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Gustav Mahler

Genie und Perfektionist

er war Wegbereiter der Wiener Schule und der bedeutendste Komponist der romantischen Symphonie, als erster Kapellmeister und Direktor der Wiener Hofoper gelang ihm mit seiner Opernreform das Musiktheater zu entrümpeln und zu revolutionieren, Gustav Mahler gilt heute als einer der interessantesten Komponisten der Moderne.

Mahler wurde am 7. Juli 1860 in Mähren, in der Stadt Kalischt (heute Tschechische Republik) in eine jüdische Gastwirtfamilie hineingeboren. Er ist einer der wichtigsten Komponisten und Dirigenten seiner Zeit und erzielte neben seiner Musik durch zahlreiche Novellierungen am Musiktheater prägende Reformen. Er war einer der berühmtesten Dirigenten seiner Zeit und als Operndirektor ein bedeutender Reformer des Musiktheaters.
Schon im zarten Alter von vier Jahren erhielt der kleine Gustav Akkordeonunterricht und später Klavierunterricht, schon zwei Jahre später komponierte er seine ersten Stücke, die aber leider nicht erhalten blieben. Das Kind Gustav Mahler war sehr belesen und hörte gerne Volks- und Tanzmusik, Militärmusik und jüdische Musik, diese prägte ihn und seine späteren Werke.

die ersten musikalischen Schritte

Sein Debüt als Pianist gab er mit zehn Jahren, mit zwölf Jahren gab er Konzerte mit anspruchsvollen Stücken von Franz Liszt und Sigismund Thalberg, hier zeigte erschon sehr früh sein großes Talent.

Drei Jahre studierte er am Wiener Konservatorium bei Julius Epstein Klavier und bei Franz Krenn Komposition, ein Jahr später gewann das junge Genie in beiden Fächern den ersten Preis.

Im Jahre 1878 schrieb er den Text für „Das klagende Lied“ nach dem Märchen in der Bechstein-Sammlung, im gleichen Jahr beendete er das Kompositionsstudium erfolgreich und gewann mit einem Klavierquintett den ersten Preis.

Gustav Mahler wohnte Vorlesungen von Bruckner bei und studierte einige Semester Musikgeschichte bei Eduard Hanslick.

Mahlers Werdegang von 1880 bis 1896

im Jahr 1880 trat er im Oberösterreicher Sommertheater Bad Hall die Stelle als Kapellmeister an, danach spielte er in Laibach, Olmütz, Kassel, Prag, Leipzig und Budapest. In Kassel lernte der junge Mahler die berühmte Mezzosopranistin der Wiener Hofoper kennen und lieben, später heiratete sie den sehr bekannten Musikkritiker Dr. Hans Paumgartner und auf Grund seiner Einflußnahme wurde Mahler nach Wien berufen. Im Jahr 1888 wurde er in Budapest Königlicher Operndirektor, hier begann auch sein großartiges Schaffen, er komponierte die 1. Symphonie und zwei Jahre später lernte er Johannes Brahms kennen. Im Sommer bevorzugte er Rückziehungsorte um dort ungestört zu arbeiten, unter anderem auch in den Komponierhäuschen in Steinbach am Attersee, Maiernigg am Wörthersee und in Toblach.
Ab 1891 war er sechs Jahre erster Kapellmeister am Stadttheater in Hamburg, hier erlebte er einen kometenhaften Aufstieg am Hamburger Opernhimmel und legte den Grundstein für einen neuen Musikthaterstil. Er dirigierte in den Jahren1894/95 138 von 367 Vorstellungen, weiters acht Philharmonische Konzerte und im selben Jahr wurde seine 2. Sinfonie fertig, in Berlin leitete er die Uraufführung der ersten drei Sätze und komponierte in nur wenigen Wochen fünf Sätze der 3. Sinfonie, heute würde Gustav Mahler als Workalcoholic bezeichnet werden.
In seiner Hamburger Zeit befreundete sich Mahler mit dem jungen Bruno Walter, dieser erhielt in dieser Zeit als Chorleiter ein Engagement am Stadttheater. Walter folgte ihm als zweiter Kapellmeister nach Wien und setzte sich sein ganzes Leben für die Musik Gustav Mahlers ein.

Wiener Jahre als Hofoperndirektor

Johannes Brahms war ein sehr großer Befürworter das der Posten des Hofoperndirektors mit dem Wagnerianer Mahler besetzt wird, aber Cosima Wagner setzte alle Hebeln in Bewegung damit der Jude Gustav Mahler diese Stellung nicht bekam. Mahler ließ sich aber 1897 taufen, somit stand den Verhandlungen nichts mehr im Wege und am 11. Mai 1897 war es soweit, Gustav Mahler hatte die großartige Stellung des ersten Kapellmeisters und Hofoperndirektors und dirigierte zum Debüt den Lohengrin.

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Karl Kraus äußerste zu Mahlers Antritt als Hofoperndirektot folgende Prophezeiung: „Mit Siegfriedsallüren ist in das Opernhaus dieser Tage ein neuer Dirigent eingezogen, dem man es vom Gesicht ablesen kann, dass er mit der alten Misswirtschaft energisch aufräumen wird…Der neue Dirigent soll bereits so effektive Proben seiner Thatkraft abgelegt haben, dass schon fleißig gegen ihn intrigiert wird.“

