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Dagobert Peche

der fantasievollste Künstler der Wiener Werkstätte

Dagobert Peche ist heute leider in Vergessenheit geraten, obwohl gerade er sehr vielfältige Talente im Kunsthandwerk besaß und mit seinen feinsinnigen Arbeiten vor allem Frauen ansprach. Dagobert Peche gestaltete Innenräume, er designte Möbel, Textilien, Schmuck, Keramin, Glas, Tapeten und Metall.

Dagobert Peche wurde am 3. April 1887 in St. Michael, Salzburg, geboren. 1906 übersiedelte Peche nach Wien um Architektur zu studieren. Die Zeit an der technischen Hochschule (1906 bis 1910), in der er Lehrver-anstaltungen Karl Königs, Max von Ferstels, Leopold Simonys und Eduard Veiths besuchte, tritt ab 1908 in den Hintergrund, da er sich ab dieser Zeit in die Architekturklasse Friedrich Ohmanns an der Akademie der bildenden Künsten einschreiben ließ, Ohmann übernimmt die Schirmherrschaft für Dagobert Peche und wird sein Förderer. In seiner Klasse konnte sich Peche entfalten und während diesem Architekturstudium hinterlässt er seine ersten künstlerischen Spuren.

Im Jahr 1910 reist er mit dem Architekturverein der Technischen Hochschule nach England. Als der Verein zur Feier seines dreißigjährigen Bestandes den „Wachauer Almanach auf das Jahr 1910“ herausgibt, ist Peche an der Gestaltung des Titelblattes, den Kalenderseiten und mehreren Architekturzeichnungen beteiligt. Dem Titel „Architekturzeichnungen“ aber werden die noch aus dem Jahr 1909 stammenden Darstellungen kaum gerecht, Peche liegt wenig daran architektonische Gegebenheiten zu konstatieren, im Gegensatz zu der neuen Wiener Bauschule des Begründers Otto Wagner, die für Disziplin, Form und Rhytmik steht. Das zeigt z. B. ein Blatt des Melker Gartenpavillons, der Bau zeigt verschiedenster Flächenstrukturen in romantisch-historisierender Ausführung, in dieser Zeit erfuhr er seine ersten Anerkennungen und das Lob seiner Lehrer.  1910 fuhr er als Teilnehmer einer Vereinsreise nach England, diese Reise prägte ihn für seine weiteren Interessen.

Mit dem Ende des Studiums an der Akademie erhielt er den „Rompreis“ und fuhr für ein halbes Jahr nach Paris, dort faszinierte ihn am meisten der Louvre mit seinen Möbel,Teppiche und der nationalen Malerei um Watteau. Besondere Anziehungskraft übten auf ihn zwei Meisterstücke der Gotik und des Barock: ein kleiner altfranzösischer Gobelin und ein Louis-Quinze-Stuhl, sie prägten ihn als angehenden Kunsthandwerkers. Bei der Rückkehr nach Wien unternimmt er einen Abstecher nach Darmstadt, um seine graphischen Zyklen „Liebe und Tand“ und „Die Schatulle“ dem Herausgeber der Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration“ Alexander Koch anzubieten, der Besuch bringt keinen unmittelbaren Erfolg. Jedoch 1913 nimmt Alexander Koch einen von Rene Delhorbe verfassten Artikel über Dagobert Peches an, zu dieser Abhandlung treten in den kommenden Jahren Beiträge von Autoren wie Berta Zuckerkandl, Leopold Wolfgang Rochowanski oder Willy Frank, die Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration“ wird jenes Organ, das die künstlerische Entwicklung Peches am detailreichsten kommentiert. Delhorbes Ausführungen sind zahlreiche Abbildungen beigefügt, die über Peches breitgefächerte Tätigkeit zwischen 1910 und 1913 aufzeigen. Weiters steht in Delhorbes Ausführungen: „Peches Schwerpunkt liegt nun eindeutig auf dem kunstgewerblichen Gebiet: Dosen und Tafelaufsätze, mit pointiert gesetzten Blüten, punktierten Linien dekoriert oder ganzheitlich von Blätterranken überzogen, sind zu sehen, Broschen werden mit rokokohaften Damen geziert und aus den Zyklen „Liebe und Tand“ und die „Puderquaste“ entnommenen Beispielen spricht der stilistische Rückgriff auf Aubrey Beardsley, dessen Frivolität Peche jedoch ins Dekorative und Liebliche kehrt“.

dem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt

Dagobert Peche, der im Jahr 1911 Josef Hoffmann kennengelernt hat, arbeitet nach der Rückkehr aus Paris als Entwerfer für die Firmen Johann Backhausen, Philipp Haas, die Wiener Keramik, die Wiener Porzellanmanufaktur Josef Böck, Thausig & Komp., Jul. Jacksch-Atzgersdorf sowie P. Piette-Bubentsch.

