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monumentaler dampfschornstein parlament,wien-bilder

Dampfschornsteine

die vergoldeten Dampfschornsteine des Wiener Parlaments

Sie sind nur sehr wenig bekannt, obwohl die 32m hohen Dampfschornsteine von vielen Blickwinkeln prachtvoll (besonders bei strahlenden Sonnenschein) entgegenblitzen. Seit dem Jahr 2006 glänzen die beiden Dampfschornsteine, auf Grunde der Renovierung und Herstellung in den vergoldeten Originalzustand, wieder in voller Pracht und Herrlichkeit. Zuvor sind sie kaum jemanden aufgefallen, da sie leider grau übermalen waren.

Der Baumeister und Architekt Theophil Hansen erhielt 1873 den Auftrag für den Bau des Parlaments im griechisch-klassischen Stil, er entwarf auch die Dampfschornsteine, die gusseisernen Zieraufsätze wurden 1881 vom Bildhauer Hugo Härdtl modelliert und anschließend in der Fürst Salmschen Eisengießerei Blansko in Mähren gegossen.
Dampfschornsteine in der herkömmlichen Form hätten die Ästhetik des Gesamtkunstwerk Parlament gestört, sie waren aber für die Heizungsanlage sehr wichtig, daher war es für Theophil Hansen ein Anliegen ihnen eine prachtvolle elegante Gestaltung angedeihen zu lassen.
Jeder Zieraufsatz hat ein Gesamtgewicht von etwa 10 Tonnen, er besteht aus über einhundert Gusseisenteilen und besitzt einen Funkenfänger aus Schmiedeeisen.

Hephaistos und seine Gesellen

Theophil Hansen gestaltete die beiden Dampfschornsteine in Form von ionischen Säulen, auf die er monumentale gusseiserne, vegoldete 5,8m hohe Zieraufsätze in Form von Blattornamenten, Muscheln, Löwenköpfen und je vier vollplastische „Gesellen des Hephaistos“ setzte.
Hephaistos war der griechische Gott des Feuers und der Metallurgie, er war ein geschickter Schmied und der einzige Handarbeiter unter den griechischen Göttern, sein Arbeitsplatz lag direkt unter dem Krater des Vulkans Aetna in Italien, seine Symbole waren das Feuer, Axt, Zange und Hammer. Da die Zieraufsätze aus Metall angefertigt wurden, scheint es kein Zufall zu sein das Hephaistos und seine Gesellen auf den Eisenaufsätzen zu bewundern sind.
In seiner Schmiede entstanden so berühmte Werke wie der Zepter und Donnerkeil des Zeus, der Wagen des Helios, die Gestalt der Pandora oder die Waffen und das Schild des Achilles.

die Dampfschornsteine erstrahlen wieder in voller Pracht

wie schon oben geschrieben, wurden die Dampfschornsteine von dem Architekt Hansen mit einer Vergoldung entworfen und auch so ausgeführt. Dies ist einem Offert des Maler- und Anstreichermeisters Frankenstein aus dem Jahr 1882 zu entnehmen: „Sämtliche Gusseisenarbeiten an den beiden Dampfrauchfängen … 3-mal mit in gutem Ölfirnis geriebenen Minium, 2-mal mit gelber Oelfarbe streichen und echt Vergolden“.
Im Laufe der Zeit wurden aber bei den verschiedenen Renovierungsarbeiten viele Gusseisenteile mehrfach übermalen, Verschraubungen oft unsachgemäß und außen sichtbar monitert, Gussteile verkittet, ein fehlendes Abdeckblech am Rücken einer der Figuren ganz einfach mit Zement abgedeckt und ähnliche Fehler begangen, ohne Rücksicht auf sachgemäße Restaurierung wurde schnell und billig „gepfuscht“.
Auf einem Aquarell des Malers Hans Ranzoni aus dem Jahr 1942 sind die Dampfschornsteine vergoldet und ohne Funkenkörbe, diese wurden, wie der mausgraue Anstrich, wahrscheinlich erst in der Nachkriegszeit angebracht, ein zweites Mal wurden sie in den 1980er Jahren übermalen.
Im Jahr 2006 war es soweit, bei dieser Sanierung wurde das Bundesdenkmalamtes eingebunden und während der Renovierung kamen tatsächlich noch Reste der Blattvergoldung zum Vorschein. Es war eine sehr aufwendige, langwierige und kostspielige Renovierung um die beiden Dampfschornsteine wieder in ihren prächtigen Originalzustand glänzen zu lassen, für diese Pracht wurden 20.000 Blättern Dukaten-Doppelgold verwendet.

