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Hohe Brücke

moderne Eisenkonstruktion der Jahrhundertwende

die Hohe Brücke befindet sich in der Inneren Stadt und bildet eine Verbindung über den Tiefen Graben, das Jugendstiljuwel wurde in den Jahren 1903/1904 erbaut. Es ist an diesem Ort nicht die erste Hohe Brücke, Brücken haben hier eine lange Tradition und es gab hier schon zwei Vorgängerinnen:-), ihren Namen erhielt sie aufgrund ihrer hohen Lage.

die Geschichte der Hohen Brücke

Schon in der Römer- und Babenbergerzeit überspannte eine Brücke den Tiefen Graben, dieser war kein Stadtgraben wie sehr oft angenommen wird, er ist das ehemalige Bett des Ottakringerbaches, in das später ein Arm des Alser-Baches geleitet wurde. In der Zeit Babenberger befand sich zwischen Wipplingerstraße 21 und 22 ein Tor der Burgmauer, heute erinnert eine Tafel am Haus Wipplingerstraße 22 mit der Inschrift: „Hier stand zur Zeit der Babenberger ein Stadtthor“. Die ersten Aufzeichnungen über die Brücke stammen aus dem Jahr 1295, sie war damals eine Holzkonstruktion und wurde schon damals als Hohe Brücke bezeichnet. Erst im 15. Jahrhundert, seit der Ableitung des Alserbaches war sie eine gemauerte Brücke mit einem Spitzbogen.
Im 18. Jahrhundert, in der Zeit Leopold des I., wurden von den Theatinern die Statue des Schutzpatron der Brücken, der hl. Nepomuk, und auf der anderen Seite die Statue des hl. Kajetan von Tiene aufgestellt, dieser hatte 1524 den Theatinerorden gegründet. Das 1707 erbaute Kloster der Theatiner grenzte direkt an die Hohe Brücke, im Jahr 1725 wurde dann die Johanneskapelle erbaut, sie besaß an jeder Seite eine Tür, von dieser gelangte man über die überdachten Gänge zum Tiefen Graben, später wurden sie durch eine Stiege ersetzt, die zu dem Haus „Zum Bacchus“ führte. Nach dem Niedergang des Ordens im 18. Jahrhundert, wurde das Kloster unter Kaiser Joseph II. außer Kraft gesetzt.

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Da die Wipplingerstraße verbreitert wurde und die alte Brücke sehr desolat war, wurde sie im Jahr 1857/1858 durch eine neugotische Brücke ersetzt. Der Brückenbogen hatte die Form eines Tudorbogen, das Geländer war eine steinerne Brüstung, diese war an beiden Seiten mit den Wappen von Wien und Niederösterreich mit der Jahreszahl 1858 verziert, während dem neuen Bau wurde die Johanneskapelle entfernt. Diese Brücke hielt aufgrund des vermehrten Verkehrsaufkommens nur fünfundvierzig Jahre stand.

das heutige Jugendstil-Juwel

die neue Hohe Brücke wurde in den Jahren 1903/1904 nach den Plänen von Josef Hackhofer (Architekt des „Husarenhaus“ am Graben 18 / Kohlmarkt 1) und Karl Christl im Jugendstil erbaut, die Stahlkonstruktion wurde von Anton Biró (heute Waagner-Biro) und Hofbaumeister Heinz Gerl ausgeführt. Die Hohe Brücke ist eine Eisenkonstruktion mit einer Spannweite von 15 Metern, diese waren um die Jahrhundertwende sehr modern, wie am Beispiel des Eiffelturms oder des Wiener Riesenrades sieht, die neue Hohe Brücke war auch wesentlich länger und weiter als die Brücken. Am 11. März 1904 fand die Schlusssteinlegung mit Bürgermeister Dr. Karl Lueger statt, an einem der Brückenpfeiler befindet sich eine Gedenktafel.
Die Stirnflächen der Brücke sind mit Marmor verkleidet, sie wurden mit Gravuren der früheren Brücken, den Jahreszahlen 1782-1857 und 1858-1903, in denen sie entstanden und demontiert wurden, und den Wappenschilden von Wien und Niederösterreich versehen. Die inneren Seitenwände haben die Optik von Geschäftsportalen mit Rollläden, sie dienen aber nur der Verzierung. Die beiden Stiegenanlagen führen von der Wipplingerstraße hinunter auf den Tiefen Graben und umgekehrt.
In den Jahren 1979 bis 1981 wurde die Brücke saniert, 1996 erfolgte eine neuerliche Renovieung.

Die Hohe Brücke sieht in der Nacht besonders schön aus und erstrahlt den Tiefen Graben mit etwa 3.000 Watt, sie ist eines der schönsten technischen Jugendstilbauten und steht unter Denkmalschutz. Von dem Haus Wipplingerstraße 22 überblickt stolz ein großer Rauchfangkehrer die Hohe Brücke, Wipplingerstraße und den Tiefen Graben, man erwartet sich unter ihm die Innung der Rauchfangkehrer oder ein Geschäft desselben, weit gefehlt – der große Mann ist das Werbesymbol der Geschäftsstelle der Klassenlotterie „Hohe Brücke“ und soll symbolisch Glück bei einem Klassenloskauf bringen.

Wenn ihr auf der Hohen Brücke Richtung Donaukanal blickt, dann werft einen Blick auf die rechte Seite des Tiefen Graben, hier steht das bekannteste und älteste Stundenhotel von Wien, es wurde 1901 errichtet und 1912 im Jugendstil neu fassadiert.

Adresse

Wipplingerstraße 23, 1010 Wien

Wiener Linien: U1 und U4 bis Schwedenplatz

Öffi-App

Literatur

Harald Jahn, Isabella Ackerl: Unbekanntes Wien: Verborgene Schönheit. Schimmernde Pracht,2010
ISBN 978-3854315131

Henriette Mandl: Wiener Altstadtspaziergänge, 2001
ISBN-13: 978-3800038282

Manfred Wehdorn und Ute Georgeacopol-Winischhofer: Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich, 1997
ISBN-13: 978-3205072027

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Hohe Brücke

moderne Eisenkonstruktion der Jahrhundertwende

die Hohe Brücke befindet sich in der Inneren Stadt und bildet eine Verbindung über den Tiefen Graben, das Jugendstiljuwel wurde in den Jahren 1903/1904 erbaut. Es ist an diesem Ort nicht die erste Hohe Brücke, Brücken haben hier eine lange Tradition und es gab hier schon zwei Vorgängerinnen:-), ihren Namen erhielt sie aufgrund ihrer hohen Lage.

die Geschichte der Hohen Brücke

Schon in der Römer- und Babenbergerzeit überspannte eine Brücke den Tiefen Graben, dieser war kein Stadtgraben wie sehr oft angenommen wird, er ist das ehemalige Bett des Ottakringerbaches, in das später ein Arm des Alser-Baches geleitet wurde. In der Zeit Babenberger befand sich zwischen Wipplingerstraße 21 und 22 ein Tor der Burgmauer, heute erinnert eine Tafel am Haus Wipplingerstraße 22 mit der Inschrift: „Hier stand zur Zeit der Babenberger ein Stadtthor“. Die ersten Aufzeichnungen über die Brücke stammen aus dem Jahr 1295, sie war damals eine Holzkonstruktion und wurde schon damals als Hohe Brücke bezeichnet. Erst im 15. Jahrhundert, seit der Ableitung des Alserbaches war sie eine gemauerte Brücke mit einem Spitzbogen.
Im 18. Jahrhundert, in der Zeit Leopold des I., wurden von den Theatinern die Statue des Schutzpatron der Brücken, der hl. Nepomuk, und auf der anderen Seite die Statue des hl. Kajetan von Tiene aufgestellt, dieser hatte 1524 den Theatinerorden gegründet. Das 1707 erbaute Kloster der Theatiner grenzte direkt an die Hohe Brücke, im Jahr 1725 wurde dann die Johanneskapelle erbaut, sie besaß an jeder Seite eine Tür, von dieser gelangte man über die überdachten Gänge zum Tiefen Graben, später wurden sie durch eine Stiege ersetzt, die zu dem Haus „Zum Bacchus“ führte. Nach dem Niedergang des Ordens im 18. Jahrhundert, wurde das Kloster unter Kaiser Joseph II. außer Kraft gesetzt.

