Vergessene, nicht restaurierte Gebäude die auf Beachtung hoffen und andere Schandflecke in Wien.

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Theater am Mittersteig

und noch ein Verfall eines historischen Theaters

Das Jugendstiltheater am Mittersteig wird auch Mala Strana, nach einem ehemaligen Möbellager, dem letzten Mieter des Theaters, genannt. Für mich unverständlich, da es nur ein Mieter von vielen war, aber da noch immer der Firmennamen auf dem Portal zu sehen ist, hat sich der Name eingeprägt.
Malá Strana bedeutet auf Deutsch: „Die Prager Kleinseite“ und ist mit dem Kleinseitner Ring ein Stadtteil von Prag. Das Theater befindet sich im Ferdinand-Hof am Mittersteig 15, im 4. Wiener Gemeindebezirk, beim Cissy-Kraner-Platz.


Das Haus am Mittersteig 15 hat mehrere Höfe und Stiegen, seit 1991 hat  die Hausverwaltung mehrmals gewechselt und so wurde es zum Spekulationsobjekt. Um 2000 wurde das Dachgeschoss ausgebaut und die allernotwendigsten Renovierungen, mit billigen Mitteln wurde oberflächlich die Optik verbessert, durchgeführt. Der Keller ist feucht, hier wurden nur sehr wenige Sanierungsmaßnahmen getroffen, und daher ist es für viele Interessenten eine zu große finanzielle Belastung das Theater wieder zu bespielen oder eine andere Idee umzusetzen. Die sanierte Fassade des Hauses und das völlig derangierte slumähnliche Theaterportal sind ein sehr großer Gegensatz, kurz gesagt, es ist ein Schandfleck auf dem Platz in Wien und eine Herabwertung des Hauses.

Sollte es nicht im Interesse der Hausverwaltung sein das Portal zu sanieren?

die turbulente Geschichte des Jugendstil-Theater am Mittersteig

Der Ferdinand-Hof wurde im Jahr 1910/11 von Franz Kupka und Gustav Orglmeister in secessionistischer Architektur erbaut. Den Theatersaal im Keller des Hauses betrieb der Hauseigentümer Ferdinand Böhm, aber nach einem kurzem und erfolglosen Theaterbetrieb wurde der Saal schon im Jahr 1913 zu einem Kino mit 556 Plätzen umfunktioniert, auch dies brachte nicht den erhofften Gewinn.

Ferdinand Böhm geriet in den 20er-Jahren in finanzielle Schwierigkeiten und so wurde das Kino an die Republik Österreich verpfändet, danach ging der Betrieb weiter. Ab dem Jahr 1923, bis zu Kriegsbeginn, wurden auch Singspiele des Arbeitervereins Margareten veranstaltet und später wurde die Projektoranlage für Tonfilme ausgerüstet.

In der Besatzungszeit wurde das Jugendstiltheater als Bordell für alliierte Soldaten genutzt, danach war es wieder ein Kino das den Namen „Wiedner Grandkino“ erhielt, da es wieder Verluste schrieb wurde es am 15.12.1969 geschlossen. Danach wurde es eine Außenstelle der Stadthalle namens „Athletic Center“ , anschließend stand es einige Zeit leer um dann von Regisseur und Theatermacher Markus Kupferblum 1994 für sein „Totalen Theater“ entdeckt zu werden. Nachdem die Subventionen gestrichen wurden, mußte der Theaterbetrieb sehr bald wieder beendet werden. Auch Hubsi Kramar hatte mit dem Jugendstil-Theater kein Glück, zuletzt wurde es zu einem Lager der Firma „Mala Strana“, von ihr stammt der Name und die „Behübschung“ des Portals. Die Möbelfirma zog im Jahr 1998 aus und seitdem wartet das historische Jugendstiltheater auf neue Besitzer.

Die Eigentümerin Conwert Immobilien Invest SE erreichte im Jahr 2011 die Umwidmung für eine Nutzung als Geschäftslokal, anschließend gab es immer wieder Gerüchte das ein Supermarkt! oder ein Fitnesscenter in das Theater einzieht. Nach bekannt werden der Umwidmung machte eine Gruppe von Künstlern die Medien darauf aufmerksam, aber auch das änderte nichts.

Aus dem Büro des Kulturstadtrat Mailath-Pokorny hieß es, das Konzepte für eine kulturelle Nachnutzung eingereicht wurden, jedoch die Projekte zu teuer seien. Laut Experten kostet eine umfassende Sanierung zwei Millionen Euro und das wäre für die Stadt Wien derzeit „nicht machbar“. Es wird viel Geld für diverse Projekte verschwendet, aber für die Sanierung eines historischen Theaterraum im Originalzustand ist der finanzielle Aufwand zu groß? Etwas eigenartig, oder?

Der Pressesprecher Clemens Billek der Firma Conwert sagte im Jahr 2012 daß man mit einigen Interessenten im Gespräch sei. „Aber ich glaube, dass das Mittersteig-Theater überschätzt wird.“ Er als Pressesprecher und daher auch Fachmann muß es ja wissen…

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Im Jahr 2012 war der geschätzte finanzielle Aufwand zwei Millionen Euro, so ist er jetzt, im Jahr 2015, sicher nicht geringer geworden, die Parkettböden und sanitären Installationen sind längst entfernt worden, der Stuck ist teilweise zerstört und im Juni 2013 wurde eingebrochen.

Das Theater am Mittersteig und der Erschließungsbereich im Ferdinand-Hof sind seit 2013 denkmalgeschützt, das bedeutet, daß es ab diesen Zeitpunkt Auflagen für den Eigentümer gibt.

Marietta Saulich von Malastrana Vienna – Bali sagte, daß sie es renovieren und in seinen ursprünglichen Glanz versetzen wollten, um es anschließend als Internationales Design & Ausstellungscenter zu benützen, aber leider war dies mit der Hausverwaltung nicht möglich.

Wieso wird in dieser Stadt mit historischer Architektur so achtlos umgegangen? Wo bleibt die Wertschätzung für das kulturelle Erbe?

Ein saniertes Theater am Mittersteig wäre eine sehr große Bereicherung für Wien, stattsdessen ist es mit dem Geschmiere diverser „Graffitikünstler“ und „Sprayer“ à la Puber ein Schandfleck mitten in Wien und hat das gleiche Schicksal wie das Jugendstil-Theater am Steinhof.

