straßenvolk, die die Strukturen dieser Zeit dokumentieren.
Die figurale Porzellanplastik drängte die Tafelgeschirre des Rokoko in den Hintergrund, obwohl sie mit ihren typischen asymetrischen Formen wie Blumen- und Früchtedekore, reiche figurale Malereien und Watteaufiguren sehr hochwertig waren. Mit den 80er Jahren verabschiedete sich das Rokoko und der Klassizismus hielt mit dem Biskuitporzellan (unglasiert), ähnlich der Jasper-Ware Wedgewoods, Einzug.
Die Manufaktur hatte nach der Übernahme durch den Staat einen Aufschwung zu verzeichnen, doch das Mißverhältnis zwischen tatsächlichen und angegebenen Vernögen war derart unterschiedlich, das 1783 der letzte Ausweg eine öffentliche Versteigerung war, nach einer erfolglosen Versteigerung der Staatsmanufaktur wurde Sorgenthal zum Direktor ernannt.

Wiener Porzellanmuseum

Dritte Periode: Die Manufaktur unter Conrad Sörgel von Sorgenthal von 1784 bis 1805

Der große Umschwung und die Blütezeit der Porzellanmanufaktur kam mit Conrad Sörgel von Sorgenthal, es ist seinem Talent und Geschick auf künstlerischen und wirtschaftlichen Gebiet zu verdanken, dass die Manufaktur in der Ära Sorgenthal zu einem großen Erfolg wurde, die Künstler wurden akademisch ausgebildet und in Wettbewerben zu Neuschöpfungen inspiriert. Als Vorbild galt die Antike mit ihren klaren Formen, feingliedrigen Ornamenten und Mythologien. Auch die Produkte der königlich-französischen Manufaktur von Sèvres und der englischen Manufaktur Wedgewood beeinflussten die Ästhetik der klassizistischen Porzellane aus Wien. Zur Qualitätskontrolle der höchst anspruchsvollen „Prachtware“ führte Conrad von Sorgenthal Jahresstempel, Bossierer- (Figuren werden aus vorgeformten Einzelteilen zusammengefügt) und Malernummern ein.
Den qualitativ wohl bedeutendsten Anteil an der Porzellanmalerei des Klassizismus hatten die Dessinmaler. Das „Dessin“ in der Bedeutung von „Ornament“ hatte seine große Zeit, hunderte von Entwürfen und zahlreiche Musterbücher sind noch erhalten, das Bestellbuch weist sorgfältig ausgeführte Dessins auf, die verschiedenen Musterteller sind mit Akribie ausgeführt.
Die Wiener Porzellanmanufaktur bildete einige typische, unübertroffene „Dessins“ aus: der Reliefgolddekor gedieh zur höchsten Perfektion und wurde gerne auf kobaltblauen Porzellanen oder Kupferlüsterfonds aufgebracht. Das in mehreren Schichten aufgetragene und in mehreren Bränden gefestigte Reliefgold gehörte zu den berühmten Spezialitäten der Wiener Manufaktur. Das Kobaltblau (auch „Leithnerblau“ genannt) ist eine der schönsten und haltbarsten Porzellanfarben, es wurde von dem Obermaler Josef Leithner entdeckt und von anderen Manufakturen oftmals kopiert.
Die wichtigsten Figurenmaler sind Anton Schaller, Claudius Herr, Michael Weichselbaun, Carl Schweminger und Georg Lamprecht. In der Landschaftsmalerei ist der Obermaler Johann Weichselbaum oder in der Blumenmalerei sind Leopold Parmann, Josef Hinterberger zu erwähnen. Der Bildhauer Anton Grassi arbeitete als Porzellanmodellierer und war künstlerischer Leiter der Porzellanmanufaktur.
Unter der Direktion von Conrad Sörgel von Sorgenthal erlangte die Wiener Porzellanmanufaktur Weltruf und die Porzellane aus dieser Zeit erreichen heute bei Auktionen Höchstpreise.

Vierte Periode: Die Manufaktur unter Matthias Niedermayer von 1805 bis 1827

Matthias Niedermayer, der Sohn des Modellmeisters Joseph Niedermayer, übernahm nach dem Tod Sorgenthals die Manufaktur. Durch den österreichisch-französischen Krieg erlitt Österreich territoriale Verluste und die Zweigmanufaktur von Engelhartszell ging an Bayern verloren, die Produktion mußte reduziert werden da es durch die Donausperre an Rohmaterial mangelte und dadurch fleckiges Porzellan entstand. Etliche Mitarbeiter wurden zur Landwehr eingezogen, das waren alles negative Ereignisse für die ehemals sehr gut gehende Manufaktur und brachten sie an den Rande des Ruins.
Der Aufschwung begann wieder mit dem Wiener Kongress, die vielen rauschenden Feste ließen den Bedarf nach luxuriösem Porzellan wieder steigen und sehr gerne wurde die Prachtware als Präsent weitergereicht.
Das Biedermeier förderte den Sinn nach schönen Dingen und der Mensch begann sich auf persönliche Werte zu besinnen, zu dieser Zeit waren Tassen mit Sinnsprüchen und Widmungen die dem Freundschaftsideal huldigten sehr beliebt, die Tassensammlungen zeigten eine heile Welt fern aller Politik. Ebenso gehörten Blumenrätseln, die der Angebeteten zarte Geständnisse übermittelten, zu den beliebtesten Geschenken, die Motive der Blumenmalerei entstammten vorwiegend aus den Hausgärten, deren Pflege ebenfalls zu den beschaulichen Vergnügungen des Biedermeier gehörten.
Neben der Anfertigung großer Service und Tafelaufsätze brillierte die Porzellanmanufaktur in der Malerei auf großen Porzellantafeln.

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Niedergang und Schließung 1827 bis 1864

Trotz der großen Beliebtheit, der allerhöchsten Qualität und dem Privileg des k. k. Hoflieferanten konnte die Wiener Porzellanmanufaktur gegen die zunehmende Industrialisierung und der Überschwemmung von billigen und minderwertigen Produktionen (oder auch Kopien) aus Böhmen nicht standhalten und erlitt dadurch steigende Verluste. Weiters waren auch Zugeständnisse an neue Techniken notwendig und Drucktechniken ersetzten vielfach eine Bemalung von Hand. Die Zeiten einer „Kunstanstalt“ schienen sich zu neigen.
1864 gab Kaiser Franz Josef I. einem Auftrag des Abgeordnetenhauses nach, die k. k. Wiener Porzellanmanufaktur zu schließen. Der künstlerische Nachlass wurde dem damaligen Museum für Kunst und Industrie (MAK) übergeben. Wenig später wurde erkannt dass diese Schließung eine Fehlentscheidung war. Nach der Schließung wurde der Markt mit Fälschungen überschwemmt, die bis heute auf Flohmärkten, Online-Auktionsplattformen und bei Händlern zu finden sind. Als großer Glück für Fälscher erwies sich nach der Schließung die Versteigerung in der Sorgenthal-Ära mit unbemalten weißen Porzellan, da die Porzellane im späten 19. Jahrhundert oft nachträglich bemalt wurden, dieses weiße Sorgenthal-Porzellan hatte einen Original Bindenschild, Jahresstempel und Weißdrehernummer, die spätere Übermalung ist daher kein Kriterium für Echtheit und es ist somit eine Fälschung.
Jacob von Falke schrieb 1873 zur Wiener Weltausstellung, dass höfische Prunkobjekte der Vergangenheit angehörten und das Porzellan auf den zweckmäßigen, wenn auch schmückenden Gebrauch als Tafelgeschirr reduziert sei.
Die Gebäude der Porzellanmanufaktur wurden später abgeriessen und an ihrer Stelle steht heute das Gebäude der Generaldirektion der Tabakregie. Die Porzellangasse wurde im Jahr 1862 nach der Wiener Manufaktur benannt.