Mahler hatte bei einer Secessionsaustellung die Bühnen-Maquette zu dem ersten Tristan-Akt von Alfred Roller gesehen, daraufhin holte Alfred Roller den Secessionisten und bildenden Künstler an die Hofoper und setzte mit ihm seine Opernreform durch. Diese stieß natürlich auf heftigen Widerstand der Wiener, Mahlers Plan war es, die Vorführungen auf einer minimalistischen Opernbühne zu spielen, um den dramatischen Effekt und die Leidenschaft der Scenen in den Focus zu stellen. Roller setzte Mahlers Idee mit der ersten Stilbühne zu „Don Juan“ hervorragend um, sie wurde dann von allen Opernhäusern aufgenommen, und Wien war mit dieser Umsetzung in zwei fanatische Lager geteilt: die Mahlerianer und Antimahlerianer.

das Haus Auenbruggergasse 2 in dem Gustav Mahler 9 Jahre wohnte

auenbruggergasse 2 gustav mahler,wien-bilder

Was Mahlers Wirkung ausmachte, war seine leidenschaftliche Sehnsucht, eine tiefe und echte Kunstwahrheit sowie eine Ergriffenheit in den Sängern und Publikum zu wecken, er empfand die Oper aus dem Instrumentalen und nicht aus dem Arioso. Pathetische Gesten der Sänger in überladenen Kostümen und Bühnenbildern waren ihm zuwieder und mit Roller entrümpelte er jahrzehntelange Routine Schlamperei und Bequemlichkeit. In seiner zehnjährigen Zeit als Hofopernintendant genoß das Haus eine Hochblüte und den Beginn der neuzeitlichen Operninszenierung, in dieser Zeit unternahm Mahler zahlreiche Konzertreisen durch ganz Europa, hier gewann er enthusiastische Anhänger in Europa und auch in den USA.
Mahlers Ungeduld mit Sängern und Orchestermitgliedern, die seinen Ansprüchen nicht genügten, die Intrigen der vorhin genannten, besonders die des Orchesters, machten ein Zusammenwirken nicht einfach. Hindernisse und Streitigkeiten seiner Vorgesetzten, eine Pressekampagne gegen ihn mit antisemitischen Tendenzen veranlassten Mahler zu seinem Entlassungsgesuch.

Gustav Mahler wohnte von 1898 bis 1909 in der Auenbruggergasse 2, ab 1900 gemeinsam mit Alma, das Haus wurde von Otto Wagner entworfen.

Alma Schindler

Im November 1900 lernte Mahler die 21 jährige Alma Schindler, Stieftochter von Carl Moll, im Salon von Bertha Zuckerkandl kennen, der sonst sehr introvertierte und fast schon schüchterne Mahler, der kaum Einladungen wahrnahm, war von der Ausstrahlung der jungen und schönen Alma fasziniert. Alma wiederum fühlte sich von der Persönlichkeit Mahlers angezogen und es schmeichelte ihr dass sich der bekannte Dirigent und ihr Idol für sie interessierte, schon nach drei Wochen waren die beiden verlobt und der 19 Jahre ältere Mahler vergaß seine asketische Lebenseinstellung. Im März 1902 wurde geheiratet und Alma Mahler fügte sich den konservativen Vorstellungen ihres Mannes, dieser bestand darauf dass sie nicht weiter komponierte und sich ihren Aufgaben als Ehefrau und Mutter widmete.

Mahler hatte ein riesiges Arbeitspensum und daher sehr wenig Zeit für Besuche bei Freunden und anderen Vergnügungen, während der Ferien arbeitete er in dem für ihn gebauten Komponierhäuschen bis spät in die Nacht, Alma fühlte sich vernachläßigt und ging 1910 mit dem Architekten Walter Gropius eine Liason ein. Mahler erfuhr davon, aber die Beziehung zu Gropius führte sie dennoch weiter.
Alma und Gustav Mahler hatten zwei Töchter namens Maria Anna (1902) und Anna Justina (1904).

Übersiedlung in die USA

Da Mahler 1907 die Hofoper verließ und sehr gute Kontakte in den USA hatte, unterschrieb er einen Vertrag mit der Metropolitan Opera in New York, zu dieser Zeit verstarb ihre gemeinsame Tochter Maria Anna plötzlich an Diphtherie und bei Gustav Mahler wurde eine Herzkrankheit diagnostiziert, beides trieb ihn zu Verzweiflung. Trotzdem schonte er sich nicht, er verarbeitete seine Erlebnisse stets mit Musik und widmete sich wieder sehr intensiv der Musik und dem Komponieren, so entstand das „Das Lied von der Erde“, die 9. Sinfonie und ein Entwurf der 10.Sinfonie.
Die Mahlers reisten 1907 von Wien ab, im Jahr 1908 dirigierte er das erste Mal an der New Yorker Met, seine Musik wurde mit Begeisterung aufgenommen und gefeiert, was seiner in Wien verletzten Seele sehr gut tat.
1909 vollendete Mahler seine 9. Sinfonie, das einleitende Andante wird von vielen als das schönste Stück Mahlers bezeichnet, in diesem Jahr legte er, auf Grund seines schlechten Allgemeinzustands seine übrigen Verpflichtungen zurück und widmete sich nur mehr der Tätigkeit als Konzertdirektor.

Mahlers Neunte

Das „Lied von der Erde“ wäre Mahlers 9. Sinfonie gewesen, aber da er abergläubisch war, da weder Schubert, Bruckner, Beethoven oder Dvorak die 10. erreicht hatten, schrieb er 1908 das „Lied von der Erde“ als 9. Sinfonie, strich aber dann die Zahl wieder durch und meinte bei der 1909 folgenden Neunten: „Eigentlich ist es ja die Zehnte, weil das Lied von de Erde ja meinen Neunte gewesen ist.“ Im Jahr 1910 arbeitete er an der 10. Sinfonie und meinte dazu: „Jetzt ist für mich die Gefahr vorbei.“ Gustav Mahler erlebte weder die Uraufführung „Lied von der Erde“ noch die 9. Sinfonie, die 10. blieb unvollendet. Seine Furcht und sein Aberglaube, das kein großer Musiker die 10. Sinfonie erreicht, hatten sich leider erfüllt.

