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Theater am Mittersteig

und noch ein Verfall eines historischen Theaters

Das Jugendstiltheater am Mittersteig wird auch Mala Strana, nach einem ehemaligen Möbellager, dem letzten Mieter des Theaters, genannt. Für mich unverständlich, da es nur ein Mieter von vielen war, aber da noch immer der Firmennamen auf dem Portal zu sehen ist, hat sich der Name eingeprägt.
Malá Strana bedeutet auf Deutsch: „Die Prager Kleinseite“ und ist mit dem Kleinseitner Ring ein Stadtteil von Prag. Das Theater befindet sich im Ferdinand-Hof am Mittersteig 15, im 4. Wiener Gemeindebezirk, beim Cissy-Kraner-Platz.


Das Haus am Mittersteig 15 hat mehrere Höfe und Stiegen, seit 1991 hat  die Hausverwaltung mehrmals gewechselt und so wurde es zum Spekulationsobjekt. Um 2000 wurde das Dachgeschoss ausgebaut und die allernotwendigsten Renovierungen, mit billigen Mitteln wurde oberflächlich die Optik verbessert, durchgeführt. Der Keller ist feucht, hier wurden nur sehr wenige Sanierungsmaßnahmen getroffen, und daher ist es für viele Interessenten eine zu große finanzielle Belastung das Theater wieder zu bespielen oder eine andere Idee umzusetzen. Die sanierte Fassade des Hauses und das völlig derangierte slumähnliche Theaterportal sind ein sehr großer Gegensatz, kurz gesagt, es ist ein Schandfleck auf dem Platz in Wien und eine Herabwertung des Hauses.

Sollte es nicht im Interesse der Hausverwaltung sein das Portal zu sanieren?

die turbulente Geschichte des Jugendstil-Theater am Mittersteig

Der Ferdinand-Hof wurde im Jahr 1910/11 von Franz Kupka und Gustav Orglmeister in secessionistischer Architektur erbaut. Den Theatersaal im Keller des Hauses betrieb der Hauseigentümer Ferdinand Böhm, aber nach einem kurzem und erfolglosen Theaterbetrieb wurde der Saal schon im Jahr 1913 zu einem Kino mit 556 Plätzen umfunktioniert, auch dies brachte nicht den erhofften Gewinn.

Ferdinand Böhm geriet in den 20er-Jahren in finanzielle Schwierigkeiten und so wurde das Kino an die Republik Österreich verpfändet, danach ging der Betrieb weiter. Ab dem Jahr 1923, bis zu Kriegsbeginn, wurden auch Singspiele des Arbeitervereins Margareten veranstaltet und später wurde die Projektoranlage für Tonfilme ausgerüstet.

In der Besatzungszeit wurde das Jugendstiltheater als Bordell für alliierte Soldaten genutzt, danach war es wieder ein Kino das den Namen „Wiedner Grandkino“ erhielt, da es wieder Verluste schrieb wurde es am 15.12.1969 geschlossen. Danach wurde es eine Außenstelle der Stadthalle namens „Athletic Center“ , anschließend stand es einige Zeit leer um dann von Regisseur und Theatermacher Markus Kupferblum 1994 für sein „Totalen Theater“ entdeckt zu werden. Nachdem die Subventionen gestrichen wurden, mußte der Theaterbetrieb sehr bald wieder beendet werden. Auch Hubsi Kramar hatte mit dem Jugendstil-Theater kein Glück, zuletzt wurde es zu einem Lager der Firma „Mala Strana“, von ihr stammt der Name und die „Behübschung“ des Portals. Die Möbelfirma zog im Jahr 1998 aus und seitdem wartet das historische Jugendstiltheater auf neue Besitzer.

Die Eigentümerin Conwert Immobilien Invest SE erreichte im Jahr 2011 die Umwidmung für eine Nutzung als Geschäftslokal, anschließend gab es immer wieder Gerüchte das ein Supermarkt! oder ein Fitnesscenter in das Theater einzieht. Nach bekannt werden der Umwidmung machte eine Gruppe von Künstlern die Medien darauf aufmerksam, aber auch das änderte nichts.

Aus dem Büro des Kulturstadtrat Mailath-Pokorny hieß es, das Konzepte für eine kulturelle Nachnutzung eingereicht wurden, jedoch die Projekte zu teuer seien. Laut Experten kostet eine umfassende Sanierung zwei Millionen Euro und das wäre für die Stadt Wien derzeit „nicht machbar“. Es wird viel Geld für diverse Projekte verschwendet, aber für die Sanierung eines historischen Theaterraum im Originalzustand ist der finanzielle Aufwand zu groß? Etwas eigenartig, oder?

