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Hohe Brücke

moderne Eisenkonstruktion der Jahrhundertwende

die Hohe Brücke befindet sich in der Inneren Stadt und bildet eine Verbindung über den Tiefen Graben, das Jugendstiljuwel wurde in den Jahren 1903/1904 erbaut. Es ist an diesem Ort nicht die erste Hohe Brücke, Brücken haben hier eine lange Tradition und es gab hier schon zwei Vorgängerinnen:-), ihren Namen erhielt sie aufgrund ihrer hohen Lage.

die Geschichte der Hohen Brücke

Schon in der Römer- und Babenbergerzeit überspannte eine Brücke den Tiefen Graben, dieser war kein Stadtgraben wie sehr oft angenommen wird, er ist das ehemalige Bett des Ottakringerbaches, in das später ein Arm des Alser-Baches geleitet wurde. In der Zeit Babenberger befand sich zwischen Wipplingerstraße 21 und 22 ein Tor der Burgmauer, heute erinnert eine Tafel am Haus Wipplingerstraße 22 mit der Inschrift: „Hier stand zur Zeit der Babenberger ein Stadtthor“. Die ersten Aufzeichnungen über die Brücke stammen aus dem Jahr 1295, sie war damals eine Holzkonstruktion und wurde schon damals als Hohe Brücke bezeichnet. Erst im 15. Jahrhundert, seit der Ableitung des Alserbaches war sie eine gemauerte Brücke mit einem Spitzbogen.
Im 18. Jahrhundert, in der Zeit Leopold des I., wurden von den Theatinern die Statue des Schutzpatron der Brücken, der hl. Nepomuk, und auf der anderen Seite die Statue des hl. Kajetan von Tiene aufgestellt, dieser hatte 1524 den Theatinerorden gegründet. Das 1707 erbaute Kloster der Theatiner grenzte direkt an die Hohe Brücke, im Jahr 1725 wurde dann die Johanneskapelle erbaut, sie besaß an jeder Seite eine Tür, von dieser gelangte man über die überdachten Gänge zum Tiefen Graben, später wurden sie durch eine Stiege ersetzt, die zu dem Haus „Zum Bacchus“ führte. Nach dem Niedergang des Ordens im 18. Jahrhundert, wurde das Kloster unter Kaiser Joseph II. außer Kraft gesetzt.

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Da die Wipplingerstraße verbreitert wurde und die alte Brücke sehr desolat war, wurde sie im Jahr 1857/1858 durch eine neugotische Brücke ersetzt. Der Brückenbogen hatte die Form eines Tudorbogen, das Geländer war eine steinerne Brüstung, diese war an beiden Seiten mit den Wappen von Wien und Niederösterreich mit der Jahreszahl 1858 verziert, während dem neuen Bau wurde die Johanneskapelle entfernt. Diese Brücke hielt aufgrund des vermehrten Verkehrsaufkommens nur fünfundvierzig Jahre stand.

das heutige Jugendstil-Juwel

die neue Hohe Brücke wurde in den Jahren 1903/1904 nach den Plänen von Josef Hackhofer (Architekt des „Husarenhaus“ am Graben 18 / Kohlmarkt 1) und Karl Christl im Jugendstil erbaut, die Stahlkonstruktion wurde von Anton Biró (heute Waagner-Biro) und Hofbaumeister Heinz Gerl ausgeführt. Die Hohe Brücke ist eine Eisenkonstruktion mit einer Spannweite von 15 Metern, diese waren um die Jahrhundertwende sehr modern, wie am Beispiel des Eiffelturms oder des Wiener Riesenrades sieht, die neue Hohe Brücke war auch wesentlich länger und weiter als die Brücken. Am 11. März 1904 fand die Schlusssteinlegung mit Bürgermeister Dr. Karl Lueger statt, an einem der Brückenpfeiler befindet sich eine Gedenktafel.
Die Stirnflächen der Brücke sind mit Marmor verkleidet, sie wurden mit Gravuren der früheren Brücken, den Jahreszahlen 1782-1857 und 1858-1903, in denen sie entstanden und demontiert wurden, und den Wappenschilden von Wien und Niederösterreich versehen. Die inneren Seitenwände haben die Optik von Geschäftsportalen mit Rollläden, sie dienen aber nur der Verzierung. Die beiden Stiegenanlagen führen von der Wipplingerstraße hinunter auf den Tiefen Graben und umgekehrt.
In den Jahren 1979 bis 1981 wurde die Brücke saniert, 1996 erfolgte eine neuerliche Renovieung.

Die Hohe Brücke sieht in der Nacht besonders schön aus und erstrahlt den Tiefen Graben mit etwa 3.000 Watt, sie ist eines der schönsten technischen Jugendstilbauten und steht unter Denkmalschutz. Von dem Haus Wipplingerstraße 22 überblickt stolz ein großer Rauchfangkehrer die Hohe Brücke, Wipplingerstraße und den Tiefen Graben, man erwartet sich unter ihm die Innung der Rauchfangkehrer oder ein Geschäft desselben, weit gefehlt – der große Mann ist das Werbesymbol der Geschäftsstelle der Klassenlotterie „Hohe Brücke“ und soll symbolisch Glück bei einem Klassenloskauf bringen.

Wenn ihr auf der Hohen Brücke Richtung Donaukanal blickt, dann werft einen Blick auf die rechte Seite des Tiefen Graben, hier steht das bekannteste und älteste Stundenhotel von Wien, es wurde 1901 errichtet und 1912 im Jugendstil neu fassadiert.

Adresse

Wipplingerstraße 23, 1010 Wien

Wiener Linien: U1 und U4 bis Schwedenplatz

Öffi-App

Literatur

Harald Jahn, Isabella Ackerl: Unbekanntes Wien: Verborgene Schönheit. Schimmernde Pracht,2010
ISBN 978-3854315131

Henriette Mandl: Wiener Altstadtspaziergänge, 2001
ISBN-13: 978-3800038282

Manfred Wehdorn und Ute Georgeacopol-Winischhofer: Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich, 1997
ISBN-13: 978-3205072027

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Hohe Brücke

moderne Eisenkonstruktion der Jahrhundertwende

die Hohe Brücke befindet sich in der Inneren Stadt und bildet eine Verbindung über den Tiefen Graben, das Jugendstiljuwel wurde in den Jahren 1903/1904 erbaut. Es ist an diesem Ort nicht die erste Hohe Brücke, Brücken haben hier eine lange Tradition und es gab hier schon zwei Vorgängerinnen:-), ihren Namen erhielt sie aufgrund ihrer hohen Lage.