Im Jahr 1912 wendet er das Erlernte bei der Änderung der Hoffassade des Daberkowschen Wohnhauses (Nelly Daberkow war seine Ehefrau) in der Neubaugasse 29 an, dort befand sich auch sein Atelier, künftig gilt sein Interesse jedoch der Innenraumgestaltung – exakter bezeichnet – der Raumgestaltung.

Sehr große Aufmerksamkeit erweckt er durch die Teilnahme an der im Mai 1913 im Österreichischen Museum stattfindenden Ausstellung der „Österreichischen Tapeten-, Linkrusta- und Linoleumindustrie“ durch seine graziöse Tapetenmuster aus ovalen Blütenbündeln auf gestreiftem Grund oder aus Füllhörnern in geschwungenen Rauten bestehenden Tapetenmuster. Der dem Ausstellungskomitee angehörende Josef Hoffmann lädt Peche, der durch die Eigenart und Vielfalt der präsentierten Tapeten und Möbel auf sich aufmerksam macht, 1914 zur Installierung der österreichischen Abteilung der Internationalen Kunstausstellung in Rom und in der Folge zur Mitarbeit am österreichischen Haus der Kölner Werkbundausstellung ein. Gegensätzliches bestimmt nicht nur das Verhältnis der Ausdrucksformen Hoffmanns und Peches in dieser Zeit, sondern auch Peche selbst bezieht die Wirkung seiner Raumgestaltungen aus dem gekonnten Einsatz von Kontrasten, wie etwa ein „Damenboudoir“ Peches, dessen Konzeption in krassem Gegensatz zur Strenge des von Josef Hoffmann gestalteten Außenbaus steht.

Die Modeausstellung im Jahr 1915 im Österreichischen Museum bildet die nächste Station der Raumkunst Peches. Die Säulenhalle des Museums wird durch ihn zu einem von dunklen Tapeten mit inselhaft verteilten Bouquets begrenzten Umhang, in dem sich in rhytmischem Wechsel spannungsreich hell erleuchtete Vitrinen öffnen. In dieser Ausstellung fällt der Ornamentiker Peche wieder durch seine Form auf, die dem erstarrten Kunsthandwerk neues und lebendiges Leben einflößte.

Seit Jahresbeginn 1915 ist Peche Mitarbeiter der Wiener Werkstätte, im Rahmen der Wiener Werkstätte erhält er Gelegenheit, seine künstlerischen Absichten in den verschiedensten Materialien, in der neuen Stilistik und dem feminin ausgerichteten Konzept zu präsentieren, fachkundige Unterstützung in der Ausführung der Entwürfe, die er z. B. durch den Elfenbeinschnitzer Friedrich Nerold erhält, erweitert seinen Handlungsspielraum.

Notiz des Künstlers
„Kunst ist das Bestreben, die unsichtbaren Rhytmen, welche uns umgeben, zu ahnen, ihr Gesetz zu finden, das Chaos zu klären“.

Die Etablierung Peches in der Wiener Werkstätte unterbricht ein Militärjahr, anschließend bestellt man ihm im Jahr 1917 zum Leiter der neugegründeten Wiener Werkstätte-Filiale in Zürich, welcher Peche in der Ausstattung des Verkaufsraumes sofort ein unnachahmliches Gepräge verleiht, in den Jahren 1917 bis 1919 entstand eine Vielzahl exquisiter Schmuckstücke in den erlesensten und hochwertigsten Materialien in Dagobert Peches präziser, filigraner und einzigartiger Ausdrucksweise. Die geschwungenen Möbel der Tapetenausstellung 1913 sind beinahe vergessen, der Raum ist von sparsam ornamentierten kubischen Elementen durchdrungen, über die sich üppige Fruchtgirlanden und Tüllvorhänge hinwegsetzen. Kuben, Fruchtgirlanden und ein nacktes Mädchen über der Tür, die Dreiheit von Architektur, Vegetation und Mensch, verbindet Peche unter dem Deckmantel eines genialen und beeindruckenden Ladeninterieurs.

