saloniere alma mahler-werfel

Alma Mahler-Werfel

die Salonière, Femme Fatale und Muse

war eine sehr schillernde herausragende Frau des 20. Jahrhunderts, aber auch eine widersprüchliche Persönlichkeit, den meisten ist sie als männermordender Vamp und Femme Fatale in Erinnerung. Alma Mahler-Werfel nahm aktiv am Aufbruch in die Moderne teil und scharte „tout Vienne“ in ihrem Salon, sie erlebte beide Weltkriege, die Scheinblüte der goldenen Zwanzigerjahre und das Misslingen ihrer Rückkehr aus dem Exil nach Wien. Auf Grund ihrer selbstbewußten emanzipierten und auch egoistischen Persönlichkeit erfand sie sich immer wieder neu, sie schuf um die Jahrhundertwende ein Netzwerk mit Künstlern, Literaten, Musiker und Mäzene, auf Grund ihrer Willenskraft gelang ihr dies auch im amerikanischen Exil.

Alma Mahler-Werfel wurde am 31. August 1879 in Wien geboren, sie war die Tochter des Landschaftsmalers Emil Jakob Schindler und der Sängerin Anna Sofie Bergen, Almas musikalische Begabung und ihr Interesse für Literatur wurde von ihrem Vater gefördert, nachdem dieser im Jahr 1892 starb, heiratete ihre Mutter den Jugendstilmaler und Mitbegründer der Wiener Secession Carl Moll.

Viele Wiener Künstler verkehrten im Haus Moll, so lernte das schöne, aufgeweckte und intelligente Mädchen Alma die berühmten Gäste kennen, unter anderem auch Gustav Klimt, der großes Interesse an dem siebzehnjährigen Mädchen hatte. Auch Alma fühlte sich dem berühmten Maler und Frauenverführer hingezogen, während einer Urlaubsreise in Italien (Klimt fuhr Alma nach) kam es zu dem ersten Kuss und das junge Mädchen schwor ihm ewige Treue. Nachdem Stiefvater Carl Moll die Schwärmerei entdeckte, musste ihm Klimt versprechen sich von Alma fernzuhalten. Als Gustav Klimt 1918 starb, notierte Alma Mahler drei Tage später in ihrem Tagebuch: „Mit ihm geht ein großes Stück Jugend aus meinem Leben“

Max Burckhard, er war oft Gast im Haus Moll und zu dieser Zeit Direktor des Wiener Burgtheaters, förderte ihr Interesse an Literatur, aber als Antisemit auch ihre Judenfeindlichkeit. Der Satz Nietsches: „Wer fällt, den soll man auch noch stoßen!“ wurde zu Almas Lebensmotto. Kompositionsunterricht erhielt Alma von dem Organisten Josef Labor und ab dem Jahr 1900 von dem Komponisten Alexander von Zemlinsky. Sie fühlte sich dem jüdischen Komponisten zugleich hingezogen und abgestoßen, es folgte bald eine stürmische Liason und ein Wechselbad der Gefühle, sie erlaubte Zemlinsky jede Intimität bis auf die eine und nahm ihm damit fast den Verstand. Einmal bezeichnete sie ihn als „kleinen, hässlichen Gnom“ und ein anderes mal trug sie schwülstige Liebeserklärungen in ihr Tagebuch ein. Alma beendete diese Liebesbeziehung, was zu dieser Zeit ein gewagter Schritt für eine Frau war.

Doppelhaus Koloman Moser und Carl Moll, 19. Steinfeldgasse 6 und 8, erbaut von Josef Hoffmann

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Im November 1901 lernte Alma im Haus der Saloniere Berta Zuckerkandl, die beiden hatten trotz großer Unterschiede eine lebenslange Freundschaft, den Dirigenten Gustav Mahler kennen, der Direktor der Wiener Hofoper war, drei Wochen später waren die beiden verlobt. Ihre Familie war gegen diese Verbindung, da Mahler um 19 Jahre älter war als Alma und seine jüdische Abstammung (Mahler konvertierte schon vorher zum Katholizismus) nicht zu dem Bild eines Schwiegersohnes passte.

erste Ehe mit dem Komponisten und Hofoperndirektor Gustav Mahler

Mahler schrieb im Dezember 1901 einen langen Brief an Alma, in dem er sie aufforderte ihr Komponieren aufzugeben, sie erklärte sich damit einverstanden und beugte sich den strengen Regeln. Ein paar Tage später fand die Verlobung statt und am 9. März 1902 schlossen sie in der Wiener Karlskirche den Bund der Ehe. Alma war schon schwanger als sie heirateten, die gemeinsamen Kinder waren Maria und Anna, die ältere Tochter Anna verstarb 1907 an einer Infektionskrankheit.

Das Ehepaar bezog eine Wohnung in der Nähe der Hofoper, 1902 wurde Tochter Maria geboren. Das Zusammenleben mit Mahler verlief allerdings völlig anders, als Alma es vom abwechslungsreichen und gesellschaftlichen Leben in ihrem Elternhauses gewohnt war. Alma Mahler stand immer im Mittelpunkt, seit ihrer Ehe mit Mahler gab es kaum Gesellschaften, Mahler hasste Gesellschaften und legte Wert auf einen geregelten Tagesablauf, um sein Arbeitspensum zu bewältigen, daher waren Flirts für Alma eine willkommene Abwechslung, wie z.B. mit Hans Pfitzner.

Mahlers Abgang von der Wiener Hofoper im Jahre 1907 erfolgte nach immer häufigeren Ärgernissen und Intrigen. Die Kritik an seinem Führungsstil und den vermehrten Antisemitismus konnte und wollte er nicht mehr abwenden, da das Amt der Direktion für ihn an Bedeutung verloren hatte.
Alma begleitet Mahler in die USA, er wurde in der Metropolitan Opera mit seinen Konzerten gefeiert, ohne Anfeindungen und Missgunst wie in Wien. Während Mahler endlich seine musikalischen Höhepunkte genießen konnte, fühlte sich Alma wieder einsam und fuhr 1910 mit ihrer Tochter in die Steiermark zur Kur. Dort begann sie mit dem ebenfalls auf Kur befindlichen Architekten Walter Gropius eine Affäre, von der Mahler durch einen falsch adressierten Brief erfuhr, trotzdem ging die Affäre heimlich weiter.