die Geschichte der Hohen Brücke

Schon in der Römer- und Babenbergerzeit überspannte eine Brücke den Tiefen Graben, dieser war kein Stadtgraben wie sehr oft angenommen wird, er ist das ehemalige Bett des Ottakringerbaches, in das später ein Arm des Alser-Baches geleitet wurde. In der Zeit Babenberger befand sich zwischen Wipplingerstraße 21 und 22 ein Tor der Burgmauer, heute erinnert eine Tafel am Haus Wipplingerstraße 22 mit der Inschrift: „Hier stand zur Zeit der Babenberger ein Stadtthor“. Die ersten Aufzeichnungen über die Brücke stammen aus dem Jahr 1295, sie war damals eine Holzkonstruktion und wurde schon damals als Hohe Brücke bezeichnet. Erst im 15. Jahrhundert, seit der Ableitung des Alserbaches war sie eine gemauerte Brücke mit einem Spitzbogen.
Im 18. Jahrhundert, in der Zeit Leopold des I., wurden von den Theatinern die Statue des Schutzpatron der Brücken, der hl. Nepomuk, und auf der anderen Seite die Statue des hl. Kajetan von Tiene aufgestellt, dieser hatte 1524 den Theatinerorden gegründet. Das 1707 erbaute Kloster der Theatiner grenzte direkt an die Hohe Brücke, im Jahr 1725 wurde dann die Johanneskapelle erbaut, sie besaß an jeder Seite eine Tür, von dieser gelangte man über die überdachten Gänge zum Tiefen Graben, später wurden sie durch eine Stiege ersetzt, die zu dem Haus „Zum Bacchus“ führte. Nach dem Niedergang des Ordens im 18. Jahrhundert, wurde das Kloster unter Kaiser Joseph II. außer Kraft gesetzt.

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Da die Wipplingerstraße verbreitert wurde und die alte Brücke sehr desolat war, wurde sie im Jahr 1857/1858 durch eine neugotische Brücke ersetzt. Der Brückenbogen hatte die Form eines Tudorbogen, das Geländer war eine steinerne Brüstung, diese war an beiden Seiten mit den Wappen von Wien und Niederösterreich mit der Jahreszahl 1858 verziert, während dem neuen Bau wurde die Johanneskapelle entfernt. Diese Brücke hielt aufgrund des vermehrten Verkehrsaufkommens nur fünfundvierzig Jahre stand.

das heutige Jugendstil-Juwel

die neue Hohe Brücke wurde in den Jahren 1903/1904 nach den Plänen von Josef Hackhofer (Architekt des „Husarenhaus“ am Graben 18 / Kohlmarkt 1) und Karl Christl im Jugendstil erbaut, die Stahlkonstruktion wurde von Anton Biró (heute Waagner-Biro) und Hofbaumeister Heinz Gerl ausgeführt. Die Hohe Brücke ist eine Eisenkonstruktion mit einer Spannweite von 15 Metern, diese waren um die Jahrhundertwende sehr modern, wie am Beispiel des Eiffelturms oder des Wiener Riesenrades sieht, die neue Hohe Brücke war auch wesentlich länger und weiter als die Brücken. Am 11. März 1904 fand die Schlusssteinlegung mit Bürgermeister Dr. Karl Lueger statt, an einem der Brückenpfeiler befindet sich eine Gedenktafel.
Die Stirnflächen der Brücke sind mit Marmor verkleidet, sie wurden mit Gravuren der früheren Brücken, den Jahreszahlen 1782-1857 und 1858-1903, in denen sie entstanden und demontiert wurden, und den Wappenschilden von Wien und Niederösterreich versehen. Die inneren Seitenwände haben die Optik von Geschäftsportalen mit Rollläden, sie dienen aber nur der Verzierung. Die beiden Stiegenanlagen führen von der Wipplingerstraße hinunter auf den Tiefen Graben und umgekehrt.
In den Jahren 1979 bis 1981 wurde die Brücke saniert, 1996 erfolgte eine neuerliche Renovieung.

Die Hohe Brücke sieht in der Nacht besonders schön aus und erstrahlt den Tiefen Graben mit etwa 3.000 Watt, sie ist eines der schönsten technischen Jugendstilbauten und steht unter Denkmalschutz. Von dem Haus Wipplingerstraße 22 überblickt stolz ein großer Rauchfangkehrer die Hohe Brücke, Wipplingerstraße und den Tiefen Graben, man erwartet sich unter ihm die Innung der Rauchfangkehrer oder ein Geschäft desselben, weit gefehlt – der große Mann ist das Werbesymbol der Geschäftsstelle der Klassenlotterie „Hohe Brücke“ und soll symbolisch Glück bei einem Klassenloskauf bringen.

Wenn ihr auf der Hohen Brücke Richtung Donaukanal blickt, dann werft einen Blick auf die rechte Seite des Tiefen Graben, hier steht das bekannteste und älteste Stundenhotel von Wien, es wurde 1901 errichtet und 1912 im Jugendstil neu fassadiert.

Adresse

Wipplingerstraße 23, 1010 Wien

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Literatur

Harald Jahn, Isabella Ackerl: Unbekanntes Wien: Verborgene Schönheit. Schimmernde Pracht,2010
ISBN 978-3854315131

Henriette Mandl: Wiener Altstadtspaziergänge, 2001
ISBN-13: 978-3800038282

Manfred Wehdorn und Ute Georgeacopol-Winischhofer: Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich, 1997
ISBN-13: 978-3205072027

art nouveau französische botschaftschwarzenbergplatz

französische Botschaft in Wien

Art Nouveau am Schwarzenbergplatz

Das Gebäude der französischen Botschaft hat mich schon als Kind fasziniert, jedes Mal wenn wir vorbei spazierten fragte ich meine Eltern warum wir hier nicht wohnen;-) zu Hause zeichnete ich immer das Palais nach, es gehörte zu meinen frühkindlichen Werken wie das Parlament und Rathaus.
Heute wohne ich noch immer nicht in dem Art Nouveau Palais, aber ich finde es nach wie vor sehr faszinierend:-).

Im Jahr 1909 wurde die neue französische Botschaft am Schwarzenbergplatz 12 eröffnet wurde, Gespräche über einen Neubau einer französischen Botschaft gingen auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, die französischen Diplomaten hatten immer in angemieteten Häusern logiert und bis 1909 keine eigenständige Residenz besessen. Das letzte angemietete Haus war das Palais Lobkowitz, der Botschafter Agénor de Gramont beschwerte sich in Paris, dass er das französische Kaiserpaar im angemieteten Palais Lobkowitz nicht würdig empfangen könne, da die öffentlichen Pferdefuhrwerke ihren Standplatz vor der Botschaft hätten und die Geruchsbelästigung zu groß sei.