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Da die Wipplingerstraße verbreitert wurde und die alte Brücke sehr desolat war, wurde sie im Jahr 1857/1858 durch eine neugotische Brücke ersetzt. Der Brückenbogen hatte die Form eines Tudorbogen, das Geländer war eine steinerne Brüstung, diese war an beiden Seiten mit den Wappen von Wien und Niederösterreich mit der Jahreszahl 1858 verziert, während dem neuen Bau wurde die Johanneskapelle entfernt. Diese Brücke hielt aufgrund des vermehrten Verkehrsaufkommens nur fünfundvierzig Jahre stand.

das heutige Jugendstil-Juwel

die neue Hohe Brücke wurde in den Jahren 1903/1904 nach den Plänen von Josef Hackhofer (Architekt des „Husarenhaus“ am Graben 18 / Kohlmarkt 1) und Karl Christl im Jugendstil erbaut, die Stahlkonstruktion wurde von Anton Biró (heute Waagner-Biro) und Hofbaumeister Heinz Gerl ausgeführt. Die Hohe Brücke ist eine Eisenkonstruktion mit einer Spannweite von 15 Metern, diese waren um die Jahrhundertwende sehr modern, wie am Beispiel des Eiffelturms oder des Wiener Riesenrades sieht, die neue Hohe Brücke war auch wesentlich länger und weiter als die Brücken. Am 11. März 1904 fand die Schlusssteinlegung mit Bürgermeister Dr. Karl Lueger statt, an einem der Brückenpfeiler befindet sich eine Gedenktafel.
Die Stirnflächen der Brücke sind mit Marmor verkleidet, sie wurden mit Gravuren der früheren Brücken, den Jahreszahlen 1782-1857 und 1858-1903, in denen sie entstanden und demontiert wurden, und den Wappenschilden von Wien und Niederösterreich versehen. Die inneren Seitenwände haben die Optik von Geschäftsportalen mit Rollläden, sie dienen aber nur der Verzierung. Die beiden Stiegenanlagen führen von der Wipplingerstraße hinunter auf den Tiefen Graben und umgekehrt.
In den Jahren 1979 bis 1981 wurde die Brücke saniert, 1996 erfolgte eine neuerliche Renovieung.

Die Hohe Brücke sieht in der Nacht besonders schön aus und erstrahlt den Tiefen Graben mit etwa 3.000 Watt, sie ist eines der schönsten technischen Jugendstilbauten und steht unter Denkmalschutz. Von dem Haus Wipplingerstraße 22 überblickt stolz ein großer Rauchfangkehrer die Hohe Brücke, Wipplingerstraße und den Tiefen Graben, man erwartet sich unter ihm die Innung der Rauchfangkehrer oder ein Geschäft desselben, weit gefehlt – der große Mann ist das Werbesymbol der Geschäftsstelle der Klassenlotterie „Hohe Brücke“ und soll symbolisch Glück bei einem Klassenloskauf bringen.

Wenn ihr auf der Hohen Brücke Richtung Donaukanal blickt, dann werft einen Blick auf die rechte Seite des Tiefen Graben, hier steht das bekannteste und älteste Stundenhotel von Wien, es wurde 1901 errichtet und 1912 im Jugendstil neu fassadiert.

Adresse

Wipplingerstraße 23, 1010 Wien

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Literatur

Harald Jahn, Isabella Ackerl: Unbekanntes Wien: Verborgene Schönheit. Schimmernde Pracht,2010
ISBN 978-3854315131

Henriette Mandl: Wiener Altstadtspaziergänge, 2001
ISBN-13: 978-3800038282

Manfred Wehdorn und Ute Georgeacopol-Winischhofer: Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich, 1997
ISBN-13: 978-3205072027

monumentaler dampfschornstein parlament,wien-bilder

Dampfschornsteine

die vergoldeten Dampfschornsteine des Wiener Parlaments

Sie sind nur sehr wenig bekannt, obwohl die 32m hohen Dampfschornsteine von vielen Blickwinkeln prachtvoll (besonders bei strahlenden Sonnenschein) entgegenblitzen. Seit dem Jahr 2006 glänzen die beiden Dampfschornsteine, auf Grunde der Renovierung und Herstellung in den vergoldeten Originalzustand, wieder in voller Pracht und Herrlichkeit. Zuvor sind sie kaum jemanden aufgefallen, da sie leider grau übermalen waren.

Der Baumeister und Architekt Theophil Hansen erhielt 1873 den Auftrag für den Bau des Parlaments im griechisch-klassischen Stil, er entwarf auch die Dampfschornsteine, die gusseisernen Zieraufsätze wurden 1881 vom Bildhauer Hugo Härdtl modelliert und anschließend in der Fürst Salmschen Eisengießerei Blansko in Mähren gegossen.
Dampfschornsteine in der herkömmlichen Form hätten die Ästhetik des Gesamtkunstwerk Parlament gestört, sie waren aber für die Heizungsanlage sehr wichtig, daher war es für Theophil Hansen ein Anliegen ihnen eine prachtvolle elegante Gestaltung angedeihen zu lassen.
Jeder Zieraufsatz hat ein Gesamtgewicht von etwa 10 Tonnen, er besteht aus über einhundert Gusseisenteilen und besitzt einen Funkenfänger aus Schmiedeeisen.

Hephaistos und seine Gesellen

Theophil Hansen gestaltete die beiden Dampfschornsteine in Form von ionischen Säulen, auf die er monumentale gusseiserne, vegoldete 5,8m hohe Zieraufsätze in Form von Blattornamenten, Muscheln, Löwenköpfen und je vier vollplastische „Gesellen des Hephaistos“ setzte.
Hephaistos war der griechische Gott des Feuers und der Metallurgie, er war ein geschickter Schmied und der einzige Handarbeiter unter den griechischen Göttern, sein Arbeitsplatz lag direkt unter dem Krater des Vulkans Aetna in Italien, seine Symbole waren das Feuer, Axt, Zange und Hammer. Da die Zieraufsätze aus Metall angefertigt wurden, scheint es kein Zufall zu sein das Hephaistos und seine Gesellen auf den Eisenaufsätzen zu bewundern sind.
In seiner Schmiede entstanden so berühmte Werke wie der Zepter und Donnerkeil des Zeus, der Wagen des Helios, die Gestalt der Pandora oder die Waffen und das Schild des Achilles.

die Dampfschornsteine erstrahlen wieder in voller Pracht

wie schon oben geschrieben, wurden die Dampfschornsteine von dem Architekt Hansen mit einer Vergoldung entworfen und auch so ausgeführt. Dies ist einem Offert des Maler- und Anstreichermeisters Frankenstein aus dem Jahr 1882 zu entnehmen: „Sämtliche Gusseisenarbeiten an den beiden Dampfrauchfängen … 3-mal mit in gutem Ölfirnis geriebenen Minium, 2-mal mit gelber Oelfarbe streichen und echt Vergolden“.
Im Laufe der Zeit wurden aber bei den verschiedenen Renovierungsarbeiten viele Gusseisenteile mehrfach übermalen, Verschraubungen oft unsachgemäß und außen sichtbar monitert, Gussteile verkittet, ein fehlendes Abdeckblech am Rücken einer der Figuren ganz einfach mit Zement abgedeckt und ähnliche Fehler begangen, ohne Rücksicht auf sachgemäße Restaurierung wurde schnell und billig „gepfuscht“.
Auf einem Aquarell des Malers Hans Ranzoni aus dem Jahr 1942 sind die Dampfschornsteine vergoldet und ohne Funkenkörbe, diese wurden, wie der mausgraue Anstrich, wahrscheinlich erst in der Nachkriegszeit angebracht, ein zweites Mal wurden sie in den 1980er Jahren übermalen.
Im Jahr 2006 war es soweit, bei dieser Sanierung wurde das Bundesdenkmalamtes eingebunden und während der Renovierung kamen tatsächlich noch Reste der Blattvergoldung zum Vorschein. Es war eine sehr aufwendige, langwierige und kostspielige Renovierung um die beiden Dampfschornsteine wieder in ihren prächtigen Originalzustand glänzen zu lassen, für diese Pracht wurden 20.000 Blättern Dukaten-Doppelgold verwendet.