Als Mahler in den USA an einer fortschreitenden Herzinnenhautentzündung erkrankt, reist Alma mit Mahler nach Frankreich um Ärzte zu konsultieren, aber damals gab es kaum Behandlungsmöglichkeiten, daher reisten die beiden am 12. Mai nach Wien und nur wenige Tage später – am 18. Mai 1911 verstarb Gustav Mahler.

Das Erbe Gustav Mahlers machte Alma zu einer wohlhabenden Frau, sie war wie eh und je eine strahlend schöne Frau und daher hatte sie jede Menge Verehrer, sie ging kurze Liebschaften, neben der Beziehung zu Walter Gropius, mit dem Komponisten Franz Schreker und den Biologen Paul Kammerer ein.

Alma Mahler und Oskar Kokoschka

Eine stürmische und exessive Liebesbeziehung führte Alma mit dem Maler Oskar Kokoschka, er war schrecklich eifersüchtig und besitzergreifend, daher kam es immer wieder zu Eifersuchtsszenen. Kokoschka war sogar auf den verstorbenen Mahler eifersüchtig, Alma meinte rückblickend nach einer dreijährigen Hass-Liebe: „Niemals zuvor habe ich so viel Krampf, so viel Hölle, so viel Paradies gekostet“. Kokoschka hielt mehrmals um ihre Hand an, doch Alma entzog sich immer mehr. Dezember 1914 erfuhr Kokoschka von seiner Einberufung, er hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet, hier war Alma angeblich nicht unschuldig, da sie ihn immer wieder einen Feigling nannte. Alma hatte währenddessen wieder Kontakt zu Gropius aufgenommen und die beiden hatten im August 1915 geheiratet, laut Alma war es der einzige Mann der sich „rassisch mit mir messen konnte“. Trotzdem sah sie sich als Witwe Mahlers und betreute sein musikalische Erbe. Als Kokoschka von der Heirat erfuhr, ließ er eine eine lebensgroße Puppe anfertigen, sie glich Alma in jedem Detail, das Ergebnis war eine plumpe Figur aus Stoff und Holzwolle, die Kokoschka in einer exessiven Party köpfen ließ. Ganz schön schräge Trennungstherapie;-)

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Alma, Walter Gropius und Franz Werfel

Mit Gropius hatte sie eine gemeinsame Tochter namens Manon, sie kam 1916 zur Welt. Zu dieser zeit hatte Alma ihren Salon in der Elisabethstrasse und wieder waren es Künstler, Wissenschaftler die von ihr gefördert oder kritisiert wurden. In ihrem Salon lernte den jungen 27- jährigen Juden Franz Werfel kennen und fand ihn wenig attraktiv und störte sich an seinem jüdisch sein, aber Alma wäre nicht Alma wenn sie nicht Gefallen an ihm gefunden und künstlerisches Potential gesehen hätte, sie wurde seine Geliebte, förderte ihn und strukturierte seinen Tag. Als sie 1918 von Werfel schwanger wurde, war sie zu noch mit Gropius verheiratet, das Kind starb aber mit zehn Monaten, worauf sie Werfel die Schuld, auf Grund des „verkommenen Samen“, gab. Das Verhältnis von Alma und Werfel war publik und trotzdem nahm Gropius die Schuld auf sich, die Ehe wurde am 16. Oktober 1920 geschieden.

Alma hatte das Mahler Vermögen um 1914 zu einem großen Teil in Kriegsanleihen angelegt, daher war nur mehr sehr wenig von dem Geld übrig und die Inflation der 20er Jahre verschlang den Rest, daher mußte jetzt Franz Werfel für den Verdienst sorgen. Am 6. Juli 1929 ging sie fünzigjährig ihre dritte Ehe mit dem Juden Franz Werfel ein, den sie auch „Mannskind“ nannte, da sie fürchtete keinen Lebenspartner zu finden und nicht gewohnt war alleine zu leben. Die politische Lage in Österreich und Deutschland wurde immer radikaler und beeinflußte Alma in ihrem Antisemitismus, obwohl sie erst vor kurzem zum zweiten Mal einen jüdischen Mann geheiratet hatte. Jedoch heiratete sie Werfel nur unter der Bedingung, dass er aus der jüdischen Religionsgemeinschaft austreten müsse, Werfel trat einige Zeit später, ohne ihrem Wissen, wieder seiner Religionsgemeinschaft bei.

Als Almas zukünftiger Schwiegersohn Ernst Krenek sie zum ersten Mal sah, meinte er: „Ein prächtig aufgetakeltes Schlachtschiff“, jedoch faszinierte ihn ihre Vitalität und ihr Talent jedem Gast das Gefühl zu geben, dass sie nur für ihn da sei.