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Die Dampfschornsteine haben auch jetzt noch eine Funktion, einer der beiden ist ein Teil des Reservekesselhauses und der andere dient als Auspuff für das Notstromaggregat.
Zum Glück verstärken sich in den letzten Jahren die Bemühungen in Sachen Denkmalpflege und Sanierung, viel zu viel wurde entweder demoliert und unsachgemäß „restauriert“.
Theophil Hansen hätte heute seine Freude an den beiden prächtigen Gold-Riesen.

Adresse

Dr.-Karl-Renner-Ring 3, 1017 Wien

Wiener Linien: U2 bis Station Rathaus, U3 bis Station Volkstheater, Straßenbahnen 1, 2, 71 und D bis Station Stadiongasse/ Parlament

Öffi-App

Weblink

http://www.bda.at/

Literatur

Gabriela Krist: Metallrestaurierung – Metallkonservierung: Geschichte, Methode und Praxis (Konservierungswissenschaft. Restaurierung…, 2009
ISBN-13: 978-3205781967

monumentaler dampfschornstein parlament,wien-bilder

Dampfschornsteine

die vergoldeten Dampfschornsteine des Wiener Parlaments

Sie sind nur sehr wenig bekannt, obwohl die 32m hohen Dampfschornsteine von vielen Blickwinkeln prachtvoll (besonders bei strahlenden Sonnenschein) entgegenblitzen. Seit dem Jahr 2006 glänzen die beiden Dampfschornsteine, auf Grunde der Renovierung und Herstellung in den vergoldeten Originalzustand, wieder in voller Pracht und Herrlichkeit. Zuvor sind sie kaum jemanden aufgefallen, da sie leider grau übermalen waren.

Der Baumeister und Architekt Theophil Hansen erhielt 1873 den Auftrag für den Bau des Parlaments im griechisch-klassischen Stil, er entwarf auch die Dampfschornsteine, die gusseisernen Zieraufsätze wurden 1881 vom Bildhauer Hugo Härdtl modelliert und anschließend in der Fürst Salmschen Eisengießerei Blansko in Mähren gegossen.
Dampfschornsteine in der herkömmlichen Form hätten die Ästhetik des Gesamtkunstwerk Parlament gestört, sie waren aber für die Heizungsanlage sehr wichtig, daher war es für Theophil Hansen ein Anliegen ihnen eine prachtvolle elegante Gestaltung angedeihen zu lassen.
Jeder Zieraufsatz hat ein Gesamtgewicht von etwa 10 Tonnen, er besteht aus über einhundert Gusseisenteilen und besitzt einen Funkenfänger aus Schmiedeeisen.

Hephaistos und seine Gesellen

Theophil Hansen gestaltete die beiden Dampfschornsteine in Form von ionischen Säulen, auf die er monumentale gusseiserne, vegoldete 5,8m hohe Zieraufsätze in Form von Blattornamenten, Muscheln, Löwenköpfen und je vier vollplastische „Gesellen des Hephaistos“ setzte.
Hephaistos war der griechische Gott des Feuers und der Metallurgie, er war ein geschickter Schmied und der einzige Handarbeiter unter den griechischen Göttern, sein Arbeitsplatz lag direkt unter dem Krater des Vulkans Aetna in Italien, seine Symbole waren das Feuer, Axt, Zange und Hammer. Da die Zieraufsätze aus Metall angefertigt wurden, scheint es kein Zufall zu sein das Hephaistos und seine Gesellen auf den Eisenaufsätzen zu bewundern sind.
In seiner Schmiede entstanden so berühmte Werke wie der Zepter und Donnerkeil des Zeus, der Wagen des Helios, die Gestalt der Pandora oder die Waffen und das Schild des Achilles.

