Lebensgeschichten von bekannten historischen Wienerinnen die Großes vollbracht haben

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Elise Richter

Romanistin und Universitätsprofessorin

ist einer der herausragenden Persönlichkeiten der österreichischen Frauengeschichte, die nicht nur als Frau mit Vorurteilen zu kämpfen hatte, sondern auch durch NS-Repressalien auf Grund ihrer jüdischen Wurzeln an ihren wissenschaftlichen Tätigkeiten gehindert wurde.

Elise Richter wurde am 2. März 1865 in einen großbürgerlichen Wiener Haushalt einer assimilierten jüdischen Familie geboren, sie konvertierte später zum Protestantismus.

Sie war die erste Frau in der k. k. Monarchie, die 1897 die Matura (Reifeprüfung) am Akademischen Gymnasium in Wien absolvierte und im folgenden Wintersemester die Studienfächer Romanistik, Sprachwissenschaft, Klassische Philologie und Germanistik an der Wiener Universität aufnahm. Elise Richter war eine der ersten drei ordentlichen Hörerinnen und promovierte 1901 als dritte Frau, aber als erste „sub auspiciis“ ( Die Promotion sub auspiciis praesidentis ist eine spezifisch österreichische Form der Auszeichnung hervorragender Studienleistungen) zum Doktor der Philosophie, 1905 war sie die ersthabilitierte Frau im deutschsprachigen Raum und die erste Frau, der an einer österreichischen oder deutschen Universität die Lehrberechtigung erteilt wurde.

Ihre Lehrbefugnis wurde verzögert, da die zuständigen Herren und Minister Bedenken wegen einer negativen öffentlichen Reaktion hatten, im August 1907 war es dann doch soweit, Elise Richter wurde als unbezahlte Privatdozentin zugelassen.
Im Jahr 1921 war sie wiederum die erste Frau, die den Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors vom Bundespräsidenten erhielt, allerdings ohne Funktion und Bezüge, 1927 erhielt sie einen zweistündigen bezahlten Lehrauftrag über „Allgemeine romanische Sprachwissenschaft“ und über „romanische bzw. französische Phonetik“ auf Grund ihrer persönlichen wissenschaftlichen Verdienste. Dieser Lehrauftrag war jeweils auf drei Jahre befristet und dieser mußte stets erneut beantragt werden, diese Bewilligung wurde bis 1938 erteilt und dann wurde sie als Jüdin von der Universität verwiesen.

die Wiener Universität und die Akzeptanz der ersten weiblichen Professorin

Die Romanisten Emil Winkler und Karl von Ettmayer beantragten für Elise Richter eine ordentliche Professur, aber auf Grund der Widerstände des Professorenverbandes, wie etwa wegen ihrer Kritik an der „Fremdwortkunde“ aus dem Jahr 1919 und ihrem Artikel vom 1. und 6. März 1923 in der „Neuen Freien Presse“ zu „Rasse, Volk, Nation“, sie schrieb: „Was ein ‚Volk ausmacht, ist die von gemeinsamer Sprache getragene gemeinsame Überlieferung gleicher Kultur und gleicher Schicksale in der Vergangenheit und die Verfolgung gleicher politischer und wirtschaftlicher Ziele für die Zukunft. Menschen, die die gleiche Sprache sprechen und ihr Leben in gleicher Weise in den Dienst der gleichen staatlichen und kulturellen Interessen stellen, die sind ein Volk. Volkszugehörig sind die auf dem tatsächlichen oder doch wenigstens auf dem ideellen Boden der Heimat Aufgewachsenen, die, großgezogen in den Kulturvoraussetzungen dieser Heimat und ihre äußeren Geschicke teilend, das Gefühl der Zugehörigkeit zu dieser Heimat mit allen daraus erwachsenden Pflichten und gegebenenfalls zu bringenden Opfern im Vordergrund ihres Bewusstseins tragen“, wurde der Antrag nicht beachtet. Der Romanist und Historiker Frank-Rutger Hausmann: „Elise Richter hatte das erreicht, was eine Frau in der männerbeherrschten akademischen Welt überhaupt erreichen konnte, und noch mehr als das. Selbst Feinde des Frauenstudiums mußten ihre wissenschaftliche Könnerschaft anerkennen.“
An der Universität vertrat sie aus taktischen Gründen eine traditionelle Position zu den Themen Gleichberechtigung, Frauenemanzipation und Mädchenerziehung, die nicht mit ihrer privaten Meinung ident war, sie sagte: „Als Frauenrechtlerin konnte ich meinen Weg in der Universität nicht machen, ich musste nicht nur meine Kraft auf die Arbeit richten, sondern auch den Schein des Frauenrechtlertums vermeiden.“
Elise Richter war von 1922 bis 1930 Vorsitzende in dem von ihr gegründeten Verband der Österreichischen Akademikerinnen, sie engagierte sich mit ihrer beruflichen und gesellschaftspolitischen Funktion für ein selbstbewußtes Auftreten der Frauen und dachte auch an die Gründung einer Frauenpartei.
Ihre Rolle an der Universität als Frau und Wissenschaftlerin war ein schwieriger Balanceakt, sie wurde in ihrer Lehrtätigkeit als angepasst,sachlich und schüchtern beschrieben, in ihrem privaten Leben war sie jedoch eine selbstbewußte, politisch engagierte und kulturell interessierte Frau. Politisch war sie bis 1927 in der Bürgerlich-Demokratischen Arbeiterpartei tätig.
Der Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich verschlechterte ihre Lebensbedingungen, der Antrag auf die Bewilligung eines Ruhegenusses wurde abgelehnt und die Auszahlungen ihres Lehrauftragshonorars wurden eingestellt.

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Die Wissenschaftlerin Elisa Richter hatte die Leitung des phonetischen Instituts der Universität Wien inne, sie entdeckte den Einfluss psychologischer Vorgänge auf die Sprache. Sie arbeitete auf dem Gebiet der sprachwissenschaftlichem Gebiet wie Semantik, Syntax, Phonetik, Phonologie und Einbeziehung psychologischer Komponenten, sie stand in der Tradition der Wiener romanistischen Schule, sie bezog aber in ihre Publikationen auch kulturelle und gesellschaftliche Hintergründe mit ein und veröffentlichte um die 300 Publikationen.

menschenverachtendes System

In ihr Tagebuch trug sie am 8. März 1938 ein Gespräch mit ihrer Schwester Helene zur Rede Schuschniggs ein: „Sonntags Volksentscheid Schuschnigg in Innsbruck erklärt, er muss wissen, ob er das Volk hinter sich hat. Else es gehört, sehr schön, großer Jubel dort. Sehr aufregend. Vieleicht meine letzte Vorlesung. Helene auch aufgeregt. Wir müssen sterben. Ich: wir können. Besser als unfreiwillig irgendwie zu krepieren. Frage mich, ob mein Morphinvorrat für 2 reicht, sage natürlich nichts davon. Glaube nicht, dass mehr als 4 Millionen „ja“ herauskommen.“
Hier sind schon die Unsicherheit und Ängste über die nahende, schreckliche Zukunft zu lesen.
Der 73-jährigen Elise Richter wurde im April 1938 die Lehrbefugnis an der philosophischen Fakultät wiederrufen, die angekündigte Vorlesung zur „Lautpsychologie“ wurde daher auch gestrichen und das betreten des Phonogrammarchivs wurde ihr verboten. Angesichts der vermehrten antisemitischen Sanktionen konnte sie ihre Arbeiten nur noch in den Niederlanden und in Italien veröffentlichen. Die beiden Richter-Schwestern hatten im Februar 1938 die Möglichkeit nach London zu emigrieren, doch anscheinend unterschätzten sie die Situation, wie so viele und blieben weiter in ihrem Haus in der Weimarer Straße 83. Ihre finanzielle Situation wurde immer misslicher, daher boten sie ihre 3.000 Bände umfangreiche Bibliothek der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln an, von dieser erhielten sie jedoch kein Geld. Im März 1942 mußten die zwei betagten Schwestern in das jüdische Altersheim, Seegasse 16 umziehen.
Was Elise Richter schon im Jahr 1938 geahnt hat, wurde fünf Jahre später zur noch schrecklicheren Realtiät, Elise und ihre ältere Schwester Helene Richter, die Privatgelehrte, bekannte Anglistin, Frauenrechtlerin, Theaterkritikerin und Schriftstellerin, wurden trotz ihres hohen Alters im Oktober 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, Elises Schwester Helene starb kurz danach im November 1942, Elise Richter verstarb am 21. Juni 1943.