Anlässlich der Stadterweiterung verkaufte die Stadt Wien im Mai 1901, nach zähen Verhandlungen mit dem Wiener Stadterweiterungsfonds, der Republik Frankreich drei Parzellen. Im Mai dieses Jahres wurde der Kaufvertrag unterfertigt und vom Wiener Bürgermeister Karl Lueger gegengezeichnet.
Den Bauauftrag erhielt der Architekt O. Carre gemeinsam mit der Wiener Baufirma Bauque & Pio, im Jahr 1901 wurden die Arbeiten aus unbekannten Gründen dem jungen französische Architekt Georges-Paul Chédanne, der bei der Weltausstellung 1899 einen Grand Prix gewonnen und in Paris die legendären Galeries Lafayette erbaut hatte, übertragen.

die Legenden um die französische Botschaft

In dieser Zeit begann auch die Gerüchteküche um das im Art Nouveau erbauten Gebäude zu brodeln. Ein anderes Gerücht verbreitete sich, dass die Architekturpläne mit den Plänen für Konstantinopel vertauscht worden wären oder sogar in Kairo, was sehr merkwürdig ist, da es zu dieser Zeit keine Botschaft in Ägypten gab. Die Legende der vertauschten Pläne könnten daher kommen, dass der Verwalter im Jahr 1912 mit der Möblierung der Botschaften in Wien sowie für Konstantinopel beauftragt wurde.

Das Palais im französischen Jugendstil

ist ein prächtiges dreistöckiges Gebäude, dass Parallelen zur französischen Palastarchitektur des 18.Jahrunderts aufweist. Auffallend ist das Fehlen eines Portales an der Hauptfassade, der Haupteingang befindet sich mit seiner geschwungenen Marquise auf der Rückseite, auf seinem Giebel befinden sich die stolzen Initialen der République Française – R.F., diese sind von drei weiblichen Figuren umgeben und versinnbildlichen die Liberté, Égalité und Fraternité. Der Blickfang an der Hauptfassade sind die, als zwei große Reliefs dargestellten, weiblichen Figuren aus vergoldeter Bronze, sie stellen die französisch-österreichische Freundschaft durch die Allegorien der „Austria“ und der „France“ dar, die einander die Ehre erweisen.

Die „Austria“ stammt vom Bildhauers Paul Gasq, die „France“ wurde vom Bildhauer François Sicard entworfen. Das Gebäude und die Innenräume präsentieren den französischen Jugendstil, die Möbel, Stoffe, Geschirr, Beleuchtungskörper uvm. wurden von den bedeutendsten Künstler Frankreichs entworfen, der aufwendige Aufzug wurde von der Wiener Firma Freissler und Füglister hergestellt. Der französische Möbeldesigner Louis Majorelle fertigte in seinem Kunsthandwerksatelier in Nancy unter anderem die geschwungenen Fenster- und Balkongeländer entlang der Fassaden an oder die prunkvollen Geländers entlang der Ehrentreppe.

das Art Nouveau Gebäude wurde als Affront empfunden

und traf nicht den Geschmack der WienerInnen, sie fanden den Stil als fremdartig und auch „orientalisch“, obwohl sich die meisten schon an die exotische, im Jahr 1890, erbaute Zacherlfabrik gewöhnt hatten. Die Wiener hatten sehr oft Vorbehalte gegen Neues, diese konservative Einstellung ist manchesmal auch heute noch zu finden.

Das „Illustrierte Extrablatt“ schrieb damals von dem „im Barockstil gehaltenen Palais..“, M. Paul meinte im Jahr 1910 in seinem Buch „Technischer Führer durch Wien“: „als ein Fremdling im architektonischen Bilde unserer Stadt“. Der Inspektor des französischen Außenministeriums für Immobilien hingegen meinte, „daß es Frankreich zu Ehren gereicht“.

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Die Gestaltungsweise im französischen Art Nouveau konnte in Wien jedenfalls nicht Fuß fassen, denn das Gebäude „verrät sofort, dass sein Architekt kein Wiener war“, wie selbst Ákos Moravánszky, Professor für Architekturtheorie, in seinem Buch „Die Architektur der Donaumonarchie“ aus dem Jahr 1988 formuliert.

Anfang der zwanziger Jahre, als sich die österreichisch-französischen Beziehungen wieder einmal auf einem Tiefstand befanden, lehnten auch die Franzosen den Baustil als entsetzlich ab. Der damaliger Botschafter verurteilte den zweifelhaften Geschmack und den fehlenden Einklang mit dem Stil des Hauses Habsburg, nach Ende des ersten Weltkrieges wurde sogar der Verkauf, des als unproportioniert befundenen Gebäudes, erwogen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus beschädigt, und der neue französische Hochkommissar Antoine Bethouart nahm lieber in Hütteldorf Quartier, als in der Nähe der Russen. Fast wäre die französische Botschaft abgerissen worden, zum Glück hatte sich der damalige französische Kulturminister und bedeutende Literat Andre Malraux für ihren Erhalt eingesetzt.

Die Umbauarbeiten waren nicht mit gutem Geschmack gesegnet, aber umso mehr mit Zerstörung, es wurde die prächtige Ornamentik massiv zerstört und die großen Empfangsräume wurden zum Teil in Büros umgewandelt.

Aber trotz allem ist das Palais am Schwarzenbergplatz 12 ein Prunkstück seiner Epoche.

Adresse

Technikerstraße 2, 1040 Wien

Wiener Linien: Linie 71 oder D bis Schwarzenbergplatz

Öffi-App

Literatur

Architektur der Diplomatie: Repräsentation in europäischen Botschaftsbauten, 1800-1920 von Jakob Hort, 2014
ISBN-13: 978-3525101339

Weblinks

http://www.ambafrance-at.org/-Deutsch-

https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Franz%C3%B6sische_Botschaft

http://www.architektenlexikon.at/de/76.htm

jugendstiltheater mittersteig,schandfleck in wien

Theater am Mittersteig

und noch ein Verfall eines historischen Theaters

Das Jugendstiltheater am Mittersteig wird auch Mala Strana, nach einem ehemaligen Möbellager, dem letzten Mieter des Theaters, genannt. Für mich unverständlich, da es nur ein Mieter von vielen war, aber da noch immer der Firmennamen auf dem Portal zu sehen ist, hat sich der Name eingeprägt.
Malá Strana bedeutet auf Deutsch: „Die Prager Kleinseite“ und ist mit dem Kleinseitner Ring ein Stadtteil von Prag. Das Theater befindet sich im Ferdinand-Hof am Mittersteig 15, im 4. Wiener Gemeindebezirk, beim Cissy-Kraner-Platz.