Ausstellungen „Wiener Wandlungen“ im Porzellanmuseum

Gründung der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten im Jahr 1923

Die gegründete Porzellanmanufaktur Augarten führte die Tradition der k. k. Porzellanmanufaktur fort und legte die bekanntesten figuralen Darstellungen und beliebtesten Servicedekore des Wiener Porzellans des Spätbarock, Rokoko und Klassizismus wieder auf. Weiters widmete Sie sich der handwerklich aufwändigen und somit kostenintensiven Herstellung von qualitativ hochwertigem Porzellan. Sowohl in der Wahl der Formen als auch für die Dekorationen schufen sowohl etablierte als auch junge Künstler neue Entwürfe für ihre Produktion.
Auf der „Jubiläumsausstellung Wiener Kunstgewerbe“ im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie im Jahr 1924 wurden Arbeiten von Franz Barwig, Hertha Bucher, Herma Gärtner, Otto Hofner, Josef Humplik, Mathilde Jaksch, Mela Köhler, Dina Khun, Jakob Löw, Carl Schwetz, Ida Schwetz-Lehmann, Vally Wieselthier und Franz von Zülow gezeigt. Walter Bosse übersetzte mit seinen vier für Augarten entworfenen Grotesken den Zeitgeist des Art déco in humorvoller Weise.
Für ihre Leistungen auf der Pariser Kunstgewerbeausstellung im Jahr 1925 erhielt die Manufaktur eine Goldmedaille, ausgezeichnet wurden die pastellfarben staffierte Uhr „Stadtbild“ von Hertha Bucher, die abstrahiert und farbintensiv bemalte Vase von Franz von Zülow, wie auch die dem damaligen Schönheitsideal entsprechenden schlanken Figuren „Erste Rosen“ von Ida Schwetz-Lehmann und „Mädchen mit Faun“ von Carl Schwetz.
Neue Formen und Dekore im Zeitgeist der Wiener Werkstätte brachten die Serviceentwürfe von Josef Hoffmann, Michael Powolny, Otto Prutscher und Ena Rottenberg. Meine persönlichen Favoriten sind das Melonenservice in schwarz/ weiß von Hoffman sowie das Service „Form 20“ von Ena Rottenberg, es besitzt anstelle der Deckelknäufe Exotenköpfe, wie den Inder, Malayen, Mohren und Chinesen. Das ist zwar politisch nicht korrekt, aber die Exotenköpfe nennen sich so:-)
Friedrich Ludwig von Berzeviczy-Pallavicini arbeitete im Winter 1935/36 an Entwürfen für Augarten, viele Ausformungen blieben Einzelstücke da sie durch den kobaltblauen Fond und Golddekor sehr kostenintensiv waren.

Die berühmte und sehr beliebte Serie der Lipizzanerfiguren Trab, Courbette, In den Pilaren, Levade und Piaffe wurde in den Jahren 1926 und 1927 von Albin Döbrich entworfen.
In den 50er Jahren zeigte sich eine Vorliebe für Schlichtheit wie an den Modellen von Ursula Klasmann zu sehen ist, die Modelle des Wolfgang Hutter und Arik Brauer zeigen die Symbiose Porzellankunst und die Wiener Schule des Phantastischen Realismus.
Das 21. Jahrhundert ist unter anderem mit den Künstlern Claudia Stuhlhofer-Mayr, Yu Feng, Kurt Spurey, Gottfried Palatin, Philipp Bruni, Mostlikely, Gregor Schmoll und Gundi Dietz vertreten, sie alle schließen mit ihren Entwürfen an die Tradition der Zwanziger Jahre.

Die Porzellanmanufaktur ist seit September 2003 ein Teil der Gesellschaft von Dr. Erhard F. Grossnigg, die Stadt Wien hätte das Traditionsunternehmen im Jahr 2003 in den Konkurs schlittern lassen, Werte und Tradition sind scheinbar für die Stadtregierung kein Thema…

Porzellan Museum Augarten

Seit 2011 beherbergt das Porzellanmuseum im ehemaligen kaiserlichen Lustgebäude im Augarten hervorragende Exponate aus den verschiedenen Epochen des Wiener Porzellans. Im Erdgeschoß des Porzellanmuseums ragt der 2-stöckige historische und imposante Brennofen aus dem Jahre 1923 über beide Ausstellungebenen, zur Zeit ist in seinem Inneren die Ausstellung „Wiener Wandlungen“ mit den Modellen von Bärbel Thoelke zu sehen.

Das Museum des weißen Goldes illustriert die Geschichte des Wiener Porzellans, es zeigt repräsentative Beispiele der verschiedene künstlerischen Phasen der Manufaktur. Im Erdgeschoß sind Modelle aus dem 20. und 21. Jahrhundert zu bewundern, wie unter anderem Exponate der Wiener Werkstätte und des Art Déco. Zur Zeit ist im Inneren des historischen Brennofen die Ausstellung „Wiener Wandlungen“ mit den Modellen von Bärbel Thoelke zu sehen.

Im Obergeschoß erfährt der Museumbesucher viel Wissenswertes über Porzellan und seinen Ursprung, der Gründung der Wiener Porzellanmanufaktur unter du Paquier bis zur Schließung im Jahre 1864 ist mit kostbaren Exponate ein großer Teil des Obergeschoßes gewidmet. Hier finden MuseumsbesucherInnen anschaulich die verschiedenen Produktionsschritte dargestellt, er oder sie kann auch die wichtigsten Ingredienzien des Porzellans: Kaolin, Feldspat und Quarz befühlen.
Die Exponate stammen zum Teil aus dem Bestand der Manufaktur und zum anderen Teil sind es Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen.
An dieser Stelle möchte ich mich für das sehr liebe Gepräch mit Frau Marina Yolbulur-Nissim, der Leiterin des Porzellanmuseums, bedanken sowie bei Mag. Andrea Stricker-Pokorn für die Genehmigung zu fotografieren.

