Themen zu den Eigenheiten und Vorlieben der Wiener, wie der Wiener Dialekt, der besondere Bezug zum Tod und den Friedhöfen

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Porzellanmanufaktur und Museum Augarten

die bewegte Chronik der Porzellanmanufaktur Augarten

Die Porzellanmanufaktur wurde 1718 von dem k. k. Hofkriegsagenten Clau­di­us In­no­cen­ti­us du Paquier in Wien gegründet, sie ist die zweitälteste Manufaktur Europas.
Über 250 Jahre spannt sich der Bogen der Tradition von Clau­di­us In­no­cen­ti­us du Paquier`s „Porcellain-Fabrique“ im Gräf­lich Kunst­ein’schen Haus in der Rossau bis zur Manufaktur im Wiener Augarten.
Die zweitälteste Pozellanmanufaktur Europas, nach Meißen, wurde in „verbotener Liebe gezeugt“, wie einer ihrer Historiker 1819 feststellte. Denn du Paquier bediente sich offensichtlich nicht ganz legaler Mittel um nur acht Jahre nach der Gründung der Meißner Manufaktur (sie wurde von Au­gust den Star­ken gegründet) in den Besitz des Arkanums ( Arkanum des Porzellans ist Masse, Glasur und Farben) zu kommen und diese geheime und streng behütete Kunst der Porzellanherstellung nach Wien zu holen. Es muß du Paquier zu Gute gehalten werden, dass er dafür hohen persönlichen Einsatz an Studien, Geld und Unternehmermut investierte.
Wie es du Paquier gelang das gut gehütete Arkanum nach Wien zu bringen, konnte bis jetzt nicht geklärt werden, das es aber nur mit Mithilfe Meißener Mitarbeiter geschehen konnte, trotz der stren­gen säch­si­schen Si­cher­heits­vor­keh­run­gen ( strengste Strafen bis zur Sippenhaftung), ist völlig klar.

Erste Periode: Die Wiener Porzellanmanufaktur unter Clau­di­us In­no­cen­ti­us du Paquier von 1718 bis 1744

Auf Grund des von Karl VI. in Laxenburg, im Jahre 1718, unterzeichneten „Spezialprivilegium“ hatten du Paquier und seine „Mit-Consorten“ Peter Heinrich Zerder, Christoph Conrad Hunger (Kunstarbeiter aus Meißen), und Martin Becker (vermutlicher Geldgeber) für 25 Jahre das alleinige Recht, innerhalb der österreichischen Erblande Porzellan zu erzeugen.
Ab dem Jahr 1719 arbeitete auch der Meißener Arkanist Samuel Stölzel in der Manufaktur mit, aus diesem Jahr stammt die erste datierte Porzellantasse, sie befindet sich heute in Hamburg und trägt die Aufschrift: „3 May 179, Gott allein die Ehr und sonst keinem mehr“.
Doch schon kurze Zeit später verließ Stölzel, enttäuscht von den nicht erfüllten Zusagen du Paquiers, die Wiener Manufaktur und fügte ihr vorher noch beträchtliche Schäden zu, er zerstörte das kostbare Gut Porzellanmasse und nahm Höroldt, den besten Wiener Maler, nach Meißen mit, auch Hunger verließ im gleichen Jahr die Wiener Porzellanmanufaktur. Da Stöl­zel ver­si­cher­te, er ha­be nie­man­dem das Ge­heim­nis der Por­zel­l­an­her­stel­lung „so weit of­fen­ba­ret, dass die Fa­bri­que allhier oh­ne ihn fort­ge­füh­ret wer­den kön­ne“, wur­de er im Ju­ni 1720 wie­der in Mei­ßen auf­ge­nom­men.
Al­ler­dings lag Stöl­zel mit die­ser Ein­schät­zung falsch: du Paquier be­saß in der Zwi­schen­zeit aus­rei­chen­des Wis­sen über das Arkanum, er dachte sogar an eine Vergrößerung der Manufaktur und im Jahr 1721 war es soweit, er erwarb das Breunersche Sommerpalais in der Rossau.
Par­al­lel zum wach­sen­den An­ge­bot stieg auch der Be­darf an Por­zel­la­ner­de, de­ren Be­schaf­fung äu­ßerst schwie­rig wur­de. Im Jahr 1729 ver­bot Au­gust der Star­ke, zum Schutz der Pro­duk­ti­on in Mei­ßen, die Aus­fuhr der wei­ßen Er­de aus dem säch­si­schen Aue. Er­satz für die „Schnorr’sche Er­de“, die ih­re Be­zeich­nung nach dem Gru­ben­be­sit­zer Veit Hans Schnorr von Ca­rols­feld er­hielt, wur­de in der Pas­sau­er Er­de ge­fun­den. Die­se im Baye­ri­schen Wald ge­gra­be­ne Er­de ver­lieh dem du Paquier-Por­zel­lan sein ty­pi­sch gräu­li­ches Er­schei­nungs­bild.

Manufaktur Augarten


Trotz des En­ga­ge­ments du Paquiers ge­riet der Be­trieb im­mer wie­der in fi­nan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten. Nach der Auf­nah­me ei­nes Dar­le­hens er­hielt er auf kai­ser­li­chen Wunsch eine finanzielle Un­ter­stüt­zung durch die Stadt Wien. Nach Ablauf des 25 -jährigen Privilegiums sah sich du Paquier nicht mehr in der Lage die Fabrik weiterzuführen, daher übergab er 1744 sein „porcellain-fabrique“ dem Staat.
Mit die­ser Um­struk­tu­rie­rung war zu­gleich ei­ne neue Stil­rich­tung in der Por­zel­lan­ge­stal­tung ver­bun­den, die mitt­ler­wei­le ver­al­te­ten Wa­ren­be­stän­de wur­den bei Por­zel­lan-Lot­te­ri­en ver­äu­ßert.
Das Sor­ti­ment der Pe­rio­de du Paquiers um­fass­te „kost­ba­re Ge­schir­re und Auf­sät­ze zu Früch­ten und Con­fi­tu­ren auf Taf­feln, die sehr theu­er be­zah­let wer­den“. Zu den wert­vol­len Lu­xus­por­zel­la­nen ge­hörte ein Ge­schirrsatz mit über 30 Ter­ri­nen und Kühl­ge­fä­ßen aus der Zeit von 1730/1735. Mit sol­chen kost­ba­ren Ge­schen­ken konn­ten nicht nur di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen ge­pflegt, son­dern zu­gleich die Leis­tungs­fä­hig­keit und Mo­der­ni­tät der Wie­ner Por­zel­lan­ma­nu­fak­tur in die Welt ge­tra­gen wer­den.

In dieser Periode nahmen die Künstler und Handwerker Anleihen aus der zeitgenössischen Ornamentik, wie aus dem Laub- und Bandelwerk, aber auch aus asiatischen Vorbildern, die ihnen von den adeligen Auftraggebern zur Nachahmung überlassen wurden. Den Modegetränken Kaffee, Tee und Schokolade wurde durch das neue Luxusmaterial Porzellan ideal gedient. Die Trembleuse, ein Schokoladenbecher der mit dem Untersatz in einem geformt wurde, war eine geniale Schöpfung für das vergnügliche sowie repräsentative Frühstück im Bett, wie man es im 18. Jahrhundert sehr schätzte.

Porzellanzimmer aus dem Palais Dubsky in Brünn, um 1740

Sogenannte „Porzellan-Cabinette“ kamen in Europa um 1700 in Mode, nach dem importierten chinesichen und japanischen Porzellan gab es mit dem Porzellanzimmer aus dem Brünner Palais Dubsky das erste europäische Porzellan. Es ist wohl das wichtigste Werk der Porzellanmanufaktur unter du Paquier und war für die Gräfin Maria Antonia von Czobor, geborene Fürstin von Liechtenstein, bestimmt. Dieses Porzellanzimmer umfasst um die 1450 kleine und kleinste Porzellanarbeiten und entstand in den Jahren 1720 bis 1735, Untersuchungen ergaben, dass es ursprünglich für einen anderen Raum bzw. Ort vorgesehen war und erst danach in das Palais Dubsky eingefügt wurde.
Das prächtige Porzellanzimmer wurde 1912 für die Sammlung des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie (heute MAK) angekauft und ist dort zu besichtigen

