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Oskar Kokoschka

Oskar Kokoschka der Maler, Grafiker, Schriftsteller

zählt zu den wichtigen Vertreter der Moderne, er hat als Maler, Grafiker Dramatiker und Essayist einen promimenten Platz in der Kunst- und Literaturgeschichte.
Er galt als vielseitig talentiert, provokant, rebellisch und nicht angepaßtes „enfant terrible“, seine Kunstwerke waren von einer leidenschaftlichen Unruhe geprägt. Als Maler schuf er Porträts, Landschafts- und Städtebilder, als Dramatiker waren seine Dichtungen von ekstatischen Ausbrüchen und bildkräftiger Phantasie geprägt. Als nicht Angepaßter machte aus seiner Ablehnung gegen das Nazi-Regime keinen Hehl, diese Einstellung und seine Kunst machten ihn zu einem „entarteten“ Künstler.

Oskar Kokoschka wurde am 1. März 1886 in Pöchlarn an der Donau geboren.
Seine frühesten Werke stammten aus der Zeit der k.k. Staatsrealschule in Wien-Währing, dem Grafiker und Maler Carl Otto Czeschka war es zu verdanken das Kokoschka in seiner Klasse aufgenommen wurde, alle anderen Lehrer waren gegen eine Aufnahme. Anschließend studierte er von 1905 bis 1909 an der Wiener Kunstgewerbeschule, auf Grund seines Talentes erhielt er ein Stipendium und seine Lehrer vermittelten ihm Aufträge für Dekorationen und Illustrationen.

Zur Eröffnung des Cabaret Fledermaus durch die Wiener Werkstätte im Jahr 1907 schrieb Kokoschka das Märchen „Das getupfte Ei“ und entwarf die dazu gehörigenSchattenfiguren, in diesem Jahr stellte er Figuren aus Kupferblech her, diese waren beweglich und für ein mechanisches Spiel gedacht. Ein Jahr später publizierte er in der Wiener Werkstätte das Künstlerbuch „Die träumenden Knaben“, im Jahr 1908 nahm er das erste Mal bei einer Ausstellung, der „Kunstschau 1908“, die von Gustav Klimt und Freunden organisiert wurde, teil. Die Werke Oskar Kokoschkas erregten die Wiener Gemüter, das Wiener Gemüt war sehr rasch erregbar:-),und wurden heftig kritisiert, in dieser Zeit freundete er sich mit dem Architekten Adolf Loos dem Wegbereiter der modernen Architektur an, durch Loos Einfluß und dem Rat von Alfred Roller verließ er die Kunstgewerbeschule und lehnte immer mehr den noch maßgebenden Jugendstil ab.

Kokoschka – eine Ikone des Expressionismus

Loos vermittelte seine frühen Portraits, seine expressiven Gemälde fanden vor allem in den deutschen Museen Anklang, durch den Architekten kam er in den Zirkel der Wiener Elite und konnte sehr gute Kontakte knüpfen. Loos schenkte Kokoschka 1909 eine Reise an den Genfer See, von welcher er sehr beeindruckt zurückkehrte, in den Schweizer Ausstellungen studierte er eingehend die Werke von Hodler und Vincent van Gogh, diese Werke inspirierten den jungen Maler sehr und waren wegweisend für seine künstlerische Laufbahn.

Die Bekanntschaft mit dem Kunsthändler Herwarth Walden beeinflußten Kokoschka 1910 nach Berlin zu übersiedeln, hier fertigte für die expressionistische Kunstzeitschrift „Der Sturm“ seine bekanntesten Federzeichnungen zu seinem Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“, diese Zeichnungen führten bei der Uraufführung wegen seinem erotischen Inhalt zu einem handfesten Theaterskandal. Der Kunsthändler Paul Cassirer stellte im Jahr 1911 zum ersten Mal die Werke Oskar Kokoschkas aus, es waren 30 Gemälde und acht Illustrationen zu seiner Dichtung „Der weiße Tiertöter“, sie wurden in Karlsbad im Café „Park Schönbrunn“ ausgestellt. Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus brachte die Ausstellung nach Hagen in sein privates Folkwang Museum und erwarb das Porträt der Herzogin Victoria de Montesquiou-Fesensac das 1909/1910 entstand.
Im Jahr 1911 kehrte Oskar Kokoschka nach Wien zurück und stellte anschließend in einer Ausstellung der Künstlervereinigung Hagenbund fünfundzwanzig Gemälde aus.

