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Gustav Mahler

Genie und Perfektionist

er war Wegbereiter der Wiener Schule und der bedeutendste Komponist der romantischen Symphonie, als erster Kapellmeister und Direktor der Wiener Hofoper gelang ihm mit seiner Opernreform das Musiktheater zu entrümpeln und zu revolutionieren, Gustav Mahler gilt heute als einer der interessantesten Komponisten der Moderne.

Mahler wurde am 7. Juli 1860 in Mähren, in der Stadt Kalischt (heute Tschechische Republik) in eine jüdische Gastwirtfamilie hineingeboren. Er ist einer der wichtigsten Komponisten und Dirigenten seiner Zeit und erzielte neben seiner Musik durch zahlreiche Novellierungen am Musiktheater prägende Reformen. Er war einer der berühmtesten Dirigenten seiner Zeit und als Operndirektor ein bedeutender Reformer des Musiktheaters.
Schon im zarten Alter von vier Jahren erhielt der kleine Gustav Akkordeonunterricht und später Klavierunterricht, schon zwei Jahre später komponierte er seine ersten Stücke, die aber leider nicht erhalten blieben. Das Kind Gustav Mahler war sehr belesen und hörte gerne Volks- und Tanzmusik, Militärmusik und jüdische Musik, diese prägte ihn und seine späteren Werke.

die ersten musikalischen Schritte

Sein Debüt als Pianist gab er mit zehn Jahren, mit zwölf Jahren gab er Konzerte mit anspruchsvollen Stücken von Franz Liszt und Sigismund Thalberg, hier zeigte erschon sehr früh sein großes Talent.

Drei Jahre studierte er am Wiener Konservatorium bei Julius Epstein Klavier und bei Franz Krenn Komposition, ein Jahr später gewann das junge Genie in beiden Fächern den ersten Preis.

Im Jahre 1878 schrieb er den Text für „Das klagende Lied“ nach dem Märchen in der Bechstein-Sammlung, im gleichen Jahr beendete er das Kompositionsstudium erfolgreich und gewann mit einem Klavierquintett den ersten Preis.

Gustav Mahler wohnte Vorlesungen von Bruckner bei und studierte einige Semester Musikgeschichte bei Eduard Hanslick.

Mahlers Werdegang von 1880 bis 1896

im Jahr 1880 trat er im Oberösterreicher Sommertheater Bad Hall die Stelle als Kapellmeister an, danach spielte er in Laibach, Olmütz, Kassel, Prag, Leipzig und Budapest. In Kassel lernte der junge Mahler die berühmte Mezzosopranistin der Wiener Hofoper kennen und lieben, später heiratete sie den sehr bekannten Musikkritiker Dr. Hans Paumgartner und auf Grund seiner Einflußnahme wurde Mahler nach Wien berufen. Im Jahr 1888 wurde er in Budapest Königlicher Operndirektor, hier begann auch sein großartiges Schaffen, er komponierte die 1. Symphonie und zwei Jahre später lernte er Johannes Brahms kennen. Im Sommer bevorzugte er Rückziehungsorte um dort ungestört zu arbeiten, unter anderem auch in den Komponierhäuschen in Steinbach am Attersee, Maiernigg am Wörthersee und in Toblach.
Ab 1891 war er sechs Jahre erster Kapellmeister am Stadttheater in Hamburg, hier erlebte er einen kometenhaften Aufstieg am Hamburger Opernhimmel und legte den Grundstein für einen neuen Musikthaterstil. Er dirigierte in den Jahren1894/95 138 von 367 Vorstellungen, weiters acht Philharmonische Konzerte und im selben Jahr wurde seine 2. Sinfonie fertig, in Berlin leitete er die Uraufführung der ersten drei Sätze und komponierte in nur wenigen Wochen fünf Sätze der 3. Sinfonie, heute würde Gustav Mahler als Workalcoholic bezeichnet werden.
In seiner Hamburger Zeit befreundete sich Mahler mit dem jungen Bruno Walter, dieser erhielt in dieser Zeit als Chorleiter ein Engagement am Stadttheater. Walter folgte ihm als zweiter Kapellmeister nach Wien und setzte sich sein ganzes Leben für die Musik Gustav Mahlers ein.

Wiener Jahre als Hofoperndirektor

Johannes Brahms war ein sehr großer Befürworter das der Posten des Hofoperndirektors mit dem Wagnerianer Mahler besetzt wird, aber Cosima Wagner setzte alle Hebeln in Bewegung damit der Jude Gustav Mahler diese Stellung nicht bekam. Mahler ließ sich aber 1897 taufen, somit stand den Verhandlungen nichts mehr im Wege und am 11. Mai 1897 war es soweit, Gustav Mahler hatte die großartige Stellung des ersten Kapellmeisters und Hofoperndirektors und dirigierte zum Debüt den Lohengrin.

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Karl Kraus äußerste zu Mahlers Antritt als Hofoperndirektot folgende Prophezeiung: „Mit Siegfriedsallüren ist in das Opernhaus dieser Tage ein neuer Dirigent eingezogen, dem man es vom Gesicht ablesen kann, dass er mit der alten Misswirtschaft energisch aufräumen wird…Der neue Dirigent soll bereits so effektive Proben seiner Thatkraft abgelegt haben, dass schon fleißig gegen ihn intrigiert wird.“

Mahler hatte bei einer Secessionsaustellung die Bühnen-Maquette zu dem ersten Tristan-Akt von Alfred Roller gesehen, daraufhin holte Alfred Roller den Secessionisten und bildenden Künstler an die Hofoper und setzte mit ihm seine Opernreform durch. Diese stieß natürlich auf heftigen Widerstand der Wiener, Mahlers Plan war es, die Vorführungen auf einer minimalistischen Opernbühne zu spielen, um den dramatischen Effekt und die Leidenschaft der Scenen in den Focus zu stellen. Roller setzte Mahlers Idee mit der ersten Stilbühne zu „Don Juan“ hervorragend um, sie wurde dann von allen Opernhäusern aufgenommen, und Wien war mit dieser Umsetzung in zwei fanatische Lager geteilt: die Mahlerianer und Antimahlerianer.

das Haus Auenbruggergasse 2 in dem Gustav Mahler 9 Jahre wohnte

auenbruggergasse 2 gustav mahler,wien-bilder

Was Mahlers Wirkung ausmachte, war seine leidenschaftliche Sehnsucht, eine tiefe und echte Kunstwahrheit sowie eine Ergriffenheit in den Sängern und Publikum zu wecken, er empfand die Oper aus dem Instrumentalen und nicht aus dem Arioso. Pathetische Gesten der Sänger in überladenen Kostümen und Bühnenbildern waren ihm zuwieder und mit Roller entrümpelte er jahrzehntelange Routine Schlamperei und Bequemlichkeit. In seiner zehnjährigen Zeit als Hofopernintendant genoß das Haus eine Hochblüte und den Beginn der neuzeitlichen Operninszenierung, in dieser Zeit unternahm Mahler zahlreiche Konzertreisen durch ganz Europa, hier gewann er enthusiastische Anhänger in Europa und auch in den USA.
Mahlers Ungeduld mit Sängern und Orchestermitgliedern, die seinen Ansprüchen nicht genügten, die Intrigen der vorhin genannten, besonders die des Orchesters, machten ein Zusammenwirken nicht einfach. Hindernisse und Streitigkeiten seiner Vorgesetzten, eine Pressekampagne gegen ihn mit antisemitischen Tendenzen veranlassten Mahler zu seinem Entlassungsgesuch.

Gustav Mahler wohnte von 1898 bis 1909 in der Auenbruggergasse 2, ab 1900 gemeinsam mit Alma, das Haus wurde von Otto Wagner entworfen.

Alma Schindler

Im November 1900 lernte Mahler die 21 jährige Alma Schindler, Stieftochter von Carl Moll, im Salon von Bertha Zuckerkandl kennen, der sonst sehr introvertierte und fast schon schüchterne Mahler, der kaum Einladungen wahrnahm, war von der Ausstrahlung der jungen und schönen Alma fasziniert. Alma wiederum fühlte sich von der Persönlichkeit Mahlers angezogen und es schmeichelte ihr dass sich der bekannte Dirigent und ihr Idol für sie interessierte, schon nach drei Wochen waren die beiden verlobt und der 19 Jahre ältere Mahler vergaß seine asketische Lebenseinstellung. Im März 1902 wurde geheiratet und Alma Mahler fügte sich den konservativen Vorstellungen ihres Mannes, dieser bestand darauf dass sie nicht weiter komponierte und sich ihren Aufgaben als Ehefrau und Mutter widmete.

Mahler hatte ein riesiges Arbeitspensum und daher sehr wenig Zeit für Besuche bei Freunden und anderen Vergnügungen, während der Ferien arbeitete er in dem für ihn gebauten Komponierhäuschen bis spät in die Nacht, Alma fühlte sich vernachläßigt und ging 1910 mit dem Architekten Walter Gropius eine Liason ein. Mahler erfuhr davon, aber die Beziehung zu Gropius führte sie dennoch weiter.
Alma und Gustav Mahler hatten zwei Töchter namens Maria Anna (1902) und Anna Justina (1904).

Übersiedlung in die USA

Da Mahler 1907 die Hofoper verließ und sehr gute Kontakte in den USA hatte, unterschrieb er einen Vertrag mit der Metropolitan Opera in New York, zu dieser Zeit verstarb ihre gemeinsame Tochter Maria Anna plötzlich an Diphtherie und bei Gustav Mahler wurde eine Herzkrankheit diagnostiziert, beides trieb ihn zu Verzweiflung. Trotzdem schonte er sich nicht, er verarbeitete seine Erlebnisse stets mit Musik und widmete sich wieder sehr intensiv der Musik und dem Komponieren, so entstand das „Das Lied von der Erde“, die 9. Sinfonie und ein Entwurf der 10.Sinfonie.
Die Mahlers reisten 1907 von Wien ab, im Jahr 1908 dirigierte er das erste Mal an der New Yorker Met, seine Musik wurde mit Begeisterung aufgenommen und gefeiert, was seiner in Wien verletzten Seele sehr gut tat.
1909 vollendete Mahler seine 9. Sinfonie, das einleitende Andante wird von vielen als das schönste Stück Mahlers bezeichnet, in diesem Jahr legte er, auf Grund seines schlechten Allgemeinzustands seine übrigen Verpflichtungen zurück und widmete sich nur mehr der Tätigkeit als Konzertdirektor.

Mahlers Neunte

Das „Lied von der Erde“ wäre Mahlers 9. Sinfonie gewesen, aber da er abergläubisch war, da weder Schubert, Bruckner, Beethoven oder Dvorak die 10. erreicht hatten, schrieb er 1908 das „Lied von der Erde“ als 9. Sinfonie, strich aber dann die Zahl wieder durch und meinte bei der 1909 folgenden Neunten: „Eigentlich ist es ja die Zehnte, weil das Lied von de Erde ja meinen Neunte gewesen ist.“ Im Jahr 1910 arbeitete er an der 10. Sinfonie und meinte dazu: „Jetzt ist für mich die Gefahr vorbei.“ Gustav Mahler erlebte weder die Uraufführung „Lied von der Erde“ noch die 9. Sinfonie, die 10. blieb unvollendet. Seine Furcht und sein Aberglaube, das kein großer Musiker die 10. Sinfonie erreicht, hatten sich leider erfüllt.

Gedenktafel Gustav Mahler am Haus Auenbruggergasse 2

gedenktafel gustav mahler,wien-bilder

das letzte Jahr

In seinem Todesjahr gab es auch in New York Schwierigkeiten mit dem Orchester, aber die Uraufführung der 8. Sinfonie im September 1910 in München war ein triumphaler Erfolg. In diesem Jahr erfuhr er von der Liebesaffäre Almas mit Walter Gropius, das wirkte sich sehr negativ auf seinen labilen psychischen Zustand aus und er konsultierte dafür sogar Sigmund Freud, es blieb aber bei einer Sitzung.

Schon todkrank kam Gustav Mahler mit Alma nach Wien, als die Presse verkündete das Mahler schwer krank sei, ergriff Wien eine tiefe Trauer, genau die Menschen die ihm in Wien das Leben schwer machten, trauerte jetzt um ihn.Ist das nicht typisch für die Wiener?

Am 18. Mai 1911 starb Gustav Mahler an Endokarditis im Sanatorium Loew in Wien, auf seinem Begräbnis gab es ein riesiges Blumenmeer und jede/r wußte nur gutes von dem Verstorbenen zu sagen.