Zweite Periode: Staatsmanufaktur unter Maria Theresia von 1744 bis 1784

Ab diesem Zeitabschnitt war die Manufaktur unter Aufsicht des Staates und unterstand ab nun der Hof-Banco-Deputation, deren erster Administrator Mayerhofer von Grünbühel war. in dieser Zeit waren Johann Joseph Niedermayer (er war Schüler von Georg Raphael Donner) und Ludwig Lücke Modellmeister in der Manufaktur. Eine der wichtigsten Änderungen in dieser Zeit war die Einführung des Bindenschildes, er war anfangs eingepresst, eingeritzt oder in den Farben rot, gold, schwarz, purpurrot über der Glasur angebracht, ab 1749 wurde der unterglasurblaue Bindenschild Vorschrift, Jahresstempel wurden erst ab dem Jahr 1784 eingeführt, daher ist es kaum möglich die Porzellane vor dieser Zeit einzuordnen.
Bedeutende Künstlerpersönlichkeiten waren für die Staatsmanufaktur tätig, wie Johann Gottfried Klinger oder der Porzallanbossierer Ludwig von Lücke aus Meißen. In dieser Zeit zeigte sich ein stilistischer Umschwung zum Rokoko, der anfangs durch die Meißener Künstler und der Übernahme von Meißener Modellen geprägt war, später war figurale Porzellanplastik ein zentrales Thema der Bildhauer dieser Epoche. Daher wird diese Periode auch „plastische Periode“ genannt, der „Zwettler Tafelaufsatz“ zeigt diese Periode in seiner schönsten Form der Wiener Figuren, wie Puttengruppen, Kaufrufe, Allegorien, Jahreszeiten uvm. Auch Hofzuckerbäcker und Theateringenieure prägten die Gestaltung der dekorativen „Gesellschaften“ aus Porzellan, die als vielfigurige Tafelaufsätze für den Dessertgang zum Einsatz kamen. Sie waren ein Abbild der höfischen Gesellschaft und ihrer Vergnügungen, außerhalb der Palaismauern waren es Kaufrufe und anderes Straßenvolk, die die Strukturen dieser Zeit dokumentieren.
Die figurale Porzellanplastik drängte die Tafelgeschirre des Rokoko in den Hintergrund, obwohl sie mit ihren typischen asymetrischen Formen wie Blumen- und Früchtedekore, reiche figurale Malereien und Watteaufiguren sehr hochwertig waren. Mit den 80er Jahren verabschiedete sich das Rokoko und der Klassizismus hielt mit dem Biskuitporzellan (unglasiert), ähnlich der Jasper-Ware Wedgewoods, Einzug.
Die Manufaktur hatte nach der Übernahme durch den Staat einen Aufschwung zu verzeichnen, doch das Mißverhältnis zwischen tatsächlichen und angegebenen Vernögen war derart unterschiedlich, das 1783 der letzte Ausweg eine öffentliche Versteigerung war, nach einer erfolglosen Versteigerung der Staatsmanufaktur wurde Sorgenthal zum Direktor ernannt.

Wiener Porzellanmuseum

Dritte Periode: Die Manufaktur unter Conrad Sörgel von Sorgenthal von 1784 bis 1805

Der große Umschwung und die Blütezeit der Porzellanmanufaktur kam mit Conrad Sörgel von Sorgenthal, es ist seinem Talent und Geschick auf künstlerischen und wirtschaftlichen Gebiet zu verdanken, dass die Manufaktur in der Ära Sorgenthal zu einem großen Erfolg wurde, die Künstler wurden akademisch ausgebildet und in Wettbewerben zu Neuschöpfungen inspiriert. Als Vorbild galt die Antike mit ihren klaren Formen, feingliedrigen Ornamenten und Mythologien. Auch die Produkte der königlich-französischen Manufaktur von Sèvres und der englischen Manufaktur Wedgewood beeinflussten die Ästhetik der klassizistischen Porzellane aus Wien. Zur Qualitätskontrolle der höchst anspruchsvollen „Prachtware“ führte Conrad von Sorgenthal Jahresstempel, Bossierer- (Figuren werden aus vorgeformten Einzelteilen zusammengefügt) und Malernummern ein.
Den qualitativ wohl bedeutendsten Anteil an der Porzellanmalerei des Klassizismus hatten die Dessinmaler. Das „Dessin“ in der Bedeutung von „Ornament“ hatte seine große Zeit, hunderte von Entwürfen und zahlreiche Musterbücher sind noch erhalten, das Bestellbuch weist sorgfältig ausgeführte Dessins auf, die verschiedenen Musterteller sind mit Akribie ausgeführt.
Die Wiener Porzellanmanufaktur bildete einige typische, unübertroffene „Dessins“ aus: der Reliefgolddekor gedieh zur höchsten Perfektion und wurde gerne auf kobaltblauen Porzellanen oder Kupferlüsterfonds aufgebracht. Das in mehreren Schichten aufgetragene und in mehreren Bränden gefestigte Reliefgold gehörte zu den berühmten Spezialitäten der Wiener Manufaktur. Das Kobaltblau (auch „Leithnerblau“ genannt) ist eine der schönsten und haltbarsten Porzellanfarben, es wurde von dem Obermaler Josef Leithner entdeckt und von anderen Manufakturen oftmals kopiert.
Die wichtigsten Figurenmaler sind Anton Schaller, Claudius Herr, Michael Weichselbaun, Carl Schweminger und Georg Lamprecht. In der Landschaftsmalerei ist der Obermaler Johann Weichselbaum oder in der Blumenmalerei sind Leopold Parmann, Josef Hinterberger zu erwähnen. Der Bildhauer Anton Grassi arbeitete als Porzellanmodellierer und war künstlerischer Leiter der Porzellanmanufaktur.
Unter der Direktion von Conrad Sörgel von Sorgenthal erlangte die Wiener Porzellanmanufaktur Weltruf und die Porzellane aus dieser Zeit erreichen heute bei Auktionen Höchstpreise.

Vierte Periode: Die Manufaktur unter Matthias Niedermayer von 1805 bis 1827

Matthias Niedermayer, der Sohn des Modellmeisters Joseph Niedermayer, übernahm nach dem Tod Sorgenthals die Manufaktur. Durch den österreichisch-französischen Krieg erlitt Österreich territoriale Verluste und die Zweigmanufaktur von Engelhartszell ging an Bayern verloren, die Produktion mußte reduziert werden da es durch die Donausperre an Rohmaterial mangelte und dadurch fleckiges Porzellan entstand. Etliche Mitarbeiter wurden zur Landwehr eingezogen, das waren alles negative Ereignisse für die ehemals sehr gut gehende Manufaktur und brachten sie an den Rande des Ruins.
Der Aufschwung begann wieder mit dem Wiener Kongress, die vielen rauschenden Feste ließen den Bedarf nach luxuriösem Porzellan wieder steigen und sehr gerne wurde die Prachtware als Präsent weitergereicht.
Das Biedermeier förderte den Sinn nach schönen Dingen und der Mensch begann sich auf persönliche Werte zu besinnen, zu dieser Zeit waren Tassen mit Sinnsprüchen und Widmungen die dem Freundschaftsideal huldigten sehr beliebt, die Tassensammlungen zeigten eine heile Welt fern aller Politik. Ebenso gehörten Blumenrätseln, die der Angebeteten zarte Geständnisse übermittelten, zu den beliebtesten Geschenken, die Motive der Blumenmalerei entstammten vorwiegend aus den Hausgärten, deren Pflege ebenfalls zu den beschaulichen Vergnügungen des Biedermeier gehörten.
Neben der Anfertigung großer Service und Tafelaufsätze brillierte die Porzellanmanufaktur in der Malerei auf großen Porzellantafeln.

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Niedergang und Schließung 1827 bis 1864

Trotz der großen Beliebtheit, der allerhöchsten Qualität und dem Privileg des k. k. Hoflieferanten konnte die Wiener Porzellanmanufaktur gegen die zunehmende Industrialisierung und der Überschwemmung von billigen und minderwertigen Produktionen (oder auch Kopien) aus Böhmen nicht standhalten und erlitt dadurch steigende Verluste. Weiters waren auch Zugeständnisse an neue Techniken notwendig und Drucktechniken ersetzten vielfach eine Bemalung von Hand. Die Zeiten einer „Kunstanstalt“ schienen sich zu neigen.
1864 gab Kaiser Franz Josef I. einem Auftrag des Abgeordnetenhauses nach, die k. k. Wiener Porzellanmanufaktur zu schließen. Der künstlerische Nachlass wurde dem damaligen Museum für Kunst und Industrie (MAK) übergeben. Wenig später wurde erkannt dass diese Schließung eine Fehlentscheidung war. Nach der Schließung wurde der Markt mit Fälschungen überschwemmt, die bis heute auf Flohmärkten, Online-Auktionsplattformen und bei Händlern zu finden sind. Als großer Glück für Fälscher erwies sich nach der Schließung die Versteigerung in der Sorgenthal-Ära mit unbemalten weißen Porzellan, da die Porzellane im späten 19. Jahrhundert oft nachträglich bemalt wurden, dieses weiße Sorgenthal-Porzellan hatte einen Original Bindenschild, Jahresstempel und Weißdrehernummer, die spätere Übermalung ist daher kein Kriterium für Echtheit und es ist somit eine Fälschung.
Jacob von Falke schrieb 1873 zur Wiener Weltausstellung, dass höfische Prunkobjekte der Vergangenheit angehörten und das Porzellan auf den zweckmäßigen, wenn auch schmückenden Gebrauch als Tafelgeschirr reduziert sei.
Die Gebäude der Porzellanmanufaktur wurden später abgeriessen und an ihrer Stelle steht heute das Gebäude der Generaldirektion der Tabakregie. Die Porzellangasse wurde im Jahr 1862 nach der Wiener Manufaktur benannt.