Gedenktafel Gustav Mahler am Haus Auenbruggergasse 2

gedenktafel gustav mahler,wien-bilder

das letzte Jahr

In seinem Todesjahr gab es auch in New York Schwierigkeiten mit dem Orchester, aber die Uraufführung der 8. Sinfonie im September 1910 in München war ein triumphaler Erfolg. In diesem Jahr erfuhr er von der Liebesaffäre Almas mit Walter Gropius, das wirkte sich sehr negativ auf seinen labilen psychischen Zustand aus und er konsultierte dafür sogar Sigmund Freud, es blieb aber bei einer Sitzung.

Schon todkrank kam Gustav Mahler mit Alma nach Wien, als die Presse verkündete das Mahler schwer krank sei, ergriff Wien eine tiefe Trauer, genau die Menschen die ihm in Wien das Leben schwer machten, trauerte jetzt um ihn.Ist das nicht typisch für die Wiener?

Am 18. Mai 1911 starb Gustav Mahler an Endokarditis im Sanatorium Loew in Wien, auf seinem Begräbnis gab es ein riesiges Blumenmeer und jede/r wußte nur gutes von dem Verstorbenen zu sagen.

Zitat Alexander Girardi (österreichischer Schauspieler 1850 bis 1918): „Ja, im Aufbahren waren die Wiener immer groß!“

Das Grab von Gustav Mahler befindet sich am Grinzinger Friedhof, Gruppe 6, Reihe 7, Nr. 1

Werke Gustav Mahlers

Foto
gemeinfreies Foto Gustav Mahler von Wikipedia

Literatur

Franz Willnauer: Gustav Mahler: die Hamburger Jahre. Hoffmann und Campe, Hamburg 2011
ISBN 978-3-455-50196-4

Franz Willnauer: Gustav Mahler und die Wiener Oper, Wien 1993
ISBN 3-85409-199-0

Helmut Brenner, Reinhold Kubik: Mahlers Welt. Die Orte seines Lebens, St. Pölten/ Salzburg 2011
ISBN 978-3-7017-3202-9

Hans Bankl: Kolumbus brachte nicht nur die Tomaten: Geschichten hinter der Geschichte Gebundene Ausgabe, 2002
ISBN: 978-3218007092

Bertha Zuckerkandl: Österreich intim: Erinnerungen 1892 bis 1942, 2013
ISBN-13: 978-3850028363

Weblinks

https://www.gustav-mahler.org/

monumentaler dampfschornstein parlament,wien-bilder

Dampfschornsteine

die vergoldeten Dampfschornsteine des Wiener Parlaments

Sie sind nur sehr wenig bekannt, obwohl die 32m hohen Dampfschornsteine von vielen Blickwinkeln prachtvoll (besonders bei strahlenden Sonnenschein) entgegenblitzen. Seit dem Jahr 2006 glänzen die beiden Dampfschornsteine, auf Grunde der Renovierung und Herstellung in den vergoldeten Originalzustand, wieder in voller Pracht und Herrlichkeit. Zuvor sind sie kaum jemanden aufgefallen, da sie leider grau übermalen waren.

Der Baumeister und Architekt Theophil Hansen erhielt 1873 den Auftrag für den Bau des Parlaments im griechisch-klassischen Stil, er entwarf auch die Dampfschornsteine, die gusseisernen Zieraufsätze wurden 1881 vom Bildhauer Hugo Härdtl modelliert und anschließend in der Fürst Salmschen Eisengießerei Blansko in Mähren gegossen.
Dampfschornsteine in der herkömmlichen Form hätten die Ästhetik des Gesamtkunstwerk Parlament gestört, sie waren aber für die Heizungsanlage sehr wichtig, daher war es für Theophil Hansen ein Anliegen ihnen eine prachtvolle elegante Gestaltung angedeihen zu lassen.
Jeder Zieraufsatz hat ein Gesamtgewicht von etwa 10 Tonnen, er besteht aus über einhundert Gusseisenteilen und besitzt einen Funkenfänger aus Schmiedeeisen.

Hephaistos und seine Gesellen

Theophil Hansen gestaltete die beiden Dampfschornsteine in Form von ionischen Säulen, auf die er monumentale gusseiserne, vegoldete 5,8m hohe Zieraufsätze in Form von Blattornamenten, Muscheln, Löwenköpfen und je vier vollplastische „Gesellen des Hephaistos“ setzte.
Hephaistos war der griechische Gott des Feuers und der Metallurgie, er war ein geschickter Schmied und der einzige Handarbeiter unter den griechischen Göttern, sein Arbeitsplatz lag direkt unter dem Krater des Vulkans Aetna in Italien, seine Symbole waren das Feuer, Axt, Zange und Hammer. Da die Zieraufsätze aus Metall angefertigt wurden, scheint es kein Zufall zu sein das Hephaistos und seine Gesellen auf den Eisenaufsätzen zu bewundern sind.
In seiner Schmiede entstanden so berühmte Werke wie der Zepter und Donnerkeil des Zeus, der Wagen des Helios, die Gestalt der Pandora oder die Waffen und das Schild des Achilles.