Das Haus am Mittersteig 15 hat mehrere Höfe und Stiegen, seit 1991 hat  die Hausverwaltung mehrmals gewechselt und so wurde es zum Spekulationsobjekt. Um 2000 wurde das Dachgeschoss ausgebaut und die allernotwendigsten Renovierungen, mit billigen Mitteln wurde oberflächlich die Optik verbessert, durchgeführt. Der Keller ist feucht, hier wurden nur sehr wenige Sanierungsmaßnahmen getroffen, und daher ist es für viele Interessenten eine zu große finanzielle Belastung das Theater wieder zu bespielen oder eine andere Idee umzusetzen. Die sanierte Fassade des Hauses und das völlig derangierte slumähnliche Theaterportal sind ein sehr großer Gegensatz, kurz gesagt, es ist ein Schandfleck auf dem Platz in Wien und eine Herabwertung des Hauses.

Sollte es nicht im Interesse der Hausverwaltung sein das Portal zu sanieren?

die turbulente Geschichte des Jugendstil-Theater am Mittersteig

Der Ferdinand-Hof wurde im Jahr 1910/11 von Franz Kupka und Gustav Orglmeister in secessionistischer Architektur erbaut. Den Theatersaal im Keller des Hauses betrieb der Hauseigentümer Ferdinand Böhm, aber nach einem kurzem und erfolglosen Theaterbetrieb wurde der Saal schon im Jahr 1913 zu einem Kino mit 556 Plätzen umfunktioniert, auch dies brachte nicht den erhofften Gewinn.

Ferdinand Böhm geriet in den 20er-Jahren in finanzielle Schwierigkeiten und so wurde das Kino an die Republik Österreich verpfändet, danach ging der Betrieb weiter. Ab dem Jahr 1923, bis zu Kriegsbeginn, wurden auch Singspiele des Arbeitervereins Margareten veranstaltet und später wurde die Projektoranlage für Tonfilme ausgerüstet.

In der Besatzungszeit wurde das Jugendstiltheater als Bordell für alliierte Soldaten genutzt, danach war es wieder ein Kino das den Namen „Wiedner Grandkino“ erhielt, da es wieder Verluste schrieb wurde es am 15.12.1969 geschlossen. Danach wurde es eine Außenstelle der Stadthalle namens „Athletic Center“ , anschließend stand es einige Zeit leer um dann von Regisseur und Theatermacher Markus Kupferblum 1994 für sein „Totalen Theater“ entdeckt zu werden. Nachdem die Subventionen gestrichen wurden, mußte der Theaterbetrieb sehr bald wieder beendet werden. Auch Hubsi Kramar hatte mit dem Jugendstil-Theater kein Glück, zuletzt wurde es zu einem Lager der Firma „Mala Strana“, von ihr stammt der Name und die „Behübschung“ des Portals. Die Möbelfirma zog im Jahr 1998 aus und seitdem wartet das historische Jugendstiltheater auf neue Besitzer.

Die Eigentümerin Conwert Immobilien Invest SE erreichte im Jahr 2011 die Umwidmung für eine Nutzung als Geschäftslokal, anschließend gab es immer wieder Gerüchte das ein Supermarkt! oder ein Fitnesscenter in das Theater einzieht. Nach bekannt werden der Umwidmung machte eine Gruppe von Künstlern die Medien darauf aufmerksam, aber auch das änderte nichts.

Aus dem Büro des Kulturstadtrat Mailath-Pokorny hieß es, das Konzepte für eine kulturelle Nachnutzung eingereicht wurden, jedoch die Projekte zu teuer seien. Laut Experten kostet eine umfassende Sanierung zwei Millionen Euro und das wäre für die Stadt Wien derzeit „nicht machbar“. Es wird viel Geld für diverse Projekte verschwendet, aber für die Sanierung eines historischen Theaterraum im Originalzustand ist der finanzielle Aufwand zu groß? Etwas eigenartig, oder?

Der Pressesprecher Clemens Billek der Firma Conwert sagte im Jahr 2012 daß man mit einigen Interessenten im Gespräch sei. „Aber ich glaube, dass das Mittersteig-Theater überschätzt wird.“ Er als Pressesprecher und daher auch Fachmann muß es ja wissen…

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Im Jahr 2012 war der geschätzte finanzielle Aufwand zwei Millionen Euro, so ist er jetzt, im Jahr 2015, sicher nicht geringer geworden, die Parkettböden und sanitären Installationen sind längst entfernt worden, der Stuck ist teilweise zerstört und im Juni 2013 wurde eingebrochen.

Das Theater am Mittersteig und der Erschließungsbereich im Ferdinand-Hof sind seit 2013 denkmalgeschützt, das bedeutet, daß es ab diesen Zeitpunkt Auflagen für den Eigentümer gibt.

Marietta Saulich von Malastrana Vienna – Bali sagte, daß sie es renovieren und in seinen ursprünglichen Glanz versetzen wollten, um es anschließend als Internationales Design & Ausstellungscenter zu benützen, aber leider war dies mit der Hausverwaltung nicht möglich.

Wieso wird in dieser Stadt mit historischer Architektur so achtlos umgegangen? Wo bleibt die Wertschätzung für das kulturelle Erbe?

Ein saniertes Theater am Mittersteig wäre eine sehr große Bereicherung für Wien, stattsdessen ist es mit dem Geschmiere diverser „Graffitikünstler“ und „Sprayer“ à la Puber ein Schandfleck mitten in Wien und hat das gleiche Schicksal wie das Jugendstil-Theater am Steinhof.

 

Adresse

Mittersteig 15, 1040 Wien


Wiener Linien: Bus 13A bis Station Leibenfrostgasse

Öffi-App
Fotos der Theater-Innenräume
© Harald A. Jahn / www.viennaslide.com

Weblinks:
http://www.theateristkeinsupermarkt.at/
http://www.viennaslide.com/
http://derstandard.at/1328507052789/Wien-Wieden-Das-Theater-ist-ein-schlechtes-Geschaeft
https://www.facebook.com/pages/Mala-Strana-Mittersteig-Theater-Darf-Kein-Supermarkt-Werden/314790988563226
http://www.theateristkeinsupermarkt.at/Unterschriftenliste.pdf

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Otto Wagner

umsichtiger Architekt und Städtplaner

Otto Wagner ( 03.07.1841 – 11.04.1918) der Sohn eines königlich-ungarischen Hofnotars wurde in Wien geboren und wuchs in gutsituierten Verhältnissen auf, seine Eltern gehörten dem Besitzbürgertum an, welche die Erfolge den eigenen Leistungen verdankte.

