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Elise Richter

Romanistin und Universitätsprofessorin

ist einer der herausragenden Persönlichkeiten der österreichischen Frauengeschichte, die nicht nur als Frau mit Vorurteilen zu kämpfen hatte, sondern auch durch NS-Repressalien auf Grund ihrer jüdischen Wurzeln an ihren wissenschaftlichen Tätigkeiten gehindert wurde.

Elise Richter wurde am 2. März 1865 in einen großbürgerlichen Wiener Haushalt einer assimilierten jüdischen Familie geboren, sie konvertierte später zum Protestantismus.

Sie war die erste Frau in der k. k. Monarchie, die 1897 die Matura (Reifeprüfung) am Akademischen Gymnasium in Wien absolvierte und im folgenden Wintersemester die Studienfächer Romanistik, Sprachwissenschaft, Klassische Philologie und Germanistik an der Wiener Universität aufnahm. Elise Richter war eine der ersten drei ordentlichen Hörerinnen und promovierte 1901 als dritte Frau, aber als erste „sub auspiciis“ ( Die Promotion sub auspiciis praesidentis ist eine spezifisch österreichische Form der Auszeichnung hervorragender Studienleistungen) zum Doktor der Philosophie, 1905 war sie die ersthabilitierte Frau im deutschsprachigen Raum und die erste Frau, der an einer österreichischen oder deutschen Universität die Lehrberechtigung erteilt wurde.

Ihre Lehrbefugnis wurde verzögert, da die zuständigen Herren und Minister Bedenken wegen einer negativen öffentlichen Reaktion hatten, im August 1907 war es dann doch soweit, Elise Richter wurde als unbezahlte Privatdozentin zugelassen.
Im Jahr 1921 war sie wiederum die erste Frau, die den Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors vom Bundespräsidenten erhielt, allerdings ohne Funktion und Bezüge, 1927 erhielt sie einen zweistündigen bezahlten Lehrauftrag über „Allgemeine romanische Sprachwissenschaft“ und über „romanische bzw. französische Phonetik“ auf Grund ihrer persönlichen wissenschaftlichen Verdienste. Dieser Lehrauftrag war jeweils auf drei Jahre befristet und dieser mußte stets erneut beantragt werden, diese Bewilligung wurde bis 1938 erteilt und dann wurde sie als Jüdin von der Universität verwiesen.

die Wiener Universität und die Akzeptanz der ersten weiblichen Professorin

Die Romanisten Emil Winkler und Karl von Ettmayer beantragten für Elise Richter eine ordentliche Professur, aber auf Grund der Widerstände des Professorenverbandes, wie etwa wegen ihrer Kritik an der „Fremdwortkunde“ aus dem Jahr 1919 und ihrem Artikel vom 1. und 6. März 1923 in der „Neuen Freien Presse“ zu „Rasse, Volk, Nation“, sie schrieb: „Was ein ‚Volk ausmacht, ist die von gemeinsamer Sprache getragene gemeinsame Überlieferung gleicher Kultur und gleicher Schicksale in der Vergangenheit und die Verfolgung gleicher politischer und wirtschaftlicher Ziele für die Zukunft. Menschen, die die gleiche Sprache sprechen und ihr Leben in gleicher Weise in den Dienst der gleichen staatlichen und kulturellen Interessen stellen, die sind ein Volk. Volkszugehörig sind die auf dem tatsächlichen oder doch wenigstens auf dem ideellen Boden der Heimat Aufgewachsenen, die, großgezogen in den Kulturvoraussetzungen dieser Heimat und ihre äußeren Geschicke teilend, das Gefühl der Zugehörigkeit zu dieser Heimat mit allen daraus erwachsenden Pflichten und gegebenenfalls zu bringenden Opfern im Vordergrund ihres Bewusstseins tragen“, wurde der Antrag nicht beachtet. Der Romanist und Historiker Frank-Rutger Hausmann: „Elise Richter hatte das erreicht, was eine Frau in der männerbeherrschten akademischen Welt überhaupt erreichen konnte, und noch mehr als das. Selbst Feinde des Frauenstudiums mußten ihre wissenschaftliche Könnerschaft anerkennen.“
An der Universität vertrat sie aus taktischen Gründen eine traditionelle Position zu den Themen Gleichberechtigung, Frauenemanzipation und Mädchenerziehung, die nicht mit ihrer privaten Meinung ident war, sie sagte: „Als Frauenrechtlerin konnte ich meinen Weg in der Universität nicht machen, ich musste nicht nur meine Kraft auf die Arbeit richten, sondern auch den Schein des Frauenrechtlertums vermeiden.“
Elise Richter war von 1922 bis 1930 Vorsitzende in dem von ihr gegründeten Verband der Österreichischen Akademikerinnen, sie engagierte sich mit ihrer beruflichen und gesellschaftspolitischen Funktion für ein selbstbewußtes Auftreten der Frauen und dachte auch an die Gründung einer Frauenpartei.
Ihre Rolle an der Universität als Frau und Wissenschaftlerin war ein schwieriger Balanceakt, sie wurde in ihrer Lehrtätigkeit als angepasst,sachlich und schüchtern beschrieben, in ihrem privaten Leben war sie jedoch eine selbstbewußte, politisch engagierte und kulturell interessierte Frau. Politisch war sie bis 1927 in der Bürgerlich-Demokratischen Arbeiterpartei tätig.
Der Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich verschlechterte ihre Lebensbedingungen, der Antrag auf die Bewilligung eines Ruhegenusses wurde abgelehnt und die Auszahlungen ihres Lehrauftragshonorars wurden eingestellt.

