hochhaus herrengasse wien

Hochhaus Herrengasse

das älteste und „unsichtbare“ Hochhaus

erregte schon bei Bekanntwerden der Entwürfe die Wiener und wurde heftigst kritisiert, (das scheint ein Charakterzug von uns Wienern zu sein, dass gegen alles Neue queruliert wird, jedoch später alles wunderbar und schön ist:-) )
Das Projekt polarisierte selbst unter den Architekten, Josef Frank (Doppelhaus in der Werkbundsiedlung, Woinovichgasse 32) befürchtete eine Zersrörung des Profils der Herrengassen, für Oskar Strnad (Haus Stephan Hock, Wien 19, Cobenzlgasse 71) war es zu nieder und er forderte ein mindestens 200 Meter hohes Hochhaus.
Das Hochhaus Herrengasse steht auf dem ehemaligen Besitz der Familie Liechtenstein. In dem von Fischer von Erlach geplanten Palais befand sich die Reitschule, die Ludwig Bösendorfer zu dem berühmten (wegen seiner Akustik) „Bösendorfer Konzertsaal“ umbauen ließ, im Jahr 1913 wurde das Palais verkauft und im selben Jahr wurde es samt seinen Nebengebäuden abgerissen. Es war ein Luxushotel geplant, jedoch der baldige Kriegsausbruch machte einen Strich durch die Rechnung und nach Kriegsende kam dieser Bau aus finanziellen Gründen nicht mehr zustande, erst ab 1931 wurde das Grundstück mit dem Hochhaus wieder bebaut.

Architektur des Understatements

Aber bis es gebaut wurde gab es sehr viele Diskussionen um die Planung des neuen Wohnhauses und es mußte sogar die Bauordnung geändert werden, da laut der alten Bauordnung nur bis 26 Meter gebaut werden durfte.
Auch politische Rangeleien beeinflußten den Bau des Hochhauses, für die Sozialdemokraten und Christlich-Sozialen war der Bau des ersten Hochhauses in Wien eine Machtdemonstration und Prestige.
Die christlich-soziale Bundesregierung hatte mit einer Abgaben-Novellierung die Sozialdemokraten „ausgetrickst“ und durch das neue Wohnbau-Förderungsgesetz war der Bau des Gebäudes nun mehr kein Sozialprojekt, wie von den Sozialdemokraten geplant, ab nun wurden auch finanziell besser Verdienende durch staatliche Gelder unterstützt.

Die Architekten Theiß & Jaksch (Geschäftsportale und Einrichtungen der Firma Palmers) erhielten den Auftrag durch Direktvergabe und nicht auf Grund eines Wettbewerbes, Sigfried Theiss und Hans Jaksch entwarfen ein Hochhaus mit 52 Meter Höhe, 16 Geschossen und 235 Wohnungen. Es wurde schon im erstem Planungsentwurf gezeigt von welchen Punkten der Stadt das Hochhaus zu sehen sein wird.
Von der Herrengasse war das Hochhaus in seiner gesamten Höhe nicht zu sehen und durch die Staffelung bis zum Turm erschien das Haus in der unmittelbaren Umgebung nicht höher als die benachbarten Gebäude, somit integrierte es sich perfekt in seine Umgebung. Dazu trug auch die 9-geschoßige Blockrandbebauung auf den Seiten der Herren- und Fahnengasse bei, diese Bebauung tritt über der Ladenzone zurück und sieht wie ein gesonderter separater Block aus. Auf den neun Geschossen befinden sich drei Staffelgeschosse, durch die entstehenTerrassen und diese münden in dem doppelstöckigen gläsernen Aufbau. Das Haupttreppenhaus ist ein verglaster Halbzylinder und wurde im Innenhof angebracht, erst in diesem ist ersichtlich wie langgezogen die Anlage ist. Die Architektur des Gebäudes gehört mit ihrer Klarheit der „Neuen Sachlichkeit“ an.
Im Februar 1932 wurde das Hochhaus mit 235 Wohnungen fertiggestellt.