Zitat Oskar Kokoschka: „Expressionismus ist Gestaltung des Erlebnisses, solcherart mittelbar und Botschaft vom Ich zum Du. Wie zur Liebe braucht es dazu zwei. Expressionismus lebt nicht im elfenbeinernen Turm, er wendet sich an den Nächsten, den er erweckt.“

Kokoschka und seine exzessive Liebe zu Alma Mahler

1912 lernte Alma Mahler den jungen Maler Oskar Kokoschka, das enfant terrible der Wiener Kunstszene, kennen. Er galt als gewalttätig, unangepasst und ungezügelt, die Presse titulierte ihn als „Oberwildling“. Aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich eine zügellose und intensive Amour fou, wenn er sie nicht liebte, malte er sie und umgekehrt. Seine unglückliche Liebe zu Alma brachte sehr bedeutende Kunstwerke hervor, wie unter anderem die bekannten Fächer und eine Serie von Lithografien. Ein intensiver und aufwühlender Briefwechsel zeigt die Gefühle der leidenschaftlich Liebenden, auch Kokoschkas Malerei wurde durch diese erotische Raserei beeinflußt und änderten seinen Stil, seine Werke zeigten breitere Pinselstrichen und pastos aufgetragene Farben.

Ab dem Jahr 1914 wurde Kokoschka Mitglied der Freien Secession in Berlin, sein privates Leben verlief allerdings sehr turbulent, seine „auffressende“ Leidenschaft verwandelte sich bald in Unterwerfung, seine Eifersucht in Besessenheit. Kokoschkas Mutter schrieb an Alma Mahler: „Wenn Sie Oskar wiedersehen, werde ich Sie erschießen!“ Während dieser exessiven Liebesbeziehung entstand Kokokoschkas berühmtestes Gemälde „Windsbraut“. Alma wurde zweimal von ihm schwanger, beide Male ließ sie abtreiben und versetzte ihm damit einen Schlag, denn er nie verwinden konnte. Seinen physischen Untergang besiegelte die Femme Fatale, als sie ihn solange provozierte bis er als Freiwilliger, mit Hilfe von Loos, im prestigereichen k. u. k. Dragoner Regiment Nr. 15 aufgenommen wird, wo er schwer verwundet wurde.

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Dresden und Zwischenkriegszeit

Ab 1917 hatte Kokoschka seinen Lebensmittelpunkt in Dresden und erhielt 1919 die Professur an der Dresdner Kunstakademie, von der wurde er aber 1927 freigestellt da er wenig anwesend war, Otto Dix erhielt die Professur. Mit Oskar Kokoschka, Max Liebermann und Ernst Oppler wurden 1919 erstmals moderne Radierungen in der dritten Auflage des Kataloges von Hermann Struck „Die Kunst des Radierens“ veröffentlicht. Im Jahr 1925 unternahm er ausgedehnte Reisen in Europa, diese inspirierten ihn zu vielen Städte- und Landschaftsbildern.