 

Adresse

Mittersteig 15, 1040 Wien


Wiener Linien: Bus 13A bis Station Leibenfrostgasse

Öffi-App
Fotos der Theater-Innenräume
© Harald A. Jahn / www.viennaslide.com

Weblinks:
http://www.theateristkeinsupermarkt.at/
http://www.viennaslide.com/
http://derstandard.at/1328507052789/Wien-Wieden-Das-Theater-ist-ein-schlechtes-Geschaeft
https://www.facebook.com/pages/Mala-Strana-Mittersteig-Theater-Darf-Kein-Supermarkt-Werden/314790988563226
http://www.theateristkeinsupermarkt.at/Unterschriftenliste.pdf

Gedenkstätte Steinhof,spiegelgrund,gross,ns-ärzte

Gedenkstätte Steinhof

die Verbrechen der NS-Medizin in Wien

Eine Ausstellung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes: Der Krieg gegen die „Minderwertigen“

Die Ausstellung ist im Pavillon V des Otto-Wagner-Spitals zu sehen und zeigt erschütternde Einblicke in das menschenverachtende System des Nazi-Regimes.
In den Jahren 1940 bis 1945 wurden vom Nazi-Regime ca 800 angeblich oder tatsächlich geistig bzw. körperlich behinderte Kinder am Spiegelgrund für Experimente angehalten und ermordet, ca 7500 Patienten fielen den Verbrechen der Nazis zum Opfer.

Es gibt leider nur mehr wenige Zeitzeugen und „Spiegelgrund-Überlebende“, einer von ihnen war Friedrich Zawrel. Er ist 2015 in Wien gestorben und war ein Überlebender des Kinder-Euthanasie-Programms

Das Mitwirken der Ärzte und des Pflegepersonals garantierte den reibungslosen Ablauf in den Anstalten. Die Beweggründe sind sehr vielfältig, ob aus Sadismus, Profilierungssucht, Geltungsdrang, anpassen an das System oder im „Namen“ der Wissenschaft, sie sind verabscheuungswürdig und nicht mit dem dem hippokratischen Eid, dieser ist die Grundlage ärztlicher Ethik, vereinbar.
Auszug aus dem hippokratischen Eid:
„Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken nach meinem besten Vermögen und Urteil, sie schützen vor allem, was ihnen schaden und Unrecht zufügen könnte.“

Zitat von Karl Kraus: „Die Kultur endet, indem die Barbaren
aus ihr ausbrechen“.

Zucht des arischen und gesunden Menschen

Schon Ende des 19. Jahrhunderts beschäftigte sich die Wissenschaft mit der Eugenik und es wurde zwischen“positiver Eugenik“ und „negativer Eugenik“ unterschieden, diese fand in Europa und den USA sehr große Zustimmung.
Hier waren ja Antisemitismus, Kolonialismus und Rassismus an der Tagesordnung, ebenso wie die Bezeichnungen Herrenrasse bzw. Herrenvolk. Da ist dann nur mehr ein kleiner Schritt sich zu erdreisten, was lebens- und unwertes Leben ist.

In Deutschland entstand die Bezeichnung „Rassenhygiene“, hier ging es der Wissenschaft um die Zucht „arischen Herrenmenschen“. Zur Gruppe der „Minderwertigen“ gehörten Juden, also alles „Fremdrassige, Homosexuelle, sogenannte „Asoziale“, physisch, psychisch und geistig Behinderte.

Als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, entstanden die „Nürnberger Gesetze“ die jeglichen Kontakt mit Juden verboten. Das  „Ehegesundheitsgesetz“ verbot die Eheschließung, wenn der oder die Verlobte eine „mit Ansteckungsgefahr verbundenen Krankheit“ hat, Schädigung des Partners oder der Kinder zu befürchten ist, ein Partner entmündigt ist oder eine Erbkrankheit hat.

Die Wissenschaft im dritten Reich

beschäftigte sich mit der Begutachtung „andersrassigen“ und ethnischen Minderheiten, sie trug ihren Beitrag dazu bei, dass der Rassenwahn auch in den Gestzen legitimiert wurde.
Die Nazi-Maschinerie war bestens inszeniert, sowie bis ins kleinste Detail aufbereitet, und fast alle spielten bereitwillig mit.

„Aktion T4“ war die Abkürzung für die Adresse Zentraldienststelle T4 in der Tiergartenstraße 4 Berlin, sie war die Adresse für die geheime Zentraldienststelle der Nationalsozialisten. Dieser Aktion, „Vernichtung lebensunwerten Lebens“, fielen 70.000 Menschen unter der Tarnung „Euthanasie“ zum Opfer.

Es waren auch sehr viele Juden unter den ermordeten Pfleglingen, Viktor Frankl war Arzt im jüdischen Spital Rothschild bemühte sich, sovile jüdische PatientInnen wie möglich zu retten.

der Ermordung der Kinder am Spiegelgrund

und hat in den letzten Jahrzehnten viele Menschen besonders erschütternd, diesem Thema wird in der Gedenkstätte viel Aufmerksamkeit gewidmet.

Anna Wödl mit ihrem behinderten Sohn Alfred, um dessen Rettung sie sich erfolglos bemühte, der sechsjährige wurde am 22. Februar 1941 am Spiegelgrund getötet.

Die Kinder wurden in der Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“ am Pavillon15 und 17 untergebracht, sie hieß ab dem Jahr 1942 Heilpädagogische Klinik „Am Spiegelgrund“.
Es wurden hier mindestens 772 Kinder getötet, Krankengeschichten von 743 überlebenden Kindern sind noch existent. An den Kindern erfolgten medizinische Versuche, wie tödlich verlaufende TBC-Impfversuche. Die Gehirnpräparate wurden von den Ärzten für Forschungszwecke verwendet.

kein Nutzen für die „Volksgemeinschaft“

Die Kinder hatten verschiedenste Behinderungen, die Untersuchungen sollten feststellen ob sie an Erbkrankheiten litten bzw. für die Gemeinschaft einen Nutzen hatten.

Diese menschenverachtende Einstellung und Diktion war damals an der Tagesordnung und wurde von diesem „System“ vorgegeben.

NS-Zwangserziehung im Reichsgau Wien

wird sehr gut in der Ausstellung dokumentiert und zeigt wieder einmal die Perfidität dieses Regimes.

Die nationalsozialistische Diktatur erwartet aboluten Gehorsam und Unterordnung, wer sich dagegen auflehnte und versuchte gegen den Strom zu schwimmen, wurde mit Zwang in den Konzentrationslagern „umerzogen“. Kinder, die von den Lehrern, Ärzten, Fürsorgerinnen uam. als unerziehbar eingestuft wurden, kamen in ein „Jugendschutzlager“, das nichts anderes als ein Konzentrationslager war.