die Dampfschornsteine erstrahlen wieder in voller Pracht

wie schon oben geschrieben, wurden die Dampfschornsteine von dem Architekt Hansen mit einer Vergoldung entworfen und auch so ausgeführt. Dies ist einem Offert des Maler- und Anstreichermeisters Frankenstein aus dem Jahr 1882 zu entnehmen: „Sämtliche Gusseisenarbeiten an den beiden Dampfrauchfängen … 3-mal mit in gutem Ölfirnis geriebenen Minium, 2-mal mit gelber Oelfarbe streichen und echt Vergolden“.
Im Laufe der Zeit wurden aber bei den verschiedenen Renovierungsarbeiten viele Gusseisenteile mehrfach übermalen, Verschraubungen oft unsachgemäß und außen sichtbar monitert, Gussteile verkittet, ein fehlendes Abdeckblech am Rücken einer der Figuren ganz einfach mit Zement abgedeckt und ähnliche Fehler begangen, ohne Rücksicht auf sachgemäße Restaurierung wurde schnell und billig „gepfuscht“.
Auf einem Aquarell des Malers Hans Ranzoni aus dem Jahr 1942 sind die Dampfschornsteine vergoldet und ohne Funkenkörbe, diese wurden, wie der mausgraue Anstrich, wahrscheinlich erst in der Nachkriegszeit angebracht, ein zweites Mal wurden sie in den 1980er Jahren übermalen.
Im Jahr 2006 war es soweit, bei dieser Sanierung wurde das Bundesdenkmalamtes eingebunden und während der Renovierung kamen tatsächlich noch Reste der Blattvergoldung zum Vorschein. Es war eine sehr aufwendige, langwierige und kostspielige Renovierung um die beiden Dampfschornsteine wieder in ihren prächtigen Originalzustand glänzen zu lassen, für diese Pracht wurden 20.000 Blättern Dukaten-Doppelgold verwendet.

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Die Dampfschornsteine haben auch jetzt noch eine Funktion, einer der beiden ist ein Teil des Reservekesselhauses und der andere dient als Auspuff für das Notstromaggregat.
Zum Glück verstärken sich in den letzten Jahren die Bemühungen in Sachen Denkmalpflege und Sanierung, viel zu viel wurde entweder demoliert und unsachgemäß „restauriert“.
Theophil Hansen hätte heute seine Freude an den beiden prächtigen Gold-Riesen.

Adresse

Dr.-Karl-Renner-Ring 3, 1017 Wien

Wiener Linien: U2 bis Station Rathaus, U3 bis Station Volkstheater, Straßenbahnen 1, 2, 71 und D bis Station Stadiongasse/ Parlament

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Gabriela Krist: Metallrestaurierung – Metallkonservierung: Geschichte, Methode und Praxis (Konservierungswissenschaft. Restaurierung…, 2009
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fuhrmannhaus , ältestes haus im westen wiens

Fuhrmannhaus

das älteste Haus im Westen Wiens

hat eine faszinierende wie bewegte Geschichte, der älteste Baukern des denkmalgeschützten Gebäudes stammt aus dem 15. Jahrhundert, um 1560 wurde es wesentlich vergrößert und seit über 300 Jahren hat es mit ungefähr 3.700 m² sein jetziges Aussehen. Seit 1840 ist es im Besitz der Familie Fuhrmann und wird heute sehr engagiert und liebevoll von Fr. Rosina Kahofer, geb. Fuhrmann, restauriert und betreut.

Vielen Dank an Fr. Kahofer dass sie sich die Zeit nahm, um mir das Fuhrmannhaus mit seinem Vierkanthof zu zeigen und seine Historie zu erzählen.
Das Fuhrmannhaus mit seinem Innenhof und Bogengängen, die Weinschenke mit dem wunderschönen Gastgarten in dem die verschiedensten Konzerte sowie Veranstaltungen stattfinden, hat sehr viele verborgene historische Schätze aufzuweisen und ist eine einmalige Sehenswürdigkeit im Westen von Wien. Ebenso ist es für seinen Bauernmarkt, Markttag, Flohmarkt und Christkindlmarkt sehr bekannt und sehr beliebt.

die bewegte Geschichte des Fuhrmannhauses

Seit 1571 existieren lückenlose Aufzeichnung über die Besitzer, bis zum 18. Jhdt. sind im Grundbuch drei Parzellen aufgezeichnet, dass entspricht der heutigen Größe des Grundstückes. Das Fuhrmannhaus ist jedoch weitaus älter als die Aufzeichnungen aufzeigen, bei Vermessungen fand man Hinweise auf einen römischen Wachtturm. Im 12. Jahrhundert gab es sogenannte „feste Häuser“ und das Fuhrmannhaus stand damals am Ortsbeginn, am Rosenbach (der damals natürlich nicht reguliert und überwölbt war:-)) und an der damaligen Poststraße (jetzige Linzer Straße).
Im Jahr 1676 erstand ein Dr. Georg Schierl, er war „Licentiad und Geschworenen Landadvokaten zu Böhmen“, sehr lange war es jedoch nicht in seinem Besitz, schon am 18. Juni 1680 verkaufte er es dem Kolleg St. Michael (Barnabiten), hier gibt es sogar noch einen Kaufbrief, 1681 scheinen auch Hans Schmidt, der „Richter zu Hütteldorf“, und seine Ehefrau Rosina als Gewährnehmer auf.