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Die Wissenschaftlerin Elisa Richter hatte die Leitung des phonetischen Instituts der Universität Wien inne, sie entdeckte den Einfluss psychologischer Vorgänge auf die Sprache. Sie arbeitete auf dem Gebiet der sprachwissenschaftlichem Gebiet wie Semantik, Syntax, Phonetik, Phonologie und Einbeziehung psychologischer Komponenten, sie stand in der Tradition der Wiener romanistischen Schule, sie bezog aber in ihre Publikationen auch kulturelle und gesellschaftliche Hintergründe mit ein und veröffentlichte um die 300 Publikationen.

menschenverachtendes System

In ihr Tagebuch trug sie am 8. März 1938 ein Gespräch mit ihrer Schwester Helene zur Rede Schuschniggs ein: „Sonntags Volksentscheid Schuschnigg in Innsbruck erklärt, er muss wissen, ob er das Volk hinter sich hat. Else es gehört, sehr schön, großer Jubel dort. Sehr aufregend. Vieleicht meine letzte Vorlesung. Helene auch aufgeregt. Wir müssen sterben. Ich: wir können. Besser als unfreiwillig irgendwie zu krepieren. Frage mich, ob mein Morphinvorrat für 2 reicht, sage natürlich nichts davon. Glaube nicht, dass mehr als 4 Millionen „ja“ herauskommen.“
Hier sind schon die Unsicherheit und Ängste über die nahende, schreckliche Zukunft zu lesen.
Der 73-jährigen Elise Richter wurde im April 1938 die Lehrbefugnis an der philosophischen Fakultät wiederrufen, die angekündigte Vorlesung zur „Lautpsychologie“ wurde daher auch gestrichen und das betreten des Phonogrammarchivs wurde ihr verboten. Angesichts der vermehrten antisemitischen Sanktionen konnte sie ihre Arbeiten nur noch in den Niederlanden und in Italien veröffentlichen. Die beiden Richter-Schwestern hatten im Februar 1938 die Möglichkeit nach London zu emigrieren, doch anscheinend unterschätzten sie die Situation, wie so viele und blieben weiter in ihrem Haus in der Weimarer Straße 83. Ihre finanzielle Situation wurde immer misslicher, daher boten sie ihre 3.000 Bände umfangreiche Bibliothek der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln an, von dieser erhielten sie jedoch kein Geld. Im März 1942 mußten die zwei betagten Schwestern in das jüdische Altersheim, Seegasse 16 umziehen.
Was Elise Richter schon im Jahr 1938 geahnt hat, wurde fünf Jahre später zur noch schrecklicheren Realtiät, Elise und ihre ältere Schwester Helene Richter, die Privatgelehrte, bekannte Anglistin, Frauenrechtlerin, Theaterkritikerin und Schriftstellerin, wurden trotz ihres hohen Alters im Oktober 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, Elises Schwester Helene starb kurz danach im November 1942, Elise Richter verstarb am 21. Juni 1943.

Elise Richter wurde nach ihrem Tod mehrfach gewürdigt, wie etwa verpflichtende Lehrveranstaltungen zur Phonetik in den romanischen Sprachen, die Universität Wien hat es im Jahr 2005 geschafft, nach jahrhunderte langem Bestehen, eine anonymisierte Frauenbüste mit dem Gesicht von Elise Richter, sie ist repräsentativ für alle Frauen die an der Universität gewirkt haben, im Arkadenhof neben 154 Büsten männlicher Akademiker und einer einzigen! Gedenktafel einer Frau : Marie von Ebner-Eschenbach, zu platzieren. Allerdings war diese Büste nur temporär, während einer Ausstellung im Arkadenhof, zu sehen.
Im Hauptgebäuder am Universitätsring befindet sich im 1. Stock der Elise-Richter-Saal, im Institut für Romanistik befindet sich beim Eingang zum Stiegenaufgang eine Gedenktafel zu Ehren von Elise Richter.

In einer Zeit der patriachalischen männerdominierenden Welt und einer Universität mit nur männlichen Mitgliedern, gehörte sehr viel Mut und vorallem Ausdauer dazu denn vielen sexistischen Vorurteilen und der Ablehnung gegenüber Frauen standzuhalten. Im Jahr 2016 ist es zwar etwas besser, es studieren mehr Frauen als Männer, aber je höher die Funktion in einem Betrieb ist, umso weniger wird sie von Frauen belegt, das „Neandertalerdenken“ sitzt leider immer noch in einigen männlichen Gehirnen sehr fest.

Foto

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Literatur

Mitchell G. Ash,Wolfram Niess,Ramon Pils: Geisteswissenschaften Im Nationalsozialismus: Das Beispiel der Universitat Wien, 2010
ISBN: 3899715683

Waltraud Heindl-Langer: „Durch Erkenntnis zu Freiheit und Glück …“ Frauen an der Universität Wien, 1997
Universitätsbibliothek: http://bibliothek.univie.ac.at/

Verband der Akademikerinnen Österreichs: Elise Richter: Summe des Lebens Taschenbuch, (Autobiographie Elise Richter) 1997
ISBN-13: 978-2912626004

Weblinks

http://www.univie.ac.at/Geschichte/Neuverortung-Geschlechtergeschichte/cms/index.php?option=com_content&view=article&id=82%3Atagebcher-von-elise-richter-19381941-digitale-gesamtausgabe&catid=5%3Aprojekte&Itemid=5&lang=de

http://www.oeaw.ac.at/online-gedenkbuch/gedenkbuch/personen/q-z/elise-richter/

http://richterbibliothek.ub.uni-koeln.de/portal/home.html?l=de

Todesfallanzeige, Ghetto Theresienstadt http://109.123.214.108/de/document/DOCUMENT.ITI.18629

Jewish Wominas Archive http://jwa.org/encyclopedia/article/richter-elise

http://derstandard.at/1227287400094/Apropos-Elise-Richter

bertha von suttner,nobelpreisträgerin

Bertha von Suttner

eine Kassandra der Jahrhundertwende

Die Friedensaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Bertha Sophie Felicita Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau wurde am 9. Juni 1843 in Prag (damals Österreichisch-Ungarische Monarchie) geboren.

Als Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau gehörte sie zu einer aristokratischen Familie des Habsburgerreiches. Ihr Vater Franz Joseph Graf Kinsky von Chinic und Tettau war vor ihrer Geburt gestorben und gehörte als Mitglied der Familie Kinsky, eines der vornehmsten Geschlechter Böhmens, zur obersten Gesellschaftsschicht der Monarchie. Ihre Mutter war eine geborene von Körner und kam aus dem Bürgertum, daher wurde Bertha vom Hochadel nicht als eine der ihren akzeptiert. Zur Akzeptanz fehlten ihr mütterlicher und väterlicherseits insgesamt 16 Ahnen, um in der Ersten Wiener Gesellschaft Anerkennung zu finden. Ihre Kindheit verbrachte Bertha von Kinsky vorwiegend bei ihrem Vormund Friedrich Landgraf zu Fürstenberg in Brünn und wurde von Gouvernanten erzogen, die sie auch Französisch, Italienisch und Englisch lehrten.