Mit diesen Vorstellungen wuchs Otto Wagner auf und ist später oft als Architekt und Bauherr in einem aufgetreten. So schuf der Unternehmer Wagner die finanziellen Grundlagen für seine gestalterische Freiheit als Architekt Wagner und schuf, unabhängig von Förderern, großartige Architektur die in Wien allgegenwärtig ist.
Im Jahr 1857 begann er als Sechzehnjähriger seine Ausbildung am Wiener Polytechnischen Institut. 1860 ging er nach Berlin, um an der Königlichen Bauakademie bei Carl Ferdinand Busse sein Studium fortzusetzen, im Jahr 1861 kehrte er nach Wien zurück, wo er an der Akademie der bildenten Künste ein Schüler der beiden Ringstraßen-Architekten und Erbauern der Wiener Staatsoper, August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll, war. 1862 trat er in das Atelier des Ludwig von Förster ein, Förster war einer der treibenden Kräfte bei der Gestaltung der Wiener Ringstraße. Der junge Wagner war also mitten im Geschehen und Entwicklung der Ringstraße, die in allen Stilformen – vom Klassizismus über Gotik bis zur Renaissance – zum Inbegriff des Historismus wurde. Wagners Schaffensphase war bis etwa 1887 von dieser Stilrichtung geprägt und er hat seinen Stil als eine „gewisse freie Renaissance“ bezeichnet. Mit seinem Stil wurde er erfolgreich und berühmt, selbst Jahre später nannte man ihn den „vornehmsten Vertreter der Wiener Renaissance“. Aus dieser Zeit stammen viele Wohnhäuser, die heute zum Großteil unbekannt und deren Entwürfe verschollen sind, Wagner selbst legte keinen großen Wert auf diese Bauten. Die 1868 entworfene Synagoge in Budapest ist in dieser Periode entstanden, ebenso die Dekorationen für den Festzug zur silbernen Hochzeit des Kaiserpaares im Jahr 1879 und den Einzug der belgischen Prinzessin Stephanie nach Wien, aus Anlass ihrer Vermählung mit Kronprinz Rudolf im Jahr 1881.

Artis sola domina necessistas“ (die einzige Herrin der Kunst ist die Notwendigkeit), diesen Satz Gottfried Sempers hat Otto Wagner in seiner Antrittsrede im Jahr 1894 als Professor für eine Spezialklasse der Architektur an der Wiener Akademie der bildenden Künste als sein „Glaubensbekenntniss“ bezeichnet und ihn folgendermaßen erklärt: „Kunst und Künstler sollen und müssen ihre Zeit repräsentieren. Im Durchpeitschen aller Stilrichtungen, wie es in die letzten Jahre mit sich brachten, kann das Heil für die Zukunft nicht liegen, der Realismus unserer Zeit muß das werdende Kunstwerk durchdringen.“ Mit diesem Satz wandte er sich vom Historismus ab und widmete sich dann nur mehr der modernen Architektur.

Otto Wagner ist in Wien allgegenwärtig

Im Jahr 1886 errichtete Wagner für sich und seine Ehefrau in Hütteldorf eine Villa im Renaissancestil, es ist das heutige Ernst Fuchs-Museum in der Hüttelbergstraße 26. An der Hauptfassade, links und rechts vom Eingang, ließ er zwei Tafeln anbringen. Auf der linken war zu lesen: „Sine arte sine amore non est vita“ (Es gibt kein Leben ohne Kunst und ohne Liebe), zur Rechten des Eingangs stand der oben erwähnte Satz: „Artis sola domina necessistas“.

Diese Wahlsprüche kündigen einen Wandel an und beeinflußten Wagners künftiges Schaffen: die Verbindung von Schönheit und Zweckmäßigkeit. Im Jahr 1896 hielt er in seiner Schrift „Moderne Architektur“ fest: „Etwas unpraktisches kann nicht schön sein“. In diesem Sinne spiegeln Wagners Entwürfe seine Auseinandersetzung mit seiner Zeit und seiner Umwelt. Sie galten dem Menschen, der in seinem Arbeitsalltag einer zunehmenden Mechanisierung unterworfen war.

Urbanes Lebensgefühl vermittelt das Wohn- und Geschäftshaus von 1884 für die Länderbank am Lobkowitzplatz, das im Jahr 1884 entworfene „Ankerhaus“ oder das Kaufhaus Neumann in der Kärtnerstrasse aus dem Jahr 1883, bei dem zum ersten Mal in der Architekturgeschichte eine durchhängende Glasdecke den Lichthof im Inneren des Gebäudes überspannte. Wagner gelangte allmählich zu immer moderneren Ausdrucksformen, wie etwa bei dem Verwaltungsgebäude der Länderbank in der Hohenstaufengasse 3 aus dem Jahr 1882. Den Lebensbedingungen des Menschen galt Wagners Interesse auch im Bereich des Wohnens. Auf Grund des rapiden Städtewachstums bildeten Zinshäuser für das Großbürgertum eine attraktive Geldanlage, die sichere Erträge abwarfen. Daher war es für Wagner naheliegend, selbst durch den Bau von Zinshäusern Geld zu verdienen, wobei er als Bauherr und Architekt in einer Person auftrat. Durch den Verkauf der Häuser hatter er genügend Kapital um das nächste Projekt zu realisieren, mit diesem Prinzip entstanden seine wichtigsten Bauwerke. An seiner Weiterentwicklung als Architekt trug auch die Teilnahme an Wettbewerben bei, er hatte an über dreißig nationalen und internationalen Wettbewerben teilgenommen. Ein entscheidender Schritt war für Wagner die Teilnahme am Wettbewerb zum Generalsanierungsplan für Wien in den Jahren 1892 – 1893, er gewann einen der beiden ersten Preise und vorallem die anschließende Berufung zum Generalplaner. Hier ging es um den Bau der Stadtbahn (1894 – 1900) und die Anlage der Donaukanalbauten: das Nußdorfer Wehr und die Schleuse, die Kaianlagen am Donaukanal und das Schützenhaus Staustufe Kaiserbad (1894 – 1906). Die in den ersten Jahren 1894 – 1897 errichteten Stadtbahnbauten der Gürtel- und Vorortelinie sind noch in „freier Renaissance“ gehalten, die späteren 1896 – 1900 entstandenen Stationen der unteren Wiental- und Donaukanallinie, wie etwa die Station Karlsplatz und der Hofpavillon in Hietzing, sind mit ihrem Bauschmuck in Stuck und Schmiedeeisen in der moderne Architektur des Jugendstils gebaut.