Auszug aus diesem Brief:
„zue Hiedeldorf gelegene Haus samt alle An- und Zugehörungen, Garten, 12 Tagwerk Wiesmath und sechsthalbviertel Weingarten, wie auch alle zu der Zeit im Haus und im Keller befindende Mobilien, außer des derzeit im Keller befindenen Weins“ verkauft und zwar zu „ 1.500 Gulden
Kaufschilling und 1oo Gulden Leithkauf“.
Zitat: http://www.fuhrmannhaus.at/

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Die Barnabiten renovierten und erweiterten die Häuser, da nach dem beendetenTürkenkrieg im Jahr 1683 der Gebäudekomplex sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, in dieser Zeit scheinen im Grundbuch „drei zusammengebauten Häusern“ auf, wie schon oben berichtet, ist es die noch heute existierende Form des historischen Hauses. Das original getreu restaurierte Gitter im Stiegenhaus wurde ohne Nägel zusammengefügt und erinnert mit der Jahreszahl 1687 sowie dem Türkenkopf am Ende des Stiegengeländers an den überstanden zweiten Türkenkrieg.
Es gab in dem Gebäudekomplex eine Kapelle mit 2 Altären, jedoch konnte der Standort bis heute nicht eruiert werden. Der Wirtschaftshof der Barnabiten diente für Klosterangehörige als Sommerquartier und erhielt so manchen hohen Besuch, wie z. B. denn des Diplomaten und Ordensmann P. Don Pius Manzador, er kehrte nach einer Inspektionsreise, die er im Auftrag
der Kaiserin Maria Theresia machte, hier ein. Im Jahr 1778 brach ein verheerender Brand aus der enormen Schaden anrichtete, es wurde am 17. Februar 1779 ein Gesuch an die Ministerial Banco Hofdeputation gerichtet um die Erlaubnis 100 Baumstämme fällen zu dürfen und am 4. März 1779 wurde das Ansuchen bewilligt. Über 100 Jahre versorgte der Wirtschaftshof die Kollegien St. Michael in Wien und Mariahilf. Auf Grund der Bauschulden und dem Nachwuchsmangel wollte das Kolleg St. Michael alle abkömmlichen Immobilien verkaufen und im Jahr 1787
wurde an das k.k. Waldamt der Antrag auf Schätzung des Hauses Nr. 70 gestellt.
Bei einer Fassadenuntersuchung in Jahr 1982 und einer Baubeschreibung von 1787 vermutet man mehrere Ausbaustufen:

„Die 1. Stufe umfasst die Jahrhunderte von der Entstehung des Gebäudekomplexes bis zum Ende des 15. Jhdt. Das kleine vergitterte Fenster in der Nische, links im Hof der Weinschenke, gibt uns Zeugnis davon.
Von der 2. Stufe sehen wir in der Einfahrt, links in der Nische der Marienfigur, an der Rückwand eine Renaissance Außenwandmalerei, außerdem dürfe zu dieser Zeit das Haus einen Erker besessen haben. Der eingebaute Radabweiser, an der Ecke links von der Eingangstür zum Friseur, ist ein ehemaliger Erkerkragstein.
Die 3. Stufe ist die Bedeutendste, für die bauliche Entwicklung des Hauses. Im letzten Viertel des 17. Jhdt. traten mehrere Ereignisse ein, welch für das Schicksal des Hausen von immenser Bedeutung waren. Über den Weg einer Versteigerung, trachteten die Barnabiten ihren Besitz abzugeben. In einem Aufruf wurden Kauflustige aufgefordert, den Wirtschaftshof in Hütteldorf zu besichtigen. Die Versteigerung selbst war auf den 26. Juni 1787 um 9 Uhr festgesetzt. Das Flugblatt zur Verlautbarung der Versteigerung trug den Titel „Nachricht“ und wurde vom k.k. Waldamt in Purkersdorf bekannt gemacht. Die „Nachricht“ ist für das heutige Fuhrmannhaus insofern von Bedeutung, als sie Einblick gibt, in die ursprüngliche Verwendung der einzelnen Räumlichkeiten. Die Lage des Hauses Nr. 70 wird neben den Lindengassl (heutige Rosentalgasse) wie folgt beschrieben: „Im 1. Stock 8 Winter- und 7 Sommerzimmer, 2 Kammern, dann 2 mit Stein gepflasterten Communikationsgängen, alles stokadort (Stuckatur), zu ebener Erde ein Salletl, ein Billardzimmer, eine Kapelle, ein Zimmer, zwey Kammern, eine grosse und kleine Kuchl, eine Speise, Pferdestallung auf 8 Stück, ein Kuhstall auf 4 Stück, alles gewölbt, ein gepflasteter Hof und 2 Keller, dann ein 13 Klafter* 5 Schuh* lang, und 3 Klafter* 3 zweydritl Schuh* breite Salaterena, stokadort mit offenen Bögen, gegen dem Garten mit einem Einfahrtsthor von der Strasse, nebst einem mit verschiedenen guten Obstbäumen besetzten, 700 Quadratklafter haltenden Hausgarten befindlich durch den Weg der Versteigerung gegen baare Bezahlung käuflich hindangegeben werden“.
Zitat: http://www.fuhrmannhaus.at/