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Als  die Tötungen, die damals Euthanasie genannt wurden, trotz Geheimhaltung an die Öffentlichkeit drangen, wurde der Widerstand der Angeörigen und PatientInnen massiv, aber es gab kaum Unterstützung der Ärzte und des Pflegepersonals. Schon bei den ersten Transporten vom Steinhof demonstrierten Angehörige vor der Anstalt, diese wurden mit Polizei und der SS niedergeschlagen.

Massive Proteste gegen Euthanasiemorde kamen von der katholischen Kirche, diese Proteste trugen zwar zum offiziellen Abbruch der „Aktion T4“ durch Hitler bei, eine weitere Ausführung der Morde konnte in den Anstalten jedoch nicht verhindert werden..

die totale Anpassung

und Gleichschaltung ist erwünscht, jedes abweichende Verhalten galt als „asozial“und wurde von dem Regime bekämpft. Soziale Randgruppen wurden erfasst und an eine sogenannte“Asozialenkommision“ gemeldet, diese entschied dann über eine Einweisung in ein Arbeitslager. Frauen mußten sich einer Zwangssterilisierung unterziehen, da „unwertes“ Leben nicht erwünscht war.

Mord hat viele Gesichter

Die Wagner von Jauregg-Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof waren Zentren des organisierten Massensterben. Dazu führten die Überbelegung, Vernachlässigung, Medikamentenknappheit, Nahrungsmittelentzug und die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Ruhr, Tuberkulose sowie Typhus.
Dem Hungersterben am Steinhof fielen von 1941 bis 1945 mehr als 3.500 PatientInnen zum Opfer.
Anstaltsmorde wurden auch in den niederösterreichischen Anstalten Gugging und Mauer-Öhling vollzogen.
Der praktische Arzt Dr. Emil Gelny, der nach einem dreimonatigen! Praktikum an der psychiatrisch-neurologischen Klinik 1943 den Titel „Facharzt für Geistes- und Nervenkrankheiten“ erhielt, tötete etwas 600 PatientInnen mittels Medikamente und einem, von ihm selbst umgebauten, Elektroschockgerätes.

In den Jahren 1946/47 mußten sich NS-Ärzte im Nürnberger Ärzteprozess verantworten, von den 23 Angeklagten wurden am 20. August 1947 sieben zum Tode verurteilt, fünf zu lebenslangen Haftstrafen und vier zu Haftstrafen zwischen 10 und 20 Jahren. Sieben Angeklagte wurden freigesprochen. Einer der zum Tode Verurteilten war Dr. Karl Brandt, die strafrechtliche Verfolgung der NS-Medizinverbrechen scheierte an den politischen Verhältnissen der Nachkriegszeit. Die Bevölkerung hatte auch kein Interesse und wollte nur nach vorne blicken, so begann eine Ära des jahrzehntelanges Schweigens.

Viele der ehemaligen NS-Ärzte konnten unbehelligt eine Karriere einschlagen, die Opfer wurden verdrängt und vergessen. Einen großen Schritt nach vorne machte Bundeskanzler Franz Vranitzky im Jahr 1991!, mit der Erklärung über die Mittäterschaft von ÖsterreicherInnen im Nationalsozialismus, bis dahin sah sich ja Österreich immer in der Opferrolle. Im Jahr 1995, fünfzig Jahre nach Kriegsende!, wurde einstimmig im Nationalrat die Einrichtung des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus beschlossen.

Dr. Heinrich Gross

Im Jahr 1948 wurde Gross vor dem Volksgericht Wien wegen Beteiligung an den Kindertötungen am Spiegelgrund angeklagt. Das Urteil lautete zwei Jahre Kerker, aber auf Grund eines Formfehlers wurde es wieder aufgehoben. Gross konnte unbehelligt eine zweite Karriere starten, wobei ihm seine Mitgliedschaft im „Bund Sozialistischer Akademiker“ Türen und Tore öffnete, wie die Facharztausbildung in Neurologischen Krankenhaus am Rosenhügel und anschließende Rückkehr auf den Steinhof, wo er es auf der Karriereleiter bis zum Primar brachte. Im Jahr 1953 begann er mit der Auswertung der Gehirne von Spiegelgrund-Opfern und 25 Jahren veröffentlicht einschlägige Arbeiten auf den Gebiet der Neuropathologie.

Ein Teil der Sammlung lagerte bis 2002 im Keller der Pathologie, was die Wiener Wohnbau-Verantwortlichen 2013 nicht abhielt die ehemalige Pathologie für einen Kindergarten vorzuschlagen.

Heinrich Gross war der meist beschäftigste Gerichtsgutachter Österreichs, obwohl der ganzseitige Artikel von Kurier-Journalist Wolfgang Höllrigl am 17. Dezember 1978 veröffentlicht wurde: „Ein Häftling erkannte in Österreichs meistbeschäftigtem Gerichtspsychiater Dr. Gross einen NS-Arzt wieder. Ein Arzt aus der NS-Mörderklinik“.

Im März 2000 kam es wegen neun Morden, die Gross im Spätsommer 1944 begangen hatte, zur Anklage, jedoch wurde die Verhandlung nach nur 30 Minuten aufgrund eines neuerlichen Gutachtens vertagt und nicht wieder aufgenommen. Dieses Gutachten attestierte ihm fortgeschrittene Demenz und eine Depression.
Tja gute Freunde muß man haben….

Um Jahrzehnte zu spät

Im Jahr 2002 werden die Leichenteile, die im Keller der Pathologie lagerten, endlich beigesetzt und 2003 wurden vor dem Jugendstiltheater ein Mahnmal für die Opfer vom Spiegelgrund und eine Gedenkstätte errichtet, es sind 772 Licht-Stelen die an 772 ermordete Kinder und Jugendliche, die in den Jahren 1940 bis 1945 in der nationalsozialistischen Euthanasie-Anstalt „Am Spiegelgrund“ ihr Leben lassen mussten, erinnert.
Auch wenn manche Menschen meinen: „das alles längst Vergangenheit ist und die soll man gefälligst ruhen lassen, wer weiß wie wir gehandelt hätten usw..“

Diese, unsere, Vergangenheit hat in Österreich viel zu lange geruht, es wurde zulange verdrängt, verleugnet und geschwiegen. Daher sollten wir immer an dieses entsetzliche Kapitel der österreichischen Geschichte und an ihre Opfer erinnern und erinnert werden, damit diese schrecklichen Ereignisse nie wieder stattfinden.

