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Dampfschornsteine

die vergoldeten Dampfschornsteine des Wiener Parlaments

Sie sind nur sehr wenig bekannt, obwohl die 32m hohen Dampfschornsteine von vielen Blickwinkeln prachtvoll (besonders bei strahlenden Sonnenschein) entgegenblitzen. Seit dem Jahr 2006 glänzen die beiden Dampfschornsteine, auf Grunde der Renovierung und Herstellung in den vergoldeten Originalzustand, wieder in voller Pracht und Herrlichkeit. Zuvor sind sie kaum jemanden aufgefallen, da sie leider grau übermalen waren.

Der Baumeister und Architekt Theophil Hansen erhielt 1873 den Auftrag für den Bau des Parlaments im griechisch-klassischen Stil, er entwarf auch die Dampfschornsteine, die gusseisernen Zieraufsätze wurden 1881 vom Bildhauer Hugo Härdtl modelliert und anschließend in der Fürst Salmschen Eisengießerei Blansko in Mähren gegossen.
Dampfschornsteine in der herkömmlichen Form hätten die Ästhetik des Gesamtkunstwerk Parlament gestört, sie waren aber für die Heizungsanlage sehr wichtig, daher war es für Theophil Hansen ein Anliegen ihnen eine prachtvolle elegante Gestaltung angedeihen zu lassen.
Jeder Zieraufsatz hat ein Gesamtgewicht von etwa 10 Tonnen, er besteht aus über einhundert Gusseisenteilen und besitzt einen Funkenfänger aus Schmiedeeisen.

Hephaistos und seine Gesellen

Theophil Hansen gestaltete die beiden Dampfschornsteine in Form von ionischen Säulen, auf die er monumentale gusseiserne, vegoldete 5,8m hohe Zieraufsätze in Form von Blattornamenten, Muscheln, Löwenköpfen und je vier vollplastische „Gesellen des Hephaistos“ setzte.
Hephaistos war der griechische Gott des Feuers und der Metallurgie, er war ein geschickter Schmied und der einzige Handarbeiter unter den griechischen Göttern, sein Arbeitsplatz lag direkt unter dem Krater des Vulkans Aetna in Italien, seine Symbole waren das Feuer, Axt, Zange und Hammer. Da die Zieraufsätze aus Metall angefertigt wurden, scheint es kein Zufall zu sein das Hephaistos und seine Gesellen auf den Eisenaufsätzen zu bewundern sind.
In seiner Schmiede entstanden so berühmte Werke wie der Zepter und Donnerkeil des Zeus, der Wagen des Helios, die Gestalt der Pandora oder die Waffen und das Schild des Achilles.

die Dampfschornsteine erstrahlen wieder in voller Pracht

wie schon oben geschrieben, wurden die Dampfschornsteine von dem Architekt Hansen mit einer Vergoldung entworfen und auch so ausgeführt. Dies ist einem Offert des Maler- und Anstreichermeisters Frankenstein aus dem Jahr 1882 zu entnehmen: „Sämtliche Gusseisenarbeiten an den beiden Dampfrauchfängen … 3-mal mit in gutem Ölfirnis geriebenen Minium, 2-mal mit gelber Oelfarbe streichen und echt Vergolden“.
Im Laufe der Zeit wurden aber bei den verschiedenen Renovierungsarbeiten viele Gusseisenteile mehrfach übermalen, Verschraubungen oft unsachgemäß und außen sichtbar monitert, Gussteile verkittet, ein fehlendes Abdeckblech am Rücken einer der Figuren ganz einfach mit Zement abgedeckt und ähnliche Fehler begangen, ohne Rücksicht auf sachgemäße Restaurierung wurde schnell und billig „gepfuscht“.
Auf einem Aquarell des Malers Hans Ranzoni aus dem Jahr 1942 sind die Dampfschornsteine vergoldet und ohne Funkenkörbe, diese wurden, wie der mausgraue Anstrich, wahrscheinlich erst in der Nachkriegszeit angebracht, ein zweites Mal wurden sie in den 1980er Jahren übermalen.
Im Jahr 2006 war es soweit, bei dieser Sanierung wurde das Bundesdenkmalamtes eingebunden und während der Renovierung kamen tatsächlich noch Reste der Blattvergoldung zum Vorschein. Es war eine sehr aufwendige, langwierige und kostspielige Renovierung um die beiden Dampfschornsteine wieder in ihren prächtigen Originalzustand glänzen zu lassen, für diese Pracht wurden 20.000 Blättern Dukaten-Doppelgold verwendet.