Zitat Alexander Girardi (österreichischer Schauspieler 1850 bis 1918): „Ja, im Aufbahren waren die Wiener immer groß!“

Das Grab von Gustav Mahler befindet sich am Grinzinger Friedhof, Gruppe 6, Reihe 7, Nr. 1

Werke Gustav Mahlers

Foto
gemeinfreies Foto Gustav Mahler von Wikipedia

Literatur

Franz Willnauer: Gustav Mahler: die Hamburger Jahre. Hoffmann und Campe, Hamburg 2011
ISBN 978-3-455-50196-4

Franz Willnauer: Gustav Mahler und die Wiener Oper, Wien 1993
ISBN 3-85409-199-0

Helmut Brenner, Reinhold Kubik: Mahlers Welt. Die Orte seines Lebens, St. Pölten/ Salzburg 2011
ISBN 978-3-7017-3202-9

Hans Bankl: Kolumbus brachte nicht nur die Tomaten: Geschichten hinter der Geschichte Gebundene Ausgabe, 2002
ISBN: 978-3218007092

Bertha Zuckerkandl: Österreich intim: Erinnerungen 1892 bis 1942, 2013
ISBN-13: 978-3850028363

Weblinks

https://www.gustav-mahler.org/

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Karl Kraus

der Satiriker, Dichter und Kämpfer gegen Korruption und Krieg

Karl Kraus lebte in einem Land der Widersprüche und war selbst sehr widersprüchlich. Er hatte Österreich als die „Versuchsstation des Weltuntergangs“ bezeichnet und attackierte das Land sein Leben lang, es aber auch sehr geliebt und wahrscheinlich deswegen so kritisiert.

Kraus hatte ein sehr starkes, bzw. zu starkes Selbstbewußtsein, er war aber auch sein strengster Kritiker, bei den Menschen polarisierte er sehr stark, wobei er durch seine gnadenlose Kritik viele Feinde hatte, die sich aus irgendeinem Grund sein Missfallen zuzogen .

Am 28. April 1874 kam Karl Kraus im böhmischen Jicin in einem wohlhabenden jüdischen Elternhaus zur Welt, mit drei Jahren übersiedelte die Familie Kraus nach Wien in Nähe der Ringstraße. Das Kind Karl war sehr zart, sensibel und hatte eine schwache Konstitution mit einer angeborenen Rückgratverkrümmung, er reagierte auf jede Veränderung mit großer Ängstlichkeit, diese Schwächen prägten seine spätere Entwicklung, da er sich dieser schämte.

Schon in der Schule suchte er die Schwächen der Lehrer und Schüler, um sich über diese lustig zu machen, diese suchte er mit einer Akribie auch als Erwachsener bei seinen Mitmenschen, um sie dann lächerlich zu machen.
Mit siebzehn Jahren verstarb seine Mutter, darauf reagierte er sehr heftig und bewahrte ein Leben lang eine Haarlocke, einen Brief und Blätter von ihrem Grab auf. Der frühe Verlust seiner Mutter prägte seine Beziehungen zu Frauen, auch diese waren sehr widersprüchlich.

Im Jahr 1899 trat Karl Kraus aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft aus und ließ sich 1911 römisch-katholisch taufen, (Alfred Loos war sein Taufpate) er trat jedoch 1923 wieder aus der katholischen Kirche aus.

Zitat Karl Kraus: „Der Wert der Bildung offenbart sich am deutlichsten, wenn die Gebildeten zu einem Problem, das außerhalb ihrer Bildungsdomäne liegt, das Wort ergreifen.“

der Journalist Karl Kraus

Knapp vor der Matura im Jahr 1892, er maturierte am selben Tag wie Hugo von Hoffmannsthal, erschien seine erste Veröffentlichung in der „Wiener Literatur-Zeitung“: eine Besprechung der „Weber“ von Hauptmann, nach der bestandenen Matura verbrachte Kraus einige Zeit in Bad Ischl, dort schrieb er den langen „Ischler Brief“ der in der Illustrierten „Das Rendevous“ erschien. Karl Kraus begann Jus zu studieren, er bricht aber im Jahr 1894, nach zwei Semestern, dieses Studium ab und studierte dann Philosophie und Germanistik, er schließt jedoch sein Studium nie ab. Im Jahr 1893 tritt er neunzehnjährig als „Franz Moor“ im „Rudolfshauser Volkstheater“ auf und fällt beim kritischen Publikum durch, danach entscheidet sich Karl Kraus für den Beruf des Schriftstellers, dennoch bleibt für ihn die Schauspielerei ein unerfüllter Traum.
Zwischen 1892und 1899 ist er in den verschiedensten Zeitungen als Journalist tätig, unter anderem auch zwei Jahre in der „Neuen freien Presse“ deren Herausgeber Moritz Benedict war, er wurde später ebenso zum Ziel seiner spitzfindigen Kritik wird wie so viele andere. Kraus wollte ursprünglich in der „Neuen freien Presse“ die Nachfolge des Daniel Spitzer antreten, dieser war sehr bekannte für seine satirischen Beiträge „Wiener Spaziergänge“, bald darauf änderte er diese Pläne, da er sehr rasch die Grenzen des unabhängigen Journalismus spürte, daher wollte er eine unabhängige Zeitschrift gründen und sich nicht der „Zensur der Journaille“ unterwerfen.

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Im Jahr 1897 schrieb Kraus die „Die demolirte Litteratur“, in der er die Wiener Literaten, mit denen er sich im Cafe Griensteidl traf, aufs Korn nahm, er schrieb unter anderem: „Mangel an Talent, verfrühte Abgeklärtheit, Posen, Größenwahn, Vorstadtmädl, Cravatte, Maniriertheit, falsche Dative, Monocle“. Er nannte zwar keine Namen der „Demolierer“ aber sie wurden sehr präzise beschrieben, es waren Hermann Bahr, Hugo von Hoffmannsthal, Felix Salten und Arthur Schnitzler, am schlimmsten kam Hermann Bahr weg, ihn hasste Karl Kraus wirklich und daher wurde er am heftigsten kritisiert.

Das legendäre Cafe Griensteidl hatte am 20. Januar 1897 das letzte Mal geöffnet, es wurde am nächsten Tag abgeriessen, daher trafen sich alle Stammgäste zum letzten Mal in ihrem Lieblingscafe „Cafe Größenwahn“. Es kam zu guter letzt noch zu einem Eklat, da Salten wieder einmal Karl Kraus ohrfeigte, doch der kleine Kraus zeigte ihm diesesmal an und Salten musste 20 Golden Strafe zahlen.

die Zeitschrift „Die Fackel“

wurde im Jahr 1899 von dem 25-jährigen Karl Kraus gegründet, die erste Nummer seines Hauptwerkes erschien am 1. April und hatte 32 Seiten mit dem prägnanten roten Umschlag und am Cover eine brennende Fackel vor dem Profil Wiens.

Der Schriftsteller, Journalist und Kulturpolitiker Robert Scheu beschrieb die Reaktionen: „Eines Tages, soweit das Auge reicht, alles – rot. Einen solchen Tag hat Wien noch nie erlebt. War das ein Geraune, ein Geflüster, ein Hautrieseln! Auf den Straßen, auf der Tramway, im Stadtpark, alle Menschen lesen aus dem roten Heft…es war narrenhaft…Und dieses ganze Heft, mit Pointen so dicht besät, daß man es…behutsam lesen mußte, um keine der glitzernden Perlen zu verlieren.“ Von diesem vorerst dünnen roten Heft erschienen insgesamt 922 Nummern mit über 30.000 Seiten. Schon in seiner ersten Nummer greift Kraus all das an, was er bei den anderen Zeitungen verschweigen musste und attackierte den Mißbrauch der Sprache sowie die in der gesamten Monarchie vorherrschenden Korruption, schon in zwei Wochen erreichte die Fackel eine Auflage von 30.000 Exemplaren.

Die von Karl Kraus angeprangerten Missstände haben sich bis heute, obwohl es keine Monarchie gibt, kaum geändert.

Auf Grund dieses Erfolges gab es bald die bösartige „Gegenfackel“ oder das Heft „Der Pinsel“, der Erfolg blieb aber bald aus. Der Drucker des Heftes „Die Fackel“ nutzte eine Erholungsreise seines Auftraggebers schamlos aus und ließ das Titelblatt des Originals unter seinen Namen registrieren, erst durch 15 gerichtliche Urteile konnte Kraus seine „Fackel“ zurückgewinnen.

Da Kraus keine Pauschalanklagen gegen die Gesellschaft erhob, sondern die betreffenden namentlich attackierte, wurde es für ihn gefährlicher, er wurde einmal blutig niedergeschlagen und bekam jede Menge anonyme Droh- und Schmähbriefe. Nach einem viertel Jahr kam er zur folgenden Aufstellung: „Anonyme Briefe 236, Anonyme Drohbriefe 83, Überfälle 1“, seinen Mut und Angriffslust behielt er trotzdem.

Was seine Persönlichkeit ausmachte und ihn von der „Journaille“ unterschied, war seine absolute Beherrschung der Sprache, Fanatismus, eine treffsichere Ironie und seine Pedanterie, er las manchesmal zwanzig bis dreißigmal seine Beiträge durch und prüfte jedes Wort.
Mit seine Vorlesungen erzielte er eine sehr große Wirkung in der Öffentlickeit, das Publikum war von Kraus „begeistert und fanatisch, befriedigt und drohend zugleich“ meinte Elias Canetti, er las meistens in Wien, Innsbruck, Prag und München aus seinen Schriften, später fast nur aus fremden Schriften. In Wien bevorzugte er für seine Lesungen das Konzerthaus und Säle des Wiener Musikvereinsgebäudes.

Feinde und Freunde

der oft bösartige Kritiker Karl Kraus und der liebevolle Förderer neuer Talente sind widersprüchlich, er sah jeden Kritiker zu seiner Arbeit und seiner Person als Angriff und als Feind, dieser wurde daraufhin in der „Fackel“, wie Hermann Bahr, Arthur Schnitzler oder Felix Salten, aufs Korn genommen. Er meinte: „ich mache kleine Leute durch meine Polemik so groß, dass sie nachher würdige Objekte für meine Polemik sind und mir kein Mensch einen Vorwurf machen kann.“

Seine Attacken auf Heinrich Heine, Arthur Schnitzler, einige Prager Literaten und Gustav Klimt sind Fehleinschätzungen, er sah z. B. in Heinrich Heine den Hauptverantwortlichen für die Verlotterung der Sprache, da diese ein Zeichen des Verfalls der Gesellschaft sei.
Zurecht griff Karl Kraus den Zeitungs-Herausgeber Imre Bekessy persönlich in der „Fackel“ an, dieser war ein wegen Verleumdung und Erpressung vorbestrafter Krimineller, der vor Verleumdungen und Erpressungen nicht zurückschreckte.

Kraus bewunderte und verehrte den Schauspieler und Dramatiker Johann Nestroy, bei seinen Veranstaltungen erreichte er, das Nestroy wieder den Stellenwert bekam den er verdiente.
Zu seinen wenigen Freunden gehörten Adolf Loos, Peter Altenberg und Oskar Kokoschka, Kraus war wie Loos ein Fanatiker des Absoluten und daher oft puristisch. Altenberg unterstützt er finanziell wie moralisch und verteidigte ihn bei seinen Entgleisungen. Kokoschka ließ er, wie sonst kaum jemand, an sich heran und ließ sich zweimal von ihm porträtieren.

die letzten Tage der Menschheit

nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand, war Karl Kraus einer der wenigen der nicht in begeisterten Kriegstaumel fiel, er sah den ersten Weltkrig schon seit dem Balkankrieg im Jahr 1912 voraus. Bei der Nachricht des Attentats hält er die bereits druckfertige Ausgabe der „Fackel“ zurück und schweigt. Erst nach vier Monaten Krieg bricht Kraus das Schweigen, allerdings nur, um in einer Lesung sein weiteres Schweigen zu begründen. Im Oktober 1915 erscheint eine „Fackel“ mit 168 Seiten, sein Privatsekretät Leopold Liegler drückte aus, was die späten Worte des Karl Kraus bedeuteten: „…in diesem Chaos war er einer der wenigen Menschen, die unerschrocken und klar aussprachen, was alle diese Greuel, diese zur Pflicht gewordene Bestialität zu bedeuten habe; er hat diejenigen ernüchtert, die sich von der Begeisterung der ersten Kriegsmonate hatten verblenden lassen und hat die Verzweifelnden alle getröstet und aufgerichtet…“

Trotz Zensur, Denunzierung und mehrmaliger Konfiszierung der „Fackel“ richtete sich Kraus ständig gegen die Greuel des Krieges. Alle seine Ansprachen, Pamphlete, Glossen und Gedichte aus der Kriegszeit verdichten sich in seinem Hauptwerk „Die letzten Tage der Menschheit“ zu einem erschreckenden, unverfälschten Bild des Grauens, zu einer auch heute noch geltende Apokalypse.
„Die letzten Tage der Menschheit“ ist eine Tragödie in fünf Akten mit Vorspiel und Epilog, die in den Jahren 1915 bis 1922 entstanden ist, jeder der fünf Akte leitete jeweils das „Leben und Treiben“, eine Massenszene am „Sirkeck“ an der Ringstraße ein.
Nach über hundert Jahren hat diese Tragödie und sein Lebenswerk nichts von seiner erschütternden Wirkung verloren, Karl Kraus hat es wie kein anderer verstanden, Gesellschaftskritik und Kriegsablehnung in eine Satire zu verpacken.