Ausstellungen „Wiener Wandlungen“ im Porzellanmuseum

Gründung der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten im Jahr 1923

Die gegründete Porzellanmanufaktur Augarten führte die Tradition der k. k. Porzellanmanufaktur fort und legte die bekanntesten figuralen Darstellungen und beliebtesten Servicedekore des Wiener Porzellans des Spätbarock, Rokoko und Klassizismus wieder auf. Weiters widmete Sie sich der handwerklich aufwändigen und somit kostenintensiven Herstellung von qualitativ hochwertigem Porzellan. Sowohl in der Wahl der Formen als auch für die Dekorationen schufen sowohl etablierte als auch junge Künstler neue Entwürfe für ihre Produktion.
Auf der „Jubiläumsausstellung Wiener Kunstgewerbe“ im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie im Jahr 1924 wurden Arbeiten von Franz Barwig, Hertha Bucher, Herma Gärtner, Otto Hofner, Josef Humplik, Mathilde Jaksch, Mela Köhler, Dina Khun, Jakob Löw, Carl Schwetz, Ida Schwetz-Lehmann, Vally Wieselthier und Franz von Zülow gezeigt. Walter Bosse übersetzte mit seinen vier für Augarten entworfenen Grotesken den Zeitgeist des Art déco in humorvoller Weise.
Für ihre Leistungen auf der Pariser Kunstgewerbeausstellung im Jahr 1925 erhielt die Manufaktur eine Goldmedaille, ausgezeichnet wurden die pastellfarben staffierte Uhr „Stadtbild“ von Hertha Bucher, die abstrahiert und farbintensiv bemalte Vase von Franz von Zülow, wie auch die dem damaligen Schönheitsideal entsprechenden schlanken Figuren „Erste Rosen“ von Ida Schwetz-Lehmann und „Mädchen mit Faun“ von Carl Schwetz.
Neue Formen und Dekore im Zeitgeist der Wiener Werkstätte brachten die Serviceentwürfe von Josef Hoffmann, Michael Powolny, Otto Prutscher und Ena Rottenberg. Meine persönlichen Favoriten sind das Melonenservice in schwarz/ weiß von Hoffman sowie das Service „Form 20“ von Ena Rottenberg, es besitzt anstelle der Deckelknäufe Exotenköpfe, wie den Inder, Malayen, Mohren und Chinesen. Das ist zwar politisch nicht korrekt, aber die Exotenköpfe nennen sich so:-)
Friedrich Ludwig von Berzeviczy-Pallavicini arbeitete im Winter 1935/36 an Entwürfen für Augarten, viele Ausformungen blieben Einzelstücke da sie durch den kobaltblauen Fond und Golddekor sehr kostenintensiv waren.

Die berühmte und sehr beliebte Serie der Lipizzanerfiguren Trab, Courbette, In den Pilaren, Levade und Piaffe wurde in den Jahren 1926 und 1927 von Albin Döbrich entworfen.
In den 50er Jahren zeigte sich eine Vorliebe für Schlichtheit wie an den Modellen von Ursula Klasmann zu sehen ist, die Modelle des Wolfgang Hutter und Arik Brauer zeigen die Symbiose Porzellankunst und die Wiener Schule des Phantastischen Realismus.
Das 21. Jahrhundert ist unter anderem mit den Künstlern Claudia Stuhlhofer-Mayr, Yu Feng, Kurt Spurey, Gottfried Palatin, Philipp Bruni, Mostlikely, Gregor Schmoll und Gundi Dietz vertreten, sie alle schließen mit ihren Entwürfen an die Tradition der Zwanziger Jahre.

Die Porzellanmanufaktur ist seit September 2003 ein Teil der Gesellschaft von Dr. Erhard F. Grossnigg, die Stadt Wien hätte das Traditionsunternehmen im Jahr 2003 in den Konkurs schlittern lassen, Werte und Tradition sind scheinbar für die Stadtregierung kein Thema…

Porzellan Museum Augarten

Seit 2011 beherbergt das Porzellanmuseum im ehemaligen kaiserlichen Lustgebäude im Augarten hervorragende Exponate aus den verschiedenen Epochen des Wiener Porzellans. Im Erdgeschoß des Porzellanmuseums ragt der 2-stöckige historische und imposante Brennofen aus dem Jahre 1923 über beide Ausstellungebenen, zur Zeit ist in seinem Inneren die Ausstellung „Wiener Wandlungen“ mit den Modellen von Bärbel Thoelke zu sehen.

Das Museum des weißen Goldes illustriert die Geschichte des Wiener Porzellans, es zeigt repräsentative Beispiele der verschiedene künstlerischen Phasen der Manufaktur. Im Erdgeschoß sind Modelle aus dem 20. und 21. Jahrhundert zu bewundern, wie unter anderem Exponate der Wiener Werkstätte und des Art Déco. Zur Zeit ist im Inneren des historischen Brennofen die Ausstellung „Wiener Wandlungen“ mit den Modellen von Bärbel Thoelke zu sehen.

Im Obergeschoß erfährt der Museumbesucher viel Wissenswertes über Porzellan und seinen Ursprung, der Gründung der Wiener Porzellanmanufaktur unter du Paquier bis zur Schließung im Jahre 1864 ist mit kostbaren Exponate ein großer Teil des Obergeschoßes gewidmet. Hier finden MuseumsbesucherInnen anschaulich die verschiedenen Produktionsschritte dargestellt, er oder sie kann auch die wichtigsten Ingredienzien des Porzellans: Kaolin, Feldspat und Quarz befühlen.
Die Exponate stammen zum Teil aus dem Bestand der Manufaktur und zum anderen Teil sind es Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen.
An dieser Stelle möchte ich mich für das sehr liebe Gepräch mit Frau Marina Yolbulur-Nissim, der Leiterin des Porzellanmuseums, bedanken sowie bei Mag. Andrea Stricker-Pokorn für die Genehmigung zu fotografieren.

Jedes Porzellan ist handgefertigt und daher ein Unikat, es besteht aus mehreren Einzelteilen, wie z. B. die Figur Courbette mit Reiter und Pferd, sie besteht aus 60 Einzelteilen.
Um 1860 wurde der Markt mit Billigprodukten aus Böhmen überschwemmt, heute ist es die noch minderere Massenware aus China, jedoch wird der Liebhaber des handgefertigten Porzellanes diese chinesische Ware nicht als Porzellan bezeichnen:-)
Die kostbaren Porzellanprodukte sind im Shop der Porzellanmanufaktur Augarten oder in einem der Flagshipstores zu erstehen.

Adresse

Obere Augartenstraße 1, 1020 Wien

Wiener Linien

U2 bis Taborstraße, 31er, 5A oder 5B bis Obere Augartenstraße

Öffi-App

Weblinks

http://www.augarten.at/
http://www.format.at/news/oesterreich/das-reich-sanierers-erhard-grossnigg-374628

http://www.mak.at/jart/prj3/mak-resp/main.jart?rel=de&reserve-mode=active&content-id=1343388632776&article_id=1339957565083&media_id=1342703965342&menu-id=1343388632776

Literatur

Waltraud Neuwirth: Porzellan aus Wien. Von du Paquier zur Manufaktur im Augarten, 1992
ISBN-13: 978-3811360846

Waltraud Neuwirth: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung, 1979
ISBN-13: 978-3900282073

Waltraud Neuwirth: Wiener Porzellanmanufaktur Augarten – Kataloge 1926-1927, 2010
ISBN-13: 978-3900282639

Waltraud Neuwirth: Wiener Porzellan 1718-1864. Vom Barock zum Historismus Broschier, 1983
ISBN-13: 978-3900282219

Waltraud Neuwirth: Wiener Porzellan. Vom Spätbarock zum Art Deco. Gebundene Ausgabe, 1990
ASIN: B007WC4CNA

wiener prater, wiener klischees

Wiener Klischees

Mythos oder Realität

was erwartet sich der Wien-Besucher von den WienerInnen, wie werden sie gesehen oder wie möchten sie die Wien-BesucherInnen sehen? Zu diesem Thema gibt es viele Meinungen und Erwartungshaltungen, eines ist aber sicher, die WienerInnen lassen sich nicht in eine Schablone pressen und sind so individuell wie auch der Rest der Menschheit.

Kommen wir jetzt zu den typischen Klischees, es mag wohl etwas überzogen klingen aber so ähnlich habe ich es tatsächlich schon gehört;-):
Die Wiener beginnen den Morgen ganz gemütlich mit einer Melange (Milchkaffee) im Cafehaus, nachher begeben sie sich zum Würstelstand und bestellen sich ein Paar Würsteln mit einem Bier, anschließend lassen sie sich mit dem Fiaker in die Arbeit bringen um dort notgedrungen einige Zeit zu verbringen, in der Mittagspause begeben sie sich in eines der Wiener Beisl um dort das obligate Wiener Schnitzel zu verspeisen. Nach der Arbeit führt sie der nächste Weg wieder in ein Cafehaus, um dort wieder eine Melange und eine Sachertorte, oder eine andere Mehlspeise, zu bestellen, danach treffen sie sich mit Freunden beim Heurigen um dort bei herzzerreißenden, todessehnsüchtigen Heurigenliedern ein paar Vierterl Wein zu trinken und um die Wiener Gemütlichkeit zu zelebrieren oder sie gehen in eines der vielen Museen, in den Wiener Prater oder auf den Friedhof. Den Abend verbringen sie in der Oper oder schwingen zu Schanis (Johann Strauß) Walzerklängen das Tanzbein.