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Die Dampfschornsteine haben auch jetzt noch eine Funktion, einer der beiden ist ein Teil des Reservekesselhauses und der andere dient als Auspuff für das Notstromaggregat.
Zum Glück verstärken sich in den letzten Jahren die Bemühungen in Sachen Denkmalpflege und Sanierung, viel zu viel wurde entweder demoliert und unsachgemäß „restauriert“.
Theophil Hansen hätte heute seine Freude an den beiden prächtigen Gold-Riesen.

Adresse

Dr.-Karl-Renner-Ring 3, 1017 Wien

Wiener Linien: U2 bis Station Rathaus, U3 bis Station Volkstheater, Straßenbahnen 1, 2, 71 und D bis Station Stadiongasse/ Parlament

Öffi-App

Weblink

http://www.bda.at/

Literatur

Gabriela Krist: Metallrestaurierung – Metallkonservierung: Geschichte, Methode und Praxis (Konservierungswissenschaft. Restaurierung…, 2009
ISBN-13: 978-3205781967

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Dampfschornsteine

die vergoldeten Dampfschornsteine des Wiener Parlaments

Sie sind nur sehr wenig bekannt, obwohl die 32m hohen Dampfschornsteine von vielen Blickwinkeln prachtvoll (besonders bei strahlenden Sonnenschein) entgegenblitzen. Seit dem Jahr 2006 glänzen die beiden Dampfschornsteine, auf Grunde der Renovierung und Herstellung in den vergoldeten Originalzustand, wieder in voller Pracht und Herrlichkeit. Zuvor sind sie kaum jemanden aufgefallen, da sie leider grau übermalen waren.

Der Baumeister und Architekt Theophil Hansen erhielt 1873 den Auftrag für den Bau des Parlaments im griechisch-klassischen Stil, er entwarf auch die Dampfschornsteine, die gusseisernen Zieraufsätze wurden 1881 vom Bildhauer Hugo Härdtl modelliert und anschließend in der Fürst Salmschen Eisengießerei Blansko in Mähren gegossen.
Dampfschornsteine in der herkömmlichen Form hätten die Ästhetik des Gesamtkunstwerk Parlament gestört, sie waren aber für die Heizungsanlage sehr wichtig, daher war es für Theophil Hansen ein Anliegen ihnen eine prachtvolle elegante Gestaltung angedeihen zu lassen.
Jeder Zieraufsatz hat ein Gesamtgewicht von etwa 10 Tonnen, er besteht aus über einhundert Gusseisenteilen und besitzt einen Funkenfänger aus Schmiedeeisen.

Hephaistos und seine Gesellen

Theophil Hansen gestaltete die beiden Dampfschornsteine in Form von ionischen Säulen, auf die er monumentale gusseiserne, vegoldete 5,8m hohe Zieraufsätze in Form von Blattornamenten, Muscheln, Löwenköpfen und je vier vollplastische „Gesellen des Hephaistos“ setzte.
Hephaistos war der griechische Gott des Feuers und der Metallurgie, er war ein geschickter Schmied und der einzige Handarbeiter unter den griechischen Göttern, sein Arbeitsplatz lag direkt unter dem Krater des Vulkans Aetna in Italien, seine Symbole waren das Feuer, Axt, Zange und Hammer. Da die Zieraufsätze aus Metall angefertigt wurden, scheint es kein Zufall zu sein das Hephaistos und seine Gesellen auf den Eisenaufsätzen zu bewundern sind.
In seiner Schmiede entstanden so berühmte Werke wie der Zepter und Donnerkeil des Zeus, der Wagen des Helios, die Gestalt der Pandora oder die Waffen und das Schild des Achilles.