Ab 1928 und 1929 zog es Kokoschka vorwiegend nach Nordafrika und in die Gebiete des östliche Mittelmeeres, ein Jahr später wird er Mitglied der Preussischen Akademie der Künste in Berlin. Zu dieser Zeit begannen die Machtdemonstrationenen und Übergriffe der Nazis auf „entartete“ Kunst, im November 1930 wurden im Weimarer Schlossmuseum die Werke von Kokoschka entfernt, insgesamt wurden 70 Werke der Moderne beschlagnahmt, unter anderem waren Werke von Paul Klee, Wassily Kandinsky und Otto Dix dabei. In diesem bewegten Jahr löste er den Vertrag mit dem Verlag des verstorbenen Paul Cassirer auf, da dieser sein Gehalt reduzieren wollte. Ab 1931 hielt er sich wieder in Wien auf, da er aber in Paris und Wien Ausstellungen hatte, pendelte er abwechselnd zwischen den beiden Städten. 1933 starb Adolf Loos, Kokoschka ging es gesundheitlich sowie finanziell nicht sehr gut und zieht daher im Sommer zu seiner Mutter ins Wiener Liebhartstal.
Er äußerte sich sehr kritisch zum Kulturmythos der Nazis in seinem Aufsatz „Totem und Tabu. Denkübungen eines Zynikers“, Kokoschka war Antifaschist und hatte sich diesbezüglich kein Blatt vor den Mund genommen. Auf Grund des Bürgerkrieges und nach dem Tod seiner Mutter floh er im September 1934 nach Prag, wo er seine spätere Frau Olda Palkovská kennenlernte. Ein Jahr später porträtierte er den tschechoslowakischen Staatspräsidenten Thomas G. Massaryk und im gleichen Jahr wurde Kokoschka tschechischer Staatsbürger. In Prag begann er das Drama „Comenius“ und malte den Zuckerfabrikanten und Kunstliebhaber Ferdinand Bloch-Bauer. 1937 wurde der Oskar Kokoschka Bund in Prag gegründet um dem Nazionalsozialistischen Kunstunverständnis Paroli zu bieten. Für die Nazis war er der „Entartetste unter den Entarteten“ und daher ihr größter „Kunstfeind Nr. 1“, in Deutschland wurden 417 seiner „entarteten“ Werke beschlagnahmt.
Im Sommer 1938 fand in Paris eine Ausstellung „Freie Deutsche Kunst“ zusammen mit dem Pariser Deutschen Künstler-Verein statt.

Kokokschkas Flucht nach England und Nachkriegszeit

Mit dem Münchner Abkommen 1938 flüchtete Kokoschka mit Olda Palkovská nach Großbritannien, dort lebten die beiden zunächst in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Hier war er Mitbegründer des „Freien Deutschen Kulturbundes und hatte enge Kontakte zu den österreichischen Exilorganisationen. 1941 heirateten die beiden, zu dieser Zeit entstanden die Bilder „Das rote Ei“ und „Anschluss – Alice in Wonderland“. Aus seinem Exil kritisierte Kokoschka mit seinen Werken die Allierten und prangerte den Größenwahn Hitlers an.
Kurz nach dem Krieg erinnert sich Österreich an seinen großen Sohn
1946 bat ihn der Wiener Bürgermeister Körner in einem Telegramm, das Erziehungswesen in Österreich und die Kunstgewerbeschule zu organisieren, es gab aus Wien zahlreiche Ehrungen zu Kokoschkas 60. Geburtstag. 1947 erhielt das Ehepaar Kokoschka die britische Staatsbürgerschaft, in diesem Jahr besuchte er Wien um das enteignete Haus im Liebhartstal zurückzuerlangen, was ihm nicht gelang.
Die konservative Einstellung und negative Haltung der Wiener Kunstakademie zu Kokoschka dem „Rebell“ und „Bürgerschreck“ erschwerten die Versuche einer Berufung nach Österreich, trotz aller Bemühungen von Seiten einiger Politiker, gelang es nicht ihn zu einer Rückkehr nach Wien zu bewegen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sind seine Werke weltweit anerkannt und in internationalen Ausstellungen wie unter anderem in Basel, Zürich und New York präsent.