Ist das nicht ein herrliches Leben? Arbeit wird zur Nebensache und das Vergnügen wird zur Hauptbeschäftigung, allerdings sollten dann wöchentliche Arztbesuche einkalkuliert werden, da die vielen Mehlspeisen, das tägliche Wiener Schnitzel und der Wein sicher gewisse körperliche Defizite hinterlassen.

die Realität sieht anders aus

Wiener Cafehaus und Sachertorte

Wien hat eine sehr große Cafehaus-Tradition, Peter Altenberg der Cafehaus-Literat chakterisierte „das Kaffeehaus als nicht zu Hause und doch nicht an der frischen Luft“. Ja es stimmt, die WienerInnen gehen gerne in das Cafehaus (jedoch nicht täglich) und der Cafe schmeckt auf Grund des weichen Wiener Wassers sehr gut. Wien hat noch sehr viele Cafehäuser, so sie nicht auf Grund der unternehmensfeindlichen Bestimmungen zusperren müßen, und können mit einer großen Kaffeevielfalt aufwarten wie z. B. den kleinen Mokka, Espresso oder auch „kleiner Schwarzer“, „großer Schwarzer“ genannt, großer Mokka, Wiener Melange, Cappuccino, türkischer Kaffee, Einspänner, Fiaker und einige mehr.
Wiener Mehlspeisen sind in keiner Konditorei und keinem Cafehaus wegzudenken, auf Grund des Vielvölkerstaates finden sich sehr viele süße Schmankerln aus Tschechien, Ungarn, Rumänien und der Slowakei auf den Speisekarten. Ob warme Mehlspeisen wie den Kaiserschmarrn, Palatschinken, Buchteln oder kalte Mehlspeisen wie Torten, Strudel, Rouladen oder Petit Fours, diese süßen Herrlichkeiten sind ein Genuß für jeden Mehlspeistiger und die, die es in Wien noch werden. Die Sachertorte ist also nicht die einzige Mehlspeise, die (auch nicht täglich) gerne gegessen wird, gerade sie ist bei Wien-Besuchern sehr beliebt und wird in die ganze Welt versand.

Demnächst mehr über die Wiener Cafehaus-Tradition und Wiener Mehlspeisen

Würstelstand

von diesen gibt es nicht mehr sehr viele, heute essen die WienerInnen einen Fast Food Mix wie Falafel, Hotdogs, Würstel, Kebab, Noodles, Pizzen und Sandwiches. Der bekannteste Würstelstand ist der Bitzinger bei der Albertina mit einer großen Auswahl an verschiedenen Würsteln, hier muß ich leider auch wieder mit einem Klischee aufräumen: die Bestellung der WienerInnen erfolgt bei einem Würstelstand nicht mit dem überstrapazierten Satz im Wiener Dialekt „a Eitrige mit an Schoafn, an Buckl und an 16er-Blech“ (Käsekrainer mit scharfem Senf, einem Scherzel Brot und einer Dose Ottakringer Bier) wenn Du diese Bestellung aufgibst, weiß jeder dass Du ein Tourist bist:-)

Fiaker

sind eine Touristenattraktion die für mich allerdings mehr als fragwürdig ist (außer am Zentralfriedhof und in Schönbrunn), kaum ein/e WienerIn läßt sich mit einem Fiaker durch Wien kutschieren um Sisi und Franz Joseph I. zu spielen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen…

Wiener Beisl und Wiener Schnitzel

„echte“ Wiener Beisl gibt es nur mehr wenige und sie sind daher wieder sehr beliebt bei den WienerInnen, aber auch hier sind die „Eingeborenen“ nicht täglich zu finden und sie essen nicht jeden Tag ein Wiener Schnitzel. Das Original Wiener Schnitzel wird aus Kalbfleisch gemacht, heute besteht es oft aus Hühner- oder Putenfleisch oder aus Soja für Veganer oder Vegetarier.
Also wieder eine herbe Enttäuschung *gg*

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Heuriger und Wein

und nun die nächste Enttäuschung, die WienerInnen gehen nicht sooft zum Heurigen wie immer behauptet wird, wieder sind es sehr viele Wien-Besucher die einen Heurigen besuchen. WienerInnen trinken zwar gerne Wein, aber das geschieht auch nur ein paar mal im Monat und somit wurde auch dieses Klischee etwas entzaubert. Eine besondere Empfehlung ist der Wiener Wein, in Wien gibt es in etwa 612 Hektar Rebfläche, was für eine Großstadt einzigartig und ebenso einzigartig ist der kleinste Weingarten Wiens, er befindet sich im ersten Bezirk am Schwarzenbergplatz.

Demnächst mehr über den Wiener Wein

Freizeitvergnügungen

Auch hier sind es wieder nur Klischees, auch wenn nicht abzustreiten ist dass die WienerInnen Vergnügungen lieben, aber wer nicht? Diese Vergnügungen sind so vielfältig wie in jeder Großstadt, daher gehören Museen, Oper und Theater genauso dazu wie Vernissagen, Events und Musikveranstaltungen. Wien hat sehr viele traditionelle Ballveranstaltungen und trotzdem kann nicht jede/r WienerInnen Walzer tanzen, manche tun aber so wie wenn sie es könnten:-) Natürlich wird der Wiener Prater besucht, aber er zählt ebenso wenig zum Lebensinhalt der WienerInnen wie die anderen Klischees, ich bevorzuge lieber den grünen Prater, aber Geschmäcker sind bekanntlich sehr unterschiedlich. WienerInnen und der Tod sind ein eigenes Kapitel, es ist demnächst auf diesem Wien-Blog zu lesen.

Also sehr viel ist von den typischen Klischees nicht übrig geblieben, manche WienerInnen leben vieleicht diese Klischees oder sind schon selbst eines *gg*, aber das ist sicher eine Minderheit, der Rest sind Sagen und Legenden aus Wien. Wir WienerInnen sind, bis auf ein paar Eigenheiten, also nicht soo viel anders als viele meinen. Was meint Ihr dazu, schreibt mir Eure Erfahrungen.

Fotos

© http://www.sacher.com/

© http://www.wienerwein.at/

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Wiener Seelen

was macht sie aus

Hier versuche ich als Wienerin die Wiener Seele halbwegs objektiv zu beschreiben, ob es mir als „Betroffene“ gelingt werden eure Reaktionen zeigen:-)

Den Wienern werden viele ihnen typische Eigenschaften zugeordnet, manche sind positiv und manche wieder sind negativ, aber gibt es wirklich einen so großen Unterschied zu den anderen Bundeslandbewohnern?
Ich denke dass es ihn gibt, da das Leben in der größten Stadt Österreichs mit ca 1,8 Millionen Einwohnern anders verläuft als in einem idyllischen Dorf mit 700 Einwohnern (nicht negativ gemeint), durch den großen Zuzug aus den Kronländern während der Monarchie erhielt Wien eine kulturelle Prägung, die bis heute in der Sprache, in der Küche und der Lebenseinstellung zu finden ist.

wie tickt die Wiener Seele

Die Wiener Seele ist gutmütig, etwas fatalistisch, lebenslustig, bequemlichkeitsliebend und läßt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen, Ruhe ist eine sehr wichtige Eigenschaft für die WienerInnen und daher wollen sie sich auch meist nicht mit Veränderungen anfreunden. Das Raunzen (nörgeln, jammern) hat in Wien Tradition und wird auch dementsprechend gepflegt;-), schon um die Jahrhundertwende waren die WienerInnen etwa mit architektonischen Veränderungen nicht zu begeistern, wie etwa das schnörkellose Looshaus am Michaelerplatz, es wurde „Haus ohne Augenbrauen“ genannt oder die Wiener Secession, diese wurde „Krauthappel“ (Kohlkopf) genannt. Eine der letzten großen Aufreger waren die Veränderungen der Mariahilferstraße zur Begegnungszone oder die Ampelpärchen in diesem Jahr, letztendlich wurden und werden jedoch die meisten Veränderungen vom Großteil der Wiener Bevölkerung doch angenommen und oft gefallen sie später sogar sehr gut.
Eine typische Eigenheit der Wiener Seele ist der Schmäh, einer der vielen Charakteristika der WienerInnen sind Humor, Lebenslust, Selbstironie, sich selbst und viele Situationen nicht als allzu wichtig zu betrachten. In gewisser Weise ist er ein Lebenskünstler, das zeigt sich in dem oft verwendeten Satz „schau ma mal“ und zeigt die Leichtigkeit des Seins, also ein gewisses Savoir-vivre;-)

Die WienerInnen sind im Grunde sehr friedliebend und gemütlich, da ihnen, wie schon oben erwähnt, ihre Ruhe sehr wichtig ist, aber die kleinen Unannehmlichkeiten des Alltags sorgen doch oft für kurzfristige Aufregungen. Die meisten lieben ihre Traditionen und sind auch sehr stolz daruf, diese ist aber nicht mit den üblichen Klischees zu verwechseln wie die der täglich Schnitzel essenden, Wein trinkenden und Walzer tanzenden WienerInnen.

Der Tod ist zwar ein Tabuthema, doch in keiner anderen Stadt wird so geliebäugelt mit ihm wie in Wien, aber keine Sorge, Ihr müßt das Thema nicht aufgreifen wenn Ihr mit WienerInnen ins Gespräch kommt.
Mehr zu diesem Thema in einem anderen Beitrag.

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Wiener Seelen lieben ihre Theater, Oper und Ihre Künstler (entweder hassen sie den Künstler oder sie lieben ihn), im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhundert war es fast schon eine kultische Verehrung, die heute zwar nicht mehr kultisch ist, aber eine gewisse Verehrung gibt es bis heute.

das goldene Wienerherz

manchesmal ist es sehr rasch zu finden oder macht sich gleich bemerkbar, manchesmal ist es etwas verborgen und es muß zuerst die rauhe Schale aufgekratzt werden bis es zum Vorschein kommt. Sehr oft ist bei den grantigen (schlecht gelaunt, mürrisch) und raunzenden Wienern sehr viel vom goldenen Herzen zu finden, daher lohnt es sich den Menschen hinter seiner raunzenden Schale oder seiner grantigen Fassade etwas besser kennenzulernen. Ihr werdet erstaunt sein, welch interessante und humorvolle Persönlichkeiten bei dem Grantler zum Vorschein kommen. Also lasst euch von der grantelnden Fassade nicht beirren, es steckt oft viel mehr Herzlichkeit dahinter als in der oberflächlich, vordergründigen Freundlichkeit mit dem aufgesetzten Dauergrinser.