die Dampfschornsteine erstrahlen wieder in voller Pracht

wie schon oben geschrieben, wurden die Dampfschornsteine von dem Architekt Hansen mit einer Vergoldung entworfen und auch so ausgeführt. Dies ist einem Offert des Maler- und Anstreichermeisters Frankenstein aus dem Jahr 1882 zu entnehmen: „Sämtliche Gusseisenarbeiten an den beiden Dampfrauchfängen … 3-mal mit in gutem Ölfirnis geriebenen Minium, 2-mal mit gelber Oelfarbe streichen und echt Vergolden“.
Im Laufe der Zeit wurden aber bei den verschiedenen Renovierungsarbeiten viele Gusseisenteile mehrfach übermalen, Verschraubungen oft unsachgemäß und außen sichtbar monitert, Gussteile verkittet, ein fehlendes Abdeckblech am Rücken einer der Figuren ganz einfach mit Zement abgedeckt und ähnliche Fehler begangen, ohne Rücksicht auf sachgemäße Restaurierung wurde schnell und billig „gepfuscht“.
Auf einem Aquarell des Malers Hans Ranzoni aus dem Jahr 1942 sind die Dampfschornsteine vergoldet und ohne Funkenkörbe, diese wurden, wie der mausgraue Anstrich, wahrscheinlich erst in der Nachkriegszeit angebracht, ein zweites Mal wurden sie in den 1980er Jahren übermalen.
Im Jahr 2006 war es soweit, bei dieser Sanierung wurde das Bundesdenkmalamtes eingebunden und während der Renovierung kamen tatsächlich noch Reste der Blattvergoldung zum Vorschein. Es war eine sehr aufwendige, langwierige und kostspielige Renovierung um die beiden Dampfschornsteine wieder in ihren prächtigen Originalzustand glänzen zu lassen, für diese Pracht wurden 20.000 Blättern Dukaten-Doppelgold verwendet.

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Die Dampfschornsteine haben auch jetzt noch eine Funktion, einer der beiden ist ein Teil des Reservekesselhauses und der andere dient als Auspuff für das Notstromaggregat.
Zum Glück verstärken sich in den letzten Jahren die Bemühungen in Sachen Denkmalpflege und Sanierung, viel zu viel wurde entweder demoliert und unsachgemäß „restauriert“.
Theophil Hansen hätte heute seine Freude an den beiden prächtigen Gold-Riesen.

Adresse

Dr.-Karl-Renner-Ring 3, 1017 Wien

Wiener Linien: U2 bis Station Rathaus, U3 bis Station Volkstheater, Straßenbahnen 1, 2, 71 und D bis Station Stadiongasse/ Parlament

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Literatur

Gabriela Krist: Metallrestaurierung – Metallkonservierung: Geschichte, Methode und Praxis (Konservierungswissenschaft. Restaurierung…, 2009
ISBN-13: 978-3205781967

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Otto Wagner

umsichtiger Architekt und Städtplaner

Otto Wagner ( 03.07.1841 – 11.04.1918) der Sohn eines königlich-ungarischen Hofnotars wurde in Wien geboren und wuchs in gutsituierten Verhältnissen auf, seine Eltern gehörten dem Besitzbürgertum an, welche die Erfolge den eigenen Leistungen verdankte.