Adresse

Otto Wagner Spital, V-Gebäude, Baumgartner Höhe, 1140 Wien

Öffnungszeiten

Mittwoch bis Freitag (werktags) 10 bis 17 Uhr
Samstag (auch an Feiertagen) 14 bis 18 Uhr

Freier Eintritt

http://www.doew.at/erkennen/ausstellung/gedenkstaette-steinhof
http://www.erinnern.at/bundeslaender/oesterreich/gedaechtnisorte-gedenkstaetten/katalog/gedenkstaette_steinhof
http://www.gedenkstaettesteinhof.at/

Literatur

Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund: Gedenkdokumentation für die Opfer der NS-Kindereuthanasie in Wien von Waltraud Häupl, 2014
ISBN-13: 978-3205774730

In den Fängen des Dr. Gross, Das misshandelte Leben des Friedrich Zawrel von Traudl Schmidt und Oliver Lehmann
ISBN: 978-3-7076-0115-2

Die nationalsozialistische „“Euthanasie““-Aktion „“T 4″“ und ihre Opfer von Maike Rotzoll,2010
ISBN-13: 978-3506765437

Die Ärzte der Nazis Gebundene Ausgabe von Hans-Henning Scharsach, 2000
ISBN-13: 978-3701504299

Medizin ohne Menschlichkeit: Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses von Alexander Mitscherlich und Fred Mielke , 2009
ISBN-13: 978-3596220038

Youtube

Friedrich Zawrel – Meine liebe Republik II
https://www.youtube.com/watch?v=Pd0MLK7jbI4

 

 

 

 

 

 

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Steinhof Wien

Die unendliche Geschichte der Steinhof-Verbauung

oder

die dunklen Flecke der Stadtregierung

Das Otto Wagner Ensemble wurde bis in das kleinste Detail durchdacht, geplant und ausgeführt – was von manchen Objekten der Gegenwart nicht gesagt werden kann.

Im Jahr 1907 wurde die Niederösterreichische (Wien gehörte damals zu Niederösterreich) Landes- Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke ‚Am Steinhof‘ mit ihren 60 Pavillons der Spitalsbehandlung von psychiatrischen Patienten aus Wien gewidmet. Sie war die modernste Anlage in Europa und wurde, wie die Kirche vom Steinhof, von Otto Wagner konzipiert. Sein Ziel war ein Ensemble als Gesamtkunstwerk aus Architektur, Gewerbe und Kunsthandwerk, das Resultat war eine einzigartige, durchdachte, humane Anlage im Jugendstil. Psychisch kranke Menschen wurden vorher oft menschenunwürdig untergebracht und vernachläßigt.

Otto-Wagner-Spital

Sämtliche Verzierungen an Fenstern, Türen und Geländer wurden in der Werkstatt von Otto Wagner hergestellt. Sein Ziel war ein Ensemble als Gesamtkunstwerk aus Architektur, Gewerbe und Kunsthandwerk, seine Bedingungen waren eine Lage an einem Südhang und die Ausrichtung der Pavillons in Ost-West-Richtung am Rand des Wienerwaldes. Es entstand eine Mittelachse mit Gemeinschaftseinrichtungen, links und rechts ein System an Pavillons, ein Sanatorium für Privatpatienten im Westen, Wirtschaftsgebäude im Osten und eine Landwirtschaft im Norden, diese befand sich südlich der Feuerwehr, am heutigen Erholungsgebiet, auf denen Obstbäume, Getreide, Kartoffeln und viels mehr gezogen wurde.

Es gab auch Ställe, in denen Schweine, Hühner, Hasen und Kühe gehalten wurden. Das Sanatorium im Westen war luxuriös ausgestattet, die Einnahmen aus diesem Teil des Krankenhauses trugen in erheblichen Summen zum Betrieb der Hauptanlage im östlichen Teil bei. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Sanatorium geschlossen und eine Lungenheilstätte eingerichtet.

Die Bepflanzung außerhalb der Mauer ist ebenfalls nach gärtnerischen und gestalterischen Grundsätzen erfolgt, an der Südfront wurden winterharte Olivenbäume abwechselnd mit Flieder gepflanzt und auf der Ostseite (jetzt thront dort das Rehabilitationszentrum) wurden abwechselnd Fliederbüsche mit Robinien gepflanzt.

Otto Wagner der geniale Architekt der Jahrhundertwende, von ihm stammen auch die Postsparkasse, das Nußdorfer Wehr, die linke Wienzeile-Häuser, die Stadtbahnstationen uvm., hatte damals mehr Architektur-Wissen,Logik und Empathie bewiesen, (Geschmack sowieso), als heute so manche Architekten, Städteplaner und Stadträte.

Gspür für Wien warad notwendig!  Zitat von Dr. Johanna Kraft

Am 9. bis 11. Dezember 1981 wurde die Volksbefragung, ob die Steinhofgründe verbaut werden sollen, mit 53,5% abgelehnt. Eine gemeindenahe Baufirma hatte ein Verbauungsprojekt auf den Steinhofgründen geplant, daher versuchte die SPÖ der Volksbefragung zuvorzukommen, die Bürgerinitiative konnte jedoch mit großer Unterstützung vieler Personen und Vereine ebenfalls vorzeitig die notwendigen Unterschriften einreichen.
Man muß bedenken das es damals kein Internet gab und es trotzdem gelang 247.010 Menschen zu motivieren, ihre Stimme abzugeben. Das war ein klare Ansage der Wiener Bürger und einen Tag vor Weihnachten, am 23.12.1981, wurden die Tore zum Steinhof geöffnet.

Steinhofgründe

Da die Dezentralisierung der Wiener Psychiatrie und Errichtung eines neuen Krankenhauses in Floridsdorf beschlossen wurden, gab es große Diskussionen, was mit Areale der Steinhof-Anlage geschehen soll, die nicht mehr als Krankenhaus genutzt werden.
Der Bau von Wohnhäusern ist ein Eingriff in die perfekt durchdachte Anlage und würde das Ensemble schwerwiegend zerstören, aber das scheint die profitorientierten Unternehmen und auch die Stadt-Regierung nicht zu interessieren.

