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Elise Richter

Romanistin und Universitätsprofessorin

ist einer der herausragenden Persönlichkeiten der österreichischen Frauengeschichte, die nicht nur als Frau mit Vorurteilen zu kämpfen hatte, sondern auch durch NS-Repressalien auf Grund ihrer jüdischen Wurzeln an ihren wissenschaftlichen Tätigkeiten gehindert wurde.

Elise Richter wurde am 2. März 1865 in einen großbürgerlichen Wiener Haushalt einer assimilierten jüdischen Familie geboren, sie konvertierte später zum Protestantismus.

Sie war die erste Frau in der k. k. Monarchie, die 1897 die Matura (Reifeprüfung) am Akademischen Gymnasium in Wien absolvierte und im folgenden Wintersemester die Studienfächer Romanistik, Sprachwissenschaft, Klassische Philologie und Germanistik an der Wiener Universität aufnahm. Elise Richter war eine der ersten drei ordentlichen Hörerinnen und promovierte 1901 als dritte Frau, aber als erste „sub auspiciis“ ( Die Promotion sub auspiciis praesidentis ist eine spezifisch österreichische Form der Auszeichnung hervorragender Studienleistungen) zum Doktor der Philosophie, 1905 war sie die ersthabilitierte Frau im deutschsprachigen Raum und die erste Frau, der an einer österreichischen oder deutschen Universität die Lehrberechtigung erteilt wurde.

Ihre Lehrbefugnis wurde verzögert, da die zuständigen Herren und Minister Bedenken wegen einer negativen öffentlichen Reaktion hatten, im August 1907 war es dann doch soweit, Elise Richter wurde als unbezahlte Privatdozentin zugelassen.
Im Jahr 1921 war sie wiederum die erste Frau, die den Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors vom Bundespräsidenten erhielt, allerdings ohne Funktion und Bezüge, 1927 erhielt sie einen zweistündigen bezahlten Lehrauftrag über „Allgemeine romanische Sprachwissenschaft“ und über „romanische bzw. französische Phonetik“ auf Grund ihrer persönlichen wissenschaftlichen Verdienste. Dieser Lehrauftrag war jeweils auf drei Jahre befristet und dieser mußte stets erneut beantragt werden, diese Bewilligung wurde bis 1938 erteilt und dann wurde sie als Jüdin von der Universität verwiesen.

die Wiener Universität und die Akzeptanz der ersten weiblichen Professorin

Die Romanisten Emil Winkler und Karl von Ettmayer beantragten für Elise Richter eine ordentliche Professur, aber auf Grund der Widerstände des Professorenverbandes, wie etwa wegen ihrer Kritik an der „Fremdwortkunde“ aus dem Jahr 1919 und ihrem Artikel vom 1. und 6. März 1923 in der „Neuen Freien Presse“ zu „Rasse, Volk, Nation“, sie schrieb: „Was ein ‚Volk ausmacht, ist die von gemeinsamer Sprache getragene gemeinsame Überlieferung gleicher Kultur und gleicher Schicksale in der Vergangenheit und die Verfolgung gleicher politischer und wirtschaftlicher Ziele für die Zukunft. Menschen, die die gleiche Sprache sprechen und ihr Leben in gleicher Weise in den Dienst der gleichen staatlichen und kulturellen Interessen stellen, die sind ein Volk. Volkszugehörig sind die auf dem tatsächlichen oder doch wenigstens auf dem ideellen Boden der Heimat Aufgewachsenen, die, großgezogen in den Kulturvoraussetzungen dieser Heimat und ihre äußeren Geschicke teilend, das Gefühl der Zugehörigkeit zu dieser Heimat mit allen daraus erwachsenden Pflichten und gegebenenfalls zu bringenden Opfern im Vordergrund ihres Bewusstseins tragen“, wurde der Antrag nicht beachtet. Der Romanist und Historiker Frank-Rutger Hausmann: „Elise Richter hatte das erreicht, was eine Frau in der männerbeherrschten akademischen Welt überhaupt erreichen konnte, und noch mehr als das. Selbst Feinde des Frauenstudiums mußten ihre wissenschaftliche Könnerschaft anerkennen.“
An der Universität vertrat sie aus taktischen Gründen eine traditionelle Position zu den Themen Gleichberechtigung, Frauenemanzipation und Mädchenerziehung, die nicht mit ihrer privaten Meinung ident war, sie sagte: „Als Frauenrechtlerin konnte ich meinen Weg in der Universität nicht machen, ich musste nicht nur meine Kraft auf die Arbeit richten, sondern auch den Schein des Frauenrechtlertums vermeiden.“
Elise Richter war von 1922 bis 1930 Vorsitzende in dem von ihr gegründeten Verband der Österreichischen Akademikerinnen, sie engagierte sich mit ihrer beruflichen und gesellschaftspolitischen Funktion für ein selbstbewußtes Auftreten der Frauen und dachte auch an die Gründung einer Frauenpartei.
Ihre Rolle an der Universität als Frau und Wissenschaftlerin war ein schwieriger Balanceakt, sie wurde in ihrer Lehrtätigkeit als angepasst,sachlich und schüchtern beschrieben, in ihrem privaten Leben war sie jedoch eine selbstbewußte, politisch engagierte und kulturell interessierte Frau. Politisch war sie bis 1927 in der Bürgerlich-Demokratischen Arbeiterpartei tätig.
Der Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich verschlechterte ihre Lebensbedingungen, der Antrag auf die Bewilligung eines Ruhegenusses wurde abgelehnt und die Auszahlungen ihres Lehrauftragshonorars wurden eingestellt.