Villa Ast, Hohe Warte, 19. Steinfeldgasse 2, erbaut von Josef Hoffmann

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Als die Wohnung in der Elisabethstraße zu klein wurde, erwirbt Alma im Jahr 1931 die Villa Ast auf der Hohen Warte, sie hatte 28 Zimmer und wurde von Josef Hoffmann erbaut. Ihr Salon ist mit dem von Bertha Zuckerkandl zu vergleichen, zunächst waren es vorwiegend Künstler, später bereicherten Literaten, Politiker und Kleriker ihren Salon. Alma stand auch Kurt Schuschnigg und seinem Kreis, sowie dem 37-jährige Theologieprofessor und Ordenspriester Johannes Hollnsteiner nahe. Hollnsteiner sah in Hitler einen „neuen Luther“, er verliebte sich in die um einiges ältere Alma und die beiden begannen eine heimliche Affäre. Im Jahr 1935 verstarb ihre 19-jährige Tochter Manon an den Folgen der Kinderlähmung, die Schönheit Manons führte Alma darauf zurück, dass der Vater Walter Gropius ein Arier war. In den 30er Jahren waren der Dirigent Bruno Walter, die Schauspielerinnen Lina Loos (Exfrau von Adolf Loos) und Lotte Lehmann, die Schriftsteller Carl Zuckmayer, Hermann Broch und Egon Friedell, die Komponisten Richard Strauss und Egon Wellesz, Schauspieler Werner Krauß, Anna und Carl Moll und Paul Zsolnay (der spätere erste Ehemann von Anna Mahler), der Verleger von Franz Werfel, häufig zu Besuch. Der deutsche Theater- und Filmschaffende Albrecht Joseph, der spätere zweite Ehemann von Anna Mahler, meinte zu der Person Alma: „Alma war ein entspannte und angenehme Gastgeberin. Wußte man nichts über sie, konnte man sie auf den ersten Blick für eine Opernsängerin halten, die sich auf Wagner spezialisiert hatte. Sie war keineswegs reserviert, sondern übertrieb eher eine gewisse Hemdsärmeligkeit, sie war fröhlich, sehr wienerisch, genoss Essen und Trinken und hatte viel Freude an ihren Gästen, die stets zahlreich versammelt waren“.

Im Jahr 1937 beschließt Alma die Villa auf der Hohen Warte zu vermieten, da zuviele schmerzliche Erinnerungen mit dem Tod ihrer Tochter Manion verbunden waren, im Juni 1937 wurde ein legendäres Fest veranstaltet, bei dem der Hochadel, Politiker und Industrielle eingeladen wurden. Alma und Franz Werfel mieteten ein Appartment im Wiener Hotel Carlton, später zieht Werfel nach Marienbad und Alma nach Breitenstein.

Emigration

Am 12. Februar 1938 unterzeichnete Bundeskanzler Schuschnigg unter Hitlers Druck das „Berchtesgadener Abkommen“, das war das Ende des selbstständigen Staat Österreich. Da Tochter Anna laut den Nürnberger Rassegesetzen Halbjüdin war, verlassen Alma und Anna Österreich und fahren über Mailand, wo schon Werfel auf die beiden wartet, weiter nach Paris und Amsterdam. Am 9. Mai kommen sie in London an, wo sie bis 1940 bleiben, nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Frankreich fliehen Alma und Werfel nach New York.

Anschließend lassen sich Alma und Werfel in den Hollywood Hills in einer Villa nieder, sie trafen dort zahlreiche Emigranten aus Österreich und Deutschland. Wie in Wien, scharten sich wieder alle um die „Grande Dame“ und Alma fühlte sich bald wieder in ihrem Element.
Drei Jahre nach der Ankunft in Kalifornien, stirbt Franz Werfel am 26. August 1945 an einem Herzinfarkt. Alma besuchte Wien nur noch einmal, sie versuchte im Jahr 1947 die Vermögensfragen zu regeln, es kam mit dem österreichischen Staat wegen dem Gemälde „Sommernacht am Strand“ von Edvard Munch zu gerichtlichen Streitereien. Dieses Gemälde schenkte ihr Gropius und Carl Moll hat es nach Almas Emigration an die Österreichische Galerie Belvedere verkauft. Sie verlor den Prozess, da sie nicht belegen konnte, das das Gemälde ohne ihrem Einverständnis verkauft wurde.
Ab dem Jahr 1951 übersiedelte Alma nach New York, dort beschäftigte sie sich mit ihrer Autobiografie und verschließ einige Ghostwriter, da diese ihre antisemitischen Äußerungen ablehnten. Almas Biografie erschien im Jahr 1958 unter dem Titel „And the bridge is love“. Die Reaktion darauf war sehr verhalten, ebenso fand ihre deutsche Biografie „Mein Leben“ nicht die gewünschte Resonanz.

Alma Mahler-Werfel wurde 85 Jahre, sie verstarb am 11. Dezember 1964 in New York.

Alma Mahler-Werfel, der die Männer zu Füßen lagen, hatte ein bewegtes und exentrisches Leben, sie war als Person widersprüchlich, hatte ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, konnte Menschen vereinnahmen, Männer manipulieren und sie war eine Antisemitin. Sie war aber auch eine Frau, die sehr selbstständig agierte und ihre Sexualität in einer Zeit auslebte, in der man dies Frauen nicht zugestand.

Foto von Alma Mahler-Werfel

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Literatur

Die Salonièren und die Salons in Wien: 200 Jahre Geschichte einer besonderen Institution, Helga Peham, Styria Premium 2014
ISBN 978-3222134487

Mein Leben. von Alma Mahler-Werfel,1963
ISBN-13: 978-3596205455

fuhrmannhaus , ältestes haus im westen wiens

Fuhrmannhaus

das älteste Haus im Westen Wiens

hat eine faszinierende wie bewegte Geschichte, der älteste Baukern des denkmalgeschützten Gebäudes stammt aus dem 15. Jahrhundert, um 1560 wurde es wesentlich vergrößert und seit über 300 Jahren hat es mit ungefähr 3.700 m² sein jetziges Aussehen. Seit 1840 ist es im Besitz der Familie Fuhrmann und wird heute sehr engagiert und liebevoll von Fr. Rosina Kahofer, geb. Fuhrmann, restauriert und betreut.

