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Gustav Mahler

Genie und Perfektionist

er war Wegbereiter der Wiener Schule und der bedeutendste Komponist der romantischen Symphonie, als erster Kapellmeister und Direktor der Wiener Hofoper gelang ihm mit seiner Opernreform das Musiktheater zu entrümpeln und zu revolutionieren, Gustav Mahler gilt heute als einer der interessantesten Komponisten der Moderne.

Mahler wurde am 7. Juli 1860 in Mähren, in der Stadt Kalischt (heute Tschechische Republik) in eine jüdische Gastwirtfamilie hineingeboren. Er ist einer der wichtigsten Komponisten und Dirigenten seiner Zeit und erzielte neben seiner Musik durch zahlreiche Novellierungen am Musiktheater prägende Reformen. Er war einer der berühmtesten Dirigenten seiner Zeit und als Operndirektor ein bedeutender Reformer des Musiktheaters.
Schon im zarten Alter von vier Jahren erhielt der kleine Gustav Akkordeonunterricht und später Klavierunterricht, schon zwei Jahre später komponierte er seine ersten Stücke, die aber leider nicht erhalten blieben. Das Kind Gustav Mahler war sehr belesen und hörte gerne Volks- und Tanzmusik, Militärmusik und jüdische Musik, diese prägte ihn und seine späteren Werke.

die ersten musikalischen Schritte

Sein Debüt als Pianist gab er mit zehn Jahren, mit zwölf Jahren gab er Konzerte mit anspruchsvollen Stücken von Franz Liszt und Sigismund Thalberg, hier zeigte erschon sehr früh sein großes Talent.

Drei Jahre studierte er am Wiener Konservatorium bei Julius Epstein Klavier und bei Franz Krenn Komposition, ein Jahr später gewann das junge Genie in beiden Fächern den ersten Preis.

Im Jahre 1878 schrieb er den Text für „Das klagende Lied“ nach dem Märchen in der Bechstein-Sammlung, im gleichen Jahr beendete er das Kompositionsstudium erfolgreich und gewann mit einem Klavierquintett den ersten Preis.

Gustav Mahler wohnte Vorlesungen von Bruckner bei und studierte einige Semester Musikgeschichte bei Eduard Hanslick.

Mahlers Werdegang von 1880 bis 1896

im Jahr 1880 trat er im Oberösterreicher Sommertheater Bad Hall die Stelle als Kapellmeister an, danach spielte er in Laibach, Olmütz, Kassel, Prag, Leipzig und Budapest. In Kassel lernte der junge Mahler die berühmte Mezzosopranistin der Wiener Hofoper kennen und lieben, später heiratete sie den sehr bekannten Musikkritiker Dr. Hans Paumgartner und auf Grund seiner Einflußnahme wurde Mahler nach Wien berufen. Im Jahr 1888 wurde er in Budapest Königlicher Operndirektor, hier begann auch sein großartiges Schaffen, er komponierte die 1. Symphonie und zwei Jahre später lernte er Johannes Brahms kennen. Im Sommer bevorzugte er Rückziehungsorte um dort ungestört zu arbeiten, unter anderem auch in den Komponierhäuschen in Steinbach am Attersee, Maiernigg am Wörthersee und in Toblach.
Ab 1891 war er sechs Jahre erster Kapellmeister am Stadttheater in Hamburg, hier erlebte er einen kometenhaften Aufstieg am Hamburger Opernhimmel und legte den Grundstein für einen neuen Musikthaterstil. Er dirigierte in den Jahren1894/95 138 von 367 Vorstellungen, weiters acht Philharmonische Konzerte und im selben Jahr wurde seine 2. Sinfonie fertig, in Berlin leitete er die Uraufführung der ersten drei Sätze und komponierte in nur wenigen Wochen fünf Sätze der 3. Sinfonie, heute würde Gustav Mahler als Workalcoholic bezeichnet werden.
In seiner Hamburger Zeit befreundete sich Mahler mit dem jungen Bruno Walter, dieser erhielt in dieser Zeit als Chorleiter ein Engagement am Stadttheater. Walter folgte ihm als zweiter Kapellmeister nach Wien und setzte sich sein ganzes Leben für die Musik Gustav Mahlers ein.

Wiener Jahre als Hofoperndirektor

Johannes Brahms war ein sehr großer Befürworter das der Posten des Hofoperndirektors mit dem Wagnerianer Mahler besetzt wird, aber Cosima Wagner setzte alle Hebeln in Bewegung damit der Jude Gustav Mahler diese Stellung nicht bekam. Mahler ließ sich aber 1897 taufen, somit stand den Verhandlungen nichts mehr im Wege und am 11. Mai 1897 war es soweit, Gustav Mahler hatte die großartige Stellung des ersten Kapellmeisters und Hofoperndirektors und dirigierte zum Debüt den Lohengrin.