Aufenthalt in der Schweiz und weiterer Werdegang

Ab 1951 lebte Kokoschka in Villeneuve/ Schweiz, er übernahm die Leitung der Internationalen Sommerakademie „Schule des Sehens“ in Salzburg und hielt von 1953 bis 1962 Malkurse ab. Nach Gesprächen mit dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler entwarf Kokoschka Kostüme und Bühnenbild für die Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen 1955. Im selben Jahr war er auf der ersten documenta mit sieben Bildern vertreten. Das Wiener Künstlerhaus zeigte 1958 mit großem Erfolg eine große Kokoschka-Retrospektive mit 682 Katalognummern, 1960 erhielt er mit Marc Chagall den Internationalen Erasmus-Preis in Kopenhagen, 1964 erfolgte eine weitere Teilnahme an der documenta mit seinen Werken „Bekenntnis zu Hellas“ und „Apulia“, im Jahr 1970 erschien Kokoschkas Autobiografie „Mein Leben“ die sehr persönlich und schnörkellos geschrieben wurde, drei Jahre später wurde das Oskar-Kokoschka-Dokumentationszentrums in seinem Geburtshaus in Pöchlarn eröffnet, 1974 vollendete er nach 16 Jahren sein Werk „Theseus und Antiope“ und erhielt im gleichen Jahr auf Initiative des damaligen Bundeskanzler Bruno Kreiskys die österreichische Staatsbürgerschaft. Zu seinem 90. Geburtstag gab es zahlreiche Ausstellungen und Ehrungen.
Oskar Kokoschka stirbt am 22.2.1980 im Alter von 94 Jahren in Montreux, sein Grab befindet sich am Friedhof von Clarens bei Montreux.

Zur Erinnerung an den großen Künstler wurde 1980 der „Oskar-Kokoschka-Preis“ für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Kunst von der österreichischen Bundesregierung ins Leben gerufen.

Acht Jahre nach seinem Tod gründete seine Witwe die Kokoschka-Stiftung „Fondation à la mémoire de Oskar Kokoschka“ im Musée Jenisch Vevey, hier befinden sich über tausend Werke des großen Künstlers. Die Universität für Angewandte Kunst in Wien beherbergt Kokoschkas sehr umfassende Bibliothek und zahlreiche Fotografien, der schriftliche Nachlass befindet sich seit 1981 in der Zentralbibliothek Zürich.
Die Stadtgemeinde Pöchlarn kaufte 1998 das Geburtshaus von Kokoschka, um es zu einem Museum und Galerie umzubauen. Im „Kokoschka-Haus“ finden wechslende Ausstellungen mit den Werken des Meisters sowie seiner Schüler und zeitgenössischer Künstler statt.

Oskar Kokoschka gehört zu den bedeutendsten expressionistischen Malern. Seine ausdrucksstarken Porträts, die glühende Affäre mit Alma Mahler, der er mit dem Gemälde „Die Windsbraut“ ein Denkmal setzte sowie seine Städteansichten sind ein Ausdruck dafür, was der Künstler empfunden hat.

Zitat Oskar Kokoschka: „Die wahre Kunst ist eine Kunst des Weglassens. Nur Pseudo-Künstler tragen unter allen Umständen dick auf.“

Foto

© neftali77/depositphotos.com

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Literatur,Weblinks und Quellen

Oskar Kokoschka, Klaus A. Schröder, Johann Winkler: Oskar Kokoschka, 1999
ISBN-13: 978-3791311234

Markus Brüderlin: Oskar Kokoschka – Humanist und Rebell, 2014
ISBN-13: 978-3777422503

Oskar Kokoschka Haus Pöchlarn

Musée Jenisch Vevey

Oskar Kokoschka-Zentrum

Sammlung im Belvedere

Wien-Geschichte-Wiki

karl kraus, journalist,die letzten tage der menschheit

Karl Kraus

der Satiriker, Dichter und Kämpfer gegen Korruption und Krieg

Karl Kraus lebte in einem Land der Widersprüche und war selbst sehr widersprüchlich. Er hatte Österreich als die „Versuchsstation des Weltuntergangs“ bezeichnet und attackierte das Land sein Leben lang, es aber auch sehr geliebt und wahrscheinlich deswegen so kritisiert.