Jedes Porzellan ist handgefertigt und daher ein Unikat, es besteht aus mehreren Einzelteilen, wie z. B. die Figur Courbette mit Reiter und Pferd, sie besteht aus 60 Einzelteilen.
Um 1860 wurde der Markt mit Billigprodukten aus Böhmen überschwemmt, heute ist es die noch minderere Massenware aus China, jedoch wird der Liebhaber des handgefertigten Porzellanes diese chinesische Ware nicht als Porzellan bezeichnen:-)
Die kostbaren Porzellanprodukte sind im Shop der Porzellanmanufaktur Augarten oder in einem der Flagshipstores zu erstehen.

Adresse

Obere Augartenstraße 1, 1020 Wien

Wiener Linien

U2 bis Taborstraße, 31er, 5A oder 5B bis Obere Augartenstraße

Öffi-App

Weblinks

http://www.augarten.at/
http://www.format.at/news/oesterreich/das-reich-sanierers-erhard-grossnigg-374628

http://www.mak.at/jart/prj3/mak-resp/main.jart?rel=de&reserve-mode=active&content-id=1343388632776&article_id=1339957565083&media_id=1342703965342&menu-id=1343388632776

Literatur

Waltraud Neuwirth: Porzellan aus Wien. Von du Paquier zur Manufaktur im Augarten, 1992
ISBN-13: 978-3811360846

Waltraud Neuwirth: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung, 1979
ISBN-13: 978-3900282073

Waltraud Neuwirth: Wiener Porzellanmanufaktur Augarten – Kataloge 1926-1927, 2010
ISBN-13: 978-3900282639

Waltraud Neuwirth: Wiener Porzellan 1718-1864. Vom Barock zum Historismus Broschier, 1983
ISBN-13: 978-3900282219

Waltraud Neuwirth: Wiener Porzellan. Vom Spätbarock zum Art Deco. Gebundene Ausgabe, 1990
ASIN: B007WC4CNA

wiener schneekugelmuseum,schneekugeln

Wiener Schneekugelmuseum

wie in Wien die Schneekugel entstand

Vor über 110 Jahren begann die wundersame Geschichte der Wiener Schneekugeln, die in die Welt zogen um die Menschen zu erfreuen.

Der traditionelle Gewerbebetrieb stellt in einem alten „Fuhrwerkhaus“ (das von außen nicht leicht zu erkennen ist, da ohne viel Werbung und Tam Tam) in der Schumanngasse 87 seit vier Generationen die weltbekannten Wiener Schneekugeln her, die in die ganze Welt exportiert werden. Das Unternehmen der einzigen „echten Scheekugelerzeugung“ der Welt ist in dem Haus der Fam. Perzy auf mehreren Etagen untergebracht,im Hinterhof befindet sich die Werkstätte in der die speziellen Maschinen untergebracht sind.

Im ersten Stock wird der Verkauf abgewickelt und es sind sehr viele Schneekugeln in den verschiedensten Größen zu sehen, da kommt bei mir wieder das Kind zum Vorschein und ich muß sie angreifen und schütteln:-)

Wer steckt hinter der fantastischen Idee der Schneekugeln?

Da war einmal der Erfinder Erwin Perzy I., im Jahr 1876 geboren, Spielzeug übte auf ihn schon als Kind eine große Faszination aus und später entwarf der gelernete Chirurgieinstrumentemacher Spielzeug für Groß und Klein. Im Haus seiner Eltern richtete er sich eine Werkstatt ein, in der er sich mit Erfindungen beschäftigte und hier erfand er auch den bekannten Wiener Silvestergruß, das Silvesterblei ist eine Zinnlegierung (nur so gelingt es auch mit einer Kerzenflamme) und ist bis heute als „Original Wiener Silvesterguß“ zu kaufen.

Erwin Perzy I. hatte auf Grund seines Berufes mit Spitälern zu tun und arbeitete auch an der Lösung der Beleuchtung für Operationssäle, daher experimentierte er mit einer Schusterkugel um die Lichtausbeute der Kohlenfadenlampe zu verstärken. Schuhmacher verwendeten diese Kugel um das Licht einer dahinter gestellten Kerze zu verstärken. Erwin Perzy I. fügte dem Wasser diverse Stoffe zu, welche das Licht reflektieren sollten, unter anderem verwendete er auch Grieß, dieser sank sehr langsam herab und erinnerte ihn an Schneefall.

In seiner Freizeit befasste er sich mit der Erzeugung von Miniaturen der Basilika Mariazell für einen Freund, dieser verkaufte diese Miniaturen auf einen Souvenirstand.

Durch das Experiment mit Grieß kam er auf die Idee, die Miniatur Basilika in eine Glaskugel zu geben und Grieß einzufügen – Voilà die erste Schneekugel erblickte das Licht der Welt.

Er nannte seine Erfindung „Glaskugel mit Schneeeffekt“ und meldete sie als Patent an. Auf Grund der Erfindungen Wiener Silvesterguß und Schneekugel gründete er mit seinem Bruder Ludwig um 1900 den Gewerbebetrieb an. Die ersten Schneekugeln wurden in einer kleinen Werkstatt in einem Hinterhof in der Schumanngasse 59 hergestellt und der rasche Verkauf ermunterte Erwin Perzy I. sein Produkt in Serie herzustellen. Da der Anklang sehr groß war, gab es sehr bald weitere Modelle, durch den großen geschäftlichen Erfolg erhielt er 1908 eine Ehrung von Kaiser Franz Joseph I. und in den 20er Jahren wurden die Schneekugeln sogar nach Indien exportiert. Die beiden Weltkriege brachten Rückschläge, da die Menschen in dieser Zeit kein Geld und existentielle Sorgen hatten.

Zu Beginn der 50er Jahre übernahm Erwin Perzy II. den väterlichen Betrieb und übersiedelte in das neu erworbene Haus Schumanngasse 87, wo der Betrieb bis heute angesiedelt ist. Nach dem Krieg ging es wieder bergauf, es entstanden neue Motive und die Menschen wollten sich mit schönen Dingen umgeben. Auf der Ausstellung der Nürnberger Spielwarenmesse konnte Erwin Perzy II. Kontakte in die USA knüpfen, diese wurden einer der größten Abnehmer der Schneekugeln „Made in Austria“.

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Der heutige Firmeninhaber Erwin Perzy III. übernahm 1987/1988 den (groß)väterlichen Betrieb, in den 80er Jahren waren die USA der größte Abnehmer und daher mussten andere Motive kreiiert werden, wie z. B. ein Elefant, das demokratische Maskottchen, der für den Wahlkampf des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan erzeugt wurde, oder einen Esel, der das Wappentier der Republikaner war – und das alles in einer Wiener Schneekugel.