Elise Richter wurde nach ihrem Tod mehrfach gewürdigt, wie etwa verpflichtende Lehrveranstaltungen zur Phonetik in den romanischen Sprachen, die Universität Wien hat es im Jahr 2005 geschafft, nach jahrhunderte langem Bestehen, eine anonymisierte Frauenbüste mit dem Gesicht von Elise Richter, sie ist repräsentativ für alle Frauen die an der Universität gewirkt haben, im Arkadenhof neben 154 Büsten männlicher Akademiker und einer einzigen! Gedenktafel einer Frau : Marie von Ebner-Eschenbach, zu platzieren. Allerdings war diese Büste nur temporär, während einer Ausstellung im Arkadenhof, zu sehen.
Im Hauptgebäuder am Universitätsring befindet sich im 1. Stock der Elise-Richter-Saal, im Institut für Romanistik befindet sich beim Eingang zum Stiegenaufgang eine Gedenktafel zu Ehren von Elise Richter.

In einer Zeit der patriachalischen männerdominierenden Welt und einer Universität mit nur männlichen Mitgliedern, gehörte sehr viel Mut und vorallem Ausdauer dazu denn vielen sexistischen Vorurteilen und der Ablehnung gegenüber Frauen standzuhalten. Im Jahr 2016 ist es zwar etwas besser, es studieren mehr Frauen als Männer, aber je höher die Funktion in einem Betrieb ist, umso weniger wird sie von Frauen belegt, das „Neandertalerdenken“ sitzt leider immer noch in einigen männlichen Gehirnen sehr fest.

Foto

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Literatur

Mitchell G. Ash,Wolfram Niess,Ramon Pils: Geisteswissenschaften Im Nationalsozialismus: Das Beispiel der Universitat Wien, 2010
ISBN: 3899715683

Waltraud Heindl-Langer: „Durch Erkenntnis zu Freiheit und Glück …“ Frauen an der Universität Wien, 1997
Universitätsbibliothek: http://bibliothek.univie.ac.at/

Verband der Akademikerinnen Österreichs: Elise Richter: Summe des Lebens Taschenbuch, (Autobiographie Elise Richter) 1997
ISBN-13: 978-2912626004

Weblinks

http://www.univie.ac.at/Geschichte/Neuverortung-Geschlechtergeschichte/cms/index.php?option=com_content&view=article&id=82%3Atagebcher-von-elise-richter-19381941-digitale-gesamtausgabe&catid=5%3Aprojekte&Itemid=5&lang=de

http://www.oeaw.ac.at/online-gedenkbuch/gedenkbuch/personen/q-z/elise-richter/

http://richterbibliothek.ub.uni-koeln.de/portal/home.html?l=de

Todesfallanzeige, Ghetto Theresienstadt http://109.123.214.108/de/document/DOCUMENT.ITI.18629

Jewish Wominas Archive http://jwa.org/encyclopedia/article/richter-elise

http://derstandard.at/1227287400094/Apropos-Elise-Richter

saloniere alma mahler-werfel

Alma Mahler-Werfel

die Salonière, Femme Fatale und Muse

war eine sehr schillernde herausragende Frau des 20. Jahrhunderts, aber auch eine widersprüchliche Persönlichkeit, den meisten ist sie als männermordender Vamp und Femme Fatale in Erinnerung. Alma Mahler-Werfel nahm aktiv am Aufbruch in die Moderne teil und scharte „tout Vienne“ in ihrem Salon, sie erlebte beide Weltkriege, die Scheinblüte der goldenen Zwanzigerjahre und das Misslingen ihrer Rückkehr aus dem Exil nach Wien. Auf Grund ihrer selbstbewußten emanzipierten und auch egoistischen Persönlichkeit erfand sie sich immer wieder neu, sie schuf um die Jahrhundertwende ein Netzwerk mit Künstlern, Literaten, Musiker und Mäzene, auf Grund ihrer Willenskraft gelang ihr dies auch im amerikanischen Exil.

Alma Mahler-Werfel wurde am 31. August 1879 in Wien geboren, sie war die Tochter des Landschaftsmalers Emil Jakob Schindler und der Sängerin Anna Sofie Bergen, Almas musikalische Begabung und ihr Interesse für Literatur wurde von ihrem Vater gefördert, nachdem dieser im Jahr 1892 starb, heiratete ihre Mutter den Jugendstilmaler und Mitbegründer der Wiener Secession Carl Moll.

Viele Wiener Künstler verkehrten im Haus Moll, so lernte das schöne, aufgeweckte und intelligente Mädchen Alma die berühmten Gäste kennen, unter anderem auch Gustav Klimt, der großes Interesse an dem siebzehnjährigen Mädchen hatte. Auch Alma fühlte sich dem berühmten Maler und Frauenverführer hingezogen, während einer Urlaubsreise in Italien (Klimt fuhr Alma nach) kam es zu dem ersten Kuss und das junge Mädchen schwor ihm ewige Treue. Nachdem Stiefvater Carl Moll die Schwärmerei entdeckte, musste ihm Klimt versprechen sich von Alma fernzuhalten. Als Gustav Klimt 1918 starb, notierte Alma Mahler drei Tage später in ihrem Tagebuch: „Mit ihm geht ein großes Stück Jugend aus meinem Leben“

Max Burckhard, er war oft Gast im Haus Moll und zu dieser Zeit Direktor des Wiener Burgtheaters, förderte ihr Interesse an Literatur, aber als Antisemit auch ihre Judenfeindlichkeit. Der Satz Nietsches: „Wer fällt, den soll man auch noch stoßen!“ wurde zu Almas Lebensmotto. Kompositionsunterricht erhielt Alma von dem Organisten Josef Labor und ab dem Jahr 1900 von dem Komponisten Alexander von Zemlinsky. Sie fühlte sich dem jüdischen Komponisten zugleich hingezogen und abgestoßen, es folgte bald eine stürmische Liason und ein Wechselbad der Gefühle, sie erlaubte Zemlinsky jede Intimität bis auf die eine und nahm ihm damit fast den Verstand. Einmal bezeichnete sie ihn als „kleinen, hässlichen Gnom“ und ein anderes mal trug sie schwülstige Liebeserklärungen in ihr Tagebuch ein. Alma beendete diese Liebesbeziehung, was zu dieser Zeit ein gewagter Schritt für eine Frau war.

Doppelhaus Koloman Moser und Carl Moll, 19. Steinfeldgasse 6 und 8, erbaut von Josef Hoffmann

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Im November 1901 lernte Alma im Haus der Saloniere Berta Zuckerkandl, die beiden hatten trotz großer Unterschiede eine lebenslange Freundschaft, den Dirigenten Gustav Mahler kennen, der Direktor der Wiener Hofoper war, drei Wochen später waren die beiden verlobt. Ihre Familie war gegen diese Verbindung, da Mahler um 19 Jahre älter war als Alma und seine jüdische Abstammung (Mahler konvertierte schon vorher zum Katholizismus) nicht zu dem Bild eines Schwiegersohnes passte.

erste Ehe mit dem Komponisten und Hofoperndirektor Gustav Mahler

Mahler schrieb im Dezember 1901 einen langen Brief an Alma, in dem er sie aufforderte ihr Komponieren aufzugeben, sie erklärte sich damit einverstanden und beugte sich den strengen Regeln. Ein paar Tage später fand die Verlobung statt und am 9. März 1902 schlossen sie in der Wiener Karlskirche den Bund der Ehe. Alma war schon schwanger als sie heirateten, die gemeinsamen Kinder waren Maria und Anna, die ältere Tochter Anna verstarb 1907 an einer Infektionskrankheit.