Wagners Schrift „Moderne Architektur“ wurde zum Gründungsmanifest für die Architektur des 20. Jahrhunderts, der berühmte Architekt und Wagnerschüler Rudolf Schindler schrieb: „Die moderne Architektur begann mit Mackintosh in Schottland, Otto Wagner in Wien und Louis Sullivan in Chicago“.

Das „Hosenträgerhaus“, ein sechsgeschossiges Wohnhaus in der Universitätsstraße/Eingang Garnisongasse enstand 1887.

Die Wandlung brachte bei Wagner zunächst die „neue Kunst“ (Art nouveau – Jugendstil) hervor, in den Jahren 1898 – 1899 schuf er mit dem Häuserensemble Linke Wienzeile/Köstlergasse, eines davon ist das berühmte „Majolikahaus“, ein Hauptwerk des Wiener Jugendstils. Der Wohnkomfort dieses Jugendstilensembles gehörte damals zu den modernsten in Wien, Im Haus Köstlergasse 3 hatte sich Otto Wagner eine als Gesamtkunstwerk entworfene „Musterwohnung“ eingerichtet, die durch die gläserne Badewanne zu besonderer Berühmtheit gelangte.

Otto Wagner das Enfant terrible

Im Jahr 1899 trat Wagner der Wiener Secession bei, die er aber 1905 mit Gustav Klimt wieder verließ, hiermit war der Bruch mit der Tradition endgültig besiegelt. Dieser Schritt des renommierten, prominenten und charismatischen Architekten erregte die Gemüter der Zeitgenossen, für sie war es absoluter Verrat. Es erschienen sogar Schmähschriften und ab diesem Zeitpunkt bemühte sich Wagner oftmals vergebens um öffentliche Aufträge.

Im Jahr 1902 entwarf Wagner das Depeschenbüro (zerstört, Kärtnerstraße/Ecke Annagasse) für die Zeitung „Die Zeit“, es wurden die damals bekannten neuen Baustoffe wie Aluminium verwendet.

Otto Wagners im Jahr 1907 eröffnete Kirche St. Leopold gehört zu den zehn wichtigsten Kirchen des 20. Jahrhunderts, sie war die „Anstaltskirche“ für die Niederösterreichischen Landes- Heil- und Pflegeanstalten am Steinhof, mit der sie gemeinsam errichtet wurde. Bei dem Wettbewerb für das psychiatrische Krankenhaus, an dem sich auch Leopold Bauer und Carlo van Boog beteiligten, wurde Otto Wagner der erste Preis zugesprochen. Sein Gesamtlageplan wurde zwar angenommen, er wurde jedoch nur mit dem Bau der Kirche betraut.


Einen Eindruck der Feindseligkeit von oberster Stelle, die Wagner entgegenschlug, zeigt folgender Bericht aus dem Vorwort in Wagners Tagebuch aus dem Jahr 1914: „Zur Eröffnung der Steinhofer Kirche kam, in Vertretung des Kaisers, Erzherzog Franz Ferdinand. Ich mußte ihm den Bau erklären, worauf er als Schlußbemerkung einer Ansprache sagte: ´Der Marie-Theresien-Stil ist doch der schönste.´ Ich erwiderte ihm, daß zur Zeit Maria Theresias die Kanonen verziert gewesen seien, während man sie heute vollkommen glatt mache. – Mit ungeheurer Hochmut wendete er sich von mir ab und sein Haß verfolgte mich, trotz mehrfacher Interventionen, derart, daß ich eine Anzahl Aufträge verlor, für die ich in Aussicht genommen war. Die Gemeinde hatte viel zu wenig Mut, sich den überaus gehässigen Machenschaften des Erzherzogs entgegenzustellen.“

Der schießwütigste aller Habsburger (er hat insgesamt 277.769 Tiere zur Strecke gebracht!) und erzkonservative Thronfolger Franz Ferdinand war ein ausgesprochener Gegner der Wiener Moderne, er verhinderte erfolgreich Projekte Wagners wie den Neubau des Kriegsministeriums am Stubenring oder das Technische Museum. Franz Ferdinand war leider in Kunstfragen die prägende Gestalt der Habsburger-Dynastie.

Das Amtsgebäude der k. k. Postsparkasse (Georg-Coch-Platz 1) wurde im Jahr 1910 eröffnet und gehört zu den Ikonen der Wiener Architektur, sie ist gemeinsam mit der Kirche St. Leopold am Steinhof, als Wagners bedeutendstes Werk zu bezeichnen. Der berühmte Kassensaal mit Glasfußboden und abgehängter Stahl-Glas-Konstruktion hat die Architektur des 20. Jahrhunderts wesentlich beeinflußt.

Die Postsparkasse ist das einzige Gebäude der Moderne auf der vom Historismus geprägten Ringstraße.

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Die Wohnhäuser Neustiftgasse 40 und Döblergasse 2-4 waren Spätwerke im Bereich der Wohnbauten Wagners die verwirklicht wurden (1909 – 1912). Er war 68 Jahre, als er sie in Angriff nahm. Diese Gebäude waren damals, gemeinsam mit dem 1910 erbauten Loos-Haus am Michaelerplatz, die modernsten in Wien. Otto Wagner bewohnte im Haus Döblergasse die gesamte Beletage.

Im den Jahren 1912-1913 entstand die Lupusheilstätte, sie ist heute Teil des Wilhelminenspitals. Die Lupuskrankheit (Hauttuberkulose) war an der Wende zum 20.Jahrhundert weit verbreitet. Wagner entwickelte äußerst umsichtige zukunftsweisende Überlegungen für einen Umgang mit Kranken. Er schuf kleinere Raumeinheiten, wodurch er gewährleistete, dass „die Zahl der in einem Raume untergebrachten Kranken möglichst gering ist, um auch diesbezüglich der Individualität der Kranken Rechnung zu tragen.“

Die Villa Wagner II in der Hüttelbergstraße wurde in den Jahren 1912/13 ausgeführt, sie steht nur zwei Häuser weiter von der Wagner Villa I und ist kleiner als diese.

Bis 1912 war Wagner Professor an der Akademie der bildenden Künste, aus der einflussreichen Wagnerschule, die sich im Laufe seiner Professorenjahre herausgebildet hat, sind namhafte Architekten wie Max Fabiani, Rudolf Michael Schindler, Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbrich, Josef Plecnik, Franz und Hubert Gessner und Karl Ehn hervorgegangen.