Vielen Dank an Fr. Kahofer dass sie sich die Zeit nahm, um mir das Fuhrmannhaus mit seinem Vierkanthof zu zeigen und seine Historie zu erzählen.
Das Fuhrmannhaus mit seinem Innenhof und Bogengängen, die Weinschenke mit dem wunderschönen Gastgarten in dem die verschiedensten Konzerte sowie Veranstaltungen stattfinden, hat sehr viele verborgene historische Schätze aufzuweisen und ist eine einmalige Sehenswürdigkeit im Westen von Wien. Ebenso ist es für seinen Bauernmarkt, Markttag, Flohmarkt und Christkindlmarkt sehr bekannt und sehr beliebt.

die bewegte Geschichte des Fuhrmannhauses

Seit 1571 existieren lückenlose Aufzeichnung über die Besitzer, bis zum 18. Jhdt. sind im Grundbuch drei Parzellen aufgezeichnet, dass entspricht der heutigen Größe des Grundstückes. Das Fuhrmannhaus ist jedoch weitaus älter als die Aufzeichnungen aufzeigen, bei Vermessungen fand man Hinweise auf einen römischen Wachtturm. Im 12. Jahrhundert gab es sogenannte „feste Häuser“ und das Fuhrmannhaus stand damals am Ortsbeginn, am Rosenbach (der damals natürlich nicht reguliert und überwölbt war:-)) und an der damaligen Poststraße (jetzige Linzer Straße).
Im Jahr 1676 erstand ein Dr. Georg Schierl, er war „Licentiad und Geschworenen Landadvokaten zu Böhmen“, sehr lange war es jedoch nicht in seinem Besitz, schon am 18. Juni 1680 verkaufte er es dem Kolleg St. Michael (Barnabiten), hier gibt es sogar noch einen Kaufbrief, 1681 scheinen auch Hans Schmidt, der „Richter zu Hütteldorf“, und seine Ehefrau Rosina als Gewährnehmer auf.

Auszug aus diesem Brief:
„zue Hiedeldorf gelegene Haus samt alle An- und Zugehörungen, Garten, 12 Tagwerk Wiesmath und sechsthalbviertel Weingarten, wie auch alle zu der Zeit im Haus und im Keller befindende Mobilien, außer des derzeit im Keller befindenen Weins“ verkauft und zwar zu „ 1.500 Gulden
Kaufschilling und 1oo Gulden Leithkauf“.
Zitat: http://www.fuhrmannhaus.at/

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Die Barnabiten renovierten und erweiterten die Häuser, da nach dem beendetenTürkenkrieg im Jahr 1683 der Gebäudekomplex sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, in dieser Zeit scheinen im Grundbuch „drei zusammengebauten Häusern“ auf, wie schon oben berichtet, ist es die noch heute existierende Form des historischen Hauses. Das original getreu restaurierte Gitter im Stiegenhaus wurde ohne Nägel zusammengefügt und erinnert mit der Jahreszahl 1687 sowie dem Türkenkopf am Ende des Stiegengeländers an den überstanden zweiten Türkenkrieg.
Es gab in dem Gebäudekomplex eine Kapelle mit 2 Altären, jedoch konnte der Standort bis heute nicht eruiert werden. Der Wirtschaftshof der Barnabiten diente für Klosterangehörige als Sommerquartier und erhielt so manchen hohen Besuch, wie z. B. denn des Diplomaten und Ordensmann P. Don Pius Manzador, er kehrte nach einer Inspektionsreise, die er im Auftrag
der Kaiserin Maria Theresia machte, hier ein. Im Jahr 1778 brach ein verheerender Brand aus der enormen Schaden anrichtete, es wurde am 17. Februar 1779 ein Gesuch an die Ministerial Banco Hofdeputation gerichtet um die Erlaubnis 100 Baumstämme fällen zu dürfen und am 4. März 1779 wurde das Ansuchen bewilligt. Über 100 Jahre versorgte der Wirtschaftshof die Kollegien St. Michael in Wien und Mariahilf. Auf Grund der Bauschulden und dem Nachwuchsmangel wollte das Kolleg St. Michael alle abkömmlichen Immobilien verkaufen und im Jahr 1787
wurde an das k.k. Waldamt der Antrag auf Schätzung des Hauses Nr. 70 gestellt.
Bei einer Fassadenuntersuchung in Jahr 1982 und einer Baubeschreibung von 1787 vermutet man mehrere Ausbaustufen:

„Die 1. Stufe umfasst die Jahrhunderte von der Entstehung des Gebäudekomplexes bis zum Ende des 15. Jhdt. Das kleine vergitterte Fenster in der Nische, links im Hof der Weinschenke, gibt uns Zeugnis davon.
Von der 2. Stufe sehen wir in der Einfahrt, links in der Nische der Marienfigur, an der Rückwand eine Renaissance Außenwandmalerei, außerdem dürfe zu dieser Zeit das Haus einen Erker besessen haben. Der eingebaute Radabweiser, an der Ecke links von der Eingangstür zum Friseur, ist ein ehemaliger Erkerkragstein.
Die 3. Stufe ist die Bedeutendste, für die bauliche Entwicklung des Hauses. Im letzten Viertel des 17. Jhdt. traten mehrere Ereignisse ein, welch für das Schicksal des Hausen von immenser Bedeutung waren. Über den Weg einer Versteigerung, trachteten die Barnabiten ihren Besitz abzugeben. In einem Aufruf wurden Kauflustige aufgefordert, den Wirtschaftshof in Hütteldorf zu besichtigen. Die Versteigerung selbst war auf den 26. Juni 1787 um 9 Uhr festgesetzt. Das Flugblatt zur Verlautbarung der Versteigerung trug den Titel „Nachricht“ und wurde vom k.k. Waldamt in Purkersdorf bekannt gemacht. Die „Nachricht“ ist für das heutige Fuhrmannhaus insofern von Bedeutung, als sie Einblick gibt, in die ursprüngliche Verwendung der einzelnen Räumlichkeiten. Die Lage des Hauses Nr. 70 wird neben den Lindengassl (heutige Rosentalgasse) wie folgt beschrieben: „Im 1. Stock 8 Winter- und 7 Sommerzimmer, 2 Kammern, dann 2 mit Stein gepflasterten Communikationsgängen, alles stokadort (Stuckatur), zu ebener Erde ein Salletl, ein Billardzimmer, eine Kapelle, ein Zimmer, zwey Kammern, eine grosse und kleine Kuchl, eine Speise, Pferdestallung auf 8 Stück, ein Kuhstall auf 4 Stück, alles gewölbt, ein gepflasteter Hof und 2 Keller, dann ein 13 Klafter* 5 Schuh* lang, und 3 Klafter* 3 zweydritl Schuh* breite Salaterena, stokadort mit offenen Bögen, gegen dem Garten mit einem Einfahrtsthor von der Strasse, nebst einem mit verschiedenen guten Obstbäumen besetzten, 700 Quadratklafter haltenden Hausgarten befindlich durch den Weg der Versteigerung gegen baare Bezahlung käuflich hindangegeben werden“.
Zitat: http://www.fuhrmannhaus.at/