Infrastruktur des Hochhaus Herrengasse

Ein großes Thema waren die Ledigenwohnungen oder auch „Junggesellenwohnungen“ genannt, heute unvorstellbar und amüsant zu lesen. Diese Wohnungen zeigten eine gesellschaftliche Veränderung an, da Singles bis dahin nur die Möglichkeit hatten in möblierten Untermietzimmern zu wohnen, Überwachung der Vermieter inklusive.
Von den 225 Wohnungen waren 125 Ledigenwohnungen, diese hatten eine Größe von 20 m² bis 93 m², es gab keine Küche aber eine Kochgelegenheit im Vorraum. Die „Junggesellen“ sollten sich ihr Essen nicht selbst kochen, sie hatten die Möglichkeit sich im hauseigenen Restaurant im Dachgeschoß zu verköstigen, diese Idee wurde aber nie sehr gut angenommen. Neben dem Eingang gab es in der Rundvitrine ein Espresso und eine Milchbar, in der konnte man warten bis die Wäsche in der zentralen Waschküche fertig war.

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Im November 1932 waren bereits 80 % der 224 Wohnungen vermietet, die „Junggesellenwohnungen“ waren natürlich als erstes vergeben. Die Mieten befanden sich im höheren Segment und begannen ab 65 Schilling (ca 4,80 € ) bis 350 Schilling (ca 25,50 € ), die Nachfrage bei den teuren Wohnungen war eher gering.

In der Geschäftszone mieteten sich als erste Geschäfte ein Reisebüro, die Post, die Wiener Molkerei, ein Fotogeschäft, ein Friseur, eine Buchhandlung, ein Hutsalon, ein Lederwarengeschäft, eine Bäckerei und die Bausparkasse Wüstenrot mit ihrer ersten Wiener Zweigstelle ein.
Für das Restaurant war es nicht so leicht einen Pächter zu finden, trotz der fantastischen Aussicht und der Schnellaufzüge, erst drei Jahre später konnte das Café-Restaurant eröffnet werden. Im 14. Geschoss befanden sich die Küche, Telefonzellen, Sanitäranlagen und Garderobe, die letzten zwei Stockwerken waren eine reine Stahl- und Glaskonstruktion mit großen Schiebefenster und die Kuppel konnte elektrisch geöffnet werden. Der Erfolg des Restaurant blieb leider aus und so wurden in den 60er Jahren die letzten drei Stockwerke zu Wohnungen umgebaut.

Das „Hochhauserl“ erregte die Gemüter

Die Zeitungen überschlugen sich mit Superlativen und schreierischen Headlines, so hieß es „Der Wolkenkratzer der Junggesellen“ da „Ledigenwohnungen“ ein anrüchiges Thema waren und für eine gute Auflage sorgten. Eine andere Headline war die „grassierende Wolkenkratzerepidemie in Wien“, hier wurde über Amerikanismus gesprochen…vom Verlust des heimatlichen Stadtbildes…der eklatanten Baugrundverteuerung und Architekt Albert Linschütz forderte alle Patrioten zum schärfsten Protest auf . Andere nannten das moderne Hochhaus ein „ganz ausgewachsenes Hochhauserl“, manche wollten ein Hochhaus lieber außerhalb der Inneren Stadt sehen. Die Raunzerei und Jammerei der Wiener hatte wieder einmal Hochkunjunktur;-)

Künstler im Hochhaus Herrengasse

Das älteste Hochaus übte auf Künstler eine große Anziehungskraft aus, vor allem BurgschauspielerInnen waren hier präsent und hatten hier kürzer oder länger gewohnt. Es logierten hier aber auch viele niederösterreichische Landeshauptmänner und Beamte, sie wurden ihnen als Dienstwohnungen zur Verfügung gestellt.
Unter anderem wohnten hier: Gunther Philipp, Susi Nicoletti, Gusti Wolf, Albin Skoda, Hans Jaray, Curd Jürgens, Maria Kramer, Paula Wessely oder Hans Olden,  das „Hochhauserl“ ist aber auch heute noch bei Künstlern sehr beliebt.