die Dampfschornsteine erstrahlen wieder in voller Pracht

wie schon oben geschrieben, wurden die Dampfschornsteine von dem Architekt Hansen mit einer Vergoldung entworfen und auch so ausgeführt. Dies ist einem Offert des Maler- und Anstreichermeisters Frankenstein aus dem Jahr 1882 zu entnehmen: „Sämtliche Gusseisenarbeiten an den beiden Dampfrauchfängen … 3-mal mit in gutem Ölfirnis geriebenen Minium, 2-mal mit gelber Oelfarbe streichen und echt Vergolden“.
Im Laufe der Zeit wurden aber bei den verschiedenen Renovierungsarbeiten viele Gusseisenteile mehrfach übermalen, Verschraubungen oft unsachgemäß und außen sichtbar monitert, Gussteile verkittet, ein fehlendes Abdeckblech am Rücken einer der Figuren ganz einfach mit Zement abgedeckt und ähnliche Fehler begangen, ohne Rücksicht auf sachgemäße Restaurierung wurde schnell und billig „gepfuscht“.
Auf einem Aquarell des Malers Hans Ranzoni aus dem Jahr 1942 sind die Dampfschornsteine vergoldet und ohne Funkenkörbe, diese wurden, wie der mausgraue Anstrich, wahrscheinlich erst in der Nachkriegszeit angebracht, ein zweites Mal wurden sie in den 1980er Jahren übermalen.
Im Jahr 2006 war es soweit, bei dieser Sanierung wurde das Bundesdenkmalamtes eingebunden und während der Renovierung kamen tatsächlich noch Reste der Blattvergoldung zum Vorschein. Es war eine sehr aufwendige, langwierige und kostspielige Renovierung um die beiden Dampfschornsteine wieder in ihren prächtigen Originalzustand glänzen zu lassen, für diese Pracht wurden 20.000 Blättern Dukaten-Doppelgold verwendet.

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Die Dampfschornsteine haben auch jetzt noch eine Funktion, einer der beiden ist ein Teil des Reservekesselhauses und der andere dient als Auspuff für das Notstromaggregat.
Zum Glück verstärken sich in den letzten Jahren die Bemühungen in Sachen Denkmalpflege und Sanierung, viel zu viel wurde entweder demoliert und unsachgemäß „restauriert“.
Theophil Hansen hätte heute seine Freude an den beiden prächtigen Gold-Riesen.

Adresse

Dr.-Karl-Renner-Ring 3, 1017 Wien

Wiener Linien: U2 bis Station Rathaus, U3 bis Station Volkstheater, Straßenbahnen 1, 2, 71 und D bis Station Stadiongasse/ Parlament

Öffi-App

Weblink

http://www.bda.at/

Literatur

Gabriela Krist: Metallrestaurierung – Metallkonservierung: Geschichte, Methode und Praxis (Konservierungswissenschaft. Restaurierung…, 2009
ISBN-13: 978-3205781967

wiener prater, wiener klischees

Wiener Klischees

Mythos oder Realität

was erwartet sich der Wien-Besucher von den WienerInnen, wie werden sie gesehen oder wie möchten sie die Wien-BesucherInnen sehen? Zu diesem Thema gibt es viele Meinungen und Erwartungshaltungen, eines ist aber sicher, die WienerInnen lassen sich nicht in eine Schablone pressen und sind so individuell wie auch der Rest der Menschheit.

Kommen wir jetzt zu den typischen Klischees, es mag wohl etwas überzogen klingen aber so ähnlich habe ich es tatsächlich schon gehört;-):
Die Wiener beginnen den Morgen ganz gemütlich mit einer Melange (Milchkaffee) im Cafehaus, nachher begeben sie sich zum Würstelstand und bestellen sich ein Paar Würsteln mit einem Bier, anschließend lassen sie sich mit dem Fiaker in die Arbeit bringen um dort notgedrungen einige Zeit zu verbringen, in der Mittagspause begeben sie sich in eines der Wiener Beisl um dort das obligate Wiener Schnitzel zu verspeisen. Nach der Arbeit führt sie der nächste Weg wieder in ein Cafehaus, um dort wieder eine Melange und eine Sachertorte, oder eine andere Mehlspeise, zu bestellen, danach treffen sie sich mit Freunden beim Heurigen um dort bei herzzerreißenden, todessehnsüchtigen Heurigenliedern ein paar Vierterl Wein zu trinken und um die Wiener Gemütlichkeit zu zelebrieren oder sie gehen in eines der vielen Museen, in den Wiener Prater oder auf den Friedhof. Den Abend verbringen sie in der Oper oder schwingen zu Schanis (Johann Strauß) Walzerklängen das Tanzbein.

Ist das nicht ein herrliches Leben? Arbeit wird zur Nebensache und das Vergnügen wird zur Hauptbeschäftigung, allerdings sollten dann wöchentliche Arztbesuche einkalkuliert werden, da die vielen Mehlspeisen, das tägliche Wiener Schnitzel und der Wein sicher gewisse körperliche Defizite hinterlassen.

die Realität sieht anders aus

Wiener Cafehaus und Sachertorte

Wien hat eine sehr große Cafehaus-Tradition, Peter Altenberg der Cafehaus-Literat chakterisierte „das Kaffeehaus als nicht zu Hause und doch nicht an der frischen Luft“. Ja es stimmt, die WienerInnen gehen gerne in das Cafehaus (jedoch nicht täglich) und der Cafe schmeckt auf Grund des weichen Wiener Wassers sehr gut. Wien hat noch sehr viele Cafehäuser, so sie nicht auf Grund der unternehmensfeindlichen Bestimmungen zusperren müßen, und können mit einer großen Kaffeevielfalt aufwarten wie z. B. den kleinen Mokka, Espresso oder auch „kleiner Schwarzer“, „großer Schwarzer“ genannt, großer Mokka, Wiener Melange, Cappuccino, türkischer Kaffee, Einspänner, Fiaker und einige mehr.
Wiener Mehlspeisen sind in keiner Konditorei und keinem Cafehaus wegzudenken, auf Grund des Vielvölkerstaates finden sich sehr viele süße Schmankerln aus Tschechien, Ungarn, Rumänien und der Slowakei auf den Speisekarten. Ob warme Mehlspeisen wie den Kaiserschmarrn, Palatschinken, Buchteln oder kalte Mehlspeisen wie Torten, Strudel, Rouladen oder Petit Fours, diese süßen Herrlichkeiten sind ein Genuß für jeden Mehlspeistiger und die, die es in Wien noch werden. Die Sachertorte ist also nicht die einzige Mehlspeise, die (auch nicht täglich) gerne gegessen wird, gerade sie ist bei Wien-Besuchern sehr beliebt und wird in die ganze Welt versand.