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Die Wissenschaftlerin Elisa Richter hatte die Leitung des phonetischen Instituts der Universität Wien inne, sie entdeckte den Einfluss psychologischer Vorgänge auf die Sprache. Sie arbeitete auf dem Gebiet der sprachwissenschaftlichem Gebiet wie Semantik, Syntax, Phonetik, Phonologie und Einbeziehung psychologischer Komponenten, sie stand in der Tradition der Wiener romanistischen Schule, sie bezog aber in ihre Publikationen auch kulturelle und gesellschaftliche Hintergründe mit ein und veröffentlichte um die 300 Publikationen.

menschenverachtendes System

In ihr Tagebuch trug sie am 8. März 1938 ein Gespräch mit ihrer Schwester Helene zur Rede Schuschniggs ein: „Sonntags Volksentscheid Schuschnigg in Innsbruck erklärt, er muss wissen, ob er das Volk hinter sich hat. Else es gehört, sehr schön, großer Jubel dort. Sehr aufregend. Vieleicht meine letzte Vorlesung. Helene auch aufgeregt. Wir müssen sterben. Ich: wir können. Besser als unfreiwillig irgendwie zu krepieren. Frage mich, ob mein Morphinvorrat für 2 reicht, sage natürlich nichts davon. Glaube nicht, dass mehr als 4 Millionen „ja“ herauskommen.“
Hier sind schon die Unsicherheit und Ängste über die nahende, schreckliche Zukunft zu lesen.
Der 73-jährigen Elise Richter wurde im April 1938 die Lehrbefugnis an der philosophischen Fakultät wiederrufen, die angekündigte Vorlesung zur „Lautpsychologie“ wurde daher auch gestrichen und das betreten des Phonogrammarchivs wurde ihr verboten. Angesichts der vermehrten antisemitischen Sanktionen konnte sie ihre Arbeiten nur noch in den Niederlanden und in Italien veröffentlichen. Die beiden Richter-Schwestern hatten im Februar 1938 die Möglichkeit nach London zu emigrieren, doch anscheinend unterschätzten sie die Situation, wie so viele und blieben weiter in ihrem Haus in der Weimarer Straße 83. Ihre finanzielle Situation wurde immer misslicher, daher boten sie ihre 3.000 Bände umfangreiche Bibliothek der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln an, von dieser erhielten sie jedoch kein Geld. Im März 1942 mußten die zwei betagten Schwestern in das jüdische Altersheim, Seegasse 16 umziehen.
Was Elise Richter schon im Jahr 1938 geahnt hat, wurde fünf Jahre später zur noch schrecklicheren Realtiät, Elise und ihre ältere Schwester Helene Richter, die Privatgelehrte, bekannte Anglistin, Frauenrechtlerin, Theaterkritikerin und Schriftstellerin, wurden trotz ihres hohen Alters im Oktober 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, Elises Schwester Helene starb kurz danach im November 1942, Elise Richter verstarb am 21. Juni 1943.