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Karl Kraus äußerste zu Mahlers Antritt als Hofoperndirektot folgende Prophezeiung: „Mit Siegfriedsallüren ist in das Opernhaus dieser Tage ein neuer Dirigent eingezogen, dem man es vom Gesicht ablesen kann, dass er mit der alten Misswirtschaft energisch aufräumen wird…Der neue Dirigent soll bereits so effektive Proben seiner Thatkraft abgelegt haben, dass schon fleißig gegen ihn intrigiert wird.“

Mahler hatte bei einer Secessionsaustellung die Bühnen-Maquette zu dem ersten Tristan-Akt von Alfred Roller gesehen, daraufhin holte Alfred Roller den Secessionisten und bildenden Künstler an die Hofoper und setzte mit ihm seine Opernreform durch. Diese stieß natürlich auf heftigen Widerstand der Wiener, Mahlers Plan war es, die Vorführungen auf einer minimalistischen Opernbühne zu spielen, um den dramatischen Effekt und die Leidenschaft der Scenen in den Focus zu stellen. Roller setzte Mahlers Idee mit der ersten Stilbühne zu „Don Juan“ hervorragend um, sie wurde dann von allen Opernhäusern aufgenommen, und Wien war mit dieser Umsetzung in zwei fanatische Lager geteilt: die Mahlerianer und Antimahlerianer.

das Haus Auenbruggergasse 2 in dem Gustav Mahler 9 Jahre wohnte

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Was Mahlers Wirkung ausmachte, war seine leidenschaftliche Sehnsucht, eine tiefe und echte Kunstwahrheit sowie eine Ergriffenheit in den Sängern und Publikum zu wecken, er empfand die Oper aus dem Instrumentalen und nicht aus dem Arioso. Pathetische Gesten der Sänger in überladenen Kostümen und Bühnenbildern waren ihm zuwieder und mit Roller entrümpelte er jahrzehntelange Routine Schlamperei und Bequemlichkeit. In seiner zehnjährigen Zeit als Hofopernintendant genoß das Haus eine Hochblüte und den Beginn der neuzeitlichen Operninszenierung, in dieser Zeit unternahm Mahler zahlreiche Konzertreisen durch ganz Europa, hier gewann er enthusiastische Anhänger in Europa und auch in den USA.
Mahlers Ungeduld mit Sängern und Orchestermitgliedern, die seinen Ansprüchen nicht genügten, die Intrigen der vorhin genannten, besonders die des Orchesters, machten ein Zusammenwirken nicht einfach. Hindernisse und Streitigkeiten seiner Vorgesetzten, eine Pressekampagne gegen ihn mit antisemitischen Tendenzen veranlassten Mahler zu seinem Entlassungsgesuch.

Gustav Mahler wohnte von 1898 bis 1909 in der Auenbruggergasse 2, ab 1900 gemeinsam mit Alma, das Haus wurde von Otto Wagner entworfen.

Alma Schindler

Im November 1900 lernte Mahler die 21 jährige Alma Schindler, Stieftochter von Carl Moll, im Salon von Bertha Zuckerkandl kennen, der sonst sehr introvertierte und fast schon schüchterne Mahler, der kaum Einladungen wahrnahm, war von der Ausstrahlung der jungen und schönen Alma fasziniert. Alma wiederum fühlte sich von der Persönlichkeit Mahlers angezogen und es schmeichelte ihr dass sich der bekannte Dirigent und ihr Idol für sie interessierte, schon nach drei Wochen waren die beiden verlobt und der 19 Jahre ältere Mahler vergaß seine asketische Lebenseinstellung. Im März 1902 wurde geheiratet und Alma Mahler fügte sich den konservativen Vorstellungen ihres Mannes, dieser bestand darauf dass sie nicht weiter komponierte und sich ihren Aufgaben als Ehefrau und Mutter widmete.

Mahler hatte ein riesiges Arbeitspensum und daher sehr wenig Zeit für Besuche bei Freunden und anderen Vergnügungen, während der Ferien arbeitete er in dem für ihn gebauten Komponierhäuschen bis spät in die Nacht, Alma fühlte sich vernachläßigt und ging 1910 mit dem Architekten Walter Gropius eine Liason ein. Mahler erfuhr davon, aber die Beziehung zu Gropius führte sie dennoch weiter.
Alma und Gustav Mahler hatten zwei Töchter namens Maria Anna (1902) und Anna Justina (1904).

Übersiedlung in die USA

Da Mahler 1907 die Hofoper verließ und sehr gute Kontakte in den USA hatte, unterschrieb er einen Vertrag mit der Metropolitan Opera in New York, zu dieser Zeit verstarb ihre gemeinsame Tochter Maria Anna plötzlich an Diphtherie und bei Gustav Mahler wurde eine Herzkrankheit diagnostiziert, beides trieb ihn zu Verzweiflung. Trotzdem schonte er sich nicht, er verarbeitete seine Erlebnisse stets mit Musik und widmete sich wieder sehr intensiv der Musik und dem Komponieren, so entstand das „Das Lied von der Erde“, die 9. Sinfonie und ein Entwurf der 10.Sinfonie.
Die Mahlers reisten 1907 von Wien ab, im Jahr 1908 dirigierte er das erste Mal an der New Yorker Met, seine Musik wurde mit Begeisterung aufgenommen und gefeiert, was seiner in Wien verletzten Seele sehr gut tat.
1909 vollendete Mahler seine 9. Sinfonie, das einleitende Andante wird von vielen als das schönste Stück Mahlers bezeichnet, in diesem Jahr legte er, auf Grund seines schlechten Allgemeinzustands seine übrigen Verpflichtungen zurück und widmete sich nur mehr der Tätigkeit als Konzertdirektor.