Der Pressesprecher Clemens Billek der Firma Conwert sagte im Jahr 2012 daß man mit einigen Interessenten im Gespräch sei. „Aber ich glaube, dass das Mittersteig-Theater überschätzt wird.“ Er als Pressesprecher und daher auch Fachmann muß es ja wissen…

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Im Jahr 2012 war der geschätzte finanzielle Aufwand zwei Millionen Euro, so ist er jetzt, im Jahr 2015, sicher nicht geringer geworden, die Parkettböden und sanitären Installationen sind längst entfernt worden, der Stuck ist teilweise zerstört und im Juni 2013 wurde eingebrochen.

Das Theater am Mittersteig und der Erschließungsbereich im Ferdinand-Hof sind seit 2013 denkmalgeschützt, das bedeutet, daß es ab diesen Zeitpunkt Auflagen für den Eigentümer gibt.

Marietta Saulich von Malastrana Vienna – Bali sagte, daß sie es renovieren und in seinen ursprünglichen Glanz versetzen wollten, um es anschließend als Internationales Design & Ausstellungscenter zu benützen, aber leider war dies mit der Hausverwaltung nicht möglich.

Wieso wird in dieser Stadt mit historischer Architektur so achtlos umgegangen? Wo bleibt die Wertschätzung für das kulturelle Erbe?

Ein saniertes Theater am Mittersteig wäre eine sehr große Bereicherung für Wien, stattsdessen ist es mit dem Geschmiere diverser „Graffitikünstler“ und „Sprayer“ à la Puber ein Schandfleck mitten in Wien und hat das gleiche Schicksal wie das Jugendstil-Theater am Steinhof.

 

Adresse

Mittersteig 15, 1040 Wien


Wiener Linien: Bus 13A bis Station Leibenfrostgasse

Öffi-App
Fotos der Theater-Innenräume
© Harald A. Jahn / www.viennaslide.com

Weblinks:
http://www.theateristkeinsupermarkt.at/
http://www.viennaslide.com/
http://derstandard.at/1328507052789/Wien-Wieden-Das-Theater-ist-ein-schlechtes-Geschaeft
https://www.facebook.com/pages/Mala-Strana-Mittersteig-Theater-Darf-Kein-Supermarkt-Werden/314790988563226
http://www.theateristkeinsupermarkt.at/Unterschriftenliste.pdf

bertha von suttner,nobelpreisträgerin

Bertha von Suttner

eine Kassandra der Jahrhundertwende

Die Friedensaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Bertha Sophie Felicita Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau wurde am 9. Juni 1843 in Prag (damals Österreichisch-Ungarische Monarchie) geboren.

Als Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau gehörte sie zu einer aristokratischen Familie des Habsburgerreiches. Ihr Vater Franz Joseph Graf Kinsky von Chinic und Tettau war vor ihrer Geburt gestorben und gehörte als Mitglied der Familie Kinsky, eines der vornehmsten Geschlechter Böhmens, zur obersten Gesellschaftsschicht der Monarchie. Ihre Mutter war eine geborene von Körner und kam aus dem Bürgertum, daher wurde Bertha vom Hochadel nicht als eine der ihren akzeptiert. Zur Akzeptanz fehlten ihr mütterlicher und väterlicherseits insgesamt 16 Ahnen, um in der Ersten Wiener Gesellschaft Anerkennung zu finden. Ihre Kindheit verbrachte Bertha von Kinsky vorwiegend bei ihrem Vormund Friedrich Landgraf zu Fürstenberg in Brünn und wurde von Gouvernanten erzogen, die sie auch Französisch, Italienisch und Englisch lehrten.

Durch die Spielsucht der Mutter war deren Vermögen und das Erbe von 60.000 Gulden, das Bertha von Landgraf zu Fürstenberg, nach dessen Tod im Jahr 1866 erhalten hatte, aufgebraucht. Daher mußte sie mit 30 Jahren den einzigen Weg einschlagen der Frauen ihrer Gesellschaft offenstand: zu einer anderen Familie zu ziehen, um dort Arbeit zu finden. Daher bewarb sie sich 1873 im Schloß Harmannsdorf (Weinviertel) des Barons Carl von Suttner als Gouvernante und Gesellschafterin der vier Töchter. Bald darauf verliebten sich Bertha und Arthur Gundaccar von Suttner, dem Sohn des Barons Carl von Suttner, dieser war sieben Jahre jünger als Bertha, nach drei Jahren wurde diese Liason publik und Bertha von Suttner wurde nahe gelegt zu gehen.

