historische Wiener Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Wissenschaft

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Gustav Mahler

Genie und Perfektionist

er war Wegbereiter der Wiener Schule und der bedeutendste Komponist der romantischen Symphonie, als erster Kapellmeister und Direktor der Wiener Hofoper gelang ihm mit seiner Opernreform das Musiktheater zu entrümpeln und zu revolutionieren, Gustav Mahler gilt heute als einer der interessantesten Komponisten der Moderne.

Mahler wurde am 7. Juli 1860 in Mähren, in der Stadt Kalischt (heute Tschechische Republik) in eine jüdische Gastwirtfamilie hineingeboren. Er ist einer der wichtigsten Komponisten und Dirigenten seiner Zeit und erzielte neben seiner Musik durch zahlreiche Novellierungen am Musiktheater prägende Reformen. Er war einer der berühmtesten Dirigenten seiner Zeit und als Operndirektor ein bedeutender Reformer des Musiktheaters.
Schon im zarten Alter von vier Jahren erhielt der kleine Gustav Akkordeonunterricht und später Klavierunterricht, schon zwei Jahre später komponierte er seine ersten Stücke, die aber leider nicht erhalten blieben. Das Kind Gustav Mahler war sehr belesen und hörte gerne Volks- und Tanzmusik, Militärmusik und jüdische Musik, diese prägte ihn und seine späteren Werke.

die ersten musikalischen Schritte

Sein Debüt als Pianist gab er mit zehn Jahren, mit zwölf Jahren gab er Konzerte mit anspruchsvollen Stücken von Franz Liszt und Sigismund Thalberg, hier zeigte erschon sehr früh sein großes Talent.

Drei Jahre studierte er am Wiener Konservatorium bei Julius Epstein Klavier und bei Franz Krenn Komposition, ein Jahr später gewann das junge Genie in beiden Fächern den ersten Preis.

Im Jahre 1878 schrieb er den Text für „Das klagende Lied“ nach dem Märchen in der Bechstein-Sammlung, im gleichen Jahr beendete er das Kompositionsstudium erfolgreich und gewann mit einem Klavierquintett den ersten Preis.

Gustav Mahler wohnte Vorlesungen von Bruckner bei und studierte einige Semester Musikgeschichte bei Eduard Hanslick.

Mahlers Werdegang von 1880 bis 1896

im Jahr 1880 trat er im Oberösterreicher Sommertheater Bad Hall die Stelle als Kapellmeister an, danach spielte er in Laibach, Olmütz, Kassel, Prag, Leipzig und Budapest. In Kassel lernte der junge Mahler die berühmte Mezzosopranistin der Wiener Hofoper kennen und lieben, später heiratete sie den sehr bekannten Musikkritiker Dr. Hans Paumgartner und auf Grund seiner Einflußnahme wurde Mahler nach Wien berufen. Im Jahr 1888 wurde er in Budapest Königlicher Operndirektor, hier begann auch sein großartiges Schaffen, er komponierte die 1. Symphonie und zwei Jahre später lernte er Johannes Brahms kennen. Im Sommer bevorzugte er Rückziehungsorte um dort ungestört zu arbeiten, unter anderem auch in den Komponierhäuschen in Steinbach am Attersee, Maiernigg am Wörthersee und in Toblach.
Ab 1891 war er sechs Jahre erster Kapellmeister am Stadttheater in Hamburg, hier erlebte er einen kometenhaften Aufstieg am Hamburger Opernhimmel und legte den Grundstein für einen neuen Musikthaterstil. Er dirigierte in den Jahren1894/95 138 von 367 Vorstellungen, weiters acht Philharmonische Konzerte und im selben Jahr wurde seine 2. Sinfonie fertig, in Berlin leitete er die Uraufführung der ersten drei Sätze und komponierte in nur wenigen Wochen fünf Sätze der 3. Sinfonie, heute würde Gustav Mahler als Workalcoholic bezeichnet werden.
In seiner Hamburger Zeit befreundete sich Mahler mit dem jungen Bruno Walter, dieser erhielt in dieser Zeit als Chorleiter ein Engagement am Stadttheater. Walter folgte ihm als zweiter Kapellmeister nach Wien und setzte sich sein ganzes Leben für die Musik Gustav Mahlers ein.

Wiener Jahre als Hofoperndirektor

Johannes Brahms war ein sehr großer Befürworter das der Posten des Hofoperndirektors mit dem Wagnerianer Mahler besetzt wird, aber Cosima Wagner setzte alle Hebeln in Bewegung damit der Jude Gustav Mahler diese Stellung nicht bekam. Mahler ließ sich aber 1897 taufen, somit stand den Verhandlungen nichts mehr im Wege und am 11. Mai 1897 war es soweit, Gustav Mahler hatte die großartige Stellung des ersten Kapellmeisters und Hofoperndirektors und dirigierte zum Debüt den Lohengrin.

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Karl Kraus äußerste zu Mahlers Antritt als Hofoperndirektot folgende Prophezeiung: „Mit Siegfriedsallüren ist in das Opernhaus dieser Tage ein neuer Dirigent eingezogen, dem man es vom Gesicht ablesen kann, dass er mit der alten Misswirtschaft energisch aufräumen wird…Der neue Dirigent soll bereits so effektive Proben seiner Thatkraft abgelegt haben, dass schon fleißig gegen ihn intrigiert wird.“

Mahler hatte bei einer Secessionsaustellung die Bühnen-Maquette zu dem ersten Tristan-Akt von Alfred Roller gesehen, daraufhin holte Alfred Roller den Secessionisten und bildenden Künstler an die Hofoper und setzte mit ihm seine Opernreform durch. Diese stieß natürlich auf heftigen Widerstand der Wiener, Mahlers Plan war es, die Vorführungen auf einer minimalistischen Opernbühne zu spielen, um den dramatischen Effekt und die Leidenschaft der Scenen in den Focus zu stellen. Roller setzte Mahlers Idee mit der ersten Stilbühne zu „Don Juan“ hervorragend um, sie wurde dann von allen Opernhäusern aufgenommen, und Wien war mit dieser Umsetzung in zwei fanatische Lager geteilt: die Mahlerianer und Antimahlerianer.

das Haus Auenbruggergasse 2 in dem Gustav Mahler 9 Jahre wohnte

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Was Mahlers Wirkung ausmachte, war seine leidenschaftliche Sehnsucht, eine tiefe und echte Kunstwahrheit sowie eine Ergriffenheit in den Sängern und Publikum zu wecken, er empfand die Oper aus dem Instrumentalen und nicht aus dem Arioso. Pathetische Gesten der Sänger in überladenen Kostümen und Bühnenbildern waren ihm zuwieder und mit Roller entrümpelte er jahrzehntelange Routine Schlamperei und Bequemlichkeit. In seiner zehnjährigen Zeit als Hofopernintendant genoß das Haus eine Hochblüte und den Beginn der neuzeitlichen Operninszenierung, in dieser Zeit unternahm Mahler zahlreiche Konzertreisen durch ganz Europa, hier gewann er enthusiastische Anhänger in Europa und auch in den USA.
Mahlers Ungeduld mit Sängern und Orchestermitgliedern, die seinen Ansprüchen nicht genügten, die Intrigen der vorhin genannten, besonders die des Orchesters, machten ein Zusammenwirken nicht einfach. Hindernisse und Streitigkeiten seiner Vorgesetzten, eine Pressekampagne gegen ihn mit antisemitischen Tendenzen veranlassten Mahler zu seinem Entlassungsgesuch.

Gustav Mahler wohnte von 1898 bis 1909 in der Auenbruggergasse 2, ab 1900 gemeinsam mit Alma, das Haus wurde von Otto Wagner entworfen.

Alma Schindler

Im November 1900 lernte Mahler die 21 jährige Alma Schindler, Stieftochter von Carl Moll, im Salon von Bertha Zuckerkandl kennen, der sonst sehr introvertierte und fast schon schüchterne Mahler, der kaum Einladungen wahrnahm, war von der Ausstrahlung der jungen und schönen Alma fasziniert. Alma wiederum fühlte sich von der Persönlichkeit Mahlers angezogen und es schmeichelte ihr dass sich der bekannte Dirigent und ihr Idol für sie interessierte, schon nach drei Wochen waren die beiden verlobt und der 19 Jahre ältere Mahler vergaß seine asketische Lebenseinstellung. Im März 1902 wurde geheiratet und Alma Mahler fügte sich den konservativen Vorstellungen ihres Mannes, dieser bestand darauf dass sie nicht weiter komponierte und sich ihren Aufgaben als Ehefrau und Mutter widmete.

Mahler hatte ein riesiges Arbeitspensum und daher sehr wenig Zeit für Besuche bei Freunden und anderen Vergnügungen, während der Ferien arbeitete er in dem für ihn gebauten Komponierhäuschen bis spät in die Nacht, Alma fühlte sich vernachläßigt und ging 1910 mit dem Architekten Walter Gropius eine Liason ein. Mahler erfuhr davon, aber die Beziehung zu Gropius führte sie dennoch weiter.
Alma und Gustav Mahler hatten zwei Töchter namens Maria Anna (1902) und Anna Justina (1904).