Elise Richter wurde nach ihrem Tod mehrfach gewürdigt, wie etwa verpflichtende Lehrveranstaltungen zur Phonetik in den romanischen Sprachen, die Universität Wien hat es im Jahr 2005 geschafft, nach jahrhunderte langem Bestehen, eine anonymisierte Frauenbüste mit dem Gesicht von Elise Richter, sie ist repräsentativ für alle Frauen die an der Universität gewirkt haben, im Arkadenhof neben 154 Büsten männlicher Akademiker und einer einzigen! Gedenktafel einer Frau : Marie von Ebner-Eschenbach, zu platzieren. Allerdings war diese Büste nur temporär, während einer Ausstellung im Arkadenhof, zu sehen.
Im Hauptgebäuder am Universitätsring befindet sich im 1. Stock der Elise-Richter-Saal, im Institut für Romanistik befindet sich beim Eingang zum Stiegenaufgang eine Gedenktafel zu Ehren von Elise Richter.

In einer Zeit der patriachalischen männerdominierenden Welt und einer Universität mit nur männlichen Mitgliedern, gehörte sehr viel Mut und vorallem Ausdauer dazu denn vielen sexistischen Vorurteilen und der Ablehnung gegenüber Frauen standzuhalten. Im Jahr 2016 ist es zwar etwas besser, es studieren mehr Frauen als Männer, aber je höher die Funktion in einem Betrieb ist, umso weniger wird sie von Frauen belegt, das „Neandertalerdenken“ sitzt leider immer noch in einigen männlichen Gehirnen sehr fest.

Foto

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Literatur

Mitchell G. Ash,Wolfram Niess,Ramon Pils: Geisteswissenschaften Im Nationalsozialismus: Das Beispiel der Universitat Wien, 2010
ISBN: 3899715683

Waltraud Heindl-Langer: „Durch Erkenntnis zu Freiheit und Glück …“ Frauen an der Universität Wien, 1997
Universitätsbibliothek: http://bibliothek.univie.ac.at/

Verband der Akademikerinnen Österreichs: Elise Richter: Summe des Lebens Taschenbuch, (Autobiographie Elise Richter) 1997
ISBN-13: 978-2912626004

Weblinks

http://www.univie.ac.at/Geschichte/Neuverortung-Geschlechtergeschichte/cms/index.php?option=com_content&view=article&id=82%3Atagebcher-von-elise-richter-19381941-digitale-gesamtausgabe&catid=5%3Aprojekte&Itemid=5&lang=de

http://www.oeaw.ac.at/online-gedenkbuch/gedenkbuch/personen/q-z/elise-richter/

http://richterbibliothek.ub.uni-koeln.de/portal/home.html?l=de

Todesfallanzeige, Ghetto Theresienstadt http://109.123.214.108/de/document/DOCUMENT.ITI.18629

Jewish Wominas Archive http://jwa.org/encyclopedia/article/richter-elise

http://derstandard.at/1227287400094/Apropos-Elise-Richter

saloniere alma mahler-werfel

Alma Mahler-Werfel

die Salonière, Femme Fatale und Muse

war eine sehr schillernde herausragende Frau des 20. Jahrhunderts, aber auch eine widersprüchliche Persönlichkeit, den meisten ist sie als männermordender Vamp und Femme Fatale in Erinnerung. Alma Mahler-Werfel nahm aktiv am Aufbruch in die Moderne teil und scharte „tout Vienne“ in ihrem Salon, sie erlebte beide Weltkriege, die Scheinblüte der goldenen Zwanzigerjahre und das Misslingen ihrer Rückkehr aus dem Exil nach Wien. Auf Grund ihrer selbstbewußten emanzipierten und auch egoistischen Persönlichkeit erfand sie sich immer wieder neu, sie schuf um die Jahrhundertwende ein Netzwerk mit Künstlern, Literaten, Musiker und Mäzene, auf Grund ihrer Willenskraft gelang ihr dies auch im amerikanischen Exil.