Das Ehepaar bezog eine Wohnung in der Nähe der Hofoper, 1902 wurde Tochter Maria geboren. Das Zusammenleben mit Mahler verlief allerdings völlig anders, als Alma es vom abwechslungsreichen und gesellschaftlichen Leben in ihrem Elternhauses gewohnt war. Alma Mahler stand immer im Mittelpunkt, seit ihrer Ehe mit Mahler gab es kaum Gesellschaften, Mahler hasste Gesellschaften und legte Wert auf einen geregelten Tagesablauf, um sein Arbeitspensum zu bewältigen, daher waren Flirts für Alma eine willkommene Abwechslung, wie z.B. mit Hans Pfitzner.

Mahlers Abgang von der Wiener Hofoper im Jahre 1907 erfolgte nach immer häufigeren Ärgernissen und Intrigen. Die Kritik an seinem Führungsstil und den vermehrten Antisemitismus konnte und wollte er nicht mehr abwenden, da das Amt der Direktion für ihn an Bedeutung verloren hatte.
Alma begleitet Mahler in die USA, er wurde in der Metropolitan Opera mit seinen Konzerten gefeiert, ohne Anfeindungen und Missgunst wie in Wien. Während Mahler endlich seine musikalischen Höhepunkte genießen konnte, fühlte sich Alma wieder einsam und fuhr 1910 mit ihrer Tochter in die Steiermark zur Kur. Dort begann sie mit dem ebenfalls auf Kur befindlichen Architekten Walter Gropius eine Affäre, von der Mahler durch einen falsch adressierten Brief erfuhr, trotzdem ging die Affäre heimlich weiter.

Als Mahler in den USA an einer fortschreitenden Herzinnenhautentzündung erkrankt, reist Alma mit Mahler nach Frankreich um Ärzte zu konsultieren, aber damals gab es kaum Behandlungsmöglichkeiten, daher reisten die beiden am 12. Mai nach Wien und nur wenige Tage später – am 18. Mai 1911 verstarb Gustav Mahler.

Das Erbe Gustav Mahlers machte Alma zu einer wohlhabenden Frau, sie war wie eh und je eine strahlend schöne Frau und daher hatte sie jede Menge Verehrer, sie ging kurze Liebschaften, neben der Beziehung zu Walter Gropius, mit dem Komponisten Franz Schreker und den Biologen Paul Kammerer ein.

Alma Mahler und Oskar Kokoschka

Eine stürmische und exessive Liebesbeziehung führte Alma mit dem Maler Oskar Kokoschka, er war schrecklich eifersüchtig und besitzergreifend, daher kam es immer wieder zu Eifersuchtsszenen. Kokoschka war sogar auf den verstorbenen Mahler eifersüchtig, Alma meinte rückblickend nach einer dreijährigen Hass-Liebe: „Niemals zuvor habe ich so viel Krampf, so viel Hölle, so viel Paradies gekostet“. Kokoschka hielt mehrmals um ihre Hand an, doch Alma entzog sich immer mehr. Dezember 1914 erfuhr Kokoschka von seiner Einberufung, er hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet, hier war Alma angeblich nicht unschuldig, da sie ihn immer wieder einen Feigling nannte. Alma hatte währenddessen wieder Kontakt zu Gropius aufgenommen und die beiden hatten im August 1915 geheiratet, laut Alma war es der einzige Mann der sich „rassisch mit mir messen konnte“. Trotzdem sah sie sich als Witwe Mahlers und betreute sein musikalische Erbe. Als Kokoschka von der Heirat erfuhr, ließ er eine eine lebensgroße Puppe anfertigen, sie glich Alma in jedem Detail, das Ergebnis war eine plumpe Figur aus Stoff und Holzwolle, die Kokoschka in einer exessiven Party köpfen ließ. Ganz schön schräge Trennungstherapie;-)

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Alma, Walter Gropius und Franz Werfel

Mit Gropius hatte sie eine gemeinsame Tochter namens Manon, sie kam 1916 zur Welt. Zu dieser zeit hatte Alma ihren Salon in der Elisabethstrasse und wieder waren es Künstler, Wissenschaftler die von ihr gefördert oder kritisiert wurden. In ihrem Salon lernte den jungen 27- jährigen Juden Franz Werfel kennen und fand ihn wenig attraktiv und störte sich an seinem jüdisch sein, aber Alma wäre nicht Alma wenn sie nicht Gefallen an ihm gefunden und künstlerisches Potential gesehen hätte, sie wurde seine Geliebte, förderte ihn und strukturierte seinen Tag. Als sie 1918 von Werfel schwanger wurde, war sie zu noch mit Gropius verheiratet, das Kind starb aber mit zehn Monaten, worauf sie Werfel die Schuld, auf Grund des „verkommenen Samen“, gab. Das Verhältnis von Alma und Werfel war publik und trotzdem nahm Gropius die Schuld auf sich, die Ehe wurde am 16. Oktober 1920 geschieden.

Alma hatte das Mahler Vermögen um 1914 zu einem großen Teil in Kriegsanleihen angelegt, daher war nur mehr sehr wenig von dem Geld übrig und die Inflation der 20er Jahre verschlang den Rest, daher mußte jetzt Franz Werfel für den Verdienst sorgen. Am 6. Juli 1929 ging sie fünzigjährig ihre dritte Ehe mit dem Juden Franz Werfel ein, den sie auch „Mannskind“ nannte, da sie fürchtete keinen Lebenspartner zu finden und nicht gewohnt war alleine zu leben. Die politische Lage in Österreich und Deutschland wurde immer radikaler und beeinflußte Alma in ihrem Antisemitismus, obwohl sie erst vor kurzem zum zweiten Mal einen jüdischen Mann geheiratet hatte. Jedoch heiratete sie Werfel nur unter der Bedingung, dass er aus der jüdischen Religionsgemeinschaft austreten müsse, Werfel trat einige Zeit später, ohne ihrem Wissen, wieder seiner Religionsgemeinschaft bei.

Als Almas zukünftiger Schwiegersohn Ernst Krenek sie zum ersten Mal sah, meinte er: „Ein prächtig aufgetakeltes Schlachtschiff“, jedoch faszinierte ihn ihre Vitalität und ihr Talent jedem Gast das Gefühl zu geben, dass sie nur für ihn da sei.

Villa Ast, Hohe Warte, 19. Steinfeldgasse 2, erbaut von Josef Hoffmann

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Als die Wohnung in der Elisabethstraße zu klein wurde, erwirbt Alma im Jahr 1931 die Villa Ast auf der Hohen Warte, sie hatte 28 Zimmer und wurde von Josef Hoffmann erbaut. Ihr Salon ist mit dem von Bertha Zuckerkandl zu vergleichen, zunächst waren es vorwiegend Künstler, später bereicherten Literaten, Politiker und Kleriker ihren Salon. Alma stand auch Kurt Schuschnigg und seinem Kreis, sowie dem 37-jährige Theologieprofessor und Ordenspriester Johannes Hollnsteiner nahe. Hollnsteiner sah in Hitler einen „neuen Luther“, er verliebte sich in die um einiges ältere Alma und die beiden begannen eine heimliche Affäre. Im Jahr 1935 verstarb ihre 19-jährige Tochter Manon an den Folgen der Kinderlähmung, die Schönheit Manons führte Alma darauf zurück, dass der Vater Walter Gropius ein Arier war. In den 30er Jahren waren der Dirigent Bruno Walter, die Schauspielerinnen Lina Loos (Exfrau von Adolf Loos) und Lotte Lehmann, die Schriftsteller Carl Zuckmayer, Hermann Broch und Egon Friedell, die Komponisten Richard Strauss und Egon Wellesz, Schauspieler Werner Krauß, Anna und Carl Moll und Paul Zsolnay (der spätere erste Ehemann von Anna Mahler), der Verleger von Franz Werfel, häufig zu Besuch. Der deutsche Theater- und Filmschaffende Albrecht Joseph, der spätere zweite Ehemann von Anna Mahler, meinte zu der Person Alma: „Alma war ein entspannte und angenehme Gastgeberin. Wußte man nichts über sie, konnte man sie auf den ersten Blick für eine Opernsängerin halten, die sich auf Wagner spezialisiert hatte. Sie war keineswegs reserviert, sondern übertrieb eher eine gewisse Hemdsärmeligkeit, sie war fröhlich, sehr wienerisch, genoss Essen und Trinken und hatte viel Freude an ihren Gästen, die stets zahlreich versammelt waren“.