das „unsichtbare“ Gebäude heute

Das Innenstadthaus hat 170 Bestandsobjekte, was für die Innere Stadt erstaunlich ist und was noch erstaunlicher ist, es sind fast nur privaten Wohnungen. Auch sehr ungewöhnlich ist, dass das Gebäude seit Generationen im Privateigentum ist, also rundum ein sehr ungewöhnliches und sehr interessantes Haus in der City. Das Hochhaus Herrengasse war damals wie heute eine leistbare Prestigeadresse, außer man möchte hoch hinaus ins Turmgeschoß. Das „unsichtbare Haus“ ist nur von einigen Punkten in Wien sichtbar, wie z. B. von der Kirche am Hof mit Blickrichtung zur Naglergasse, von der Schottengasse Richtung Herrengasse, im Leopoldmuseum im obersten Stock vom Panoramafenster,  aber den schönsten Blick habt ihr von der Burggasse in der Höhe des Volkstheater.
Sehr schade finde ich, dass es heute nicht mehr möglich ist die phänomenale Aussicht vom Turmgeschoß zu genießen, da das Cafe in den 60er Jahren in Wohnungen umgebaut wurde. Über das Treppenhaus gibt es die Möglichkeit ab dem 5. Stock eine sehr schöne Aussicht auf Wien zu genießen, je höher es hinaufgeht umso atemberaubender wird die Aussicht und der Steffl (Stephansdom) scheint zum Greifen nah.
Allerdings ist auch das nicht so einfach zu genießen, entweder ihr kennt jemanden der oder die dort wohnt, ihr stiehlt euch beim Portier vorbei oder ihr könnt es bei einem Open-House Termin kennenlernen, so wie ich heuer:-)

Adresse

Herrengasse 6-8, 1010 Wien

Wiener Linien: U3 bis Herrengasse

Öffi-App

Weblinks

http://www.hochhausherrengasse.at/
http://www.openhouse-wien.at/de/

Literatur

Iris Meder, Judith Eiblmayr: Haus Hoch – Das Hochhaus Herrengasse und seine berühmten Bewohner, 2013
ISBN-13: 978-3902517920

oskar kokoschka briefmarke 100 jähriger geburtstag

Oskar Kokoschka

Oskar Kokoschka der Maler, Grafiker, Schriftsteller

zählt zu den wichtigen Vertreter der Moderne, er hat als Maler, Grafiker Dramatiker und Essayist einen promimenten Platz in der Kunst- und Literaturgeschichte.
Er galt als vielseitig talentiert, provokant, rebellisch und nicht angepaßtes „enfant terrible“, seine Kunstwerke waren von einer leidenschaftlichen Unruhe geprägt. Als Maler schuf er Porträts, Landschafts- und Städtebilder, als Dramatiker waren seine Dichtungen von ekstatischen Ausbrüchen und bildkräftiger Phantasie geprägt. Als nicht Angepaßter machte aus seiner Ablehnung gegen das Nazi-Regime keinen Hehl, diese Einstellung und seine Kunst machten ihn zu einem „entarteten“ Künstler.

Oskar Kokoschka wurde am 1. März 1886 in Pöchlarn an der Donau geboren.
Seine frühesten Werke stammten aus der Zeit der k.k. Staatsrealschule in Wien-Währing, dem Grafiker und Maler Carl Otto Czeschka war es zu verdanken das Kokoschka in seiner Klasse aufgenommen wurde, alle anderen Lehrer waren gegen eine Aufnahme. Anschließend studierte er von 1905 bis 1909 an der Wiener Kunstgewerbeschule, auf Grund seines Talentes erhielt er ein Stipendium und seine Lehrer vermittelten ihm Aufträge für Dekorationen und Illustrationen.

Zur Eröffnung des Cabaret Fledermaus durch die Wiener Werkstätte im Jahr 1907 schrieb Kokoschka das Märchen „Das getupfte Ei“ und entwarf die dazu gehörigenSchattenfiguren, in diesem Jahr stellte er Figuren aus Kupferblech her, diese waren beweglich und für ein mechanisches Spiel gedacht. Ein Jahr später publizierte er in der Wiener Werkstätte das Künstlerbuch „Die träumenden Knaben“, im Jahr 1908 nahm er das erste Mal bei einer Ausstellung, der „Kunstschau 1908“, die von Gustav Klimt und Freunden organisiert wurde, teil. Die Werke Oskar Kokoschkas erregten die Wiener Gemüter, das Wiener Gemüt war sehr rasch erregbar:-),und wurden heftig kritisiert, in dieser Zeit freundete er sich mit dem Architekten Adolf Loos dem Wegbereiter der modernen Architektur an, durch Loos Einfluß und dem Rat von Alfred Roller verließ er die Kunstgewerbeschule und lehnte immer mehr den noch maßgebenden Jugendstil ab.