Zitate über Wien

Karl Kraus „Der Wiener geht nicht unter.« Hoffnung oder Drohung? Vielleicht nur eine Höflichkeit, für »Unkraut verdirbt nicht“

Arthur Schnitzler „Die Kennworte des Wieners: Wie komm denn i dazu? Es zahlt sich ja net aus! Tun S‘ Ihnen nix an!“

Georg Kreisler „Wien bleibt Wien, das ist grad das Schöne dran. Wien bleibt Wien, daß man sich dran g’wöhnen kann“

Foto
Carsharing Drive Now

josefsdorfer friedhof wien

Josefsdorfer Waldfriedhof

oder auch Kahlenberger Friedhof

Der kleine denkmalgeschützte Biedermeierfriedhof liegt, unterhalb des auf dem Kahlenberg gelegenen Josefsdorfes (das Josefsdorf ist seit 1892 ein Teil des Kahlenbergerdorfes), neben der Kahlenberger Straße. Er wurde im Dezember 1783 eingeweiht und es gab ursprünglich an die 150 Grabstätten, unter anderem fanden hier einige der ehemaligen Besitzer des Josefsdorfes ihr letzte Ruhestätte. Das kleine zum Großteil unbekannte Kleinod liegt etwas versteckt, durch einen Holzzaun begrenzt, im Wienerwald, es führen ein paar Stiegen von der Kahlenbergerstraße zu dem Eisentor des Biedermeierfriedhofes.

Nach der Eröffnung des Zentralfriedhofes im Jahr 1874 wurde er, außer von den Resurrektionisten, nicht mehr belegt, heute sind nur mehr ein paar Gräber vorhanden. Seit 1906 ist der Orden der Resurrektionisten Besitzer der Kahlenberger Kirche und des Friedhofs, im Jahr 1966 wurde der Biedermeier-Friedhof für die Öffentlichkeit zur Besichtigung freigegeben.

Prälat Leopold Ungar, Präsident der österreichischen Caritas der Erzdiözese Wien, wurde hier 1992 bestattet, erstmals nach über 100 Jahren fand ein nicht dem Orden angehörender Verstorbener seine letzte Ruhe.

Neben Mitgliedern der Fürstenfamilie Liechtenstein wurde hier der „rosarote Prinz“ (die Aufschläge seines Waffenrocks waren rosa, diese wurde seine Lieblingsfarbe und ab diesem Zeitpunkt waren sein Briefpapier, die Fassadenfarbe seines Hauses sowie seine Gewänder stets rosarot) Fürst Charles Joseph de Ligne bestattet, neben ihm befinden sich seine Ehefrau Franziska Maria Xaveria von Liechtenstein und Enkelin Sidonie Potocka. Fürst Carl de Ligne war in den Diensten Kaiser Joseph II., im Alter widmete er sich vor allem der Kunst und dem Gesellschaftsleben. Er besaß ein Landhaus am Kahlenberg und ausgedehnte Güter am benachbarten Leopoldsberg, diesen ließ er durch eine serpentische Straße (den „Naseweg“) mit dem Kahlenbergerdorf verbinden. Carl de Ligne ist auch der berühmte Ausspruch über den Wiener Kongress zu verdanken: „Le congrès danse beaucoup, mais il ne marche pas“ auf Deutsch: „Der Kongress tanzt, aber er bewegt sich nicht“, er war ein ausgezeichneter Militärexperte, Diplomat und auch ein geistvoller aufgeklärter Denker, Essayist, Biograf und Briefschreiber. Auf Grund seiner Intelligenz, seinem eleganten Auftreten und seinem Witz war er sehr beliebt und einer der großen Repräsentanten des Ancien Régime. Wiens letzter Kavalier des Rokoko – Fürst Carl de Ligne starb während dem Kongress im Dezember 1814 in Wien.

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Das schönste Mädchen im Biedermeier

Auch die tragische „Braut vom Kahlenberg“, Karoline Traunwieser, wurde hier 1815 bestattet, sie war eine beliebte Sängerin und gern gesehener Gast bei Veranstaltungen des Wiener Kongresses, ihre Mutter besaß einen Teil des Kahlenbergs. Karoline Traunwieser galt einst als das schönste Mädchen Wiens und wurde von Künstlern und Gelehrten verehrt und umschwärmt. Knappe drei Jahre nachdem ihr Geliebter, ein französischer Offizier, auf Napoleons Russlandfeldzug gefallen war, starb sie im Alter von nur 21 Jahren an der Schwindsucht. Auch heute noch findet man an ihrem Grab manchesmal Kerzen und Blumen.
In ihrem Grabstein sind Gedichte und Anekdoten eingemeißelt, unter den vielen Huldigungen an Karoline war ein Beitrag des Gründers der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall, ein Orientalist, der Goethe mit persischen Gedichte versorgt hatte. Er schilderte seine erste, herzergreifende Begegnung mit ihr in einem Salon: „Ich war das erste Mal in meinem Leben von einer wirklich himmlischen Schönheit ergriffen, wie nie vorher und seitdem“. Leider gibt es von Karoline Traunwieser, die auch „Lottchen“ genannt wurde, kein Portrait.

Weiters ist das neugotische Mausoleum der Familie Johann Finsterle und die Grabstätte der Familie Ziegler zu sehen, auf zwei Grabsteinen haben sich „Witzbolde“ für die Nachwelt verewigt… das fällt unter die Dinge, die die Welt nicht braucht.

Der Josefsdorfer Waldfriedhof ist der höchstgelegenste Friedhof von Wien und ein idyllischer, romantischer Ort um sich mitten in der Natur zu besinnen.

Adresse

Kahlenberger Straße, 1190 Wien

Wiener Linien und Fußwege: 38A bis zum Cobenzl

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu dem Kahlenberger Friedhof zu gelangen:

  1. mit dem Bus 38 A bis zum Kahlenberg und dann die Kahlenbergerstraße hinunter, der Friehof befindet sich rechts,
  2. mit der Linie Straßenbahnline D bis zur Endstation Nußdorf, dann zum Beethovengang, bis zur Frimmelgasse und dann rechts in die Kahlenbergerstraße hinauf bis zum Friedhof,
  3. Bus von Heiligenstadt 238 oder 239 bis Kahlenbergerdorf, nach der Unterführung hinauf zur Eisernenhandschuhgasse bis Kahlenbergerstrasse zum Friedhof – sehr steiler Weg
    für die letzten zwei Möglichlkeiten muß man je nach Tempo und Kondition ein- bis eineinhalb Stunden einplanen

Öffi-App

Weblinks

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140122_OTS0095/serie-stadtunbekannt-der-kahlenberger-friedhof

Literatur

Wien-Lexikon: Von Albertina bis Zentralfriedhof, von Georg Hamann, 2007
ISBN-13: 978-3800071166

Altes Rathaus, wipplingerstraße 8,wien,hausnummer

Hausnummern

von Hauszeichen, Hausschilder und Conscriptionsnummern

Als Wien noch keine Hausnummern hatte, waren die Häuser nicht unadressiert, ihre Adresse war der Hausnamen. Viele Bewohner konnten weder lesen noch schreiben, daher trugen die Häuser auffällige und unverwechselbare Symbole. Jedoch waren nicht alle Hausnamen sichtbar und nur im lokalen Bereich bekannt, aber auf Grund der vielen gleichlautenden Hausnamen kam es immer wieder zu Verwechslungen. Im Wien Museum finden sich etliche schöne Beispiele dieser Kunst, die von Geschäften (wie z.B. ein Adler, der einen reich verzierten Schlüssel trägt, vom Laden eines Schlossers) oder von Häusern stammen etwa ein roter Igel „Zum roten Igel“, das Auge Gottes „Zum Auge Gottes“ und eine wunderschöne, schmiedeiserne Laterne aus dem 18. Jahrhundert „Zur schönen Laterne“, sie war einst am Haus Schönlaterngasse 6 angebracht (heute hängt hier eine Nachbildung von 1971), um Besucher daran zu erinnern woher die Straße ihren Namen hat; beide wurden in der ehemaligen Alten Schmiede auf Nummer 9 gefertigt.
Ende des 18. Jahrhunderts gab es alleine in der Wiener Innenstadt sechs Häuser mit dem Namen „zum goldenen Adler“, mit den Vorstädten waren es insgesamt 29 mit dem gleichen Namen. Heute würden Hauszeichen ein Tohuwabohu erzeugen und die Behörden wären vor eine fast unlösbare Aufgabe gestellt, da stellt sich jetzt die Frage welche Hauszeichen die Behörden hätten…die Polizei etwa den Hausnamen „Kieberei“ oder das Standesamt als Hauszeichen einen Brautschleier;-)

Hier und dort sieht man ein Haus aus dem 18. Jahrhundert, das noch seine alte, durchlaufende Hausnummer in den Verputz gekratzt oder aufgemalt hat, meist direkt neben der neuen Straßennummer auf dem Metallschild (wie z. B. Kleeblattgasse 5, Köllnerhofgasse 3, Fleischmarkt 16, Ballgasse 8 und Kohlmarkt 11, sowie rechte Wienzeile 15).

es wird Ordnung geschafft

Im Jahr 1753 wurde in Wien das erstemal über die Nummerierung der Häuser gesprochen, aber auf Grund der Bedenken der politischen Zentralbehörde des Habsburgerreiches bleibt es nur bei einer Theorie. Im Jahr 1763 wird dieses Thema auf Grunde der, nach Ende des siebenjährigen Krieges, eingeführten Schuldensteuer wieder aufgegriffen. 1769 ist es dann soweit, die Hausnummerierung wird gleichzeitig mit einer Volkszählung (Seelenkonskription) durchgeführt.