Im Jahr 1937 beschließt Alma die Villa auf der Hohen Warte zu vermieten, da zuviele schmerzliche Erinnerungen mit dem Tod ihrer Tochter Manion verbunden waren, im Juni 1937 wurde ein legendäres Fest veranstaltet, bei dem der Hochadel, Politiker und Industrielle eingeladen wurden. Alma und Franz Werfel mieteten ein Appartment im Wiener Hotel Carlton, später zieht Werfel nach Marienbad und Alma nach Breitenstein.

Emigration

Am 12. Februar 1938 unterzeichnete Bundeskanzler Schuschnigg unter Hitlers Druck das „Berchtesgadener Abkommen“, das war das Ende des selbstständigen Staat Österreich. Da Tochter Anna laut den Nürnberger Rassegesetzen Halbjüdin war, verlassen Alma und Anna Österreich und fahren über Mailand, wo schon Werfel auf die beiden wartet, weiter nach Paris und Amsterdam. Am 9. Mai kommen sie in London an, wo sie bis 1940 bleiben, nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Frankreich fliehen Alma und Werfel nach New York.

Anschließend lassen sich Alma und Werfel in den Hollywood Hills in einer Villa nieder, sie trafen dort zahlreiche Emigranten aus Österreich und Deutschland. Wie in Wien, scharten sich wieder alle um die „Grande Dame“ und Alma fühlte sich bald wieder in ihrem Element.
Drei Jahre nach der Ankunft in Kalifornien, stirbt Franz Werfel am 26. August 1945 an einem Herzinfarkt. Alma besuchte Wien nur noch einmal, sie versuchte im Jahr 1947 die Vermögensfragen zu regeln, es kam mit dem österreichischen Staat wegen dem Gemälde „Sommernacht am Strand“ von Edvard Munch zu gerichtlichen Streitereien. Dieses Gemälde schenkte ihr Gropius und Carl Moll hat es nach Almas Emigration an die Österreichische Galerie Belvedere verkauft. Sie verlor den Prozess, da sie nicht belegen konnte, das das Gemälde ohne ihrem Einverständnis verkauft wurde.
Ab dem Jahr 1951 übersiedelte Alma nach New York, dort beschäftigte sie sich mit ihrer Autobiografie und verschließ einige Ghostwriter, da diese ihre antisemitischen Äußerungen ablehnten. Almas Biografie erschien im Jahr 1958 unter dem Titel „And the bridge is love“. Die Reaktion darauf war sehr verhalten, ebenso fand ihre deutsche Biografie „Mein Leben“ nicht die gewünschte Resonanz.

Alma Mahler-Werfel wurde 85 Jahre, sie verstarb am 11. Dezember 1964 in New York.

Alma Mahler-Werfel, der die Männer zu Füßen lagen, hatte ein bewegtes und exentrisches Leben, sie war als Person widersprüchlich, hatte ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, konnte Menschen vereinnahmen, Männer manipulieren und sie war eine Antisemitin. Sie war aber auch eine Frau, die sehr selbstständig agierte und ihre Sexualität in einer Zeit auslebte, in der man dies Frauen nicht zugestand.

Foto von Alma Mahler-Werfel

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Literatur

Die Salonièren und die Salons in Wien: 200 Jahre Geschichte einer besonderen Institution, Helga Peham, Styria Premium 2014
ISBN 978-3222134487

Mein Leben. von Alma Mahler-Werfel,1963
ISBN-13: 978-3596205455

bertha von suttner,nobelpreisträgerin

Bertha von Suttner

eine Kassandra der Jahrhundertwende

Die Friedensaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Bertha Sophie Felicita Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau wurde am 9. Juni 1843 in Prag (damals Österreichisch-Ungarische Monarchie) geboren.

Als Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau gehörte sie zu einer aristokratischen Familie des Habsburgerreiches. Ihr Vater Franz Joseph Graf Kinsky von Chinic und Tettau war vor ihrer Geburt gestorben und gehörte als Mitglied der Familie Kinsky, eines der vornehmsten Geschlechter Böhmens, zur obersten Gesellschaftsschicht der Monarchie. Ihre Mutter war eine geborene von Körner und kam aus dem Bürgertum, daher wurde Bertha vom Hochadel nicht als eine der ihren akzeptiert. Zur Akzeptanz fehlten ihr mütterlicher und väterlicherseits insgesamt 16 Ahnen, um in der Ersten Wiener Gesellschaft Anerkennung zu finden. Ihre Kindheit verbrachte Bertha von Kinsky vorwiegend bei ihrem Vormund Friedrich Landgraf zu Fürstenberg in Brünn und wurde von Gouvernanten erzogen, die sie auch Französisch, Italienisch und Englisch lehrten.

Durch die Spielsucht der Mutter war deren Vermögen und das Erbe von 60.000 Gulden, das Bertha von Landgraf zu Fürstenberg, nach dessen Tod im Jahr 1866 erhalten hatte, aufgebraucht. Daher mußte sie mit 30 Jahren den einzigen Weg einschlagen der Frauen ihrer Gesellschaft offenstand: zu einer anderen Familie zu ziehen, um dort Arbeit zu finden. Daher bewarb sie sich 1873 im Schloß Harmannsdorf (Weinviertel) des Barons Carl von Suttner als Gouvernante und Gesellschafterin der vier Töchter. Bald darauf verliebten sich Bertha und Arthur Gundaccar von Suttner, dem Sohn des Barons Carl von Suttner, dieser war sieben Jahre jünger als Bertha, nach drei Jahren wurde diese Liason publik und Bertha von Suttner wurde nahe gelegt zu gehen.

Alfred Nobel

Karoline von Suttner unterstützte Bertha von Kinsky bei der Suche nach einer neuen Stellung und fand eine Zeitungsannonce: „ein sehr reicher, hoch gebildeter Herr, der in Paris lebt“ und „eine sprachenkundige Dame, gleichfalls gesetzten Alters, als Sekretärin und zur Oberaufsicht des Haushalts“ suchte. Bertha antwortete auf die Annonce des Alfred Nobel, sie erhielt eine positive Antwort und reiste nach Paris. Trotz der Sympathie für Alfred Nobel nahm sie die Stelle als Sekretärin nicht an, sondern blieb nur wenige Tage in Paris. Bertha zeigte sich sehr beeindruckt von seinem Idealismus und dem offenbar pazifistischen Ziel: er „möchte einen Stoff oder eine Maschine schaffen können von so fürchterlicher, massenhaft verheerender Wirkung, daß dadurch Kriege überhaupt unmöglich würden“ und scheint von den Gesprächen mit Alfred Nobel erstmals für die pazifistische Bewegung sensibilisiert worden zu sein.
Das Zusammentreffen mit Alfred Nobel, der sich bereits 1876 intensiv mit Fragen über Krieg und Frieden auseinandersetzte, hatte einen nachhaltigen Einfluss auf Bertha von Kinsky und es entstand ein lebenslanger, freundschaftlicher Briefwechsel und eine Verbundenheit bis zu dessen Tod im Jahr 1896.
Die Stiftung des Friedensnobelpreises dürfte von Bertha von Kinsky beeinflusst worden sein. Nobel war überzeugt, dass nicht „gute Wünsche“, sondern allein Abschreckung den Frieden sichern könne, leider hatte er sich geirrt. Das Geld für die Preise stammt aus dem Vermögen, das Nobel mit seinen vielen Erfindungen gemacht hat. Er befand: „Es sei für reiche Leute unstatthaft, ihr Vermögen den Verwandten zu hinterlassen. Angesammelte große Habe müsse an die Allgemeinheit und für allgemeine Zwecke zurückgehen“.