Das Kolleg St. Michael verkaufte am 6. September 1788 den Gebäudekomplex an Johann Michael Eimmer, schon 1808 kam es durch Versteigerung zu einem Besitzerwechsel, der neue Besitzer war der bürgerlichen Eisenhändler Franz Winkler. Im Jahr 1811 kaufte Friedrich Graf von Schwarzenberg das Haus und bis 1840 gab es noch etliche Besitzer, bis es Franz Xaver Fuhrmann und seine Frau Barbara erwarben, nach ihnen trägt das Haus seinen Namen.
Die Fuhrmanns hatten vorher einen Ziegelofen in Heiligenstadt vom Stift Klosterneuburg gepachtet, in Hütteldorf gründten sie einen Fuhrwerksbetrieb, laut Verzeichnis der Gesellschafts- und Stellwagen aus dem Jahr 1851 fuhr ein Stellwagen täglich in die Stadt und wieder retour. Es gab auch Pferdestallungen und die Einfahrtstore wurden hofseitig durch herablaßbare Gitter gesichert, die Gleitstangen und Seilräder sind teilweise noch erhalten und wurden detailgetreu restauriert. Anton Fuhrmann, der Sohn von Franz Xaver und Barbara Fuhrmann, übernahm den Betrieb, der Großfuhrwerksbesitzer wurde im Jahre 1907 zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt, die Kopie der Urkunde befindet sich in der Weinschenke.

Im Gebäudekomplex Linzerstrasse 406 befand sich auch einige Zeit die Gemeindestube von Hütteldorf. Nach dem ersten Weltkrieg und der Zwischenkriegszeit verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der Familie Fuhrmann, es erfolgte die Umstellungen vom Pferd zum Autobetrieb, diese Umstände verhinderten die notwendigen Verbesserungen des Fuhrmannhauses.

die Powerfrauen des Fuhrmannhauses

Den Fortbestand des Hauses konnte Katharina Fuhrmann mit Sohn Robert retten, indem sie im Fuhrmannhaus mit einem Gemischtwarenhandel mit Sand, Kalk, Zement begonnen hatten. In dieser Zeit entstanden die Schrebergärten im Rosental und am Wolfersberg, daher vergrößtern sie ihr Warenangebot und ihre finanzielle Situation verbesserte sich zusehends, so dass sie das desolate Schindeldach durch eine neue Eternitdeckung ersetzen konnten, diese liegt bis heute am Dach. Damit mehr Geld zur Verfügung stand, ließ Katharina Fuhrmann den „Hobernsaal“, der heute der Freskensaal ist und vorherige Futterkammer für die Pferde war, zu zwei Wohnungen umbauen. Nach dem 2. Weltkrieg wohnten und arbeiteten über 100 Personen im Haus, die sich zwei Wandbrunnen und zwei Toiletten ohne Wasserspülung teilen mußten.
Katharina Fuhrmann war eine sehr beachtliche Frau, die sehr viel leistete und ihr ist es zu verdanken das dieses Haus der Nachwelt erhalten blieb.
Während dem zweiten Weltkrieg mußte Rosina Fuhrmann, die Schwiegertochter von Katharina Fuhrmann, den Betrieb mit ihren drei kleinen Kindern alleine weiterführen. Auf Grund des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 50er Jahren und der steigenden Nachfrage nach Baumaterialien wurde ein 380 Steyrer Diesel LKW angeschafft und Hertha Dopplinger, geborene Fuhrmann und Tochter der Rosina Fuhrmann, machte 1956 den Führerschein und fuhr dann lange alleine mit dem LKW, sie war damals eine von drei Frauen die mit einem LKW in Wien fuhren. Zu dieser Zeit war es für eine Frau weitaus schwieriger als heute, eine Familie mit drei Kindern und Geschäft auf einen Nenner zu bringen. Trotzdem wurde im Jahr 1959 ein Steinbruch im Waldviertel gekauft und so lernte Hertha Dopplinger die Bauern aus der Umgebung und ihre Produkte kennen. Obwohl es sehr viele Bedenken gab, konnte Hertha Dopplinger die Waldviertler Bauern überzeugen, die Produkte in Wien zu verkaufen und ab 1983 gab es im Fuhrmannhaus den ersten Bauernmarkt. Da die Stallungen in ihrer eigentlichen Funktion keine Verwendung hatten, wurden sie in Lager, Büro- und Verkaufsraum umgewidmet.