Das Ziel der Seelenkonskription (ein eigenartiges Wort) ist ein neues Rekrutierungssystems, um männliche Untertanen zur Wehrpflicht zu rekrutieren. Maria Theresia unterzeichnete am 8. März 1770 die Resolution der Hausnummerierung, es wurden oberhalb der Haustüren die Nummern mit schwarzer Farbe angebracht.
In Wien werden die Hausnummern mit roter Farbe aufgetragen, sie sind z. B. noch an den Häusern Ballgasse 8 und Kohlmarkt 11 zu sehen. Es wurden alle Häuser nummeriert, daher auch die kaiserliche Burg sowie die päpstliche Nuntiatur.

Eine erste Probe wurde von 5. Oktober bis 11. Oktober 1770 in Simmering, also außerhalb der Stadt, durchgeführt, am 10. Oktober 1770 begann die Hausnummerierung in den Wiener Vorstädten und am 11. Oktober 1770 begann sie in Wien.

Mit der Nummerierung gibt es auch eine Änderung des gesetzlich geregelten Zunamen, das im Jahr 1770 erlassene Hofdekret verpflichtet die HausbesitzerInnen dazu, die Hausnummern auch im Inneren der Häuser anzubringen und es verbietet den Untertanen, ihren bei der Geburt bekommenen Zunamen eigenständig zu ändern. Im Jahr 1777 wurden die Türnummern eingeführt, die auch „Familiennummern“ bezeichnet wurden.

Hausschilder und Orientierungsnummern

Vor den Hausnummern gab es in Wien Hausschilder als Adressierungssystem, jedoch durch das Wachstum der Stadt und Vorstädte kam der Einfallsreichtum bei den Schildmotiven an seine Grenzen, daher gab es mehrfache Bezeichnungen. So gibt es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Wien samt Vorstädten 29 Häuser, die mittels ihres Schildes als Haus „zum schwarzen Adler“ bekannt sind und somit verwechselt werden können.
Mit den Konskriptionsnummern wird versucht eine dauerhafte Lösung zu finden, aber durch neue Bauten, Zusammenlegungen und Abrisse wird das
Zahlensystem in Unordnung gebracht, in den Jahren 1795 und 1821 werden deswegen Umnummerierungen vorgenommen.
Da die Stadt weiter wächst ist dieses Problem nicht in den Griff zu bekommen, daher wird ab dem Jahr 1862 ein zusätzliches Adressierungssystem eingeführt. Es sind die noch heute gebräuchlichen, Straßen-Orientierungsnummern.

Die Konskriptionsnummern (fortlaufendes Nummerierungssystem)

werden in den Wiener Bezirken eins bis neun bei einer neuen Anlegung der Grundbücher ab 1874 wieder geändert, sie sind teilweise bis heute im Inneren der Häuser zu sehen. Noch in den 1950er Jahren werden an Häusern Konskriptionsnummern angebracht, im seit 1958 für Orientierungsnummern festgelegten blau-weißen Design.

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Auch kommerzielle Unternehmungen können ihr Hauszeichen behalten, wie die rote Hand bei einem alten Handschuhmacher (1854) in der Schottengasse oder ein pfeifenrauchender Türke über der Tür des Tabakimporteurs Adolf Lichtblau in der Hermanngasse 17, unzählige Schlüssel an Schlossergeschäften in der Stadt, oder eine hölzerne Lederhose in der Grünangergasse 12. Einige wenige tragen noch ihren alten Namen, so das „Schwarze Kameel“ in der Bognergasse 5, wo Beethoven und Lord Nelson einkauften, es wurde von Johann Baptiste Cameel 1618 als Gewürzladen gegründet und ist heute ein Restaurant.
Eine der ältesten Hauszeichen befinden sich am Haus „Zum blauen Karpfen“, das ehemalige Wirtshaus in der Annagasse 14 wurde um 1700 von Georg Karpf eröffnet und am Haus Bäckerstraße 12 befindet sich das skurille Hauszeichen „Allwo die Kuh am Brett spielt“, es ist wahrscheinlich im 17. Jahrhundert entstanden.

Trotzdem nun (fast) alle lesen und schreiben können, kennen die Wiener noch viele ihrer alten Hausnamen, wie z.B. die zwei goldenen Löwen in der Wiedner Hauptstraße 36 „Zu den zwei goldenen Löwen“, die schwarze Raben in der Rotenturmstraße 21 „Zu den drei Raben“, den keulenschwingenden Höhlenmenschen in der Währinger Straße 85 „Zum wilden Mann“, ein verspielten Seehund in der Währinger Straße 6-8 „Zur Robbe“, weiße Pferde in der Josefstädterstraße 85 „Sechsschimmelhof“, ein wasserspeiender Wal in der Piaristengasse 58 und die Lerchenfelderstraße 29 „Zum Walfisch“, von der biblischen „Flucht nach Ägypten“ in der Piaristengasse 56-58 und dem mythischen Basilisken, der sich im Keller des Hauses Schönlaterngasse 7 „Zum Basilisken“ versteckte.

Welche Hauszeichen und Hausschilder kennt Ihr und welche gefallen Euch besonders gut?

Schreibt mir wenn Ihr eines neu entdeckt oder Euch eines oder mehrere schon länger bekannt sind.

Literatur
Ordnung der Häuser, Beschreibung der Seelen: Hausnummerierung und Seelenkonskription in der Habsburgermonarchie von Anton Tantner, 2007
ISBN-13: 978-3035606300

Die Hausnummer: Eine Geschichte von Ordnung und Unordnung von Anton Tantner, 2007, ISBN-13: 978-3894453848

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k.u.k. Hoflieferanten

Die k.u.k. Hoflieferanten in Wien

Die historischen Geschäftsportale und eleganten Salons  mit ihren kultiviert-vornehmen VerkäuferInnen stehen für Exklusivität, Luxus und Qualität und repräsentieren die k. und k. Hoflieferanten.

Die Wurzeln reichen zurück bis zu den Hofbefreiten und Hofbediensteten. Als der Hof noch keine feste Resistenz hatte und oft reiste, war die tägliche Versorgung umso wichtiger, daher benötigte der Hof neben dem Dienstpersonal auch Handwerksleute, Händler, Künstler. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts waren es die Hofbefreiten, sie folgten dem Hof auf seinen Reisen und hatten Privilegien, um die gewünschten Waren und Dienstleistungen erbringen zu können.

Da sie vom Kaiserhof alleine nicht leben konnten, durften sie ihren Waren auf den Märkten anbieten und waren natürlich den bürgerlichen Händlern und den zünftisch organisierten Gewerbe überlegen. Daher kam es schon damals zu Gehässigkeiten und nicht nur zu verbalen Übergriffen.

Die Hofjuden

Die hofbefreiten Juden, auch „Hofjuden“ genannt, genossen als jüdische Händler des Hofes gegenüber ihren Glaubengenossen eine Reihe von Vorteilen, unter anderem wurden sie nicht von Progromen bedroht, mußten nicht das Judenabzeichen tragen und waren steuerbefreit. Jedoch mußten sie auf Anordnung der „Preisbehandlungskommision“ des Hofes, die Waren oft unter ihren Wert verkaufen und waren häufiger gezwungen, dem Hof aus finanziellen Engpässen zu helfen. Um zu dem Privileg eines hofbefreitern Jude zu kommen, war Vermögen eine Grund-voraussetzung. Unter Leopold I. wurde die Juden in den Jahren 1670/71 aus Wien vertrieben. Schutzbriefe und Sonderregelungen räumten allerdings den Hofjuden einen ungestörten Aufenthalt in der Stadt ein, das geschah nicht ohne Eigennutz da der Hof öfters eine finanzielle Unterstützung benötigte.
Als der Hof in Wien seßhaft wurde, wurden die umherreisenden Hofbefreiten nicht mehr benötigt. Maria Theresia verringerte die Zahl und die Sparsamkeit von Joseph II. führte zum Abbau.