Alma Mahler-Werfel wurde am 31. August 1879 in Wien geboren, sie war die Tochter des Landschaftsmalers Emil Jakob Schindler und der Sängerin Anna Sofie Bergen, Almas musikalische Begabung und ihr Interesse für Literatur wurde von ihrem Vater gefördert, nachdem dieser im Jahr 1892 starb, heiratete ihre Mutter den Jugendstilmaler und Mitbegründer der Wiener Secession Carl Moll.

Viele Wiener Künstler verkehrten im Haus Moll, so lernte das schöne, aufgeweckte und intelligente Mädchen Alma die berühmten Gäste kennen, unter anderem auch Gustav Klimt, der großes Interesse an dem siebzehnjährigen Mädchen hatte. Auch Alma fühlte sich dem berühmten Maler und Frauenverführer hingezogen, während einer Urlaubsreise in Italien (Klimt fuhr Alma nach) kam es zu dem ersten Kuss und das junge Mädchen schwor ihm ewige Treue. Nachdem Stiefvater Carl Moll die Schwärmerei entdeckte, musste ihm Klimt versprechen sich von Alma fernzuhalten. Als Gustav Klimt 1918 starb, notierte Alma Mahler drei Tage später in ihrem Tagebuch: „Mit ihm geht ein großes Stück Jugend aus meinem Leben“

Max Burckhard, er war oft Gast im Haus Moll und zu dieser Zeit Direktor des Wiener Burgtheaters, förderte ihr Interesse an Literatur, aber als Antisemit auch ihre Judenfeindlichkeit. Der Satz Nietsches: „Wer fällt, den soll man auch noch stoßen!“ wurde zu Almas Lebensmotto. Kompositionsunterricht erhielt Alma von dem Organisten Josef Labor und ab dem Jahr 1900 von dem Komponisten Alexander von Zemlinsky. Sie fühlte sich dem jüdischen Komponisten zugleich hingezogen und abgestoßen, es folgte bald eine stürmische Liason und ein Wechselbad der Gefühle, sie erlaubte Zemlinsky jede Intimität bis auf die eine und nahm ihm damit fast den Verstand. Einmal bezeichnete sie ihn als „kleinen, hässlichen Gnom“ und ein anderes mal trug sie schwülstige Liebeserklärungen in ihr Tagebuch ein. Alma beendete diese Liebesbeziehung, was zu dieser Zeit ein gewagter Schritt für eine Frau war.

Doppelhaus Koloman Moser und Carl Moll, 19. Steinfeldgasse 6 und 8, erbaut von Josef Hoffmann

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Im November 1901 lernte Alma im Haus der Saloniere Berta Zuckerkandl, die beiden hatten trotz großer Unterschiede eine lebenslange Freundschaft, den Dirigenten Gustav Mahler kennen, der Direktor der Wiener Hofoper war, drei Wochen später waren die beiden verlobt. Ihre Familie war gegen diese Verbindung, da Mahler um 19 Jahre älter war als Alma und seine jüdische Abstammung (Mahler konvertierte schon vorher zum Katholizismus) nicht zu dem Bild eines Schwiegersohnes passte.

erste Ehe mit dem Komponisten und Hofoperndirektor Gustav Mahler

Mahler schrieb im Dezember 1901 einen langen Brief an Alma, in dem er sie aufforderte ihr Komponieren aufzugeben, sie erklärte sich damit einverstanden und beugte sich den strengen Regeln. Ein paar Tage später fand die Verlobung statt und am 9. März 1902 schlossen sie in der Wiener Karlskirche den Bund der Ehe. Alma war schon schwanger als sie heirateten, die gemeinsamen Kinder waren Maria und Anna, die ältere Tochter Anna verstarb 1907 an einer Infektionskrankheit.