Zitat Karl Kraus: „Die Kultur endet, indem die Barbaren aus ihr ausbrechen.“

Zwischenkriegszeit

Während des ersten Weltkrieges erschienen die drei ersten Bände „Worte in Versen“, danach folgten noch sechs weitere Bände. Als Ausgleich zur kämpferischen Fackel schuf er dramatische Texte, wie im Jahr 1921 „Literatur“, 1923 „Traumstück“ und „Wolkenkuckucksheim“, 1924 „Traumtheater“, sie waren nicht erfolgreich. Seine Vorlesungen nannte er ab dem Jahr 1925 „Theater der Dichtung“, diese wurden für Karl Kraus zu seinem eigenen „Traumtheater“.
Im Jahr 1933 schrieb Kraus den 300 Seiten starken Band „Die dritte Walpurgisnacht“, dieser erschien aber erst 1952, der Anwalt von Kraus, Dr. Oskar Samek hatte die Fahnen des Buches vor dem Zugriff der Nationalsozialisten in die USA gerettet. Aus diesem Buch stammt der oft zitierte, aber isolierte und daher widersprüchliche Satz: „Mir fällt zu Hitler nichts ein“. Schon sehr früh erkannte Karl Kraus die Gefahr der Nazis und nannte sie ein „Gezücht von Hakenkreuzottern“.

Im Oktober 1933 erscheint nach einer Pause von neun Monaten, statt dem Band „Die dritte Walpurgisnacht“, die dünnste Fackel mit vier Seiten die es je gegeben hat. Das Heft enthält neben einer Grabrede auf Adolf Loos nur ein zehnteiliges Gedicht: „Man frage nicht, was all die Zeit ich machte. Ich bleibe stumm; und sage nicht, warum“. Nach dieser 888. „Fackel“ folgte ein Sturm der Entrüstung, niemand verstand das Karl Kraus ausgerechnet jetzt, Hitler war seit 1933 deutscher Reichskanzler, stumm blieb. Es wurde ihm Opportunismus und moralische Skrupellosigkeit vorgeworfen.

Im Jahr 1933 wurde bei Kraus ein Herzleiden festgestellt, im Februar 1936 erscheint die letzte Ausgabe der „Fackel“, am 13. Juni 1936 stirbt Karl Kraus an einem Herz- und Gehirnschlag. Das Grab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof in der Gruppe 5 A, Reihe 1, Nummer 22.

Der brillant formulierende Satiriker Karl Krauskämpfte stets gegen Korruption, Dummheit und Phrasen der Parteien, er war immer überparteilich und ergriff nie für eine Konfession Partei. In Österreich wurde der große Satiriker, wie so viele brillante Köpfe, mehr totgeschwiegen als anerkannt.

Karl Kraus wird nachgesagt dass er ein Misanthrop war, aber verschenkt ein Misanthrop ein Vermögen an karitative Vereinigungen? Das spricht doch für den Humanisten Karl Kraus, der Empathie für arme Menschen hatte.

Zitat Karl Kraus: „Das Leben ist eine Anstrengung, die einer besseren Sache würdig wäre.“


Foto
Karl Kraus – das Foto ist gemeinfrei

Literatur und Quellen
Karl Kraus:Die letzten Tage der Menschheit,1994
ISBN-13: 978-3763242801

Friedrich Rothe: Karl Kraus: Die Biographie, 2003
ISBN-13: 978-3492041737

Michael Horowitz: Karl Kraus. Bildbiographie, 1992
ISBN-13: 978-3701500284

Richard Schaukal: Karl Kraus. Versuch eines geistigen Bildnisses Taschenbuch, 2013
ISBN-13: 978-3863474690

bertha von suttner,nobelpreisträgerin

Bertha von Suttner

eine Kassandra der Jahrhundertwende

Die Friedensaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Bertha Sophie Felicita Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau wurde am 9. Juni 1843 in Prag (damals Österreichisch-Ungarische Monarchie) geboren.

Als Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau gehörte sie zu einer aristokratischen Familie des Habsburgerreiches. Ihr Vater Franz Joseph Graf Kinsky von Chinic und Tettau war vor ihrer Geburt gestorben und gehörte als Mitglied der Familie Kinsky, eines der vornehmsten Geschlechter Böhmens, zur obersten Gesellschaftsschicht der Monarchie. Ihre Mutter war eine geborene von Körner und kam aus dem Bürgertum, daher wurde Bertha vom Hochadel nicht als eine der ihren akzeptiert. Zur Akzeptanz fehlten ihr mütterlicher und väterlicherseits insgesamt 16 Ahnen, um in der Ersten Wiener Gesellschaft Anerkennung zu finden. Ihre Kindheit verbrachte Bertha von Kinsky vorwiegend bei ihrem Vormund Friedrich Landgraf zu Fürstenberg in Brünn und wurde von Gouvernanten erzogen, die sie auch Französisch, Italienisch und Englisch lehrten.

Durch die Spielsucht der Mutter war deren Vermögen und das Erbe von 60.000 Gulden, das Bertha von Landgraf zu Fürstenberg, nach dessen Tod im Jahr 1866 erhalten hatte, aufgebraucht. Daher mußte sie mit 30 Jahren den einzigen Weg einschlagen der Frauen ihrer Gesellschaft offenstand: zu einer anderen Familie zu ziehen, um dort Arbeit zu finden. Daher bewarb sie sich 1873 im Schloß Harmannsdorf (Weinviertel) des Barons Carl von Suttner als Gouvernante und Gesellschafterin der vier Töchter. Bald darauf verliebten sich Bertha und Arthur Gundaccar von Suttner, dem Sohn des Barons Carl von Suttner, dieser war sieben Jahre jünger als Bertha, nach drei Jahren wurde diese Liason publik und Bertha von Suttner wurde nahe gelegt zu gehen.

Alfred Nobel

Karoline von Suttner unterstützte Bertha von Kinsky bei der Suche nach einer neuen Stellung und fand eine Zeitungsannonce: „ein sehr reicher, hoch gebildeter Herr, der in Paris lebt“ und „eine sprachenkundige Dame, gleichfalls gesetzten Alters, als Sekretärin und zur Oberaufsicht des Haushalts“ suchte. Bertha antwortete auf die Annonce des Alfred Nobel, sie erhielt eine positive Antwort und reiste nach Paris. Trotz der Sympathie für Alfred Nobel nahm sie die Stelle als Sekretärin nicht an, sondern blieb nur wenige Tage in Paris. Bertha zeigte sich sehr beeindruckt von seinem Idealismus und dem offenbar pazifistischen Ziel: er „möchte einen Stoff oder eine Maschine schaffen können von so fürchterlicher, massenhaft verheerender Wirkung, daß dadurch Kriege überhaupt unmöglich würden“ und scheint von den Gesprächen mit Alfred Nobel erstmals für die pazifistische Bewegung sensibilisiert worden zu sein.
Das Zusammentreffen mit Alfred Nobel, der sich bereits 1876 intensiv mit Fragen über Krieg und Frieden auseinandersetzte, hatte einen nachhaltigen Einfluss auf Bertha von Kinsky und es entstand ein lebenslanger, freundschaftlicher Briefwechsel und eine Verbundenheit bis zu dessen Tod im Jahr 1896.
Die Stiftung des Friedensnobelpreises dürfte von Bertha von Kinsky beeinflusst worden sein. Nobel war überzeugt, dass nicht „gute Wünsche“, sondern allein Abschreckung den Frieden sichern könne, leider hatte er sich geirrt. Das Geld für die Preise stammt aus dem Vermögen, das Nobel mit seinen vielen Erfindungen gemacht hat. Er befand: „Es sei für reiche Leute unstatthaft, ihr Vermögen den Verwandten zu hinterlassen. Angesammelte große Habe müsse an die Allgemeinheit und für allgemeine Zwecke zurückgehen“.

Hochzeit und Flucht

Ihre rasche Rückkehr nach Wien hatte mit ihrer Sehnsucht nach Arthur von Suttner zu tun und am 12. Juni 1876 fand in Gumpendorf die Trauung ohne der Zustimmung der Eltern Arthurs statt. Bertha von Suttner hatte seit längerer Zeit eine Einladung der Fürstin Ekaterina von Mingrelien, daher beschloss das Paar diese anzunehmen und in den Kaukasus zu reisen. Dort verbrachten die beiden neun Jahre und verdienten ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten. Bertha verfasste Artikel und Berichte für deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften und in weiterer Folge auch ihre ersten Romane.

In ihren ersten schriftstellerischen Arbeiten finden sich bereits Gedanken, die ihre spätere pazifistische Tätigkeit prägten. In ihrem Roman „Inventarium einer Seele“ setzte sich Bertha von Suttner mit ihrer damaligen Weltanschauung auseinander und schrieb: „dass der Friede ein Zustand sei, „welcher aus dem Fortgange der Kultur notwendig sich ergeben muß“. Im Kaukasus verfolgte Bertha von Suttner erstmals bewusst Kriegsereignisse, besonders die Ereignisse des russisch-türkischen Krieges in den Jahren 1877/78.

Rückkehr nach Österreich

Der Gedanke eines möglichen Krieges zwischen Russland und Österreich-Ungarn veranlasste 1885 das Ehepaar zur Heimreise nach Harmannsdorf. Bertha von Suttner wurde nunmehr von der Familie Arthurs akzeptiert.

Bei einem Aufenthalt des Ehepaares von Suttner in Paris im Winter 1886/87 kam es nach elf Jahren wieder zu einem Treffen mit Alfred Nobel. Die Suttners trafen in Paris weitere namhafte Persönlichkeiten, die für ihr pazifistisches Engagement von besonderer Bedeutung waren. In einem Gespräch mit Wilhelm Löwenthal hörte Bertha von Suttner erstmals von der Existenz einzelner kleiner Friedensbewegungen in Europa und das in London eine International Peace and Arbitration Association gegründet wurde und dies in allen Städten Europas geplant war. Wieder in Harmannsdorf angelangt, wollte sie der Friedensbewegung einen Dienst erweisen und einen Roman verfassen, der sich ganz den Idealen der Friedensbewegung widmen und eine öffentliche Wirkung erzielen sollte. Im Jahr 1888 erscheint ihr Buch „Das Maschinenzeitalter“, es ist eines der ersten Bücher die die Folgen von Rüstung und übertriebenem Nationalismus vorhersagt. Der Roman „Die Waffen nieder! Eine Lebensgeschichte“ verfehlte das Vorhaben der Autorin nicht, auch wenn mehrere Verlage eine Publikation auf Grund des Inhalts abgelehnt hatten. Der Roman erschien 1889, er begünstigte die Verbreitung des Friedensgedankens und unterstützte die Bekanntheit der internationalen Friedensbewegung vor dem Ersten Weltkrieg. Ihre Anklage gegen den um sich greifenden Militarismus und ihre Darstellung des Kriegsgemetzels, der Massengräber und Lazarette ist so real, daß es ein internationaler Bestseller wird und in 40 Sprachen übersetzt wird.
Der Bucherfolg bestätigte Bertha von Suttner sich für die Friedensarbeit weiter zu engagieren und er verbesserte die wirtschaftliche Lage des Ehepaares. Den Winter 1890/91 verbrachte Bertha von Suttner und wirkte dort gemeinsam mit den Pazifisten Beniamino Pandolfi und Felix Moscheles an der Gründung einer lokalen Friedensgesellschaft mit, diese war für sie Impuls und Vorbild für eine österreichische Friedensgesellschaft.