Übersiedlung in die USA

Da Mahler 1907 die Hofoper verließ und sehr gute Kontakte in den USA hatte, unterschrieb er einen Vertrag mit der Metropolitan Opera in New York, zu dieser Zeit verstarb ihre gemeinsame Tochter Maria Anna plötzlich an Diphtherie und bei Gustav Mahler wurde eine Herzkrankheit diagnostiziert, beides trieb ihn zu Verzweiflung. Trotzdem schonte er sich nicht, er verarbeitete seine Erlebnisse stets mit Musik und widmete sich wieder sehr intensiv der Musik und dem Komponieren, so entstand das „Das Lied von der Erde“, die 9. Sinfonie und ein Entwurf der 10.Sinfonie.
Die Mahlers reisten 1907 von Wien ab, im Jahr 1908 dirigierte er das erste Mal an der New Yorker Met, seine Musik wurde mit Begeisterung aufgenommen und gefeiert, was seiner in Wien verletzten Seele sehr gut tat.
1909 vollendete Mahler seine 9. Sinfonie, das einleitende Andante wird von vielen als das schönste Stück Mahlers bezeichnet, in diesem Jahr legte er, auf Grund seines schlechten Allgemeinzustands seine übrigen Verpflichtungen zurück und widmete sich nur mehr der Tätigkeit als Konzertdirektor.

Mahlers Neunte

Das „Lied von der Erde“ wäre Mahlers 9. Sinfonie gewesen, aber da er abergläubisch war, da weder Schubert, Bruckner, Beethoven oder Dvorak die 10. erreicht hatten, schrieb er 1908 das „Lied von der Erde“ als 9. Sinfonie, strich aber dann die Zahl wieder durch und meinte bei der 1909 folgenden Neunten: „Eigentlich ist es ja die Zehnte, weil das Lied von de Erde ja meinen Neunte gewesen ist.“ Im Jahr 1910 arbeitete er an der 10. Sinfonie und meinte dazu: „Jetzt ist für mich die Gefahr vorbei.“ Gustav Mahler erlebte weder die Uraufführung „Lied von der Erde“ noch die 9. Sinfonie, die 10. blieb unvollendet. Seine Furcht und sein Aberglaube, das kein großer Musiker die 10. Sinfonie erreicht, hatten sich leider erfüllt.

Gedenktafel Gustav Mahler am Haus Auenbruggergasse 2

gedenktafel gustav mahler,wien-bilder

das letzte Jahr

In seinem Todesjahr gab es auch in New York Schwierigkeiten mit dem Orchester, aber die Uraufführung der 8. Sinfonie im September 1910 in München war ein triumphaler Erfolg. In diesem Jahr erfuhr er von der Liebesaffäre Almas mit Walter Gropius, das wirkte sich sehr negativ auf seinen labilen psychischen Zustand aus und er konsultierte dafür sogar Sigmund Freud, es blieb aber bei einer Sitzung.

Schon todkrank kam Gustav Mahler mit Alma nach Wien, als die Presse verkündete das Mahler schwer krank sei, ergriff Wien eine tiefe Trauer, genau die Menschen die ihm in Wien das Leben schwer machten, trauerte jetzt um ihn.Ist das nicht typisch für die Wiener?

Am 18. Mai 1911 starb Gustav Mahler an Endokarditis im Sanatorium Loew in Wien, auf seinem Begräbnis gab es ein riesiges Blumenmeer und jede/r wußte nur gutes von dem Verstorbenen zu sagen.

Zitat Alexander Girardi (österreichischer Schauspieler 1850 bis 1918): „Ja, im Aufbahren waren die Wiener immer groß!“

Das Grab von Gustav Mahler befindet sich am Grinzinger Friedhof, Gruppe 6, Reihe 7, Nr. 1

Werke Gustav Mahlers

Foto
gemeinfreies Foto Gustav Mahler von Wikipedia

Literatur

Franz Willnauer: Gustav Mahler: die Hamburger Jahre. Hoffmann und Campe, Hamburg 2011
ISBN 978-3-455-50196-4

Franz Willnauer: Gustav Mahler und die Wiener Oper, Wien 1993
ISBN 3-85409-199-0

Helmut Brenner, Reinhold Kubik: Mahlers Welt. Die Orte seines Lebens, St. Pölten/ Salzburg 2011
ISBN 978-3-7017-3202-9

Hans Bankl: Kolumbus brachte nicht nur die Tomaten: Geschichten hinter der Geschichte Gebundene Ausgabe, 2002
ISBN: 978-3218007092

Bertha Zuckerkandl: Österreich intim: Erinnerungen 1892 bis 1942, 2013
ISBN-13: 978-3850028363

Weblinks

https://www.gustav-mahler.org/

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Oskar Kokoschka

Oskar Kokoschka der Maler, Grafiker, Schriftsteller

zählt zu den wichtigen Vertreter der Moderne, er hat als Maler, Grafiker Dramatiker und Essayist einen promimenten Platz in der Kunst- und Literaturgeschichte.
Er galt als vielseitig talentiert, provokant, rebellisch und nicht angepaßtes „enfant terrible“, seine Kunstwerke waren von einer leidenschaftlichen Unruhe geprägt. Als Maler schuf er Porträts, Landschafts- und Städtebilder, als Dramatiker waren seine Dichtungen von ekstatischen Ausbrüchen und bildkräftiger Phantasie geprägt. Als nicht Angepaßter machte aus seiner Ablehnung gegen das Nazi-Regime keinen Hehl, diese Einstellung und seine Kunst machten ihn zu einem „entarteten“ Künstler.

Oskar Kokoschka wurde am 1. März 1886 in Pöchlarn an der Donau geboren.
Seine frühesten Werke stammten aus der Zeit der k.k. Staatsrealschule in Wien-Währing, dem Grafiker und Maler Carl Otto Czeschka war es zu verdanken das Kokoschka in seiner Klasse aufgenommen wurde, alle anderen Lehrer waren gegen eine Aufnahme. Anschließend studierte er von 1905 bis 1909 an der Wiener Kunstgewerbeschule, auf Grund seines Talentes erhielt er ein Stipendium und seine Lehrer vermittelten ihm Aufträge für Dekorationen und Illustrationen.

Zur Eröffnung des Cabaret Fledermaus durch die Wiener Werkstätte im Jahr 1907 schrieb Kokoschka das Märchen „Das getupfte Ei“ und entwarf die dazu gehörigenSchattenfiguren, in diesem Jahr stellte er Figuren aus Kupferblech her, diese waren beweglich und für ein mechanisches Spiel gedacht. Ein Jahr später publizierte er in der Wiener Werkstätte das Künstlerbuch „Die träumenden Knaben“, im Jahr 1908 nahm er das erste Mal bei einer Ausstellung, der „Kunstschau 1908“, die von Gustav Klimt und Freunden organisiert wurde, teil. Die Werke Oskar Kokoschkas erregten die Wiener Gemüter, das Wiener Gemüt war sehr rasch erregbar:-),und wurden heftig kritisiert, in dieser Zeit freundete er sich mit dem Architekten Adolf Loos dem Wegbereiter der modernen Architektur an, durch Loos Einfluß und dem Rat von Alfred Roller verließ er die Kunstgewerbeschule und lehnte immer mehr den noch maßgebenden Jugendstil ab.

Kokoschka – eine Ikone des Expressionismus

Loos vermittelte seine frühen Portraits, seine expressiven Gemälde fanden vor allem in den deutschen Museen Anklang, durch den Architekten kam er in den Zirkel der Wiener Elite und konnte sehr gute Kontakte knüpfen. Loos schenkte Kokoschka 1909 eine Reise an den Genfer See, von welcher er sehr beeindruckt zurückkehrte, in den Schweizer Ausstellungen studierte er eingehend die Werke von Hodler und Vincent van Gogh, diese Werke inspirierten den jungen Maler sehr und waren wegweisend für seine künstlerische Laufbahn.

Die Bekanntschaft mit dem Kunsthändler Herwarth Walden beeinflußten Kokoschka 1910 nach Berlin zu übersiedeln, hier fertigte für die expressionistische Kunstzeitschrift „Der Sturm“ seine bekanntesten Federzeichnungen zu seinem Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“, diese Zeichnungen führten bei der Uraufführung wegen seinem erotischen Inhalt zu einem handfesten Theaterskandal. Der Kunsthändler Paul Cassirer stellte im Jahr 1911 zum ersten Mal die Werke Oskar Kokoschkas aus, es waren 30 Gemälde und acht Illustrationen zu seiner Dichtung „Der weiße Tiertöter“, sie wurden in Karlsbad im Café „Park Schönbrunn“ ausgestellt. Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus brachte die Ausstellung nach Hagen in sein privates Folkwang Museum und erwarb das Porträt der Herzogin Victoria de Montesquiou-Fesensac das 1909/1910 entstand.
Im Jahr 1911 kehrte Oskar Kokoschka nach Wien zurück und stellte anschließend in einer Ausstellung der Künstlervereinigung Hagenbund fünfundzwanzig Gemälde aus.