Das Ehepaar bezog eine Wohnung in der Nähe der Hofoper, 1902 wurde Tochter Maria geboren. Das Zusammenleben mit Mahler verlief allerdings völlig anders, als Alma es vom abwechslungsreichen und gesellschaftlichen Leben in ihrem Elternhauses gewohnt war. Alma Mahler stand immer im Mittelpunkt, seit ihrer Ehe mit Mahler gab es kaum Gesellschaften, Mahler hasste Gesellschaften und legte Wert auf einen geregelten Tagesablauf, um sein Arbeitspensum zu bewältigen, daher waren Flirts für Alma eine willkommene Abwechslung, wie z.B. mit Hans Pfitzner.

Mahlers Abgang von der Wiener Hofoper im Jahre 1907 erfolgte nach immer häufigeren Ärgernissen und Intrigen. Die Kritik an seinem Führungsstil und den vermehrten Antisemitismus konnte und wollte er nicht mehr abwenden, da das Amt der Direktion für ihn an Bedeutung verloren hatte.
Alma begleitet Mahler in die USA, er wurde in der Metropolitan Opera mit seinen Konzerten gefeiert, ohne Anfeindungen und Missgunst wie in Wien. Während Mahler endlich seine musikalischen Höhepunkte genießen konnte, fühlte sich Alma wieder einsam und fuhr 1910 mit ihrer Tochter in die Steiermark zur Kur. Dort begann sie mit dem ebenfalls auf Kur befindlichen Architekten Walter Gropius eine Affäre, von der Mahler durch einen falsch adressierten Brief erfuhr, trotzdem ging die Affäre heimlich weiter.

Als Mahler in den USA an einer fortschreitenden Herzinnenhautentzündung erkrankt, reist Alma mit Mahler nach Frankreich um Ärzte zu konsultieren, aber damals gab es kaum Behandlungsmöglichkeiten, daher reisten die beiden am 12. Mai nach Wien und nur wenige Tage später – am 18. Mai 1911 verstarb Gustav Mahler.

Das Erbe Gustav Mahlers machte Alma zu einer wohlhabenden Frau, sie war wie eh und je eine strahlend schöne Frau und daher hatte sie jede Menge Verehrer, sie ging kurze Liebschaften, neben der Beziehung zu Walter Gropius, mit dem Komponisten Franz Schreker und den Biologen Paul Kammerer ein.

Alma Mahler und Oskar Kokoschka

Eine stürmische und exessive Liebesbeziehung führte Alma mit dem Maler Oskar Kokoschka, er war schrecklich eifersüchtig und besitzergreifend, daher kam es immer wieder zu Eifersuchtsszenen. Kokoschka war sogar auf den verstorbenen Mahler eifersüchtig, Alma meinte rückblickend nach einer dreijährigen Hass-Liebe: „Niemals zuvor habe ich so viel Krampf, so viel Hölle, so viel Paradies gekostet“. Kokoschka hielt mehrmals um ihre Hand an, doch Alma entzog sich immer mehr. Dezember 1914 erfuhr Kokoschka von seiner Einberufung, er hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet, hier war Alma angeblich nicht unschuldig, da sie ihn immer wieder einen Feigling nannte. Alma hatte währenddessen wieder Kontakt zu Gropius aufgenommen und die beiden hatten im August 1915 geheiratet, laut Alma war es der einzige Mann der sich „rassisch mit mir messen konnte“. Trotzdem sah sie sich als Witwe Mahlers und betreute sein musikalische Erbe. Als Kokoschka von der Heirat erfuhr, ließ er eine eine lebensgroße Puppe anfertigen, sie glich Alma in jedem Detail, das Ergebnis war eine plumpe Figur aus Stoff und Holzwolle, die Kokoschka in einer exessiven Party köpfen ließ. Ganz schön schräge Trennungstherapie;-)

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Alma, Walter Gropius und Franz Werfel