Mahlers Neunte

Das „Lied von der Erde“ wäre Mahlers 9. Sinfonie gewesen, aber da er abergläubisch war, da weder Schubert, Bruckner, Beethoven oder Dvorak die 10. erreicht hatten, schrieb er 1908 das „Lied von der Erde“ als 9. Sinfonie, strich aber dann die Zahl wieder durch und meinte bei der 1909 folgenden Neunten: „Eigentlich ist es ja die Zehnte, weil das Lied von de Erde ja meinen Neunte gewesen ist.“ Im Jahr 1910 arbeitete er an der 10. Sinfonie und meinte dazu: „Jetzt ist für mich die Gefahr vorbei.“ Gustav Mahler erlebte weder die Uraufführung „Lied von der Erde“ noch die 9. Sinfonie, die 10. blieb unvollendet. Seine Furcht und sein Aberglaube, das kein großer Musiker die 10. Sinfonie erreicht, hatten sich leider erfüllt.

Gedenktafel Gustav Mahler am Haus Auenbruggergasse 2

gedenktafel gustav mahler,wien-bilder

das letzte Jahr

In seinem Todesjahr gab es auch in New York Schwierigkeiten mit dem Orchester, aber die Uraufführung der 8. Sinfonie im September 1910 in München war ein triumphaler Erfolg. In diesem Jahr erfuhr er von der Liebesaffäre Almas mit Walter Gropius, das wirkte sich sehr negativ auf seinen labilen psychischen Zustand aus und er konsultierte dafür sogar Sigmund Freud, es blieb aber bei einer Sitzung.

Schon todkrank kam Gustav Mahler mit Alma nach Wien, als die Presse verkündete das Mahler schwer krank sei, ergriff Wien eine tiefe Trauer, genau die Menschen die ihm in Wien das Leben schwer machten, trauerte jetzt um ihn.Ist das nicht typisch für die Wiener?

Am 18. Mai 1911 starb Gustav Mahler an Endokarditis im Sanatorium Loew in Wien, auf seinem Begräbnis gab es ein riesiges Blumenmeer und jede/r wußte nur gutes von dem Verstorbenen zu sagen.

Zitat Alexander Girardi (österreichischer Schauspieler 1850 bis 1918): „Ja, im Aufbahren waren die Wiener immer groß!“

Das Grab von Gustav Mahler befindet sich am Grinzinger Friedhof, Gruppe 6, Reihe 7, Nr. 1

Werke Gustav Mahlers

Foto
gemeinfreies Foto Gustav Mahler von Wikipedia

Literatur

Franz Willnauer: Gustav Mahler: die Hamburger Jahre. Hoffmann und Campe, Hamburg 2011
ISBN 978-3-455-50196-4

Franz Willnauer: Gustav Mahler und die Wiener Oper, Wien 1993
ISBN 3-85409-199-0

Helmut Brenner, Reinhold Kubik: Mahlers Welt. Die Orte seines Lebens, St. Pölten/ Salzburg 2011
ISBN 978-3-7017-3202-9

Hans Bankl: Kolumbus brachte nicht nur die Tomaten: Geschichten hinter der Geschichte Gebundene Ausgabe, 2002
ISBN: 978-3218007092

Bertha Zuckerkandl: Österreich intim: Erinnerungen 1892 bis 1942, 2013
ISBN-13: 978-3850028363

Weblinks

https://www.gustav-mahler.org/

oskar kokoschka briefmarke 100 jähriger geburtstag

Oskar Kokoschka

Oskar Kokoschka der Maler, Grafiker, Schriftsteller

zählt zu den wichtigen Vertreter der Moderne, er hat als Maler, Grafiker Dramatiker und Essayist einen promimenten Platz in der Kunst- und Literaturgeschichte.
Er galt als vielseitig talentiert, provokant, rebellisch und nicht angepaßtes „enfant terrible“, seine Kunstwerke waren von einer leidenschaftlichen Unruhe geprägt. Als Maler schuf er Porträts, Landschafts- und Städtebilder, als Dramatiker waren seine Dichtungen von ekstatischen Ausbrüchen und bildkräftiger Phantasie geprägt. Als nicht Angepaßter machte aus seiner Ablehnung gegen das Nazi-Regime keinen Hehl, diese Einstellung und seine Kunst machten ihn zu einem „entarteten“ Künstler.

Oskar Kokoschka wurde am 1. März 1886 in Pöchlarn an der Donau geboren.
Seine frühesten Werke stammten aus der Zeit der k.k. Staatsrealschule in Wien-Währing, dem Grafiker und Maler Carl Otto Czeschka war es zu verdanken das Kokoschka in seiner Klasse aufgenommen wurde, alle anderen Lehrer waren gegen eine Aufnahme. Anschließend studierte er von 1905 bis 1909 an der Wiener Kunstgewerbeschule, auf Grund seines Talentes erhielt er ein Stipendium und seine Lehrer vermittelten ihm Aufträge für Dekorationen und Illustrationen.