Die Österreichische Friedensgesellschaft

Bereits zwei Jahrzehnte vor Gründung der Österreichischen Friedensgesellschaft im Jahr 1891 plädierten die Parlamentarier Robert von Walterskirchen und Adolph Fischhof für die Schaffung eines internationalen Parlaments, das sich aus Parlamentariern der einzelnen europäischen Staaten konstituieren sollte und für eine allgemeine europäische Rüstungsbeschränkung, leider stießen sie auf keinerlei Resonanz.
Es kam schon damals das Thema eines vereinten Europa! zur Sprache und wir haben es nach über 120 jahren noch immer nicht geschafft…

Bertha von Suttner startete am 3. September 1891 in der Neuen Freien Presse einen Aufruf zur Gründung einer österreichischen Friedensgesellschaft, sie hatte damit eine derartige Resonanz, daß bereits am 29. September 1891 eine Vorversammlung in Wien, im Alten Rathaus in der Wipplingerstraße, einberufen werden konnte.

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Das Ziel der ÖFG und ihr offiziell unpolitischer Charakter hatte auf Grund der politischen Situation der Monarchie einen schwache Position: Nationalitätenkonflikte, Dominanz militärischer Denkweisen, eine starke aristokratische Elite, die Schwäche des Liberalismus und später die große Begeisterung für Krieg bildeten ein ungünstiges Umfeld für pazifistische Aktivitäten. Da die Polizei die Befugnis zur Auflösung von Gruppen hatte, die rechts – bzw. gesetzeswidrig oder staatsgefährdend handelten, standen pazifistische Organisationen unter ständiger Kontrolle. Der begrenzte Handlungsspielraum der ÖFG wird auch dadurch verdeutlicht, daß bereits die Nichtbefolgung oder Verleitung zur Nichtbefolgung eines Militäreinrückungsbefehles einen drastischen Verstoß gegen das österreichische Strafgesetz darstellten. Daher mußte die ÖFG subversive Aktionen gegen den Staat vermeiden, um nicht der Illegalität beschuldigt zu werden und eine Zwangsauflösung zu riskieren. Dies erklärt auch zum Teil, weshalb die Aktionen der ÖFG sich auf lange Sicht als wenig effektiv erwiesen. Ein anderer Grund für die Ineffektivität der ÖFG vor dem Ersten Weltkrieg liegt an der fehlenden Unterstützung durch politische Gruppierungen.
Alfred Hermann Fried wurde im Jahr 1891 auf die Österreichische Friedensgesellschaft aufmerksam und machte in seinem ersten Schreiben an Bertha von Suttner den Vorschlag, eine Monatszeitschrift zu veröffentlichen, „um der Friedensidee in Deutschland und Oesterreich die notwendige Verbreitung zu geben“. Die erste Ausgabe der Zeitschrift „Die Waffen nieder! Monatsschriftzur Förderung der Friedensidee“ erschien am 1. Februar 1892. Während ihres Bestehens, bis 1899, bildete die Zeitschrift ein bedeutendes Forum des Pazifismus im deutschsprachigen Raum.

die erste Frau die den Friedensnobelpreis erhielt

Um die Jahrhundertwende ist Bertha von Suttner eine sehr bekannte Persönlichkeit in der Friedensbewegung Europas. Im Jahr 1905 wurde ihr der Friedensnobelpreis als Anerkennung für ihren unermüdlichen Einsatz gegen einen industriell geführten Krieg überreicht, den sie immer wieder in weiser Voraussicht beschrieb: Alle Staaten zerstampft, alle Arbeit eingestellt, alle häuslichen Herde umgeworfen, nur e i n Schrei des Schmerzes von Grenze zu Grenze- Jedes Dorf eine Brandstätte, jede Stadt ein Trümmerhaufen, jedes Feld ein Leichenfeld, und noch immer tobt der Kampf: unter den Meereswellen schießen die Torpedoboote, um mächtige Dampfer in den Grund zu ziehen; in die Wolken steigen bewaffnete und bemannte Luftschiffe einer zweiten äronautischen Truppe entgegen, und aus tausend Meter Höhe schneien verstümmelte Krieger als blutende Flocken herab …“
In ihrer Nobelpreisrede sagt sie unter anderem: „Festungen werden gebaut, Unterseeboote fabriziert, ganze Strecken unterminiert, kriegstüchtige Luftschiffe probiert für das demnächstige Losschlagen“.
Ihre Warnungen und Prophezeiungen bleiben ungehört und Europa stürzt sich mit großer Begeisterung in den ersten Weltkrieg – mit verheerenden Folgen, dem ersten Giftgaseinsatz und über 17 Millionen Toten. Bertha von Suttner erlebt diese ungeheure Katastrophe nicht, sie stirbt am 21. Juni 1914 in Wien – zwei Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Sie war Zeit ihres Lebens mit der Geringschätzung der sie umgebenden Gesellschaft konfrontiert, es war die erste Wiener Gesellschaft und die Männergesellschaft die sie als Frau nicht Ernst nahm, daher ist diese Frau (und viele andere Frauen dieser Zeit) zu bewundern, da sie trotz aller Hindernisse unbeirrbar ihren Weg ging.

Foto

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Weblinks

http://www.peacemuseumvienna.com/

http://www.linksnet.de/de/artikel/19576

Literatur

Bertha von Suttner – Kämpferin für den Frieden von Brigitte Hamann , 2013
ISBN-13: 978-3850337557

Die Waffen nieder!: Eine Lebensgeschichte von Bertha von Suttner, 2012
ISBN-13: 978-3847270317

Bertha von Suttner: Memoiren von Bertha Von Suttner,2013
ISBN-13: 978-3863474447

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Gustav Mahler

Genie und Perfektionist

er war Wegbereiter der Wiener Schule und der bedeutendste Komponist der romantischen Symphonie, als erster Kapellmeister und Direktor der Wiener Hofoper gelang ihm mit seiner Opernreform das Musiktheater zu entrümpeln und zu revolutionieren, Gustav Mahler gilt heute als einer der interessantesten Komponisten der Moderne.

Mahler wurde am 7. Juli 1860 in Mähren, in der Stadt Kalischt (heute Tschechische Republik) in eine jüdische Gastwirtfamilie hineingeboren. Er ist einer der wichtigsten Komponisten und Dirigenten seiner Zeit und erzielte neben seiner Musik durch zahlreiche Novellierungen am Musiktheater prägende Reformen. Er war einer der berühmtesten Dirigenten seiner Zeit und als Operndirektor ein bedeutender Reformer des Musiktheaters.
Schon im zarten Alter von vier Jahren erhielt der kleine Gustav Akkordeonunterricht und später Klavierunterricht, schon zwei Jahre später komponierte er seine ersten Stücke, die aber leider nicht erhalten blieben. Das Kind Gustav Mahler war sehr belesen und hörte gerne Volks- und Tanzmusik, Militärmusik und jüdische Musik, diese prägte ihn und seine späteren Werke.

die ersten musikalischen Schritte

Sein Debüt als Pianist gab er mit zehn Jahren, mit zwölf Jahren gab er Konzerte mit anspruchsvollen Stücken von Franz Liszt und Sigismund Thalberg, hier zeigte erschon sehr früh sein großes Talent.

Drei Jahre studierte er am Wiener Konservatorium bei Julius Epstein Klavier und bei Franz Krenn Komposition, ein Jahr später gewann das junge Genie in beiden Fächern den ersten Preis.

Im Jahre 1878 schrieb er den Text für „Das klagende Lied“ nach dem Märchen in der Bechstein-Sammlung, im gleichen Jahr beendete er das Kompositionsstudium erfolgreich und gewann mit einem Klavierquintett den ersten Preis.

Gustav Mahler wohnte Vorlesungen von Bruckner bei und studierte einige Semester Musikgeschichte bei Eduard Hanslick.

Mahlers Werdegang von 1880 bis 1896

im Jahr 1880 trat er im Oberösterreicher Sommertheater Bad Hall die Stelle als Kapellmeister an, danach spielte er in Laibach, Olmütz, Kassel, Prag, Leipzig und Budapest. In Kassel lernte der junge Mahler die berühmte Mezzosopranistin der Wiener Hofoper kennen und lieben, später heiratete sie den sehr bekannten Musikkritiker Dr. Hans Paumgartner und auf Grund seiner Einflußnahme wurde Mahler nach Wien berufen. Im Jahr 1888 wurde er in Budapest Königlicher Operndirektor, hier begann auch sein großartiges Schaffen, er komponierte die 1. Symphonie und zwei Jahre später lernte er Johannes Brahms kennen. Im Sommer bevorzugte er Rückziehungsorte um dort ungestört zu arbeiten, unter anderem auch in den Komponierhäuschen in Steinbach am Attersee, Maiernigg am Wörthersee und in Toblach.
Ab 1891 war er sechs Jahre erster Kapellmeister am Stadttheater in Hamburg, hier erlebte er einen kometenhaften Aufstieg am Hamburger Opernhimmel und legte den Grundstein für einen neuen Musikthaterstil. Er dirigierte in den Jahren1894/95 138 von 367 Vorstellungen, weiters acht Philharmonische Konzerte und im selben Jahr wurde seine 2. Sinfonie fertig, in Berlin leitete er die Uraufführung der ersten drei Sätze und komponierte in nur wenigen Wochen fünf Sätze der 3. Sinfonie, heute würde Gustav Mahler als Workalcoholic bezeichnet werden.
In seiner Hamburger Zeit befreundete sich Mahler mit dem jungen Bruno Walter, dieser erhielt in dieser Zeit als Chorleiter ein Engagement am Stadttheater. Walter folgte ihm als zweiter Kapellmeister nach Wien und setzte sich sein ganzes Leben für die Musik Gustav Mahlers ein.

Wiener Jahre als Hofoperndirektor

Johannes Brahms war ein sehr großer Befürworter das der Posten des Hofoperndirektors mit dem Wagnerianer Mahler besetzt wird, aber Cosima Wagner setzte alle Hebeln in Bewegung damit der Jude Gustav Mahler diese Stellung nicht bekam. Mahler ließ sich aber 1897 taufen, somit stand den Verhandlungen nichts mehr im Wege und am 11. Mai 1897 war es soweit, Gustav Mahler hatte die großartige Stellung des ersten Kapellmeisters und Hofoperndirektors und dirigierte zum Debüt den Lohengrin.

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Karl Kraus äußerste zu Mahlers Antritt als Hofoperndirektot folgende Prophezeiung: „Mit Siegfriedsallüren ist in das Opernhaus dieser Tage ein neuer Dirigent eingezogen, dem man es vom Gesicht ablesen kann, dass er mit der alten Misswirtschaft energisch aufräumen wird…Der neue Dirigent soll bereits so effektive Proben seiner Thatkraft abgelegt haben, dass schon fleißig gegen ihn intrigiert wird.“

Mahler hatte bei einer Secessionsaustellung die Bühnen-Maquette zu dem ersten Tristan-Akt von Alfred Roller gesehen, daraufhin holte Alfred Roller den Secessionisten und bildenden Künstler an die Hofoper und setzte mit ihm seine Opernreform durch. Diese stieß natürlich auf heftigen Widerstand der Wiener, Mahlers Plan war es, die Vorführungen auf einer minimalistischen Opernbühne zu spielen, um den dramatischen Effekt und die Leidenschaft der Scenen in den Focus zu stellen. Roller setzte Mahlers Idee mit der ersten Stilbühne zu „Don Juan“ hervorragend um, sie wurde dann von allen Opernhäusern aufgenommen, und Wien war mit dieser Umsetzung in zwei fanatische Lager geteilt: die Mahlerianer und Antimahlerianer.

das Haus Auenbruggergasse 2 in dem Gustav Mahler 9 Jahre wohnte

auenbruggergasse 2 gustav mahler,wien-bilder

Was Mahlers Wirkung ausmachte, war seine leidenschaftliche Sehnsucht, eine tiefe und echte Kunstwahrheit sowie eine Ergriffenheit in den Sängern und Publikum zu wecken, er empfand die Oper aus dem Instrumentalen und nicht aus dem Arioso. Pathetische Gesten der Sänger in überladenen Kostümen und Bühnenbildern waren ihm zuwieder und mit Roller entrümpelte er jahrzehntelange Routine Schlamperei und Bequemlichkeit. In seiner zehnjährigen Zeit als Hofopernintendant genoß das Haus eine Hochblüte und den Beginn der neuzeitlichen Operninszenierung, in dieser Zeit unternahm Mahler zahlreiche Konzertreisen durch ganz Europa, hier gewann er enthusiastische Anhänger in Europa und auch in den USA.
Mahlers Ungeduld mit Sängern und Orchestermitgliedern, die seinen Ansprüchen nicht genügten, die Intrigen der vorhin genannten, besonders die des Orchesters, machten ein Zusammenwirken nicht einfach. Hindernisse und Streitigkeiten seiner Vorgesetzten, eine Pressekampagne gegen ihn mit antisemitischen Tendenzen veranlassten Mahler zu seinem Entlassungsgesuch.