Demnächst mehr über die Wiener Cafehaus-Tradition und Wiener Mehlspeisen

Würstelstand

von diesen gibt es nicht mehr sehr viele, heute essen die WienerInnen einen Fast Food Mix wie Falafel, Hotdogs, Würstel, Kebab, Noodles, Pizzen und Sandwiches. Der bekannteste Würstelstand ist der Bitzinger bei der Albertina mit einer großen Auswahl an verschiedenen Würsteln, hier muß ich leider auch wieder mit einem Klischee aufräumen: die Bestellung der WienerInnen erfolgt bei einem Würstelstand nicht mit dem überstrapazierten Satz im Wiener Dialekt „a Eitrige mit an Schoafn, an Buckl und an 16er-Blech“ (Käsekrainer mit scharfem Senf, einem Scherzel Brot und einer Dose Ottakringer Bier) wenn Du diese Bestellung aufgibst, weiß jeder dass Du ein Tourist bist:-)

Fiaker

sind eine Touristenattraktion die für mich allerdings mehr als fragwürdig ist (außer am Zentralfriedhof und in Schönbrunn), kaum ein/e WienerIn läßt sich mit einem Fiaker durch Wien kutschieren um Sisi und Franz Joseph I. zu spielen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen…

Wiener Beisl und Wiener Schnitzel

„echte“ Wiener Beisl gibt es nur mehr wenige und sie sind daher wieder sehr beliebt bei den WienerInnen, aber auch hier sind die „Eingeborenen“ nicht täglich zu finden und sie essen nicht jeden Tag ein Wiener Schnitzel. Das Original Wiener Schnitzel wird aus Kalbfleisch gemacht, heute besteht es oft aus Hühner- oder Putenfleisch oder aus Soja für Veganer oder Vegetarier.
Also wieder eine herbe Enttäuschung *gg*

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Heuriger und Wein

und nun die nächste Enttäuschung, die WienerInnen gehen nicht sooft zum Heurigen wie immer behauptet wird, wieder sind es sehr viele Wien-Besucher die einen Heurigen besuchen. WienerInnen trinken zwar gerne Wein, aber das geschieht auch nur ein paar mal im Monat und somit wurde auch dieses Klischee etwas entzaubert. Eine besondere Empfehlung ist der Wiener Wein, in Wien gibt es in etwa 612 Hektar Rebfläche, was für eine Großstadt einzigartig und ebenso einzigartig ist der kleinste Weingarten Wiens, er befindet sich im ersten Bezirk am Schwarzenbergplatz.

Demnächst mehr über den Wiener Wein

Freizeitvergnügungen

Auch hier sind es wieder nur Klischees, auch wenn nicht abzustreiten ist dass die WienerInnen Vergnügungen lieben, aber wer nicht? Diese Vergnügungen sind so vielfältig wie in jeder Großstadt, daher gehören Museen, Oper und Theater genauso dazu wie Vernissagen, Events und Musikveranstaltungen. Wien hat sehr viele traditionelle Ballveranstaltungen und trotzdem kann nicht jede/r WienerInnen Walzer tanzen, manche tun aber so wie wenn sie es könnten:-) Natürlich wird der Wiener Prater besucht, aber er zählt ebenso wenig zum Lebensinhalt der WienerInnen wie die anderen Klischees, ich bevorzuge lieber den grünen Prater, aber Geschmäcker sind bekanntlich sehr unterschiedlich. WienerInnen und der Tod sind ein eigenes Kapitel, es ist demnächst auf diesem Wien-Blog zu lesen.

Also sehr viel ist von den typischen Klischees nicht übrig geblieben, manche WienerInnen leben vieleicht diese Klischees oder sind schon selbst eines *gg*, aber das ist sicher eine Minderheit, der Rest sind Sagen und Legenden aus Wien. Wir WienerInnen sind, bis auf ein paar Eigenheiten, also nicht soo viel anders als viele meinen. Was meint Ihr dazu, schreibt mir Eure Erfahrungen.

Fotos

© http://www.sacher.com/

© http://www.wienerwein.at/

basiliskenhaus schönlaterngasse,wien-bilder

Basiliskenhaus

in der Schönlaterngasse 7

das sagenumwobene Gebäude ist eines der ältesten Häuser in der Innenstadt und befindet sich neben dem verborgenen Heiligenkreuzerhof. Aber das Alter hat dieses Haus nicht so bekannt gemacht wie die Sage des Basilisken im Hausbrunnen.