Kraus hatte ein sehr starkes, bzw. zu starkes Selbstbewußtsein, er war aber auch sein strengster Kritiker, bei den Menschen polarisierte er sehr stark, wobei er durch seine gnadenlose Kritik viele Feinde hatte, die sich aus irgendeinem Grund sein Missfallen zuzogen .

Am 28. April 1874 kam Karl Kraus im böhmischen Jicin in einem wohlhabenden jüdischen Elternhaus zur Welt, mit drei Jahren übersiedelte die Familie Kraus nach Wien in Nähe der Ringstraße. Das Kind Karl war sehr zart, sensibel und hatte eine schwache Konstitution mit einer angeborenen Rückgratverkrümmung, er reagierte auf jede Veränderung mit großer Ängstlichkeit, diese Schwächen prägten seine spätere Entwicklung, da er sich dieser schämte.

Schon in der Schule suchte er die Schwächen der Lehrer und Schüler, um sich über diese lustig zu machen, diese suchte er mit einer Akribie auch als Erwachsener bei seinen Mitmenschen, um sie dann lächerlich zu machen.
Mit siebzehn Jahren verstarb seine Mutter, darauf reagierte er sehr heftig und bewahrte ein Leben lang eine Haarlocke, einen Brief und Blätter von ihrem Grab auf. Der frühe Verlust seiner Mutter prägte seine Beziehungen zu Frauen, auch diese waren sehr widersprüchlich.

Im Jahr 1899 trat Karl Kraus aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft aus und ließ sich 1911 römisch-katholisch taufen, (Alfred Loos war sein Taufpate) er trat jedoch 1923 wieder aus der katholischen Kirche aus.

Zitat Karl Kraus: „Der Wert der Bildung offenbart sich am deutlichsten, wenn die Gebildeten zu einem Problem, das außerhalb ihrer Bildungsdomäne liegt, das Wort ergreifen.“

der Journalist Karl Kraus

Knapp vor der Matura im Jahr 1892, er maturierte am selben Tag wie Hugo von Hoffmannsthal, erschien seine erste Veröffentlichung in der „Wiener Literatur-Zeitung“: eine Besprechung der „Weber“ von Hauptmann, nach der bestandenen Matura verbrachte Kraus einige Zeit in Bad Ischl, dort schrieb er den langen „Ischler Brief“ der in der Illustrierten „Das Rendevous“ erschien. Karl Kraus begann Jus zu studieren, er bricht aber im Jahr 1894, nach zwei Semestern, dieses Studium ab und studierte dann Philosophie und Germanistik, er schließt jedoch sein Studium nie ab. Im Jahr 1893 tritt er neunzehnjährig als „Franz Moor“ im „Rudolfshauser Volkstheater“ auf und fällt beim kritischen Publikum durch, danach entscheidet sich Karl Kraus für den Beruf des Schriftstellers, dennoch bleibt für ihn die Schauspielerei ein unerfüllter Traum.
Zwischen 1892und 1899 ist er in den verschiedensten Zeitungen als Journalist tätig, unter anderem auch zwei Jahre in der „Neuen freien Presse“ deren Herausgeber Moritz Benedict war, er wurde später ebenso zum Ziel seiner spitzfindigen Kritik wird wie so viele andere. Kraus wollte ursprünglich in der „Neuen freien Presse“ die Nachfolge des Daniel Spitzer antreten, dieser war sehr bekannte für seine satirischen Beiträge „Wiener Spaziergänge“, bald darauf änderte er diese Pläne, da er sehr rasch die Grenzen des unabhängigen Journalismus spürte, daher wollte er eine unabhängige Zeitschrift gründen und sich nicht der „Zensur der Journaille“ unterwerfen.