Schließung des Jugendstiltheaters

Das Jugendstiltheater im Areal des Otto-Wagner-Spitals stellte am 23. November 2009 nach der letzten Vorstellung – ein kabarettistischer Benefizabend unter dem Titel “Zum Tod Lachen” – den Betrieb ein. Dies wurde mit einer Generalsanierung der Spielstätte begründet. Da bis jetzt nichts geschah, ist anzunehmen das es zum Spekulationsobjekt geworden ist.

Geplante Sanierung des Areals

Anläßlich des 100 Jahr-Jubiläums des Otto-Wagner-Spitals im Jahr 2007 wurde im Jahr 2000 angekündigt, dass das gesamte Ensemble renoviert wird. Schon im Jahr 2011 blätterte die rosa Farbe, die auf die Sichtziegel gestrichen wurde, an vielen Gebäuden wieder ab. Es wurde nur an einem Teil der westlichen Hälfte der Pavillons Verschönerungen durchgeführt, der östliche Teil wurde komplett ausgelassen. Die kunstvollen Fenstern und Türen der Otto-Wagner Bauten rosten vor sich hin und die offenen Geschoss- und Kellerfenster beschleunigen den Verfall. Diese Vorgangsweise ist von privaten Bauspekulanten bekannt, gemeindenahe Betriebe scheinen diese Vorgangsweise jetzt für sich entdeckt zu haben.

Baumbestände

Im Dezember 2011 sind an vielen Stellen im Otto-Wagner-Spital Areal abgeschnittene Baumstämme zu sehen. Eigenartig ist, daß sie in relativ großen Höhen (3-6m) abgeschnitten wurden, daher sind sie auf den ersten und auch zweiten Blick nicht zu sehen, erst wenn der Blick Richtung Baumkronen geht, erkennt man die abgeschnittenen Baumkronen und Äste. Wozu wurde sie in dieser Höhe abgeschnitten? Ist es eine besonders fieser Einfall, um sie später, wenn sie morsch sind, zu fällen?
Auszug: http://www.steinhof-erhalten.at/baumbestand.html

Ausverkauf Steinhof

Ohne Einbeziehung der Öffentlichkeit wurde ein Teil des Areals an die Wohnbaugesellschaft GESIBA verkauft.
2011 plante die gemeindeeigene Fa. Gesiba für die kommenden Jahren ca 650 Wohnungen auf einer Fläche von über 60.000 m2 und lt. Fa. Vamed soll ein Rehab-Zentrum mit Schwimmbad entstehen. Die Bauprojekte sollen zwar im ehemaligen Wirtschaftsteil entstehen, aber trotzdem zerstört es den optischen Gesamteindruck dieser europaweit einzigartigen Jugendstilanlage. Die geplanten GESIBA Wohnungen wäre zu einem Drittel frei finanzierte Eigentumswohnungen geworden, es folgten dann Hinhalte- und Verschleierungstaktiken der Bezirkvertretungen, das nicht Erscheinen der Vertreter der GESIBA und VAMED bei Bürgerversammlungen, die seltsame Wandlung der Grünen im Bezug der Verbauung, die sich bis dato immer vehement gegen eine Verbauung des Otto-Wagner-Spital-Areal eingesetzt hat, was umso erstaunlicher ist, da es sich meiner Meinung nach nicht mit dem Credo der Grünen vereinbaren lässt. Mit Ende des Jahres 2011 soll das Jugendstil-Postamt (es befindet sich rechts vom Eingang) geschlossen werden.

Ende Oktober verfügte Bürgermeister Häupl einen teilweisen Baustopp beim Wohnungsbau, statt 600 werden nur 400 Wohnungen gebaut. Vizbürgermeister Vassilakou will das Projekt neu überarbeiten und neu dimensionieren, die Bürgerinitiative fordert den kompletten Baustopp im denkmalgeschützten Areal. Das Rehabilitationszentrum der Fa. Vamed wird nun doch in dem denkmalgeschützten Areal der Steinhofgründe gebaut. Kostenpunkt des Neubaus: 34 Millionen Euro, Fertigstellung: 2013. Dafür wurden einige Wirtschaftsbaracken sowie das alte Personalwohnhaus abgerissen. Die rot-grüne Wiener Regierung hat trotz aller Bürgerproteste das Projekt voranschreiten lassen.

Am 17.4.2012 ist der Rohbau des VAMED Rehabzentrum fertig. Bürgerinitiative „Steinhof erhalten“ fordert seit langem das das Steinhof-Ensemble Weltkulturerbe werden soll, da dies eine Verbauung verhindern würde. Lt. einer Studie werden dafür vier Kriterien erfüllt, im Areal befindet sich unter anderem die historisch bedeutende Jugendstilkirche „Hl. Leopold“, die von Architekten Otto Wagner entworfen wurde und die Glasmosaikfenster wurden von Koloman Moser geschaffen.Unterstützung bekam die Bürgerinitiative von ALLEN Oppositionsparteien, wiederholt eingebrachte Anträge der Oppositionsparteien scheiterten bisher an der Mehrheit der SPÖ.

Die Petition zur Nominierung des Otto-Wagner-Spitals als UNESCO-Welterbestätte wurde am 9. April 2013 bei der MA 62 mit 4.048 Unterschriften eingebracht. Am 3. April 2013 hat eine Expertengruppe ihre Stellungnahme zur möglichen Verbauung des Otto-Wagner-Areals leider ohne eine klare Aussagen über eine zusätzliche Verbauung abgegeben.

Pulmologisches Zentrum ehemals Sanatorium

Forderungen der Bürgerinitiative:

Wir sind keiner Partei verpflichtet, trotzdem ersuchen wir Sie unsere Forderungen zu unterstützen:
* Kein Abverkauf der Otto-Wagner-Spitalsanlage!
Das Otto Wagner Spital am Steinhof mit der berühmten Kirche am Steinhof ist ein einzigartiges Bau- aber auch sozialpolitisches Denkmal. Ein Denkmal einer sozialen Haltung und menschenfreundlichen Einstellung psychisch Kranken gegenüber. Diese großartige Anlage, die der Wiener Bevölkerung gehört, muss, auch wenn sie in dieser Größe als Spital nicht mehr benötigt wird, der sozialen Wohlfahrt erhalten bleiben! Der Ostteil der Anlage wurde bereits an eine Wohnbaugesellschaft verkauft ! Da der Krankenanstaltenverbund die Anlage als Spital aufgeben will, droht ein leiser, scheibchenweiser Abverkauf, die Privatisierung öffentlichen Eigentums – diesmal unter Federführung der Rot-Grün regierten Stadt Wien!
* Das Otto-Wagner-Spital muss ungeteilt in öffentlichem Besitz bleiben!
* Das Jugendstiljuwel samt Parkanlage muss unzerstört erhalten bleiben !
* Was über hundert Jahre der Wohlfahrt gewidmet war, darf heute nicht dem schnellen Profit geopfert werden !
* Keine neuen Verkehrserreger im Nahbereich des Wienerwaldes !
* Detaillierte Information und Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger!