Gustav Mahler wohnte von 1898 bis 1909 in der Auenbruggergasse 2, ab 1900 gemeinsam mit Alma, das Haus wurde von Otto Wagner entworfen.

Alma Schindler

Im November 1900 lernte Mahler die 21 jährige Alma Schindler, Stieftochter von Carl Moll, im Salon von Bertha Zuckerkandl kennen, der sonst sehr introvertierte und fast schon schüchterne Mahler, der kaum Einladungen wahrnahm, war von der Ausstrahlung der jungen und schönen Alma fasziniert. Alma wiederum fühlte sich von der Persönlichkeit Mahlers angezogen und es schmeichelte ihr dass sich der bekannte Dirigent und ihr Idol für sie interessierte, schon nach drei Wochen waren die beiden verlobt und der 19 Jahre ältere Mahler vergaß seine asketische Lebenseinstellung. Im März 1902 wurde geheiratet und Alma Mahler fügte sich den konservativen Vorstellungen ihres Mannes, dieser bestand darauf dass sie nicht weiter komponierte und sich ihren Aufgaben als Ehefrau und Mutter widmete.

Mahler hatte ein riesiges Arbeitspensum und daher sehr wenig Zeit für Besuche bei Freunden und anderen Vergnügungen, während der Ferien arbeitete er in dem für ihn gebauten Komponierhäuschen bis spät in die Nacht, Alma fühlte sich vernachläßigt und ging 1910 mit dem Architekten Walter Gropius eine Liason ein. Mahler erfuhr davon, aber die Beziehung zu Gropius führte sie dennoch weiter.
Alma und Gustav Mahler hatten zwei Töchter namens Maria Anna (1902) und Anna Justina (1904).

Übersiedlung in die USA

Da Mahler 1907 die Hofoper verließ und sehr gute Kontakte in den USA hatte, unterschrieb er einen Vertrag mit der Metropolitan Opera in New York, zu dieser Zeit verstarb ihre gemeinsame Tochter Maria Anna plötzlich an Diphtherie und bei Gustav Mahler wurde eine Herzkrankheit diagnostiziert, beides trieb ihn zu Verzweiflung. Trotzdem schonte er sich nicht, er verarbeitete seine Erlebnisse stets mit Musik und widmete sich wieder sehr intensiv der Musik und dem Komponieren, so entstand das „Das Lied von der Erde“, die 9. Sinfonie und ein Entwurf der 10.Sinfonie.
Die Mahlers reisten 1907 von Wien ab, im Jahr 1908 dirigierte er das erste Mal an der New Yorker Met, seine Musik wurde mit Begeisterung aufgenommen und gefeiert, was seiner in Wien verletzten Seele sehr gut tat.
1909 vollendete Mahler seine 9. Sinfonie, das einleitende Andante wird von vielen als das schönste Stück Mahlers bezeichnet, in diesem Jahr legte er, auf Grund seines schlechten Allgemeinzustands seine übrigen Verpflichtungen zurück und widmete sich nur mehr der Tätigkeit als Konzertdirektor.

Mahlers Neunte

Das „Lied von der Erde“ wäre Mahlers 9. Sinfonie gewesen, aber da er abergläubisch war, da weder Schubert, Bruckner, Beethoven oder Dvorak die 10. erreicht hatten, schrieb er 1908 das „Lied von der Erde“ als 9. Sinfonie, strich aber dann die Zahl wieder durch und meinte bei der 1909 folgenden Neunten: „Eigentlich ist es ja die Zehnte, weil das Lied von de Erde ja meinen Neunte gewesen ist.“ Im Jahr 1910 arbeitete er an der 10. Sinfonie und meinte dazu: „Jetzt ist für mich die Gefahr vorbei.“ Gustav Mahler erlebte weder die Uraufführung „Lied von der Erde“ noch die 9. Sinfonie, die 10. blieb unvollendet. Seine Furcht und sein Aberglaube, das kein großer Musiker die 10. Sinfonie erreicht, hatten sich leider erfüllt.

Gedenktafel Gustav Mahler am Haus Auenbruggergasse 2

gedenktafel gustav mahler,wien-bilder

das letzte Jahr

In seinem Todesjahr gab es auch in New York Schwierigkeiten mit dem Orchester, aber die Uraufführung der 8. Sinfonie im September 1910 in München war ein triumphaler Erfolg. In diesem Jahr erfuhr er von der Liebesaffäre Almas mit Walter Gropius, das wirkte sich sehr negativ auf seinen labilen psychischen Zustand aus und er konsultierte dafür sogar Sigmund Freud, es blieb aber bei einer Sitzung.

Schon todkrank kam Gustav Mahler mit Alma nach Wien, als die Presse verkündete das Mahler schwer krank sei, ergriff Wien eine tiefe Trauer, genau die Menschen die ihm in Wien das Leben schwer machten, trauerte jetzt um ihn.Ist das nicht typisch für die Wiener?

Am 18. Mai 1911 starb Gustav Mahler an Endokarditis im Sanatorium Loew in Wien, auf seinem Begräbnis gab es ein riesiges Blumenmeer und jede/r wußte nur gutes von dem Verstorbenen zu sagen.

Zitat Alexander Girardi (österreichischer Schauspieler 1850 bis 1918): „Ja, im Aufbahren waren die Wiener immer groß!“

Das Grab von Gustav Mahler befindet sich am Grinzinger Friedhof, Gruppe 6, Reihe 7, Nr. 1

Werke Gustav Mahlers

Foto
gemeinfreies Foto Gustav Mahler von Wikipedia

Literatur

Franz Willnauer: Gustav Mahler: die Hamburger Jahre. Hoffmann und Campe, Hamburg 2011
ISBN 978-3-455-50196-4

Franz Willnauer: Gustav Mahler und die Wiener Oper, Wien 1993
ISBN 3-85409-199-0

Helmut Brenner, Reinhold Kubik: Mahlers Welt. Die Orte seines Lebens, St. Pölten/ Salzburg 2011
ISBN 978-3-7017-3202-9

Hans Bankl: Kolumbus brachte nicht nur die Tomaten: Geschichten hinter der Geschichte Gebundene Ausgabe, 2002
ISBN: 978-3218007092

Bertha Zuckerkandl: Österreich intim: Erinnerungen 1892 bis 1942, 2013
ISBN-13: 978-3850028363

Weblinks

https://www.gustav-mahler.org/

karl kraus, journalist,die letzten tage der menschheit

Karl Kraus

der Satiriker, Dichter und Kämpfer gegen Korruption und Krieg

Karl Kraus lebte in einem Land der Widersprüche und war selbst sehr widersprüchlich. Er hatte Österreich als die „Versuchsstation des Weltuntergangs“ bezeichnet und attackierte das Land sein Leben lang, es aber auch sehr geliebt und wahrscheinlich deswegen so kritisiert.

Kraus hatte ein sehr starkes, bzw. zu starkes Selbstbewußtsein, er war aber auch sein strengster Kritiker, bei den Menschen polarisierte er sehr stark, wobei er durch seine gnadenlose Kritik viele Feinde hatte, die sich aus irgendeinem Grund sein Missfallen zuzogen .

Am 28. April 1874 kam Karl Kraus im böhmischen Jicin in einem wohlhabenden jüdischen Elternhaus zur Welt, mit drei Jahren übersiedelte die Familie Kraus nach Wien in Nähe der Ringstraße. Das Kind Karl war sehr zart, sensibel und hatte eine schwache Konstitution mit einer angeborenen Rückgratverkrümmung, er reagierte auf jede Veränderung mit großer Ängstlichkeit, diese Schwächen prägten seine spätere Entwicklung, da er sich dieser schämte.

Schon in der Schule suchte er die Schwächen der Lehrer und Schüler, um sich über diese lustig zu machen, diese suchte er mit einer Akribie auch als Erwachsener bei seinen Mitmenschen, um sie dann lächerlich zu machen.
Mit siebzehn Jahren verstarb seine Mutter, darauf reagierte er sehr heftig und bewahrte ein Leben lang eine Haarlocke, einen Brief und Blätter von ihrem Grab auf. Der frühe Verlust seiner Mutter prägte seine Beziehungen zu Frauen, auch diese waren sehr widersprüchlich.

Im Jahr 1899 trat Karl Kraus aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft aus und ließ sich 1911 römisch-katholisch taufen, (Alfred Loos war sein Taufpate) er trat jedoch 1923 wieder aus der katholischen Kirche aus.

Zitat Karl Kraus: „Der Wert der Bildung offenbart sich am deutlichsten, wenn die Gebildeten zu einem Problem, das außerhalb ihrer Bildungsdomäne liegt, das Wort ergreifen.“

der Journalist Karl Kraus

Knapp vor der Matura im Jahr 1892, er maturierte am selben Tag wie Hugo von Hoffmannsthal, erschien seine erste Veröffentlichung in der „Wiener Literatur-Zeitung“: eine Besprechung der „Weber“ von Hauptmann, nach der bestandenen Matura verbrachte Kraus einige Zeit in Bad Ischl, dort schrieb er den langen „Ischler Brief“ der in der Illustrierten „Das Rendevous“ erschien. Karl Kraus begann Jus zu studieren, er bricht aber im Jahr 1894, nach zwei Semestern, dieses Studium ab und studierte dann Philosophie und Germanistik, er schließt jedoch sein Studium nie ab. Im Jahr 1893 tritt er neunzehnjährig als „Franz Moor“ im „Rudolfshauser Volkstheater“ auf und fällt beim kritischen Publikum durch, danach entscheidet sich Karl Kraus für den Beruf des Schriftstellers, dennoch bleibt für ihn die Schauspielerei ein unerfüllter Traum.
Zwischen 1892und 1899 ist er in den verschiedensten Zeitungen als Journalist tätig, unter anderem auch zwei Jahre in der „Neuen freien Presse“ deren Herausgeber Moritz Benedict war, er wurde später ebenso zum Ziel seiner spitzfindigen Kritik wird wie so viele andere. Kraus wollte ursprünglich in der „Neuen freien Presse“ die Nachfolge des Daniel Spitzer antreten, dieser war sehr bekannte für seine satirischen Beiträge „Wiener Spaziergänge“, bald darauf änderte er diese Pläne, da er sehr rasch die Grenzen des unabhängigen Journalismus spürte, daher wollte er eine unabhängige Zeitschrift gründen und sich nicht der „Zensur der Journaille“ unterwerfen.

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Im Jahr 1897 schrieb Kraus die „Die demolirte Litteratur“, in der er die Wiener Literaten, mit denen er sich im Cafe Griensteidl traf, aufs Korn nahm, er schrieb unter anderem: „Mangel an Talent, verfrühte Abgeklärtheit, Posen, Größenwahn, Vorstadtmädl, Cravatte, Maniriertheit, falsche Dative, Monocle“. Er nannte zwar keine Namen der „Demolierer“ aber sie wurden sehr präzise beschrieben, es waren Hermann Bahr, Hugo von Hoffmannsthal, Felix Salten und Arthur Schnitzler, am schlimmsten kam Hermann Bahr weg, ihn hasste Karl Kraus wirklich und daher wurde er am heftigsten kritisiert.

Das legendäre Cafe Griensteidl hatte am 20. Januar 1897 das letzte Mal geöffnet, es wurde am nächsten Tag abgeriessen, daher trafen sich alle Stammgäste zum letzten Mal in ihrem Lieblingscafe „Cafe Größenwahn“. Es kam zu guter letzt noch zu einem Eklat, da Salten wieder einmal Karl Kraus ohrfeigte, doch der kleine Kraus zeigte ihm diesesmal an und Salten musste 20 Golden Strafe zahlen.

die Zeitschrift „Die Fackel“

wurde im Jahr 1899 von dem 25-jährigen Karl Kraus gegründet, die erste Nummer seines Hauptwerkes erschien am 1. April und hatte 32 Seiten mit dem prägnanten roten Umschlag und am Cover eine brennende Fackel vor dem Profil Wiens.