Und nun zu einer meiner Lieblingssagen aus der Kindheit:-)

Wiener Sage „Basilisk im Hausbrunnen“

Es war einmal ein Bäckermeister namens Martin Garhiebel, er war böser und hartherziger Mensch, daher liefen ihm immer wieder seine Gesellen davon. Nur der junge Geselle Hans Gelbhaar hielt es bei ihm aus, denn er hatte sich in das hübsche Töchterchen des Meister verliebt. Das Liebespärchen hatte immer nur wenige gemeinsame Augenblicke, daher nahm sich Hans eines Tages ein Herz und hielt bei Appolonias Vater um ihre Hand an.
„Du erbärmlicher Habenichts und Lump!“ brüllte dieser den armen Hans an, „nichts da, mir aus den Augen!“ Als der Hahn im Hof dreimal krähte, sagte der Meister zu Hans: „Nicht eher, als dieser Hahn ein Ei gelegt hat, sollst Du meine Tochter haben, das schwör ich bei allen Teufeln!“
Hans verabschiedete sich sehr traurig von Appolonia und verließ das Haus, schon am nächsten Tag begann ein anderer Bäckergeselle, aber er hielt es bei dem hartherzigen Meister nicht sehr lange aus. Anscheinend verschwand mit dem Rausschmieß des Hans das Glück des Bäckermeisters und seinem Haus, als die Magd Wasser aus dem Hausbrunnen schöpfen wollte, kam aus der Tiefe ein furchtbares Krähen, Gackern und entsetzlicher Gestank drang empor, die zu Tode verängstigte Magd sah außerdem in dem Brunnenschacht ein eigenartiges Gefunkel blitzen.


Meister Garhiebel hatte dafür kein Verständnis und schalt die arme Magd aus, daraufhin mußte der Lehrbub in den Brunnen hinuntersteigen, kaum war er etliche Meter tief, begann er entsetzlich zu schreien und wollte nur mehr herausgezogen werden. Anschließend erzählte er, dass er ein furchtbar schreckliches Tier sah, das ein Aussehen eines Hahnes, einer Kröte und einer Schlange mit einem geringelten Schuppenschweif hätte. Dieses Untier hatte den armen mit seinem schrecklich glühenden Blick fast zu Tode erschrocken.
Die Menschen waren verängstigt und wußten sich keinen Rat, ein gelehrter Doktor erklärte ihnen, das dieses entsetzliche Ungeheuer ein Basilisk sei und jeder sterben müße dem es anblickt, dieser entsprang aus einem Ei das ein Hahn gelegt und eine Kröte ausgebrütet hat. Dieser Basilisk ist nur zu töten, indem man ihm einen Spiegel vorhalte, damit er sein eigenes Spiegelbild erblickt und über sein fürchterliches Aussehen vor Entsetzen und Abscheu zerberstet.

Bäckermeister Garhiebel bot viel Geld damit er von dem Ungeheuer befreit wird, aber niemand war dafür bereit. Diese Mär verbreitete sich sehr rasch, von der auch der junge Geselle Hans Gelbhaar erfuhr, er stieg mit einem großen Spiegel vorsichtig in den Brunnen hinab, ohne den Basilisken anzublicken, schließlich hielt er ihm den Spiegel vor, sodass dieser tatsächlich vor Wut zersprang. Der Brunnen wurde mit Erde gefüllt, damit sich nie wieder ein solches Untier einnistet. Zu guter letzt bekam der brave Geselle Hans seine Appolonia zur Frau und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Chronik des Basiliskenhaus

Es wurde erstmals 1212 urkundlich erwähnt und ist eines der ältesten Häuser Wiens, die verschiedenen Epochen aus Gotik, Barock und Biedermeier zeigen eine oftmalige Bautätigkeit und wurde durch die Enge der Altstadt geprägt. Im Innenhof befindet ein sehr enger und lang gestreckte Pawlatschenhof der leider nicht zu besichtigen ist.
Die Kellermauern des denkmalgeschützten Hauses stammen partiell aus dem 13. Jahrhundert, es hieß ursprünglich „Zum roten Kreuz“ und bekam angeblich ab 1212 die Bezeichnung „Basiliskenhaus“. Diese Bezeichnung und das Hausschild beruhen auf einer Sage, die das erste mal von dem Humanisten und Historiker Wolfgang Lazius in seiner „Vienna Austriae“ im Jahr 1546 erwähnt wurde, jedoch ist ein Bäckermeister Martin Garhiebl urkundlich nicht erwiesen.
An diese Geschehnisse erinnert eine Gedenktafel aus dem Jahre 1577, sie wurde durch den damaligen Hausbesitzer Hans Spannring anlässlich einer Renovierung angebracht.

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Auf dieser stand: „Anno Domini MCCXII ward erweldt Kayser Friedrich II. Undter seynem Regiment ist von aynem Hann entsprungen ain Basilisc, welcher obstehender Figur gleicht, und ist der Brunn voll angeschütt worden mit Erden, darinnen selbiges Thier gefunden worden ist: ohn Zweifel weil ob syner gifftigen aygenschafft vill Menschen gestorben und verdorben seyndt.“

Während eines Hausumbaues im Jahr 1740 wurde sie entfernt, als das Basiliskenhaus 1932 renoviert wurde, brachte man wieder ein Freskobild mit einer Inschrift an die an das Unwesen des Fabeltieres erinnert. Im 2. Weltkrieg wurde das Haus durch Bomben beschädigt und anschließend wieder renoviert, das Fresko wurde nicht wieder hergestellt. Heute ist in einer Hausnische das Fabelwesen als Hauszeichen über einer Wandmalerei und Inschrifttafel zu bewundern.

Wie schon oben geschrieben, hatte sich sogar die Wissenschaft mit dem Fabeltier beschäftigt, im 19. Jahrhundert untersuchte der Geologe und Paläontologe Eduard Suess (Erbauer der Ersten Wiener Hochquellwasserleitung) den steinernen Basilisken, seiner Meinung nach war es eine Anhäufung von kugelartigen Gesteinskörpern und diese könnten im Mittelalter beim graben des Brunnens gefunden worden sein und beim hervorquellen des Wassers entwich dann betäubendes Gas. Dies könnte eine Erklärung für das schreckliche Fabelwesen namens Basilisk sein, allerdings klingt die Sage doch um einiges schöner:-)

Im Innenhof sind weder ein Brunnen noch Fragmente von diesem zu sehen, allerdings befindet sich im Hausflur ein Basilisk auf dem Grund eines tiefen Schachts, einer befindet sich in eine Nische an der Hausfassade, in der Schönlaterngasse 3 befindet sich ein Brunnen mit dem Fabelwesen der zu dem dem Restaurant „Zum Basilisk“ gehört, das Restaurant hat auch einen güldenen Basilisken als Hauszeichen.
Also sehr viel Ehr für das so schrecklichen Fabelwesen namens Basilisk.