Zitat Oskar Kokoschka: „Expressionismus ist Gestaltung des Erlebnisses, solcherart mittelbar und Botschaft vom Ich zum Du. Wie zur Liebe braucht es dazu zwei. Expressionismus lebt nicht im elfenbeinernen Turm, er wendet sich an den Nächsten, den er erweckt.“

Kokoschka und seine exzessive Liebe zu Alma Mahler

1912 lernte Alma Mahler den jungen Maler Oskar Kokoschka, das enfant terrible der Wiener Kunstszene, kennen. Er galt als gewalttätig, unangepasst und ungezügelt, die Presse titulierte ihn als „Oberwildling“. Aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich eine zügellose und intensive Amour fou, wenn er sie nicht liebte, malte er sie und umgekehrt. Seine unglückliche Liebe zu Alma brachte sehr bedeutende Kunstwerke hervor, wie unter anderem die bekannten Fächer und eine Serie von Lithografien. Ein intensiver und aufwühlender Briefwechsel zeigt die Gefühle der leidenschaftlich Liebenden, auch Kokoschkas Malerei wurde durch diese erotische Raserei beeinflußt und änderten seinen Stil, seine Werke zeigten breitere Pinselstrichen und pastos aufgetragene Farben.

Ab dem Jahr 1914 wurde Kokoschka Mitglied der Freien Secession in Berlin, sein privates Leben verlief allerdings sehr turbulent, seine „auffressende“ Leidenschaft verwandelte sich bald in Unterwerfung, seine Eifersucht in Besessenheit. Kokoschkas Mutter schrieb an Alma Mahler: „Wenn Sie Oskar wiedersehen, werde ich Sie erschießen!“ Während dieser exessiven Liebesbeziehung entstand Kokokoschkas berühmtestes Gemälde „Windsbraut“. Alma wurde zweimal von ihm schwanger, beide Male ließ sie abtreiben und versetzte ihm damit einen Schlag, denn er nie verwinden konnte. Seinen physischen Untergang besiegelte die Femme Fatale, als sie ihn solange provozierte bis er als Freiwilliger, mit Hilfe von Loos, im prestigereichen k. u. k. Dragoner Regiment Nr. 15 aufgenommen wird, wo er schwer verwundet wurde.

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Dresden und Zwischenkriegszeit

Ab 1917 hatte Kokoschka seinen Lebensmittelpunkt in Dresden und erhielt 1919 die Professur an der Dresdner Kunstakademie, von der wurde er aber 1927 freigestellt da er wenig anwesend war, Otto Dix erhielt die Professur. Mit Oskar Kokoschka, Max Liebermann und Ernst Oppler wurden 1919 erstmals moderne Radierungen in der dritten Auflage des Kataloges von Hermann Struck „Die Kunst des Radierens“ veröffentlicht. Im Jahr 1925 unternahm er ausgedehnte Reisen in Europa, diese inspirierten ihn zu vielen Städte- und Landschaftsbildern.

Ab 1928 und 1929 zog es Kokoschka vorwiegend nach Nordafrika und in die Gebiete des östliche Mittelmeeres, ein Jahr später wird er Mitglied der Preussischen Akademie der Künste in Berlin. Zu dieser Zeit begannen die Machtdemonstrationenen und Übergriffe der Nazis auf „entartete“ Kunst, im November 1930 wurden im Weimarer Schlossmuseum die Werke von Kokoschka entfernt, insgesamt wurden 70 Werke der Moderne beschlagnahmt, unter anderem waren Werke von Paul Klee, Wassily Kandinsky und Otto Dix dabei. In diesem bewegten Jahr löste er den Vertrag mit dem Verlag des verstorbenen Paul Cassirer auf, da dieser sein Gehalt reduzieren wollte. Ab 1931 hielt er sich wieder in Wien auf, da er aber in Paris und Wien Ausstellungen hatte, pendelte er abwechselnd zwischen den beiden Städten. 1933 starb Adolf Loos, Kokoschka ging es gesundheitlich sowie finanziell nicht sehr gut und zieht daher im Sommer zu seiner Mutter ins Wiener Liebhartstal.
Er äußerte sich sehr kritisch zum Kulturmythos der Nazis in seinem Aufsatz „Totem und Tabu. Denkübungen eines Zynikers“, Kokoschka war Antifaschist und hatte sich diesbezüglich kein Blatt vor den Mund genommen. Auf Grund des Bürgerkrieges und nach dem Tod seiner Mutter floh er im September 1934 nach Prag, wo er seine spätere Frau Olda Palkovská kennenlernte. Ein Jahr später porträtierte er den tschechoslowakischen Staatspräsidenten Thomas G. Massaryk und im gleichen Jahr wurde Kokoschka tschechischer Staatsbürger. In Prag begann er das Drama „Comenius“ und malte den Zuckerfabrikanten und Kunstliebhaber Ferdinand Bloch-Bauer. 1937 wurde der Oskar Kokoschka Bund in Prag gegründet um dem Nazionalsozialistischen Kunstunverständnis Paroli zu bieten. Für die Nazis war er der „Entartetste unter den Entarteten“ und daher ihr größter „Kunstfeind Nr. 1“, in Deutschland wurden 417 seiner „entarteten“ Werke beschlagnahmt.
Im Sommer 1938 fand in Paris eine Ausstellung „Freie Deutsche Kunst“ zusammen mit dem Pariser Deutschen Künstler-Verein statt.

Kokokschkas Flucht nach England und Nachkriegszeit

Mit dem Münchner Abkommen 1938 flüchtete Kokoschka mit Olda Palkovská nach Großbritannien, dort lebten die beiden zunächst in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Hier war er Mitbegründer des „Freien Deutschen Kulturbundes und hatte enge Kontakte zu den österreichischen Exilorganisationen. 1941 heirateten die beiden, zu dieser Zeit entstanden die Bilder „Das rote Ei“ und „Anschluss – Alice in Wonderland“. Aus seinem Exil kritisierte Kokoschka mit seinen Werken die Allierten und prangerte den Größenwahn Hitlers an.
Kurz nach dem Krieg erinnert sich Österreich an seinen großen Sohn
1946 bat ihn der Wiener Bürgermeister Körner in einem Telegramm, das Erziehungswesen in Österreich und die Kunstgewerbeschule zu organisieren, es gab aus Wien zahlreiche Ehrungen zu Kokoschkas 60. Geburtstag. 1947 erhielt das Ehepaar Kokoschka die britische Staatsbürgerschaft, in diesem Jahr besuchte er Wien um das enteignete Haus im Liebhartstal zurückzuerlangen, was ihm nicht gelang.
Die konservative Einstellung und negative Haltung der Wiener Kunstakademie zu Kokoschka dem „Rebell“ und „Bürgerschreck“ erschwerten die Versuche einer Berufung nach Österreich, trotz aller Bemühungen von Seiten einiger Politiker, gelang es nicht ihn zu einer Rückkehr nach Wien zu bewegen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sind seine Werke weltweit anerkannt und in internationalen Ausstellungen wie unter anderem in Basel, Zürich und New York präsent.

Aufenthalt in der Schweiz und weiterer Werdegang

Ab 1951 lebte Kokoschka in Villeneuve/ Schweiz, er übernahm die Leitung der Internationalen Sommerakademie „Schule des Sehens“ in Salzburg und hielt von 1953 bis 1962 Malkurse ab. Nach Gesprächen mit dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler entwarf Kokoschka Kostüme und Bühnenbild für die Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen 1955. Im selben Jahr war er auf der ersten documenta mit sieben Bildern vertreten. Das Wiener Künstlerhaus zeigte 1958 mit großem Erfolg eine große Kokoschka-Retrospektive mit 682 Katalognummern, 1960 erhielt er mit Marc Chagall den Internationalen Erasmus-Preis in Kopenhagen, 1964 erfolgte eine weitere Teilnahme an der documenta mit seinen Werken „Bekenntnis zu Hellas“ und „Apulia“, im Jahr 1970 erschien Kokoschkas Autobiografie „Mein Leben“ die sehr persönlich und schnörkellos geschrieben wurde, drei Jahre später wurde das Oskar-Kokoschka-Dokumentationszentrums in seinem Geburtshaus in Pöchlarn eröffnet, 1974 vollendete er nach 16 Jahren sein Werk „Theseus und Antiope“ und erhielt im gleichen Jahr auf Initiative des damaligen Bundeskanzler Bruno Kreiskys die österreichische Staatsbürgerschaft. Zu seinem 90. Geburtstag gab es zahlreiche Ausstellungen und Ehrungen.
Oskar Kokoschka stirbt am 22.2.1980 im Alter von 94 Jahren in Montreux, sein Grab befindet sich am Friedhof von Clarens bei Montreux.

Zur Erinnerung an den großen Künstler wurde 1980 der „Oskar-Kokoschka-Preis“ für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Kunst von der österreichischen Bundesregierung ins Leben gerufen.