Zur Eröffnung des Cabaret Fledermaus durch die Wiener Werkstätte im Jahr 1907 schrieb Kokoschka das Märchen „Das getupfte Ei“ und entwarf die dazu gehörigenSchattenfiguren, in diesem Jahr stellte er Figuren aus Kupferblech her, diese waren beweglich und für ein mechanisches Spiel gedacht. Ein Jahr später publizierte er in der Wiener Werkstätte das Künstlerbuch „Die träumenden Knaben“, im Jahr 1908 nahm er das erste Mal bei einer Ausstellung, der „Kunstschau 1908“, die von Gustav Klimt und Freunden organisiert wurde, teil. Die Werke Oskar Kokoschkas erregten die Wiener Gemüter, das Wiener Gemüt war sehr rasch erregbar:-),und wurden heftig kritisiert, in dieser Zeit freundete er sich mit dem Architekten Adolf Loos dem Wegbereiter der modernen Architektur an, durch Loos Einfluß und dem Rat von Alfred Roller verließ er die Kunstgewerbeschule und lehnte immer mehr den noch maßgebenden Jugendstil ab.

Kokoschka – eine Ikone des Expressionismus

Loos vermittelte seine frühen Portraits, seine expressiven Gemälde fanden vor allem in den deutschen Museen Anklang, durch den Architekten kam er in den Zirkel der Wiener Elite und konnte sehr gute Kontakte knüpfen. Loos schenkte Kokoschka 1909 eine Reise an den Genfer See, von welcher er sehr beeindruckt zurückkehrte, in den Schweizer Ausstellungen studierte er eingehend die Werke von Hodler und Vincent van Gogh, diese Werke inspirierten den jungen Maler sehr und waren wegweisend für seine künstlerische Laufbahn.

Die Bekanntschaft mit dem Kunsthändler Herwarth Walden beeinflußten Kokoschka 1910 nach Berlin zu übersiedeln, hier fertigte für die expressionistische Kunstzeitschrift „Der Sturm“ seine bekanntesten Federzeichnungen zu seinem Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“, diese Zeichnungen führten bei der Uraufführung wegen seinem erotischen Inhalt zu einem handfesten Theaterskandal. Der Kunsthändler Paul Cassirer stellte im Jahr 1911 zum ersten Mal die Werke Oskar Kokoschkas aus, es waren 30 Gemälde und acht Illustrationen zu seiner Dichtung „Der weiße Tiertöter“, sie wurden in Karlsbad im Café „Park Schönbrunn“ ausgestellt. Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus brachte die Ausstellung nach Hagen in sein privates Folkwang Museum und erwarb das Porträt der Herzogin Victoria de Montesquiou-Fesensac das 1909/1910 entstand.
Im Jahr 1911 kehrte Oskar Kokoschka nach Wien zurück und stellte anschließend in einer Ausstellung der Künstlervereinigung Hagenbund fünfundzwanzig Gemälde aus.

Zitat Oskar Kokoschka: „Expressionismus ist Gestaltung des Erlebnisses, solcherart mittelbar und Botschaft vom Ich zum Du. Wie zur Liebe braucht es dazu zwei. Expressionismus lebt nicht im elfenbeinernen Turm, er wendet sich an den Nächsten, den er erweckt.“

Kokoschka und seine exzessive Liebe zu Alma Mahler

1912 lernte Alma Mahler den jungen Maler Oskar Kokoschka, das enfant terrible der Wiener Kunstszene, kennen. Er galt als gewalttätig, unangepasst und ungezügelt, die Presse titulierte ihn als „Oberwildling“. Aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich eine zügellose und intensive Amour fou, wenn er sie nicht liebte, malte er sie und umgekehrt. Seine unglückliche Liebe zu Alma brachte sehr bedeutende Kunstwerke hervor, wie unter anderem die bekannten Fächer und eine Serie von Lithografien. Ein intensiver und aufwühlender Briefwechsel zeigt die Gefühle der leidenschaftlich Liebenden, auch Kokoschkas Malerei wurde durch diese erotische Raserei beeinflußt und änderten seinen Stil, seine Werke zeigten breitere Pinselstrichen und pastos aufgetragene Farben.

Ab dem Jahr 1914 wurde Kokoschka Mitglied der Freien Secession in Berlin, sein privates Leben verlief allerdings sehr turbulent, seine „auffressende“ Leidenschaft verwandelte sich bald in Unterwerfung, seine Eifersucht in Besessenheit. Kokoschkas Mutter schrieb an Alma Mahler: „Wenn Sie Oskar wiedersehen, werde ich Sie erschießen!“ Während dieser exessiven Liebesbeziehung entstand Kokokoschkas berühmtestes Gemälde „Windsbraut“. Alma wurde zweimal von ihm schwanger, beide Male ließ sie abtreiben und versetzte ihm damit einen Schlag, denn er nie verwinden konnte. Seinen physischen Untergang besiegelte die Femme Fatale, als sie ihn solange provozierte bis er als Freiwilliger, mit Hilfe von Loos, im prestigereichen k. u. k. Dragoner Regiment Nr. 15 aufgenommen wird, wo er schwer verwundet wurde.

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Dresden und Zwischenkriegszeit

Ab 1917 hatte Kokoschka seinen Lebensmittelpunkt in Dresden und erhielt 1919 die Professur an der Dresdner Kunstakademie, von der wurde er aber 1927 freigestellt da er wenig anwesend war, Otto Dix erhielt die Professur. Mit Oskar Kokoschka, Max Liebermann und Ernst Oppler wurden 1919 erstmals moderne Radierungen in der dritten Auflage des Kataloges von Hermann Struck „Die Kunst des Radierens“ veröffentlicht. Im Jahr 1925 unternahm er ausgedehnte Reisen in Europa, diese inspirierten ihn zu vielen Städte- und Landschaftsbildern.