Hochzeit und Flucht

Ihre rasche Rückkehr nach Wien hatte mit ihrer Sehnsucht nach Arthur von Suttner zu tun und am 12. Juni 1876 fand in Gumpendorf die Trauung ohne der Zustimmung der Eltern Arthurs statt. Bertha von Suttner hatte seit längerer Zeit eine Einladung der Fürstin Ekaterina von Mingrelien, daher beschloss das Paar diese anzunehmen und in den Kaukasus zu reisen. Dort verbrachten die beiden neun Jahre und verdienten ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten. Bertha verfasste Artikel und Berichte für deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften und in weiterer Folge auch ihre ersten Romane.

In ihren ersten schriftstellerischen Arbeiten finden sich bereits Gedanken, die ihre spätere pazifistische Tätigkeit prägten. In ihrem Roman „Inventarium einer Seele“ setzte sich Bertha von Suttner mit ihrer damaligen Weltanschauung auseinander und schrieb: „dass der Friede ein Zustand sei, „welcher aus dem Fortgange der Kultur notwendig sich ergeben muß“. Im Kaukasus verfolgte Bertha von Suttner erstmals bewusst Kriegsereignisse, besonders die Ereignisse des russisch-türkischen Krieges in den Jahren 1877/78.

Rückkehr nach Österreich

Der Gedanke eines möglichen Krieges zwischen Russland und Österreich-Ungarn veranlasste 1885 das Ehepaar zur Heimreise nach Harmannsdorf. Bertha von Suttner wurde nunmehr von der Familie Arthurs akzeptiert.

Bei einem Aufenthalt des Ehepaares von Suttner in Paris im Winter 1886/87 kam es nach elf Jahren wieder zu einem Treffen mit Alfred Nobel. Die Suttners trafen in Paris weitere namhafte Persönlichkeiten, die für ihr pazifistisches Engagement von besonderer Bedeutung waren. In einem Gespräch mit Wilhelm Löwenthal hörte Bertha von Suttner erstmals von der Existenz einzelner kleiner Friedensbewegungen in Europa und das in London eine International Peace and Arbitration Association gegründet wurde und dies in allen Städten Europas geplant war. Wieder in Harmannsdorf angelangt, wollte sie der Friedensbewegung einen Dienst erweisen und einen Roman verfassen, der sich ganz den Idealen der Friedensbewegung widmen und eine öffentliche Wirkung erzielen sollte. Im Jahr 1888 erscheint ihr Buch „Das Maschinenzeitalter“, es ist eines der ersten Bücher die die Folgen von Rüstung und übertriebenem Nationalismus vorhersagt. Der Roman „Die Waffen nieder! Eine Lebensgeschichte“ verfehlte das Vorhaben der Autorin nicht, auch wenn mehrere Verlage eine Publikation auf Grund des Inhalts abgelehnt hatten. Der Roman erschien 1889, er begünstigte die Verbreitung des Friedensgedankens und unterstützte die Bekanntheit der internationalen Friedensbewegung vor dem Ersten Weltkrieg. Ihre Anklage gegen den um sich greifenden Militarismus und ihre Darstellung des Kriegsgemetzels, der Massengräber und Lazarette ist so real, daß es ein internationaler Bestseller wird und in 40 Sprachen übersetzt wird.
Der Bucherfolg bestätigte Bertha von Suttner sich für die Friedensarbeit weiter zu engagieren und er verbesserte die wirtschaftliche Lage des Ehepaares. Den Winter 1890/91 verbrachte Bertha von Suttner und wirkte dort gemeinsam mit den Pazifisten Beniamino Pandolfi und Felix Moscheles an der Gründung einer lokalen Friedensgesellschaft mit, diese war für sie Impuls und Vorbild für eine österreichische Friedensgesellschaft.

Die Österreichische Friedensgesellschaft

Bereits zwei Jahrzehnte vor Gründung der Österreichischen Friedensgesellschaft im Jahr 1891 plädierten die Parlamentarier Robert von Walterskirchen und Adolph Fischhof für die Schaffung eines internationalen Parlaments, das sich aus Parlamentariern der einzelnen europäischen Staaten konstituieren sollte und für eine allgemeine europäische Rüstungsbeschränkung, leider stießen sie auf keinerlei Resonanz.
Es kam schon damals das Thema eines vereinten Europa! zur Sprache und wir haben es nach über 120 jahren noch immer nicht geschafft…

Bertha von Suttner startete am 3. September 1891 in der Neuen Freien Presse einen Aufruf zur Gründung einer österreichischen Friedensgesellschaft, sie hatte damit eine derartige Resonanz, daß bereits am 29. September 1891 eine Vorversammlung in Wien, im Alten Rathaus in der Wipplingerstraße, einberufen werden konnte.

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Das Ziel der ÖFG und ihr offiziell unpolitischer Charakter hatte auf Grund der politischen Situation der Monarchie einen schwache Position: Nationalitätenkonflikte, Dominanz militärischer Denkweisen, eine starke aristokratische Elite, die Schwäche des Liberalismus und später die große Begeisterung für Krieg bildeten ein ungünstiges Umfeld für pazifistische Aktivitäten. Da die Polizei die Befugnis zur Auflösung von Gruppen hatte, die rechts – bzw. gesetzeswidrig oder staatsgefährdend handelten, standen pazifistische Organisationen unter ständiger Kontrolle. Der begrenzte Handlungsspielraum der ÖFG wird auch dadurch verdeutlicht, daß bereits die Nichtbefolgung oder Verleitung zur Nichtbefolgung eines Militäreinrückungsbefehles einen drastischen Verstoß gegen das österreichische Strafgesetz darstellten. Daher mußte die ÖFG subversive Aktionen gegen den Staat vermeiden, um nicht der Illegalität beschuldigt zu werden und eine Zwangsauflösung zu riskieren. Dies erklärt auch zum Teil, weshalb die Aktionen der ÖFG sich auf lange Sicht als wenig effektiv erwiesen. Ein anderer Grund für die Ineffektivität der ÖFG vor dem Ersten Weltkrieg liegt an der fehlenden Unterstützung durch politische Gruppierungen.
Alfred Hermann Fried wurde im Jahr 1891 auf die Österreichische Friedensgesellschaft aufmerksam und machte in seinem ersten Schreiben an Bertha von Suttner den Vorschlag, eine Monatszeitschrift zu veröffentlichen, „um der Friedensidee in Deutschland und Oesterreich die notwendige Verbreitung zu geben“. Die erste Ausgabe der Zeitschrift „Die Waffen nieder! Monatsschriftzur Förderung der Friedensidee“ erschien am 1. Februar 1892. Während ihres Bestehens, bis 1899, bildete die Zeitschrift ein bedeutendes Forum des Pazifismus im deutschsprachigen Raum.