Adresse

Schönlaterngasse 7, 1010 Wien

Wiener Linien: U4 und U1 bis Schwedenplatz

Öffi-App

Literatur

Alt-Wiener Sagen und Legenden von Elisabeth Koller-Glück, 2014

ISBN-13: 978-3866805347

Weblinks

http://www.zumbasilisk.at/

wiener seelen,carsharing drivenow,wien-bilder

Wiener Seelen

was macht sie aus

Hier versuche ich als Wienerin die Wiener Seele halbwegs objektiv zu beschreiben, ob es mir als „Betroffene“ gelingt werden eure Reaktionen zeigen:-)

Den Wienern werden viele ihnen typische Eigenschaften zugeordnet, manche sind positiv und manche wieder sind negativ, aber gibt es wirklich einen so großen Unterschied zu den anderen Bundeslandbewohnern?
Ich denke dass es ihn gibt, da das Leben in der größten Stadt Österreichs mit ca 1,8 Millionen Einwohnern anders verläuft als in einem idyllischen Dorf mit 700 Einwohnern (nicht negativ gemeint), durch den großen Zuzug aus den Kronländern während der Monarchie erhielt Wien eine kulturelle Prägung, die bis heute in der Sprache, in der Küche und der Lebenseinstellung zu finden ist.

wie tickt die Wiener Seele

Die Wiener Seele ist gutmütig, etwas fatalistisch, lebenslustig, bequemlichkeitsliebend und läßt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen, Ruhe ist eine sehr wichtige Eigenschaft für die WienerInnen und daher wollen sie sich auch meist nicht mit Veränderungen anfreunden. Das Raunzen (nörgeln, jammern) hat in Wien Tradition und wird auch dementsprechend gepflegt;-), schon um die Jahrhundertwende waren die WienerInnen etwa mit architektonischen Veränderungen nicht zu begeistern, wie etwa das schnörkellose Looshaus am Michaelerplatz, es wurde „Haus ohne Augenbrauen“ genannt oder die Wiener Secession, diese wurde „Krauthappel“ (Kohlkopf) genannt. Eine der letzten großen Aufreger waren die Veränderungen der Mariahilferstraße zur Begegnungszone oder die Ampelpärchen in diesem Jahr, letztendlich wurden und werden jedoch die meisten Veränderungen vom Großteil der Wiener Bevölkerung doch angenommen und oft gefallen sie später sogar sehr gut.
Eine typische Eigenheit der Wiener Seele ist der Schmäh, einer der vielen Charakteristika der WienerInnen sind Humor, Lebenslust, Selbstironie, sich selbst und viele Situationen nicht als allzu wichtig zu betrachten. In gewisser Weise ist er ein Lebenskünstler, das zeigt sich in dem oft verwendeten Satz „schau ma mal“ und zeigt die Leichtigkeit des Seins, also ein gewisses Savoir-vivre;-)

Die WienerInnen sind im Grunde sehr friedliebend und gemütlich, da ihnen, wie schon oben erwähnt, ihre Ruhe sehr wichtig ist, aber die kleinen Unannehmlichkeiten des Alltags sorgen doch oft für kurzfristige Aufregungen. Die meisten lieben ihre Traditionen und sind auch sehr stolz daruf, diese ist aber nicht mit den üblichen Klischees zu verwechseln wie die der täglich Schnitzel essenden, Wein trinkenden und Walzer tanzenden WienerInnen.

Der Tod ist zwar ein Tabuthema, doch in keiner anderen Stadt wird so geliebäugelt mit ihm wie in Wien, aber keine Sorge, Ihr müßt das Thema nicht aufgreifen wenn Ihr mit WienerInnen ins Gespräch kommt.
Mehr zu diesem Thema in einem anderen Beitrag.

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Wiener Seelen lieben ihre Theater, Oper und Ihre Künstler (entweder hassen sie den Künstler oder sie lieben ihn), im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhundert war es fast schon eine kultische Verehrung, die heute zwar nicht mehr kultisch ist, aber eine gewisse Verehrung gibt es bis heute.

das goldene Wienerherz

manchesmal ist es sehr rasch zu finden oder macht sich gleich bemerkbar, manchesmal ist es etwas verborgen und es muß zuerst die rauhe Schale aufgekratzt werden bis es zum Vorschein kommt. Sehr oft ist bei den grantigen (schlecht gelaunt, mürrisch) und raunzenden Wienern sehr viel vom goldenen Herzen zu finden, daher lohnt es sich den Menschen hinter seiner raunzenden Schale oder seiner grantigen Fassade etwas besser kennenzulernen. Ihr werdet erstaunt sein, welch interessante und humorvolle Persönlichkeiten bei dem Grantler zum Vorschein kommen. Also lasst euch von der grantelnden Fassade nicht beirren, es steckt oft viel mehr Herzlichkeit dahinter als in der oberflächlich, vordergründigen Freundlichkeit mit dem aufgesetzten Dauergrinser.