Der Schriftsteller, Journalist und Kulturpolitiker Robert Scheu beschrieb die Reaktionen: „Eines Tages, soweit das Auge reicht, alles – rot. Einen solchen Tag hat Wien noch nie erlebt. War das ein Geraune, ein Geflüster, ein Hautrieseln! Auf den Straßen, auf der Tramway, im Stadtpark, alle Menschen lesen aus dem roten Heft…es war narrenhaft…Und dieses ganze Heft, mit Pointen so dicht besät, daß man es…behutsam lesen mußte, um keine der glitzernden Perlen zu verlieren.“ Von diesem vorerst dünnen roten Heft erschienen insgesamt 922 Nummern mit über 30.000 Seiten. Schon in seiner ersten Nummer greift Kraus all das an, was er bei den anderen Zeitungen verschweigen musste und attackierte den Mißbrauch der Sprache sowie die in der gesamten Monarchie vorherrschenden Korruption, schon in zwei Wochen erreichte die Fackel eine Auflage von 30.000 Exemplaren.

Die von Karl Kraus angeprangerten Missstände haben sich bis heute, obwohl es keine Monarchie gibt, kaum geändert.

Auf Grund dieses Erfolges gab es bald die bösartige „Gegenfackel“ oder das Heft „Der Pinsel“, der Erfolg blieb aber bald aus. Der Drucker des Heftes „Die Fackel“ nutzte eine Erholungsreise seines Auftraggebers schamlos aus und ließ das Titelblatt des Originals unter seinen Namen registrieren, erst durch 15 gerichtliche Urteile konnte Kraus seine „Fackel“ zurückgewinnen.

Da Kraus keine Pauschalanklagen gegen die Gesellschaft erhob, sondern die betreffenden namentlich attackierte, wurde es für ihn gefährlicher, er wurde einmal blutig niedergeschlagen und bekam jede Menge anonyme Droh- und Schmähbriefe. Nach einem viertel Jahr kam er zur folgenden Aufstellung: „Anonyme Briefe 236, Anonyme Drohbriefe 83, Überfälle 1“, seinen Mut und Angriffslust behielt er trotzdem.

Was seine Persönlichkeit ausmachte und ihn von der „Journaille“ unterschied, war seine absolute Beherrschung der Sprache, Fanatismus, eine treffsichere Ironie und seine Pedanterie, er las manchesmal zwanzig bis dreißigmal seine Beiträge durch und prüfte jedes Wort.
Mit seine Vorlesungen erzielte er eine sehr große Wirkung in der Öffentlickeit, das Publikum war von Kraus „begeistert und fanatisch, befriedigt und drohend zugleich“ meinte Elias Canetti, er las meistens in Wien, Innsbruck, Prag und München aus seinen Schriften, später fast nur aus fremden Schriften. In Wien bevorzugte er für seine Lesungen das Konzerthaus und Säle des Wiener Musikvereinsgebäudes.

Feinde und Freunde

der oft bösartige Kritiker Karl Kraus und der liebevolle Förderer neuer Talente sind widersprüchlich, er sah jeden Kritiker zu seiner Arbeit und seiner Person als Angriff und als Feind, dieser wurde daraufhin in der „Fackel“, wie Hermann Bahr, Arthur Schnitzler oder Felix Salten, aufs Korn genommen. Er meinte: „ich mache kleine Leute durch meine Polemik so groß, dass sie nachher würdige Objekte für meine Polemik sind und mir kein Mensch einen Vorwurf machen kann.“

Seine Attacken auf Heinrich Heine, Arthur Schnitzler, einige Prager Literaten und Gustav Klimt sind Fehleinschätzungen, er sah z. B. in Heinrich Heine den Hauptverantwortlichen für die Verlotterung der Sprache, da diese ein Zeichen des Verfalls der Gesellschaft sei.
Zurecht griff Karl Kraus den Zeitungs-Herausgeber Imre Bekessy persönlich in der „Fackel“ an, dieser war ein wegen Verleumdung und Erpressung vorbestrafter Krimineller, der vor Verleumdungen und Erpressungen nicht zurückschreckte.

Kraus bewunderte und verehrte den Schauspieler und Dramatiker Johann Nestroy, bei seinen Veranstaltungen erreichte er, das Nestroy wieder den Stellenwert bekam den er verdiente.
Zu seinen wenigen Freunden gehörten Adolf Loos, Peter Altenberg und Oskar Kokoschka, Kraus war wie Loos ein Fanatiker des Absoluten und daher oft puristisch. Altenberg unterstützt er finanziell wie moralisch und verteidigte ihn bei seinen Entgleisungen. Kokoschka ließ er, wie sonst kaum jemand, an sich heran und ließ sich zweimal von ihm porträtieren.

die letzten Tage der Menschheit

nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand, war Karl Kraus einer der wenigen der nicht in begeisterten Kriegstaumel fiel, er sah den ersten Weltkrig schon seit dem Balkankrieg im Jahr 1912 voraus. Bei der Nachricht des Attentats hält er die bereits druckfertige Ausgabe der „Fackel“ zurück und schweigt. Erst nach vier Monaten Krieg bricht Kraus das Schweigen, allerdings nur, um in einer Lesung sein weiteres Schweigen zu begründen. Im Oktober 1915 erscheint eine „Fackel“ mit 168 Seiten, sein Privatsekretät Leopold Liegler drückte aus, was die späten Worte des Karl Kraus bedeuteten: „…in diesem Chaos war er einer der wenigen Menschen, die unerschrocken und klar aussprachen, was alle diese Greuel, diese zur Pflicht gewordene Bestialität zu bedeuten habe; er hat diejenigen ernüchtert, die sich von der Begeisterung der ersten Kriegsmonate hatten verblenden lassen und hat die Verzweifelnden alle getröstet und aufgerichtet…“

Trotz Zensur, Denunzierung und mehrmaliger Konfiszierung der „Fackel“ richtete sich Kraus ständig gegen die Greuel des Krieges. Alle seine Ansprachen, Pamphlete, Glossen und Gedichte aus der Kriegszeit verdichten sich in seinem Hauptwerk „Die letzten Tage der Menschheit“ zu einem erschreckenden, unverfälschten Bild des Grauens, zu einer auch heute noch geltende Apokalypse.
„Die letzten Tage der Menschheit“ ist eine Tragödie in fünf Akten mit Vorspiel und Epilog, die in den Jahren 1915 bis 1922 entstanden ist, jeder der fünf Akte leitete jeweils das „Leben und Treiben“, eine Massenszene am „Sirkeck“ an der Ringstraße ein.
Nach über hundert Jahren hat diese Tragödie und sein Lebenswerk nichts von seiner erschütternden Wirkung verloren, Karl Kraus hat es wie kein anderer verstanden, Gesellschaftskritik und Kriegsablehnung in eine Satire zu verpacken.

Zitat Karl Kraus: „Die Kultur endet, indem die Barbaren aus ihr ausbrechen.“

Zwischenkriegszeit

Während des ersten Weltkrieges erschienen die drei ersten Bände „Worte in Versen“, danach folgten noch sechs weitere Bände. Als Ausgleich zur kämpferischen Fackel schuf er dramatische Texte, wie im Jahr 1921 „Literatur“, 1923 „Traumstück“ und „Wolkenkuckucksheim“, 1924 „Traumtheater“, sie waren nicht erfolgreich. Seine Vorlesungen nannte er ab dem Jahr 1925 „Theater der Dichtung“, diese wurden für Karl Kraus zu seinem eigenen „Traumtheater“.
Im Jahr 1933 schrieb Kraus den 300 Seiten starken Band „Die dritte Walpurgisnacht“, dieser erschien aber erst 1952, der Anwalt von Kraus, Dr. Oskar Samek hatte die Fahnen des Buches vor dem Zugriff der Nationalsozialisten in die USA gerettet. Aus diesem Buch stammt der oft zitierte, aber isolierte und daher widersprüchliche Satz: „Mir fällt zu Hitler nichts ein“. Schon sehr früh erkannte Karl Kraus die Gefahr der Nazis und nannte sie ein „Gezücht von Hakenkreuzottern“.

Im Oktober 1933 erscheint nach einer Pause von neun Monaten, statt dem Band „Die dritte Walpurgisnacht“, die dünnste Fackel mit vier Seiten die es je gegeben hat. Das Heft enthält neben einer Grabrede auf Adolf Loos nur ein zehnteiliges Gedicht: „Man frage nicht, was all die Zeit ich machte. Ich bleibe stumm; und sage nicht, warum“. Nach dieser 888. „Fackel“ folgte ein Sturm der Entrüstung, niemand verstand das Karl Kraus ausgerechnet jetzt, Hitler war seit 1933 deutscher Reichskanzler, stumm blieb. Es wurde ihm Opportunismus und moralische Skrupellosigkeit vorgeworfen.

Im Jahr 1933 wurde bei Kraus ein Herzleiden festgestellt, im Februar 1936 erscheint die letzte Ausgabe der „Fackel“, am 13. Juni 1936 stirbt Karl Kraus an einem Herz- und Gehirnschlag. Das Grab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof in der Gruppe 5 A, Reihe 1, Nummer 22.

Der brillant formulierende Satiriker Karl Krauskämpfte stets gegen Korruption, Dummheit und Phrasen der Parteien, er war immer überparteilich und ergriff nie für eine Konfession Partei. In Österreich wurde der große Satiriker, wie so viele brillante Köpfe, mehr totgeschwiegen als anerkannt.

Karl Kraus wird nachgesagt dass er ein Misanthrop war, aber verschenkt ein Misanthrop ein Vermögen an karitative Vereinigungen? Das spricht doch für den Humanisten Karl Kraus, der Empathie für arme Menschen hatte.

Zitat Karl Kraus: „Das Leben ist eine Anstrengung, die einer besseren Sache würdig wäre.“


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Karl Kraus – das Foto ist gemeinfrei

Literatur und Quellen
Karl Kraus:Die letzten Tage der Menschheit,1994
ISBN-13: 978-3763242801

Friedrich Rothe: Karl Kraus: Die Biographie, 2003
ISBN-13: 978-3492041737

Michael Horowitz: Karl Kraus. Bildbiographie, 1992
ISBN-13: 978-3701500284

Richard Schaukal: Karl Kraus. Versuch eines geistigen Bildnisses Taschenbuch, 2013
ISBN-13: 978-3863474690

bertha von suttner,nobelpreisträgerin

Bertha von Suttner

eine Kassandra der Jahrhundertwende

Die Friedensaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Bertha Sophie Felicita Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau wurde am 9. Juni 1843 in Prag (damals Österreichisch-Ungarische Monarchie) geboren.

Als Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau gehörte sie zu einer aristokratischen Familie des Habsburgerreiches. Ihr Vater Franz Joseph Graf Kinsky von Chinic und Tettau war vor ihrer Geburt gestorben und gehörte als Mitglied der Familie Kinsky, eines der vornehmsten Geschlechter Böhmens, zur obersten Gesellschaftsschicht der Monarchie. Ihre Mutter war eine geborene von Körner und kam aus dem Bürgertum, daher wurde Bertha vom Hochadel nicht als eine der ihren akzeptiert. Zur Akzeptanz fehlten ihr mütterlicher und väterlicherseits insgesamt 16 Ahnen, um in der Ersten Wiener Gesellschaft Anerkennung zu finden. Ihre Kindheit verbrachte Bertha von Kinsky vorwiegend bei ihrem Vormund Friedrich Landgraf zu Fürstenberg in Brünn und wurde von Gouvernanten erzogen, die sie auch Französisch, Italienisch und Englisch lehrten.

Durch die Spielsucht der Mutter war deren Vermögen und das Erbe von 60.000 Gulden, das Bertha von Landgraf zu Fürstenberg, nach dessen Tod im Jahr 1866 erhalten hatte, aufgebraucht. Daher mußte sie mit 30 Jahren den einzigen Weg einschlagen der Frauen ihrer Gesellschaft offenstand: zu einer anderen Familie zu ziehen, um dort Arbeit zu finden. Daher bewarb sie sich 1873 im Schloß Harmannsdorf (Weinviertel) des Barons Carl von Suttner als Gouvernante und Gesellschafterin der vier Töchter. Bald darauf verliebten sich Bertha und Arthur Gundaccar von Suttner, dem Sohn des Barons Carl von Suttner, dieser war sieben Jahre jünger als Bertha, nach drei Jahren wurde diese Liason publik und Bertha von Suttner wurde nahe gelegt zu gehen.