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Die Dampfschornsteine haben auch jetzt noch eine Funktion, einer der beiden ist ein Teil des Reservekesselhauses und der andere dient als Auspuff für das Notstromaggregat.
Zum Glück verstärken sich in den letzten Jahren die Bemühungen in Sachen Denkmalpflege und Sanierung, viel zu viel wurde entweder demoliert und unsachgemäß „restauriert“.
Theophil Hansen hätte heute seine Freude an den beiden prächtigen Gold-Riesen.

Adresse

Dr.-Karl-Renner-Ring 3, 1017 Wien

Wiener Linien: U2 bis Station Rathaus, U3 bis Station Volkstheater, Straßenbahnen 1, 2, 71 und D bis Station Stadiongasse/ Parlament

Öffi-App

Weblink

http://www.bda.at/

Literatur

Gabriela Krist: Metallrestaurierung – Metallkonservierung: Geschichte, Methode und Praxis (Konservierungswissenschaft. Restaurierung…, 2009
ISBN-13: 978-3205781967

heiligenkreuzerhof wien,denkmalgeschützt

Heiligenkreuzerhof

befindet sich in einem der ältesten Stadtteile von Wien

Der denkmalgeschützte Heiligenkreuzerhof ist eines der schönsten und verborgensten barocken Innenhofensembles Wiens und besteht aus dem Stiftshof mit Prälatur und Kapelle sowie einem Zinshaus, der Hof liegt in der Inneren Stadt und die Zugänge befinden sich in der Grashofgasse und Schönlaterngasse. In der Grashofgasse befindet sich an der rechten Hausfront ein Wandbild mit einer Darstellung vieler kleinerer Inschriften des Stiftes Heiligenkreuz, sie stammen aus dem Jahr 1953, zu dieser Zeit wurde der Heiligenkreuzerhof renoviert.
Seine Geschichte führt weit zurück ins Mittelalter, das genaue Alter ist bis heute nicht geklärt, es wird vermutet das Teile des Hofes, die an das Haus Schönlaterngasse 7 angrenzen sogar bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen. Die ersten Aufzeichnungen gibt es ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhundert, der Heiligenkreuzerhof dürfte damals wahrscheinlich aus mehreren Häusern bestanden haben. Zu dieser Zeit erwarb das Zisterzienserstift Heiligenkreuz den Hof, dem er bis heute gehört, sie vereinigten ihn im 16. Jahrhundert zu einem großen Gebäude.

virtuelle Führung durch den Heiligenkreuzerhof

barockes Innenhofensemble und Bernhardikapelle

So wie Klöster wie z. B. in Zwettl oder Mailberg verfügte nun auch Heiligenkreuz über einen Ort in Wien an dem es seine wirtschaftlichen Produkte verkaufen konnte, gleichzeitig diente die Niederlassung den Äbten und anderen Stiftsangehörigen als Quartier während ihrer Wien-Aufenthalte. Seit 1221 besaß Wien mit dem Stadtrecht auch das Stapelrecht, das bedeutet dass jeder Kaufmann, der Waren nach Wien brachte, diese zum Verkauf anbieten mußte. Diese Güter wurden in den Besitzungen des Stiftes in tiefen Kellern gelagert, die im Laufe der Jahrhunderte riesige Ausmaße annahmen, unter dem Heiligenkreuzerhof befindet sich bis heute ein riesiges 5 Etagen umfassendes Kellernetz.

Die Bernhardskapelle liegt neben der Prälatur an der Schönlaterngasse und ist wegen ihrem hochbarocken Interieur bekannt. Abt Klemens Schäffer ließ von 1659 bis 1676 einen ausgedehnten Umbau durchführen und die seit langem bestehende „Kapelle zum heiligen Bernhard von“ neu erbauen, zu dieser Zeit wurde auch der „Prälathof“ durch eine niedrige Gartenmauer vom restlichen Hof abgetrennt und im Jahr 1730 wurde sie durch Abt Robert Leeb mit einem Hochaltarbild von Martino Altomonte geschmückt. Die Kapelle liegt ein wenig versteckt, aber ein Besuch des prachtvoll gestalteten Raums ist sehenswert (leider wird die Kapelle nur für mehr für Führungen geöffnet), in der Sakristei befindet sich der Basiliskenbrunnen, über den es eine bekannte Wiener Sage gibt. Das Portal mit der Büste des Heiligen und die geschnitzten Seitenaltäre stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurden von Giovanni Giuliani geschaffen. Der berühmte Künstler lebte als Familiar im Klosterverband und schuf dort das prachtvolle Chorgestühl der Kirche, sein bekanntester Schüler war Georg Rafael Donner (Donnerbrunnen am Hohen Markt). Die barocke Anlage wurde 1769/1770 und die Kapelle im Jahr 1780 nochmals erneuert und der im Innenhof befindliche Brunnen besitzt ein Wappen des Stiftes mit der Inschrift „ACSH 1670“.
Seit dieser letzten Erneuerung hat der Heiligenkreuzerhof sein heutiges Aussehen und die Häuser sind die ältesten Zinshäuser in Wien.

Künstler im Heiligenkreuzerhof

hier wohnten unter anderem Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi, der Gründer der PanEuropa Bewegung und Vater der Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi, der österreichische Schauspieler Helmut Qualtinger (beide haben eine Gedenktafel im Hof), Martino Altomonte, er war wie Giovanni Giuliani Familiar der Zisterzienser und starb in seiner Wohnung im Heiligenkreuzerhof. Bischof Kollonitsch, in seinen Jugendjahren als Malteserritter im Kampf gegen die Türken an vorderster Front aktiv, Ignaz Franz Castelli, der Gründer des Wiener Tierschutzvereins und Eduard Pötzl, österreichischer Journalist und Feuilletonist.

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Im Heiligenkreuzerhof befindet sich das Ausstellungszentrum der Universität für angewandte Kunst, es steht für seine Absolventen und Absolventinnen mietkostenfrei für Ausstellungen zur Verfügung.

Die barocke Schönheit des Hofes wird leider durch die Anrainerparkplätze ein wenig getrübt, wie in vielen Gassen des ersten Bezirkes, jedoch ist eines der vielen verborgenen Juwele in der Wiener Innenstadt.