Acht Jahre nach seinem Tod gründete seine Witwe die Kokoschka-Stiftung „Fondation à la mémoire de Oskar Kokoschka“ im Musée Jenisch Vevey, hier befinden sich über tausend Werke des großen Künstlers. Die Universität für Angewandte Kunst in Wien beherbergt Kokoschkas sehr umfassende Bibliothek und zahlreiche Fotografien, der schriftliche Nachlass befindet sich seit 1981 in der Zentralbibliothek Zürich.
Die Stadtgemeinde Pöchlarn kaufte 1998 das Geburtshaus von Kokoschka, um es zu einem Museum und Galerie umzubauen. Im „Kokoschka-Haus“ finden wechslende Ausstellungen mit den Werken des Meisters sowie seiner Schüler und zeitgenössischer Künstler statt.

Oskar Kokoschka gehört zu den bedeutendsten expressionistischen Malern. Seine ausdrucksstarken Porträts, die glühende Affäre mit Alma Mahler, der er mit dem Gemälde „Die Windsbraut“ ein Denkmal setzte sowie seine Städteansichten sind ein Ausdruck dafür, was der Künstler empfunden hat.

Zitat Oskar Kokoschka: „Die wahre Kunst ist eine Kunst des Weglassens. Nur Pseudo-Künstler tragen unter allen Umständen dick auf.“

Foto

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Literatur,Weblinks und Quellen

Oskar Kokoschka, Klaus A. Schröder, Johann Winkler: Oskar Kokoschka, 1999
ISBN-13: 978-3791311234

Markus Brüderlin: Oskar Kokoschka – Humanist und Rebell, 2014
ISBN-13: 978-3777422503

Oskar Kokoschka Haus Pöchlarn

Musée Jenisch Vevey

Oskar Kokoschka-Zentrum

Sammlung im Belvedere

Wien-Geschichte-Wiki

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Karl Kraus

der Satiriker, Dichter und Kämpfer gegen Korruption und Krieg

Karl Kraus lebte in einem Land der Widersprüche und war selbst sehr widersprüchlich. Er hatte Österreich als die „Versuchsstation des Weltuntergangs“ bezeichnet und attackierte das Land sein Leben lang, es aber auch sehr geliebt und wahrscheinlich deswegen so kritisiert.

Kraus hatte ein sehr starkes, bzw. zu starkes Selbstbewußtsein, er war aber auch sein strengster Kritiker, bei den Menschen polarisierte er sehr stark, wobei er durch seine gnadenlose Kritik viele Feinde hatte, die sich aus irgendeinem Grund sein Missfallen zuzogen .

Am 28. April 1874 kam Karl Kraus im böhmischen Jicin in einem wohlhabenden jüdischen Elternhaus zur Welt, mit drei Jahren übersiedelte die Familie Kraus nach Wien in Nähe der Ringstraße. Das Kind Karl war sehr zart, sensibel und hatte eine schwache Konstitution mit einer angeborenen Rückgratverkrümmung, er reagierte auf jede Veränderung mit großer Ängstlichkeit, diese Schwächen prägten seine spätere Entwicklung, da er sich dieser schämte.

Schon in der Schule suchte er die Schwächen der Lehrer und Schüler, um sich über diese lustig zu machen, diese suchte er mit einer Akribie auch als Erwachsener bei seinen Mitmenschen, um sie dann lächerlich zu machen.
Mit siebzehn Jahren verstarb seine Mutter, darauf reagierte er sehr heftig und bewahrte ein Leben lang eine Haarlocke, einen Brief und Blätter von ihrem Grab auf. Der frühe Verlust seiner Mutter prägte seine Beziehungen zu Frauen, auch diese waren sehr widersprüchlich.

Im Jahr 1899 trat Karl Kraus aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft aus und ließ sich 1911 römisch-katholisch taufen, (Alfred Loos war sein Taufpate) er trat jedoch 1923 wieder aus der katholischen Kirche aus.

Zitat Karl Kraus: „Der Wert der Bildung offenbart sich am deutlichsten, wenn die Gebildeten zu einem Problem, das außerhalb ihrer Bildungsdomäne liegt, das Wort ergreifen.“

der Journalist Karl Kraus

Knapp vor der Matura im Jahr 1892, er maturierte am selben Tag wie Hugo von Hoffmannsthal, erschien seine erste Veröffentlichung in der „Wiener Literatur-Zeitung“: eine Besprechung der „Weber“ von Hauptmann, nach der bestandenen Matura verbrachte Kraus einige Zeit in Bad Ischl, dort schrieb er den langen „Ischler Brief“ der in der Illustrierten „Das Rendevous“ erschien. Karl Kraus begann Jus zu studieren, er bricht aber im Jahr 1894, nach zwei Semestern, dieses Studium ab und studierte dann Philosophie und Germanistik, er schließt jedoch sein Studium nie ab. Im Jahr 1893 tritt er neunzehnjährig als „Franz Moor“ im „Rudolfshauser Volkstheater“ auf und fällt beim kritischen Publikum durch, danach entscheidet sich Karl Kraus für den Beruf des Schriftstellers, dennoch bleibt für ihn die Schauspielerei ein unerfüllter Traum.
Zwischen 1892und 1899 ist er in den verschiedensten Zeitungen als Journalist tätig, unter anderem auch zwei Jahre in der „Neuen freien Presse“ deren Herausgeber Moritz Benedict war, er wurde später ebenso zum Ziel seiner spitzfindigen Kritik wird wie so viele andere. Kraus wollte ursprünglich in der „Neuen freien Presse“ die Nachfolge des Daniel Spitzer antreten, dieser war sehr bekannte für seine satirischen Beiträge „Wiener Spaziergänge“, bald darauf änderte er diese Pläne, da er sehr rasch die Grenzen des unabhängigen Journalismus spürte, daher wollte er eine unabhängige Zeitschrift gründen und sich nicht der „Zensur der Journaille“ unterwerfen.

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Im Jahr 1897 schrieb Kraus die „Die demolirte Litteratur“, in der er die Wiener Literaten, mit denen er sich im Cafe Griensteidl traf, aufs Korn nahm, er schrieb unter anderem: „Mangel an Talent, verfrühte Abgeklärtheit, Posen, Größenwahn, Vorstadtmädl, Cravatte, Maniriertheit, falsche Dative, Monocle“. Er nannte zwar keine Namen der „Demolierer“ aber sie wurden sehr präzise beschrieben, es waren Hermann Bahr, Hugo von Hoffmannsthal, Felix Salten und Arthur Schnitzler, am schlimmsten kam Hermann Bahr weg, ihn hasste Karl Kraus wirklich und daher wurde er am heftigsten kritisiert.

Das legendäre Cafe Griensteidl hatte am 20. Januar 1897 das letzte Mal geöffnet, es wurde am nächsten Tag abgeriessen, daher trafen sich alle Stammgäste zum letzten Mal in ihrem Lieblingscafe „Cafe Größenwahn“. Es kam zu guter letzt noch zu einem Eklat, da Salten wieder einmal Karl Kraus ohrfeigte, doch der kleine Kraus zeigte ihm diesesmal an und Salten musste 20 Golden Strafe zahlen.

die Zeitschrift „Die Fackel“

wurde im Jahr 1899 von dem 25-jährigen Karl Kraus gegründet, die erste Nummer seines Hauptwerkes erschien am 1. April und hatte 32 Seiten mit dem prägnanten roten Umschlag und am Cover eine brennende Fackel vor dem Profil Wiens.

Der Schriftsteller, Journalist und Kulturpolitiker Robert Scheu beschrieb die Reaktionen: „Eines Tages, soweit das Auge reicht, alles – rot. Einen solchen Tag hat Wien noch nie erlebt. War das ein Geraune, ein Geflüster, ein Hautrieseln! Auf den Straßen, auf der Tramway, im Stadtpark, alle Menschen lesen aus dem roten Heft…es war narrenhaft…Und dieses ganze Heft, mit Pointen so dicht besät, daß man es…behutsam lesen mußte, um keine der glitzernden Perlen zu verlieren.“ Von diesem vorerst dünnen roten Heft erschienen insgesamt 922 Nummern mit über 30.000 Seiten. Schon in seiner ersten Nummer greift Kraus all das an, was er bei den anderen Zeitungen verschweigen musste und attackierte den Mißbrauch der Sprache sowie die in der gesamten Monarchie vorherrschenden Korruption, schon in zwei Wochen erreichte die Fackel eine Auflage von 30.000 Exemplaren.

Die von Karl Kraus angeprangerten Missstände haben sich bis heute, obwohl es keine Monarchie gibt, kaum geändert.

Auf Grund dieses Erfolges gab es bald die bösartige „Gegenfackel“ oder das Heft „Der Pinsel“, der Erfolg blieb aber bald aus. Der Drucker des Heftes „Die Fackel“ nutzte eine Erholungsreise seines Auftraggebers schamlos aus und ließ das Titelblatt des Originals unter seinen Namen registrieren, erst durch 15 gerichtliche Urteile konnte Kraus seine „Fackel“ zurückgewinnen.