Mit diesen Vorstellungen wuchs Otto Wagner auf und ist später oft als Architekt und Bauherr in einem aufgetreten. So schuf der Unternehmer Wagner die finanziellen Grundlagen für seine gestalterische Freiheit als Architekt Wagner und schuf, unabhängig von Förderern, großartige Architektur die in Wien allgegenwärtig ist.
Im Jahr 1857 begann er als Sechzehnjähriger seine Ausbildung am Wiener Polytechnischen Institut. 1860 ging er nach Berlin, um an der Königlichen Bauakademie bei Carl Ferdinand Busse sein Studium fortzusetzen, im Jahr 1861 kehrte er nach Wien zurück, wo er an der Akademie der bildenten Künste ein Schüler der beiden Ringstraßen-Architekten und Erbauern der Wiener Staatsoper, August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll, war. 1862 trat er in das Atelier des Ludwig von Förster ein, Förster war einer der treibenden Kräfte bei der Gestaltung der Wiener Ringstraße. Der junge Wagner war also mitten im Geschehen und Entwicklung der Ringstraße, die in allen Stilformen – vom Klassizismus über Gotik bis zur Renaissance – zum Inbegriff des Historismus wurde. Wagners Schaffensphase war bis etwa 1887 von dieser Stilrichtung geprägt und er hat seinen Stil als eine „gewisse freie Renaissance“ bezeichnet. Mit seinem Stil wurde er erfolgreich und berühmt, selbst Jahre später nannte man ihn den „vornehmsten Vertreter der Wiener Renaissance“. Aus dieser Zeit stammen viele Wohnhäuser, die heute zum Großteil unbekannt und deren Entwürfe verschollen sind, Wagner selbst legte keinen großen Wert auf diese Bauten. Die 1868 entworfene Synagoge in Budapest ist in dieser Periode entstanden, ebenso die Dekorationen für den Festzug zur silbernen Hochzeit des Kaiserpaares im Jahr 1879 und den Einzug der belgischen Prinzessin Stephanie nach Wien, aus Anlass ihrer Vermählung mit Kronprinz Rudolf im Jahr 1881.

Artis sola domina necessistas“ (die einzige Herrin der Kunst ist die Notwendigkeit), diesen Satz Gottfried Sempers hat Otto Wagner in seiner Antrittsrede im Jahr 1894 als Professor für eine Spezialklasse der Architektur an der Wiener Akademie der bildenden Künste als sein „Glaubensbekenntniss“ bezeichnet und ihn folgendermaßen erklärt: „Kunst und Künstler sollen und müssen ihre Zeit repräsentieren. Im Durchpeitschen aller Stilrichtungen, wie es in die letzten Jahre mit sich brachten, kann das Heil für die Zukunft nicht liegen, der Realismus unserer Zeit muß das werdende Kunstwerk durchdringen.“ Mit diesem Satz wandte er sich vom Historismus ab und widmete sich dann nur mehr der modernen Architektur.

Otto Wagner ist in Wien allgegenwärtig

Im Jahr 1886 errichtete Wagner für sich und seine Ehefrau in Hütteldorf eine Villa im Renaissancestil, es ist das heutige Ernst Fuchs-Museum in der Hüttelbergstraße 26. An der Hauptfassade, links und rechts vom Eingang, ließ er zwei Tafeln anbringen. Auf der linken war zu lesen: „Sine arte sine amore non est vita“ (Es gibt kein Leben ohne Kunst und ohne Liebe), zur Rechten des Eingangs stand der oben erwähnte Satz: „Artis sola domina necessistas“.

Diese Wahlsprüche kündigen einen Wandel an und beeinflußten Wagners künftiges Schaffen: die Verbindung von Schönheit und Zweckmäßigkeit. Im Jahr 1896 hielt er in seiner Schrift „Moderne Architektur“ fest: „Etwas unpraktisches kann nicht schön sein“. In diesem Sinne spiegeln Wagners Entwürfe seine Auseinandersetzung mit seiner Zeit und seiner Umwelt. Sie galten dem Menschen, der in seinem Arbeitsalltag einer zunehmenden Mechanisierung unterworfen war.