Otto Wagner ist 11.04.1918 gestorben, er ist in der von ihm entworfenen Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof begraben.

Vergleicht man die frühen, noch ganz dem Historismus zugeordneten Bauten mit dem Häusern in der Neustift-/Döblergasse, wird die enorme Entwicklung deutlich die Wagner im Laufe seines Lebens vollzogen hat. In einem ist sich Otto Wagner jedoch immer treu geblieben: es ist die klare, disziplinierte Formensprache seiner Bauten.


Foto
Otto Wagner – Wikipedia
Aufnahme um 1910

Literatur
M. Pozzetto: Die Schule Otto Wagner: 1894–1912
ISBN-13: 978-3703105241

August Sarnitz: Wagner
ISBN-13: 978-3822828779

Walter Zednicek: Otto Wagner Zeichnungen und Pläne
ISBN-13: 978-3950036053

Museum
Wagner: Werk Museum Postsparkasse
Adresse: Georg-Coch-Platz 2, 1018 Wien
Telefon:059 9053 3825

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Haus Mariahilfer Gürtel 1

Eine verborgene Schönheit am Mariahilfer Gürtel

Wenn Euer Blick von der Otto-Wagner U-Bahn-Station Gumpendorfer Straße, die auch einer baldigen Sanierung bedarf, Richtung Sechshauserstrasse fällt, dann seht ihr auf der rechten Seite der Sechshauserstrasse das schmutzig graue Haus Mariahilfer Gürtel 1 Ecke Sechshauser Straße 2. Das Haus wäre ein repräsentatives Schmuckstück, wenn es die Eigentümer endlich restaurieren würden. Unter dem schmutzig grauen Belag verbirgt sich eine Jugendstil Schönheit die den Gürtel und den Beginn der Sechshauserstrasse sehr aufwerten würde.

Die älteste Eintragung über die Adresse Fünfhaus Haus Nr. 1 stammt aus dem Jahr 1847, das damalige Haus hatte die Adresse Hauptstraße Sechshaus. Die heutige Sechshauser Straße bildet die Grenze zwischen dem früheren Vorort Sechshaus auf der einen Seite sowie Fünfhaus, Reindorf und Rustendorf bzw. Penzing an der anderen Seite.

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In einem Heimatbuch von Michael Hahn aus dem Jahr 1853 (es ist das älteste Heimatbuch, das über die Vororte, die heute den 15. Bezirk bilden, geschrieben wurde) scheinen Frau Josefa Huber und Herr Josef Huber als BesitzerIn auf. Um 1888 war es im Besitz von Herrn Heinrich Mache und Frau Josefa Mache. Die damalige Adresse lautetete Sechshauser Hauptstraße 4 Turnergasse / Herklotzgasse.
Vermutlich wurde dieses Gebäude vor 1907 abgerissen und dann durch den Jugenstil Neubau ersetzt und direkt am Gürtel errichtet.

Kein Geld für eine Gebäudesanierung?

Das Jugendstilgebäude hatte 1907 die Konskriptionsnummer Fünfhaus 1 und gehörte von 1918 bis 1926 einer Frau Henriette Hermann. An der Außenfassade erinnern zwei Gedenktafeln an den burgenländischen Heimatdichter und Hutmacher Josef Reischl, der hier als Haupt- oder Untermieter wohnte. Das Gebäude hat anscheind unversehrt den WW2 überstanden und es wäre an der Zeit es zu renovieren damit es die Abgase des Gürtels und den Umweltschmutz übersteht.

Ich finde es schade das es den oder die Eigentümer nicht interessiert das Haus zu restaurieren, es würde dadurch aufgewertet werden und wäre ein sehr schöner Blickfang an der Ecke Mariahilfer Gürtel/ Sechshauser Straße

Adresse

Mariahilfer Gürtel 1, 1150 Wien

Wiener Linien: U6 oder 57A bis Gumpendorferstraße

Öffi-App

Quellen

Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus

Salzberg Häuserkataster, 1928

Häuser Schema 1847

Hahn, 1853

Czapek, 1873

Häuserkataster der Vororte, 1888

Salzberg Häuserkataster, 1926

villa-vojcsik-front

Villa Vojcsik

Secessionistische Architektur von Otto Schönthal

Die Villa Vojcsik wurde 1901 in Hütteldorf, das damals ein Teil des 13. Bezirks Hietzing war, von dem 23 jährigen Otto Schönthal im secessionistischen Stil für Dr. Ladislaus Vojcsik entworfen, dieser war der Hausarzt Otto Wagners.

Otto Schönthal besuchte die Meisterschule Otto Wagners und war nach Abschluss des Studiums einige Jahre im Atelier von Wagner tätig und an Projekten wie der prominenten Kirche am Steinhof und dem Baujuwel der Wiener Moderne, der Postsparkassa, tätig.

Die Villa Vojcsik wurde 2005 nach historischen Fotos restauriert und fehlende Fassadenstrukturen wurden ersetzt, diese Villa ist ein positives Beispiel für eine behutsame Restaurierung, diese sollte öfters bei den vielen historischen Gebäuden in Wien angewendet werden.

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Beim Anblick der prächtigen Villa fällt mir die zweite (kleine) Villa Wagner in der Hüttelberstrasse ein, die eine gewisse Ähnlickeit mit der Villa Vojcsik aufweist. Das architektonische Prachstück ist eines der wenigen realisierten Objekte der couragierten Entwürfe der Wagnerschule um.

Das Haus befindet sich in 1140 Wien und ist noch heute im Besitz der Familie Vojcsik.

Adresse

Linzer Straße 375, 1140 Wien

Wiener Linien: Linie 49 oder 47 B bis Bahnhofstraße

Öffi-App

Villa Vojcsik auf Google Maps

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Bedürfnisse in Wien

Historische Wiener Bedürfnisanlagen

Bis die ersten öffentlichen Bedürfnisanstalten errichtet wurden, gab es den Beruf der Abtrittanbieter, die auch Buttenmänner, Buttenweiber oder Madame Toilette genannt wurden. Madame Toilette assoziiert man heute mit einem verlockend duftenden Parfum:-).

Die Antrittanbieter gingen mit Eimer und weiten Mäntel durch die Strassen und boten ihre Dienste an, unter dem Mantel konnten dann die Menschen ihre Notdurft verrichten.