Da Kraus keine Pauschalanklagen gegen die Gesellschaft erhob, sondern die betreffenden namentlich attackierte, wurde es für ihn gefährlicher, er wurde einmal blutig niedergeschlagen und bekam jede Menge anonyme Droh- und Schmähbriefe. Nach einem viertel Jahr kam er zur folgenden Aufstellung: „Anonyme Briefe 236, Anonyme Drohbriefe 83, Überfälle 1“, seinen Mut und Angriffslust behielt er trotzdem.

Was seine Persönlichkeit ausmachte und ihn von der „Journaille“ unterschied, war seine absolute Beherrschung der Sprache, Fanatismus, eine treffsichere Ironie und seine Pedanterie, er las manchesmal zwanzig bis dreißigmal seine Beiträge durch und prüfte jedes Wort.
Mit seine Vorlesungen erzielte er eine sehr große Wirkung in der Öffentlickeit, das Publikum war von Kraus „begeistert und fanatisch, befriedigt und drohend zugleich“ meinte Elias Canetti, er las meistens in Wien, Innsbruck, Prag und München aus seinen Schriften, später fast nur aus fremden Schriften. In Wien bevorzugte er für seine Lesungen das Konzerthaus und Säle des Wiener Musikvereinsgebäudes.

Feinde und Freunde

der oft bösartige Kritiker Karl Kraus und der liebevolle Förderer neuer Talente sind widersprüchlich, er sah jeden Kritiker zu seiner Arbeit und seiner Person als Angriff und als Feind, dieser wurde daraufhin in der „Fackel“, wie Hermann Bahr, Arthur Schnitzler oder Felix Salten, aufs Korn genommen. Er meinte: „ich mache kleine Leute durch meine Polemik so groß, dass sie nachher würdige Objekte für meine Polemik sind und mir kein Mensch einen Vorwurf machen kann.“

Seine Attacken auf Heinrich Heine, Arthur Schnitzler, einige Prager Literaten und Gustav Klimt sind Fehleinschätzungen, er sah z. B. in Heinrich Heine den Hauptverantwortlichen für die Verlotterung der Sprache, da diese ein Zeichen des Verfalls der Gesellschaft sei.
Zurecht griff Karl Kraus den Zeitungs-Herausgeber Imre Bekessy persönlich in der „Fackel“ an, dieser war ein wegen Verleumdung und Erpressung vorbestrafter Krimineller, der vor Verleumdungen und Erpressungen nicht zurückschreckte.

Kraus bewunderte und verehrte den Schauspieler und Dramatiker Johann Nestroy, bei seinen Veranstaltungen erreichte er, das Nestroy wieder den Stellenwert bekam den er verdiente.
Zu seinen wenigen Freunden gehörten Adolf Loos, Peter Altenberg und Oskar Kokoschka, Kraus war wie Loos ein Fanatiker des Absoluten und daher oft puristisch. Altenberg unterstützt er finanziell wie moralisch und verteidigte ihn bei seinen Entgleisungen. Kokoschka ließ er, wie sonst kaum jemand, an sich heran und ließ sich zweimal von ihm porträtieren.

die letzten Tage der Menschheit

nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand, war Karl Kraus einer der wenigen der nicht in begeisterten Kriegstaumel fiel, er sah den ersten Weltkrig schon seit dem Balkankrieg im Jahr 1912 voraus. Bei der Nachricht des Attentats hält er die bereits druckfertige Ausgabe der „Fackel“ zurück und schweigt. Erst nach vier Monaten Krieg bricht Kraus das Schweigen, allerdings nur, um in einer Lesung sein weiteres Schweigen zu begründen. Im Oktober 1915 erscheint eine „Fackel“ mit 168 Seiten, sein Privatsekretät Leopold Liegler drückte aus, was die späten Worte des Karl Kraus bedeuteten: „…in diesem Chaos war er einer der wenigen Menschen, die unerschrocken und klar aussprachen, was alle diese Greuel, diese zur Pflicht gewordene Bestialität zu bedeuten habe; er hat diejenigen ernüchtert, die sich von der Begeisterung der ersten Kriegsmonate hatten verblenden lassen und hat die Verzweifelnden alle getröstet und aufgerichtet…“

Trotz Zensur, Denunzierung und mehrmaliger Konfiszierung der „Fackel“ richtete sich Kraus ständig gegen die Greuel des Krieges. Alle seine Ansprachen, Pamphlete, Glossen und Gedichte aus der Kriegszeit verdichten sich in seinem Hauptwerk „Die letzten Tage der Menschheit“ zu einem erschreckenden, unverfälschten Bild des Grauens, zu einer auch heute noch geltende Apokalypse.
„Die letzten Tage der Menschheit“ ist eine Tragödie in fünf Akten mit Vorspiel und Epilog, die in den Jahren 1915 bis 1922 entstanden ist, jeder der fünf Akte leitete jeweils das „Leben und Treiben“, eine Massenszene am „Sirkeck“ an der Ringstraße ein.
Nach über hundert Jahren hat diese Tragödie und sein Lebenswerk nichts von seiner erschütternden Wirkung verloren, Karl Kraus hat es wie kein anderer verstanden, Gesellschaftskritik und Kriegsablehnung in eine Satire zu verpacken.

Zitat Karl Kraus: „Die Kultur endet, indem die Barbaren aus ihr ausbrechen.“

Zwischenkriegszeit

Während des ersten Weltkrieges erschienen die drei ersten Bände „Worte in Versen“, danach folgten noch sechs weitere Bände. Als Ausgleich zur kämpferischen Fackel schuf er dramatische Texte, wie im Jahr 1921 „Literatur“, 1923 „Traumstück“ und „Wolkenkuckucksheim“, 1924 „Traumtheater“, sie waren nicht erfolgreich. Seine Vorlesungen nannte er ab dem Jahr 1925 „Theater der Dichtung“, diese wurden für Karl Kraus zu seinem eigenen „Traumtheater“.
Im Jahr 1933 schrieb Kraus den 300 Seiten starken Band „Die dritte Walpurgisnacht“, dieser erschien aber erst 1952, der Anwalt von Kraus, Dr. Oskar Samek hatte die Fahnen des Buches vor dem Zugriff der Nationalsozialisten in die USA gerettet. Aus diesem Buch stammt der oft zitierte, aber isolierte und daher widersprüchliche Satz: „Mir fällt zu Hitler nichts ein“. Schon sehr früh erkannte Karl Kraus die Gefahr der Nazis und nannte sie ein „Gezücht von Hakenkreuzottern“.

Im Oktober 1933 erscheint nach einer Pause von neun Monaten, statt dem Band „Die dritte Walpurgisnacht“, die dünnste Fackel mit vier Seiten die es je gegeben hat. Das Heft enthält neben einer Grabrede auf Adolf Loos nur ein zehnteiliges Gedicht: „Man frage nicht, was all die Zeit ich machte. Ich bleibe stumm; und sage nicht, warum“. Nach dieser 888. „Fackel“ folgte ein Sturm der Entrüstung, niemand verstand das Karl Kraus ausgerechnet jetzt, Hitler war seit 1933 deutscher Reichskanzler, stumm blieb. Es wurde ihm Opportunismus und moralische Skrupellosigkeit vorgeworfen.

Im Jahr 1933 wurde bei Kraus ein Herzleiden festgestellt, im Februar 1936 erscheint die letzte Ausgabe der „Fackel“, am 13. Juni 1936 stirbt Karl Kraus an einem Herz- und Gehirnschlag. Das Grab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof in der Gruppe 5 A, Reihe 1, Nummer 22.

Der brillant formulierende Satiriker Karl Krauskämpfte stets gegen Korruption, Dummheit und Phrasen der Parteien, er war immer überparteilich und ergriff nie für eine Konfession Partei. In Österreich wurde der große Satiriker, wie so viele brillante Köpfe, mehr totgeschwiegen als anerkannt.

Karl Kraus wird nachgesagt dass er ein Misanthrop war, aber verschenkt ein Misanthrop ein Vermögen an karitative Vereinigungen? Das spricht doch für den Humanisten Karl Kraus, der Empathie für arme Menschen hatte.

Zitat Karl Kraus: „Das Leben ist eine Anstrengung, die einer besseren Sache würdig wäre.“


Foto
Karl Kraus – das Foto ist gemeinfrei

Literatur und Quellen
Karl Kraus:Die letzten Tage der Menschheit,1994
ISBN-13: 978-3763242801

Friedrich Rothe: Karl Kraus: Die Biographie, 2003
ISBN-13: 978-3492041737

Michael Horowitz: Karl Kraus. Bildbiographie, 1992
ISBN-13: 978-3701500284

Richard Schaukal: Karl Kraus. Versuch eines geistigen Bildnisses Taschenbuch, 2013
ISBN-13: 978-3863474690

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Dagobert Peche

der fantasievollste Künstler der Wiener Werkstätte

Dagobert Peche ist heute leider in Vergessenheit geraten, obwohl gerade er sehr vielfältige Talente im Kunsthandwerk besaß und mit seinen feinsinnigen Arbeiten vor allem Frauen ansprach. Dagobert Peche gestaltete Innenräume, er designte Möbel, Textilien, Schmuck, Keramin, Glas, Tapeten und Metall.