Ab 1928 und 1929 zog es Kokoschka vorwiegend nach Nordafrika und in die Gebiete des östliche Mittelmeeres, ein Jahr später wird er Mitglied der Preussischen Akademie der Künste in Berlin. Zu dieser Zeit begannen die Machtdemonstrationenen und Übergriffe der Nazis auf „entartete“ Kunst, im November 1930 wurden im Weimarer Schlossmuseum die Werke von Kokoschka entfernt, insgesamt wurden 70 Werke der Moderne beschlagnahmt, unter anderem waren Werke von Paul Klee, Wassily Kandinsky und Otto Dix dabei. In diesem bewegten Jahr löste er den Vertrag mit dem Verlag des verstorbenen Paul Cassirer auf, da dieser sein Gehalt reduzieren wollte. Ab 1931 hielt er sich wieder in Wien auf, da er aber in Paris und Wien Ausstellungen hatte, pendelte er abwechselnd zwischen den beiden Städten. 1933 starb Adolf Loos, Kokoschka ging es gesundheitlich sowie finanziell nicht sehr gut und zieht daher im Sommer zu seiner Mutter ins Wiener Liebhartstal.
Er äußerte sich sehr kritisch zum Kulturmythos der Nazis in seinem Aufsatz „Totem und Tabu. Denkübungen eines Zynikers“, Kokoschka war Antifaschist und hatte sich diesbezüglich kein Blatt vor den Mund genommen. Auf Grund des Bürgerkrieges und nach dem Tod seiner Mutter floh er im September 1934 nach Prag, wo er seine spätere Frau Olda Palkovská kennenlernte. Ein Jahr später porträtierte er den tschechoslowakischen Staatspräsidenten Thomas G. Massaryk und im gleichen Jahr wurde Kokoschka tschechischer Staatsbürger. In Prag begann er das Drama „Comenius“ und malte den Zuckerfabrikanten und Kunstliebhaber Ferdinand Bloch-Bauer. 1937 wurde der Oskar Kokoschka Bund in Prag gegründet um dem Nazionalsozialistischen Kunstunverständnis Paroli zu bieten. Für die Nazis war er der „Entartetste unter den Entarteten“ und daher ihr größter „Kunstfeind Nr. 1“, in Deutschland wurden 417 seiner „entarteten“ Werke beschlagnahmt.
Im Sommer 1938 fand in Paris eine Ausstellung „Freie Deutsche Kunst“ zusammen mit dem Pariser Deutschen Künstler-Verein statt.

Kokokschkas Flucht nach England und Nachkriegszeit

Mit dem Münchner Abkommen 1938 flüchtete Kokoschka mit Olda Palkovská nach Großbritannien, dort lebten die beiden zunächst in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Hier war er Mitbegründer des „Freien Deutschen Kulturbundes und hatte enge Kontakte zu den österreichischen Exilorganisationen. 1941 heirateten die beiden, zu dieser Zeit entstanden die Bilder „Das rote Ei“ und „Anschluss – Alice in Wonderland“. Aus seinem Exil kritisierte Kokoschka mit seinen Werken die Allierten und prangerte den Größenwahn Hitlers an.
Kurz nach dem Krieg erinnert sich Österreich an seinen großen Sohn
1946 bat ihn der Wiener Bürgermeister Körner in einem Telegramm, das Erziehungswesen in Österreich und die Kunstgewerbeschule zu organisieren, es gab aus Wien zahlreiche Ehrungen zu Kokoschkas 60. Geburtstag. 1947 erhielt das Ehepaar Kokoschka die britische Staatsbürgerschaft, in diesem Jahr besuchte er Wien um das enteignete Haus im Liebhartstal zurückzuerlangen, was ihm nicht gelang.
Die konservative Einstellung und negative Haltung der Wiener Kunstakademie zu Kokoschka dem „Rebell“ und „Bürgerschreck“ erschwerten die Versuche einer Berufung nach Österreich, trotz aller Bemühungen von Seiten einiger Politiker, gelang es nicht ihn zu einer Rückkehr nach Wien zu bewegen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sind seine Werke weltweit anerkannt und in internationalen Ausstellungen wie unter anderem in Basel, Zürich und New York präsent.

Aufenthalt in der Schweiz und weiterer Werdegang

Ab 1951 lebte Kokoschka in Villeneuve/ Schweiz, er übernahm die Leitung der Internationalen Sommerakademie „Schule des Sehens“ in Salzburg und hielt von 1953 bis 1962 Malkurse ab. Nach Gesprächen mit dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler entwarf Kokoschka Kostüme und Bühnenbild für die Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen 1955. Im selben Jahr war er auf der ersten documenta mit sieben Bildern vertreten. Das Wiener Künstlerhaus zeigte 1958 mit großem Erfolg eine große Kokoschka-Retrospektive mit 682 Katalognummern, 1960 erhielt er mit Marc Chagall den Internationalen Erasmus-Preis in Kopenhagen, 1964 erfolgte eine weitere Teilnahme an der documenta mit seinen Werken „Bekenntnis zu Hellas“ und „Apulia“, im Jahr 1970 erschien Kokoschkas Autobiografie „Mein Leben“ die sehr persönlich und schnörkellos geschrieben wurde, drei Jahre später wurde das Oskar-Kokoschka-Dokumentationszentrums in seinem Geburtshaus in Pöchlarn eröffnet, 1974 vollendete er nach 16 Jahren sein Werk „Theseus und Antiope“ und erhielt im gleichen Jahr auf Initiative des damaligen Bundeskanzler Bruno Kreiskys die österreichische Staatsbürgerschaft. Zu seinem 90. Geburtstag gab es zahlreiche Ausstellungen und Ehrungen.
Oskar Kokoschka stirbt am 22.2.1980 im Alter von 94 Jahren in Montreux, sein Grab befindet sich am Friedhof von Clarens bei Montreux.