Der Berliner Wilhelm Beetz entwickelte und realisierte eine Idee, mit der es zu einer verbesserter Hygiene kam. In Wien suchte er im Jahr 1880 beim Wiener Magistrat an, ihm den Bau und Betrieb von „Bedürfniß-Anstalten für Personen beiderlei Geschlechts“ zu genehmigen. Trotz der schlechten sanitären Zustände lehnte die Stadt Wien sein Ansuchen ab da die Stadt vorhatte selbst solche Bedürfnisanstalten zu betreiben. Nach zwei Jahren stellte Beetz einen neuerlichen Antrag, in dieser Zeit passierte in Wien in Sachen Bedürfnisanstalt nichts, er wies darauf hin das in anderen Städten Bedürfnisanlagen von privaten Unternehmen erfolgreich betrieben wurden. Diese mal war Beetz erfolgreich, im Jahr 1883 erteilte ihm die Stadt Wien die Bewilligung, gegen eine potenzielle Beteiligung der Stadt, Bedürfnisanstalten „aus Eisen mit Ziegelunterbau und Steinsockel in gefälliger Form“ zu errichten. Der Preis zu dieser Zeit waren 10 Heller für die Benutzung eines Klosetts erster Klasse und 6 Heller für die Benutzung der 2. Klassen.

Wien`s schönste Befürfnisanstalt am Graben

Das besondere an den Pissoires war das 1885 patentierte System der „Öldesinfektion“ und des „Ölgeruchverschlusses“. Hier werden die Wandflächen mit einem Mineralöl (Urinol) abgerieben, um ein haften von Urin zu verhindern. Der Geruchsverschluss besteht aus einem Syphon, indem an der Zulaufstelle die stehende Flüssigkeit mit einer Schicht Urinol abgedeckt wird. Da Mineröl leichter als Wasser ist, verbleibt es immer oben und deckt den Geruch ab.

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Im selben Jahr übersiedelte Beetz nach Wien und gründete die Firma „Wilhelm Beetz“, die sich ausschließlich mit der Errichtung öffentlicher Toilettenanlagen beschäftigte. Ende 1903 betrieb die Firma bereits 93 Pissoirs sowie 58 Bedürfnisanstalten.

Luxus endet nicht vor der Bedürfnisanstalt

Im Jahr 1904 wurde die unterirdische Bedürfnisanstalt am Graben errichtet, die feudale Jugendstil Anlage beeindruckt mit geschliffene Spiegel, Marmor, Messing und vergoldeter Schrift, jede Kabine hat einen Spiegel und ein Handwaschbecken. Diese Anlage befindet sich im Originalzustand und ist sicher die schönste Luxus Ausgabe einer Bedürfnisanstalt in Wien. Ich kann nur von den Damentoiletten berichten, aber die sehr nette Toilettenfrau sagte mir das die Ausstattung bei den Herren dieselbe ist.
Diese wunderschöne Bedürfnisanlage sollte man auf jeden Fall gesehen haben.

Es gibt in Wien noch sehr viele historische Bedürfnisanlagen und Pissoires

wie z. B. vier Bedürfnisanstalten aus dem Jahr 1908 im Schlosspark Schönbrunn, 1130 Wien (beim Meidlinger Eingang, Hietzinger Eingang, Menagerie Eingang und westlich des Gartenhauptparterres)
Bedürfnisanstalt Parkring, Ecke Weiskirchnerstraße / Stadtpark, 1010 Wien, aus dem Jahr 1901
Bedürfnisanstalt Türkenschanzpark, bei Gregor Mendel-Straße, 1190 Wien, aus dem Jahr 1902
Bedürfnisanstalt Schönbornpark, 1080 Wien, aus dem Jahr 1903
Pissoir Rabbiner Schneerson Platz 1020 Wien, aus dem Jahr 1901
Pissoir Sievieringerstraße, bei Fröschelgasse (St. Severin Kirche) 1190 Wien, aus dem Jahr 1902

Literatur

Wie kommt der Hirsch aufs Dach?, Wien 2013

ISBN 978-3993001452

Weblinks

Architektenlexikon

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Ruedigerhof

Eines der schönsten Jugenstilhäuser

Jugendstil Architektur findet sich in fast allen Wiener Bezirken, ein kompaktes Viertel gibt es in Wien nicht. Es hat den Vorteil, das fast jeder Bezirk einige Jugendstil Prunkstücke aufweisen kann, daher erlebt der Wien-Besucher auch ausserhalb der City so manche Überraschung.


Einer der schönsten Jugendstil Bauten wurde von Oskar Marmorek 1902 in der Hamburgerstrasse 20 erbaut und ist als Rüdigerhof bekannt. Das heute unter Denkmalschutz stehende Haus wurde inzwischen prachtvoll restauriert, der in Weiß, Blau und Gold gehaltene Baukörper und die verschiedene Putzformen, wie etwa ein Wellenputz im Sockelbereich beeindrucken ebenso, wie das auf der Höhe eines Halbstocks befindliche Kaffeehaus.

Im Rüdigerhof wohnte der überaus beliebte Operettensänger und Operettenbuffo, Kabarettist und Komponist Ernst Arnold.

Dem Architekt Oskar Marmorek verdankt Wien etliche beachtliche Bauten, wie z. B. den Nestroyhof am Nestroyplatz 1, die Wohnhäuser Lindengasse 4 oder Windmühlgasse Nr30 und 32. Er gestaltete zahlreiche große Ausstellungen im Prater, wie die berühmte Schau „Venedig in Wien“, die am 18. Mai 1895 im Wiener Prater eröffnet wurde.

Wie schon oben geschrieben, ist es für mich eines der schönsten Jugendstilhäuser in Wien.

Café Rüdigerhof


Die Einrichtung des Kaffeehauses ist ein gelungener Mix aus Jugendstil und 50er Jahre, was den  Charme dieses Kaffehauses ausmacht. Teilweise ist die Originaleinrichtung noch erhalten.

Sehr originell finde ich die außen gepolsterten Toilettentüren und die Telefonkabine aus den 50ern. Der Gastgarten zählt zu einen der schönsten in Wien, mit Blick auf die rechte und linke Wienzeile, Wienfluss und dem prachtvollen Jugendstilhaus.

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Seit den 50er Jahren befindet sich das Café Rüdigerhof im Besitz der Fam. Halper, es wurde vor ca 3 Jahren restauriert und erstrahlt wieder in voller Pracht.

Das Café weist eine Besonderheit auf, im Gastgarten können laue Sommernächte bis 2h genossen werden, das ist sicher einmalig in Wien.

Adresse

Hamburgerstrasse 20, 1050 Wien

Wiener Linien: U4 bis Kettenbrückengasse

Öffi-App

Literatur

Unbekanntes Wien: Verborgene Schönheit. Schimmernde Pracht, Wien 2010, ISBN 978-3854315131