Dagobert Peche wurde am 3. April 1887 in St. Michael, Salzburg, geboren. 1906 übersiedelte Peche nach Wien um Architektur zu studieren. Die Zeit an der technischen Hochschule (1906 bis 1910), in der er Lehrver-anstaltungen Karl Königs, Max von Ferstels, Leopold Simonys und Eduard Veiths besuchte, tritt ab 1908 in den Hintergrund, da er sich ab dieser Zeit in die Architekturklasse Friedrich Ohmanns an der Akademie der bildenden Künsten einschreiben ließ, Ohmann übernimmt die Schirmherrschaft für Dagobert Peche und wird sein Förderer. In seiner Klasse konnte sich Peche entfalten und während diesem Architekturstudium hinterlässt er seine ersten künstlerischen Spuren.

Im Jahr 1910 reist er mit dem Architekturverein der Technischen Hochschule nach England. Als der Verein zur Feier seines dreißigjährigen Bestandes den „Wachauer Almanach auf das Jahr 1910“ herausgibt, ist Peche an der Gestaltung des Titelblattes, den Kalenderseiten und mehreren Architekturzeichnungen beteiligt. Dem Titel „Architekturzeichnungen“ aber werden die noch aus dem Jahr 1909 stammenden Darstellungen kaum gerecht, Peche liegt wenig daran architektonische Gegebenheiten zu konstatieren, im Gegensatz zu der neuen Wiener Bauschule des Begründers Otto Wagner, die für Disziplin, Form und Rhytmik steht. Das zeigt z. B. ein Blatt des Melker Gartenpavillons, der Bau zeigt verschiedenster Flächenstrukturen in romantisch-historisierender Ausführung, in dieser Zeit erfuhr er seine ersten Anerkennungen und das Lob seiner Lehrer.  1910 fuhr er als Teilnehmer einer Vereinsreise nach England, diese Reise prägte ihn für seine weiteren Interessen.

Mit dem Ende des Studiums an der Akademie erhielt er den „Rompreis“ und fuhr für ein halbes Jahr nach Paris, dort faszinierte ihn am meisten der Louvre mit seinen Möbel,Teppiche und der nationalen Malerei um Watteau. Besondere Anziehungskraft übten auf ihn zwei Meisterstücke der Gotik und des Barock: ein kleiner altfranzösischer Gobelin und ein Louis-Quinze-Stuhl, sie prägten ihn als angehenden Kunsthandwerkers. Bei der Rückkehr nach Wien unternimmt er einen Abstecher nach Darmstadt, um seine graphischen Zyklen „Liebe und Tand“ und „Die Schatulle“ dem Herausgeber der Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration“ Alexander Koch anzubieten, der Besuch bringt keinen unmittelbaren Erfolg. Jedoch 1913 nimmt Alexander Koch einen von Rene Delhorbe verfassten Artikel über Dagobert Peches an, zu dieser Abhandlung treten in den kommenden Jahren Beiträge von Autoren wie Berta Zuckerkandl, Leopold Wolfgang Rochowanski oder Willy Frank, die Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration“ wird jenes Organ, das die künstlerische Entwicklung Peches am detailreichsten kommentiert. Delhorbes Ausführungen sind zahlreiche Abbildungen beigefügt, die über Peches breitgefächerte Tätigkeit zwischen 1910 und 1913 aufzeigen. Weiters steht in Delhorbes Ausführungen: „Peches Schwerpunkt liegt nun eindeutig auf dem kunstgewerblichen Gebiet: Dosen und Tafelaufsätze, mit pointiert gesetzten Blüten, punktierten Linien dekoriert oder ganzheitlich von Blätterranken überzogen, sind zu sehen, Broschen werden mit rokokohaften Damen geziert und aus den Zyklen „Liebe und Tand“ und die „Puderquaste“ entnommenen Beispielen spricht der stilistische Rückgriff auf Aubrey Beardsley, dessen Frivolität Peche jedoch ins Dekorative und Liebliche kehrt“.

dem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt

Dagobert Peche, der im Jahr 1911 Josef Hoffmann kennengelernt hat, arbeitet nach der Rückkehr aus Paris als Entwerfer für die Firmen Johann Backhausen, Philipp Haas, die Wiener Keramik, die Wiener Porzellanmanufaktur Josef Böck, Thausig & Komp., Jul. Jacksch-Atzgersdorf sowie P. Piette-Bubentsch.

Im Jahr 1912 wendet er das Erlernte bei der Änderung der Hoffassade des Daberkowschen Wohnhauses (Nelly Daberkow war seine Ehefrau) in der Neubaugasse 29 an, dort befand sich auch sein Atelier, künftig gilt sein Interesse jedoch der Innenraumgestaltung – exakter bezeichnet – der Raumgestaltung.

Sehr große Aufmerksamkeit erweckt er durch die Teilnahme an der im Mai 1913 im Österreichischen Museum stattfindenden Ausstellung der „Österreichischen Tapeten-, Linkrusta- und Linoleumindustrie“ durch seine graziöse Tapetenmuster aus ovalen Blütenbündeln auf gestreiftem Grund oder aus Füllhörnern in geschwungenen Rauten bestehenden Tapetenmuster. Der dem Ausstellungskomitee angehörende Josef Hoffmann lädt Peche, der durch die Eigenart und Vielfalt der präsentierten Tapeten und Möbel auf sich aufmerksam macht, 1914 zur Installierung der österreichischen Abteilung der Internationalen Kunstausstellung in Rom und in der Folge zur Mitarbeit am österreichischen Haus der Kölner Werkbundausstellung ein. Gegensätzliches bestimmt nicht nur das Verhältnis der Ausdrucksformen Hoffmanns und Peches in dieser Zeit, sondern auch Peche selbst bezieht die Wirkung seiner Raumgestaltungen aus dem gekonnten Einsatz von Kontrasten, wie etwa ein „Damenboudoir“ Peches, dessen Konzeption in krassem Gegensatz zur Strenge des von Josef Hoffmann gestalteten Außenbaus steht.

Die Modeausstellung im Jahr 1915 im Österreichischen Museum bildet die nächste Station der Raumkunst Peches. Die Säulenhalle des Museums wird durch ihn zu einem von dunklen Tapeten mit inselhaft verteilten Bouquets begrenzten Umhang, in dem sich in rhytmischem Wechsel spannungsreich hell erleuchtete Vitrinen öffnen. In dieser Ausstellung fällt der Ornamentiker Peche wieder durch seine Form auf, die dem erstarrten Kunsthandwerk neues und lebendiges Leben einflößte.

Seit Jahresbeginn 1915 ist Peche Mitarbeiter der Wiener Werkstätte, im Rahmen der Wiener Werkstätte erhält er Gelegenheit, seine künstlerischen Absichten in den verschiedensten Materialien, in der neuen Stilistik und dem feminin ausgerichteten Konzept zu präsentieren, fachkundige Unterstützung in der Ausführung der Entwürfe, die er z. B. durch den Elfenbeinschnitzer Friedrich Nerold erhält, erweitert seinen Handlungsspielraum.

Notiz des Künstlers
„Kunst ist das Bestreben, die unsichtbaren Rhytmen, welche uns umgeben, zu ahnen, ihr Gesetz zu finden, das Chaos zu klären“.

Die Etablierung Peches in der Wiener Werkstätte unterbricht ein Militärjahr, anschließend bestellt man ihm im Jahr 1917 zum Leiter der neugegründeten Wiener Werkstätte-Filiale in Zürich, welcher Peche in der Ausstattung des Verkaufsraumes sofort ein unnachahmliches Gepräge verleiht, in den Jahren 1917 bis 1919 entstand eine Vielzahl exquisiter Schmuckstücke in den erlesensten und hochwertigsten Materialien in Dagobert Peches präziser, filigraner und einzigartiger Ausdrucksweise. Die geschwungenen Möbel der Tapetenausstellung 1913 sind beinahe vergessen, der Raum ist von sparsam ornamentierten kubischen Elementen durchdrungen, über die sich üppige Fruchtgirlanden und Tüllvorhänge hinwegsetzen. Kuben, Fruchtgirlanden und ein nacktes Mädchen über der Tür, die Dreiheit von Architektur, Vegetation und Mensch, verbindet Peche unter dem Deckmantel eines genialen und beeindruckenden Ladeninterieurs.