die erste Frau die den Friedensnobelpreis erhielt

Um die Jahrhundertwende ist Bertha von Suttner eine sehr bekannte Persönlichkeit in der Friedensbewegung Europas. Im Jahr 1905 wurde ihr der Friedensnobelpreis als Anerkennung für ihren unermüdlichen Einsatz gegen einen industriell geführten Krieg überreicht, den sie immer wieder in weiser Voraussicht beschrieb: Alle Staaten zerstampft, alle Arbeit eingestellt, alle häuslichen Herde umgeworfen, nur e i n Schrei des Schmerzes von Grenze zu Grenze- Jedes Dorf eine Brandstätte, jede Stadt ein Trümmerhaufen, jedes Feld ein Leichenfeld, und noch immer tobt der Kampf: unter den Meereswellen schießen die Torpedoboote, um mächtige Dampfer in den Grund zu ziehen; in die Wolken steigen bewaffnete und bemannte Luftschiffe einer zweiten äronautischen Truppe entgegen, und aus tausend Meter Höhe schneien verstümmelte Krieger als blutende Flocken herab …“
In ihrer Nobelpreisrede sagt sie unter anderem: „Festungen werden gebaut, Unterseeboote fabriziert, ganze Strecken unterminiert, kriegstüchtige Luftschiffe probiert für das demnächstige Losschlagen“.
Ihre Warnungen und Prophezeiungen bleiben ungehört und Europa stürzt sich mit großer Begeisterung in den ersten Weltkrieg – mit verheerenden Folgen, dem ersten Giftgaseinsatz und über 17 Millionen Toten. Bertha von Suttner erlebt diese ungeheure Katastrophe nicht, sie stirbt am 21. Juni 1914 in Wien – zwei Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Sie war Zeit ihres Lebens mit der Geringschätzung der sie umgebenden Gesellschaft konfrontiert, es war die erste Wiener Gesellschaft und die Männergesellschaft die sie als Frau nicht Ernst nahm, daher ist diese Frau (und viele andere Frauen dieser Zeit) zu bewundern, da sie trotz aller Hindernisse unbeirrbar ihren Weg ging.

Foto

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Weblinks

http://www.peacemuseumvienna.com/

http://www.linksnet.de/de/artikel/19576

Literatur

Bertha von Suttner – Kämpferin für den Frieden von Brigitte Hamann , 2013
ISBN-13: 978-3850337557

Die Waffen nieder!: Eine Lebensgeschichte von Bertha von Suttner, 2012
ISBN-13: 978-3847270317

Bertha von Suttner: Memoiren von Bertha Von Suttner,2013
ISBN-13: 978-3863474447

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Henriette Pereira-Arnstein

Henriette Pereira-Arnstein – Salonière, Tochter der Fanny von Arnstein

Henriette Pereira-Arnstein wurde am 29. Nov. 1780 in Berlin geboren, sie war die Tochter der Fanny von Arnstein.

Auf Grund ihres sehr vermögenden Elternhaus genoß sie das Privileg einer umfassende Bildung, was zu dieser Zeit nicht selbstverständlich war.

1802 heiratete sie den Adoptivsohn ihrer Eltern, Bankier Ludwig Freiherr von Pereira, eine Juden sephardischen Ursprungs, mit dem sie vier gemeinsame Kinder hatte. Später konvertierten beide zum christlich-katholischen Glauben. Mit diesem Übertritt drohte Henriette der Ausschluss von jüdischen Zeremonien, aber es ermöglichte ihr das Ausblenden ihrer jüdischen Identität.
Henriette Pereira-Arnstein öffnete ihren eigenen Salon höchstwahrscheinlich vor dem Tod ihrer Mutter Fanny von Arnstein, diesen anspruchsvollen literarisch-musikalischen Salon führte sie in der Tradition ihrer Mutter fort.
Wie ihre Mutter und ihre Tante Cäcilie von Eskeles vor ihr, wurde Henriette ebenfalls mit deutschem Patriotismus in Verbindung gebracht, nachdem ihr Name in den Chroniken zur Unterstützung des Dichters Theodor Körner eingetragen wurde. Körner schrieb während seiner Teilnahme am Krieg gegen Napoleon seine impulsivsten deutschen Nationalgedichte »Leier und Schwert« für Henriette.

In ihrer Anfangszeit als Saloniere wurden ihre Empfänge so luxurios gestaltet wie der Salon ihrer Eltern, es wurden z. B. die Räume mit Früchte beladenen Bäumen geschmückt. Man muß sich das vorstellen, ganze Bäume wurden wegen einen einzigen Empfang gefällt! Von der Mühe des Personals ganz zu schweigen.

Gastgeberin der Wiener Gesellschaft im Biedermeier

Anders als ihre Mutter, deren Haus der Mittelpunkt des politischen sowie diplomatischen Lebens war und oft mitternächtliche Soupee`s bis zu 400 Gäste empfing, führte Henriette Pereira ihren Salon später in einem kleineren Rahmen. Sie veranstaltete jede Woche Künstleràbende mit musikalischen Darbietungen, bei denen sie auch Pianistin war.
Sie hatte auf Grund ihres Laissez-Faire-Stils der Gastlichkeit bedeutende Künstler bei sich zu Gast, darunter Musiker wie Beethoven, Liszt, Theodor Körner, Mendelssohn und Dichter wie Grillparzer, Stifter, Brentano sowie Künstler wie Amerling, Daffinger, Schnorr von Carolsfeld, Schwind, Kriehuber und Danhauser. Amerling porträtierte sie mit ihrer Tochter Flora, in dem sie, ganz im Sinne des Biedermeiers, als mütteliche Dame zu sehen ist.

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Henriette Pereira-Arnstein akzeptierte den Prozess der Entsexualisierung von Damen der Gesellschaft, in dem Porträt ist die Betonung der anerkannten Gesellschaftsdame zu sehen.
Es ist anzunehmen das Henriette Pereira-Arnstein und Tochter Flora – im Gegensatz zur Familie Eskeles – extravaganten Schmuck vermieden, um ihr harmonisches Familienleben zu zeigen.
Henriette Pereira setzte sich wie ihre Mutter und ihre Tante Cäcilie von Eskeles, sehr engagiert für soziale Zwecke ein.

Henriette Pereira-Arnstein, ihre Mutter Fanny Arnstein und ihre Tante Cäcilie von Eskeles formten und vermarkteten sich in
verschiedenen Phasen ihres Leben in verschiedenen Rollen und auf Grund ihres jüdischen „Anderssein“ und ihrer deutschen Kultur schufen sie für sich einmalige Position in der Wiener Gesellschaft.

Eine bemerkenswerte Frau in der männerdominierenden Biedermeier-Epoche, sie starb am 13. Mai 1859 in Wien

Fotos

Wikipedia, Lithographie von Josef Kriehuber, 1841

Literatur

Die Salonièren und die Salons in Wien, Helga Peham, Dezember 2013
ISBN 978-3222134029

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Berta Zuckerkandl

Journalistin, Schriftstellerin und Salonière

Berta Szeps-Zuckerkandl war eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten der Wiener Gesellschaft und eine couragierte, emanzipierte Friedenskämpferin sowie Vertraute fast aller Größen ihrer Zeit. Sie war nicht nur eine berühmte Salonière, sondern auch eine sehr begabte jüdische Journalistin. Sie kannte jeden und stand im Zentrum des kulturellen Geschehens sowie der Gesellschaft. Auf Grund ihrer Aufzeichnungen und Artikel bekommen wir einen Einblick in das Fin de Siècle, dem Zusammenbruch der Monarchie, der Zwischenkriegszeit und den „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland aus der Perspektive einer Frau.
Sie war befreundet mit den bedeutensten Vertretern des gesellschaftlichen und künstlerischen Lebens jener Zeit.

In ihrem Salon verkehrte alles was Rang und Namen hat und sich wie das Who is Who der Jahrhundertwende und des frühen 20. Jahrhunderts liest, um nur einige zu nennen: Hermann Bahr, Alexander Girardi, Johann Strauß, Arthur Schnitzler, Otto Wagner, Gustav Mahler, Gustav Klimt, Arnold Schönberg, Sigmund Freud, Katharina Schratt, Hugo von Hoffmannsthal, Stefan Zweig, Franz Werfel.