Das Kolleg St. Michael verkaufte am 6. September 1788 den Gebäudekomplex an Johann Michael Eimmer, schon 1808 kam es durch Versteigerung zu einem Besitzerwechsel, der neue Besitzer war der bürgerlichen Eisenhändler Franz Winkler. Im Jahr 1811 kaufte Friedrich Graf von Schwarzenberg das Haus und bis 1840 gab es noch etliche Besitzer, bis es Franz Xaver Fuhrmann und seine Frau Barbara erwarben, nach ihnen trägt das Haus seinen Namen.
Die Fuhrmanns hatten vorher einen Ziegelofen in Heiligenstadt vom Stift Klosterneuburg gepachtet, in Hütteldorf gründten sie einen Fuhrwerksbetrieb, laut Verzeichnis der Gesellschafts- und Stellwagen aus dem Jahr 1851 fuhr ein Stellwagen täglich in die Stadt und wieder retour. Es gab auch Pferdestallungen und die Einfahrtstore wurden hofseitig durch herablaßbare Gitter gesichert, die Gleitstangen und Seilräder sind teilweise noch erhalten und wurden detailgetreu restauriert. Anton Fuhrmann, der Sohn von Franz Xaver und Barbara Fuhrmann, übernahm den Betrieb, der Großfuhrwerksbesitzer wurde im Jahre 1907 zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt, die Kopie der Urkunde befindet sich in der Weinschenke.

Im Gebäudekomplex Linzerstrasse 406 befand sich auch einige Zeit die Gemeindestube von Hütteldorf. Nach dem ersten Weltkrieg und der Zwischenkriegszeit verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der Familie Fuhrmann, es erfolgte die Umstellungen vom Pferd zum Autobetrieb, diese Umstände verhinderten die notwendigen Verbesserungen des Fuhrmannhauses.

die Powerfrauen des Fuhrmannhauses

Den Fortbestand des Hauses konnte Katharina Fuhrmann mit Sohn Robert retten, indem sie im Fuhrmannhaus mit einem Gemischtwarenhandel mit Sand, Kalk, Zement begonnen hatten. In dieser Zeit entstanden die Schrebergärten im Rosental und am Wolfersberg, daher vergrößtern sie ihr Warenangebot und ihre finanzielle Situation verbesserte sich zusehends, so dass sie das desolate Schindeldach durch eine neue Eternitdeckung ersetzen konnten, diese liegt bis heute am Dach. Damit mehr Geld zur Verfügung stand, ließ Katharina Fuhrmann den „Hobernsaal“, der heute der Freskensaal ist und vorherige Futterkammer für die Pferde war, zu zwei Wohnungen umbauen. Nach dem 2. Weltkrieg wohnten und arbeiteten über 100 Personen im Haus, die sich zwei Wandbrunnen und zwei Toiletten ohne Wasserspülung teilen mußten.
Katharina Fuhrmann war eine sehr beachtliche Frau, die sehr viel leistete und ihr ist es zu verdanken das dieses Haus der Nachwelt erhalten blieb.
Während dem zweiten Weltkrieg mußte Rosina Fuhrmann, die Schwiegertochter von Katharina Fuhrmann, den Betrieb mit ihren drei kleinen Kindern alleine weiterführen. Auf Grund des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 50er Jahren und der steigenden Nachfrage nach Baumaterialien wurde ein 380 Steyrer Diesel LKW angeschafft und Hertha Dopplinger, geborene Fuhrmann und Tochter der Rosina Fuhrmann, machte 1956 den Führerschein und fuhr dann lange alleine mit dem LKW, sie war damals eine von drei Frauen die mit einem LKW in Wien fuhren. Zu dieser Zeit war es für eine Frau weitaus schwieriger als heute, eine Familie mit drei Kindern und Geschäft auf einen Nenner zu bringen. Trotzdem wurde im Jahr 1959 ein Steinbruch im Waldviertel gekauft und so lernte Hertha Dopplinger die Bauern aus der Umgebung und ihre Produkte kennen. Obwohl es sehr viele Bedenken gab, konnte Hertha Dopplinger die Waldviertler Bauern überzeugen, die Produkte in Wien zu verkaufen und ab 1983 gab es im Fuhrmannhaus den ersten Bauernmarkt. Da die Stallungen in ihrer eigentlichen Funktion keine Verwendung hatten, wurden sie in Lager, Büro- und Verkaufsraum umgewidmet.

Das Fuhrmannhaus hatte durch Erbschaften mehrere Eigentümer, was nicht von Vorteil für das historische Haus war, da es durch verschiedene Ansichten über die Nutzung und immer wieder notwendigen Reparaturen zu Diskrepanzen zwischen den Eigentümern kam. Daher war es von Hertha Dopplinger und ihrem Mann das Bestreben, die anderen Eigentümer auszuzahlen und alleinige Eigentümer des Fuhrmannhauses zu werden, dies gelang ihnen jedoch erst nach einen jahrelangen zähen Kampf. Danach wurde der geschichtsträchtige Gebäudekomplex saniert und vor ca 33 Jahren entdeckte das Bundesdenkmalamt die historischen Fresken im Freskensaal, sie waren übermalen und wurden in mehreren Etappen freigelegt, sie sind heute in voller Schönheit zu bewundern. Weiters ist eine historische Marienstatue im Eingang zum Innenhof und ein Kotter mit kleinem Fenster zu besichtigen.
Das historische Haus ist heute im Besitz von Rosina Kahofer, der Tochter von Hertha Dopplinger.