Zitate über Wien

Karl Kraus „Der Wiener geht nicht unter.« Hoffnung oder Drohung? Vielleicht nur eine Höflichkeit, für »Unkraut verdirbt nicht“

Arthur Schnitzler „Die Kennworte des Wieners: Wie komm denn i dazu? Es zahlt sich ja net aus! Tun S‘ Ihnen nix an!“

Georg Kreisler „Wien bleibt Wien, das ist grad das Schöne dran. Wien bleibt Wien, daß man sich dran g’wöhnen kann“

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heiligenkreuzerhof wien,denkmalgeschützt

Heiligenkreuzerhof

befindet sich in einem der ältesten Stadtteile von Wien

Der denkmalgeschützte Heiligenkreuzerhof ist eines der schönsten und verborgensten barocken Innenhofensembles Wiens und besteht aus dem Stiftshof mit Prälatur und Kapelle sowie einem Zinshaus, der Hof liegt in der Inneren Stadt und die Zugänge befinden sich in der Grashofgasse und Schönlaterngasse. In der Grashofgasse befindet sich an der rechten Hausfront ein Wandbild mit einer Darstellung vieler kleinerer Inschriften des Stiftes Heiligenkreuz, sie stammen aus dem Jahr 1953, zu dieser Zeit wurde der Heiligenkreuzerhof renoviert.
Seine Geschichte führt weit zurück ins Mittelalter, das genaue Alter ist bis heute nicht geklärt, es wird vermutet das Teile des Hofes, die an das Haus Schönlaterngasse 7 angrenzen sogar bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen. Die ersten Aufzeichnungen gibt es ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhundert, der Heiligenkreuzerhof dürfte damals wahrscheinlich aus mehreren Häusern bestanden haben. Zu dieser Zeit erwarb das Zisterzienserstift Heiligenkreuz den Hof, dem er bis heute gehört, sie vereinigten ihn im 16. Jahrhundert zu einem großen Gebäude.

virtuelle Führung durch den Heiligenkreuzerhof

barockes Innenhofensemble und Bernhardikapelle

So wie Klöster wie z. B. in Zwettl oder Mailberg verfügte nun auch Heiligenkreuz über einen Ort in Wien an dem es seine wirtschaftlichen Produkte verkaufen konnte, gleichzeitig diente die Niederlassung den Äbten und anderen Stiftsangehörigen als Quartier während ihrer Wien-Aufenthalte. Seit 1221 besaß Wien mit dem Stadtrecht auch das Stapelrecht, das bedeutet dass jeder Kaufmann, der Waren nach Wien brachte, diese zum Verkauf anbieten mußte. Diese Güter wurden in den Besitzungen des Stiftes in tiefen Kellern gelagert, die im Laufe der Jahrhunderte riesige Ausmaße annahmen, unter dem Heiligenkreuzerhof befindet sich bis heute ein riesiges 5 Etagen umfassendes Kellernetz.

Die Bernhardskapelle liegt neben der Prälatur an der Schönlaterngasse und ist wegen ihrem hochbarocken Interieur bekannt. Abt Klemens Schäffer ließ von 1659 bis 1676 einen ausgedehnten Umbau durchführen und die seit langem bestehende „Kapelle zum heiligen Bernhard von“ neu erbauen, zu dieser Zeit wurde auch der „Prälathof“ durch eine niedrige Gartenmauer vom restlichen Hof abgetrennt und im Jahr 1730 wurde sie durch Abt Robert Leeb mit einem Hochaltarbild von Martino Altomonte geschmückt. Die Kapelle liegt ein wenig versteckt, aber ein Besuch des prachtvoll gestalteten Raums ist sehenswert (leider wird die Kapelle nur für mehr für Führungen geöffnet), in der Sakristei befindet sich der Basiliskenbrunnen, über den es eine bekannte Wiener Sage gibt. Das Portal mit der Büste des Heiligen und die geschnitzten Seitenaltäre stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurden von Giovanni Giuliani geschaffen. Der berühmte Künstler lebte als Familiar im Klosterverband und schuf dort das prachtvolle Chorgestühl der Kirche, sein bekanntester Schüler war Georg Rafael Donner (Donnerbrunnen am Hohen Markt). Die barocke Anlage wurde 1769/1770 und die Kapelle im Jahr 1780 nochmals erneuert und der im Innenhof befindliche Brunnen besitzt ein Wappen des Stiftes mit der Inschrift „ACSH 1670“.
Seit dieser letzten Erneuerung hat der Heiligenkreuzerhof sein heutiges Aussehen und die Häuser sind die ältesten Zinshäuser in Wien.

Künstler im Heiligenkreuzerhof

hier wohnten unter anderem Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi, der Gründer der PanEuropa Bewegung und Vater der Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi, der österreichische Schauspieler Helmut Qualtinger (beide haben eine Gedenktafel im Hof), Martino Altomonte, er war wie Giovanni Giuliani Familiar der Zisterzienser und starb in seiner Wohnung im Heiligenkreuzerhof. Bischof Kollonitsch, in seinen Jugendjahren als Malteserritter im Kampf gegen die Türken an vorderster Front aktiv, Ignaz Franz Castelli, der Gründer des Wiener Tierschutzvereins und Eduard Pötzl, österreichischer Journalist und Feuilletonist.

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Im Heiligenkreuzerhof befindet sich das Ausstellungszentrum der Universität für angewandte Kunst, es steht für seine Absolventen und Absolventinnen mietkostenfrei für Ausstellungen zur Verfügung.

Die barocke Schönheit des Hofes wird leider durch die Anrainerparkplätze ein wenig getrübt, wie in vielen Gassen des ersten Bezirkes, jedoch ist eines der vielen verborgenen Juwele in der Wiener Innenstadt.

Adresse

1.Grashofgasse 3 / Schönlaterngasse 5, 1010 Wien

Wiener Linien: U1 und U4 bis Schwedenplatz

Öffi-App

Weblinks

https://bernardikapelle.wordpress.com/
https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Heiligenkreuzer_Hof

Literatur

Georg Hamann: Wien-Lexikon, 2007
ISBN-13: 978-3800071166