1782 scheint im Hofkalender erstmals der Begriff des Hoflieferanten auf. Es waren etliche Professionen zu finden, die heute nicht mehr bekannt sind. Am Ende der Monarchie gab es in Wien 506 Hoflieferanten. Das „Hof-und Staatshandbuch 1918 der österreichisch-ungarischen Monarchie“ umfaßt viele Seiten derTräger des k. und k. Hoftitels, in diesem Handbuch sind unter anderem auch Hofkalligraphen und Hofgrünzeughändler aufgezeichnet.
Eine Steigerung des Titles „Hoflieferant“ war die Ernennung zum „Kammerlieferanten“, dieser war auch befugt die Privatgemächer der Herrscher zu betreten. Der zusätzliche Titel eines „Kammer-lieferanten“ (wie etwa Juwelier A. E. Köchert) war ein Privileg und ab dem Revolutionsjahr 1848 eine Vertrauens-auszeichnung.

k. & k. steht für kaiserlich-königlich

Die Ernennung zum Hoflieferanten sollte den jeweiligen Betrieb enger an den Hof binden und beste Leistungen garantieren. Allerdings hatten die Hoflieferanten keine besonderen Rechte. Das Obersthofmeisteramt schrieb 1808: „Der Hoflieferantentitel gewährt Hoflieferanten und Hofprofessionisten zwar den Vorrang, gibt ihm aber kein Vorrecht gegenüber andere, die besser und wohlfeiler Waaren liefern“. Hoflieferant zu sein, bedeutete nicht, sich auf seinen erworbenen und teuer bezahlten Lorbeeren ausruhen zu können. Denn der Hof war nicht verpflichtet, bei seinen Lieferanten einzukaufen; vielmehr förderte er Konkurrenz durch Lizitation der Hoflieferungen, durchgefüht von der „Preisbehandlungskommision“.
Der Titel wurde vom Obersthofmeisteramt verliehen und war, wie bei den Hofbefreiten, nicht erblich. Der Erbe mußte wieder um das Dekret ansuchen. Starb der Lieferant, durfte die Witwe das Geschäft weiterführen, allerdings mußte sie sich einen Meister nehmen. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts konnte ein Titel nur erworben werden, wenn sich das Geschäft in der Nähe des Hofes befand. Der Vergolder Conrad Bühlmayer mietete extra für den Hofverkehr eine Lokalität in der Michaelapassage, in dieser befindet bis heute das Geschäft. Die meisten ehemaligen Hoflieferanten sind heute noch in der Nähe der Hofburg, am Kohlmarkt, in der Bräunerstrasse und am Graben zu besuchen.
Der Hoftitel war für Gewerbetreibende und Händler vor allem ein Qualitätssiegel und brachte die für das Geschäft nötige Werbung. Um den Titel mußte angesucht werden. Gute Voraussetzungen waren die Teilnahme an internationalen Messen, auch ausländische Kontakte, Importe und Exporte waren von Vorteil für eine positive Behandlung des Ansuchens. Die Bedingungen waren auch schon damals sehr rigoros und sind keine Erfindung des 20. und 21. Jahrhunderts.
Der Anstragsteller hatte einen Lebenslauf einzuschicken und listete einerseites seine beruflichen Erfolge auf, andererseits seinen illustren Kundenkreis. Darüber hinaus wurde ein Zeugnis von Polizei und Hofzensur sowie von von der Handelskammer eingeholt.

Erinnert Euch das nicht an Bewerbungsschreiben? Außer der Hofzensur;-)

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Um die Anzahl der Hoflieferanten einzudämmen wurde 1877 eine Taxe eingehoben. Anfangs betrug sie 250 Gulden und steigerte sich später auf 2.000 Kronen. Diese Taxe kam Künstlern, Gewerbe-treibenden und dem Museum für Kunst und Industrie (heute das MAK) zugute. Bei kleinen Betriebn wurde die Summe auf Ansuchen reduziert.
Das Verleihungsdekret lautete: „Der Erste Oberhofmeister verleiht Ihnen den Titel eines k. u. k. Hoflieferanten. Kraft desselben steht Ihnen das Recht zu, bei Ihrer Firma das Allerhöchste Wappen zu führen, jedoch dürfen Sie sich Letzteren im Siegel nicht bedienen. Diesen Hoftitel behalten Sie solange als Sie Ihr Geschäft aufrecht und persönlich betreiben“. Das Schwarze Kameel“ lieferte seine Delikatessen ab 1825 an den Hof und gehört somit zu den ältesten Hoflieferanten.

Heute hat dieser Titel jede offizielle Bedeutung verloren, und die ehemaligen Hoflieferanten haben mit der billigeren Konkurrenz und oft Massenware zu kämpfen. Dennoch umgibt ehemalige k.u.k. Hoflieferanten bis heute ein ausgezeichneter Ruf, Exklusivität und ein Ambiente werden von Kunden und Liebhabern weiterhin sehr geschätzt. Die Betriebe der ehemaligen Hoflieferanten sorgen mit großen Einsatz, exklusiver Qualität, Geschmack und Stil für die Aura einer längst vergangenen Zeit.

wiener schmäh, wienerisches

Wiener Schmäh

Was macht den Wiener Schmäh aus?

Der Wiener Schmäh charakteristiert den Wiener Humor und kann in jeder Art der Kommunikation verwendet werden. Er ist schwer zu definieren, da im typischen Wiener Schmäh viel Humor, Sarkasmus, Arglist, Melancholie und Boshaftigkeit zu finden ist, das ganze gibt es in freundlich, morbiden, grantelnden ( schlecht gelaunt), raunzenden und charmanten Versionen, oder auch alles in Einem.

Wisst Ihr jetzt was gemeint ist?;-)

Lachen ist eine sehr wichtige Eigenschaft der Österreicher und besonders der Wiener, daher hat Wien hat eine große Kabarett-Tradition und viele Kleinkunstbühnen mit großartigen Komödianten und Satirikern. Häufig wird der Wiener Schmäh mit dem Wiener Charme verwechselt, charmantes ist zwar dabei, aber der Schmäh setzt eine ironisch-zynische Distanz voraus. Ebenso wird er mit der Wiener Gemütlichkeit assoziiert, diese ist auch im Wiener Schmäh zu finden, aber es zeichnet ihn auch eine gewisse Unfreundlichkeit, Hintergründigkeit, Übertreibung und Schlitzohrigkeit aus. Bei geselligen Zusammensein „läuft“ oft der Schmäh als derb-liebenswerte und meist nicht ganz ernst gemeinte Form der Unterhaltung, was oft für Aussenstehende den Anschein des oberflächlichen und des nichts Ernst nehmen hat.

Sehr viele WienerInnen glauben einen Wiener Schmäh zu haben und viele haben ihn tatsächlich. Hinter diesem Schmäh steckt oft das lustig machen über andere, aber auch sehr viel Selbstironie und Situationskomik.

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Für die meisten Nichtwiener ist der Wiener Schmäh nicht einfach zu erklären, da es die Summe von vielen Eigenschaften ist. Ich nenne Euch einige typische Vertreter des Wiener Schmäh, die ihn etwas verständlicher machen.

Wiener Schmähtandler (Sprücheklopfer)

Hans Moser, jede/r kennt ihn wie er in den Filmen nuschelt (nuscheln ist nicht typisch für den Wiener Schmäh;-)) jammert, raunzt (lamentieren, nörgeln) und einer widrigen Situation trotzdem eine komische Seite abgewinnen kann.

Johann Nestroy führte die Tradition des Wiener Volkstheaters fort, aber er entwickelte auch Satiren wie „Zu ebener Erde und erster Stock“ die unterschiedliche soziale und sprachliche Welten aufzeigt.

Karl Farkas hatte in den 20er Jahren gemeinsam mit Fritz Grünbaum die Doppelconférence etabliert, nach dem Krieg war Ernst Waldbrunn sein neuer Partner, später Maxi Böhm, in den Doppelconferencen, an dessen Ende oft Farkas der „Dumme“ war.

Helmut Qualtinger der 1959 mit Carl Merz den Herrn Karl, den Opportunisten, schuf und der zur Personifikation vieler Österreicher und ihren Umgang mit dem Nationalsozialismus wurde.

Falco der den Wiener Schmäh mit Arroganz und Exaltiertheit, in seinen Liedern und als öffentliche Person, bis zur Perfektion verkörperte und leider viel zu früh starb.

Werner Schneyder, der Intellektuelle der Wort und Witz als Waffe geschickt einzusetzen weiß und sich auch einen Namen als Autor, Schauspieler, Regisseur, Boxkampfrichter und Sportkommentator gemacht hat.

Lukas Resetarits, der als grantelnder Kottan bekannt wurde, ist als Satiriker mit seinem Spott und Humor aus der Kabarettszene nicht mehr wegzudenken. Sein neuestes Kabarettstück heißt „Schmäh“.

Michael Niavarani, der Paradeperser der Nation (Vater Perser und Mutter Wienerin) macht „Richard III.“ von Shakespeare zu einer Komödie und die ist zur Zeit in der Globe Wien Marx Halle zu sehen.

Roland Neuwirth & Extremschrammeln sind der Inbegriff des entkitschten neuen Wienerliedes, mit etwas Blues, eine Prise etwas Rock´n´Roll, eine Hauch Funk und Jazz bringen sie den Menschen das Wiener Lied virtuos näher.

Raimund Korner war Wiens bekanntester U-Bahnfahrer (er ist seit 2012 in Pension) und beherrschte den Wiener Schmäh perfekt, er hatte mit seinen launigen Sprüchen die Gäste der U4 zum Lächeln und Lachen gebracht. Ich vermisse seine unterhaltsamen Durchsagen und es ist schade das es keinen „Nachfolger“in Sachen Schmäh gibt.

Versteht Du jetzt den Wiener Schmäh?:-)
Ich hoffe ich konnte das Geheimnis des Wiener Schmähs den Nichtwienern etwas näher bringen und er ist jetzt etwas verständlicher.