Urbanes Lebensgefühl vermittelt das Wohn- und Geschäftshaus von 1884 für die Länderbank am Lobkowitzplatz, das im Jahr 1884 entworfene „Ankerhaus“ oder das Kaufhaus Neumann in der Kärtnerstrasse aus dem Jahr 1883, bei dem zum ersten Mal in der Architekturgeschichte eine durchhängende Glasdecke den Lichthof im Inneren des Gebäudes überspannte. Wagner gelangte allmählich zu immer moderneren Ausdrucksformen, wie etwa bei dem Verwaltungsgebäude der Länderbank in der Hohenstaufengasse 3 aus dem Jahr 1882. Den Lebensbedingungen des Menschen galt Wagners Interesse auch im Bereich des Wohnens. Auf Grund des rapiden Städtewachstums bildeten Zinshäuser für das Großbürgertum eine attraktive Geldanlage, die sichere Erträge abwarfen. Daher war es für Wagner naheliegend, selbst durch den Bau von Zinshäusern Geld zu verdienen, wobei er als Bauherr und Architekt in einer Person auftrat. Durch den Verkauf der Häuser hatter er genügend Kapital um das nächste Projekt zu realisieren, mit diesem Prinzip entstanden seine wichtigsten Bauwerke. An seiner Weiterentwicklung als Architekt trug auch die Teilnahme an Wettbewerben bei, er hatte an über dreißig nationalen und internationalen Wettbewerben teilgenommen. Ein entscheidender Schritt war für Wagner die Teilnahme am Wettbewerb zum Generalsanierungsplan für Wien in den Jahren 1892 – 1893, er gewann einen der beiden ersten Preise und vorallem die anschließende Berufung zum Generalplaner. Hier ging es um den Bau der Stadtbahn (1894 – 1900) und die Anlage der Donaukanalbauten: das Nußdorfer Wehr und die Schleuse, die Kaianlagen am Donaukanal und das Schützenhaus Staustufe Kaiserbad (1894 – 1906). Die in den ersten Jahren 1894 – 1897 errichteten Stadtbahnbauten der Gürtel- und Vorortelinie sind noch in „freier Renaissance“ gehalten, die späteren 1896 – 1900 entstandenen Stationen der unteren Wiental- und Donaukanallinie, wie etwa die Station Karlsplatz und der Hofpavillon in Hietzing, sind mit ihrem Bauschmuck in Stuck und Schmiedeeisen in der moderne Architektur des Jugendstils gebaut.

Wagners Schrift „Moderne Architektur“ wurde zum Gründungsmanifest für die Architektur des 20. Jahrhunderts, der berühmte Architekt und Wagnerschüler Rudolf Schindler schrieb: „Die moderne Architektur begann mit Mackintosh in Schottland, Otto Wagner in Wien und Louis Sullivan in Chicago“.

Das „Hosenträgerhaus“, ein sechsgeschossiges Wohnhaus in der Universitätsstraße/Eingang Garnisongasse enstand 1887.

Die Wandlung brachte bei Wagner zunächst die „neue Kunst“ (Art nouveau – Jugendstil) hervor, in den Jahren 1898 – 1899 schuf er mit dem Häuserensemble Linke Wienzeile/Köstlergasse, eines davon ist das berühmte „Majolikahaus“, ein Hauptwerk des Wiener Jugendstils. Der Wohnkomfort dieses Jugendstilensembles gehörte damals zu den modernsten in Wien, Im Haus Köstlergasse 3 hatte sich Otto Wagner eine als Gesamtkunstwerk entworfene „Musterwohnung“ eingerichtet, die durch die gläserne Badewanne zu besonderer Berühmtheit gelangte.

Otto Wagner das Enfant terrible

Im Jahr 1899 trat Wagner der Wiener Secession bei, die er aber 1905 mit Gustav Klimt wieder verließ, hiermit war der Bruch mit der Tradition endgültig besiegelt. Dieser Schritt des renommierten, prominenten und charismatischen Architekten erregte die Gemüter der Zeitgenossen, für sie war es absoluter Verrat. Es erschienen sogar Schmähschriften und ab diesem Zeitpunkt bemühte sich Wagner oftmals vergebens um öffentliche Aufträge.

Im Jahr 1902 entwarf Wagner das Depeschenbüro (zerstört, Kärtnerstraße/Ecke Annagasse) für die Zeitung „Die Zeit“, es wurden die damals bekannten neuen Baustoffe wie Aluminium verwendet.