Auszug: http://www.wien-konkret.at/politik/buergerinitiativen/initiative-steinhof/

Die Bürgerinitiativen machen unverdrossen weiter und brauchen jede Unterstützung, daß dieses Ensemble nicht noch mehr in profitable Hände kommt. 80.000 Unterschriften, viel Prominenz die unterstützt, drei abgeschmetterte Wien-Petitionen, eine zwei-geteilte Bürgerversammlung, eine diesbezügliche Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft und insgesamt neun Anträge auf UNESCO-Welterbeschutz im Gemeinderat.

Die Steinhof-Rehe

Bei der zunehmenden Verbauung sind auch die Steinhof-Rehe in ihrem Lebensraum bedroht, die Rehe sind Morgens und Abends sehr gut zu auf den Steinhofgründen und manchesmal bei den Pavillons zu beobachten. Daher sollten die Verantwortlichen auch an den Tierschutz und nicht nur an den Profit denken.

Prosektur Steinhof

Die Prosektur des Otto-Wagner-Spital (in dem sich bis 2002 die sterblichen Überreste der Kinder vom Spiegelgrund, die dem Euthanasieprogramm der Nazis zum Opfer gefallen waren, befanden) hätte nach den geschmacklosen Vorstellungen und fehlender Emphatie der Wiener Wohnbau-Verantwortlichen 2013 in einen Kindergarten umgewandelt werden sollen. Dieser Kindergarten war als Service für die Bewohner der geplanten 650 Wohnungen gedacht.
Auf der Informationstafel „Prosektur“, im Areal befinden sich eine Reihe von Informationstafeln, ist zu lesen:
Obwohl ungewöhnlich für eine Heil- und Pflegeanstalt für Geistes- und Nervenkranke, wurde ‚Am Steinhof’ auch eine
Prosektur errichtet. Neben Räumen für pathologische Untersuchungen befindet sich hier auch ein Verabschiedungsraum. Die dort befindliche Kreuzigungsgruppe wird Koloman Moser zugeschrieben. Das Gebäude selbst, aus hygienischen Gründen am Rand der Anlage angelegt,verfügt auch über einen eigenen Zugang für die Angehörigen. Sie wurde zunächst in Kooperation mit dem Pathologischen Institut der Universität und ab 1925 als selbständige Abteilung betrieben. Sie ist ein Beispiel für eine gemeinsam genützte Infrastruktur, in Zeiten, in denen auf der Baumgartnerhöhe verschiedene und voneinander unabhängige Institutionen betrieben wurden (wie zum Beispiel neben der Heil- und Pflegeanstalt die Lungenheilstätte oder auch zwischen 1940 und 1945 die „Städtische Nervenklinik für Kinder Am Spiegelgrund“.) Hier befand sich auch die Sammlung von Organpräparaten von Am Spiegelgrund ermordeten Kindern, bis zu ihrer feierlichen Beisetzung in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof 2002. An diesen Präparaten wurde nach 1945, vor allem ab der Mitte der 50er Jahre und weit in die 60er Jahre neuropathologische Forschung betrieben. Zuerst im „Neurohistologischen Laboratorium“ der Anstalt und später im Ludwig Boltzmann Institut zur Erforschung von Missbildungen des Zentralnervensystems. Beide gehörten nicht zum Pathologisch-Bakteriologischen Institut.“

Auszug aus dem Jugendstil-Spital

Die 5. Psychiatrische Abteilung übersiedelte Ende 2014 in die Krankenanstalt Rudolfstiftung. Als nächstes übersiedelt die 4. Abteilung 2016 in das Krankenhaus Nord. Ebenfalls dorthin verlegt werden die Thoraxchirurgie des Otto-Wagner-Spitals und Teile der 1. Pulmologie. Weitere Übersiedlungen sind in Planung. Die Pavillone Vindobona, 1, 8, 17 und 35 stehen leer, der Pavillon Severin im Westen wird generalsaniert und zu einer, für aerogen erworbene Infektionskrankheiten, Spezialstation umgebaut. Es ist doch möglich die Pavillone für die heutigen, technischen Anforderungen umzurüsten, das gleiche könnte mit den anderen Gebäuden geschehen, diese Areal wäre auch ein idealer Platz für die Palliativ- und Hospiz-Medizin.

Baumpatenschaft

Die Bürgerinitiative „Steinhof erhalten“ hat Ende 2014 ein Baumpatenschaft-Projekt gestartet, via der Bürgerinitiative Website kann eine Baumpatenschaft übernehmen werden. Die Patenschaft kostet keinen Cent und es gibt einen Eintrag im visuellen Bepflanzungsplan. Es haben sich bis jetzt über 700 Paten gemeldet.
http://www.steinhof-erhalten.at/baumpatenschaft/baum-patenschaft.html

Das Konzept bis Ende 2016

Der Bürgerinitiative wäre keine Bebauung die liebste Variante. Das Expertengremium der Stadt Wien hat sich auf Folgendes geeinigt: Es sollen auf dem ehemaligen Wirtschaftsbereich 140 Mietwohnungen entstehen und weitere 60 bis 80 Wohnungen sollen durch Umnutzung bestehender Gebäude dazukommen. Für die neuen Wohnungen werden zehn neue Pavillons errichtet. Die Gesiba will 2015 /2016 mit dem Bau beginnen. Die Fertigstellung erfolgt gestaffelt von 2017 bis 2020.
Die Wiener Standortentwicklung erarbeitet ein Konzept für den denkmalgeschützen Teil abseits des ehemaligen Wirtschaftsareals. Es wird aus Kultur, Bildung, Sport, Wissenschaft bestehen und für Ende 2016 erwartet.

Was ich von StadtpolitikerInnen erwarte

Stadtpolitiker sind der Wiener Bevölkerung zur Erhaltung und Schaffung von Grünräumen verpflichtet, in Wien genießen wir den Luxus dieses Grüngürtels und das soll auch so bleiben. Wien ist in Folge zur lebenswertesten Stadt gekürt worden, ich glaube nicht das ein „Wien in Beton“ noch eine Chance hätte.

