Wiener Seelen

was macht sie aus

Hier versuche ich als Wienerin die Wiener Seele halbwegs objektiv zu beschreiben, ob es mir als „Betroffene“ gelingt werden eure Reaktionen zeigen:-)

Den Wienern werden viele ihnen typische Eigenschaften zugeordnet, manche sind positiv und manche wieder sind negativ, aber gibt es wirklich einen so großen Unterschied zu den anderen Bundeslandbewohnern?
Ich denke dass es ihn gibt, da das Leben in der größten Stadt Österreichs mit ca 1,8 Millionen Einwohnern anders verläuft als in einem idyllischen Dorf mit 700 Einwohnern (nicht negativ gemeint), durch den großen Zuzug aus den Kronländern während der Monarchie erhielt Wien eine kulturelle Prägung, die bis heute in der Sprache, in der Küche und der Lebenseinstellung zu finden ist.

wie tickt die Wiener Seele

Die Wiener Seele ist gutmütig, etwas fatalistisch, lebenslustig, bequemlichkeitsliebend und läßt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen, Ruhe ist eine sehr wichtige Eigenschaft für die WienerInnen und daher wollen sie sich auch meist nicht mit Veränderungen anfreunden. Das Raunzen (nörgeln, jammern) hat in Wien Tradition und wird auch dementsprechend gepflegt;-), schon um die Jahrhundertwende waren die WienerInnen etwa mit architektonischen Veränderungen nicht zu begeistern, wie etwa das schnörkellose Looshaus am Michaelerplatz, es wurde „Haus ohne Augenbrauen“ genannt oder die Wiener Secession, diese wurde „Krauthappel“ (Kohlkopf) genannt. Eine der letzten großen Aufreger waren die Veränderungen der Mariahilferstraße zur Begegnungszone oder die Ampelpärchen in diesem Jahr, letztendlich wurden und werden jedoch die meisten Veränderungen vom Großteil der Wiener Bevölkerung doch angenommen und oft gefallen sie später sogar sehr gut.
Eine typische Eigenheit der Wiener Seele ist der Schmäh, einer der vielen Charakteristika der WienerInnen sind Humor, Lebenslust, Selbstironie, sich selbst und viele Situationen nicht als allzu wichtig zu betrachten. In gewisser Weise ist er ein Lebenskünstler, das zeigt sich in dem oft verwendeten Satz „schau ma mal“ und zeigt die Leichtigkeit des Seins, also ein gewisses Savoir-vivre;-)

Die WienerInnen sind im Grunde sehr friedliebend und gemütlich, da ihnen, wie schon oben erwähnt, ihre Ruhe sehr wichtig ist, aber die kleinen Unannehmlichkeiten des Alltags sorgen doch oft für kurzfristige Aufregungen. Die meisten lieben ihre Traditionen und sind auch sehr stolz daruf, diese ist aber nicht mit den üblichen Klischees zu verwechseln wie die der täglich Schnitzel essenden, Wein trinkenden und Walzer tanzenden WienerInnen.

Der Tod ist zwar ein Tabuthema, doch in keiner anderen Stadt wird so geliebäugelt mit ihm wie in Wien, aber keine Sorge, Ihr müßt das Thema nicht aufgreifen wenn Ihr mit WienerInnen ins Gespräch kommt.
Mehr zu diesem Thema in einem anderen Beitrag.

Abonniere Wien Bilder » Wienerisches per E-Mail

Wiener Seelen lieben ihre Theater, Oper und Ihre Künstler (entweder hassen sie den Künstler oder sie lieben ihn), im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhundert war es fast schon eine kultische Verehrung, die heute zwar nicht mehr kultisch ist, aber eine gewisse Verehrung gibt es bis heute.

das goldene Wienerherz

manchesmal ist es sehr rasch zu finden oder macht sich gleich bemerkbar, manchesmal ist es etwas verborgen und es muß zuerst die rauhe Schale aufgekratzt werden bis es zum Vorschein kommt. Sehr oft ist bei den grantigen (schlecht gelaunt, mürrisch) und raunzenden Wienern sehr viel vom goldenen Herzen zu finden, daher lohnt es sich den Menschen hinter seiner raunzenden Schale oder seiner grantigen Fassade etwas besser kennenzulernen. Ihr werdet erstaunt sein, welch interessante und humorvolle Persönlichkeiten bei dem Grantler zum Vorschein kommen. Also lasst euch von der grantelnden Fassade nicht beirren, es steckt oft viel mehr Herzlichkeit dahinter als in der oberflächlich, vordergründigen Freundlichkeit mit dem aufgesetzten Dauergrinser.

Zitate über Wien

Karl Kraus „Der Wiener geht nicht unter.« Hoffnung oder Drohung? Vielleicht nur eine Höflichkeit, für »Unkraut verdirbt nicht“

Arthur Schnitzler „Die Kennworte des Wieners: Wie komm denn i dazu? Es zahlt sich ja net aus! Tun S‘ Ihnen nix an!“

Georg Kreisler „Wien bleibt Wien, das ist grad das Schöne dran. Wien bleibt Wien, daß man sich dran g’wöhnen kann“

Foto
Carsharing Drive Now