Otto Wagners im Jahr 1907 eröffnete Kirche St. Leopold gehört zu den zehn wichtigsten Kirchen des 20. Jahrhunderts, sie war die „Anstaltskirche“ für die Niederösterreichischen Landes- Heil- und Pflegeanstalten am Steinhof, mit der sie gemeinsam errichtet wurde. Bei dem Wettbewerb für das psychiatrische Krankenhaus, an dem sich auch Leopold Bauer und Carlo van Boog beteiligten, wurde Otto Wagner der erste Preis zugesprochen. Sein Gesamtlageplan wurde zwar angenommen, er wurde jedoch nur mit dem Bau der Kirche betraut.


Einen Eindruck der Feindseligkeit von oberster Stelle, die Wagner entgegenschlug, zeigt folgender Bericht aus dem Vorwort in Wagners Tagebuch aus dem Jahr 1914: „Zur Eröffnung der Steinhofer Kirche kam, in Vertretung des Kaisers, Erzherzog Franz Ferdinand. Ich mußte ihm den Bau erklären, worauf er als Schlußbemerkung einer Ansprache sagte: ´Der Marie-Theresien-Stil ist doch der schönste.´ Ich erwiderte ihm, daß zur Zeit Maria Theresias die Kanonen verziert gewesen seien, während man sie heute vollkommen glatt mache. – Mit ungeheurer Hochmut wendete er sich von mir ab und sein Haß verfolgte mich, trotz mehrfacher Interventionen, derart, daß ich eine Anzahl Aufträge verlor, für die ich in Aussicht genommen war. Die Gemeinde hatte viel zu wenig Mut, sich den überaus gehässigen Machenschaften des Erzherzogs entgegenzustellen.“

Der schießwütigste aller Habsburger (er hat insgesamt 277.769 Tiere zur Strecke gebracht!) und erzkonservative Thronfolger Franz Ferdinand war ein ausgesprochener Gegner der Wiener Moderne, er verhinderte erfolgreich Projekte Wagners wie den Neubau des Kriegsministeriums am Stubenring oder das Technische Museum. Franz Ferdinand war leider in Kunstfragen die prägende Gestalt der Habsburger-Dynastie.

Das Amtsgebäude der k. k. Postsparkasse (Georg-Coch-Platz 1) wurde im Jahr 1910 eröffnet und gehört zu den Ikonen der Wiener Architektur, sie ist gemeinsam mit der Kirche St. Leopold am Steinhof, als Wagners bedeutendstes Werk zu bezeichnen. Der berühmte Kassensaal mit Glasfußboden und abgehängter Stahl-Glas-Konstruktion hat die Architektur des 20. Jahrhunderts wesentlich beeinflußt.

Die Postsparkasse ist das einzige Gebäude der Moderne auf der vom Historismus geprägten Ringstraße.

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Die Wohnhäuser Neustiftgasse 40 und Döblergasse 2-4 waren Spätwerke im Bereich der Wohnbauten Wagners die verwirklicht wurden (1909 – 1912). Er war 68 Jahre, als er sie in Angriff nahm. Diese Gebäude waren damals, gemeinsam mit dem 1910 erbauten Loos-Haus am Michaelerplatz, die modernsten in Wien. Otto Wagner bewohnte im Haus Döblergasse die gesamte Beletage.

Im den Jahren 1912-1913 entstand die Lupusheilstätte, sie ist heute Teil des Wilhelminenspitals. Die Lupuskrankheit (Hauttuberkulose) war an der Wende zum 20.Jahrhundert weit verbreitet. Wagner entwickelte äußerst umsichtige zukunftsweisende Überlegungen für einen Umgang mit Kranken. Er schuf kleinere Raumeinheiten, wodurch er gewährleistete, dass „die Zahl der in einem Raume untergebrachten Kranken möglichst gering ist, um auch diesbezüglich der Individualität der Kranken Rechnung zu tragen.“

Die Villa Wagner II in der Hüttelbergstraße wurde in den Jahren 1912/13 ausgeführt, sie steht nur zwei Häuser weiter von der Wagner Villa I und ist kleiner als diese.