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Wiener Stadpolitiker sollte es interessieren, das die immer älter werdende Bevölkerung ein Recht auf Pflegeeinrichtungen hat, das es Einrichtungen für Burn-out Patienten, chronische und neuropsychiatrischen Erkrankungen gibt.
Das wären mögliche Nutzungskonzepte für die Steinhofgründe in einer der besten Reinluftschneisen im Nordwesten der Stadt, was gibt es schöneres als Natur zur Rekonvaleszenz und für die Geriatrie.

Da Wien sehr rasch wächst wird sehr viel gebaut, auch dort wo es sehr fragwürdig ist und grüne Areale an verschiedenen Stellen dezimiert werden, das natürlich ohne Einverständnis der Bevölkerung und was noch schlimmer ist, Proteste werden einfach übergangen. Ist ein zubetoniertes Wien soviel schöner als ein Wien mit einem 1905 angelegten Grüngürtel, um den wir international beneidet werden? Es stellt sich aber auch die Frage in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit (die in den nächsten Jahren kaum geringer wird), ob alle hier lebenden Menschen in der ständig wachsenden Stadt ihr Leben bestreiten können?

Unter dem Motto: Was interessiert uns unser Geschwätz von Gestern, wenn der ungezügelte Raubkapitalismus hochprofitable Gewinne in Aussicht stellt.

Adresse

Baumgartner Höhe 1, 1140 Wien

Wiener Linien: 47A oder 48A bis Otto-Wagner-Spital

Öffi-App

Literatur

Die Stadt außerhalb: Zur Architektur der ehemaligen Niederösterreichischen Landes-, Heil- und Pflegeanstalt für Geistes- und Nervenkranke Am Steinhof in Wien, 2015, ISBN-13: 978-3035606300

Weblinks

Die Presse

Bürgerinitiative Steinhof erhalten

Bürgerinitiative Steinhof gestalten

Rehe am Steinhof

Seniorenbund Penzing

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Haus Mariahilfer Gürtel 1

Eine verborgene Schönheit am Mariahilfer Gürtel

Wenn Euer Blick von der Otto-Wagner U-Bahn-Station Gumpendorfer Straße, die auch einer baldigen Sanierung bedarf, Richtung Sechshauserstrasse fällt, dann seht ihr auf der rechten Seite der Sechshauserstrasse das schmutzig graue Haus Mariahilfer Gürtel 1 Ecke Sechshauser Straße 2. Das Haus wäre ein repräsentatives Schmuckstück, wenn es die Eigentümer endlich restaurieren würden. Unter dem schmutzig grauen Belag verbirgt sich eine Jugendstil Schönheit die den Gürtel und den Beginn der Sechshauserstrasse sehr aufwerten würde.

Die älteste Eintragung über die Adresse Fünfhaus Haus Nr. 1 stammt aus dem Jahr 1847, das damalige Haus hatte die Adresse Hauptstraße Sechshaus. Die heutige Sechshauser Straße bildet die Grenze zwischen dem früheren Vorort Sechshaus auf der einen Seite sowie Fünfhaus, Reindorf und Rustendorf bzw. Penzing an der anderen Seite.

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In einem Heimatbuch von Michael Hahn aus dem Jahr 1853 (es ist das älteste Heimatbuch, das über die Vororte, die heute den 15. Bezirk bilden, geschrieben wurde) scheinen Frau Josefa Huber und Herr Josef Huber als BesitzerIn auf. Um 1888 war es im Besitz von Herrn Heinrich Mache und Frau Josefa Mache. Die damalige Adresse lautetete Sechshauser Hauptstraße 4 Turnergasse / Herklotzgasse.
Vermutlich wurde dieses Gebäude vor 1907 abgerissen und dann durch den Jugenstil Neubau ersetzt und direkt am Gürtel errichtet.

Kein Geld für eine Gebäudesanierung?

Das Jugendstilgebäude hatte 1907 die Konskriptionsnummer Fünfhaus 1 und gehörte von 1918 bis 1926 einer Frau Henriette Hermann. An der Außenfassade erinnern zwei Gedenktafeln an den burgenländischen Heimatdichter und Hutmacher Josef Reischl, der hier als Haupt- oder Untermieter wohnte. Das Gebäude hat anscheind unversehrt den WW2 überstanden und es wäre an der Zeit es zu renovieren damit es die Abgase des Gürtels und den Umweltschmutz übersteht.

Ich finde es schade das es den oder die Eigentümer nicht interessiert das Haus zu restaurieren, es würde dadurch aufgewertet werden und wäre ein sehr schöner Blickfang an der Ecke Mariahilfer Gürtel/ Sechshauser Straße

Adresse

Mariahilfer Gürtel 1, 1150 Wien

Wiener Linien: U6 oder 57A bis Gumpendorferstraße

Öffi-App

Quellen

Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus

Salzberg Häuserkataster, 1928

Häuser Schema 1847

Hahn, 1853

Czapek, 1873

Häuserkataster der Vororte, 1888

Salzberg Häuserkataster, 1926

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Gruener Prater

Die zunehmende Verbauung des grünen Prater

die einzigartige Aulandschaft mitten in Wien verkleinert sich durch Menschenhand…das Areal des Prater wurde schon an vielen Stellen reduziert und es ist kein Ende in Sicht!

Der grüne Prater wurde 1978 unter Landschaftsschutz gestellt, das Mauthnerwasser, das Krebsenwasser, einige Bäume und Baumgruppen sind als Naturdenkmal geschützt.

Verbauung

  • Seit 1970 quert die sechsspurige Südosttangente (Stadtautobahn A23) in Hochlage die Prater Hauptallee und das Obere Heustadelwasser.
  • Das alte Messegelände wurde 2001 abgerissen. Auf dem nördlichen Geländeteil wurde 2004 ein neues Messe- und Kongresszentrum errichtet, neben dem Messeareal wurde ein Hotel sowie ein Parkhaus erbaut und am südlichen Geländeteil wurde 2013 die neue Wirtschaftsuniversität Wien eröffnet.
  • Das Stadioncenter wurde im Jahr 2007 am Olympiaplatz eröffnet.
  • Am nordöstlichen Rand des Praters bei der U2-Station Krieau wurde 2010 das „Viertel zwei“ erbaut.
  • Die Kaiserwiese soll als profitable Eventfläche ausgebaut werden.
  • Heuer wurde mit der Erweiterung des „Viertel Zwei“, nahe der Trabrennbahn, begonnen, die Trabrennbahn wurde bereits etwas verkleinert und die Stallungen werden verlegt bzw. werden sie renoviert.
  • Der Krieau widme ich demnächst einen eigenen Beitrag!