Bertha Zuckerkandl wurde 1864 als Tochter des angesehenen liberalen Journalisten und Begründers des „Neuen Wiener Tagblattes“, Moritz Szeps, geboren. Szeps war ein enger Freund des Kronprinzen Rudolf, dessen Kritik an der Politik des kaiserlichen Vaters unter Pseudonym im „Neuen Wiener Tagblattes“ erschien. Der Salon war ein beliebterTreffpunkt der jüdischen Intelligenz Wiens, Berta Zuckerkandl begegnete im Hause ihrer Eltern schon als junges Mädchen so bedeutenden Persönlichkeiten wie dem Komponisten Jaques Offenbach, dem britischen Premier Benjamin Disraeli und Georges Clemenceaus.
Durch ihren Schwager Paul Clemenceau war Berta Zuckerkandl eng mit dem politischen und kulturellen Leben Frankreichs verbunden, sie hatte dadurch Informationen aus erster Hand und Frankreich wurde ihre zweite Heimat. Das Interesse an französischen Kultur hat in gebildeten Kreisen Wiens eine lange Tradition und hatte in Zuckerkandls Salon einen hohen Stellenwert.

1889 heiratete sie den berühmten Anatomen Emil Zuckerkandl und führte in ihrem Haus in der Nußwaldgasse 22, danach in der Alser Straße 23 und in dem bis heute bekannten Salon Oppolzergasse 6, über dem Café Landtmann die Tradition ihrer Mutter fort.

Zuckerkandls Liebe zur modernen Kunst

Durch Clemenceau lernte sie den Bildhauer Auguste Rodin und Künstler der modernen Malerei kennen und wurde daraufhin eine Wegbereiterin der „Wiener Secession“.

In ihrer täglichen Kunstkolumne in der „Wiener Allgemeinen Zeitung“ schrieb sie über die „Wiener Werkstätte“ und engagierte sich sehr für Gustav Klimt. 1902 gelang es  Berta Zuckerkandl, Rodin und Klimt in ihrem beliebten Salon in der Oppolzergasse miteinander bekannt zu machen.

Ein großer Kritiker war Karl Kraus, er veröffentlichte einige Attacke in der Fackel. Kraus bezeichnete sie als „Hebamme der Kultur“, in deren Haus „die Generationen ein- und ausgegangen sind. Er war der Meinung, dass Juden versuchten eine neue Art der Kunst zu benutzen, nämlich der Kunst der Sezession und der Wiener Werkstätte, um assimiliert zu werden. Kraus war selber Jude, aber er dachte, dass diese Kunst keine Assimilation zustande bringen würde. Er kritisiert und schreibt, „Das große gemeinsame Erleben das die Zuckerkandl und den Bahr verband, war hauptsächlich das Glück, gleichzeitig auf Olbrichschen Stühlen (Joseph Maria Olbrich) zu sitzen”. Berta ließ sich von solchen Attacken nicht stören und glaubte an das Motto der Wiener Sezession: “Der Zeit ihrer Kunst, die Kunst ihrer Zeit.“

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In Berta Zuckerkandls Salon lernten sich Gustav Mahler und Alma Schindler kennen, die sich trotz anfänglicher, heftiger Auseinandersetzungen drei Wochen später verlobten, sie war über viele Jahre Almas engste Freundin. Zuckerkandl arrangierte nicht nur Ehen, sie arrangierte auch die Begegnungen mit Max Reinhardt und Hugo von Hoffmannsthal und in ihrem Salon fand die erste öffentliche Lesung des Jedermann statt. Berta Zuckerkandl setzte sich engagiert für die Durchsetzung der Salzburger Festspiele ein. Nach dem Tod ihres Mannes wohnte Zuckerkandl ab 1916 eine Vier-Zimmerwohnung in der Oppolzergasse, bis zu ihrer Emigration 1938 empfing sie ihre Gäste im Bibliothekszimmer, dessen Mittelpunkt ein überdimensionaler Diwan der Wiener Werkstätte bildete, auf dem bis zu zehn Personen Platz fanden.

Die Friedensaktivistin

Der erste Weltkriegs zerstörte ihre Hoffnungen auf ein friedliches Europa. Berta Zuckerkandl setzte sich besonders für die geistige Individualität und Unabhängigkeit Österreichs ein, indem sie ihre Kunstpropaganda forcierte. Darüber hinaus nutzte sie ihre Kontakte zu anderen Frauen oder Salonniéren, mit denen sie in engen Kontakt stand. Die Kriegserfahrungen des ersten Weltkrieges schlagen sich in Berta Zuckerkandls journalistischer Arbeit nieder und schreibt für Frieden und Völkerverständigung.
In den 20er Jahren wendet sie sich zunehmend vom Liberalismus ab und konservativen Gedanken zu, aber sie stellt sich gegen Kanzler Engelbert Dollfuß, der 1934 die Arbeiterbewegung zerschlägt. Nach dem „Anschluß“ Österreichs, konnte Berta Zuckerkandl mit Hilfe der Brüder Clemenceau nach Frankreich fliehen. Als Trägerin des Ordens der Ehrenlegion blieb ihr die Internierung erspart, als die deutschen Truppen in Frankreich einmarschieren, flüchtete die 76-jährige zu ihrem Sohn nach Algier. Dort hielt sie nach der Befreiung durch die Amerikaner über eine von den Alliierten eingerichtete Radiostation eine flammende Rede gegen den Nationalsozialismus und für Frieden und Völkerverständigung. Den Bericht ihres Entkommens, den sie kurz nach ihrer Ankunft in Algier für das Tagebuch ihres Enkels Emile verfasste, ist ein einzigartiges Zeugnis der Stadien und Strapazen einer Flucht vor dem Nationalsozialismus und eines Lebensabschnitts Berta Zuckerkandls, über den wir so gut wie nichts wissen.
Es war ihr noch vergönnt, den Zusammenbruch des Naziregimes mitzuerleben, sie starb im Oktober 1945 nach Jahren der Emigration, in Paris.
Berta Zuckerkandl war eine der schillerndsten und exzentrischsten Persönlichkeiten ihrer Epoche – einer Epoche, die von der ausklingenden Donaumonarchie bis zum Ende des faschistischen Terrors reicht.

Fotos

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Literatur

Österreich intim: Erinnerungen 1892 bis 1942, Bertha Zuckerkandl, Wien 2013
ISBN 978-3852188911

Die Salonièren und die Salons in Wien: 200 Jahre Geschichte einer besonderen Institution, Helga Peham, Styria Premium 2014
ISBN 978-3222134487

Flucht!: Von Bourges nach Algier im Sommer 1940, Bertha Zuckerkandl, Czernin; Auflage: 1, 2013
ISBN 978-3707604566

 

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Fanny von Arnstein

Erste jüdische Salonière, Kunstfreundin und Mäzenin


Fanny von Arnstein, Schirmherrin für Musik, Kunst und Literatur, war die bedeutenste Salonière ihrer Zeit. Die hohe Wertschätzung ihr Person trug viel zur wachsenden Annahme von Juden in der Wiener Gesellschaft bei. Fanny Arnstein ist in erster Linie bekannt für ihr politisches und soziales Engagement: Sie stiftete Kriegslazarette, Kranken- und Armenhäuser und setzte sich bei Joseph II. für die Rechte der österreichischen Juden ein.
Sie förderte auch die Kunst, war Mitbegründerin der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (1812) und veranstaltete Benefizkonzerte.
Sie wurde am 11. März 1757 in Berlin als achtes Kind von Daniel Itzig, Hofbankier Friedrichs II., und seiner Frau Marianne geboren. 1776 heiratete sie in Berlin den Wiener Bankier und Kaufmann Nathan Adam Arnstein oder Arnsteiner. Nathans brillante Gattin Fanny führte einen literarischen Salon, in dem sich Größen von Kunst, Literatur und Finanz zu gesellschaftlichen Soireen trafen.