Die Firma beschäftigte in den 80er Jahren um die 60 Mitarbeiter und erzeugte ca 200.000 Schneekugeln pro Jahr. Auf dem Schreibtisch des US-Präsidenten Bill Clinton stand eine Schneekugel aus Hernals, die mit Kunststoff-Konfetti aus der Wahlsiegesparade, statt „Schnee“ befüllt war. Erwin Perzy III. stellt die Werkzeuge, die für die Herstellung von Schneekugeln benötigt werden, selbst her.

Mit Sabine Perzy gib es die vierte Generation die denn Traditionsbetrieb weiterführen wird.

Wieviel Arbeit dahinter steckt sieht man den Plastikminiaturen nicht an, es erfordert jedoch sehr aufwendiges und präzises Arbeiten. Mit modernen Maschinen werden die Miniaturen aus Plastik hergestellt, der Rest ist aber Handarbeit, die Kunststoffmotive , von denen es heute an die 150 Vorlagen gibt, werden in Handarbeit mit wasserfesten und umweltfreundlichen Lack bemalen.

oft kopiert, nie erreicht

Die Zusammensetzung des „Schnees“ ist natürlich Familiengeheimnis, kopiert wurden und werden die Schneekugeln natürlich sehr oft, aber bei diesen Billigprodukten fällt der Schnee schon nach einigen Sekunden hinunter und die Kugeln sind aus Plastik (das Original ist aus Glas), bei den Wiener Schneekugeln – dem Wiener Original – schneit es, je nach Größe, bis zu zwei Minuten.

Heute gibt es die Wiener Schneekugeln in den Größen 25, 45, 80, 120 und 200mm, als Motive gibt es von Wiener Wahrzeichen bis zu Tiermotiven ein sehr vielfältiges Sortiment. Es werden auch auf Wunsch und Vorlage des Modells Sonderanfertigungen hergestellt.

Jeder von uns hat schon etliche Glücksbringer wie Glückschweinchen, Rauchfangkehrer oder Kleeblatt in der Hand gehabt, auch die werden von der Wiener Firma Perzy, sowie die Figuren und Gegenstände aus Zinn für das traditionelle „Bleigießen“, hergestellt. Die Wiener Schneekugeln sind in Internetshops, Museen, Souvenirläden, den Christkindlmärkten und natürlich in der Schuhmanngasse 87 erhältlich.

Das Schneekugelmuseum ist ein Museum das mit sehr viel Liebe, vielen Erinnerungen und natürlich mit vielen Schneekugeln eingerichtet wurde, ob Groß oder Klein, es ist ein Paradies für alle die Schneekugeln und Nostalgie lieben.

Adresse

Schumanngasse 87, 1170 Wien

Wiener Linien: Linie 42 bis Endstation Antonigasse oder Linie 9 bis Endstation Sommarugagasse

Öffi-App

Shop-Öffnungszeiten und Kontakt

Mo-Do 9-15 Uhr
Tel: 01 – 486 43 41

Museum-Öffnungszeiten und Kontakt

http://www.viennasnowglobe.at/index.php?page=museum&lang=ger

Weblink

http://www.viennasnowglobe.at/

Altes Rathaus, wipplingerstraße 8,wien,hausnummer

Hausnummern

von Hauszeichen, Hausschilder und Conscriptionsnummern

Als Wien noch keine Hausnummern hatte, waren die Häuser nicht unadressiert, ihre Adresse war der Hausnamen. Viele Bewohner konnten weder lesen noch schreiben, daher trugen die Häuser auffällige und unverwechselbare Symbole. Jedoch waren nicht alle Hausnamen sichtbar und nur im lokalen Bereich bekannt, aber auf Grund der vielen gleichlautenden Hausnamen kam es immer wieder zu Verwechslungen. Im Wien Museum finden sich etliche schöne Beispiele dieser Kunst, die von Geschäften (wie z.B. ein Adler, der einen reich verzierten Schlüssel trägt, vom Laden eines Schlossers) oder von Häusern stammen etwa ein roter Igel „Zum roten Igel“, das Auge Gottes „Zum Auge Gottes“ und eine wunderschöne, schmiedeiserne Laterne aus dem 18. Jahrhundert „Zur schönen Laterne“, sie war einst am Haus Schönlaterngasse 6 angebracht (heute hängt hier eine Nachbildung von 1971), um Besucher daran zu erinnern woher die Straße ihren Namen hat; beide wurden in der ehemaligen Alten Schmiede auf Nummer 9 gefertigt.
Ende des 18. Jahrhunderts gab es alleine in der Wiener Innenstadt sechs Häuser mit dem Namen „zum goldenen Adler“, mit den Vorstädten waren es insgesamt 29 mit dem gleichen Namen. Heute würden Hauszeichen ein Tohuwabohu erzeugen und die Behörden wären vor eine fast unlösbare Aufgabe gestellt, da stellt sich jetzt die Frage welche Hauszeichen die Behörden hätten…die Polizei etwa den Hausnamen „Kieberei“ oder das Standesamt als Hauszeichen einen Brautschleier;-)

Hier und dort sieht man ein Haus aus dem 18. Jahrhundert, das noch seine alte, durchlaufende Hausnummer in den Verputz gekratzt oder aufgemalt hat, meist direkt neben der neuen Straßennummer auf dem Metallschild (wie z. B. Kleeblattgasse 5, Köllnerhofgasse 3, Fleischmarkt 16, Ballgasse 8 und Kohlmarkt 11, sowie rechte Wienzeile 15).

es wird Ordnung geschafft

Im Jahr 1753 wurde in Wien das erstemal über die Nummerierung der Häuser gesprochen, aber auf Grund der Bedenken der politischen Zentralbehörde des Habsburgerreiches bleibt es nur bei einer Theorie. Im Jahr 1763 wird dieses Thema auf Grunde der, nach Ende des siebenjährigen Krieges, eingeführten Schuldensteuer wieder aufgegriffen. 1769 ist es dann soweit, die Hausnummerierung wird gleichzeitig mit einer Volkszählung (Seelenkonskription) durchgeführt.

Das Ziel der Seelenkonskription (ein eigenartiges Wort) ist ein neues Rekrutierungssystems, um männliche Untertanen zur Wehrpflicht zu rekrutieren. Maria Theresia unterzeichnete am 8. März 1770 die Resolution der Hausnummerierung, es wurden oberhalb der Haustüren die Nummern mit schwarzer Farbe angebracht.
In Wien werden die Hausnummern mit roter Farbe aufgetragen, sie sind z. B. noch an den Häusern Ballgasse 8 und Kohlmarkt 11 zu sehen. Es wurden alle Häuser nummeriert, daher auch die kaiserliche Burg sowie die päpstliche Nuntiatur.

Eine erste Probe wurde von 5. Oktober bis 11. Oktober 1770 in Simmering, also außerhalb der Stadt, durchgeführt, am 10. Oktober 1770 begann die Hausnummerierung in den Wiener Vorstädten und am 11. Oktober 1770 begann sie in Wien.

