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Hohe Brücke

moderne Eisenkonstruktion der Jahrhundertwende

die Hohe Brücke befindet sich in der Inneren Stadt und bildet eine Verbindung über den Tiefen Graben, das Jugendstiljuwel wurde in den Jahren 1903/1904 erbaut. Es ist an diesem Ort nicht die erste Hohe Brücke, Brücken haben hier eine lange Tradition und es gab hier schon zwei Vorgängerinnen:-), ihren Namen erhielt sie aufgrund ihrer hohen Lage.

die Geschichte der Hohen Brücke

Schon in der Römer- und Babenbergerzeit überspannte eine Brücke den Tiefen Graben, dieser war kein Stadtgraben wie sehr oft angenommen wird, er ist das ehemalige Bett des Ottakringerbaches, in das später ein Arm des Alser-Baches geleitet wurde. In der Zeit Babenberger befand sich zwischen Wipplingerstraße 21 und 22 ein Tor der Burgmauer, heute erinnert eine Tafel am Haus Wipplingerstraße 22 mit der Inschrift: „Hier stand zur Zeit der Babenberger ein Stadtthor“. Die ersten Aufzeichnungen über die Brücke stammen aus dem Jahr 1295, sie war damals eine Holzkonstruktion und wurde schon damals als Hohe Brücke bezeichnet. Erst im 15. Jahrhundert, seit der Ableitung des Alserbaches war sie eine gemauerte Brücke mit einem Spitzbogen.
Im 18. Jahrhundert, in der Zeit Leopold des I., wurden von den Theatinern die Statue des Schutzpatron der Brücken, der hl. Nepomuk, und auf der anderen Seite die Statue des hl. Kajetan von Tiene aufgestellt, dieser hatte 1524 den Theatinerorden gegründet. Das 1707 erbaute Kloster der Theatiner grenzte direkt an die Hohe Brücke, im Jahr 1725 wurde dann die Johanneskapelle erbaut, sie besaß an jeder Seite eine Tür, von dieser gelangte man über die überdachten Gänge zum Tiefen Graben, später wurden sie durch eine Stiege ersetzt, die zu dem Haus „Zum Bacchus“ führte. Nach dem Niedergang des Ordens im 18. Jahrhundert, wurde das Kloster unter Kaiser Joseph II. außer Kraft gesetzt.

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Da die Wipplingerstraße verbreitert wurde und die alte Brücke sehr desolat war, wurde sie im Jahr 1857/1858 durch eine neugotische Brücke ersetzt. Der Brückenbogen hatte die Form eines Tudorbogen, das Geländer war eine steinerne Brüstung, diese war an beiden Seiten mit den Wappen von Wien und Niederösterreich mit der Jahreszahl 1858 verziert, während dem neuen Bau wurde die Johanneskapelle entfernt. Diese Brücke hielt aufgrund des vermehrten Verkehrsaufkommens nur fünfundvierzig Jahre stand.

das heutige Jugendstil-Juwel

die neue Hohe Brücke wurde in den Jahren 1903/1904 nach den Plänen von Josef Hackhofer (Architekt des „Husarenhaus“ am Graben 18 / Kohlmarkt 1) und Karl Christl im Jugendstil erbaut, die Stahlkonstruktion wurde von Anton Biró (heute Waagner-Biro) und Hofbaumeister Heinz Gerl ausgeführt. Die Hohe Brücke ist eine Eisenkonstruktion mit einer Spannweite von 15 Metern, diese waren um die Jahrhundertwende sehr modern, wie am Beispiel des Eiffelturms oder des Wiener Riesenrades sieht, die neue Hohe Brücke war auch wesentlich länger und weiter als die Brücken. Am 11. März 1904 fand die Schlusssteinlegung mit Bürgermeister Dr. Karl Lueger statt, an einem der Brückenpfeiler befindet sich eine Gedenktafel.
Die Stirnflächen der Brücke sind mit Marmor verkleidet, sie wurden mit Gravuren der früheren Brücken, den Jahreszahlen 1782-1857 und 1858-1903, in denen sie entstanden und demontiert wurden, und den Wappenschilden von Wien und Niederösterreich versehen. Die inneren Seitenwände haben die Optik von Geschäftsportalen mit Rollläden, sie dienen aber nur der Verzierung. Die beiden Stiegenanlagen führen von der Wipplingerstraße hinunter auf den Tiefen Graben und umgekehrt.
In den Jahren 1979 bis 1981 wurde die Brücke saniert, 1996 erfolgte eine neuerliche Renovieung.

Die Hohe Brücke sieht in der Nacht besonders schön aus und erstrahlt den Tiefen Graben mit etwa 3.000 Watt, sie ist eines der schönsten technischen Jugendstilbauten und steht unter Denkmalschutz. Von dem Haus Wipplingerstraße 22 überblickt stolz ein großer Rauchfangkehrer die Hohe Brücke, Wipplingerstraße und den Tiefen Graben, man erwartet sich unter ihm die Innung der Rauchfangkehrer oder ein Geschäft desselben, weit gefehlt – der große Mann ist das Werbesymbol der Geschäftsstelle der Klassenlotterie „Hohe Brücke“ und soll symbolisch Glück bei einem Klassenloskauf bringen.

Wenn ihr auf der Hohen Brücke Richtung Donaukanal blickt, dann werft einen Blick auf die rechte Seite des Tiefen Graben, hier steht das bekannteste und älteste Stundenhotel von Wien, es wurde 1901 errichtet und 1912 im Jugendstil neu fassadiert.

Adresse

Wipplingerstraße 23, 1010 Wien

Wiener Linien: U1 und U4 bis Schwedenplatz

Öffi-App

Literatur

Harald Jahn, Isabella Ackerl: Unbekanntes Wien: Verborgene Schönheit. Schimmernde Pracht,2010
ISBN 978-3854315131

Henriette Mandl: Wiener Altstadtspaziergänge, 2001
ISBN-13: 978-3800038282

Manfred Wehdorn und Ute Georgeacopol-Winischhofer: Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich, 1997
ISBN-13: 978-3205072027

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