Durch die Spielsucht der Mutter war deren Vermögen und das Erbe von 60.000 Gulden, das Bertha von Landgraf zu Fürstenberg, nach dessen Tod im Jahr 1866 erhalten hatte, aufgebraucht. Daher mußte sie mit 30 Jahren den einzigen Weg einschlagen der Frauen ihrer Gesellschaft offenstand: zu einer anderen Familie zu ziehen, um dort Arbeit zu finden. Daher bewarb sie sich 1873 im Schloß Harmannsdorf (Weinviertel) des Barons Carl von Suttner als Gouvernante und Gesellschafterin der vier Töchter. Bald darauf verliebten sich Bertha und Arthur Gundaccar von Suttner, dem Sohn des Barons Carl von Suttner, dieser war sieben Jahre jünger als Bertha, nach drei Jahren wurde diese Liason publik und Bertha von Suttner wurde nahe gelegt zu gehen.

Alfred Nobel

Karoline von Suttner unterstützte Bertha von Kinsky bei der Suche nach einer neuen Stellung und fand eine Zeitungsannonce: „ein sehr reicher, hoch gebildeter Herr, der in Paris lebt“ und „eine sprachenkundige Dame, gleichfalls gesetzten Alters, als Sekretärin und zur Oberaufsicht des Haushalts“ suchte. Bertha antwortete auf die Annonce des Alfred Nobel, sie erhielt eine positive Antwort und reiste nach Paris. Trotz der Sympathie für Alfred Nobel nahm sie die Stelle als Sekretärin nicht an, sondern blieb nur wenige Tage in Paris. Bertha zeigte sich sehr beeindruckt von seinem Idealismus und dem offenbar pazifistischen Ziel: er „möchte einen Stoff oder eine Maschine schaffen können von so fürchterlicher, massenhaft verheerender Wirkung, daß dadurch Kriege überhaupt unmöglich würden“ und scheint von den Gesprächen mit Alfred Nobel erstmals für die pazifistische Bewegung sensibilisiert worden zu sein.
Das Zusammentreffen mit Alfred Nobel, der sich bereits 1876 intensiv mit Fragen über Krieg und Frieden auseinandersetzte, hatte einen nachhaltigen Einfluss auf Bertha von Kinsky und es entstand ein lebenslanger, freundschaftlicher Briefwechsel und eine Verbundenheit bis zu dessen Tod im Jahr 1896.
Die Stiftung des Friedensnobelpreises dürfte von Bertha von Kinsky beeinflusst worden sein. Nobel war überzeugt, dass nicht „gute Wünsche“, sondern allein Abschreckung den Frieden sichern könne, leider hatte er sich geirrt. Das Geld für die Preise stammt aus dem Vermögen, das Nobel mit seinen vielen Erfindungen gemacht hat. Er befand: „Es sei für reiche Leute unstatthaft, ihr Vermögen den Verwandten zu hinterlassen. Angesammelte große Habe müsse an die Allgemeinheit und für allgemeine Zwecke zurückgehen“.

Hochzeit und Flucht

Ihre rasche Rückkehr nach Wien hatte mit ihrer Sehnsucht nach Arthur von Suttner zu tun und am 12. Juni 1876 fand in Gumpendorf die Trauung ohne der Zustimmung der Eltern Arthurs statt. Bertha von Suttner hatte seit längerer Zeit eine Einladung der Fürstin Ekaterina von Mingrelien, daher beschloss das Paar diese anzunehmen und in den Kaukasus zu reisen. Dort verbrachten die beiden neun Jahre und verdienten ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten. Bertha verfasste Artikel und Berichte für deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften und in weiterer Folge auch ihre ersten Romane.

In ihren ersten schriftstellerischen Arbeiten finden sich bereits Gedanken, die ihre spätere pazifistische Tätigkeit prägten. In ihrem Roman „Inventarium einer Seele“ setzte sich Bertha von Suttner mit ihrer damaligen Weltanschauung auseinander und schrieb: „dass der Friede ein Zustand sei, „welcher aus dem Fortgange der Kultur notwendig sich ergeben muß“. Im Kaukasus verfolgte Bertha von Suttner erstmals bewusst Kriegsereignisse, besonders die Ereignisse des russisch-türkischen Krieges in den Jahren 1877/78.

Rückkehr nach Österreich

Der Gedanke eines möglichen Krieges zwischen Russland und Österreich-Ungarn veranlasste 1885 das Ehepaar zur Heimreise nach Harmannsdorf. Bertha von Suttner wurde nunmehr von der Familie Arthurs akzeptiert.

Bei einem Aufenthalt des Ehepaares von Suttner in Paris im Winter 1886/87 kam es nach elf Jahren wieder zu einem Treffen mit Alfred Nobel. Die Suttners trafen in Paris weitere namhafte Persönlichkeiten, die für ihr pazifistisches Engagement von besonderer Bedeutung waren. In einem Gespräch mit Wilhelm Löwenthal hörte Bertha von Suttner erstmals von der Existenz einzelner kleiner Friedensbewegungen in Europa und das in London eine International Peace and Arbitration Association gegründet wurde und dies in allen Städten Europas geplant war. Wieder in Harmannsdorf angelangt, wollte sie der Friedensbewegung einen Dienst erweisen und einen Roman verfassen, der sich ganz den Idealen der Friedensbewegung widmen und eine öffentliche Wirkung erzielen sollte. Im Jahr 1888 erscheint ihr Buch „Das Maschinenzeitalter“, es ist eines der ersten Bücher die die Folgen von Rüstung und übertriebenem Nationalismus vorhersagt. Der Roman „Die Waffen nieder! Eine Lebensgeschichte“ verfehlte das Vorhaben der Autorin nicht, auch wenn mehrere Verlage eine Publikation auf Grund des Inhalts abgelehnt hatten. Der Roman erschien 1889, er begünstigte die Verbreitung des Friedensgedankens und unterstützte die Bekanntheit der internationalen Friedensbewegung vor dem Ersten Weltkrieg. Ihre Anklage gegen den um sich greifenden Militarismus und ihre Darstellung des Kriegsgemetzels, der Massengräber und Lazarette ist so real, daß es ein internationaler Bestseller wird und in 40 Sprachen übersetzt wird.
Der Bucherfolg bestätigte Bertha von Suttner sich für die Friedensarbeit weiter zu engagieren und er verbesserte die wirtschaftliche Lage des Ehepaares. Den Winter 1890/91 verbrachte Bertha von Suttner und wirkte dort gemeinsam mit den Pazifisten Beniamino Pandolfi und Felix Moscheles an der Gründung einer lokalen Friedensgesellschaft mit, diese war für sie Impuls und Vorbild für eine österreichische Friedensgesellschaft.