Mit der Nummerierung gibt es auch eine Änderung des gesetzlich geregelten Zunamen, das im Jahr 1770 erlassene Hofdekret verpflichtet die HausbesitzerInnen dazu, die Hausnummern auch im Inneren der Häuser anzubringen und es verbietet den Untertanen, ihren bei der Geburt bekommenen Zunamen eigenständig zu ändern. Im Jahr 1777 wurden die Türnummern eingeführt, die auch „Familiennummern“ bezeichnet wurden.

Hausschilder und Orientierungsnummern

Vor den Hausnummern gab es in Wien Hausschilder als Adressierungssystem, jedoch durch das Wachstum der Stadt und Vorstädte kam der Einfallsreichtum bei den Schildmotiven an seine Grenzen, daher gab es mehrfache Bezeichnungen. So gibt es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Wien samt Vorstädten 29 Häuser, die mittels ihres Schildes als Haus „zum schwarzen Adler“ bekannt sind und somit verwechselt werden können.
Mit den Konskriptionsnummern wird versucht eine dauerhafte Lösung zu finden, aber durch neue Bauten, Zusammenlegungen und Abrisse wird das
Zahlensystem in Unordnung gebracht, in den Jahren 1795 und 1821 werden deswegen Umnummerierungen vorgenommen.
Da die Stadt weiter wächst ist dieses Problem nicht in den Griff zu bekommen, daher wird ab dem Jahr 1862 ein zusätzliches Adressierungssystem eingeführt. Es sind die noch heute gebräuchlichen, Straßen-Orientierungsnummern.

Die Konskriptionsnummern (fortlaufendes Nummerierungssystem)

werden in den Wiener Bezirken eins bis neun bei einer neuen Anlegung der Grundbücher ab 1874 wieder geändert, sie sind teilweise bis heute im Inneren der Häuser zu sehen. Noch in den 1950er Jahren werden an Häusern Konskriptionsnummern angebracht, im seit 1958 für Orientierungsnummern festgelegten blau-weißen Design.

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Auch kommerzielle Unternehmungen können ihr Hauszeichen behalten, wie die rote Hand bei einem alten Handschuhmacher (1854) in der Schottengasse oder ein pfeifenrauchender Türke über der Tür des Tabakimporteurs Adolf Lichtblau in der Hermanngasse 17, unzählige Schlüssel an Schlossergeschäften in der Stadt, oder eine hölzerne Lederhose in der Grünangergasse 12. Einige wenige tragen noch ihren alten Namen, so das „Schwarze Kameel“ in der Bognergasse 5, wo Beethoven und Lord Nelson einkauften, es wurde von Johann Baptiste Cameel 1618 als Gewürzladen gegründet und ist heute ein Restaurant.
Eine der ältesten Hauszeichen befinden sich am Haus „Zum blauen Karpfen“, das ehemalige Wirtshaus in der Annagasse 14 wurde um 1700 von Georg Karpf eröffnet und am Haus Bäckerstraße 12 befindet sich das skurille Hauszeichen „Allwo die Kuh am Brett spielt“, es ist wahrscheinlich im 17. Jahrhundert entstanden.

Trotzdem nun (fast) alle lesen und schreiben können, kennen die Wiener noch viele ihrer alten Hausnamen, wie z.B. die zwei goldenen Löwen in der Wiedner Hauptstraße 36 „Zu den zwei goldenen Löwen“, die schwarze Raben in der Rotenturmstraße 21 „Zu den drei Raben“, den keulenschwingenden Höhlenmenschen in der Währinger Straße 85 „Zum wilden Mann“, ein verspielten Seehund in der Währinger Straße 6-8 „Zur Robbe“, weiße Pferde in der Josefstädterstraße 85 „Sechsschimmelhof“, ein wasserspeiender Wal in der Piaristengasse 58 und die Lerchenfelderstraße 29 „Zum Walfisch“, von der biblischen „Flucht nach Ägypten“ in der Piaristengasse 56-58 und dem mythischen Basilisken, der sich im Keller des Hauses Schönlaterngasse 7 „Zum Basilisken“ versteckte.

Welche Hauszeichen und Hausschilder kennt Ihr und welche gefallen Euch besonders gut?

Schreibt mir wenn Ihr eines neu entdeckt oder Euch eines oder mehrere schon länger bekannt sind.

Literatur
Ordnung der Häuser, Beschreibung der Seelen: Hausnummerierung und Seelenkonskription in der Habsburgermonarchie von Anton Tantner, 2007
ISBN-13: 978-3035606300

Die Hausnummer: Eine Geschichte von Ordnung und Unordnung von Anton Tantner, 2007, ISBN-13: 978-3894453848

k.k.-hoflieferanten,wien

k.u.k. Hoflieferanten

Die k.u.k. Hoflieferanten in Wien

Die historischen Geschäftsportale und eleganten Salons  mit ihren kultiviert-vornehmen VerkäuferInnen stehen für Exklusivität, Luxus und Qualität und repräsentieren die k. und k. Hoflieferanten.

Die Wurzeln reichen zurück bis zu den Hofbefreiten und Hofbediensteten. Als der Hof noch keine feste Resistenz hatte und oft reiste, war die tägliche Versorgung umso wichtiger, daher benötigte der Hof neben dem Dienstpersonal auch Handwerksleute, Händler, Künstler. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts waren es die Hofbefreiten, sie folgten dem Hof auf seinen Reisen und hatten Privilegien, um die gewünschten Waren und Dienstleistungen erbringen zu können.

Da sie vom Kaiserhof alleine nicht leben konnten, durften sie ihren Waren auf den Märkten anbieten und waren natürlich den bürgerlichen Händlern und den zünftisch organisierten Gewerbe überlegen. Daher kam es schon damals zu Gehässigkeiten und nicht nur zu verbalen Übergriffen.

Die Hofjuden

Die hofbefreiten Juden, auch „Hofjuden“ genannt, genossen als jüdische Händler des Hofes gegenüber ihren Glaubengenossen eine Reihe von Vorteilen, unter anderem wurden sie nicht von Progromen bedroht, mußten nicht das Judenabzeichen tragen und waren steuerbefreit. Jedoch mußten sie auf Anordnung der „Preisbehandlungskommision“ des Hofes, die Waren oft unter ihren Wert verkaufen und waren häufiger gezwungen, dem Hof aus finanziellen Engpässen zu helfen. Um zu dem Privileg eines hofbefreitern Jude zu kommen, war Vermögen eine Grund-voraussetzung. Unter Leopold I. wurde die Juden in den Jahren 1670/71 aus Wien vertrieben. Schutzbriefe und Sonderregelungen räumten allerdings den Hofjuden einen ungestörten Aufenthalt in der Stadt ein, das geschah nicht ohne Eigennutz da der Hof öfters eine finanzielle Unterstützung benötigte.
Als der Hof in Wien seßhaft wurde, wurden die umherreisenden Hofbefreiten nicht mehr benötigt. Maria Theresia verringerte die Zahl und die Sparsamkeit von Joseph II. führte zum Abbau.