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Im Jahr 1897 schrieb Kraus die „Die demolirte Litteratur“, in der er die Wiener Literaten, mit denen er sich im Cafe Griensteidl traf, aufs Korn nahm, er schrieb unter anderem: „Mangel an Talent, verfrühte Abgeklärtheit, Posen, Größenwahn, Vorstadtmädl, Cravatte, Maniriertheit, falsche Dative, Monocle“. Er nannte zwar keine Namen der „Demolierer“ aber sie wurden sehr präzise beschrieben, es waren Hermann Bahr, Hugo von Hoffmannsthal, Felix Salten und Arthur Schnitzler, am schlimmsten kam Hermann Bahr weg, ihn hasste Karl Kraus wirklich und daher wurde er am heftigsten kritisiert.

Das legendäre Cafe Griensteidl hatte am 20. Januar 1897 das letzte Mal geöffnet, es wurde am nächsten Tag abgeriessen, daher trafen sich alle Stammgäste zum letzten Mal in ihrem Lieblingscafe „Cafe Größenwahn“. Es kam zu guter letzt noch zu einem Eklat, da Salten wieder einmal Karl Kraus ohrfeigte, doch der kleine Kraus zeigte ihm diesesmal an und Salten musste 20 Golden Strafe zahlen.

die Zeitschrift „Die Fackel“

wurde im Jahr 1899 von dem 25-jährigen Karl Kraus gegründet, die erste Nummer seines Hauptwerkes erschien am 1. April und hatte 32 Seiten mit dem prägnanten roten Umschlag und am Cover eine brennende Fackel vor dem Profil Wiens.

Der Schriftsteller, Journalist und Kulturpolitiker Robert Scheu beschrieb die Reaktionen: „Eines Tages, soweit das Auge reicht, alles – rot. Einen solchen Tag hat Wien noch nie erlebt. War das ein Geraune, ein Geflüster, ein Hautrieseln! Auf den Straßen, auf der Tramway, im Stadtpark, alle Menschen lesen aus dem roten Heft…es war narrenhaft…Und dieses ganze Heft, mit Pointen so dicht besät, daß man es…behutsam lesen mußte, um keine der glitzernden Perlen zu verlieren.“ Von diesem vorerst dünnen roten Heft erschienen insgesamt 922 Nummern mit über 30.000 Seiten. Schon in seiner ersten Nummer greift Kraus all das an, was er bei den anderen Zeitungen verschweigen musste und attackierte den Mißbrauch der Sprache sowie die in der gesamten Monarchie vorherrschenden Korruption, schon in zwei Wochen erreichte die Fackel eine Auflage von 30.000 Exemplaren.

Die von Karl Kraus angeprangerten Missstände haben sich bis heute, obwohl es keine Monarchie gibt, kaum geändert.

Auf Grund dieses Erfolges gab es bald die bösartige „Gegenfackel“ oder das Heft „Der Pinsel“, der Erfolg blieb aber bald aus. Der Drucker des Heftes „Die Fackel“ nutzte eine Erholungsreise seines Auftraggebers schamlos aus und ließ das Titelblatt des Originals unter seinen Namen registrieren, erst durch 15 gerichtliche Urteile konnte Kraus seine „Fackel“ zurückgewinnen.

Da Kraus keine Pauschalanklagen gegen die Gesellschaft erhob, sondern die betreffenden namentlich attackierte, wurde es für ihn gefährlicher, er wurde einmal blutig niedergeschlagen und bekam jede Menge anonyme Droh- und Schmähbriefe. Nach einem viertel Jahr kam er zur folgenden Aufstellung: „Anonyme Briefe 236, Anonyme Drohbriefe 83, Überfälle 1“, seinen Mut und Angriffslust behielt er trotzdem.

Was seine Persönlichkeit ausmachte und ihn von der „Journaille“ unterschied, war seine absolute Beherrschung der Sprache, Fanatismus, eine treffsichere Ironie und seine Pedanterie, er las manchesmal zwanzig bis dreißigmal seine Beiträge durch und prüfte jedes Wort.
Mit seine Vorlesungen erzielte er eine sehr große Wirkung in der Öffentlickeit, das Publikum war von Kraus „begeistert und fanatisch, befriedigt und drohend zugleich“ meinte Elias Canetti, er las meistens in Wien, Innsbruck, Prag und München aus seinen Schriften, später fast nur aus fremden Schriften. In Wien bevorzugte er für seine Lesungen das Konzerthaus und Säle des Wiener Musikvereinsgebäudes.