Literatur

„Wenn man trotzdem lacht“ Geschichten und Geschichte des österreichischen Humors, Georg Markus, Wien 2011 ISBN 978-3852188911

„Ich bleib noch ein bissl“ Flüssiges und Überflüssiges, , Wien 2014 ISBN 978-3850028806

Weblinks

Raimund Korners Ansagen auf Soundcloud

Werner Schneyder

Lukas Resetarits

Roland Neuwirth & Extremschrammeln

Michael Niavarani

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Friedhof St. Marx

Ein verwunschener Ort: der Friedhof St. Marx

Kaiser Joseph II. ordnete 1783 an, das Beisetzungen aus hygienischen Gründen innerhalb des Linienwalls verboten sind, daraufhin entstanden außerhalb in den Vororten fünf neue „kommunale Leichenhöfe“. Einer von Ihnen entstand in der Nähe des bestehenden Siechenhauses, dem Gebäude war die dem heiligen Markus geweihte Kapelle angeschlossen, daher hieß die Gegend St. Marx. Der St. Marxer Friedhof ist der einzige der in seinem ursprünglichen Umfang erhalten blieb.

Auf dem wunderschönen Biedermeierfriedhof wurden ab 1874, nach der Eröffnung des Zentralfriedhofes, keine Beisetzungen mehr vorgenommen. Der Friehof blieb bestehen, aber im Laufe der Jahre verfielen die Grabsteine zusehends. Dem Erdberger Heimatforscher Hans Pemmer ist es zu verdanken das der Friedhof St. Marx noch besteht, er konnte in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die Verantwortlichen der Stadt Wien von der kulturhistorischen Bedeutung des Ortes überzeugen, da hier Mozart und weitere prominente Persönlichkeiten aus Wien begraben wurden.

Die meisten Besucher kommen heute zu Mozarts Grabmal

Wolfgang Amadeus Mozart starb am 4. Dezember 1791, am kommenden Tag wurde sein Leichnam nach der Einäscherung mit einem Pferdefuhrwerk nach St.Marx gebracht. Mozart verdiente zwar sehr viel Geld und war damals, wie man es heute bezeichnen würde, ein Superstar, aber er gab noch mehr aus, daher hinterließ er nur einen geringen Geldbetrag. Es fand eine Bestattung „dritter Klasse“ statt, da ein die erste und zweite Klasse nur den Adeligen und reichen Bürgern vorbehalten. Mozart wurde mit fünf anderen in einem Schachtgrab begraben, es entsprach den josephinischen Begräbnisvorschriften das kein Grabstein aufgestellt wurde und keine Familienangehörige und Priester anwesend waren.
Das genaue Wissen um den Ort ging verloren, an der vermuteten Stelle schuf um 1895 der Friedhofswärter Alexander Kogler ein aus Bruchstücken alter Grabsteine neues Denkmal, wie wir es heute sehen.

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Der St. Marxer Friedhof wurde im Laufe der Zeit vom Autoverkehr immer mehr eingeschlossen, in unmittelbarer Nähe befindet sich die Tangente (Autobahn A23), und trotzdem ist es eine unwirklich schöne, idyllische und grüne Oase mitten in der Großstadt. Ich liebe diesen Platz zum entspannen und auftanken, ähnlich wie die Steinkreise am Himmel.

Aber am schönsten ist der besondere Friedhof mit dem ein wenig verwilderten Flair im Mai, wenn hier so viele Fliederbüsche auf engen Raum blühen wie nirgendwo in Wien.
In seinem knapp 100 jährigen Bestehen wurden hier etwa 8000 Menschen bestattet. Die Grabinschriften wirken heute etwas seltsam, sie erzählen von den Berufsbezeichnungen und sozialen Status der Verstorbenen, gerade das macht es so interessant sie zu lesen.

Weitere prominente Persönlichkeiten aus dem biedermeierlichen Wien:

sind der Komponist Johann Georg Albrechtsberger und der berühmte Virtuose Antonio Diabelli, der Ringelspielbesitzer Basilio Calafati, die Maler Peter Fendi und Moritz Michael Daffinger, die gefeierte Schauspielerin Therese Krones, der Ziegelfabrikant Heinrich Drasche von Wartinberg, der Gründer des Sofienbades Franz Morawetz, die Weltreisende Ida Pfeiffer, die Hofschauspielerin Katharina Waldmüller, die Architekten Josef Kornhäusl und Peter Nobile, der Techniker Alois Negrelli Ritter von Moldelbe, sowie der Erfinder der Nähmaschine, Josef Madersperger, der in einem Armenhaus in St. Marx verstarb und ein typisch österreichisches Erfinderschicksal erlitt.
Viele Persönlichkeiten wurden exhumiert und nach der Eröffnung des Zentralfriedhofes auf diesem in einem Ehrengrab beigesetzt.

Adresse

Leberstraße 6-8, 1030 Wien

Wiener Linien: Linie 18 bis Wildgansplatz oder Linie 71 bis Litfaßstraße

Öffi-App

Weblinks:

Vienna Tourist-Guide

wiener dialekt, wienerisch

Wiener Dialekt

Habidere – verstehst Du noch Wienerisch?

Das Wienerische wird in Wien und Umgebung gesprochen. Es wird zwischen dem bekannten Meidlinger Dialekt, das ist der mit dem betonten L, dem näselnden Schönbrunner Deutsch, dem Häfn Slang (Häfn= Gefängnis) oder Rotwelsch (wird heute fast nicht mehr gesprochen) und den unterschiedlichen Dialekten der 23. Bezirke. Das Wienerische ist ein weicher, melodischer Dialekt, der zu Verniedlichungen sowie Übertreibungen neigt und bei dem manche Begriffe zwei Eigenschaften besitzen.

Ich finde es schade das immer mehr Menschen nur ein Deutsch sprechen das an Fernsehen und Film angepasst ist, es gehört zu unserer Identität und sollte neben dem Hochdeutsch gesprochen und verstanden werden. Der Wiener Dialekt bringt manches mit einem oder wenigen Worten auf den Punkt, das im Hochdeutsch oft einiger Sätze bedarf.

Wien ist seit dem Spätmittelalter eine Stadt vieler Völker, die die Wiener Sprache geprägt haben. Die Alemannen, Baiern, Italiener, Franken, Slawen, Magyaren,Franzosen, die zwei Türkenbelagerungen trugen zur Bereicherung des Wiener Sprache bei. Sehr großen Einfluss hatte die Einführung der Schulpflicht, sie wurde von Maria Thersia eingeführt, sie bereicherte die Sprache mit lateinischen und französischen Ausdrücken. Auch das jiddische und die Erweiterung des Habsburg`schen Reiches prägte diese Sprache.

Die englische Sprache spielte ab der Industrialisierung im 19. Jahrhundert eine Rolle und Anglizismen sind heute aus der Sprache nicht mehr wegzudenken und wurden teilweise „verdeutscht“ wie z. B. „downloaden“ oder „einloggen“.

Die Französische Sprache spielte sehr lange eine grosse Rolle, sie wurde neben dem Schönbrunner Deutsch am Hof gesprochen. Heute werden oft noch Begriffe wie „Plafond“ (Zimmerdecke), „Trottoir“ (Gehsteig) oder „entrisch“ (im Deutschen ist „unheimlich“ oder „schaurig“ gemeint, es wurde vom französischen Wort „entre“= herein in „entrisch“ umgewandelt), verstanden und verwendet.

Sprichst Du noch Wienerisch?

Trotz des verschwindenten spezifischen Wortschatz, wird ein/e erfahrene/r WienerIn unterscheiden welchen sozialen Stand das Gegenüber hat und zwischen Hochdeutsch und dem Wiener Dialekt wählen. Es ist anzunehmen, das der Wiener Dialekt sich der deutschen Standard Umgangssprache anpassen und letztendlich leider verschwinden wird.

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Es gibt aber ein Entgegenwirken von Wiener Musikern, Kabarettisten und Schauspielern, damit das melodische Wienerische nicht in Vergessenheit gerät.

Hier ein paar typische Worte aus dem Wortschatz des Wienerischen:

  • Gschisti Gschasti= viel Aufheben oder Umstände machen
  • Gschmackig= wohlschmeckend (Neudeutsch: lecker) oder unterhaltsam
  • Pompfüneberer= Bediensteter der Leichenbestattung ( aus dem französischen: Pompes funèbres)
  • Pitzeln= heikel oder pedantisch sein
  • Pamperletsch= kleines Kind, das auch als Schmähwort eingesetzt werden kann
  • Seicherl= Kaffeesieb, Teesieb oder Feigling, geistig minderbemittelter Mensch
  • Schwips oder Schwipserl= leichter Rausch
  • Lamlåckad= faul, träge
  • Liesl, Lisl, Lieserl= Koseform für Elisabeth, Wiener Polizeigefangenhaus auf der Rossauerlände
  • Strizzi= Zuhälter
  • Schwarzkappler= Fahrscheinkontrollor bei den Öffis
  • Kiberer= Polizist
  • Gräuln,gräulen, kräulen= kriechen
  • oida Krautara= alter Mann, alter Nörgler

Pfiat eich, baba und foits net;-)

Literatur

Wörterbuch des Wienerischen, Robert Sedlaczek, Wien 2011

ISBN 978-3852188911

Lexikon der Sprachirrtümer Österreichs, und Robert Sedlaczek, Wien 2012

ISBN 978-3866477346

Weblinks

Echt Wien