1782 scheint im Hofkalender erstmals der Begriff des Hoflieferanten auf. Es waren etliche Professionen zu finden, die heute nicht mehr bekannt sind. Am Ende der Monarchie gab es in Wien 506 Hoflieferanten. Das „Hof-und Staatshandbuch 1918 der österreichisch-ungarischen Monarchie“ umfaßt viele Seiten derTräger des k. und k. Hoftitels, in diesem Handbuch sind unter anderem auch Hofkalligraphen und Hofgrünzeughändler aufgezeichnet.
Eine Steigerung des Titles „Hoflieferant“ war die Ernennung zum „Kammerlieferanten“, dieser war auch befugt die Privatgemächer der Herrscher zu betreten. Der zusätzliche Titel eines „Kammer-lieferanten“ (wie etwa Juwelier A. E. Köchert) war ein Privileg und ab dem Revolutionsjahr 1848 eine Vertrauens-auszeichnung.

k. & k. steht für kaiserlich-königlich

Die Ernennung zum Hoflieferanten sollte den jeweiligen Betrieb enger an den Hof binden und beste Leistungen garantieren. Allerdings hatten die Hoflieferanten keine besonderen Rechte. Das Obersthofmeisteramt schrieb 1808: „Der Hoflieferantentitel gewährt Hoflieferanten und Hofprofessionisten zwar den Vorrang, gibt ihm aber kein Vorrecht gegenüber andere, die besser und wohlfeiler Waaren liefern“. Hoflieferant zu sein, bedeutete nicht, sich auf seinen erworbenen und teuer bezahlten Lorbeeren ausruhen zu können. Denn der Hof war nicht verpflichtet, bei seinen Lieferanten einzukaufen; vielmehr förderte er Konkurrenz durch Lizitation der Hoflieferungen, durchgefüht von der „Preisbehandlungskommision“.
Der Titel wurde vom Obersthofmeisteramt verliehen und war, wie bei den Hofbefreiten, nicht erblich. Der Erbe mußte wieder um das Dekret ansuchen. Starb der Lieferant, durfte die Witwe das Geschäft weiterführen, allerdings mußte sie sich einen Meister nehmen. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts konnte ein Titel nur erworben werden, wenn sich das Geschäft in der Nähe des Hofes befand. Der Vergolder Conrad Bühlmayer mietete extra für den Hofverkehr eine Lokalität in der Michaelapassage, in dieser befindet bis heute das Geschäft. Die meisten ehemaligen Hoflieferanten sind heute noch in der Nähe der Hofburg, am Kohlmarkt, in der Bräunerstrasse und am Graben zu besuchen.
Der Hoftitel war für Gewerbetreibende und Händler vor allem ein Qualitätssiegel und brachte die für das Geschäft nötige Werbung. Um den Titel mußte angesucht werden. Gute Voraussetzungen waren die Teilnahme an internationalen Messen, auch ausländische Kontakte, Importe und Exporte waren von Vorteil für eine positive Behandlung des Ansuchens. Die Bedingungen waren auch schon damals sehr rigoros und sind keine Erfindung des 20. und 21. Jahrhunderts.
Der Anstragsteller hatte einen Lebenslauf einzuschicken und listete einerseites seine beruflichen Erfolge auf, andererseits seinen illustren Kundenkreis. Darüber hinaus wurde ein Zeugnis von Polizei und Hofzensur sowie von von der Handelskammer eingeholt.

Erinnert Euch das nicht an Bewerbungsschreiben? Außer der Hofzensur;-)

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Um die Anzahl der Hoflieferanten einzudämmen wurde 1877 eine Taxe eingehoben. Anfangs betrug sie 250 Gulden und steigerte sich später auf 2.000 Kronen. Diese Taxe kam Künstlern, Gewerbe-treibenden und dem Museum für Kunst und Industrie (heute das MAK) zugute. Bei kleinen Betriebn wurde die Summe auf Ansuchen reduziert.
Das Verleihungsdekret lautete: „Der Erste Oberhofmeister verleiht Ihnen den Titel eines k. u. k. Hoflieferanten. Kraft desselben steht Ihnen das Recht zu, bei Ihrer Firma das Allerhöchste Wappen zu führen, jedoch dürfen Sie sich Letzteren im Siegel nicht bedienen. Diesen Hoftitel behalten Sie solange als Sie Ihr Geschäft aufrecht und persönlich betreiben“. Das Schwarze Kameel“ lieferte seine Delikatessen ab 1825 an den Hof und gehört somit zu den ältesten Hoflieferanten.

Heute hat dieser Titel jede offizielle Bedeutung verloren, und die ehemaligen Hoflieferanten haben mit der billigeren Konkurrenz und oft Massenware zu kämpfen. Dennoch umgibt ehemalige k.u.k. Hoflieferanten bis heute ein ausgezeichneter Ruf, Exklusivität und ein Ambiente werden von Kunden und Liebhabern weiterhin sehr geschätzt. Die Betriebe der ehemaligen Hoflieferanten sorgen mit großen Einsatz, exklusiver Qualität, Geschmack und Stil für die Aura einer längst vergangenen Zeit.

Dritte Mann Museum Wien

Dritte Mann Museum

Das Museum für Filminteressierte

Das Dritte Mann Museum ist ein privates Museum für Filmbegeisterte, das gilt insbesondere für den Film „Der dritte Mann“, sowie für die Nachkriegszeit in Wien.

Das Museum wird mit sehr viel Liebe und Engagement von Karin Höfler und Gerhard Strassgschwandtner finanziert, gestaltet und betrieben.

Hr. Strassgschwandtner`s umfangreiche Sammlung von Originalexponaten um den 1948 in Wien gedrehten Filmklassiker „Der dritte Mann“ wurde 2005 als privates Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ermöglicht eine neue, unkonventionelle Annäherung an die Wiener Nachkriegsgeschichte. Das ausgestellte Material ist ein wichtiger Beitrag zur Wiener Zeitgeschichte und Werdegang dieser Stadt.

Das Dritte Mann Museum repräsentiert einen Teil der Wiener Identität und Geschichte, indem es den im Ausland am meisten mit Wien assoziierten Film „Der dritte Mann“ und das damit verbundene Wien-Bild reflektiert.