Die Österreichische Friedensgesellschaft

Bereits zwei Jahrzehnte vor Gründung der Österreichischen Friedensgesellschaft im Jahr 1891 plädierten die Parlamentarier Robert von Walterskirchen und Adolph Fischhof für die Schaffung eines internationalen Parlaments, das sich aus Parlamentariern der einzelnen europäischen Staaten konstituieren sollte und für eine allgemeine europäische Rüstungsbeschränkung, leider stießen sie auf keinerlei Resonanz.
Es kam schon damals das Thema eines vereinten Europa! zur Sprache und wir haben es nach über 120 jahren noch immer nicht geschafft…

Bertha von Suttner startete am 3. September 1891 in der Neuen Freien Presse einen Aufruf zur Gründung einer österreichischen Friedensgesellschaft, sie hatte damit eine derartige Resonanz, daß bereits am 29. September 1891 eine Vorversammlung in Wien, im Alten Rathaus in der Wipplingerstraße, einberufen werden konnte.

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Das Ziel der ÖFG und ihr offiziell unpolitischer Charakter hatte auf Grund der politischen Situation der Monarchie einen schwache Position: Nationalitätenkonflikte, Dominanz militärischer Denkweisen, eine starke aristokratische Elite, die Schwäche des Liberalismus und später die große Begeisterung für Krieg bildeten ein ungünstiges Umfeld für pazifistische Aktivitäten. Da die Polizei die Befugnis zur Auflösung von Gruppen hatte, die rechts – bzw. gesetzeswidrig oder staatsgefährdend handelten, standen pazifistische Organisationen unter ständiger Kontrolle. Der begrenzte Handlungsspielraum der ÖFG wird auch dadurch verdeutlicht, daß bereits die Nichtbefolgung oder Verleitung zur Nichtbefolgung eines Militäreinrückungsbefehles einen drastischen Verstoß gegen das österreichische Strafgesetz darstellten. Daher mußte die ÖFG subversive Aktionen gegen den Staat vermeiden, um nicht der Illegalität beschuldigt zu werden und eine Zwangsauflösung zu riskieren. Dies erklärt auch zum Teil, weshalb die Aktionen der ÖFG sich auf lange Sicht als wenig effektiv erwiesen. Ein anderer Grund für die Ineffektivität der ÖFG vor dem Ersten Weltkrieg liegt an der fehlenden Unterstützung durch politische Gruppierungen.
Alfred Hermann Fried wurde im Jahr 1891 auf die Österreichische Friedensgesellschaft aufmerksam und machte in seinem ersten Schreiben an Bertha von Suttner den Vorschlag, eine Monatszeitschrift zu veröffentlichen, „um der Friedensidee in Deutschland und Oesterreich die notwendige Verbreitung zu geben“. Die erste Ausgabe der Zeitschrift „Die Waffen nieder! Monatsschriftzur Förderung der Friedensidee“ erschien am 1. Februar 1892. Während ihres Bestehens, bis 1899, bildete die Zeitschrift ein bedeutendes Forum des Pazifismus im deutschsprachigen Raum.

die erste Frau die den Friedensnobelpreis erhielt

Um die Jahrhundertwende ist Bertha von Suttner eine sehr bekannte Persönlichkeit in der Friedensbewegung Europas. Im Jahr 1905 wurde ihr der Friedensnobelpreis als Anerkennung für ihren unermüdlichen Einsatz gegen einen industriell geführten Krieg überreicht, den sie immer wieder in weiser Voraussicht beschrieb: Alle Staaten zerstampft, alle Arbeit eingestellt, alle häuslichen Herde umgeworfen, nur e i n Schrei des Schmerzes von Grenze zu Grenze- Jedes Dorf eine Brandstätte, jede Stadt ein Trümmerhaufen, jedes Feld ein Leichenfeld, und noch immer tobt der Kampf: unter den Meereswellen schießen die Torpedoboote, um mächtige Dampfer in den Grund zu ziehen; in die Wolken steigen bewaffnete und bemannte Luftschiffe einer zweiten äronautischen Truppe entgegen, und aus tausend Meter Höhe schneien verstümmelte Krieger als blutende Flocken herab …“
In ihrer Nobelpreisrede sagt sie unter anderem: „Festungen werden gebaut, Unterseeboote fabriziert, ganze Strecken unterminiert, kriegstüchtige Luftschiffe probiert für das demnächstige Losschlagen“.
Ihre Warnungen und Prophezeiungen bleiben ungehört und Europa stürzt sich mit großer Begeisterung in den ersten Weltkrieg – mit verheerenden Folgen, dem ersten Giftgaseinsatz und über 17 Millionen Toten. Bertha von Suttner erlebt diese ungeheure Katastrophe nicht, sie stirbt am 21. Juni 1914 in Wien – zwei Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Sie war Zeit ihres Lebens mit der Geringschätzung der sie umgebenden Gesellschaft konfrontiert, es war die erste Wiener Gesellschaft und die Männergesellschaft die sie als Frau nicht Ernst nahm, daher ist diese Frau (und viele andere Frauen dieser Zeit) zu bewundern, da sie trotz aller Hindernisse unbeirrbar ihren Weg ging.

Foto

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Weblinks

http://www.peacemuseumvienna.com/

http://www.linksnet.de/de/artikel/19576

Literatur

Bertha von Suttner – Kämpferin für den Frieden von Brigitte Hamann , 2013
ISBN-13: 978-3850337557

Die Waffen nieder!: Eine Lebensgeschichte von Bertha von Suttner, 2012
ISBN-13: 978-3847270317

Bertha von Suttner: Memoiren von Bertha Von Suttner,2013
ISBN-13: 978-3863474447

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Elise Richter

Romanistin und Universitätsprofessorin

ist einer der herausragenden Persönlichkeiten der österreichischen Frauengeschichte, die nicht nur als Frau mit Vorurteilen zu kämpfen hatte, sondern auch durch NS-Repressalien auf Grund ihrer jüdischen Wurzeln an ihren wissenschaftlichen Tätigkeiten gehindert wurde.