Im Fuhrmannhaus befinden sich mehrere Betriebe und Wohnungen, der bekannteste Betrieb ist die Weinschenke, die sehr vielfältige Veranstaltungen anbietet und natürlich typische Wiener Hausmannskost. Jeden Mittwoch von 9.00 – 13.00 Uhr bietet der Markttag köstliche Schmankerln an, weiters gibt es einen Bauernmarkt mit Kunst und Handwerk, einen Flohmarkt und einen Christkindlmarkt mit Christbaumverkauf.

Die genauen Zeiten sind im Terminkalender zu finden.

Adresse

Linzer Straße 404, 1140 Wien

Wiener Linien: Linie 49 bis Rosentalgasse

Öffi-App

Weblinks
http://www.bauernmarkt-fuhrmannhaus.com/index.html

http://www.fuhrmannhaus.at/

art nouveau französische botschaftschwarzenbergplatz

französische Botschaft in Wien

Art Nouveau am Schwarzenbergplatz

Das Gebäude der französischen Botschaft hat mich schon als Kind fasziniert, jedes Mal wenn wir vorbei spazierten fragte ich meine Eltern warum wir hier nicht wohnen;-) zu Hause zeichnete ich immer das Palais nach, es gehörte zu meinen frühkindlichen Werken wie das Parlament und Rathaus.
Heute wohne ich noch immer nicht in dem Art Nouveau Palais, aber ich finde es nach wie vor sehr faszinierend:-).

Im Jahr 1909 wurde die neue französische Botschaft am Schwarzenbergplatz 12 eröffnet wurde, Gespräche über einen Neubau einer französischen Botschaft gingen auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, die französischen Diplomaten hatten immer in angemieteten Häusern logiert und bis 1909 keine eigenständige Residenz besessen. Das letzte angemietete Haus war das Palais Lobkowitz, der Botschafter Agénor de Gramont beschwerte sich in Paris, dass er das französische Kaiserpaar im angemieteten Palais Lobkowitz nicht würdig empfangen könne, da die öffentlichen Pferdefuhrwerke ihren Standplatz vor der Botschaft hätten und die Geruchsbelästigung zu groß sei.


Anlässlich der Stadterweiterung verkaufte die Stadt Wien im Mai 1901, nach zähen Verhandlungen mit dem Wiener Stadterweiterungsfonds, der Republik Frankreich drei Parzellen. Im Mai dieses Jahres wurde der Kaufvertrag unterfertigt und vom Wiener Bürgermeister Karl Lueger gegengezeichnet.
Den Bauauftrag erhielt der Architekt O. Carre gemeinsam mit der Wiener Baufirma Bauque & Pio, im Jahr 1901 wurden die Arbeiten aus unbekannten Gründen dem jungen französische Architekt Georges-Paul Chédanne, der bei der Weltausstellung 1899 einen Grand Prix gewonnen und in Paris die legendären Galeries Lafayette erbaut hatte, übertragen.

die Legenden um die französische Botschaft

In dieser Zeit begann auch die Gerüchteküche um das im Art Nouveau erbauten Gebäude zu brodeln. Ein anderes Gerücht verbreitete sich, dass die Architekturpläne mit den Plänen für Konstantinopel vertauscht worden wären oder sogar in Kairo, was sehr merkwürdig ist, da es zu dieser Zeit keine Botschaft in Ägypten gab. Die Legende der vertauschten Pläne könnten daher kommen, dass der Verwalter im Jahr 1912 mit der Möblierung der Botschaften in Wien sowie für Konstantinopel beauftragt wurde.

Das Palais im französischen Jugendstil

ist ein prächtiges dreistöckiges Gebäude, dass Parallelen zur französischen Palastarchitektur des 18.Jahrunderts aufweist. Auffallend ist das Fehlen eines Portales an der Hauptfassade, der Haupteingang befindet sich mit seiner geschwungenen Marquise auf der Rückseite, auf seinem Giebel befinden sich die stolzen Initialen der République Française – R.F., diese sind von drei weiblichen Figuren umgeben und versinnbildlichen die Liberté, Égalité und Fraternité. Der Blickfang an der Hauptfassade sind die, als zwei große Reliefs dargestellten, weiblichen Figuren aus vergoldeter Bronze, sie stellen die französisch-österreichische Freundschaft durch die Allegorien der „Austria“ und der „France“ dar, die einander die Ehre erweisen.

Die „Austria“ stammt vom Bildhauers Paul Gasq, die „France“ wurde vom Bildhauer François Sicard entworfen. Das Gebäude und die Innenräume präsentieren den französischen Jugendstil, die Möbel, Stoffe, Geschirr, Beleuchtungskörper uvm. wurden von den bedeutendsten Künstler Frankreichs entworfen, der aufwendige Aufzug wurde von der Wiener Firma Freissler und Füglister hergestellt. Der französische Möbeldesigner Louis Majorelle fertigte in seinem Kunsthandwerksatelier in Nancy unter anderem die geschwungenen Fenster- und Balkongeländer entlang der Fassaden an oder die prunkvollen Geländers entlang der Ehrentreppe.

das Art Nouveau Gebäude wurde als Affront empfunden

und traf nicht den Geschmack der WienerInnen, sie fanden den Stil als fremdartig und auch „orientalisch“, obwohl sich die meisten schon an die exotische, im Jahr 1890, erbaute Zacherlfabrik gewöhnt hatten. Die Wiener hatten sehr oft Vorbehalte gegen Neues, diese konservative Einstellung ist manchesmal auch heute noch zu finden.