Adresse

1.Grashofgasse 3 / Schönlaterngasse 5, 1010 Wien

Wiener Linien: U1 und U4 bis Schwedenplatz

Öffi-App

Weblinks

https://bernardikapelle.wordpress.com/
https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Heiligenkreuzer_Hof

Literatur

Georg Hamann: Wien-Lexikon, 2007
ISBN-13: 978-3800071166

hochhaus herrengasse wien

Hochhaus Herrengasse

das älteste und „unsichtbare“ Hochhaus

erregte schon bei Bekanntwerden der Entwürfe die Wiener und wurde heftigst kritisiert, (das scheint ein Charakterzug von uns Wienern zu sein, dass gegen alles Neue queruliert wird, jedoch später alles wunderbar und schön ist:-) )
Das Projekt polarisierte selbst unter den Architekten, Josef Frank (Doppelhaus in der Werkbundsiedlung, Woinovichgasse 32) befürchtete eine Zersrörung des Profils der Herrengassen, für Oskar Strnad (Haus Stephan Hock, Wien 19, Cobenzlgasse 71) war es zu nieder und er forderte ein mindestens 200 Meter hohes Hochhaus.
Das Hochhaus Herrengasse steht auf dem ehemaligen Besitz der Familie Liechtenstein. In dem von Fischer von Erlach geplanten Palais befand sich die Reitschule, die Ludwig Bösendorfer zu dem berühmten (wegen seiner Akustik) „Bösendorfer Konzertsaal“ umbauen ließ, im Jahr 1913 wurde das Palais verkauft und im selben Jahr wurde es samt seinen Nebengebäuden abgerissen. Es war ein Luxushotel geplant, jedoch der baldige Kriegsausbruch machte einen Strich durch die Rechnung und nach Kriegsende kam dieser Bau aus finanziellen Gründen nicht mehr zustande, erst ab 1931 wurde das Grundstück mit dem Hochhaus wieder bebaut.

Architektur des Understatements

Aber bis es gebaut wurde gab es sehr viele Diskussionen um die Planung des neuen Wohnhauses und es mußte sogar die Bauordnung geändert werden, da laut der alten Bauordnung nur bis 26 Meter gebaut werden durfte.
Auch politische Rangeleien beeinflußten den Bau des Hochhauses, für die Sozialdemokraten und Christlich-Sozialen war der Bau des ersten Hochhauses in Wien eine Machtdemonstration und Prestige.
Die christlich-soziale Bundesregierung hatte mit einer Abgaben-Novellierung die Sozialdemokraten „ausgetrickst“ und durch das neue Wohnbau-Förderungsgesetz war der Bau des Gebäudes nun mehr kein Sozialprojekt, wie von den Sozialdemokraten geplant, ab nun wurden auch finanziell besser Verdienende durch staatliche Gelder unterstützt.

Die Architekten Theiß & Jaksch (Geschäftsportale und Einrichtungen der Firma Palmers) erhielten den Auftrag durch Direktvergabe und nicht auf Grund eines Wettbewerbes, Sigfried Theiss und Hans Jaksch entwarfen ein Hochhaus mit 52 Meter Höhe, 16 Geschossen und 235 Wohnungen. Es wurde schon im erstem Planungsentwurf gezeigt von welchen Punkten der Stadt das Hochhaus zu sehen sein wird.
Von der Herrengasse war das Hochhaus in seiner gesamten Höhe nicht zu sehen und durch die Staffelung bis zum Turm erschien das Haus in der unmittelbaren Umgebung nicht höher als die benachbarten Gebäude, somit integrierte es sich perfekt in seine Umgebung. Dazu trug auch die 9-geschoßige Blockrandbebauung auf den Seiten der Herren- und Fahnengasse bei, diese Bebauung tritt über der Ladenzone zurück und sieht wie ein gesonderter separater Block aus. Auf den neun Geschossen befinden sich drei Staffelgeschosse, durch die entstehenTerrassen und diese münden in dem doppelstöckigen gläsernen Aufbau. Das Haupttreppenhaus ist ein verglaster Halbzylinder und wurde im Innenhof angebracht, erst in diesem ist ersichtlich wie langgezogen die Anlage ist. Die Architektur des Gebäudes gehört mit ihrer Klarheit der „Neuen Sachlichkeit“ an.
Im Februar 1932 wurde das Hochhaus mit 235 Wohnungen fertiggestellt.

Infrastruktur des Hochhaus Herrengasse

Ein großes Thema waren die Ledigenwohnungen oder auch „Junggesellenwohnungen“ genannt, heute unvorstellbar und amüsant zu lesen. Diese Wohnungen zeigten eine gesellschaftliche Veränderung an, da Singles bis dahin nur die Möglichkeit hatten in möblierten Untermietzimmern zu wohnen, Überwachung der Vermieter inklusive.
Von den 225 Wohnungen waren 125 Ledigenwohnungen, diese hatten eine Größe von 20 m² bis 93 m², es gab keine Küche aber eine Kochgelegenheit im Vorraum. Die „Junggesellen“ sollten sich ihr Essen nicht selbst kochen, sie hatten die Möglichkeit sich im hauseigenen Restaurant im Dachgeschoß zu verköstigen, diese Idee wurde aber nie sehr gut angenommen. Neben dem Eingang gab es in der Rundvitrine ein Espresso und eine Milchbar, in der konnte man warten bis die Wäsche in der zentralen Waschküche fertig war.

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Im November 1932 waren bereits 80 % der 224 Wohnungen vermietet, die „Junggesellenwohnungen“ waren natürlich als erstes vergeben. Die Mieten befanden sich im höheren Segment und begannen ab 65 Schilling (ca 4,80 € ) bis 350 Schilling (ca 25,50 € ), die Nachfrage bei den teuren Wohnungen war eher gering.

In der Geschäftszone mieteten sich als erste Geschäfte ein Reisebüro, die Post, die Wiener Molkerei, ein Fotogeschäft, ein Friseur, eine Buchhandlung, ein Hutsalon, ein Lederwarengeschäft, eine Bäckerei und die Bausparkasse Wüstenrot mit ihrer ersten Wiener Zweigstelle ein.
Für das Restaurant war es nicht so leicht einen Pächter zu finden, trotz der fantastischen Aussicht und der Schnellaufzüge, erst drei Jahre später konnte das Café-Restaurant eröffnet werden. Im 14. Geschoss befanden sich die Küche, Telefonzellen, Sanitäranlagen und Garderobe, die letzten zwei Stockwerken waren eine reine Stahl- und Glaskonstruktion mit großen Schiebefenster und die Kuppel konnte elektrisch geöffnet werden. Der Erfolg des Restaurant blieb leider aus und so wurden in den 60er Jahren die letzten drei Stockwerke zu Wohnungen umgebaut.

Das „Hochhauserl“ erregte die Gemüter

Die Zeitungen überschlugen sich mit Superlativen und schreierischen Headlines, so hieß es „Der Wolkenkratzer der Junggesellen“ da „Ledigenwohnungen“ ein anrüchiges Thema waren und für eine gute Auflage sorgten. Eine andere Headline war die „grassierende Wolkenkratzerepidemie in Wien“, hier wurde über Amerikanismus gesprochen…vom Verlust des heimatlichen Stadtbildes…der eklatanten Baugrundverteuerung und Architekt Albert Linschütz forderte alle Patrioten zum schärfsten Protest auf . Andere nannten das moderne Hochhaus ein „ganz ausgewachsenes Hochhauserl“, manche wollten ein Hochhaus lieber außerhalb der Inneren Stadt sehen. Die Raunzerei und Jammerei der Wiener hatte wieder einmal Hochkunjunktur;-)

Künstler im Hochhaus Herrengasse

Das älteste Hochaus übte auf Künstler eine große Anziehungskraft aus, vor allem BurgschauspielerInnen waren hier präsent und hatten hier kürzer oder länger gewohnt. Es logierten hier aber auch viele niederösterreichische Landeshauptmänner und Beamte, sie wurden ihnen als Dienstwohnungen zur Verfügung gestellt.
Unter anderem wohnten hier: Gunther Philipp, Susi Nicoletti, Gusti Wolf, Albin Skoda, Hans Jaray, Curd Jürgens, Maria Kramer, Paula Wessely oder Hans Olden,  das „Hochhauserl“ ist aber auch heute noch bei Künstlern sehr beliebt.

