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allwo die Kuh am Brett spielt

oder auch „wo die Kuh am Brett spielt“

das nur mehr teilweise erhaltene Fresko befindet sich auf dem Haus in der Bäckerstraße 12, es war von 1374 bis 1386 im Besitz des Wiener Bürgermeister Konrad Vorlauf (nach ihm wurde die Vorlaufstraße in der Inneren Stadt benannt) war. Im Innenhof des Renaissance-Bürgerhaus sind Mauersteine aus dem 13. Jahrhundert und original erhaltener frühgotischer Verputz sowie eine rote Fugenmalerei zu sehen.
Das Fassadenfresko „allwo die Kuh am Brett spielt“ ist wahrscheinlich im 16. Jahrhundert entstanden und war bis ins 18. Jahrhundert ersichtlich, dann wurde die Fassade neu gestaltet und das Fresko verschwand unter dem neuen Fassadenputz, es wurde erst wieder bei Renovierungsarbeiten im Jahre 1987 sichtbar.
In der Zeit als das Fresko zu sehen war, wurde es von den Wienern „allwo die Kuh am Brett spielt“ genannt, das Hauszeichen zeigt eine bebrillte Kuh die mit einem Wolf am Brett spielt, durch denn später angebauten Vorbau ist leider der Wolf fast verschwunden, es ist nur noch seine Schnauze zu sehen.

die Wiener Fabel über das skurille Fresko

oder die Kontroversen zwischen den Protestanten und Katholiken,
der Wolf sagt zur Kuh: „Ich wirf darein, Dein Haut g`hert mein.“ Die Kuh antwortet: „Pral nicht so g`schwind im Spielen! Dein Unglück kannst bald fühlen.“ Zwischen ihnen steht ein Kürschner mit einer Fliegenklatsche: „Ich weht, und leucht`, erwart die Zeit; Wie sich wird enden euer Streit.“ Die Inschrift spricht auch von einem Jäger mit seinem Hund, die beiden scheinen in dem dem heutigen Fresko leider nicht mehr auf.

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Auf den ersten Blick ist es nur eine amüsante Wiener Fabel, aber dieses Fresko hat eine tiefere Bedeutung und versinnbildlicht den Streit zwischen den Katholiken und Protestanten im 17. Jahrhundert. Die bebrillte Kuh stellt die Katholiken dar, der Wolf die Protestanten, der Kürschner, der Jäger und sein Hund stellen die gierigen, abwartenden Rechtsanwälte und Stadträte dar, die sich anschließend auf die Seite des Gewinners schlagen und die Fliege zeigt die Geistlichkeit, die hilflos dem Spiel der beiden zusieht. Die „geistliche“ Fliege ist neben dem Kopf der Kuh noch deutlich sehen.

beliebten Fresken in der Zeit der Reformation und Gegenreformation

Es muß in Wien mehrere Häuser mit ähnlichen Namen gegeben haben, wie z. B. die Hausbezeichnung „Wo der Wolf den Gänsen predigt“ in der Wallnerstraße 11 (das Original befindet sich im Wien Museum), in diesem Haus soll es auch zu geheimen protestantischen Treffen und Predigten gekommen sein, das Fresko ließ später ein katholischer Hauseigentümer anbringen und zeigt den protestantischen Wolf der vor naiven katholischen Gänsen predigt, um sie dann zu reißen.
Die Hausbezeichnung „Wo die Böck` aneinander stoßen“ war ab etwa 1690 in der heutigen Postgasse 1 angebracht, dieses Fresko bezog sich ebenfalls auf die Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten, das Haus wurde 1803 abgeriessen.
Die Bezeichnung „Allwo der Esel in der Wiege liegt“ (es befand sich am Haus in der Kärntner Straße 21) erhielt das Haus im Jahr 1598, es gehörte dem protestantische Bäckermeisters Melchior Khlesl, zur Amtseinführung seines ältesten Sohnes Melchior Khlesl zum (katholischen) Bischof von Wien, hier dürfte es sich um Spöttereien der Protestanten handeln. Das Gebäude wurde 1945 im zweiten Weltkrieg zerstört.

Das Hauszeichen wurde leider bei der letzten Renovierung vor ca. 3 Jahren verunstaltet und ist nicht mehr wiederzuerkennen, nicht das schnelle Geld mit Luxus- und Dachgeschosswohnungen zeigen gelungene Sanierungen, es sind die Details die eine behutsame und gelungene Renovierung ausmachen.

Adresse

Bäckerstraße 12, 1010 Wien

Wiener Linien

U3 bis Stubenring, U1 bis Stephansplatz

Öffi-App

Literatur

Henriette Mandl: Wiener Altstadtspaziergänge, 2001
ISBN-13: 978-3800038282

Autoren Felix Czeike, Helga Czeike: Wien: Kunst, Kultur und Geschichte der Donaumetropole, 1999
ISBN: 9783770143481

Weblinks

https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Allwo_die_Kuh_am_Brett_spielt

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/wien/1_bezirk/kuh_am_brett.html

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