Das „Illustrierte Extrablatt“ schrieb damals von dem „im Barockstil gehaltenen Palais..“, M. Paul meinte im Jahr 1910 in seinem Buch „Technischer Führer durch Wien“: „als ein Fremdling im architektonischen Bilde unserer Stadt“. Der Inspektor des französischen Außenministeriums für Immobilien hingegen meinte, „daß es Frankreich zu Ehren gereicht“.

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Die Gestaltungsweise im französischen Art Nouveau konnte in Wien jedenfalls nicht Fuß fassen, denn das Gebäude „verrät sofort, dass sein Architekt kein Wiener war“, wie selbst Ákos Moravánszky, Professor für Architekturtheorie, in seinem Buch „Die Architektur der Donaumonarchie“ aus dem Jahr 1988 formuliert.

Anfang der zwanziger Jahre, als sich die österreichisch-französischen Beziehungen wieder einmal auf einem Tiefstand befanden, lehnten auch die Franzosen den Baustil als entsetzlich ab. Der damaliger Botschafter verurteilte den zweifelhaften Geschmack und den fehlenden Einklang mit dem Stil des Hauses Habsburg, nach Ende des ersten Weltkrieges wurde sogar der Verkauf, des als unproportioniert befundenen Gebäudes, erwogen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus beschädigt, und der neue französische Hochkommissar Antoine Bethouart nahm lieber in Hütteldorf Quartier, als in der Nähe der Russen. Fast wäre die französische Botschaft abgerissen worden, zum Glück hatte sich der damalige französische Kulturminister und bedeutende Literat Andre Malraux für ihren Erhalt eingesetzt.

Die Umbauarbeiten waren nicht mit gutem Geschmack gesegnet, aber umso mehr mit Zerstörung, es wurde die prächtige Ornamentik massiv zerstört und die großen Empfangsräume wurden zum Teil in Büros umgewandelt.

Aber trotz allem ist das Palais am Schwarzenbergplatz 12 ein Prunkstück seiner Epoche.

Adresse

Technikerstraße 2, 1040 Wien

Wiener Linien: Linie 71 oder D bis Schwarzenbergplatz

Öffi-App

Literatur

Architektur der Diplomatie: Repräsentation in europäischen Botschaftsbauten, 1800-1920 von Jakob Hort, 2014
ISBN-13: 978-3525101339

Weblinks

http://www.ambafrance-at.org/-Deutsch-

https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Franz%C3%B6sische_Botschaft

http://www.architektenlexikon.at/de/76.htm

kleinster weingarten wien schwarzenbergplatz

kleinste Wiener Weingarten

der kleine Weingarten in der Wiener Innenstadt

Mit nur 100 m2 ist der Weingarten am Schwarzenbergplatz 2 der kleinste in Wien, er befindet sich neben dem repräsentativen Palais Erzherzog Ludwig Viktor in einem kleinen, von einer prunkvollen Steinbalustrade eingefaßten Vorgarten des Palais Wiener von Welten. Er ist letzte noch existierende Weingarten im Stadtzentrum Wiens.

Der kleine Stadt-Weingarten ist einem Hr. Gerdenitsch zu verdanken, er betreute das Haus am Schwarzenbergplatz Nummer 2 und setzte im Jahr 1924 erfolgreich den ersten Rebstock. Da dieser bald saftige Trauben trug, nannte er ihn „Ehrenstock der Stadt Wien“, dass auf dem Platz mitten in der Stadt etwas ungewöhnliches wuchs, blieb nicht unbemerkt und so kamen durch einen Inhaber mehrerer Weinrebschulen zwanzig Rebstöcke dazu. Sie gediehen ebenfalls prächtig und im Laufe der Zeit kamen immer mehr Weinbaustöcke dazu und so enstand in der Wiener Innenstadt ein kleiner aber feiner Weingarten, der in einem sehr guten Jahr bis zu 160 Kilogramm Trauben Ertrag oder etwa 50 bis 60 Flaschen Wein einbringt.

der älteste Weingarten in Wien

Der historische Weingarten am Wiener Schwarzenbergplatz wird durch das Weingut Mayer am Pfarrplatz betreut. Die Bedingungen im Stadtzentrum sind nicht mit jenen vom Nussberg zu vergleichen, da durch Temperaturen, Wasserhaushalt und dem Boden die Vegetationsphase der Reben völlig anders verläuft und die Sorten der 60 Rebstöcke, auf Grund ihres Alters, nicht bekannt sind. Das Endprodukt kann sich aber sehen lassen, oder in diesem Fall besser „schmecken“:-), es ist ein qualitativer, wunderbarer „Wiener Gemischten Satz“.

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In Wien sind ca 30 Prozent der Wiener Weißweinflächen mit dem „Wiener Gemischtem Satz“ bepflanzt. Etwas 30 Prozent des ältesten Wiener Weingartens bestehen aus der Sorte „Grüner Veltliner“der Rest besteht aus verschiedenen, früher üblichen Weinsorten.

Bei der jährlichen Weinlese legt seit dem Jahr 1999 Wiens Bürgermeister Michael Häupl, mit Unterstützung prominenter Helfer, Hand an, der Wein aus dem kleinsten Weingarten von Wien wird dann nach einjähriger Reife für wohltätige Zweck versteigert.

Adresse

Schwarzenbergplatz 2, 1010 Wien

Wiener Linien: Linie 2, D oder 71 bis Schwarzenbergplatz

Öffi-App

Weblinks

http://weinclub.verlagfranz.com/Weinclub/Weinclub-Web/Wein-News/Wien-Lese-im-kleinsten-Wiener-Weingarten

http://www.wienerwein.at/index.php?id=418&tx_ttnews[tt_news]=68&cHash=6d0587ec920a97dcdc38ef037e8d9556

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19370905&seite=8

josefsdorfer friedhof wien

Josefsdorfer Waldfriedhof

oder auch Kahlenberger Friedhof

Der kleine denkmalgeschützte Biedermeierfriedhof liegt, unterhalb des auf dem Kahlenberg gelegenen Josefsdorfes (das Josefsdorf ist seit 1892 ein Teil des Kahlenbergerdorfes), neben der Kahlenberger Straße. Er wurde im Dezember 1783 eingeweiht und es gab ursprünglich an die 150 Grabstätten, unter anderem fanden hier einige der ehemaligen Besitzer des Josefsdorfes ihr letzte Ruhestätte. Das kleine zum Großteil unbekannte Kleinod liegt etwas versteckt, durch einen Holzzaun begrenzt, im Wienerwald, es führen ein paar Stiegen von der Kahlenbergerstraße zu dem Eisentor des Biedermeierfriedhofes.