Kokoschka – eine Ikone des Expressionismus

Loos vermittelte seine frühen Portraits, seine expressiven Gemälde fanden vor allem in den deutschen Museen Anklang, durch den Architekten kam er in den Zirkel der Wiener Elite und konnte sehr gute Kontakte knüpfen. Loos schenkte Kokoschka 1909 eine Reise an den Genfer See, von welcher er sehr beeindruckt zurückkehrte, in den Schweizer Ausstellungen studierte er eingehend die Werke von Hodler und Vincent van Gogh, diese Werke inspirierten den jungen Maler sehr und waren wegweisend für seine künstlerische Laufbahn.

Die Bekanntschaft mit dem Kunsthändler Herwarth Walden beeinflußten Kokoschka 1910 nach Berlin zu übersiedeln, hier fertigte für die expressionistische Kunstzeitschrift „Der Sturm“ seine bekanntesten Federzeichnungen zu seinem Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“, diese Zeichnungen führten bei der Uraufführung wegen seinem erotischen Inhalt zu einem handfesten Theaterskandal. Der Kunsthändler Paul Cassirer stellte im Jahr 1911 zum ersten Mal die Werke Oskar Kokoschkas aus, es waren 30 Gemälde und acht Illustrationen zu seiner Dichtung „Der weiße Tiertöter“, sie wurden in Karlsbad im Café „Park Schönbrunn“ ausgestellt. Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus brachte die Ausstellung nach Hagen in sein privates Folkwang Museum und erwarb das Porträt der Herzogin Victoria de Montesquiou-Fesensac das 1909/1910 entstand.
Im Jahr 1911 kehrte Oskar Kokoschka nach Wien zurück und stellte anschließend in einer Ausstellung der Künstlervereinigung Hagenbund fünfundzwanzig Gemälde aus.

Zitat Oskar Kokoschka: „Expressionismus ist Gestaltung des Erlebnisses, solcherart mittelbar und Botschaft vom Ich zum Du. Wie zur Liebe braucht es dazu zwei. Expressionismus lebt nicht im elfenbeinernen Turm, er wendet sich an den Nächsten, den er erweckt.“

Kokoschka und seine exzessive Liebe zu Alma Mahler

1912 lernte Alma Mahler den jungen Maler Oskar Kokoschka, das enfant terrible der Wiener Kunstszene, kennen. Er galt als gewalttätig, unangepasst und ungezügelt, die Presse titulierte ihn als „Oberwildling“. Aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich eine zügellose und intensive Amour fou, wenn er sie nicht liebte, malte er sie und umgekehrt. Seine unglückliche Liebe zu Alma brachte sehr bedeutende Kunstwerke hervor, wie unter anderem die bekannten Fächer und eine Serie von Lithografien. Ein intensiver und aufwühlender Briefwechsel zeigt die Gefühle der leidenschaftlich Liebenden, auch Kokoschkas Malerei wurde durch diese erotische Raserei beeinflußt und änderten seinen Stil, seine Werke zeigten breitere Pinselstrichen und pastos aufgetragene Farben.

Ab dem Jahr 1914 wurde Kokoschka Mitglied der Freien Secession in Berlin, sein privates Leben verlief allerdings sehr turbulent, seine „auffressende“ Leidenschaft verwandelte sich bald in Unterwerfung, seine Eifersucht in Besessenheit. Kokoschkas Mutter schrieb an Alma Mahler: „Wenn Sie Oskar wiedersehen, werde ich Sie erschießen!“ Während dieser exessiven Liebesbeziehung entstand Kokokoschkas berühmtestes Gemälde „Windsbraut“. Alma wurde zweimal von ihm schwanger, beide Male ließ sie abtreiben und versetzte ihm damit einen Schlag, denn er nie verwinden konnte. Seinen physischen Untergang besiegelte die Femme Fatale, als sie ihn solange provozierte bis er als Freiwilliger, mit Hilfe von Loos, im prestigereichen k. u. k. Dragoner Regiment Nr. 15 aufgenommen wird, wo er schwer verwundet wurde.