Das Fuhrmannhaus hatte durch Erbschaften mehrere Eigentümer, was nicht von Vorteil für das historische Haus war, da es durch verschiedene Ansichten über die Nutzung und immer wieder notwendigen Reparaturen zu Diskrepanzen zwischen den Eigentümern kam. Daher war es von Hertha Dopplinger und ihrem Mann das Bestreben, die anderen Eigentümer auszuzahlen und alleinige Eigentümer des Fuhrmannhauses zu werden, dies gelang ihnen jedoch erst nach einen jahrelangen zähen Kampf. Danach wurde der geschichtsträchtige Gebäudekomplex saniert und vor ca 33 Jahren entdeckte das Bundesdenkmalamt die historischen Fresken im Freskensaal, sie waren übermalen und wurden in mehreren Etappen freigelegt, sie sind heute in voller Schönheit zu bewundern. Weiters ist eine historische Marienstatue im Eingang zum Innenhof und ein Kotter mit kleinem Fenster zu besichtigen.
Das historische Haus ist heute im Besitz von Rosina Kahofer, der Tochter von Hertha Dopplinger.

Im Fuhrmannhaus befinden sich mehrere Betriebe und Wohnungen, der bekannteste Betrieb ist die Weinschenke, die sehr vielfältige Veranstaltungen anbietet und natürlich typische Wiener Hausmannskost. Jeden Mittwoch von 9.00 – 13.00 Uhr bietet der Markttag köstliche Schmankerln an, weiters gibt es einen Bauernmarkt mit Kunst und Handwerk, einen Flohmarkt und einen Christkindlmarkt mit Christbaumverkauf.

Die genauen Zeiten sind im Terminkalender zu finden.

Adresse

Linzer Straße 404, 1140 Wien

Wiener Linien: Linie 49 bis Rosentalgasse

Öffi-App

Weblinks
http://www.bauernmarkt-fuhrmannhaus.com/index.html

http://www.fuhrmannhaus.at/

sisi-kapelle,am himmel,freiherr von sothen

Sisi-Kapelle

die eigentlich Elisabethkapelle heißt

ist eine Waldkapelle im neugotischen Stil im und befindet sich auf dem Pfaffenberg „am Himmel“ in der Nähe des Cobenzl und der Bellevuehöhe.

Johann Carl Freiherr von Sothen gab die Kapelle anläßlich der Hochzeit des Kaisers Franz Joseph I. mit Elisabeth, Herzogin von Bayern im Jahre 1854 in Auftrag und sie diente der Huldigung des frisch vermählten Kaiserpaares, weiers war sie auch als Grabstätte für den Freiherr von Sothen und seiner Gattin Franziska gedacht. Da Kaiserin Elisabeth im Volksmund „Sisi“ genannt wurde, hieß die Elisabethkapelle sehr rasch Sisi-Kapelle.

Sie wurde nach Plänen von Johann Garben und Stadtbaumeister Josef Kastan errichtet, sie war damals ein absolutes Novum, da es in Wien bis dahin keine neugotischen Gebäude gab. Weitere architektonische Werke des Johann Garben sind der Kursalon im Wiener Stadtpark, das Gittertor für den Wiener Stadtpark und etliche Miethäuser im ersten und neunten Wiener Bezirk.

Wer war Johann Carl Freiherr von Sothen?

Er war ein sehr widersprüchlicher Mensch, da er einerseits als Wohltäter bekannt war, aber andererseits seine Bediensteten ausbeutete. Er besaß einen kleinen Laden im ersten Bezirk, in dem er Lose verkaufte und mit dem von ihm in Wien eingeführten, fragwürdigen Promessenspielen Millionen verdiente.
Auszug: Allgemeine Zeitung, J.G. Cotta’schen, Buchhandlung 1838
„Dieses Promessenspiel, oder das Verheuern und Vermiethen von Staatsanlehens -Loosen ist vielmehr, weil es zu den gröbsten Betrügereien Gelegenheit und Veranlassung gibt“.

Nach dem Bau der Sisikapelle protzte er damit, das durch seine Stiftung 15.000 Jahre lang Messen für sein Seelenheil gelesen werden könnten. Solche Angeber kennen wir auch heute, diese Typen sterben wohl nie aus.