Mit Gropius hatte sie eine gemeinsame Tochter namens Manon, sie kam 1916 zur Welt. Zu dieser zeit hatte Alma ihren Salon in der Elisabethstrasse und wieder waren es Künstler, Wissenschaftler die von ihr gefördert oder kritisiert wurden. In ihrem Salon lernte den jungen 27- jährigen Juden Franz Werfel kennen und fand ihn wenig attraktiv und störte sich an seinem jüdisch sein, aber Alma wäre nicht Alma wenn sie nicht Gefallen an ihm gefunden und künstlerisches Potential gesehen hätte, sie wurde seine Geliebte, förderte ihn und strukturierte seinen Tag. Als sie 1918 von Werfel schwanger wurde, war sie zu noch mit Gropius verheiratet, das Kind starb aber mit zehn Monaten, worauf sie Werfel die Schuld, auf Grund des „verkommenen Samen“, gab. Das Verhältnis von Alma und Werfel war publik und trotzdem nahm Gropius die Schuld auf sich, die Ehe wurde am 16. Oktober 1920 geschieden.

Alma hatte das Mahler Vermögen um 1914 zu einem großen Teil in Kriegsanleihen angelegt, daher war nur mehr sehr wenig von dem Geld übrig und die Inflation der 20er Jahre verschlang den Rest, daher mußte jetzt Franz Werfel für den Verdienst sorgen. Am 6. Juli 1929 ging sie fünzigjährig ihre dritte Ehe mit dem Juden Franz Werfel ein, den sie auch „Mannskind“ nannte, da sie fürchtete keinen Lebenspartner zu finden und nicht gewohnt war alleine zu leben. Die politische Lage in Österreich und Deutschland wurde immer radikaler und beeinflußte Alma in ihrem Antisemitismus, obwohl sie erst vor kurzem zum zweiten Mal einen jüdischen Mann geheiratet hatte. Jedoch heiratete sie Werfel nur unter der Bedingung, dass er aus der jüdischen Religionsgemeinschaft austreten müsse, Werfel trat einige Zeit später, ohne ihrem Wissen, wieder seiner Religionsgemeinschaft bei.

Als Almas zukünftiger Schwiegersohn Ernst Krenek sie zum ersten Mal sah, meinte er: „Ein prächtig aufgetakeltes Schlachtschiff“, jedoch faszinierte ihn ihre Vitalität und ihr Talent jedem Gast das Gefühl zu geben, dass sie nur für ihn da sei.

Villa Ast, Hohe Warte, 19. Steinfeldgasse 2, erbaut von Josef Hoffmann

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Als die Wohnung in der Elisabethstraße zu klein wurde, erwirbt Alma im Jahr 1931 die Villa Ast auf der Hohen Warte, sie hatte 28 Zimmer und wurde von Josef Hoffmann erbaut. Ihr Salon ist mit dem von Bertha Zuckerkandl zu vergleichen, zunächst waren es vorwiegend Künstler, später bereicherten Literaten, Politiker und Kleriker ihren Salon. Alma stand auch Kurt Schuschnigg und seinem Kreis, sowie dem 37-jährige Theologieprofessor und Ordenspriester Johannes Hollnsteiner nahe. Hollnsteiner sah in Hitler einen „neuen Luther“, er verliebte sich in die um einiges ältere Alma und die beiden begannen eine heimliche Affäre. Im Jahr 1935 verstarb ihre 19-jährige Tochter Manon an den Folgen der Kinderlähmung, die Schönheit Manons führte Alma darauf zurück, dass der Vater Walter Gropius ein Arier war. In den 30er Jahren waren der Dirigent Bruno Walter, die Schauspielerinnen Lina Loos (Exfrau von Adolf Loos) und Lotte Lehmann, die Schriftsteller Carl Zuckmayer, Hermann Broch und Egon Friedell, die Komponisten Richard Strauss und Egon Wellesz, Schauspieler Werner Krauß, Anna und Carl Moll und Paul Zsolnay (der spätere erste Ehemann von Anna Mahler), der Verleger von Franz Werfel, häufig zu Besuch. Der deutsche Theater- und Filmschaffende Albrecht Joseph, der spätere zweite Ehemann von Anna Mahler, meinte zu der Person Alma: „Alma war ein entspannte und angenehme Gastgeberin. Wußte man nichts über sie, konnte man sie auf den ersten Blick für eine Opernsängerin halten, die sich auf Wagner spezialisiert hatte. Sie war keineswegs reserviert, sondern übertrieb eher eine gewisse Hemdsärmeligkeit, sie war fröhlich, sehr wienerisch, genoss Essen und Trinken und hatte viel Freude an ihren Gästen, die stets zahlreich versammelt waren“.