Elise Richter wurde am 2. März 1865 in einen großbürgerlichen Wiener Haushalt einer assimilierten jüdischen Familie geboren, sie konvertierte später zum Protestantismus.

Sie war die erste Frau in der k. k. Monarchie, die 1897 die Matura (Reifeprüfung) am Akademischen Gymnasium in Wien absolvierte und im folgenden Wintersemester die Studienfächer Romanistik, Sprachwissenschaft, Klassische Philologie und Germanistik an der Wiener Universität aufnahm. Elise Richter war eine der ersten drei ordentlichen Hörerinnen und promovierte 1901 als dritte Frau, aber als erste „sub auspiciis“ ( Die Promotion sub auspiciis praesidentis ist eine spezifisch österreichische Form der Auszeichnung hervorragender Studienleistungen) zum Doktor der Philosophie, 1905 war sie die ersthabilitierte Frau im deutschsprachigen Raum und die erste Frau, der an einer österreichischen oder deutschen Universität die Lehrberechtigung erteilt wurde.

Ihre Lehrbefugnis wurde verzögert, da die zuständigen Herren und Minister Bedenken wegen einer negativen öffentlichen Reaktion hatten, im August 1907 war es dann doch soweit, Elise Richter wurde als unbezahlte Privatdozentin zugelassen.
Im Jahr 1921 war sie wiederum die erste Frau, die den Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors vom Bundespräsidenten erhielt, allerdings ohne Funktion und Bezüge, 1927 erhielt sie einen zweistündigen bezahlten Lehrauftrag über „Allgemeine romanische Sprachwissenschaft“ und über „romanische bzw. französische Phonetik“ auf Grund ihrer persönlichen wissenschaftlichen Verdienste. Dieser Lehrauftrag war jeweils auf drei Jahre befristet und dieser mußte stets erneut beantragt werden, diese Bewilligung wurde bis 1938 erteilt und dann wurde sie als Jüdin von der Universität verwiesen.

die Wiener Universität und die Akzeptanz der ersten weiblichen Professorin

Die Romanisten Emil Winkler und Karl von Ettmayer beantragten für Elise Richter eine ordentliche Professur, aber auf Grund der Widerstände des Professorenverbandes, wie etwa wegen ihrer Kritik an der „Fremdwortkunde“ aus dem Jahr 1919 und ihrem Artikel vom 1. und 6. März 1923 in der „Neuen Freien Presse“ zu „Rasse, Volk, Nation“, sie schrieb: „Was ein ‚Volk ausmacht, ist die von gemeinsamer Sprache getragene gemeinsame Überlieferung gleicher Kultur und gleicher Schicksale in der Vergangenheit und die Verfolgung gleicher politischer und wirtschaftlicher Ziele für die Zukunft. Menschen, die die gleiche Sprache sprechen und ihr Leben in gleicher Weise in den Dienst der gleichen staatlichen und kulturellen Interessen stellen, die sind ein Volk. Volkszugehörig sind die auf dem tatsächlichen oder doch wenigstens auf dem ideellen Boden der Heimat Aufgewachsenen, die, großgezogen in den Kulturvoraussetzungen dieser Heimat und ihre äußeren Geschicke teilend, das Gefühl der Zugehörigkeit zu dieser Heimat mit allen daraus erwachsenden Pflichten und gegebenenfalls zu bringenden Opfern im Vordergrund ihres Bewusstseins tragen“, wurde der Antrag nicht beachtet. Der Romanist und Historiker Frank-Rutger Hausmann: „Elise Richter hatte das erreicht, was eine Frau in der männerbeherrschten akademischen Welt überhaupt erreichen konnte, und noch mehr als das. Selbst Feinde des Frauenstudiums mußten ihre wissenschaftliche Könnerschaft anerkennen.“
An der Universität vertrat sie aus taktischen Gründen eine traditionelle Position zu den Themen Gleichberechtigung, Frauenemanzipation und Mädchenerziehung, die nicht mit ihrer privaten Meinung ident war, sie sagte: „Als Frauenrechtlerin konnte ich meinen Weg in der Universität nicht machen, ich musste nicht nur meine Kraft auf die Arbeit richten, sondern auch den Schein des Frauenrechtlertums vermeiden.“
Elise Richter war von 1922 bis 1930 Vorsitzende in dem von ihr gegründeten Verband der Österreichischen Akademikerinnen, sie engagierte sich mit ihrer beruflichen und gesellschaftspolitischen Funktion für ein selbstbewußtes Auftreten der Frauen und dachte auch an die Gründung einer Frauenpartei.
Ihre Rolle an der Universität als Frau und Wissenschaftlerin war ein schwieriger Balanceakt, sie wurde in ihrer Lehrtätigkeit als angepasst,sachlich und schüchtern beschrieben, in ihrem privaten Leben war sie jedoch eine selbstbewußte, politisch engagierte und kulturell interessierte Frau. Politisch war sie bis 1927 in der Bürgerlich-Demokratischen Arbeiterpartei tätig.
Der Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich verschlechterte ihre Lebensbedingungen, der Antrag auf die Bewilligung eines Ruhegenusses wurde abgelehnt und die Auszahlungen ihres Lehrauftragshonorars wurden eingestellt.