Feinde und Freunde

der oft bösartige Kritiker Karl Kraus und der liebevolle Förderer neuer Talente sind widersprüchlich, er sah jeden Kritiker zu seiner Arbeit und seiner Person als Angriff und als Feind, dieser wurde daraufhin in der „Fackel“, wie Hermann Bahr, Arthur Schnitzler oder Felix Salten, aufs Korn genommen. Er meinte: „ich mache kleine Leute durch meine Polemik so groß, dass sie nachher würdige Objekte für meine Polemik sind und mir kein Mensch einen Vorwurf machen kann.“

Seine Attacken auf Heinrich Heine, Arthur Schnitzler, einige Prager Literaten und Gustav Klimt sind Fehleinschätzungen, er sah z. B. in Heinrich Heine den Hauptverantwortlichen für die Verlotterung der Sprache, da diese ein Zeichen des Verfalls der Gesellschaft sei.
Zurecht griff Karl Kraus den Zeitungs-Herausgeber Imre Bekessy persönlich in der „Fackel“ an, dieser war ein wegen Verleumdung und Erpressung vorbestrafter Krimineller, der vor Verleumdungen und Erpressungen nicht zurückschreckte.

Kraus bewunderte und verehrte den Schauspieler und Dramatiker Johann Nestroy, bei seinen Veranstaltungen erreichte er, das Nestroy wieder den Stellenwert bekam den er verdiente.
Zu seinen wenigen Freunden gehörten Adolf Loos, Peter Altenberg und Oskar Kokoschka, Kraus war wie Loos ein Fanatiker des Absoluten und daher oft puristisch. Altenberg unterstützt er finanziell wie moralisch und verteidigte ihn bei seinen Entgleisungen. Kokoschka ließ er, wie sonst kaum jemand, an sich heran und ließ sich zweimal von ihm porträtieren.

die letzten Tage der Menschheit

nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand, war Karl Kraus einer der wenigen der nicht in begeisterten Kriegstaumel fiel, er sah den ersten Weltkrig schon seit dem Balkankrieg im Jahr 1912 voraus. Bei der Nachricht des Attentats hält er die bereits druckfertige Ausgabe der „Fackel“ zurück und schweigt. Erst nach vier Monaten Krieg bricht Kraus das Schweigen, allerdings nur, um in einer Lesung sein weiteres Schweigen zu begründen. Im Oktober 1915 erscheint eine „Fackel“ mit 168 Seiten, sein Privatsekretät Leopold Liegler drückte aus, was die späten Worte des Karl Kraus bedeuteten: „…in diesem Chaos war er einer der wenigen Menschen, die unerschrocken und klar aussprachen, was alle diese Greuel, diese zur Pflicht gewordene Bestialität zu bedeuten habe; er hat diejenigen ernüchtert, die sich von der Begeisterung der ersten Kriegsmonate hatten verblenden lassen und hat die Verzweifelnden alle getröstet und aufgerichtet…“

Trotz Zensur, Denunzierung und mehrmaliger Konfiszierung der „Fackel“ richtete sich Kraus ständig gegen die Greuel des Krieges. Alle seine Ansprachen, Pamphlete, Glossen und Gedichte aus der Kriegszeit verdichten sich in seinem Hauptwerk „Die letzten Tage der Menschheit“ zu einem erschreckenden, unverfälschten Bild des Grauens, zu einer auch heute noch geltende Apokalypse.
„Die letzten Tage der Menschheit“ ist eine Tragödie in fünf Akten mit Vorspiel und Epilog, die in den Jahren 1915 bis 1922 entstanden ist, jeder der fünf Akte leitete jeweils das „Leben und Treiben“, eine Massenszene am „Sirkeck“ an der Ringstraße ein.
Nach über hundert Jahren hat diese Tragödie und sein Lebenswerk nichts von seiner erschütternden Wirkung verloren, Karl Kraus hat es wie kein anderer verstanden, Gesellschaftskritik und Kriegsablehnung in eine Satire zu verpacken.