Alfred Nobel

Karoline von Suttner unterstützte Bertha von Kinsky bei der Suche nach einer neuen Stellung und fand eine Zeitungsannonce: „ein sehr reicher, hoch gebildeter Herr, der in Paris lebt“ und „eine sprachenkundige Dame, gleichfalls gesetzten Alters, als Sekretärin und zur Oberaufsicht des Haushalts“ suchte. Bertha antwortete auf die Annonce des Alfred Nobel, sie erhielt eine positive Antwort und reiste nach Paris. Trotz der Sympathie für Alfred Nobel nahm sie die Stelle als Sekretärin nicht an, sondern blieb nur wenige Tage in Paris. Bertha zeigte sich sehr beeindruckt von seinem Idealismus und dem offenbar pazifistischen Ziel: er „möchte einen Stoff oder eine Maschine schaffen können von so fürchterlicher, massenhaft verheerender Wirkung, daß dadurch Kriege überhaupt unmöglich würden“ und scheint von den Gesprächen mit Alfred Nobel erstmals für die pazifistische Bewegung sensibilisiert worden zu sein.
Das Zusammentreffen mit Alfred Nobel, der sich bereits 1876 intensiv mit Fragen über Krieg und Frieden auseinandersetzte, hatte einen nachhaltigen Einfluss auf Bertha von Kinsky und es entstand ein lebenslanger, freundschaftlicher Briefwechsel und eine Verbundenheit bis zu dessen Tod im Jahr 1896.
Die Stiftung des Friedensnobelpreises dürfte von Bertha von Kinsky beeinflusst worden sein. Nobel war überzeugt, dass nicht „gute Wünsche“, sondern allein Abschreckung den Frieden sichern könne, leider hatte er sich geirrt. Das Geld für die Preise stammt aus dem Vermögen, das Nobel mit seinen vielen Erfindungen gemacht hat. Er befand: „Es sei für reiche Leute unstatthaft, ihr Vermögen den Verwandten zu hinterlassen. Angesammelte große Habe müsse an die Allgemeinheit und für allgemeine Zwecke zurückgehen“.

Hochzeit und Flucht

Ihre rasche Rückkehr nach Wien hatte mit ihrer Sehnsucht nach Arthur von Suttner zu tun und am 12. Juni 1876 fand in Gumpendorf die Trauung ohne der Zustimmung der Eltern Arthurs statt. Bertha von Suttner hatte seit längerer Zeit eine Einladung der Fürstin Ekaterina von Mingrelien, daher beschloss das Paar diese anzunehmen und in den Kaukasus zu reisen. Dort verbrachten die beiden neun Jahre und verdienten ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten. Bertha verfasste Artikel und Berichte für deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften und in weiterer Folge auch ihre ersten Romane.

In ihren ersten schriftstellerischen Arbeiten finden sich bereits Gedanken, die ihre spätere pazifistische Tätigkeit prägten. In ihrem Roman „Inventarium einer Seele“ setzte sich Bertha von Suttner mit ihrer damaligen Weltanschauung auseinander und schrieb: „dass der Friede ein Zustand sei, „welcher aus dem Fortgange der Kultur notwendig sich ergeben muß“. Im Kaukasus verfolgte Bertha von Suttner erstmals bewusst Kriegsereignisse, besonders die Ereignisse des russisch-türkischen Krieges in den Jahren 1877/78.

Rückkehr nach Österreich

Der Gedanke eines möglichen Krieges zwischen Russland und Österreich-Ungarn veranlasste 1885 das Ehepaar zur Heimreise nach Harmannsdorf. Bertha von Suttner wurde nunmehr von der Familie Arthurs akzeptiert.

Bei einem Aufenthalt des Ehepaares von Suttner in Paris im Winter 1886/87 kam es nach elf Jahren wieder zu einem Treffen mit Alfred Nobel. Die Suttners trafen in Paris weitere namhafte Persönlichkeiten, die für ihr pazifistisches Engagement von besonderer Bedeutung waren. In einem Gespräch mit Wilhelm Löwenthal hörte Bertha von Suttner erstmals von der Existenz einzelner kleiner Friedensbewegungen in Europa und das in London eine International Peace and Arbitration Association gegründet wurde und dies in allen Städten Europas geplant war. Wieder in Harmannsdorf angelangt, wollte sie der Friedensbewegung einen Dienst erweisen und einen Roman verfassen, der sich ganz den Idealen der Friedensbewegung widmen und eine öffentliche Wirkung erzielen sollte. Im Jahr 1888 erscheint ihr Buch „Das Maschinenzeitalter“, es ist eines der ersten Bücher die die Folgen von Rüstung und übertriebenem Nationalismus vorhersagt. Der Roman „Die Waffen nieder! Eine Lebensgeschichte“ verfehlte das Vorhaben der Autorin nicht, auch wenn mehrere Verlage eine Publikation auf Grund des Inhalts abgelehnt hatten. Der Roman erschien 1889, er begünstigte die Verbreitung des Friedensgedankens und unterstützte die Bekanntheit der internationalen Friedensbewegung vor dem Ersten Weltkrieg. Ihre Anklage gegen den um sich greifenden Militarismus und ihre Darstellung des Kriegsgemetzels, der Massengräber und Lazarette ist so real, daß es ein internationaler Bestseller wird und in 40 Sprachen übersetzt wird.
Der Bucherfolg bestätigte Bertha von Suttner sich für die Friedensarbeit weiter zu engagieren und er verbesserte die wirtschaftliche Lage des Ehepaares. Den Winter 1890/91 verbrachte Bertha von Suttner und wirkte dort gemeinsam mit den Pazifisten Beniamino Pandolfi und Felix Moscheles an der Gründung einer lokalen Friedensgesellschaft mit, diese war für sie Impuls und Vorbild für eine österreichische Friedensgesellschaft.

Die Österreichische Friedensgesellschaft

Bereits zwei Jahrzehnte vor Gründung der Österreichischen Friedensgesellschaft im Jahr 1891 plädierten die Parlamentarier Robert von Walterskirchen und Adolph Fischhof für die Schaffung eines internationalen Parlaments, das sich aus Parlamentariern der einzelnen europäischen Staaten konstituieren sollte und für eine allgemeine europäische Rüstungsbeschränkung, leider stießen sie auf keinerlei Resonanz.
Es kam schon damals das Thema eines vereinten Europa! zur Sprache und wir haben es nach über 120 jahren noch immer nicht geschafft…

Bertha von Suttner startete am 3. September 1891 in der Neuen Freien Presse einen Aufruf zur Gründung einer österreichischen Friedensgesellschaft, sie hatte damit eine derartige Resonanz, daß bereits am 29. September 1891 eine Vorversammlung in Wien, im Alten Rathaus in der Wipplingerstraße, einberufen werden konnte.

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Das Ziel der ÖFG und ihr offiziell unpolitischer Charakter hatte auf Grund der politischen Situation der Monarchie einen schwache Position: Nationalitätenkonflikte, Dominanz militärischer Denkweisen, eine starke aristokratische Elite, die Schwäche des Liberalismus und später die große Begeisterung für Krieg bildeten ein ungünstiges Umfeld für pazifistische Aktivitäten. Da die Polizei die Befugnis zur Auflösung von Gruppen hatte, die rechts – bzw. gesetzeswidrig oder staatsgefährdend handelten, standen pazifistische Organisationen unter ständiger Kontrolle. Der begrenzte Handlungsspielraum der ÖFG wird auch dadurch verdeutlicht, daß bereits die Nichtbefolgung oder Verleitung zur Nichtbefolgung eines Militäreinrückungsbefehles einen drastischen Verstoß gegen das österreichische Strafgesetz darstellten. Daher mußte die ÖFG subversive Aktionen gegen den Staat vermeiden, um nicht der Illegalität beschuldigt zu werden und eine Zwangsauflösung zu riskieren. Dies erklärt auch zum Teil, weshalb die Aktionen der ÖFG sich auf lange Sicht als wenig effektiv erwiesen. Ein anderer Grund für die Ineffektivität der ÖFG vor dem Ersten Weltkrieg liegt an der fehlenden Unterstützung durch politische Gruppierungen.
Alfred Hermann Fried wurde im Jahr 1891 auf die Österreichische Friedensgesellschaft aufmerksam und machte in seinem ersten Schreiben an Bertha von Suttner den Vorschlag, eine Monatszeitschrift zu veröffentlichen, „um der Friedensidee in Deutschland und Oesterreich die notwendige Verbreitung zu geben“. Die erste Ausgabe der Zeitschrift „Die Waffen nieder! Monatsschriftzur Förderung der Friedensidee“ erschien am 1. Februar 1892. Während ihres Bestehens, bis 1899, bildete die Zeitschrift ein bedeutendes Forum des Pazifismus im deutschsprachigen Raum.

die erste Frau die den Friedensnobelpreis erhielt

Um die Jahrhundertwende ist Bertha von Suttner eine sehr bekannte Persönlichkeit in der Friedensbewegung Europas. Im Jahr 1905 wurde ihr der Friedensnobelpreis als Anerkennung für ihren unermüdlichen Einsatz gegen einen industriell geführten Krieg überreicht, den sie immer wieder in weiser Voraussicht beschrieb: Alle Staaten zerstampft, alle Arbeit eingestellt, alle häuslichen Herde umgeworfen, nur e i n Schrei des Schmerzes von Grenze zu Grenze- Jedes Dorf eine Brandstätte, jede Stadt ein Trümmerhaufen, jedes Feld ein Leichenfeld, und noch immer tobt der Kampf: unter den Meereswellen schießen die Torpedoboote, um mächtige Dampfer in den Grund zu ziehen; in die Wolken steigen bewaffnete und bemannte Luftschiffe einer zweiten äronautischen Truppe entgegen, und aus tausend Meter Höhe schneien verstümmelte Krieger als blutende Flocken herab …“
In ihrer Nobelpreisrede sagt sie unter anderem: „Festungen werden gebaut, Unterseeboote fabriziert, ganze Strecken unterminiert, kriegstüchtige Luftschiffe probiert für das demnächstige Losschlagen“.
Ihre Warnungen und Prophezeiungen bleiben ungehört und Europa stürzt sich mit großer Begeisterung in den ersten Weltkrieg – mit verheerenden Folgen, dem ersten Giftgaseinsatz und über 17 Millionen Toten. Bertha von Suttner erlebt diese ungeheure Katastrophe nicht, sie stirbt am 21. Juni 1914 in Wien – zwei Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Sie war Zeit ihres Lebens mit der Geringschätzung der sie umgebenden Gesellschaft konfrontiert, es war die erste Wiener Gesellschaft und die Männergesellschaft die sie als Frau nicht Ernst nahm, daher ist diese Frau (und viele andere Frauen dieser Zeit) zu bewundern, da sie trotz aller Hindernisse unbeirrbar ihren Weg ging.

Foto

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Weblinks

http://www.peacemuseumvienna.com/

http://www.linksnet.de/de/artikel/19576

Literatur

Bertha von Suttner – Kämpferin für den Frieden von Brigitte Hamann , 2013
ISBN-13: 978-3850337557

Die Waffen nieder!: Eine Lebensgeschichte von Bertha von Suttner, 2012
ISBN-13: 978-3847270317

Bertha von Suttner: Memoiren von Bertha Von Suttner,2013
ISBN-13: 978-3863474447

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Henriette Pereira-Arnstein

Henriette Pereira-Arnstein – Salonière, Tochter der Fanny von Arnstein

Henriette Pereira-Arnstein wurde am 29. Nov. 1780 in Berlin geboren, sie war die Tochter der Fanny von Arnstein.

Auf Grund ihres sehr vermögenden Elternhaus genoß sie das Privileg einer umfassende Bildung, was zu dieser Zeit nicht selbstverständlich war.

1802 heiratete sie den Adoptivsohn ihrer Eltern, Bankier Ludwig Freiherr von Pereira, eine Juden sephardischen Ursprungs, mit dem sie vier gemeinsame Kinder hatte. Später konvertierten beide zum christlich-katholischen Glauben. Mit diesem Übertritt drohte Henriette der Ausschluss von jüdischen Zeremonien, aber es ermöglichte ihr das Ausblenden ihrer jüdischen Identität.
Henriette Pereira-Arnstein öffnete ihren eigenen Salon höchstwahrscheinlich vor dem Tod ihrer Mutter Fanny von Arnstein, diesen anspruchsvollen literarisch-musikalischen Salon führte sie in der Tradition ihrer Mutter fort.
Wie ihre Mutter und ihre Tante Cäcilie von Eskeles vor ihr, wurde Henriette ebenfalls mit deutschem Patriotismus in Verbindung gebracht, nachdem ihr Name in den Chroniken zur Unterstützung des Dichters Theodor Körner eingetragen wurde. Körner schrieb während seiner Teilnahme am Krieg gegen Napoleon seine impulsivsten deutschen Nationalgedichte »Leier und Schwert« für Henriette.