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Die Wissenschaftlerin Elisa Richter hatte die Leitung des phonetischen Instituts der Universität Wien inne, sie entdeckte den Einfluss psychologischer Vorgänge auf die Sprache. Sie arbeitete auf dem Gebiet der sprachwissenschaftlichem Gebiet wie Semantik, Syntax, Phonetik, Phonologie und Einbeziehung psychologischer Komponenten, sie stand in der Tradition der Wiener romanistischen Schule, sie bezog aber in ihre Publikationen auch kulturelle und gesellschaftliche Hintergründe mit ein und veröffentlichte um die 300 Publikationen.

menschenverachtendes System

In ihr Tagebuch trug sie am 8. März 1938 ein Gespräch mit ihrer Schwester Helene zur Rede Schuschniggs ein: „Sonntags Volksentscheid Schuschnigg in Innsbruck erklärt, er muss wissen, ob er das Volk hinter sich hat. Else es gehört, sehr schön, großer Jubel dort. Sehr aufregend. Vieleicht meine letzte Vorlesung. Helene auch aufgeregt. Wir müssen sterben. Ich: wir können. Besser als unfreiwillig irgendwie zu krepieren. Frage mich, ob mein Morphinvorrat für 2 reicht, sage natürlich nichts davon. Glaube nicht, dass mehr als 4 Millionen „ja“ herauskommen.“
Hier sind schon die Unsicherheit und Ängste über die nahende, schreckliche Zukunft zu lesen.
Der 73-jährigen Elise Richter wurde im April 1938 die Lehrbefugnis an der philosophischen Fakultät wiederrufen, die angekündigte Vorlesung zur „Lautpsychologie“ wurde daher auch gestrichen und das betreten des Phonogrammarchivs wurde ihr verboten. Angesichts der vermehrten antisemitischen Sanktionen konnte sie ihre Arbeiten nur noch in den Niederlanden und in Italien veröffentlichen. Die beiden Richter-Schwestern hatten im Februar 1938 die Möglichkeit nach London zu emigrieren, doch anscheinend unterschätzten sie die Situation, wie so viele und blieben weiter in ihrem Haus in der Weimarer Straße 83. Ihre finanzielle Situation wurde immer misslicher, daher boten sie ihre 3.000 Bände umfangreiche Bibliothek der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln an, von dieser erhielten sie jedoch kein Geld. Im März 1942 mußten die zwei betagten Schwestern in das jüdische Altersheim, Seegasse 16 umziehen.
Was Elise Richter schon im Jahr 1938 geahnt hat, wurde fünf Jahre später zur noch schrecklicheren Realtiät, Elise und ihre ältere Schwester Helene Richter, die Privatgelehrte, bekannte Anglistin, Frauenrechtlerin, Theaterkritikerin und Schriftstellerin, wurden trotz ihres hohen Alters im Oktober 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, Elises Schwester Helene starb kurz danach im November 1942, Elise Richter verstarb am 21. Juni 1943.

Elise Richter wurde nach ihrem Tod mehrfach gewürdigt, wie etwa verpflichtende Lehrveranstaltungen zur Phonetik in den romanischen Sprachen, die Universität Wien hat es im Jahr 2005 geschafft, nach jahrhunderte langem Bestehen, eine anonymisierte Frauenbüste mit dem Gesicht von Elise Richter, sie ist repräsentativ für alle Frauen die an der Universität gewirkt haben, im Arkadenhof neben 154 Büsten männlicher Akademiker und einer einzigen! Gedenktafel einer Frau : Marie von Ebner-Eschenbach, zu platzieren. Allerdings war diese Büste nur temporär, während einer Ausstellung im Arkadenhof, zu sehen.
Im Hauptgebäuder am Universitätsring befindet sich im 1. Stock der Elise-Richter-Saal, im Institut für Romanistik befindet sich beim Eingang zum Stiegenaufgang eine Gedenktafel zu Ehren von Elise Richter.

In einer Zeit der patriachalischen männerdominierenden Welt und einer Universität mit nur männlichen Mitgliedern, gehörte sehr viel Mut und vorallem Ausdauer dazu denn vielen sexistischen Vorurteilen und der Ablehnung gegenüber Frauen standzuhalten. Im Jahr 2016 ist es zwar etwas besser, es studieren mehr Frauen als Männer, aber je höher die Funktion in einem Betrieb ist, umso weniger wird sie von Frauen belegt, das „Neandertalerdenken“ sitzt leider immer noch in einigen männlichen Gehirnen sehr fest.

Foto

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Literatur

Mitchell G. Ash,Wolfram Niess,Ramon Pils: Geisteswissenschaften Im Nationalsozialismus: Das Beispiel der Universitat Wien, 2010
ISBN: 3899715683

Waltraud Heindl-Langer: „Durch Erkenntnis zu Freiheit und Glück …“ Frauen an der Universität Wien, 1997
Universitätsbibliothek: http://bibliothek.univie.ac.at/

Verband der Akademikerinnen Österreichs: Elise Richter: Summe des Lebens Taschenbuch, (Autobiographie Elise Richter) 1997
ISBN-13: 978-2912626004

Weblinks

http://www.univie.ac.at/Geschichte/Neuverortung-Geschlechtergeschichte/cms/index.php?option=com_content&view=article&id=82%3Atagebcher-von-elise-richter-19381941-digitale-gesamtausgabe&catid=5%3Aprojekte&Itemid=5&lang=de

http://www.oeaw.ac.at/online-gedenkbuch/gedenkbuch/personen/q-z/elise-richter/

http://richterbibliothek.ub.uni-koeln.de/portal/home.html?l=de

Todesfallanzeige, Ghetto Theresienstadt http://109.123.214.108/de/document/DOCUMENT.ITI.18629

Jewish Wominas Archive http://jwa.org/encyclopedia/article/richter-elise

http://derstandard.at/1227287400094/Apropos-Elise-Richter

bertha von suttner,nobelpreisträgerin

Bertha von Suttner

eine Kassandra der Jahrhundertwende

Die Friedensaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Bertha Sophie Felicita Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau wurde am 9. Juni 1843 in Prag (damals Österreichisch-Ungarische Monarchie) geboren.

Als Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau gehörte sie zu einer aristokratischen Familie des Habsburgerreiches. Ihr Vater Franz Joseph Graf Kinsky von Chinic und Tettau war vor ihrer Geburt gestorben und gehörte als Mitglied der Familie Kinsky, eines der vornehmsten Geschlechter Böhmens, zur obersten Gesellschaftsschicht der Monarchie. Ihre Mutter war eine geborene von Körner und kam aus dem Bürgertum, daher wurde Bertha vom Hochadel nicht als eine der ihren akzeptiert. Zur Akzeptanz fehlten ihr mütterlicher und väterlicherseits insgesamt 16 Ahnen, um in der Ersten Wiener Gesellschaft Anerkennung zu finden. Ihre Kindheit verbrachte Bertha von Kinsky vorwiegend bei ihrem Vormund Friedrich Landgraf zu Fürstenberg in Brünn und wurde von Gouvernanten erzogen, die sie auch Französisch, Italienisch und Englisch lehrten.