das „unsichtbare“ Gebäude heute

Das Innenstadthaus hat 170 Bestandsobjekte, was für die Innere Stadt erstaunlich ist und was noch erstaunlicher ist, es sind fast nur privaten Wohnungen. Auch sehr ungewöhnlich ist, dass das Gebäude seit Generationen im Privateigentum ist, also rundum ein sehr ungewöhnliches und sehr interessantes Haus in der City. Das Hochhaus Herrengasse war damals wie heute eine leistbare Prestigeadresse, außer man möchte hoch hinaus ins Turmgeschoß. Das „unsichtbare Haus“ ist nur von einigen Punkten in Wien sichtbar, wie z. B. von der Kirche am Hof mit Blickrichtung zur Naglergasse, von der Schottengasse Richtung Herrengasse, im Leopoldmuseum im obersten Stock vom Panoramafenster,  aber den schönsten Blick habt ihr von der Burggasse in der Höhe des Volkstheater.
Sehr schade finde ich, dass es heute nicht mehr möglich ist die phänomenale Aussicht vom Turmgeschoß zu genießen, da das Cafe in den 60er Jahren in Wohnungen umgebaut wurde. Über das Treppenhaus gibt es die Möglichkeit ab dem 5. Stock eine sehr schöne Aussicht auf Wien zu genießen, je höher es hinaufgeht umso atemberaubender wird die Aussicht und der Steffl (Stephansdom) scheint zum Greifen nah.
Allerdings ist auch das nicht so einfach zu genießen, entweder ihr kennt jemanden der oder die dort wohnt, ihr stiehlt euch beim Portier vorbei oder ihr könnt es bei einem Open-House Termin kennenlernen, so wie ich heuer:-)

Adresse

Herrengasse 6-8, 1010 Wien

Wiener Linien: U3 bis Herrengasse

Öffi-App

Weblinks

http://www.hochhausherrengasse.at/
http://www.openhouse-wien.at/de/

Literatur

Iris Meder, Judith Eiblmayr: Haus Hoch – Das Hochhaus Herrengasse und seine berühmten Bewohner, 2013
ISBN-13: 978-3902517920

art nouveau französische botschaftschwarzenbergplatz

französische Botschaft in Wien

Art Nouveau am Schwarzenbergplatz

Das Gebäude der französischen Botschaft hat mich schon als Kind fasziniert, jedes Mal wenn wir vorbei spazierten fragte ich meine Eltern warum wir hier nicht wohnen;-) zu Hause zeichnete ich immer das Palais nach, es gehörte zu meinen frühkindlichen Werken wie das Parlament und Rathaus.
Heute wohne ich noch immer nicht in dem Art Nouveau Palais, aber ich finde es nach wie vor sehr faszinierend:-).

Im Jahr 1909 wurde die neue französische Botschaft am Schwarzenbergplatz 12 eröffnet wurde, Gespräche über einen Neubau einer französischen Botschaft gingen auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, die französischen Diplomaten hatten immer in angemieteten Häusern logiert und bis 1909 keine eigenständige Residenz besessen. Das letzte angemietete Haus war das Palais Lobkowitz, der Botschafter Agénor de Gramont beschwerte sich in Paris, dass er das französische Kaiserpaar im angemieteten Palais Lobkowitz nicht würdig empfangen könne, da die öffentlichen Pferdefuhrwerke ihren Standplatz vor der Botschaft hätten und die Geruchsbelästigung zu groß sei.


Anlässlich der Stadterweiterung verkaufte die Stadt Wien im Mai 1901, nach zähen Verhandlungen mit dem Wiener Stadterweiterungsfonds, der Republik Frankreich drei Parzellen. Im Mai dieses Jahres wurde der Kaufvertrag unterfertigt und vom Wiener Bürgermeister Karl Lueger gegengezeichnet.
Den Bauauftrag erhielt der Architekt O. Carre gemeinsam mit der Wiener Baufirma Bauque & Pio, im Jahr 1901 wurden die Arbeiten aus unbekannten Gründen dem jungen französische Architekt Georges-Paul Chédanne, der bei der Weltausstellung 1899 einen Grand Prix gewonnen und in Paris die legendären Galeries Lafayette erbaut hatte, übertragen.

die Legenden um die französische Botschaft

In dieser Zeit begann auch die Gerüchteküche um das im Art Nouveau erbauten Gebäude zu brodeln. Ein anderes Gerücht verbreitete sich, dass die Architekturpläne mit den Plänen für Konstantinopel vertauscht worden wären oder sogar in Kairo, was sehr merkwürdig ist, da es zu dieser Zeit keine Botschaft in Ägypten gab. Die Legende der vertauschten Pläne könnten daher kommen, dass der Verwalter im Jahr 1912 mit der Möblierung der Botschaften in Wien sowie für Konstantinopel beauftragt wurde.

Das Palais im französischen Jugendstil

ist ein prächtiges dreistöckiges Gebäude, dass Parallelen zur französischen Palastarchitektur des 18.Jahrunderts aufweist. Auffallend ist das Fehlen eines Portales an der Hauptfassade, der Haupteingang befindet sich mit seiner geschwungenen Marquise auf der Rückseite, auf seinem Giebel befinden sich die stolzen Initialen der République Française – R.F., diese sind von drei weiblichen Figuren umgeben und versinnbildlichen die Liberté, Égalité und Fraternité. Der Blickfang an der Hauptfassade sind die, als zwei große Reliefs dargestellten, weiblichen Figuren aus vergoldeter Bronze, sie stellen die französisch-österreichische Freundschaft durch die Allegorien der „Austria“ und der „France“ dar, die einander die Ehre erweisen.

Die „Austria“ stammt vom Bildhauers Paul Gasq, die „France“ wurde vom Bildhauer François Sicard entworfen. Das Gebäude und die Innenräume präsentieren den französischen Jugendstil, die Möbel, Stoffe, Geschirr, Beleuchtungskörper uvm. wurden von den bedeutendsten Künstler Frankreichs entworfen, der aufwendige Aufzug wurde von der Wiener Firma Freissler und Füglister hergestellt. Der französische Möbeldesigner Louis Majorelle fertigte in seinem Kunsthandwerksatelier in Nancy unter anderem die geschwungenen Fenster- und Balkongeländer entlang der Fassaden an oder die prunkvollen Geländers entlang der Ehrentreppe.

das Art Nouveau Gebäude wurde als Affront empfunden

und traf nicht den Geschmack der WienerInnen, sie fanden den Stil als fremdartig und auch „orientalisch“, obwohl sich die meisten schon an die exotische, im Jahr 1890, erbaute Zacherlfabrik gewöhnt hatten. Die Wiener hatten sehr oft Vorbehalte gegen Neues, diese konservative Einstellung ist manchesmal auch heute noch zu finden.

Das „Illustrierte Extrablatt“ schrieb damals von dem „im Barockstil gehaltenen Palais..“, M. Paul meinte im Jahr 1910 in seinem Buch „Technischer Führer durch Wien“: „als ein Fremdling im architektonischen Bilde unserer Stadt“. Der Inspektor des französischen Außenministeriums für Immobilien hingegen meinte, „daß es Frankreich zu Ehren gereicht“.

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Die Gestaltungsweise im französischen Art Nouveau konnte in Wien jedenfalls nicht Fuß fassen, denn das Gebäude „verrät sofort, dass sein Architekt kein Wiener war“, wie selbst Ákos Moravánszky, Professor für Architekturtheorie, in seinem Buch „Die Architektur der Donaumonarchie“ aus dem Jahr 1988 formuliert.