Das Schwarz-Weiß-Gold seiner frühen Werke hat keine Geltung mehr, das Ombré, schattierte Farbharmonien, sind an seine Stelle getreten. Daphne, die sich dem Zugriff des Apollo durch die Verwandlung in einen Lorbeerbaum entzogen hat, ist für Peche mehr als ein Motiv, das durch die Mitarbeiterinnen Louise Leonore Maas und Charlotte Billwiller in Tüll oder Seide umgesetzt werden kann. Dagobert Peches Damen sind halb Kind und Kinder sind halb Damen. Körperlose Wesen, Köpfe, von Blättern umsponnen, von Schleiern verhüllt, beleben Stickereien und Zeichnungen. Ein goldener Apfel der Verführung hat jene zugespitzten Blätter, die Peches Kunst um 1919 durchsetzen, und wird dadurch selbst für die Trägerin zu einem gefährlichen Objekt.


Im Dezember 1919 wird Peche nach Wien zurückberufen. Er, der durch den Züricher Aufenthalt von den Wirkungen des Krieges einige Zeit verschont geblieben ist, bekommt das Nachkriegselend nun um so mehr zu spüren. Ein nahezu dem Verfall preisgegebenes Haus in Ober St. Veit ist das einzige Quartier, das er für sich, seine Frau und die beiden Töchter finden kann. Durch die widrigen Umstände und der Feuchtigkeit des Hauses erkranken Peche, seine Frau und Kinder, er begegnet dem Elend durch doppelte Aktivität und nimmt an der Kunstschau 1920 teil, fertigt sein bravouröses Ehrengeschenk zu Josef Hoffmanns 50. Geburtstag und reist 1921 nach Köln um in der Firma Flammersheim & Steinmann die Ausführung einer Serie neuer Tapeten zu überwachen. In den Einrichtungsgegenständen für Ing. Ast und in der Wohnung Wolko Gartenberg äußern sich die neuen Tendenzen seiner Kunst, die räumlichen und plastischen Empfinden eine weit größere Bedeutung zugestehen als bisher. Eine Serie von Spiegelrahmen, ausgeführt in der Wiener Werkstätte und in der Firma Max Welz, bildet den Teil einer Auslese, die sein Schaffen in den letzten Jahren dokumentiert.

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Bereits schwer erkrankt fährt Peche noch zur „Deutschen Gewerbeschau“ 1922 nach München, dann zwingen ihn ständige Fieberanfälle ins Sanatorium Aflenz. Das Bemühen seines Freundes Josef Urban, durch eine Sammlung in New York bessere Lebensumstände für Peche herbei-zuführen, kommt beinahe zu spät. Ein Haus wird angekauft, Peche wird dorthin gebracht, ans Bett gefesselt entwirft er noch Skizzen für die Inszenierung des Richard Strauss-Baletts „Schlagobers“, bevor er am 16. April 1923 stirbt, sein Grab befindet sich am Hietzinger Friedhof, Gruppe 10, Nr. 81.

Dagobert Peches schöpferische Phantasie und Ornamentik belebte alle kunstgewerblichen Teilgebiete und er fand für jedes Material und jede Technik neue Möglichkeiten der dekorativen Gestaltung durch ansprechende Stoffmuster und Farben für die Tapetenindustrie, den Stoffdruck, der Spitzenklöppelei und Stickerei. Durch seine Originalität und einzigartige Formensprache beeinflusste er die Goldschmiedekunst und Elfenbeinschnitzerei, Spiegelrahmen und Möbelformen, Keramik und Metallwaren, Papierindustrie und Mode im Kunsthandwerk.

Foto
aus dem Buch: Eine Auswahl seiner Werke von Max Eisler

Literatur

Dagobert Peche und die Wiener Werkstätte, Die Überwindung der Utilität von Peter Noever, Wien 1998
ISBN-13: 978-3775707534

Dagobert Peche. Eine Auswahl seiner Werke von Max Eisler
Wien-Leipzig, 1925
ASIN: B007Y09TCY

Wiener Werkstätte, Avantgarde – Art déco – Industrial Design von Waltraud Neuwirth, Wien1986
ISBN-13: 978-3900282226

Weblinks

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