Johann Carl Freiherr von Sothen starb keinen friedlichen Tod, er wurde 1881 von seinem Förster erschossen und in der Sisi-Kapelle beigesetzt. Seine Ehefrau, Franziska Freiin von Sothen starb 1903 und wurde neben ihm beigesetzt.

die Geschichte der Sisi-Kapelle

Im Jahr 1911 erbte der Nonnenorden “Zum armen Kinde Jesu” den Familienbesitz der von Sothens und renovierte anschließend die Elisabethkapelle. Im 2. Weltkrieg wurde auch die Sisikapelle schwer beschädigt und war dann jahrzehntelang dem Verfall preisgegeben.
Im Jahr 1975 entging dieses Juwel nur knapp dem Abriss, in dieser Zeit und in den Jahren zuvor war man nicht sehr zimperlich beim demolieren und abreißen historischer Gebäude, um dann so profane Architektur, wie z.B. die von Carl Appel, hinzuklotzen.

Tatsächlich rettete nur der Beschluss des Bundesdenkmalamtes die Sisi-Kapelle 1975 vor dem Abbruch, da jedoch etliche Rettungsversuche am nötigen Geld scheiterten, verfiel das Gebäude immer mehr und Vandalen trugen das ihre dazu bei, bis es fast zu gänzlichen Zerstörung kam. Die einzige Maßnahme war die Zumauerung des Eingangs und der Fenster.

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Die sakralen Einrichtungsgegenstände waren längst „verschwunden“ bzw. in Sicherheit gebracht worden. Das bemerkenswerte Altarbild von Leopold Kupelwieser („Maria als Himmelskönigin mit drei Heiligen“) wurde bereits zu Kriegsbeginn in Sicherheit gebracht, es ist heute restauriert und befindet sich im Wiener Diözesanmuseum.

Rettung fünf Minuten vor zwölf

Der gemeinnützige Verein „Kuratorium Wald“ erwirbt 2002 das Gebäude sowie das Grundstück und stellte sich bis zum 150. Geburtstag der Kapelle das Ziel, das dieses neugotische Juwel komplett saniert wird und rein äußerlich den strengen Maßstäben der Denkmalschützer entspricht. Der Wiener Altstadtsanierungsfonds stellte dafür 475.000 Euro bei, die restlichen 300.000 Euro kamen über eine organisierte Spendenaktion des „Kuratorium“, die von vielen Firmen und privaten Spendern unterstützt wurde.
Die sterblichen Überreste der von Sothens wurden 2003 in der neugebauten Gruft an der Südseite der Sisi-Kapelle beigesetzt.

Die Restaurierung wurde mit viel Liebe und detaillierter Kleinarbeit umgesetzt und am 8. Juli 2006 wurde die Sisikapelle in neuer Konzeption mit der Auftragskomposition “Kryptomnesie” von O.M. Zykan in der Lichtinszenierung von Hans Hoffer feierlich eröffnet.

Innen erinnert fast nichts mehr an den ursprünglichen sakralen Zweck der Elisabeth-Kapelle, sie ist jetzt ein Ort an dem sich Natur und Kunst durchdringen sollen. Ein “Kreuzweg der Natur” wird auf vierzehn in die Wand eingelassenen Flachbildschirmen gezeigt.

Die Sisi-Kapelle steht für eine Vielzahl an kulturellen oder privaten Verwendungen wie Konzerte, Lesungen, Firmen- und Privatfeiern, Hochzeiten, Seminare uvm. zur Verfügung, sie ist auch technisch sehr gut mit einer Multisoundanlage (Innen- und Außenbeschallung), 14 Flatscreens, Ledscheinwerfer und optionaler Breitband-Internetanschluss ausgestattet.

Ein Sommerfest oder eine Trauung in der Sisi-Kapelle, die mitten im schönen Wienerwald steht, und dem angrenzende Café Restaurant Oktogon am Himmel zu veranstalten bzw. zu vollziehen ist doch eine sehr schöne und romantische Idee, findet ihr nicht auch?

Adresse
1190 Wien, Himmelstraße Ecke Höhenstraße

Wiener Linien: 38A bis zum Cobenzl

Öffi-App

Öffnungszeiten Oktogon und Kontakt
ganzjährig geöffnet
März bis Oktober:
Mittwoch bis Freitag: 12.00 bis 22.00 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag: 11.00 bis 22.00 Uhr
Montag, Dienstag Ruhetag

November bis Februar:
Donnerstag, Freitag: 12.00 bis 22.00 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag: 11.00 bis 22.00 Uhr
Montag, Dienstag, Mittwoch Ruhetag
Küche durchgehend bis 20.30 Uhr

himmel@himmel.at

Weblinks

https://www.falter.at/web/ffiw/detail.php?id=4396

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtleben/301385_Von-der-Ruine-zum-Kleinod-Sisi-Kapelle-am-Himmel.html

http://www.himmel.at

http://www.himmel.at/sisi-kapelle/

http://www.himmel.at/oktogon/cafe-restaurant/

villa-vojcsik-front

Villa Vojcsik

Secessionistische Architektur von Otto Schönthal

Die Villa Vojcsik wurde 1901 in Hütteldorf, das damals ein Teil des 13. Bezirks Hietzing war, von dem 23 jährigen Otto Schönthal im secessionistischen Stil für Dr. Ladislaus Vojcsik entworfen, dieser war der Hausarzt Otto Wagners.