Zur Erinnerung an den großen Künstler wurde 1980 der „Oskar-Kokoschka-Preis“ für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Kunst von der österreichischen Bundesregierung ins Leben gerufen.

Acht Jahre nach seinem Tod gründete seine Witwe die Kokoschka-Stiftung „Fondation à la mémoire de Oskar Kokoschka“ im Musée Jenisch Vevey, hier befinden sich über tausend Werke des großen Künstlers. Die Universität für Angewandte Kunst in Wien beherbergt Kokoschkas sehr umfassende Bibliothek und zahlreiche Fotografien, der schriftliche Nachlass befindet sich seit 1981 in der Zentralbibliothek Zürich.
Die Stadtgemeinde Pöchlarn kaufte 1998 das Geburtshaus von Kokoschka, um es zu einem Museum und Galerie umzubauen. Im „Kokoschka-Haus“ finden wechslende Ausstellungen mit den Werken des Meisters sowie seiner Schüler und zeitgenössischer Künstler statt.

Oskar Kokoschka gehört zu den bedeutendsten expressionistischen Malern. Seine ausdrucksstarken Porträts, die glühende Affäre mit Alma Mahler, der er mit dem Gemälde „Die Windsbraut“ ein Denkmal setzte sowie seine Städteansichten sind ein Ausdruck dafür, was der Künstler empfunden hat.

Zitat Oskar Kokoschka: „Die wahre Kunst ist eine Kunst des Weglassens. Nur Pseudo-Künstler tragen unter allen Umständen dick auf.“

Foto

© neftali77/depositphotos.com

http://de.depositphotos.com/portfolio-1126085.html

Literatur,Weblinks und Quellen

Oskar Kokoschka, Klaus A. Schröder, Johann Winkler: Oskar Kokoschka, 1999
ISBN-13: 978-3791311234

Markus Brüderlin: Oskar Kokoschka – Humanist und Rebell, 2014
ISBN-13: 978-3777422503

Oskar Kokoschka Haus Pöchlarn

Musée Jenisch Vevey

Oskar Kokoschka-Zentrum

Sammlung im Belvedere

Wien-Geschichte-Wiki

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Dagobert Peche

der fantasievollste Künstler der Wiener Werkstätte

Dagobert Peche ist heute leider in Vergessenheit geraten, obwohl gerade er sehr vielfältige Talente im Kunsthandwerk besaß und mit seinen feinsinnigen Arbeiten vor allem Frauen ansprach. Dagobert Peche gestaltete Innenräume, er designte Möbel, Textilien, Schmuck, Keramin, Glas, Tapeten und Metall.

Dagobert Peche wurde am 3. April 1887 in St. Michael, Salzburg, geboren. 1906 übersiedelte Peche nach Wien um Architektur zu studieren. Die Zeit an der technischen Hochschule (1906 bis 1910), in der er Lehrver-anstaltungen Karl Königs, Max von Ferstels, Leopold Simonys und Eduard Veiths besuchte, tritt ab 1908 in den Hintergrund, da er sich ab dieser Zeit in die Architekturklasse Friedrich Ohmanns an der Akademie der bildenden Künsten einschreiben ließ, Ohmann übernimmt die Schirmherrschaft für Dagobert Peche und wird sein Förderer. In seiner Klasse konnte sich Peche entfalten und während diesem Architekturstudium hinterlässt er seine ersten künstlerischen Spuren.

Im Jahr 1910 reist er mit dem Architekturverein der Technischen Hochschule nach England. Als der Verein zur Feier seines dreißigjährigen Bestandes den „Wachauer Almanach auf das Jahr 1910“ herausgibt, ist Peche an der Gestaltung des Titelblattes, den Kalenderseiten und mehreren Architekturzeichnungen beteiligt. Dem Titel „Architekturzeichnungen“ aber werden die noch aus dem Jahr 1909 stammenden Darstellungen kaum gerecht, Peche liegt wenig daran architektonische Gegebenheiten zu konstatieren, im Gegensatz zu der neuen Wiener Bauschule des Begründers Otto Wagner, die für Disziplin, Form und Rhytmik steht. Das zeigt z. B. ein Blatt des Melker Gartenpavillons, der Bau zeigt verschiedenster Flächenstrukturen in romantisch-historisierender Ausführung, in dieser Zeit erfuhr er seine ersten Anerkennungen und das Lob seiner Lehrer.  1910 fuhr er als Teilnehmer einer Vereinsreise nach England, diese Reise prägte ihn für seine weiteren Interessen.