Fanny Arnstein liebte Literatur und beherrschte mehrere Sprachen, ihre sozialen Talente schufen eine angenehme Atmosphäre in ihrem Salon, wo sich Gäste von verschiedenen Rängen der aristokratischen Gesellschaft trafen. Ob Wissenschafter, Adelige oder Künstler, sie kamen alle gerne zu musikalische Soireen in das Haus des jüdischen Bankiers und seiner Frau. Die gemietete Stadtwohnung der Arnsteins war am Hohen Markt. Das Sommerpalais befand sich am Braunhirschengrund (15. Bezirk) und erstreckte sich von der Mariahilfer Straße bis zum Wienfluss.

Zur Jahrhundertwende scheint es bei den Arnsteins kein Jour fixe zu geben, ihr Haus war jeden Tag offen, meist sogar von Mittag bis Mitternacht, mit Ausnahme der Theaterstunden. Politiker, Diplomaten und Publizisten waren regelmäßige Besucher. Ein guter Freund war Joseph Freiherr von Sonnenfels, er war Reformpolitiker und Direktor der Akademie und ein einflussreicher Schutzpatron der Künste. Friedrich Gentz erwiese sich als ein falscher Freund,er war von Berlin nach Wien gezogen, wurde ein naher Berater von Metternich und war antisemitisch und reaktionär.

Netzwerk von intellektuellen Frauen


Um 1800 wurde Fanny von Arnstein’s Salon das Zentrum eines zusammenarbeitenden Salonnetzwerks von intellektuellen und musikalischen Frauen in Wien. Dies waren unter anderem ihre Schwester Caecilie Wulff, sowie ihre Schwester Rebecca Ephraim. Weiter Frauen waren Bernhard Von Eskeles’ Schwester Eleonore Flies und Fanny von Arnstein’s zwei Nichten, ihre Schwester Marianne Saaling und Mariane Von Eybenberg. 1802 heiratete Fanny von Arnstein’s Tochter Henriette den Bankier Heinrich Pereira. Während der Napoleonischen Kriege ( 1805–1815 ) erwiesen sich Arnstein und ihre Tochter als wahre Patrioten und taten viel für die Kranken und verletzten Soldaten. Gegner der Politik Napoleons, wie Madame de Staël, waren im Salon herzlich Willkommen.
Fanny Arnstein unterstützte unzählige Wohltätigkeiten, sie war Gründungsmitglied und Komiteefrau der Gesellschaft von adeligen Frauen für die Förderung des Guten und nützlichen. 1814 stand im Hause Arnstein der erste Weihnachtsbaum, Fanny Arnstein brachte diesen schönen Brauch von Berlin nach Wien.
Der Höhepunkt der sozialen Aktivitäten im Arnstein Salon fand während des Wiener Kongresses 1814 statt. Es gab Auftritte von jungen Giacomo Meyerbeer. Diplomaten aus ganz Europa waren Gäste, darunter Arthur Wellesley, Herzog von Wellington, Kardinal Ercole Marchese Consalvi und Charles-Maurice Herzog von Talleyrand.
Fanny Arnstein starb nach längerer Krankheit am 8. Juni 1818 in ihrem Haus am Braunhirschengrund . Die Tradition des Hauses wurde nach dem Tod Fanny von Arnsteins durch ihre Tochter fortgeführt.

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Leider ist von dem Arnstein´schen Anwesen nichts übrig geblieben, an die Familie Arnstein erinnert nur mehr ein Strassenname im 15. Wiener Gemeindebezirk.

Das Grab befindet sich am jüdischen Währinger Friedhof, 1180 Wien, Semperstraße 64A/ Schrottenberggasse.

Der Friedhof ist jedoch öffentlich nicht zugängig, da er in einem völlig desaströsen Zustand ist!

Die Gebeine der Fanny Arnstein befinden sich nicht mehr im Grab, die steinerne Tafel mit der Namensinschrift ist zerbrochen, auch die Namenstafeln am Grab ihres Gatten Nathan und ihres Schwagers Bernhard Eskeles-Arnstein sind zerbrochen.

Es ist eine Schande das dieser Friedhof noch immer nicht saniert wurde!

Fotos

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Weblinks

Blog des Österreichischen Jüdischen Museums

Jewish Womans Archive

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Emilie Flöge

Modesdesignerin, Unternehmerin und Muse von Klimt


Emilie Louise Flöge wurde am 30. August 1874 in Wien als Tochter eines Wiener Meerschaumpfeifen-Fabrikanten geboren.

Sie war Designerin, Modeschöpferin und Unternehmerin und der Lebensmensch und Muse des Malers Gustav Klimt.
Die drei Schwestern Flöge – Pauline, Helene und Emilie – absolvierten einen Nähkurs und begannen anschließend Kleider zu entwerfen.
1904 gründeten die drei Schwestern, die in der Neubaugasse eine Schneiderwerkstätte betrieben hatten, den Modesalon „Schwestern Flöge“ in der „Casa Piccola“ Mariahilferstrasse 1b.

Der von Josef Hoffmann und Koloman Moser exklusiv eingerichtete Modesalon entsprach ganz dem Geist der Wiener Werkstätte.

Von Gustav Klimt stammten die Entwürfe für das Firmensignet und das Geschäftspapier des Hauses. Gustav Klimt entwarf für sie, wie auch Kolo Moser, Reformkleider für ihre Haute Couture Mode.

Mehr als 30 Jahre lang behauptete der Salon im Zentrum des Wiener Modeviertels seine führende Stellung. Trotzdem wird die unternehmerische Leistung der Emilie Flöge heute gerne unterschätzt. Es mag sein, dass sie in der Anfangszeit des Salons von Klimt profitierte, doch musste sie sich als Geschäftsfrau bewähren.

Dennoch wird Emilie Flöge in den Köpfen der Nachwelt auf die Frau „an der Seite von Gustav Klimt“ und dessen Sommerfrische-Partnerin reduziert. Tatsächlich handelte es sich beim Salon Flöge um einen großen Betrieb mit einem breiten Spektrum: Bis zu 80 Näherinnen und drei Zuschneiderinnen arbeiteten hier.
Jährlich zweimal fuhr Emilie Flöge nach Paris und London, um sich an den internationalen Modehäusern wie Dior und Chanel über aktuelle Entwicklungen und Trends zu informieren.

Mit dem „Anschluss“ Österreichs an Nazideutschland verlor Emilie Flöge einen großen Teil ihrer Kundschaft und musste den Salon schließen.

Sie starb am 26. Mai 1952 in Wien, ihr Grab befindet sich am Wiener Zentralfriedhof Tor 4, Gruppe 8, Kreuzallee Nr. 4

Emilie Flöge und Gustav Klimt


Kennengelernt haben sich die beiden spätestens 1891, als Gustavs Bruder Ernst Emilies Schwester Helene heiratete.

Bereits ein Jahr später porträtierte Gustav Klimt die damals 18- Jährige. Klimts Ganzfigurenportrait aus dem Jahre 1902, zeigt die 28 jährige Emilie Flöge als Ikone des bereits secessionistischen, mit Goldornamentik durchsetzten reiferen Klimt-Stils.

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Trotz des umfangreichen Konvoluts enttäuschen die Briefe und Postkarten zwischen Klimt und Flöge und lassen die Art ihrer Beziehung ungeklärt. Emilie Flöge erscheint als ewige unberührte Geliebte, die Gefährtin und imaginäre Gattin im großen Traum seiner erotischen Magie.
Jedoch hat Emilie Flöge nach Klimts Tod angeblich sämtliche in seinem Atelier verbliebenen Schriften verbrannt. Emilies Nichte berichtet von Körben voller Post, die vernichtet worden seien.

Für den Klimt-Forscher Christian M. Nebehay fand der Maler bei Emilie jene „Ruhe, Ausgeglichenheit und Freundschaft, die er anderswo nicht finden konnte.

Emilie Flöge wurde durch Klimts Ikone „Der Kuss“ unsterblich gemacht, indem er der knienden Frauenfigur, die ihm nur ihre Wange zum Kuss darbietet, die Züge Emilies verliehen hat.

Fotos

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Weblinks

Irene Adessner -Citylights