Im Jahr 1937 beschließt Alma die Villa auf der Hohen Warte zu vermieten, da zuviele schmerzliche Erinnerungen mit dem Tod ihrer Tochter Manion verbunden waren, im Juni 1937 wurde ein legendäres Fest veranstaltet, bei dem der Hochadel, Politiker und Industrielle eingeladen wurden. Alma und Franz Werfel mieteten ein Appartment im Wiener Hotel Carlton, später zieht Werfel nach Marienbad und Alma nach Breitenstein.

Emigration

Am 12. Februar 1938 unterzeichnete Bundeskanzler Schuschnigg unter Hitlers Druck das „Berchtesgadener Abkommen“, das war das Ende des selbstständigen Staat Österreich. Da Tochter Anna laut den Nürnberger Rassegesetzen Halbjüdin war, verlassen Alma und Anna Österreich und fahren über Mailand, wo schon Werfel auf die beiden wartet, weiter nach Paris und Amsterdam. Am 9. Mai kommen sie in London an, wo sie bis 1940 bleiben, nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Frankreich fliehen Alma und Werfel nach New York.

Anschließend lassen sich Alma und Werfel in den Hollywood Hills in einer Villa nieder, sie trafen dort zahlreiche Emigranten aus Österreich und Deutschland. Wie in Wien, scharten sich wieder alle um die „Grande Dame“ und Alma fühlte sich bald wieder in ihrem Element.
Drei Jahre nach der Ankunft in Kalifornien, stirbt Franz Werfel am 26. August 1945 an einem Herzinfarkt. Alma besuchte Wien nur noch einmal, sie versuchte im Jahr 1947 die Vermögensfragen zu regeln, es kam mit dem österreichischen Staat wegen dem Gemälde „Sommernacht am Strand“ von Edvard Munch zu gerichtlichen Streitereien. Dieses Gemälde schenkte ihr Gropius und Carl Moll hat es nach Almas Emigration an die Österreichische Galerie Belvedere verkauft. Sie verlor den Prozess, da sie nicht belegen konnte, das das Gemälde ohne ihrem Einverständnis verkauft wurde.
Ab dem Jahr 1951 übersiedelte Alma nach New York, dort beschäftigte sie sich mit ihrer Autobiografie und verschließ einige Ghostwriter, da diese ihre antisemitischen Äußerungen ablehnten. Almas Biografie erschien im Jahr 1958 unter dem Titel „And the bridge is love“. Die Reaktion darauf war sehr verhalten, ebenso fand ihre deutsche Biografie „Mein Leben“ nicht die gewünschte Resonanz.

Alma Mahler-Werfel wurde 85 Jahre, sie verstarb am 11. Dezember 1964 in New York.

Alma Mahler-Werfel, der die Männer zu Füßen lagen, hatte ein bewegtes und exentrisches Leben, sie war als Person widersprüchlich, hatte ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, konnte Menschen vereinnahmen, Männer manipulieren und sie war eine Antisemitin. Sie war aber auch eine Frau, die sehr selbstständig agierte und ihre Sexualität in einer Zeit auslebte, in der man dies Frauen nicht zugestand.

Foto von Alma Mahler-Werfel

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Literatur

Die Salonièren und die Salons in Wien: 200 Jahre Geschichte einer besonderen Institution, Helga Peham, Styria Premium 2014
ISBN 978-3222134487

Mein Leben. von Alma Mahler-Werfel,1963
ISBN-13: 978-3596205455