Anfang der zwanziger Jahre, als sich die österreichisch-französischen Beziehungen wieder einmal auf einem Tiefstand befanden, lehnten auch die Franzosen den Baustil als entsetzlich ab. Der damaliger Botschafter verurteilte den zweifelhaften Geschmack und den fehlenden Einklang mit dem Stil des Hauses Habsburg, nach Ende des ersten Weltkrieges wurde sogar der Verkauf, des als unproportioniert befundenen Gebäudes, erwogen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus beschädigt, und der neue französische Hochkommissar Antoine Bethouart nahm lieber in Hütteldorf Quartier, als in der Nähe der Russen. Fast wäre die französische Botschaft abgerissen worden, zum Glück hatte sich der damalige französische Kulturminister und bedeutende Literat Andre Malraux für ihren Erhalt eingesetzt.

Die Umbauarbeiten waren nicht mit gutem Geschmack gesegnet, aber umso mehr mit Zerstörung, es wurde die prächtige Ornamentik massiv zerstört und die großen Empfangsräume wurden zum Teil in Büros umgewandelt.

Aber trotz allem ist das Palais am Schwarzenbergplatz 12 ein Prunkstück seiner Epoche.

Adresse

Technikerstraße 2, 1040 Wien

Wiener Linien: Linie 71 oder D bis Schwarzenbergplatz

Öffi-App

Literatur

Architektur der Diplomatie: Repräsentation in europäischen Botschaftsbauten, 1800-1920 von Jakob Hort, 2014
ISBN-13: 978-3525101339

Weblinks

http://www.ambafrance-at.org/-Deutsch-

https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Franz%C3%B6sische_Botschaft

http://www.architektenlexikon.at/de/76.htm

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Otto Wagner

umsichtiger Architekt und Städtplaner

Otto Wagner ( 03.07.1841 – 11.04.1918) der Sohn eines königlich-ungarischen Hofnotars wurde in Wien geboren und wuchs in gutsituierten Verhältnissen auf, seine Eltern gehörten dem Besitzbürgertum an, welche die Erfolge den eigenen Leistungen verdankte.

Mit diesen Vorstellungen wuchs Otto Wagner auf und ist später oft als Architekt und Bauherr in einem aufgetreten. So schuf der Unternehmer Wagner die finanziellen Grundlagen für seine gestalterische Freiheit als Architekt Wagner und schuf, unabhängig von Förderern, großartige Architektur die in Wien allgegenwärtig ist.
Im Jahr 1857 begann er als Sechzehnjähriger seine Ausbildung am Wiener Polytechnischen Institut. 1860 ging er nach Berlin, um an der Königlichen Bauakademie bei Carl Ferdinand Busse sein Studium fortzusetzen, im Jahr 1861 kehrte er nach Wien zurück, wo er an der Akademie der bildenten Künste ein Schüler der beiden Ringstraßen-Architekten und Erbauern der Wiener Staatsoper, August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll, war. 1862 trat er in das Atelier des Ludwig von Förster ein, Förster war einer der treibenden Kräfte bei der Gestaltung der Wiener Ringstraße. Der junge Wagner war also mitten im Geschehen und Entwicklung der Ringstraße, die in allen Stilformen – vom Klassizismus über Gotik bis zur Renaissance – zum Inbegriff des Historismus wurde. Wagners Schaffensphase war bis etwa 1887 von dieser Stilrichtung geprägt und er hat seinen Stil als eine „gewisse freie Renaissance“ bezeichnet. Mit seinem Stil wurde er erfolgreich und berühmt, selbst Jahre später nannte man ihn den „vornehmsten Vertreter der Wiener Renaissance“. Aus dieser Zeit stammen viele Wohnhäuser, die heute zum Großteil unbekannt und deren Entwürfe verschollen sind, Wagner selbst legte keinen großen Wert auf diese Bauten. Die 1868 entworfene Synagoge in Budapest ist in dieser Periode entstanden, ebenso die Dekorationen für den Festzug zur silbernen Hochzeit des Kaiserpaares im Jahr 1879 und den Einzug der belgischen Prinzessin Stephanie nach Wien, aus Anlass ihrer Vermählung mit Kronprinz Rudolf im Jahr 1881.

Artis sola domina necessistas“ (die einzige Herrin der Kunst ist die Notwendigkeit), diesen Satz Gottfried Sempers hat Otto Wagner in seiner Antrittsrede im Jahr 1894 als Professor für eine Spezialklasse der Architektur an der Wiener Akademie der bildenden Künste als sein „Glaubensbekenntniss“ bezeichnet und ihn folgendermaßen erklärt: „Kunst und Künstler sollen und müssen ihre Zeit repräsentieren. Im Durchpeitschen aller Stilrichtungen, wie es in die letzten Jahre mit sich brachten, kann das Heil für die Zukunft nicht liegen, der Realismus unserer Zeit muß das werdende Kunstwerk durchdringen.“ Mit diesem Satz wandte er sich vom Historismus ab und widmete sich dann nur mehr der modernen Architektur.

Otto Wagner ist in Wien allgegenwärtig

Im Jahr 1886 errichtete Wagner für sich und seine Ehefrau in Hütteldorf eine Villa im Renaissancestil, es ist das heutige Ernst Fuchs-Museum in der Hüttelbergstraße 26. An der Hauptfassade, links und rechts vom Eingang, ließ er zwei Tafeln anbringen. Auf der linken war zu lesen: „Sine arte sine amore non est vita“ (Es gibt kein Leben ohne Kunst und ohne Liebe), zur Rechten des Eingangs stand der oben erwähnte Satz: „Artis sola domina necessistas“.

Diese Wahlsprüche kündigen einen Wandel an und beeinflußten Wagners künftiges Schaffen: die Verbindung von Schönheit und Zweckmäßigkeit. Im Jahr 1896 hielt er in seiner Schrift „Moderne Architektur“ fest: „Etwas unpraktisches kann nicht schön sein“. In diesem Sinne spiegeln Wagners Entwürfe seine Auseinandersetzung mit seiner Zeit und seiner Umwelt. Sie galten dem Menschen, der in seinem Arbeitsalltag einer zunehmenden Mechanisierung unterworfen war.

Urbanes Lebensgefühl vermittelt das Wohn- und Geschäftshaus von 1884 für die Länderbank am Lobkowitzplatz, das im Jahr 1884 entworfene „Ankerhaus“ oder das Kaufhaus Neumann in der Kärtnerstrasse aus dem Jahr 1883, bei dem zum ersten Mal in der Architekturgeschichte eine durchhängende Glasdecke den Lichthof im Inneren des Gebäudes überspannte. Wagner gelangte allmählich zu immer moderneren Ausdrucksformen, wie etwa bei dem Verwaltungsgebäude der Länderbank in der Hohenstaufengasse 3 aus dem Jahr 1882. Den Lebensbedingungen des Menschen galt Wagners Interesse auch im Bereich des Wohnens. Auf Grund des rapiden Städtewachstums bildeten Zinshäuser für das Großbürgertum eine attraktive Geldanlage, die sichere Erträge abwarfen. Daher war es für Wagner naheliegend, selbst durch den Bau von Zinshäusern Geld zu verdienen, wobei er als Bauherr und Architekt in einer Person auftrat. Durch den Verkauf der Häuser hatter er genügend Kapital um das nächste Projekt zu realisieren, mit diesem Prinzip entstanden seine wichtigsten Bauwerke. An seiner Weiterentwicklung als Architekt trug auch die Teilnahme an Wettbewerben bei, er hatte an über dreißig nationalen und internationalen Wettbewerben teilgenommen. Ein entscheidender Schritt war für Wagner die Teilnahme am Wettbewerb zum Generalsanierungsplan für Wien in den Jahren 1892 – 1893, er gewann einen der beiden ersten Preise und vorallem die anschließende Berufung zum Generalplaner. Hier ging es um den Bau der Stadtbahn (1894 – 1900) und die Anlage der Donaukanalbauten: das Nußdorfer Wehr und die Schleuse, die Kaianlagen am Donaukanal und das Schützenhaus Staustufe Kaiserbad (1894 – 1906). Die in den ersten Jahren 1894 – 1897 errichteten Stadtbahnbauten der Gürtel- und Vorortelinie sind noch in „freier Renaissance“ gehalten, die späteren 1896 – 1900 entstandenen Stationen der unteren Wiental- und Donaukanallinie, wie etwa die Station Karlsplatz und der Hofpavillon in Hietzing, sind mit ihrem Bauschmuck in Stuck und Schmiedeeisen in der moderne Architektur des Jugendstils gebaut.