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Dresden und Zwischenkriegszeit

Ab 1917 hatte Kokoschka seinen Lebensmittelpunkt in Dresden und erhielt 1919 die Professur an der Dresdner Kunstakademie, von der wurde er aber 1927 freigestellt da er wenig anwesend war, Otto Dix erhielt die Professur. Mit Oskar Kokoschka, Max Liebermann und Ernst Oppler wurden 1919 erstmals moderne Radierungen in der dritten Auflage des Kataloges von Hermann Struck „Die Kunst des Radierens“ veröffentlicht. Im Jahr 1925 unternahm er ausgedehnte Reisen in Europa, diese inspirierten ihn zu vielen Städte- und Landschaftsbildern.

Ab 1928 und 1929 zog es Kokoschka vorwiegend nach Nordafrika und in die Gebiete des östliche Mittelmeeres, ein Jahr später wird er Mitglied der Preussischen Akademie der Künste in Berlin. Zu dieser Zeit begannen die Machtdemonstrationenen und Übergriffe der Nazis auf „entartete“ Kunst, im November 1930 wurden im Weimarer Schlossmuseum die Werke von Kokoschka entfernt, insgesamt wurden 70 Werke der Moderne beschlagnahmt, unter anderem waren Werke von Paul Klee, Wassily Kandinsky und Otto Dix dabei. In diesem bewegten Jahr löste er den Vertrag mit dem Verlag des verstorbenen Paul Cassirer auf, da dieser sein Gehalt reduzieren wollte. Ab 1931 hielt er sich wieder in Wien auf, da er aber in Paris und Wien Ausstellungen hatte, pendelte er abwechselnd zwischen den beiden Städten. 1933 starb Adolf Loos, Kokoschka ging es gesundheitlich sowie finanziell nicht sehr gut und zieht daher im Sommer zu seiner Mutter ins Wiener Liebhartstal.
Er äußerte sich sehr kritisch zum Kulturmythos der Nazis in seinem Aufsatz „Totem und Tabu. Denkübungen eines Zynikers“, Kokoschka war Antifaschist und hatte sich diesbezüglich kein Blatt vor den Mund genommen. Auf Grund des Bürgerkrieges und nach dem Tod seiner Mutter floh er im September 1934 nach Prag, wo er seine spätere Frau Olda Palkovská kennenlernte. Ein Jahr später porträtierte er den tschechoslowakischen Staatspräsidenten Thomas G. Massaryk und im gleichen Jahr wurde Kokoschka tschechischer Staatsbürger. In Prag begann er das Drama „Comenius“ und malte den Zuckerfabrikanten und Kunstliebhaber Ferdinand Bloch-Bauer. 1937 wurde der Oskar Kokoschka Bund in Prag gegründet um dem Nazionalsozialistischen Kunstunverständnis Paroli zu bieten. Für die Nazis war er der „Entartetste unter den Entarteten“ und daher ihr größter „Kunstfeind Nr. 1“, in Deutschland wurden 417 seiner „entarteten“ Werke beschlagnahmt.
Im Sommer 1938 fand in Paris eine Ausstellung „Freie Deutsche Kunst“ zusammen mit dem Pariser Deutschen Künstler-Verein statt.

Kokokschkas Flucht nach England und Nachkriegszeit

Mit dem Münchner Abkommen 1938 flüchtete Kokoschka mit Olda Palkovská nach Großbritannien, dort lebten die beiden zunächst in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Hier war er Mitbegründer des „Freien Deutschen Kulturbundes und hatte enge Kontakte zu den österreichischen Exilorganisationen. 1941 heirateten die beiden, zu dieser Zeit entstanden die Bilder „Das rote Ei“ und „Anschluss – Alice in Wonderland“. Aus seinem Exil kritisierte Kokoschka mit seinen Werken die Allierten und prangerte den Größenwahn Hitlers an.
Kurz nach dem Krieg erinnert sich Österreich an seinen großen Sohn
1946 bat ihn der Wiener Bürgermeister Körner in einem Telegramm, das Erziehungswesen in Österreich und die Kunstgewerbeschule zu organisieren, es gab aus Wien zahlreiche Ehrungen zu Kokoschkas 60. Geburtstag. 1947 erhielt das Ehepaar Kokoschka die britische Staatsbürgerschaft, in diesem Jahr besuchte er Wien um das enteignete Haus im Liebhartstal zurückzuerlangen, was ihm nicht gelang.
Die konservative Einstellung und negative Haltung der Wiener Kunstakademie zu Kokoschka dem „Rebell“ und „Bürgerschreck“ erschwerten die Versuche einer Berufung nach Österreich, trotz aller Bemühungen von Seiten einiger Politiker, gelang es nicht ihn zu einer Rückkehr nach Wien zu bewegen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sind seine Werke weltweit anerkannt und in internationalen Ausstellungen wie unter anderem in Basel, Zürich und New York präsent.