Durch die Spielsucht der Mutter war deren Vermögen und das Erbe von 60.000 Gulden, das Bertha von Landgraf zu Fürstenberg, nach dessen Tod im Jahr 1866 erhalten hatte, aufgebraucht. Daher mußte sie mit 30 Jahren den einzigen Weg einschlagen der Frauen ihrer Gesellschaft offenstand: zu einer anderen Familie zu ziehen, um dort Arbeit zu finden. Daher bewarb sie sich 1873 im Schloß Harmannsdorf (Weinviertel) des Barons Carl von Suttner als Gouvernante und Gesellschafterin der vier Töchter. Bald darauf verliebten sich Bertha und Arthur Gundaccar von Suttner, dem Sohn des Barons Carl von Suttner, dieser war sieben Jahre jünger als Bertha, nach drei Jahren wurde diese Liason publik und Bertha von Suttner wurde nahe gelegt zu gehen.

Alfred Nobel

Karoline von Suttner unterstützte Bertha von Kinsky bei der Suche nach einer neuen Stellung und fand eine Zeitungsannonce: „ein sehr reicher, hoch gebildeter Herr, der in Paris lebt“ und „eine sprachenkundige Dame, gleichfalls gesetzten Alters, als Sekretärin und zur Oberaufsicht des Haushalts“ suchte. Bertha antwortete auf die Annonce des Alfred Nobel, sie erhielt eine positive Antwort und reiste nach Paris. Trotz der Sympathie für Alfred Nobel nahm sie die Stelle als Sekretärin nicht an, sondern blieb nur wenige Tage in Paris. Bertha zeigte sich sehr beeindruckt von seinem Idealismus und dem offenbar pazifistischen Ziel: er „möchte einen Stoff oder eine Maschine schaffen können von so fürchterlicher, massenhaft verheerender Wirkung, daß dadurch Kriege überhaupt unmöglich würden“ und scheint von den Gesprächen mit Alfred Nobel erstmals für die pazifistische Bewegung sensibilisiert worden zu sein.
Das Zusammentreffen mit Alfred Nobel, der sich bereits 1876 intensiv mit Fragen über Krieg und Frieden auseinandersetzte, hatte einen nachhaltigen Einfluss auf Bertha von Kinsky und es entstand ein lebenslanger, freundschaftlicher Briefwechsel und eine Verbundenheit bis zu dessen Tod im Jahr 1896.
Die Stiftung des Friedensnobelpreises dürfte von Bertha von Kinsky beeinflusst worden sein. Nobel war überzeugt, dass nicht „gute Wünsche“, sondern allein Abschreckung den Frieden sichern könne, leider hatte er sich geirrt. Das Geld für die Preise stammt aus dem Vermögen, das Nobel mit seinen vielen Erfindungen gemacht hat. Er befand: „Es sei für reiche Leute unstatthaft, ihr Vermögen den Verwandten zu hinterlassen. Angesammelte große Habe müsse an die Allgemeinheit und für allgemeine Zwecke zurückgehen“.

Hochzeit und Flucht

Ihre rasche Rückkehr nach Wien hatte mit ihrer Sehnsucht nach Arthur von Suttner zu tun und am 12. Juni 1876 fand in Gumpendorf die Trauung ohne der Zustimmung der Eltern Arthurs statt. Bertha von Suttner hatte seit längerer Zeit eine Einladung der Fürstin Ekaterina von Mingrelien, daher beschloss das Paar diese anzunehmen und in den Kaukasus zu reisen. Dort verbrachten die beiden neun Jahre und verdienten ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten. Bertha verfasste Artikel und Berichte für deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften und in weiterer Folge auch ihre ersten Romane.

In ihren ersten schriftstellerischen Arbeiten finden sich bereits Gedanken, die ihre spätere pazifistische Tätigkeit prägten. In ihrem Roman „Inventarium einer Seele“ setzte sich Bertha von Suttner mit ihrer damaligen Weltanschauung auseinander und schrieb: „dass der Friede ein Zustand sei, „welcher aus dem Fortgange der Kultur notwendig sich ergeben muß“. Im Kaukasus verfolgte Bertha von Suttner erstmals bewusst Kriegsereignisse, besonders die Ereignisse des russisch-türkischen Krieges in den Jahren 1877/78.

Rückkehr nach Österreich

Der Gedanke eines möglichen Krieges zwischen Russland und Österreich-Ungarn veranlasste 1885 das Ehepaar zur Heimreise nach Harmannsdorf. Bertha von Suttner wurde nunmehr von der Familie Arthurs akzeptiert.

Bei einem Aufenthalt des Ehepaares von Suttner in Paris im Winter 1886/87 kam es nach elf Jahren wieder zu einem Treffen mit Alfred Nobel. Die Suttners trafen in Paris weitere namhafte Persönlichkeiten, die für ihr pazifistisches Engagement von besonderer Bedeutung waren. In einem Gespräch mit Wilhelm Löwenthal hörte Bertha von Suttner erstmals von der Existenz einzelner kleiner Friedensbewegungen in Europa und das in London eine International Peace and Arbitration Association gegründet wurde und dies in allen Städten Europas geplant war. Wieder in Harmannsdorf angelangt, wollte sie der Friedensbewegung einen Dienst erweisen und einen Roman verfassen, der sich ganz den Idealen der Friedensbewegung widmen und eine öffentliche Wirkung erzielen sollte. Im Jahr 1888 erscheint ihr Buch „Das Maschinenzeitalter“, es ist eines der ersten Bücher die die Folgen von Rüstung und übertriebenem Nationalismus vorhersagt. Der Roman „Die Waffen nieder! Eine Lebensgeschichte“ verfehlte das Vorhaben der Autorin nicht, auch wenn mehrere Verlage eine Publikation auf Grund des Inhalts abgelehnt hatten. Der Roman erschien 1889, er begünstigte die Verbreitung des Friedensgedankens und unterstützte die Bekanntheit der internationalen Friedensbewegung vor dem Ersten Weltkrieg. Ihre Anklage gegen den um sich greifenden Militarismus und ihre Darstellung des Kriegsgemetzels, der Massengräber und Lazarette ist so real, daß es ein internationaler Bestseller wird und in 40 Sprachen übersetzt wird.
Der Bucherfolg bestätigte Bertha von Suttner sich für die Friedensarbeit weiter zu engagieren und er verbesserte die wirtschaftliche Lage des Ehepaares. Den Winter 1890/91 verbrachte Bertha von Suttner und wirkte dort gemeinsam mit den Pazifisten Beniamino Pandolfi und Felix Moscheles an der Gründung einer lokalen Friedensgesellschaft mit, diese war für sie Impuls und Vorbild für eine österreichische Friedensgesellschaft.