Wien ist für seine Grünoasen bekannt und kaum eine Stadt kann mit solchen Freizeit- und Erholungsräume aufwarten, daher sollte die Stadtpolitik diese schützen und bewahren, anstatt Teile zu verkaufen bzw. sie zu verbauen.

Stallungen der Krieau

Nur ein völliges Bauverbot kann den Prater noch retten, damit nicht die letzten Grünflächen Wiens zubetoniert werden!

Der historische Prater

Der grüne Prater ist 6 km² Areal das Grossteils aus Aulandschaften besteht.
Ab Mitte des 16. Jahrhunderts war er Jagdgebiet des Hofes, der Wiener Bevölkerung war das Betreten des Praters durch massive Zäune und Forstknechte verwehrt.
Die Prater Hauptallee hat ihren Urspung im 15. Jahrhundert, wo eine kilometerlange, breite Schneise durch den Auwald geschlagen wurde. Unter Joseph II. wurde 1781 entstand das Lusthaus von Isidor Canevale, unter Kaiser Joseph II. wurde 1766 der Prater allen Menschen zugänglich gemacht. Danach entwickelte sich der Prater sehr rasch zu einem sehr beliebten Ausflugsort mit vielen Gaststätten, Buden und Erfrischungsstände, bald gab es auch eine Vielzahl an Ringelspielen, Puppentheater, Kegelbahnen und Musikkapellen. Im Jahr 1873 fand die Weltausstellung im Praterareal statt, der Mittelpunkt neben den zahlreichen Ausstellungspavillons war ein gigantischer Kuppelbau – die Rotunde. Durch den Börsenkrach und den Ausbruch der Cholera wurde die Wiener Weltausstellung zu einem großen Misserfolg und danach wurden die Ausstellungspavillons wieder abgeriessen, einzig die Rotunde blieb bestehen, bis sie 1937 einem Brand zum Opfer fiel.

Naherholungsraum in Wien


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Auf dem heutigen Areal der Kaiserwiese wurde 1895 der Vergnügungspark „Venedig in Wien“ eröffnet, gemeinsam mit dem Architekten Oskar Marmorek, ließ Gabor Steiner einen Nachbau Venedigs mit Palazzi und künstlichen Kanälen errichten.

Adresse
1020 Wien

Wiener Linien: U2 oder Linie 2 bis Taborstrasse

Öffi-App

Literatur
Wien Lexikon, Wien 2007, ISBN 978-3800071166

Weblinks

Wikipedia – Wiener Prater

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Jugendstiltheater Steinhof

Was wird aus dem Jugendstiltheater am Steinhof?

Wien hat mehrere Jugenstiltheater, wie das Hamakom-Theater, das Theater am Mittersteig und das Theater am Steinhof.
In diesem Beitrag geht es um eines der schönsten Jugendstiltheater, vormaliges Gesellschaftshaus, es liegt auf der Mittelachse der Pavillonanlage am Steinhof die vom Verwaltungsgebäude, der Küche und der Kirche auf dem höchsten Punkt gebildet wird. Davor ist das Mahnmal für die Opfer vom Spiegelgrund.

Den Lageplan und die Kirche am Steinhof entwarf der Architekt Otto Wagner, die Pavillon-Anlage und das Jugendstiltheater wurden von Carlo von Boog und Franz Berger geplant. Die Anlage wurde 1907 eröffnet.

Originalaufnahmen Außenansicht 1907

Das Theater repräsentiert den Gedanken des barocken Jugendstils. Die Zufahrtsrampe und die Prachtstiege wirken wie ein herrschaftlichen Landsitz, von dem man auf einer Anhöhe das Parkgelände übersehen kann.

Nutzung als Theater

Das Gesellschaftshaus wurde konzipiert für Patienten um soziale Kontakte zu knüpfen, sich kreativ bei Festveranstaltungen einzubringen und Theateraufführungen beizuwohnen oder selbst zu gestalten. Das Jugendstiltheater wurde 1914 in ein Kriegslazarett umfunktioniert und in den 20er Jahren standen wieder kulturelle Aktivitäten auf dem Terminplan.
In der nationalsozialistischen Ära wurde den Kranken nicht nur das Recht auf Kultur und Lebensqualität, sondern auch das Recht auf Leben abgesprochen. Die Psychiatrie wurde als Instrument der Aussonderung und der Vernichtung missbraucht.

Danach versank das Jugendstiltheater in einen Dämmerschlaf und wurde erst 1989 von einer Gruppe junger Künstler zu neuem Leben erweckt, nachdem dem Theater erst wieder seit der Psychiatriereform 1980 als wichtiger kultureller Bereich ein Stellenwert zuerkannt wurde.

Innenräume

In den letzten Jahren vor der Schließung gab es vorallem in Sommer Aufführungen, wie Opern, Festwochenaufführungen und Schauspiel, die durch das besondere Ambiente eine zusätzliche Qualität erfuhren.

Das Jugendstiltheater Heute

Die Bühne stellte im November 2009 den Spielbetrieb ein, das von einem privaten Verein betriebene Theater soll eine dringende Sanierung erfahren.

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Die einzige Veränderung bis jetzt ist die Abmontage der historischen Glasvordächer an der Vorderfront. Sehr dringend kann es nicht sein, da seit einigen Jahren das Gebäude mit der Aufschrift: „Baustelle betreten verboten“ eingezäunt ist, es sind aber keine Bauarbeiten oder Fortschritte zu sehen und es kommt natürlich die Vermutung auf, dass dieses Jugendstiltheater dem Verfall preisgegeben wird um nachher sagen zu können: die Bauschäden sind zu groß und dass das Gebäude in einem so schlechten Zustand ist, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht rentabel sei.

Zurzeit kann nur die Freitreppe u. Vorfahrtsrampe betreten werden.

Ob der Spielbetrieb jemals wieder aufgenommen wird, ist sehr fraglich und das Jugendstiltheater dümpelt vor sich hin und verfällt immer mehr…leider keine so unbekannte Situation in Wien.


Adresse

Baumgartner Höhe 1, 1140 Wien

Wiener Linien: 47A oder 48A bis Otto-Wagner-Spital

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Fotos

Originalaufnahmen Außenansicht 1907 © Verein Steinhof Erhalten

Innenräume © Verein Steinhof Erhalten