Otto Schönthal besuchte die Meisterschule Otto Wagners und war nach Abschluss des Studiums einige Jahre im Atelier von Wagner tätig und an Projekten wie der prominenten Kirche am Steinhof und dem Baujuwel der Wiener Moderne, der Postsparkassa, tätig.

Die Villa Vojcsik wurde 2005 nach historischen Fotos restauriert und fehlende Fassadenstrukturen wurden ersetzt, diese Villa ist ein positives Beispiel für eine behutsame Restaurierung, diese sollte öfters bei den vielen historischen Gebäuden in Wien angewendet werden.

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Beim Anblick der prächtigen Villa fällt mir die zweite (kleine) Villa Wagner in der Hüttelberstrasse ein, die eine gewisse Ähnlickeit mit der Villa Vojcsik aufweist. Das architektonische Prachstück ist eines der wenigen realisierten Objekte der couragierten Entwürfe der Wagnerschule um.

Das Haus befindet sich in 1140 Wien und ist noch heute im Besitz der Familie Vojcsik.

Adresse

Linzer Straße 375, 1140 Wien

Wiener Linien: Linie 49 oder 47 B bis Bahnhofstraße

Öffi-App

Villa Vojcsik auf Google Maps

ruedigerhof,wien,jugendstil

Ruedigerhof

Eines der schönsten Jugenstilhäuser

Jugendstil Architektur findet sich in fast allen Wiener Bezirken, ein kompaktes Viertel gibt es in Wien nicht. Es hat den Vorteil, das fast jeder Bezirk einige Jugendstil Prunkstücke aufweisen kann, daher erlebt der Wien-Besucher auch ausserhalb der City so manche Überraschung.


Einer der schönsten Jugendstil Bauten wurde von Oskar Marmorek 1902 in der Hamburgerstrasse 20 erbaut und ist als Rüdigerhof bekannt. Das heute unter Denkmalschutz stehende Haus wurde inzwischen prachtvoll restauriert, der in Weiß, Blau und Gold gehaltene Baukörper und die verschiedene Putzformen, wie etwa ein Wellenputz im Sockelbereich beeindrucken ebenso, wie das auf der Höhe eines Halbstocks befindliche Kaffeehaus.

Im Rüdigerhof wohnte der überaus beliebte Operettensänger und Operettenbuffo, Kabarettist und Komponist Ernst Arnold.

Dem Architekt Oskar Marmorek verdankt Wien etliche beachtliche Bauten, wie z. B. den Nestroyhof am Nestroyplatz 1, die Wohnhäuser Lindengasse 4 oder Windmühlgasse Nr30 und 32. Er gestaltete zahlreiche große Ausstellungen im Prater, wie die berühmte Schau „Venedig in Wien“, die am 18. Mai 1895 im Wiener Prater eröffnet wurde.

Wie schon oben geschrieben, ist es für mich eines der schönsten Jugendstilhäuser in Wien.

Café Rüdigerhof


Die Einrichtung des Kaffeehauses ist ein gelungener Mix aus Jugendstil und 50er Jahre, was den  Charme dieses Kaffehauses ausmacht. Teilweise ist die Originaleinrichtung noch erhalten.

Sehr originell finde ich die außen gepolsterten Toilettentüren und die Telefonkabine aus den 50ern. Der Gastgarten zählt zu einen der schönsten in Wien, mit Blick auf die rechte und linke Wienzeile, Wienfluss und dem prachtvollen Jugendstilhaus.

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Seit den 50er Jahren befindet sich das Café Rüdigerhof im Besitz der Fam. Halper, es wurde vor ca 3 Jahren restauriert und erstrahlt wieder in voller Pracht.

Das Café weist eine Besonderheit auf, im Gastgarten können laue Sommernächte bis 2h genossen werden, das ist sicher einmalig in Wien.

Adresse

Hamburgerstrasse 20, 1050 Wien

Wiener Linien: U4 bis Kettenbrückengasse

Öffi-App

Literatur

Unbekanntes Wien: Verborgene Schönheit. Schimmernde Pracht, Wien 2010, ISBN 978-3854315131