Mit dem Ende des Studiums an der Akademie erhielt er den „Rompreis“ und fuhr für ein halbes Jahr nach Paris, dort faszinierte ihn am meisten der Louvre mit seinen Möbel,Teppiche und der nationalen Malerei um Watteau. Besondere Anziehungskraft übten auf ihn zwei Meisterstücke der Gotik und des Barock: ein kleiner altfranzösischer Gobelin und ein Louis-Quinze-Stuhl, sie prägten ihn als angehenden Kunsthandwerkers. Bei der Rückkehr nach Wien unternimmt er einen Abstecher nach Darmstadt, um seine graphischen Zyklen „Liebe und Tand“ und „Die Schatulle“ dem Herausgeber der Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration“ Alexander Koch anzubieten, der Besuch bringt keinen unmittelbaren Erfolg. Jedoch 1913 nimmt Alexander Koch einen von Rene Delhorbe verfassten Artikel über Dagobert Peches an, zu dieser Abhandlung treten in den kommenden Jahren Beiträge von Autoren wie Berta Zuckerkandl, Leopold Wolfgang Rochowanski oder Willy Frank, die Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration“ wird jenes Organ, das die künstlerische Entwicklung Peches am detailreichsten kommentiert. Delhorbes Ausführungen sind zahlreiche Abbildungen beigefügt, die über Peches breitgefächerte Tätigkeit zwischen 1910 und 1913 aufzeigen. Weiters steht in Delhorbes Ausführungen: „Peches Schwerpunkt liegt nun eindeutig auf dem kunstgewerblichen Gebiet: Dosen und Tafelaufsätze, mit pointiert gesetzten Blüten, punktierten Linien dekoriert oder ganzheitlich von Blätterranken überzogen, sind zu sehen, Broschen werden mit rokokohaften Damen geziert und aus den Zyklen „Liebe und Tand“ und die „Puderquaste“ entnommenen Beispielen spricht der stilistische Rückgriff auf Aubrey Beardsley, dessen Frivolität Peche jedoch ins Dekorative und Liebliche kehrt“.

dem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt

Dagobert Peche, der im Jahr 1911 Josef Hoffmann kennengelernt hat, arbeitet nach der Rückkehr aus Paris als Entwerfer für die Firmen Johann Backhausen, Philipp Haas, die Wiener Keramik, die Wiener Porzellanmanufaktur Josef Böck, Thausig & Komp., Jul. Jacksch-Atzgersdorf sowie P. Piette-Bubentsch.

Im Jahr 1912 wendet er das Erlernte bei der Änderung der Hoffassade des Daberkowschen Wohnhauses (Nelly Daberkow war seine Ehefrau) in der Neubaugasse 29 an, dort befand sich auch sein Atelier, künftig gilt sein Interesse jedoch der Innenraumgestaltung – exakter bezeichnet – der Raumgestaltung.

Sehr große Aufmerksamkeit erweckt er durch die Teilnahme an der im Mai 1913 im Österreichischen Museum stattfindenden Ausstellung der „Österreichischen Tapeten-, Linkrusta- und Linoleumindustrie“ durch seine graziöse Tapetenmuster aus ovalen Blütenbündeln auf gestreiftem Grund oder aus Füllhörnern in geschwungenen Rauten bestehenden Tapetenmuster. Der dem Ausstellungskomitee angehörende Josef Hoffmann lädt Peche, der durch die Eigenart und Vielfalt der präsentierten Tapeten und Möbel auf sich aufmerksam macht, 1914 zur Installierung der österreichischen Abteilung der Internationalen Kunstausstellung in Rom und in der Folge zur Mitarbeit am österreichischen Haus der Kölner Werkbundausstellung ein. Gegensätzliches bestimmt nicht nur das Verhältnis der Ausdrucksformen Hoffmanns und Peches in dieser Zeit, sondern auch Peche selbst bezieht die Wirkung seiner Raumgestaltungen aus dem gekonnten Einsatz von Kontrasten, wie etwa ein „Damenboudoir“ Peches, dessen Konzeption in krassem Gegensatz zur Strenge des von Josef Hoffmann gestalteten Außenbaus steht.

Die Modeausstellung im Jahr 1915 im Österreichischen Museum bildet die nächste Station der Raumkunst Peches. Die Säulenhalle des Museums wird durch ihn zu einem von dunklen Tapeten mit inselhaft verteilten Bouquets begrenzten Umhang, in dem sich in rhytmischem Wechsel spannungsreich hell erleuchtete Vitrinen öffnen. In dieser Ausstellung fällt der Ornamentiker Peche wieder durch seine Form auf, die dem erstarrten Kunsthandwerk neues und lebendiges Leben einflößte.

Seit Jahresbeginn 1915 ist Peche Mitarbeiter der Wiener Werkstätte, im Rahmen der Wiener Werkstätte erhält er Gelegenheit, seine künstlerischen Absichten in den verschiedensten Materialien, in der neuen Stilistik und dem feminin ausgerichteten Konzept zu präsentieren, fachkundige Unterstützung in der Ausführung der Entwürfe, die er z. B. durch den Elfenbeinschnitzer Friedrich Nerold erhält, erweitert seinen Handlungsspielraum.

Notiz des Künstlers
„Kunst ist das Bestreben, die unsichtbaren Rhytmen, welche uns umgeben, zu ahnen, ihr Gesetz zu finden, das Chaos zu klären“.