Wagners Schrift „Moderne Architektur“ wurde zum Gründungsmanifest für die Architektur des 20. Jahrhunderts, der berühmte Architekt und Wagnerschüler Rudolf Schindler schrieb: „Die moderne Architektur begann mit Mackintosh in Schottland, Otto Wagner in Wien und Louis Sullivan in Chicago“.

Das „Hosenträgerhaus“, ein sechsgeschossiges Wohnhaus in der Universitätsstraße/Eingang Garnisongasse enstand 1887.

Die Wandlung brachte bei Wagner zunächst die „neue Kunst“ (Art nouveau – Jugendstil) hervor, in den Jahren 1898 – 1899 schuf er mit dem Häuserensemble Linke Wienzeile/Köstlergasse, eines davon ist das berühmte „Majolikahaus“, ein Hauptwerk des Wiener Jugendstils. Der Wohnkomfort dieses Jugendstilensembles gehörte damals zu den modernsten in Wien, Im Haus Köstlergasse 3 hatte sich Otto Wagner eine als Gesamtkunstwerk entworfene „Musterwohnung“ eingerichtet, die durch die gläserne Badewanne zu besonderer Berühmtheit gelangte.

Otto Wagner das Enfant terrible

Im Jahr 1899 trat Wagner der Wiener Secession bei, die er aber 1905 mit Gustav Klimt wieder verließ, hiermit war der Bruch mit der Tradition endgültig besiegelt. Dieser Schritt des renommierten, prominenten und charismatischen Architekten erregte die Gemüter der Zeitgenossen, für sie war es absoluter Verrat. Es erschienen sogar Schmähschriften und ab diesem Zeitpunkt bemühte sich Wagner oftmals vergebens um öffentliche Aufträge.

Im Jahr 1902 entwarf Wagner das Depeschenbüro (zerstört, Kärtnerstraße/Ecke Annagasse) für die Zeitung „Die Zeit“, es wurden die damals bekannten neuen Baustoffe wie Aluminium verwendet.

Otto Wagners im Jahr 1907 eröffnete Kirche St. Leopold gehört zu den zehn wichtigsten Kirchen des 20. Jahrhunderts, sie war die „Anstaltskirche“ für die Niederösterreichischen Landes- Heil- und Pflegeanstalten am Steinhof, mit der sie gemeinsam errichtet wurde. Bei dem Wettbewerb für das psychiatrische Krankenhaus, an dem sich auch Leopold Bauer und Carlo van Boog beteiligten, wurde Otto Wagner der erste Preis zugesprochen. Sein Gesamtlageplan wurde zwar angenommen, er wurde jedoch nur mit dem Bau der Kirche betraut.


Einen Eindruck der Feindseligkeit von oberster Stelle, die Wagner entgegenschlug, zeigt folgender Bericht aus dem Vorwort in Wagners Tagebuch aus dem Jahr 1914: „Zur Eröffnung der Steinhofer Kirche kam, in Vertretung des Kaisers, Erzherzog Franz Ferdinand. Ich mußte ihm den Bau erklären, worauf er als Schlußbemerkung einer Ansprache sagte: ´Der Marie-Theresien-Stil ist doch der schönste.´ Ich erwiderte ihm, daß zur Zeit Maria Theresias die Kanonen verziert gewesen seien, während man sie heute vollkommen glatt mache. – Mit ungeheurer Hochmut wendete er sich von mir ab und sein Haß verfolgte mich, trotz mehrfacher Interventionen, derart, daß ich eine Anzahl Aufträge verlor, für die ich in Aussicht genommen war. Die Gemeinde hatte viel zu wenig Mut, sich den überaus gehässigen Machenschaften des Erzherzogs entgegenzustellen.“

Der schießwütigste aller Habsburger (er hat insgesamt 277.769 Tiere zur Strecke gebracht!) und erzkonservative Thronfolger Franz Ferdinand war ein ausgesprochener Gegner der Wiener Moderne, er verhinderte erfolgreich Projekte Wagners wie den Neubau des Kriegsministeriums am Stubenring oder das Technische Museum. Franz Ferdinand war leider in Kunstfragen die prägende Gestalt der Habsburger-Dynastie.

Das Amtsgebäude der k. k. Postsparkasse (Georg-Coch-Platz 1) wurde im Jahr 1910 eröffnet und gehört zu den Ikonen der Wiener Architektur, sie ist gemeinsam mit der Kirche St. Leopold am Steinhof, als Wagners bedeutendstes Werk zu bezeichnen. Der berühmte Kassensaal mit Glasfußboden und abgehängter Stahl-Glas-Konstruktion hat die Architektur des 20. Jahrhunderts wesentlich beeinflußt.

Die Postsparkasse ist das einzige Gebäude der Moderne auf der vom Historismus geprägten Ringstraße.

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Die Wohnhäuser Neustiftgasse 40 und Döblergasse 2-4 waren Spätwerke im Bereich der Wohnbauten Wagners die verwirklicht wurden (1909 – 1912). Er war 68 Jahre, als er sie in Angriff nahm. Diese Gebäude waren damals, gemeinsam mit dem 1910 erbauten Loos-Haus am Michaelerplatz, die modernsten in Wien. Otto Wagner bewohnte im Haus Döblergasse die gesamte Beletage.

Im den Jahren 1912-1913 entstand die Lupusheilstätte, sie ist heute Teil des Wilhelminenspitals. Die Lupuskrankheit (Hauttuberkulose) war an der Wende zum 20.Jahrhundert weit verbreitet. Wagner entwickelte äußerst umsichtige zukunftsweisende Überlegungen für einen Umgang mit Kranken. Er schuf kleinere Raumeinheiten, wodurch er gewährleistete, dass „die Zahl der in einem Raume untergebrachten Kranken möglichst gering ist, um auch diesbezüglich der Individualität der Kranken Rechnung zu tragen.“

Die Villa Wagner II in der Hüttelbergstraße wurde in den Jahren 1912/13 ausgeführt, sie steht nur zwei Häuser weiter von der Wagner Villa I und ist kleiner als diese.

Bis 1912 war Wagner Professor an der Akademie der bildenden Künste, aus der einflussreichen Wagnerschule, die sich im Laufe seiner Professorenjahre herausgebildet hat, sind namhafte Architekten wie Max Fabiani, Rudolf Michael Schindler, Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbrich, Josef Plecnik, Franz und Hubert Gessner und Karl Ehn hervorgegangen.

Otto Wagner ist 11.04.1918 gestorben, er ist in der von ihm entworfenen Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof begraben.

Vergleicht man die frühen, noch ganz dem Historismus zugeordneten Bauten mit dem Häusern in der Neustift-/Döblergasse, wird die enorme Entwicklung deutlich die Wagner im Laufe seines Lebens vollzogen hat. In einem ist sich Otto Wagner jedoch immer treu geblieben: es ist die klare, disziplinierte Formensprache seiner Bauten.