Das Schwarz-Weiß-Gold seiner frühen Werke hat keine Geltung mehr, das Ombré, schattierte Farbharmonien, sind an seine Stelle getreten. Daphne, die sich dem Zugriff des Apollo durch die Verwandlung in einen Lorbeerbaum entzogen hat, ist für Peche mehr als ein Motiv, das durch die Mitarbeiterinnen Louise Leonore Maas und Charlotte Billwiller in Tüll oder Seide umgesetzt werden kann. Dagobert Peches Damen sind halb Kind und Kinder sind halb Damen. Körperlose Wesen, Köpfe, von Blättern umsponnen, von Schleiern verhüllt, beleben Stickereien und Zeichnungen. Ein goldener Apfel der Verführung hat jene zugespitzten Blätter, die Peches Kunst um 1919 durchsetzen, und wird dadurch selbst für die Trägerin zu einem gefährlichen Objekt.


Im Dezember 1919 wird Peche nach Wien zurückberufen. Er, der durch den Züricher Aufenthalt von den Wirkungen des Krieges einige Zeit verschont geblieben ist, bekommt das Nachkriegselend nun um so mehr zu spüren. Ein nahezu dem Verfall preisgegebenes Haus in Ober St. Veit ist das einzige Quartier, das er für sich, seine Frau und die beiden Töchter finden kann. Durch die widrigen Umstände und der Feuchtigkeit des Hauses erkranken Peche, seine Frau und Kinder, er begegnet dem Elend durch doppelte Aktivität und nimmt an der Kunstschau 1920 teil, fertigt sein bravouröses Ehrengeschenk zu Josef Hoffmanns 50. Geburtstag und reist 1921 nach Köln um in der Firma Flammersheim & Steinmann die Ausführung einer Serie neuer Tapeten zu überwachen. In den Einrichtungsgegenständen für Ing. Ast und in der Wohnung Wolko Gartenberg äußern sich die neuen Tendenzen seiner Kunst, die räumlichen und plastischen Empfinden eine weit größere Bedeutung zugestehen als bisher. Eine Serie von Spiegelrahmen, ausgeführt in der Wiener Werkstätte und in der Firma Max Welz, bildet den Teil einer Auslese, die sein Schaffen in den letzten Jahren dokumentiert.

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Bereits schwer erkrankt fährt Peche noch zur „Deutschen Gewerbeschau“ 1922 nach München, dann zwingen ihn ständige Fieberanfälle ins Sanatorium Aflenz. Das Bemühen seines Freundes Josef Urban, durch eine Sammlung in New York bessere Lebensumstände für Peche herbei-zuführen, kommt beinahe zu spät. Ein Haus wird angekauft, Peche wird dorthin gebracht, ans Bett gefesselt entwirft er noch Skizzen für die Inszenierung des Richard Strauss-Baletts „Schlagobers“, bevor er am 16. April 1923 stirbt, sein Grab befindet sich am Hietzinger Friedhof, Gruppe 10, Nr. 81.

Dagobert Peches schöpferische Phantasie und Ornamentik belebte alle kunstgewerblichen Teilgebiete und er fand für jedes Material und jede Technik neue Möglichkeiten der dekorativen Gestaltung durch ansprechende Stoffmuster und Farben für die Tapetenindustrie, den Stoffdruck, der Spitzenklöppelei und Stickerei. Durch seine Originalität und einzigartige Formensprache beeinflusste er die Goldschmiedekunst und Elfenbeinschnitzerei, Spiegelrahmen und Möbelformen, Keramik und Metallwaren, Papierindustrie und Mode im Kunsthandwerk.

Foto
aus dem Buch: Eine Auswahl seiner Werke von Max Eisler

Literatur

Dagobert Peche und die Wiener Werkstätte, Die Überwindung der Utilität von Peter Noever, Wien 1998
ISBN-13: 978-3775707534

Dagobert Peche. Eine Auswahl seiner Werke von Max Eisler
Wien-Leipzig, 1925
ASIN: B007Y09TCY

Wiener Werkstätte, Avantgarde – Art déco – Industrial Design von Waltraud Neuwirth, Wien1986
ISBN-13: 978-3900282226

Weblinks

WIEN 1900 inspiriert

 

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Otto Wagner

umsichtiger Architekt und Städtplaner

Otto Wagner ( 03.07.1841 – 11.04.1918) der Sohn eines königlich-ungarischen Hofnotars wurde in Wien geboren und wuchs in gutsituierten Verhältnissen auf, seine Eltern gehörten dem Besitzbürgertum an, welche die Erfolge den eigenen Leistungen verdankte.

Mit diesen Vorstellungen wuchs Otto Wagner auf und ist später oft als Architekt und Bauherr in einem aufgetreten. So schuf der Unternehmer Wagner die finanziellen Grundlagen für seine gestalterische Freiheit als Architekt Wagner und schuf, unabhängig von Förderern, großartige Architektur die in Wien allgegenwärtig ist.
Im Jahr 1857 begann er als Sechzehnjähriger seine Ausbildung am Wiener Polytechnischen Institut. 1860 ging er nach Berlin, um an der Königlichen Bauakademie bei Carl Ferdinand Busse sein Studium fortzusetzen, im Jahr 1861 kehrte er nach Wien zurück, wo er an der Akademie der bildenten Künste ein Schüler der beiden Ringstraßen-Architekten und Erbauern der Wiener Staatsoper, August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll, war. 1862 trat er in das Atelier des Ludwig von Förster ein, Förster war einer der treibenden Kräfte bei der Gestaltung der Wiener Ringstraße. Der junge Wagner war also mitten im Geschehen und Entwicklung der Ringstraße, die in allen Stilformen – vom Klassizismus über Gotik bis zur Renaissance – zum Inbegriff des Historismus wurde. Wagners Schaffensphase war bis etwa 1887 von dieser Stilrichtung geprägt und er hat seinen Stil als eine „gewisse freie Renaissance“ bezeichnet. Mit seinem Stil wurde er erfolgreich und berühmt, selbst Jahre später nannte man ihn den „vornehmsten Vertreter der Wiener Renaissance“. Aus dieser Zeit stammen viele Wohnhäuser, die heute zum Großteil unbekannt und deren Entwürfe verschollen sind, Wagner selbst legte keinen großen Wert auf diese Bauten. Die 1868 entworfene Synagoge in Budapest ist in dieser Periode entstanden, ebenso die Dekorationen für den Festzug zur silbernen Hochzeit des Kaiserpaares im Jahr 1879 und den Einzug der belgischen Prinzessin Stephanie nach Wien, aus Anlass ihrer Vermählung mit Kronprinz Rudolf im Jahr 1881.

Artis sola domina necessistas“ (die einzige Herrin der Kunst ist die Notwendigkeit), diesen Satz Gottfried Sempers hat Otto Wagner in seiner Antrittsrede im Jahr 1894 als Professor für eine Spezialklasse der Architektur an der Wiener Akademie der bildenden Künste als sein „Glaubensbekenntniss“ bezeichnet und ihn folgendermaßen erklärt: „Kunst und Künstler sollen und müssen ihre Zeit repräsentieren. Im Durchpeitschen aller Stilrichtungen, wie es in die letzten Jahre mit sich brachten, kann das Heil für die Zukunft nicht liegen, der Realismus unserer Zeit muß das werdende Kunstwerk durchdringen.“ Mit diesem Satz wandte er sich vom Historismus ab und widmete sich dann nur mehr der modernen Architektur.

Otto Wagner ist in Wien allgegenwärtig

Im Jahr 1886 errichtete Wagner für sich und seine Ehefrau in Hütteldorf eine Villa im Renaissancestil, es ist das heutige Ernst Fuchs-Museum in der Hüttelbergstraße 26. An der Hauptfassade, links und rechts vom Eingang, ließ er zwei Tafeln anbringen. Auf der linken war zu lesen: „Sine arte sine amore non est vita“ (Es gibt kein Leben ohne Kunst und ohne Liebe), zur Rechten des Eingangs stand der oben erwähnte Satz: „Artis sola domina necessistas“.

Diese Wahlsprüche kündigen einen Wandel an und beeinflußten Wagners künftiges Schaffen: die Verbindung von Schönheit und Zweckmäßigkeit. Im Jahr 1896 hielt er in seiner Schrift „Moderne Architektur“ fest: „Etwas unpraktisches kann nicht schön sein“. In diesem Sinne spiegeln Wagners Entwürfe seine Auseinandersetzung mit seiner Zeit und seiner Umwelt. Sie galten dem Menschen, der in seinem Arbeitsalltag einer zunehmenden Mechanisierung unterworfen war.