Die Österreichische Friedensgesellschaft

Bereits zwei Jahrzehnte vor Gründung der Österreichischen Friedensgesellschaft im Jahr 1891 plädierten die Parlamentarier Robert von Walterskirchen und Adolph Fischhof für die Schaffung eines internationalen Parlaments, das sich aus Parlamentariern der einzelnen europäischen Staaten konstituieren sollte und für eine allgemeine europäische Rüstungsbeschränkung, leider stießen sie auf keinerlei Resonanz.
Es kam schon damals das Thema eines vereinten Europa! zur Sprache und wir haben es nach über 120 jahren noch immer nicht geschafft…

Bertha von Suttner startete am 3. September 1891 in der Neuen Freien Presse einen Aufruf zur Gründung einer österreichischen Friedensgesellschaft, sie hatte damit eine derartige Resonanz, daß bereits am 29. September 1891 eine Vorversammlung in Wien, im Alten Rathaus in der Wipplingerstraße, einberufen werden konnte.

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Das Ziel der ÖFG und ihr offiziell unpolitischer Charakter hatte auf Grund der politischen Situation der Monarchie einen schwache Position: Nationalitätenkonflikte, Dominanz militärischer Denkweisen, eine starke aristokratische Elite, die Schwäche des Liberalismus und später die große Begeisterung für Krieg bildeten ein ungünstiges Umfeld für pazifistische Aktivitäten. Da die Polizei die Befugnis zur Auflösung von Gruppen hatte, die rechts – bzw. gesetzeswidrig oder staatsgefährdend handelten, standen pazifistische Organisationen unter ständiger Kontrolle. Der begrenzte Handlungsspielraum der ÖFG wird auch dadurch verdeutlicht, daß bereits die Nichtbefolgung oder Verleitung zur Nichtbefolgung eines Militäreinrückungsbefehles einen drastischen Verstoß gegen das österreichische Strafgesetz darstellten. Daher mußte die ÖFG subversive Aktionen gegen den Staat vermeiden, um nicht der Illegalität beschuldigt zu werden und eine Zwangsauflösung zu riskieren. Dies erklärt auch zum Teil, weshalb die Aktionen der ÖFG sich auf lange Sicht als wenig effektiv erwiesen. Ein anderer Grund für die Ineffektivität der ÖFG vor dem Ersten Weltkrieg liegt an der fehlenden Unterstützung durch politische Gruppierungen.
Alfred Hermann Fried wurde im Jahr 1891 auf die Österreichische Friedensgesellschaft aufmerksam und machte in seinem ersten Schreiben an Bertha von Suttner den Vorschlag, eine Monatszeitschrift zu veröffentlichen, „um der Friedensidee in Deutschland und Oesterreich die notwendige Verbreitung zu geben“. Die erste Ausgabe der Zeitschrift „Die Waffen nieder! Monatsschriftzur Förderung der Friedensidee“ erschien am 1. Februar 1892. Während ihres Bestehens, bis 1899, bildete die Zeitschrift ein bedeutendes Forum des Pazifismus im deutschsprachigen Raum.

die erste Frau die den Friedensnobelpreis erhielt

Um die Jahrhundertwende ist Bertha von Suttner eine sehr bekannte Persönlichkeit in der Friedensbewegung Europas. Im Jahr 1905 wurde ihr der Friedensnobelpreis als Anerkennung für ihren unermüdlichen Einsatz gegen einen industriell geführten Krieg überreicht, den sie immer wieder in weiser Voraussicht beschrieb: Alle Staaten zerstampft, alle Arbeit eingestellt, alle häuslichen Herde umgeworfen, nur e i n Schrei des Schmerzes von Grenze zu Grenze- Jedes Dorf eine Brandstätte, jede Stadt ein Trümmerhaufen, jedes Feld ein Leichenfeld, und noch immer tobt der Kampf: unter den Meereswellen schießen die Torpedoboote, um mächtige Dampfer in den Grund zu ziehen; in die Wolken steigen bewaffnete und bemannte Luftschiffe einer zweiten äronautischen Truppe entgegen, und aus tausend Meter Höhe schneien verstümmelte Krieger als blutende Flocken herab …“
In ihrer Nobelpreisrede sagt sie unter anderem: „Festungen werden gebaut, Unterseeboote fabriziert, ganze Strecken unterminiert, kriegstüchtige Luftschiffe probiert für das demnächstige Losschlagen“.
Ihre Warnungen und Prophezeiungen bleiben ungehört und Europa stürzt sich mit großer Begeisterung in den ersten Weltkrieg – mit verheerenden Folgen, dem ersten Giftgaseinsatz und über 17 Millionen Toten. Bertha von Suttner erlebt diese ungeheure Katastrophe nicht, sie stirbt am 21. Juni 1914 in Wien – zwei Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Sie war Zeit ihres Lebens mit der Geringschätzung der sie umgebenden Gesellschaft konfrontiert, es war die erste Wiener Gesellschaft und die Männergesellschaft die sie als Frau nicht Ernst nahm, daher ist diese Frau (und viele andere Frauen dieser Zeit) zu bewundern, da sie trotz aller Hindernisse unbeirrbar ihren Weg ging.

Foto

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Weblinks

http://www.peacemuseumvienna.com/

http://www.linksnet.de/de/artikel/19576

Literatur

Bertha von Suttner – Kämpferin für den Frieden von Brigitte Hamann , 2013
ISBN-13: 978-3850337557

Die Waffen nieder!: Eine Lebensgeschichte von Bertha von Suttner, 2012
ISBN-13: 978-3847270317

Bertha von Suttner: Memoiren von Bertha Von Suttner,2013
ISBN-13: 978-3863474447