Die Etablierung Peches in der Wiener Werkstätte unterbricht ein Militärjahr, anschließend bestellt man ihm im Jahr 1917 zum Leiter der neugegründeten Wiener Werkstätte-Filiale in Zürich, welcher Peche in der Ausstattung des Verkaufsraumes sofort ein unnachahmliches Gepräge verleiht, in den Jahren 1917 bis 1919 entstand eine Vielzahl exquisiter Schmuckstücke in den erlesensten und hochwertigsten Materialien in Dagobert Peches präziser, filigraner und einzigartiger Ausdrucksweise. Die geschwungenen Möbel der Tapetenausstellung 1913 sind beinahe vergessen, der Raum ist von sparsam ornamentierten kubischen Elementen durchdrungen, über die sich üppige Fruchtgirlanden und Tüllvorhänge hinwegsetzen. Kuben, Fruchtgirlanden und ein nacktes Mädchen über der Tür, die Dreiheit von Architektur, Vegetation und Mensch, verbindet Peche unter dem Deckmantel eines genialen und beeindruckenden Ladeninterieurs.

Das Schwarz-Weiß-Gold seiner frühen Werke hat keine Geltung mehr, das Ombré, schattierte Farbharmonien, sind an seine Stelle getreten. Daphne, die sich dem Zugriff des Apollo durch die Verwandlung in einen Lorbeerbaum entzogen hat, ist für Peche mehr als ein Motiv, das durch die Mitarbeiterinnen Louise Leonore Maas und Charlotte Billwiller in Tüll oder Seide umgesetzt werden kann. Dagobert Peches Damen sind halb Kind und Kinder sind halb Damen. Körperlose Wesen, Köpfe, von Blättern umsponnen, von Schleiern verhüllt, beleben Stickereien und Zeichnungen. Ein goldener Apfel der Verführung hat jene zugespitzten Blätter, die Peches Kunst um 1919 durchsetzen, und wird dadurch selbst für die Trägerin zu einem gefährlichen Objekt.


Im Dezember 1919 wird Peche nach Wien zurückberufen. Er, der durch den Züricher Aufenthalt von den Wirkungen des Krieges einige Zeit verschont geblieben ist, bekommt das Nachkriegselend nun um so mehr zu spüren. Ein nahezu dem Verfall preisgegebenes Haus in Ober St. Veit ist das einzige Quartier, das er für sich, seine Frau und die beiden Töchter finden kann. Durch die widrigen Umstände und der Feuchtigkeit des Hauses erkranken Peche, seine Frau und Kinder, er begegnet dem Elend durch doppelte Aktivität und nimmt an der Kunstschau 1920 teil, fertigt sein bravouröses Ehrengeschenk zu Josef Hoffmanns 50. Geburtstag und reist 1921 nach Köln um in der Firma Flammersheim & Steinmann die Ausführung einer Serie neuer Tapeten zu überwachen. In den Einrichtungsgegenständen für Ing. Ast und in der Wohnung Wolko Gartenberg äußern sich die neuen Tendenzen seiner Kunst, die räumlichen und plastischen Empfinden eine weit größere Bedeutung zugestehen als bisher. Eine Serie von Spiegelrahmen, ausgeführt in der Wiener Werkstätte und in der Firma Max Welz, bildet den Teil einer Auslese, die sein Schaffen in den letzten Jahren dokumentiert.

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Bereits schwer erkrankt fährt Peche noch zur „Deutschen Gewerbeschau“ 1922 nach München, dann zwingen ihn ständige Fieberanfälle ins Sanatorium Aflenz. Das Bemühen seines Freundes Josef Urban, durch eine Sammlung in New York bessere Lebensumstände für Peche herbei-zuführen, kommt beinahe zu spät. Ein Haus wird angekauft, Peche wird dorthin gebracht, ans Bett gefesselt entwirft er noch Skizzen für die Inszenierung des Richard Strauss-Baletts „Schlagobers“, bevor er am 16. April 1923 stirbt, sein Grab befindet sich am Hietzinger Friedhof, Gruppe 10, Nr. 81.

Dagobert Peches schöpferische Phantasie und Ornamentik belebte alle kunstgewerblichen Teilgebiete und er fand für jedes Material und jede Technik neue Möglichkeiten der dekorativen Gestaltung durch ansprechende Stoffmuster und Farben für die Tapetenindustrie, den Stoffdruck, der Spitzenklöppelei und Stickerei. Durch seine Originalität und einzigartige Formensprache beeinflusste er die Goldschmiedekunst und Elfenbeinschnitzerei, Spiegelrahmen und Möbelformen, Keramik und Metallwaren, Papierindustrie und Mode im Kunsthandwerk.

Foto
aus dem Buch: Eine Auswahl seiner Werke von Max Eisler

Literatur

Dagobert Peche und die Wiener Werkstätte, Die Überwindung der Utilität von Peter Noever, Wien 1998
ISBN-13: 978-3775707534

Dagobert Peche. Eine Auswahl seiner Werke von Max Eisler
Wien-Leipzig, 1925
ASIN: B007Y09TCY

Wiener Werkstätte, Avantgarde – Art déco – Industrial Design von Waltraud Neuwirth, Wien1986
ISBN-13: 978-3900282226

Weblinks

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