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Theater am Mittersteig

und noch ein Verfall eines historischen Theaters

Das Jugendstiltheater am Mittersteig wird auch Mala Strana, nach einem ehemaligen Möbellager, dem letzten Mieter des Theaters, genannt. Für mich unverständlich, da es nur ein Mieter von vielen war, aber da noch immer der Firmennamen auf dem Portal zu sehen ist, hat sich der Name eingeprägt.
Malá Strana bedeutet auf Deutsch: „Die Prager Kleinseite“ und ist mit dem Kleinseitner Ring ein Stadtteil von Prag. Das Theater befindet sich im Ferdinand-Hof am Mittersteig 15, im 4. Wiener Gemeindebezirk, beim Cissy-Kraner-Platz.


Das Haus am Mittersteig 15 hat mehrere Höfe und Stiegen, seit 1991 hat  die Hausverwaltung mehrmals gewechselt und so wurde es zum Spekulationsobjekt. Um 2000 wurde das Dachgeschoss ausgebaut und die allernotwendigsten Renovierungen, mit billigen Mitteln wurde oberflächlich die Optik verbessert, durchgeführt. Der Keller ist feucht, hier wurden nur sehr wenige Sanierungsmaßnahmen getroffen, und daher ist es für viele Interessenten eine zu große finanzielle Belastung das Theater wieder zu bespielen oder eine andere Idee umzusetzen. Die sanierte Fassade des Hauses und das völlig derangierte slumähnliche Theaterportal sind ein sehr großer Gegensatz, kurz gesagt, es ist ein Schandfleck auf dem Platz in Wien und eine Herabwertung des Hauses.

Sollte es nicht im Interesse der Hausverwaltung sein das Portal zu sanieren?

die turbulente Geschichte des Jugendstil-Theater am Mittersteig

Der Ferdinand-Hof wurde im Jahr 1910/11 von Franz Kupka und Gustav Orglmeister in secessionistischer Architektur erbaut. Den Theatersaal im Keller des Hauses betrieb der Hauseigentümer Ferdinand Böhm, aber nach einem kurzem und erfolglosen Theaterbetrieb wurde der Saal schon im Jahr 1913 zu einem Kino mit 556 Plätzen umfunktioniert, auch dies brachte nicht den erhofften Gewinn.

Ferdinand Böhm geriet in den 20er-Jahren in finanzielle Schwierigkeiten und so wurde das Kino an die Republik Österreich verpfändet, danach ging der Betrieb weiter. Ab dem Jahr 1923, bis zu Kriegsbeginn, wurden auch Singspiele des Arbeitervereins Margareten veranstaltet und später wurde die Projektoranlage für Tonfilme ausgerüstet.

In der Besatzungszeit wurde das Jugendstiltheater als Bordell für alliierte Soldaten genutzt, danach war es wieder ein Kino das den Namen „Wiedner Grandkino“ erhielt, da es wieder Verluste schrieb wurde es am 15.12.1969 geschlossen. Danach wurde es eine Außenstelle der Stadthalle namens „Athletic Center“ , anschließend stand es einige Zeit leer um dann von Regisseur und Theatermacher Markus Kupferblum 1994 für sein „Totalen Theater“ entdeckt zu werden. Nachdem die Subventionen gestrichen wurden, mußte der Theaterbetrieb sehr bald wieder beendet werden. Auch Hubsi Kramar hatte mit dem Jugendstil-Theater kein Glück, zuletzt wurde es zu einem Lager der Firma „Mala Strana“, von ihr stammt der Name und die „Behübschung“ des Portals. Die Möbelfirma zog im Jahr 1998 aus und seitdem wartet das historische Jugendstiltheater auf neue Besitzer.

Die Eigentümerin Conwert Immobilien Invest SE erreichte im Jahr 2011 die Umwidmung für eine Nutzung als Geschäftslokal, anschließend gab es immer wieder Gerüchte das ein Supermarkt! oder ein Fitnesscenter in das Theater einzieht. Nach bekannt werden der Umwidmung machte eine Gruppe von Künstlern die Medien darauf aufmerksam, aber auch das änderte nichts.

Aus dem Büro des Kulturstadtrat Mailath-Pokorny hieß es, das Konzepte für eine kulturelle Nachnutzung eingereicht wurden, jedoch die Projekte zu teuer seien. Laut Experten kostet eine umfassende Sanierung zwei Millionen Euro und das wäre für die Stadt Wien derzeit „nicht machbar“. Es wird viel Geld für diverse Projekte verschwendet, aber für die Sanierung eines historischen Theaterraum im Originalzustand ist der finanzielle Aufwand zu groß? Etwas eigenartig, oder?

Der Pressesprecher Clemens Billek der Firma Conwert sagte im Jahr 2012 daß man mit einigen Interessenten im Gespräch sei. „Aber ich glaube, dass das Mittersteig-Theater überschätzt wird.“ Er als Pressesprecher und daher auch Fachmann muß es ja wissen…

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Im Jahr 2012 war der geschätzte finanzielle Aufwand zwei Millionen Euro, so ist er jetzt, im Jahr 2015, sicher nicht geringer geworden, die Parkettböden und sanitären Installationen sind längst entfernt worden, der Stuck ist teilweise zerstört und im Juni 2013 wurde eingebrochen.

Das Theater am Mittersteig und der Erschließungsbereich im Ferdinand-Hof sind seit 2013 denkmalgeschützt, das bedeutet, daß es ab diesen Zeitpunkt Auflagen für den Eigentümer gibt.

Marietta Saulich von Malastrana Vienna – Bali sagte, daß sie es renovieren und in seinen ursprünglichen Glanz versetzen wollten, um es anschließend als Internationales Design & Ausstellungscenter zu benützen, aber leider war dies mit der Hausverwaltung nicht möglich.

Wieso wird in dieser Stadt mit historischer Architektur so achtlos umgegangen? Wo bleibt die Wertschätzung für das kulturelle Erbe?

Ein saniertes Theater am Mittersteig wäre eine sehr große Bereicherung für Wien, stattsdessen ist es mit dem Geschmiere diverser „Graffitikünstler“ und „Sprayer“ à la Puber ein Schandfleck mitten in Wien und hat das gleiche Schicksal wie das Jugendstil-Theater am Steinhof.

 

Adresse

Mittersteig 15, 1040 Wien


Wiener Linien: Bus 13A bis Station Leibenfrostgasse

Öffi-App
Fotos der Theater-Innenräume
© Harald A. Jahn / www.viennaslide.com

Weblinks:
http://www.theateristkeinsupermarkt.at/
http://www.viennaslide.com/
http://derstandard.at/1328507052789/Wien-Wieden-Das-Theater-ist-ein-schlechtes-Geschaeft
https://www.facebook.com/pages/Mala-Strana-Mittersteig-Theater-Darf-Kein-Supermarkt-Werden/314790988563226
http://www.theateristkeinsupermarkt.at/Unterschriftenliste.pdf

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  1. Martin
    Martin says:

    Mich wundert das die Anrainer und den Bezirk nichts dagegen unternehmen, anscheinend stört dieses heruntergekommene Portal niemand. Ist es nicht auch Aufgabe der Stadt dagegen etwas zu unternehmen? Anscheinend ist hier kein Profit zu holen!

    Antworten
    • Lisa
      Lisa says:

      Gegen die Hausverwaltung kommen die Anrainer anscheinend nicht an, ich denke auch das die Gemeinde oder das Bundesdenkmalamt etwas unternehmen könnte, aber vieleicht sind ihnen auf Grunde der Gesetze die Hände gebunden?
      Mfg. Elisabeth

      Antworten

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