Film-Kurzgeschichte Dritter Mann

Das zerbombte und in vier Besatzungszonen aufgeteilte Wien in der Nachkriegszeit. Autor Holly Martins wird von seinem Freund Harry Lime nach Wien eingeladen. Als er ankommt, stellt er fest, dass Lime bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sei. Bei seinen Recherchen fällt ihm auf, dass fast alle am beim Unfall umgekommene, Bekannte von Lime waren. Ein Anrainer berichtet von einem „dritten Mann“, der der Polizei nicht bekannt ist, der Anrainer wird daraufhin ermordet.
Bei seinen Nachforschungen trifft Martins die Lebensgefährtin Anna Schmidt von Limes, verliebt sich in sie, doch Anna kann Harry Lime nicht vergessen. Sie ist gebürtige Tschechin, lebt mit gefälschten Pass in Wien lebt und wird von der Polizei gesucht. Als Martins in der Nacht verfolgt wird, stellt er fest, dass sein Verfolger der tot geglaubte Freund Harry Lime ist. Der britische Major Calloway weiht ihn daraufhin, in die Harry Lime zur Last gelegten Verbrechen, ein: Handel mit gestohlenem Penicillin, das gestreckt und unbrauchbar gemacht wurde, und bei Kindern zu Missbildungen führt. Ein Besuch in einer Kinderklinik überzeugt Martins davon, dass er nun der Polizei helfen muss.
Als Lockvogel der Polizei trifft Martins Harry Lime, der sich in der russisch besetzten Zone Wiens aufhält, in einem Kaffeehaus im westlichen Sektor. Anschließend kommt es zu einer wilden Verfolgungsjagd durch das verzweigte Kanalsystem Wiens, bei der Lime angeschossen und nach der Gefangennahme von Holly Martins erschossen wird.

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Die Highlights des Films, die ihn bis heute unvergesslich machen, sind die fantastischen Kameraperspektiven, das von Anton Karas auf der Zither gespielte Harry-Lime-Thema und die Verfolgungsjagd durch die Wiener Kanalisation.

Der erste Teil der Ausstellung zeigt den internationalen Erfolg des Films „Der dritte Mann“. Die verwendeten Drehbücher (u.a. das original Drehbuch von Trevor Howard), dieFilmzither von Anton Karas, auf der er in London die Filmmusik komponierte. Ton- und Filmaufnahmen in Hülle und Fülle: 60 Schellacks, Vinyl, CD, DVD, VHS, Laserdisc und Film. Über 400 Coverversionen des „Harry Lime Thema“ von Glenn Miller Orchestra bis Beatles, die Originalkappe des „Kleinen Hansel“, eine Ecke ist der „Dritte Mann Boom“ in Japan gewidmet, und jede Menge Poster und Fotos.

Der zweite Teil beherbergt den historischen Kinoprojektor Ernemann VIIb (Bj. 1936) der Firma Zeiss, er wiegt 270 kg! Mit solchen Projektoren wurde 1950 in Wien erstmals „Der dritte Mann“ vorgeführt. Hier wird mit dem historischen Kinoprojektor eine Filmsequenz der sehr bekannten Verfolgungsjagd gezeigt, sie macht große Lust sofort den kompletten Film zu sehen. Mit etwas Glück kann er im Burgkino in englischer Originalfassung gesehen werden.
Weiters sind Wecker und Nippes aus den 50er Jahren mit dem Thema „Der dritter Mann“ zu sehen, man sieht also Merchandising war schon damals ein Thema:-)

Das Museum für Interessierte der Wiener Zeitgeschichte

Im dritten Teil befinden sich mehr als 1.000 Originaldokumente ab 1918 bis zur Wiener Nachkriegszeit, Besucher können sich anhand von Briefen, Dokumenten, Zeitungen, Fotos, Plakaten, Interviews mit Zeitzeugen usw. ein Bild dieser bewegten Zeit machen. Dieser dritte Teil ist für Schulklassen und Zeitgeschichte Interessierte sehr zu empfehlen. Hier befindet sich auch ein nachgebauter Luftschutzkeller, der das Ambiente sehr gut unterstreicht.

Mehr Dritte Mann Museum Fotos

Das Dritte Mann Museum beeindruckt mit einem modernen Design das sich durch insgesamt 13 Ausstellungsräume bis hin zum Internet-Auftritt zieht. Die Ausstellung ist in klare Themen untergliedert, Installationen auf Monitoren (selbst gefilmte Interviews etc.) lockern die Präsentation der Großteils zweidimensionalen Exponate auf.

Was dieses interessante Museum so besonders hervorhebt, ist die persönliche „Betreuung“und der Enthusiasmus der zwei MuseumbetreiberIn.

Es gibt einen regulären Öffnungstag am Samstag Nachmittag. Einmal die Woche zusätzlich an einem Wochentag eine Führung auf Englisch für Einzelbesucher.
Alle Termine sind auf der Website ersichtlich.

Adresse

Preßgasse 25, 1040 Wien

Wiener Linien: U4 bis Kettenbrückengasse oder 59A bis Preßgasse

Öffi-App

Öffnungszeiten und Kontakt
Jeden Samstag 14.00 – 18.00 Uhr
+43-1-5864872

Weblinks
www.3mpc.net
www.drittemannmuseum.com
www.facebook.com/ThirdManMuseum

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Friedhof St. Marx

Ein verwunschener Ort: der Friedhof St. Marx

Kaiser Joseph II. ordnete 1783 an, das Beisetzungen aus hygienischen Gründen innerhalb des Linienwalls verboten sind, daraufhin entstanden außerhalb in den Vororten fünf neue „kommunale Leichenhöfe“. Einer von Ihnen entstand in der Nähe des bestehenden Siechenhauses, dem Gebäude war die dem heiligen Markus geweihte Kapelle angeschlossen, daher hieß die Gegend St. Marx. Der St. Marxer Friedhof ist der einzige der in seinem ursprünglichen Umfang erhalten blieb.

Auf dem wunderschönen Biedermeierfriedhof wurden ab 1874, nach der Eröffnung des Zentralfriedhofes, keine Beisetzungen mehr vorgenommen. Der Friehof blieb bestehen, aber im Laufe der Jahre verfielen die Grabsteine zusehends. Dem Erdberger Heimatforscher Hans Pemmer ist es zu verdanken das der Friedhof St. Marx noch besteht, er konnte in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die Verantwortlichen der Stadt Wien von der kulturhistorischen Bedeutung des Ortes überzeugen, da hier Mozart und weitere prominente Persönlichkeiten aus Wien begraben wurden.

Die meisten Besucher kommen heute zu Mozarts Grabmal

Wolfgang Amadeus Mozart starb am 4. Dezember 1791, am kommenden Tag wurde sein Leichnam nach der Einäscherung mit einem Pferdefuhrwerk nach St.Marx gebracht. Mozart verdiente zwar sehr viel Geld und war damals, wie man es heute bezeichnen würde, ein Superstar, aber er gab noch mehr aus, daher hinterließ er nur einen geringen Geldbetrag. Es fand eine Bestattung „dritter Klasse“ statt, da ein die erste und zweite Klasse nur den Adeligen und reichen Bürgern vorbehalten. Mozart wurde mit fünf anderen in einem Schachtgrab begraben, es entsprach den josephinischen Begräbnisvorschriften das kein Grabstein aufgestellt wurde und keine Familienangehörige und Priester anwesend waren.
Das genaue Wissen um den Ort ging verloren, an der vermuteten Stelle schuf um 1895 der Friedhofswärter Alexander Kogler ein aus Bruchstücken alter Grabsteine neues Denkmal, wie wir es heute sehen.