Foto
Otto Wagner – Wikipedia
Aufnahme um 1910

Literatur
M. Pozzetto: Die Schule Otto Wagner: 1894–1912
ISBN-13: 978-3703105241

August Sarnitz: Wagner
ISBN-13: 978-3822828779

Walter Zednicek: Otto Wagner Zeichnungen und Pläne
ISBN-13: 978-3950036053

Museum
Wagner: Werk Museum Postsparkasse
Adresse: Georg-Coch-Platz 2, 1018 Wien
Telefon:059 9053 3825

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Palais Isbary

Das späthistorische Palais Isbary auf der Wieden

Das Palais Isbary befindet sich in der Schmöllerlgasse 5 im 4. Wiener Gemeindebezirk (Wieden) und wurde 1901/02 von Rudolf Isbary Junior an den Architekten Karl Mayreder und den Wiener Baumeister Johann Sturany in Auftrag gegeben. Karl Mayreder war ein Schüler Heinrich von Ferstels und das Palais Isbary ist eines seiner wichtigsten Werke.

Das Palais ist ein typisch, repräsentativer Bau seiner Zeit und erfüllte den gesellschaftlichen Anspruch des Bauherrn Rudolf Isbary Junior. Seine Mutter war Louise, geborene Hlawatsch, sein Vater Rudolf von Isbary war ein Textilindustrieller, Abgeordneter zum Reichsrat sowie Präsident der Wiener Handelskammer, Rudolf von Isbary wandelte mit seinem Schwiegervater Karl Hlawatsch dessen Wollwarenerzeugung in Wien-Mariahilf zu einer Shawlfabrik (Shawl = Schal) um und die Firma nannte sich dann Hlawatsch u.Isbary. Der damalige Modetrend im Biedermeier, die hervorragenden Handelsverbindungen und neuen Produktionsverfahren sorgten für einen ausgezeichneten Umsatz. In Zeiten der Hochkonjunktur hatte das Unternehmen ca 500 Beschäftigte. Rudolf Isbary Junior übernahm die Firma und erwarb Grundbesitz im Pielachtal, die Isbary´sche Güterdirektion hatte damals 8000 ha und befindet sich bis heute im Familienbesitz.

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Das Palais Isbary ist ein späthistoristischen Bau mit großem Mansarddach und barockähnlichen Dekor. Das Palais besteht aus Parterre, zwei Stockwerken und einer Mansarde. Akzente setzen die zwei Rundbogen-Doppelfenster mit geschwungenem Steinbalkon und bilden mit den einfachen Fenster die Beletage.

Das Stiegenhaus fällt durch ihr reiches Schmiedeeisengeländer auf, die Wände beeindrucken mit Stuckmarmor und in der Nische im unteren Treppenteil ist eine Venus-Statue aus Marmor zu sehen. Eine Innenbesichtigung des Palais Isbary ist nicht möglich.

Das Palais hat den zweiten Weltkrieg und die Demolierungswut der 50er Jahre gut überstanden, im Gegensatz zu dem Rothschild Palais, und befindet sich in einem sehr guten restaurierten Zustand.

Adresse

Schmöllerlgasse 5, 1040 Wien

Wiener Linien: U1 bis Taubstummengasse oder Linie D bis Plößlgasse

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Villa Vojcsik

Secessionistische Architektur von Otto Schönthal

Die Villa Vojcsik wurde 1901 in Hütteldorf, das damals ein Teil des 13. Bezirks Hietzing war, von dem 23 jährigen Otto Schönthal im secessionistischen Stil für Dr. Ladislaus Vojcsik entworfen, dieser war der Hausarzt Otto Wagners.

Otto Schönthal besuchte die Meisterschule Otto Wagners und war nach Abschluss des Studiums einige Jahre im Atelier von Wagner tätig und an Projekten wie der prominenten Kirche am Steinhof und dem Baujuwel der Wiener Moderne, der Postsparkassa, tätig.

Die Villa Vojcsik wurde 2005 nach historischen Fotos restauriert und fehlende Fassadenstrukturen wurden ersetzt, diese Villa ist ein positives Beispiel für eine behutsame Restaurierung, diese sollte öfters bei den vielen historischen Gebäuden in Wien angewendet werden.

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Beim Anblick der prächtigen Villa fällt mir die zweite (kleine) Villa Wagner in der Hüttelberstrasse ein, die eine gewisse Ähnlickeit mit der Villa Vojcsik aufweist. Das architektonische Prachstück ist eines der wenigen realisierten Objekte der couragierten Entwürfe der Wagnerschule um.

Das Haus befindet sich in 1140 Wien und ist noch heute im Besitz der Familie Vojcsik.

Adresse

Linzer Straße 375, 1140 Wien

Wiener Linien: Linie 49 oder 47 B bis Bahnhofstraße

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Villa Vojcsik auf Google Maps

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Ruedigerhof

Eines der schönsten Jugenstilhäuser

Jugendstil Architektur findet sich in fast allen Wiener Bezirken, ein kompaktes Viertel gibt es in Wien nicht. Es hat den Vorteil, das fast jeder Bezirk einige Jugendstil Prunkstücke aufweisen kann, daher erlebt der Wien-Besucher auch ausserhalb der City so manche Überraschung.


Einer der schönsten Jugendstil Bauten wurde von Oskar Marmorek 1902 in der Hamburgerstrasse 20 erbaut und ist als Rüdigerhof bekannt. Das heute unter Denkmalschutz stehende Haus wurde inzwischen prachtvoll restauriert, der in Weiß, Blau und Gold gehaltene Baukörper und die verschiedene Putzformen, wie etwa ein Wellenputz im Sockelbereich beeindrucken ebenso, wie das auf der Höhe eines Halbstocks befindliche Kaffeehaus.

Im Rüdigerhof wohnte der überaus beliebte Operettensänger und Operettenbuffo, Kabarettist und Komponist Ernst Arnold.

Dem Architekt Oskar Marmorek verdankt Wien etliche beachtliche Bauten, wie z. B. den Nestroyhof am Nestroyplatz 1, die Wohnhäuser Lindengasse 4 oder Windmühlgasse Nr30 und 32. Er gestaltete zahlreiche große Ausstellungen im Prater, wie die berühmte Schau „Venedig in Wien“, die am 18. Mai 1895 im Wiener Prater eröffnet wurde.

Wie schon oben geschrieben, ist es für mich eines der schönsten Jugendstilhäuser in Wien.

Café Rüdigerhof


Die Einrichtung des Kaffeehauses ist ein gelungener Mix aus Jugendstil und 50er Jahre, was den  Charme dieses Kaffehauses ausmacht. Teilweise ist die Originaleinrichtung noch erhalten.

Sehr originell finde ich die außen gepolsterten Toilettentüren und die Telefonkabine aus den 50ern. Der Gastgarten zählt zu einen der schönsten in Wien, mit Blick auf die rechte und linke Wienzeile, Wienfluss und dem prachtvollen Jugendstilhaus.

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Seit den 50er Jahren befindet sich das Café Rüdigerhof im Besitz der Fam. Halper, es wurde vor ca 3 Jahren restauriert und erstrahlt wieder in voller Pracht.

Das Café weist eine Besonderheit auf, im Gastgarten können laue Sommernächte bis 2h genossen werden, das ist sicher einmalig in Wien.

Adresse

Hamburgerstrasse 20, 1050 Wien

Wiener Linien: U4 bis Kettenbrückengasse

Öffi-App

Literatur

Unbekanntes Wien: Verborgene Schönheit. Schimmernde Pracht, Wien 2010, ISBN 978-3854315131