Urbanes Lebensgefühl vermittelt das Wohn- und Geschäftshaus von 1884 für die Länderbank am Lobkowitzplatz, das im Jahr 1884 entworfene „Ankerhaus“ oder das Kaufhaus Neumann in der Kärtnerstrasse aus dem Jahr 1883, bei dem zum ersten Mal in der Architekturgeschichte eine durchhängende Glasdecke den Lichthof im Inneren des Gebäudes überspannte. Wagner gelangte allmählich zu immer moderneren Ausdrucksformen, wie etwa bei dem Verwaltungsgebäude der Länderbank in der Hohenstaufengasse 3 aus dem Jahr 1882. Den Lebensbedingungen des Menschen galt Wagners Interesse auch im Bereich des Wohnens. Auf Grund des rapiden Städtewachstums bildeten Zinshäuser für das Großbürgertum eine attraktive Geldanlage, die sichere Erträge abwarfen. Daher war es für Wagner naheliegend, selbst durch den Bau von Zinshäusern Geld zu verdienen, wobei er als Bauherr und Architekt in einer Person auftrat. Durch den Verkauf der Häuser hatter er genügend Kapital um das nächste Projekt zu realisieren, mit diesem Prinzip entstanden seine wichtigsten Bauwerke. An seiner Weiterentwicklung als Architekt trug auch die Teilnahme an Wettbewerben bei, er hatte an über dreißig nationalen und internationalen Wettbewerben teilgenommen. Ein entscheidender Schritt war für Wagner die Teilnahme am Wettbewerb zum Generalsanierungsplan für Wien in den Jahren 1892 – 1893, er gewann einen der beiden ersten Preise und vorallem die anschließende Berufung zum Generalplaner. Hier ging es um den Bau der Stadtbahn (1894 – 1900) und die Anlage der Donaukanalbauten: das Nußdorfer Wehr und die Schleuse, die Kaianlagen am Donaukanal und das Schützenhaus Staustufe Kaiserbad (1894 – 1906). Die in den ersten Jahren 1894 – 1897 errichteten Stadtbahnbauten der Gürtel- und Vorortelinie sind noch in „freier Renaissance“ gehalten, die späteren 1896 – 1900 entstandenen Stationen der unteren Wiental- und Donaukanallinie, wie etwa die Station Karlsplatz und der Hofpavillon in Hietzing, sind mit ihrem Bauschmuck in Stuck und Schmiedeeisen in der moderne Architektur des Jugendstils gebaut.

Wagners Schrift „Moderne Architektur“ wurde zum Gründungsmanifest für die Architektur des 20. Jahrhunderts, der berühmte Architekt und Wagnerschüler Rudolf Schindler schrieb: „Die moderne Architektur begann mit Mackintosh in Schottland, Otto Wagner in Wien und Louis Sullivan in Chicago“.

Das „Hosenträgerhaus“, ein sechsgeschossiges Wohnhaus in der Universitätsstraße/Eingang Garnisongasse enstand 1887.

Die Wandlung brachte bei Wagner zunächst die „neue Kunst“ (Art nouveau – Jugendstil) hervor, in den Jahren 1898 – 1899 schuf er mit dem Häuserensemble Linke Wienzeile/Köstlergasse, eines davon ist das berühmte „Majolikahaus“, ein Hauptwerk des Wiener Jugendstils. Der Wohnkomfort dieses Jugendstilensembles gehörte damals zu den modernsten in Wien, Im Haus Köstlergasse 3 hatte sich Otto Wagner eine als Gesamtkunstwerk entworfene „Musterwohnung“ eingerichtet, die durch die gläserne Badewanne zu besonderer Berühmtheit gelangte.

Otto Wagner das Enfant terrible

Im Jahr 1899 trat Wagner der Wiener Secession bei, die er aber 1905 mit Gustav Klimt wieder verließ, hiermit war der Bruch mit der Tradition endgültig besiegelt. Dieser Schritt des renommierten, prominenten und charismatischen Architekten erregte die Gemüter der Zeitgenossen, für sie war es absoluter Verrat. Es erschienen sogar Schmähschriften und ab diesem Zeitpunkt bemühte sich Wagner oftmals vergebens um öffentliche Aufträge.

Im Jahr 1902 entwarf Wagner das Depeschenbüro (zerstört, Kärtnerstraße/Ecke Annagasse) für die Zeitung „Die Zeit“, es wurden die damals bekannten neuen Baustoffe wie Aluminium verwendet.

Otto Wagners im Jahr 1907 eröffnete Kirche St. Leopold gehört zu den zehn wichtigsten Kirchen des 20. Jahrhunderts, sie war die „Anstaltskirche“ für die Niederösterreichischen Landes- Heil- und Pflegeanstalten am Steinhof, mit der sie gemeinsam errichtet wurde. Bei dem Wettbewerb für das psychiatrische Krankenhaus, an dem sich auch Leopold Bauer und Carlo van Boog beteiligten, wurde Otto Wagner der erste Preis zugesprochen. Sein Gesamtlageplan wurde zwar angenommen, er wurde jedoch nur mit dem Bau der Kirche betraut.


Einen Eindruck der Feindseligkeit von oberster Stelle, die Wagner entgegenschlug, zeigt folgender Bericht aus dem Vorwort in Wagners Tagebuch aus dem Jahr 1914: „Zur Eröffnung der Steinhofer Kirche kam, in Vertretung des Kaisers, Erzherzog Franz Ferdinand. Ich mußte ihm den Bau erklären, worauf er als Schlußbemerkung einer Ansprache sagte: ´Der Marie-Theresien-Stil ist doch der schönste.´ Ich erwiderte ihm, daß zur Zeit Maria Theresias die Kanonen verziert gewesen seien, während man sie heute vollkommen glatt mache. – Mit ungeheurer Hochmut wendete er sich von mir ab und sein Haß verfolgte mich, trotz mehrfacher Interventionen, derart, daß ich eine Anzahl Aufträge verlor, für die ich in Aussicht genommen war. Die Gemeinde hatte viel zu wenig Mut, sich den überaus gehässigen Machenschaften des Erzherzogs entgegenzustellen.“

Der schießwütigste aller Habsburger (er hat insgesamt 277.769 Tiere zur Strecke gebracht!) und erzkonservative Thronfolger Franz Ferdinand war ein ausgesprochener Gegner der Wiener Moderne, er verhinderte erfolgreich Projekte Wagners wie den Neubau des Kriegsministeriums am Stubenring oder das Technische Museum. Franz Ferdinand war leider in Kunstfragen die prägende Gestalt der Habsburger-Dynastie.

Das Amtsgebäude der k. k. Postsparkasse (Georg-Coch-Platz 1) wurde im Jahr 1910 eröffnet und gehört zu den Ikonen der Wiener Architektur, sie ist gemeinsam mit der Kirche St. Leopold am Steinhof, als Wagners bedeutendstes Werk zu bezeichnen. Der berühmte Kassensaal mit Glasfußboden und abgehängter Stahl-Glas-Konstruktion hat die Architektur des 20. Jahrhunderts wesentlich beeinflußt.

Die Postsparkasse ist das einzige Gebäude der Moderne auf der vom Historismus geprägten Ringstraße.

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Die Wohnhäuser Neustiftgasse 40 und Döblergasse 2-4 waren Spätwerke im Bereich der Wohnbauten Wagners die verwirklicht wurden (1909 – 1912). Er war 68 Jahre, als er sie in Angriff nahm. Diese Gebäude waren damals, gemeinsam mit dem 1910 erbauten Loos-Haus am Michaelerplatz, die modernsten in Wien. Otto Wagner bewohnte im Haus Döblergasse die gesamte Beletage.

Im den Jahren 1912-1913 entstand die Lupusheilstätte, sie ist heute Teil des Wilhelminenspitals. Die Lupuskrankheit (Hauttuberkulose) war an der Wende zum 20.Jahrhundert weit verbreitet. Wagner entwickelte äußerst umsichtige zukunftsweisende Überlegungen für einen Umgang mit Kranken. Er schuf kleinere Raumeinheiten, wodurch er gewährleistete, dass „die Zahl der in einem Raume untergebrachten Kranken möglichst gering ist, um auch diesbezüglich der Individualität der Kranken Rechnung zu tragen.“

Die Villa Wagner II in der Hüttelbergstraße wurde in den Jahren 1912/13 ausgeführt, sie steht nur zwei Häuser weiter von der Wagner Villa I und ist kleiner als diese.

Bis 1912 war Wagner Professor an der Akademie der bildenden Künste, aus der einflussreichen Wagnerschule, die sich im Laufe seiner Professorenjahre herausgebildet hat, sind namhafte Architekten wie Max Fabiani, Rudolf Michael Schindler, Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbrich, Josef Plecnik, Franz und Hubert Gessner und Karl Ehn hervorgegangen.

Otto Wagner ist 11.04.1918 gestorben, er ist in der von ihm entworfenen Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof begraben.

Vergleicht man die frühen, noch ganz dem Historismus zugeordneten Bauten mit dem Häusern in der Neustift-/Döblergasse, wird die enorme Entwicklung deutlich die Wagner im Laufe seines Lebens vollzogen hat. In einem ist sich Otto Wagner jedoch immer treu geblieben: es ist die klare, disziplinierte Formensprache seiner Bauten.


Foto
Otto Wagner – Wikipedia
Aufnahme um 1910

Literatur
M. Pozzetto: Die Schule Otto Wagner: 1894–1912
ISBN-13: 978-3703105241

August Sarnitz: Wagner
ISBN-13: 978-3822828779

Walter Zednicek: Otto Wagner Zeichnungen und Pläne
ISBN-13: 978-3950036053

Museum
Wagner: Werk Museum Postsparkasse
Adresse: Georg-Coch-Platz 2, 1018 Wien
Telefon:059 9053 3825