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Der St. Marxer Friedhof wurde im Laufe der Zeit vom Autoverkehr immer mehr eingeschlossen, in unmittelbarer Nähe befindet sich die Tangente (Autobahn A23), und trotzdem ist es eine unwirklich schöne, idyllische und grüne Oase mitten in der Großstadt. Ich liebe diesen Platz zum entspannen und auftanken, ähnlich wie die Steinkreise am Himmel.

Aber am schönsten ist der besondere Friedhof mit dem ein wenig verwilderten Flair im Mai, wenn hier so viele Fliederbüsche auf engen Raum blühen wie nirgendwo in Wien.
In seinem knapp 100 jährigen Bestehen wurden hier etwa 8000 Menschen bestattet. Die Grabinschriften wirken heute etwas seltsam, sie erzählen von den Berufsbezeichnungen und sozialen Status der Verstorbenen, gerade das macht es so interessant sie zu lesen.

Weitere prominente Persönlichkeiten aus dem biedermeierlichen Wien:

sind der Komponist Johann Georg Albrechtsberger und der berühmte Virtuose Antonio Diabelli, der Ringelspielbesitzer Basilio Calafati, die Maler Peter Fendi und Moritz Michael Daffinger, die gefeierte Schauspielerin Therese Krones, der Ziegelfabrikant Heinrich Drasche von Wartinberg, der Gründer des Sofienbades Franz Morawetz, die Weltreisende Ida Pfeiffer, die Hofschauspielerin Katharina Waldmüller, die Architekten Josef Kornhäusl und Peter Nobile, der Techniker Alois Negrelli Ritter von Moldelbe, sowie der Erfinder der Nähmaschine, Josef Madersperger, der in einem Armenhaus in St. Marx verstarb und ein typisch österreichisches Erfinderschicksal erlitt.
Viele Persönlichkeiten wurden exhumiert und nach der Eröffnung des Zentralfriedhofes auf diesem in einem Ehrengrab beigesetzt.

Adresse

Leberstraße 6-8, 1030 Wien

Wiener Linien: Linie 18 bis Wildgansplatz oder Linie 71 bis Litfaßstraße

Öffi-App

Weblinks:

Vienna Tourist-Guide

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Bedürfnisse in Wien

Historische Wiener Bedürfnisanlagen

Bis die ersten öffentlichen Bedürfnisanstalten errichtet wurden, gab es den Beruf der Abtrittanbieter, die auch Buttenmänner, Buttenweiber oder Madame Toilette genannt wurden. Madame Toilette assoziiert man heute mit einem verlockend duftenden Parfum:-).

Die Antrittanbieter gingen mit Eimer und weiten Mäntel durch die Strassen und boten ihre Dienste an, unter dem Mantel konnten dann die Menschen ihre Notdurft verrichten.

Der Berliner Wilhelm Beetz entwickelte und realisierte eine Idee, mit der es zu einer verbesserter Hygiene kam. In Wien suchte er im Jahr 1880 beim Wiener Magistrat an, ihm den Bau und Betrieb von „Bedürfniß-Anstalten für Personen beiderlei Geschlechts“ zu genehmigen. Trotz der schlechten sanitären Zustände lehnte die Stadt Wien sein Ansuchen ab da die Stadt vorhatte selbst solche Bedürfnisanstalten zu betreiben. Nach zwei Jahren stellte Beetz einen neuerlichen Antrag, in dieser Zeit passierte in Wien in Sachen Bedürfnisanstalt nichts, er wies darauf hin das in anderen Städten Bedürfnisanlagen von privaten Unternehmen erfolgreich betrieben wurden. Diese mal war Beetz erfolgreich, im Jahr 1883 erteilte ihm die Stadt Wien die Bewilligung, gegen eine potenzielle Beteiligung der Stadt, Bedürfnisanstalten „aus Eisen mit Ziegelunterbau und Steinsockel in gefälliger Form“ zu errichten. Der Preis zu dieser Zeit waren 10 Heller für die Benutzung eines Klosetts erster Klasse und 6 Heller für die Benutzung der 2. Klassen.

Wien`s schönste Befürfnisanstalt am Graben

Das besondere an den Pissoires war das 1885 patentierte System der „Öldesinfektion“ und des „Ölgeruchverschlusses“. Hier werden die Wandflächen mit einem Mineralöl (Urinol) abgerieben, um ein haften von Urin zu verhindern. Der Geruchsverschluss besteht aus einem Syphon, indem an der Zulaufstelle die stehende Flüssigkeit mit einer Schicht Urinol abgedeckt wird. Da Mineröl leichter als Wasser ist, verbleibt es immer oben und deckt den Geruch ab.

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Im selben Jahr übersiedelte Beetz nach Wien und gründete die Firma „Wilhelm Beetz“, die sich ausschließlich mit der Errichtung öffentlicher Toilettenanlagen beschäftigte. Ende 1903 betrieb die Firma bereits 93 Pissoirs sowie 58 Bedürfnisanstalten.

Luxus endet nicht vor der Bedürfnisanstalt

Im Jahr 1904 wurde die unterirdische Bedürfnisanstalt am Graben errichtet, die feudale Jugendstil Anlage beeindruckt mit geschliffene Spiegel, Marmor, Messing und vergoldeter Schrift, jede Kabine hat einen Spiegel und ein Handwaschbecken. Diese Anlage befindet sich im Originalzustand und ist sicher die schönste Luxus Ausgabe einer Bedürfnisanstalt in Wien. Ich kann nur von den Damentoiletten berichten, aber die sehr nette Toilettenfrau sagte mir das die Ausstattung bei den Herren dieselbe ist.
Diese wunderschöne Bedürfnisanlage sollte man auf jeden Fall gesehen haben.

Es gibt in Wien noch sehr viele historische Bedürfnisanlagen und Pissoires

wie z. B. vier Bedürfnisanstalten aus dem Jahr 1908 im Schlosspark Schönbrunn, 1130 Wien (beim Meidlinger Eingang, Hietzinger Eingang, Menagerie Eingang und westlich des Gartenhauptparterres)
Bedürfnisanstalt Parkring, Ecke Weiskirchnerstraße / Stadtpark, 1010 Wien, aus dem Jahr 1901
Bedürfnisanstalt Türkenschanzpark, bei Gregor Mendel-Straße, 1190 Wien, aus dem Jahr 1902
Bedürfnisanstalt Schönbornpark, 1080 Wien, aus dem Jahr 1903
Pissoir Rabbiner Schneerson Platz 1020 Wien, aus dem Jahr 1901
Pissoir Sievieringerstraße, bei Fröschelgasse (St. Severin Kirche) 1190 Wien, aus dem Jahr 1902

Literatur

Wie kommt der Hirsch aufs Dach?, Wien 2013

ISBN 978-3993001452

Weblinks

Architektenlexikon