Bis 1912 war Wagner Professor an der Akademie der bildenden Künste, aus der einflussreichen Wagnerschule, die sich im Laufe seiner Professorenjahre herausgebildet hat, sind namhafte Architekten wie Max Fabiani, Rudolf Michael Schindler, Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbrich, Josef Plecnik, Franz und Hubert Gessner und Karl Ehn hervorgegangen.

Otto Wagner ist 11.04.1918 gestorben, er ist in der von ihm entworfenen Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof begraben.

Vergleicht man die frühen, noch ganz dem Historismus zugeordneten Bauten mit dem Häusern in der Neustift-/Döblergasse, wird die enorme Entwicklung deutlich die Wagner im Laufe seines Lebens vollzogen hat. In einem ist sich Otto Wagner jedoch immer treu geblieben: es ist die klare, disziplinierte Formensprache seiner Bauten.


Foto
Otto Wagner – Wikipedia
Aufnahme um 1910

Literatur
M. Pozzetto: Die Schule Otto Wagner: 1894–1912
ISBN-13: 978-3703105241

August Sarnitz: Wagner
ISBN-13: 978-3822828779

Walter Zednicek: Otto Wagner Zeichnungen und Pläne
ISBN-13: 978-3950036053

Museum
Wagner: Werk Museum Postsparkasse
Adresse: Georg-Coch-Platz 2, 1018 Wien
Telefon:059 9053 3825

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Palais Isbary

Das späthistorische Palais Isbary auf der Wieden

Das Palais Isbary befindet sich in der Schmöllerlgasse 5 im 4. Wiener Gemeindebezirk (Wieden) und wurde 1901/02 von Rudolf Isbary Junior an den Architekten Karl Mayreder und den Wiener Baumeister Johann Sturany in Auftrag gegeben. Karl Mayreder war ein Schüler Heinrich von Ferstels und das Palais Isbary ist eines seiner wichtigsten Werke.

Das Palais ist ein typisch, repräsentativer Bau seiner Zeit und erfüllte den gesellschaftlichen Anspruch des Bauherrn Rudolf Isbary Junior. Seine Mutter war Louise, geborene Hlawatsch, sein Vater Rudolf von Isbary war ein Textilindustrieller, Abgeordneter zum Reichsrat sowie Präsident der Wiener Handelskammer, Rudolf von Isbary wandelte mit seinem Schwiegervater Karl Hlawatsch dessen Wollwarenerzeugung in Wien-Mariahilf zu einer Shawlfabrik (Shawl = Schal) um und die Firma nannte sich dann Hlawatsch u.Isbary. Der damalige Modetrend im Biedermeier, die hervorragenden Handelsverbindungen und neuen Produktionsverfahren sorgten für einen ausgezeichneten Umsatz. In Zeiten der Hochkonjunktur hatte das Unternehmen ca 500 Beschäftigte. Rudolf Isbary Junior übernahm die Firma und erwarb Grundbesitz im Pielachtal, die Isbary´sche Güterdirektion hatte damals 8000 ha und befindet sich bis heute im Familienbesitz.

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Das Palais Isbary ist ein späthistoristischen Bau mit großem Mansarddach und barockähnlichen Dekor. Das Palais besteht aus Parterre, zwei Stockwerken und einer Mansarde. Akzente setzen die zwei Rundbogen-Doppelfenster mit geschwungenem Steinbalkon und bilden mit den einfachen Fenster die Beletage.

Das Stiegenhaus fällt durch ihr reiches Schmiedeeisengeländer auf, die Wände beeindrucken mit Stuckmarmor und in der Nische im unteren Treppenteil ist eine Venus-Statue aus Marmor zu sehen. Eine Innenbesichtigung des Palais Isbary ist nicht möglich.

Das Palais hat den zweiten Weltkrieg und die Demolierungswut der 50er Jahre gut überstanden, im Gegensatz zu dem Rothschild Palais, und befindet sich in einem sehr guten restaurierten Zustand.

Adresse

Schmöllerlgasse 5, 1040 Wien

Wiener Linien: U1 bis Taubstummengasse oder Linie D bis Plößlgasse

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