Aufenthalt in der Schweiz und weiterer Werdegang

Ab 1951 lebte Kokoschka in Villeneuve/ Schweiz, er übernahm die Leitung der Internationalen Sommerakademie „Schule des Sehens“ in Salzburg und hielt von 1953 bis 1962 Malkurse ab. Nach Gesprächen mit dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler entwarf Kokoschka Kostüme und Bühnenbild für die Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen 1955. Im selben Jahr war er auf der ersten documenta mit sieben Bildern vertreten. Das Wiener Künstlerhaus zeigte 1958 mit großem Erfolg eine große Kokoschka-Retrospektive mit 682 Katalognummern, 1960 erhielt er mit Marc Chagall den Internationalen Erasmus-Preis in Kopenhagen, 1964 erfolgte eine weitere Teilnahme an der documenta mit seinen Werken „Bekenntnis zu Hellas“ und „Apulia“, im Jahr 1970 erschien Kokoschkas Autobiografie „Mein Leben“ die sehr persönlich und schnörkellos geschrieben wurde, drei Jahre später wurde das Oskar-Kokoschka-Dokumentationszentrums in seinem Geburtshaus in Pöchlarn eröffnet, 1974 vollendete er nach 16 Jahren sein Werk „Theseus und Antiope“ und erhielt im gleichen Jahr auf Initiative des damaligen Bundeskanzler Bruno Kreiskys die österreichische Staatsbürgerschaft. Zu seinem 90. Geburtstag gab es zahlreiche Ausstellungen und Ehrungen.
Oskar Kokoschka stirbt am 22.2.1980 im Alter von 94 Jahren in Montreux, sein Grab befindet sich am Friedhof von Clarens bei Montreux.

Zur Erinnerung an den großen Künstler wurde 1980 der „Oskar-Kokoschka-Preis“ für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Kunst von der österreichischen Bundesregierung ins Leben gerufen.

Acht Jahre nach seinem Tod gründete seine Witwe die Kokoschka-Stiftung „Fondation à la mémoire de Oskar Kokoschka“ im Musée Jenisch Vevey, hier befinden sich über tausend Werke des großen Künstlers. Die Universität für Angewandte Kunst in Wien beherbergt Kokoschkas sehr umfassende Bibliothek und zahlreiche Fotografien, der schriftliche Nachlass befindet sich seit 1981 in der Zentralbibliothek Zürich.
Die Stadtgemeinde Pöchlarn kaufte 1998 das Geburtshaus von Kokoschka, um es zu einem Museum und Galerie umzubauen. Im „Kokoschka-Haus“ finden wechslende Ausstellungen mit den Werken des Meisters sowie seiner Schüler und zeitgenössischer Künstler statt.

Oskar Kokoschka gehört zu den bedeutendsten expressionistischen Malern. Seine ausdrucksstarken Porträts, die glühende Affäre mit Alma Mahler, der er mit dem Gemälde „Die Windsbraut“ ein Denkmal setzte sowie seine Städteansichten sind ein Ausdruck dafür, was der Künstler empfunden hat.

Zitat Oskar Kokoschka: „Die wahre Kunst ist eine Kunst des Weglassens. Nur Pseudo-Künstler tragen unter allen Umständen dick auf.“

Foto

© neftali77/depositphotos.com

http://de.depositphotos.com/portfolio-1126085.html

Literatur,Weblinks und Quellen

Oskar Kokoschka, Klaus A. Schröder, Johann Winkler: Oskar Kokoschka, 1999
ISBN-13: 978-3791311234

Markus Brüderlin: Oskar Kokoschka – Humanist und Rebell, 2014
ISBN-13: 978-3777422503

Oskar Kokoschka Haus Pöchlarn

Musée Jenisch Vevey

Oskar Kokoschka-Zentrum

Sammlung im Belvedere

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