Zitat Karl Kraus: „Die Kultur endet, indem die Barbaren aus ihr ausbrechen.“

Zwischenkriegszeit

Während des ersten Weltkrieges erschienen die drei ersten Bände „Worte in Versen“, danach folgten noch sechs weitere Bände. Als Ausgleich zur kämpferischen Fackel schuf er dramatische Texte, wie im Jahr 1921 „Literatur“, 1923 „Traumstück“ und „Wolkenkuckucksheim“, 1924 „Traumtheater“, sie waren nicht erfolgreich. Seine Vorlesungen nannte er ab dem Jahr 1925 „Theater der Dichtung“, diese wurden für Karl Kraus zu seinem eigenen „Traumtheater“.
Im Jahr 1933 schrieb Kraus den 300 Seiten starken Band „Die dritte Walpurgisnacht“, dieser erschien aber erst 1952, der Anwalt von Kraus, Dr. Oskar Samek hatte die Fahnen des Buches vor dem Zugriff der Nationalsozialisten in die USA gerettet. Aus diesem Buch stammt der oft zitierte, aber isolierte und daher widersprüchliche Satz: „Mir fällt zu Hitler nichts ein“. Schon sehr früh erkannte Karl Kraus die Gefahr der Nazis und nannte sie ein „Gezücht von Hakenkreuzottern“.

Im Oktober 1933 erscheint nach einer Pause von neun Monaten, statt dem Band „Die dritte Walpurgisnacht“, die dünnste Fackel mit vier Seiten die es je gegeben hat. Das Heft enthält neben einer Grabrede auf Adolf Loos nur ein zehnteiliges Gedicht: „Man frage nicht, was all die Zeit ich machte. Ich bleibe stumm; und sage nicht, warum“. Nach dieser 888. „Fackel“ folgte ein Sturm der Entrüstung, niemand verstand das Karl Kraus ausgerechnet jetzt, Hitler war seit 1933 deutscher Reichskanzler, stumm blieb. Es wurde ihm Opportunismus und moralische Skrupellosigkeit vorgeworfen.

Im Jahr 1933 wurde bei Kraus ein Herzleiden festgestellt, im Februar 1936 erscheint die letzte Ausgabe der „Fackel“, am 13. Juni 1936 stirbt Karl Kraus an einem Herz- und Gehirnschlag. Das Grab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof in der Gruppe 5 A, Reihe 1, Nummer 22.

Der brillant formulierende Satiriker Karl Krauskämpfte stets gegen Korruption, Dummheit und Phrasen der Parteien, er war immer überparteilich und ergriff nie für eine Konfession Partei. In Österreich wurde der große Satiriker, wie so viele brillante Köpfe, mehr totgeschwiegen als anerkannt.

Karl Kraus wird nachgesagt dass er ein Misanthrop war, aber verschenkt ein Misanthrop ein Vermögen an karitative Vereinigungen? Das spricht doch für den Humanisten Karl Kraus, der Empathie für arme Menschen hatte.

Zitat Karl Kraus: „Das Leben ist eine Anstrengung, die einer besseren Sache würdig wäre.“


Foto
Karl Kraus – das Foto ist gemeinfrei

Literatur und Quellen
Karl Kraus:Die letzten Tage der Menschheit,1994
ISBN-13: 978-3763242801

Friedrich Rothe: Karl Kraus: Die Biographie, 2003
ISBN-13: 978-3492041737

Michael Horowitz: Karl Kraus. Bildbiographie, 1992
ISBN-13: 978-3701500284

Richard Schaukal: Karl Kraus. Versuch eines geistigen Bildnisses Taschenbuch, 2013
ISBN-13: 978-3863474690