In ihrer Anfangszeit als Saloniere wurden ihre Empfänge so luxurios gestaltet wie der Salon ihrer Eltern, es wurden z. B. die Räume mit Früchte beladenen Bäumen geschmückt. Man muß sich das vorstellen, ganze Bäume wurden wegen einen einzigen Empfang gefällt! Von der Mühe des Personals ganz zu schweigen.

Gastgeberin der Wiener Gesellschaft im Biedermeier

Anders als ihre Mutter, deren Haus der Mittelpunkt des politischen sowie diplomatischen Lebens war und oft mitternächtliche Soupee`s bis zu 400 Gäste empfing, führte Henriette Pereira ihren Salon später in einem kleineren Rahmen. Sie veranstaltete jede Woche Künstleràbende mit musikalischen Darbietungen, bei denen sie auch Pianistin war.
Sie hatte auf Grund ihres Laissez-Faire-Stils der Gastlichkeit bedeutende Künstler bei sich zu Gast, darunter Musiker wie Beethoven, Liszt, Theodor Körner, Mendelssohn und Dichter wie Grillparzer, Stifter, Brentano sowie Künstler wie Amerling, Daffinger, Schnorr von Carolsfeld, Schwind, Kriehuber und Danhauser. Amerling porträtierte sie mit ihrer Tochter Flora, in dem sie, ganz im Sinne des Biedermeiers, als mütteliche Dame zu sehen ist.

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Henriette Pereira-Arnstein akzeptierte den Prozess der Entsexualisierung von Damen der Gesellschaft, in dem Porträt ist die Betonung der anerkannten Gesellschaftsdame zu sehen.
Es ist anzunehmen das Henriette Pereira-Arnstein und Tochter Flora – im Gegensatz zur Familie Eskeles – extravaganten Schmuck vermieden, um ihr harmonisches Familienleben zu zeigen.
Henriette Pereira setzte sich wie ihre Mutter und ihre Tante Cäcilie von Eskeles, sehr engagiert für soziale Zwecke ein.

Henriette Pereira-Arnstein, ihre Mutter Fanny Arnstein und ihre Tante Cäcilie von Eskeles formten und vermarkteten sich in
verschiedenen Phasen ihres Leben in verschiedenen Rollen und auf Grund ihres jüdischen „Anderssein“ und ihrer deutschen Kultur schufen sie für sich einmalige Position in der Wiener Gesellschaft.

Eine bemerkenswerte Frau in der männerdominierenden Biedermeier-Epoche, sie starb am 13. Mai 1859 in Wien

Fotos

Wikipedia, Lithographie von Josef Kriehuber, 1841

Literatur

Die Salonièren und die Salons in Wien, Helga Peham, Dezember 2013
ISBN 978-3222134029

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Fanny von Arnstein

Erste jüdische Salonière, Kunstfreundin und Mäzenin


Fanny von Arnstein, Schirmherrin für Musik, Kunst und Literatur, war die bedeutenste Salonière ihrer Zeit. Die hohe Wertschätzung ihr Person trug viel zur wachsenden Annahme von Juden in der Wiener Gesellschaft bei. Fanny Arnstein ist in erster Linie bekannt für ihr politisches und soziales Engagement: Sie stiftete Kriegslazarette, Kranken- und Armenhäuser und setzte sich bei Joseph II. für die Rechte der österreichischen Juden ein.
Sie förderte auch die Kunst, war Mitbegründerin der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (1812) und veranstaltete Benefizkonzerte.
Sie wurde am 11. März 1757 in Berlin als achtes Kind von Daniel Itzig, Hofbankier Friedrichs II., und seiner Frau Marianne geboren. 1776 heiratete sie in Berlin den Wiener Bankier und Kaufmann Nathan Adam Arnstein oder Arnsteiner. Nathans brillante Gattin Fanny führte einen literarischen Salon, in dem sich Größen von Kunst, Literatur und Finanz zu gesellschaftlichen Soireen trafen.

Fanny Arnstein liebte Literatur und beherrschte mehrere Sprachen, ihre sozialen Talente schufen eine angenehme Atmosphäre in ihrem Salon, wo sich Gäste von verschiedenen Rängen der aristokratischen Gesellschaft trafen. Ob Wissenschafter, Adelige oder Künstler, sie kamen alle gerne zu musikalische Soireen in das Haus des jüdischen Bankiers und seiner Frau. Die gemietete Stadtwohnung der Arnsteins war am Hohen Markt. Das Sommerpalais befand sich am Braunhirschengrund (15. Bezirk) und erstreckte sich von der Mariahilfer Straße bis zum Wienfluss.

Zur Jahrhundertwende scheint es bei den Arnsteins kein Jour fixe zu geben, ihr Haus war jeden Tag offen, meist sogar von Mittag bis Mitternacht, mit Ausnahme der Theaterstunden. Politiker, Diplomaten und Publizisten waren regelmäßige Besucher. Ein guter Freund war Joseph Freiherr von Sonnenfels, er war Reformpolitiker und Direktor der Akademie und ein einflussreicher Schutzpatron der Künste. Friedrich Gentz erwiese sich als ein falscher Freund,er war von Berlin nach Wien gezogen, wurde ein naher Berater von Metternich und war antisemitisch und reaktionär.

Netzwerk von intellektuellen Frauen


Um 1800 wurde Fanny von Arnstein’s Salon das Zentrum eines zusammenarbeitenden Salonnetzwerks von intellektuellen und musikalischen Frauen in Wien. Dies waren unter anderem ihre Schwester Caecilie Wulff, sowie ihre Schwester Rebecca Ephraim. Weiter Frauen waren Bernhard Von Eskeles’ Schwester Eleonore Flies und Fanny von Arnstein’s zwei Nichten, ihre Schwester Marianne Saaling und Mariane Von Eybenberg. 1802 heiratete Fanny von Arnstein’s Tochter Henriette den Bankier Heinrich Pereira. Während der Napoleonischen Kriege ( 1805–1815 ) erwiesen sich Arnstein und ihre Tochter als wahre Patrioten und taten viel für die Kranken und verletzten Soldaten. Gegner der Politik Napoleons, wie Madame de Staël, waren im Salon herzlich Willkommen.
Fanny Arnstein unterstützte unzählige Wohltätigkeiten, sie war Gründungsmitglied und Komiteefrau der Gesellschaft von adeligen Frauen für die Förderung des Guten und nützlichen. 1814 stand im Hause Arnstein der erste Weihnachtsbaum, Fanny Arnstein brachte diesen schönen Brauch von Berlin nach Wien.
Der Höhepunkt der sozialen Aktivitäten im Arnstein Salon fand während des Wiener Kongresses 1814 statt. Es gab Auftritte von jungen Giacomo Meyerbeer. Diplomaten aus ganz Europa waren Gäste, darunter Arthur Wellesley, Herzog von Wellington, Kardinal Ercole Marchese Consalvi und Charles-Maurice Herzog von Talleyrand.
Fanny Arnstein starb nach längerer Krankheit am 8. Juni 1818 in ihrem Haus am Braunhirschengrund . Die Tradition des Hauses wurde nach dem Tod Fanny von Arnsteins durch ihre Tochter fortgeführt.

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Leider ist von dem Arnstein´schen Anwesen nichts übrig geblieben, an die Familie Arnstein erinnert nur mehr ein Strassenname im 15. Wiener Gemeindebezirk.

Das Grab befindet sich am jüdischen Währinger Friedhof, 1180 Wien, Semperstraße 64A/ Schrottenberggasse.

Der Friedhof ist jedoch öffentlich nicht zugängig, da er in einem völlig desaströsen Zustand ist!

Die Gebeine der Fanny Arnstein befinden sich nicht mehr im Grab, die steinerne Tafel mit der Namensinschrift ist zerbrochen, auch die Namenstafeln am Grab ihres Gatten Nathan und ihres Schwagers Bernhard Eskeles-Arnstein sind zerbrochen.

Es ist eine Schande das dieser Friedhof noch immer nicht saniert wurde!

Fotos

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Weblinks

Blog des Österreichischen Jüdischen Museums

Jewish Womans Archive

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Emilie Flöge

Modesdesignerin, Unternehmerin und Muse von Klimt


Emilie Louise Flöge wurde am 30. August 1874 in Wien als Tochter eines Wiener Meerschaumpfeifen-Fabrikanten geboren.

Sie war Designerin, Modeschöpferin und Unternehmerin und der Lebensmensch und Muse des Malers Gustav Klimt.
Die drei Schwestern Flöge – Pauline, Helene und Emilie – absolvierten einen Nähkurs und begannen anschließend Kleider zu entwerfen.
1904 gründeten die drei Schwestern, die in der Neubaugasse eine Schneiderwerkstätte betrieben hatten, den Modesalon „Schwestern Flöge“ in der „Casa Piccola“ Mariahilferstrasse 1b.

Der von Josef Hoffmann und Koloman Moser exklusiv eingerichtete Modesalon entsprach ganz dem Geist der Wiener Werkstätte.

Von Gustav Klimt stammten die Entwürfe für das Firmensignet und das Geschäftspapier des Hauses. Gustav Klimt entwarf für sie, wie auch Kolo Moser, Reformkleider für ihre Haute Couture Mode.

Mehr als 30 Jahre lang behauptete der Salon im Zentrum des Wiener Modeviertels seine führende Stellung. Trotzdem wird die unternehmerische Leistung der Emilie Flöge heute gerne unterschätzt. Es mag sein, dass sie in der Anfangszeit des Salons von Klimt profitierte, doch musste sie sich als Geschäftsfrau bewähren.

Dennoch wird Emilie Flöge in den Köpfen der Nachwelt auf die Frau „an der Seite von Gustav Klimt“ und dessen Sommerfrische-Partnerin reduziert. Tatsächlich handelte es sich beim Salon Flöge um einen großen Betrieb mit einem breiten Spektrum: Bis zu 80 Näherinnen und drei Zuschneiderinnen arbeiteten hier.
Jährlich zweimal fuhr Emilie Flöge nach Paris und London, um sich an den internationalen Modehäusern wie Dior und Chanel über aktuelle Entwicklungen und Trends zu informieren.

Mit dem „Anschluss“ Österreichs an Nazideutschland verlor Emilie Flöge einen großen Teil ihrer Kundschaft und musste den Salon schließen.

Sie starb am 26. Mai 1952 in Wien, ihr Grab befindet sich am Wiener Zentralfriedhof Tor 4, Gruppe 8, Kreuzallee Nr. 4

Emilie Flöge und Gustav Klimt


Kennengelernt haben sich die beiden spätestens 1891, als Gustavs Bruder Ernst Emilies Schwester Helene heiratete.

Bereits ein Jahr später porträtierte Gustav Klimt die damals 18- Jährige. Klimts Ganzfigurenportrait aus dem Jahre 1902, zeigt die 28 jährige Emilie Flöge als Ikone des bereits secessionistischen, mit Goldornamentik durchsetzten reiferen Klimt-Stils.

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Trotz des umfangreichen Konvoluts enttäuschen die Briefe und Postkarten zwischen Klimt und Flöge und lassen die Art ihrer Beziehung ungeklärt. Emilie Flöge erscheint als ewige unberührte Geliebte, die Gefährtin und imaginäre Gattin im großen Traum seiner erotischen Magie.
Jedoch hat Emilie Flöge nach Klimts Tod angeblich sämtliche in seinem Atelier verbliebenen Schriften verbrannt. Emilies Nichte berichtet von Körben voller Post, die vernichtet worden seien.

Für den Klimt-Forscher Christian M. Nebehay fand der Maler bei Emilie jene „Ruhe, Ausgeglichenheit und Freundschaft, die er anderswo nicht finden konnte.

Emilie Flöge wurde durch Klimts Ikone „Der Kuss“ unsterblich gemacht, indem er der knienden Frauenfigur, die ihm nur ihre Wange zum Kuss darbietet, die Züge Emilies verliehen hat.

Fotos

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Weblinks

Irene Adessner -Citylights