Nach der Eröffnung des Zentralfriedhofes im Jahr 1874 wurde er, außer von den Resurrektionisten, nicht mehr belegt, heute sind nur mehr ein paar Gräber vorhanden. Seit 1906 ist der Orden der Resurrektionisten Besitzer der Kahlenberger Kirche und des Friedhofs, im Jahr 1966 wurde der Biedermeier-Friedhof für die Öffentlichkeit zur Besichtigung freigegeben.

Prälat Leopold Ungar, Präsident der österreichischen Caritas der Erzdiözese Wien, wurde hier 1992 bestattet, erstmals nach über 100 Jahren fand ein nicht dem Orden angehörender Verstorbener seine letzte Ruhe.

Neben Mitgliedern der Fürstenfamilie Liechtenstein wurde hier der „rosarote Prinz“ (die Aufschläge seines Waffenrocks waren rosa, diese wurde seine Lieblingsfarbe und ab diesem Zeitpunkt waren sein Briefpapier, die Fassadenfarbe seines Hauses sowie seine Gewänder stets rosarot) Fürst Charles Joseph de Ligne bestattet, neben ihm befinden sich seine Ehefrau Franziska Maria Xaveria von Liechtenstein und Enkelin Sidonie Potocka. Fürst Carl de Ligne war in den Diensten Kaiser Joseph II., im Alter widmete er sich vor allem der Kunst und dem Gesellschaftsleben. Er besaß ein Landhaus am Kahlenberg und ausgedehnte Güter am benachbarten Leopoldsberg, diesen ließ er durch eine serpentische Straße (den „Naseweg“) mit dem Kahlenbergerdorf verbinden. Carl de Ligne ist auch der berühmte Ausspruch über den Wiener Kongress zu verdanken: „Le congrès danse beaucoup, mais il ne marche pas“ auf Deutsch: „Der Kongress tanzt, aber er bewegt sich nicht“, er war ein ausgezeichneter Militärexperte, Diplomat und auch ein geistvoller aufgeklärter Denker, Essayist, Biograf und Briefschreiber. Auf Grund seiner Intelligenz, seinem eleganten Auftreten und seinem Witz war er sehr beliebt und einer der großen Repräsentanten des Ancien Régime. Wiens letzter Kavalier des Rokoko – Fürst Carl de Ligne starb während dem Kongress im Dezember 1814 in Wien.

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Das schönste Mädchen im Biedermeier

Auch die tragische „Braut vom Kahlenberg“, Karoline Traunwieser, wurde hier 1815 bestattet, sie war eine beliebte Sängerin und gern gesehener Gast bei Veranstaltungen des Wiener Kongresses, ihre Mutter besaß einen Teil des Kahlenbergs. Karoline Traunwieser galt einst als das schönste Mädchen Wiens und wurde von Künstlern und Gelehrten verehrt und umschwärmt. Knappe drei Jahre nachdem ihr Geliebter, ein französischer Offizier, auf Napoleons Russlandfeldzug gefallen war, starb sie im Alter von nur 21 Jahren an der Schwindsucht. Auch heute noch findet man an ihrem Grab manchesmal Kerzen und Blumen.
In ihrem Grabstein sind Gedichte und Anekdoten eingemeißelt, unter den vielen Huldigungen an Karoline war ein Beitrag des Gründers der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall, ein Orientalist, der Goethe mit persischen Gedichte versorgt hatte. Er schilderte seine erste, herzergreifende Begegnung mit ihr in einem Salon: „Ich war das erste Mal in meinem Leben von einer wirklich himmlischen Schönheit ergriffen, wie nie vorher und seitdem“. Leider gibt es von Karoline Traunwieser, die auch „Lottchen“ genannt wurde, kein Portrait.

Weiters ist das neugotische Mausoleum der Familie Johann Finsterle und die Grabstätte der Familie Ziegler zu sehen, auf zwei Grabsteinen haben sich „Witzbolde“ für die Nachwelt verewigt… das fällt unter die Dinge, die die Welt nicht braucht.

Der Josefsdorfer Waldfriedhof ist der höchstgelegenste Friedhof von Wien und ein idyllischer, romantischer Ort um sich mitten in der Natur zu besinnen.

Adresse

Kahlenberger Straße, 1190 Wien

Wiener Linien und Fußwege: 38A bis zum Cobenzl

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu dem Kahlenberger Friedhof zu gelangen:

  1. mit dem Bus 38 A bis zum Kahlenberg und dann die Kahlenbergerstraße hinunter, der Friehof befindet sich rechts,
  2. mit der Linie Straßenbahnline D bis zur Endstation Nußdorf, dann zum Beethovengang, bis zur Frimmelgasse und dann rechts in die Kahlenbergerstraße hinauf bis zum Friedhof,
  3. Bus von Heiligenstadt 238 oder 239 bis Kahlenbergerdorf, nach der Unterführung hinauf zur Eisernenhandschuhgasse bis Kahlenbergerstrasse zum Friedhof – sehr steiler Weg
    für die letzten zwei Möglichlkeiten muß man je nach Tempo und Kondition ein- bis eineinhalb Stunden einplanen

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Weblinks

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140122_OTS0095/serie-stadtunbekannt-der-kahlenberger-friedhof

Literatur

Wien-Lexikon: Von Albertina bis Zentralfriedhof, von Georg Hamann, 2007
ISBN-13: 978-3800071166