Alfred Nobel

Karoline von Suttner unterstützte Bertha von Kinsky bei der Suche nach einer neuen Stellung und fand eine Zeitungsannonce: „ein sehr reicher, hoch gebildeter Herr, der in Paris lebt“ und „eine sprachenkundige Dame, gleichfalls gesetzten Alters, als Sekretärin und zur Oberaufsicht des Haushalts“ suchte. Bertha antwortete auf die Annonce des Alfred Nobel, sie erhielt eine positive Antwort und reiste nach Paris. Trotz der Sympathie für Alfred Nobel nahm sie die Stelle als Sekretärin nicht an, sondern blieb nur wenige Tage in Paris. Bertha zeigte sich sehr beeindruckt von seinem Idealismus und dem offenbar pazifistischen Ziel: er „möchte einen Stoff oder eine Maschine schaffen können von so fürchterlicher, massenhaft verheerender Wirkung, daß dadurch Kriege überhaupt unmöglich würden“ und scheint von den Gesprächen mit Alfred Nobel erstmals für die pazifistische Bewegung sensibilisiert worden zu sein.
Das Zusammentreffen mit Alfred Nobel, der sich bereits 1876 intensiv mit Fragen über Krieg und Frieden auseinandersetzte, hatte einen nachhaltigen Einfluss auf Bertha von Kinsky und es entstand ein lebenslanger, freundschaftlicher Briefwechsel und eine Verbundenheit bis zu dessen Tod im Jahr 1896.
Die Stiftung des Friedensnobelpreises dürfte von Bertha von Kinsky beeinflusst worden sein. Nobel war überzeugt, dass nicht „gute Wünsche“, sondern allein Abschreckung den Frieden sichern könne, leider hatte er sich geirrt. Das Geld für die Preise stammt aus dem Vermögen, das Nobel mit seinen vielen Erfindungen gemacht hat. Er befand: „Es sei für reiche Leute unstatthaft, ihr Vermögen den Verwandten zu hinterlassen. Angesammelte große Habe müsse an die Allgemeinheit und für allgemeine Zwecke zurückgehen“.

Hochzeit und Flucht

Ihre rasche Rückkehr nach Wien hatte mit ihrer Sehnsucht nach Arthur von Suttner zu tun und am 12. Juni 1876 fand in Gumpendorf die Trauung ohne der Zustimmung der Eltern Arthurs statt. Bertha von Suttner hatte seit längerer Zeit eine Einladung der Fürstin Ekaterina von Mingrelien, daher beschloss das Paar diese anzunehmen und in den Kaukasus zu reisen. Dort verbrachten die beiden neun Jahre und verdienten ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten. Bertha verfasste Artikel und Berichte für deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften und in weiterer Folge auch ihre ersten Romane.

In ihren ersten schriftstellerischen Arbeiten finden sich bereits Gedanken, die ihre spätere pazifistische Tätigkeit prägten. In ihrem Roman „Inventarium einer Seele“ setzte sich Bertha von Suttner mit ihrer damaligen Weltanschauung auseinander und schrieb: „dass der Friede ein Zustand sei, „welcher aus dem Fortgange der Kultur notwendig sich ergeben muß“. Im Kaukasus verfolgte Bertha von Suttner erstmals bewusst Kriegsereignisse, besonders die Ereignisse des russisch-türkischen Krieges in den Jahren 1877/78.

Rückkehr nach Österreich

Der Gedanke eines möglichen Krieges zwischen Russland und Österreich-Ungarn veranlasste 1885 das Ehepaar zur Heimreise nach Harmannsdorf. Bertha von Suttner wurde nunmehr von der Familie Arthurs akzeptiert.

Bei einem Aufenthalt des Ehepaares von Suttner in Paris im Winter 1886/87 kam es nach elf Jahren wieder zu einem Treffen mit Alfred Nobel. Die Suttners trafen in Paris weitere namhafte Persönlichkeiten, die für ihr pazifistisches Engagement von besonderer Bedeutung waren. In einem Gespräch mit Wilhelm Löwenthal hörte Bertha von Suttner erstmals von der Existenz einzelner kleiner Friedensbewegungen in Europa und das in London eine International Peace and Arbitration Association gegründet wurde und dies in allen Städten Europas geplant war. Wieder in Harmannsdorf angelangt, wollte sie der Friedensbewegung einen Dienst erweisen und einen Roman verfassen, der sich ganz den Idealen der Friedensbewegung widmen und eine öffentliche Wirkung erzielen sollte. Im Jahr 1888 erscheint ihr Buch „Das Maschinenzeitalter“, es ist eines der ersten Bücher die die Folgen von Rüstung und übertriebenem Nationalismus vorhersagt. Der Roman „Die Waffen nieder! Eine Lebensgeschichte“ verfehlte das Vorhaben der Autorin nicht, auch wenn mehrere Verlage eine Publikation auf Grund des Inhalts abgelehnt hatten. Der Roman erschien 1889, er begünstigte die Verbreitung des Friedensgedankens und unterstützte die Bekanntheit der internationalen Friedensbewegung vor dem Ersten Weltkrieg. Ihre Anklage gegen den um sich greifenden Militarismus und ihre Darstellung des Kriegsgemetzels, der Massengräber und Lazarette ist so real, daß es ein internationaler Bestseller wird und in 40 Sprachen übersetzt wird.
Der Bucherfolg bestätigte Bertha von Suttner sich für die Friedensarbeit weiter zu engagieren und er verbesserte die wirtschaftliche Lage des Ehepaares. Den Winter 1890/91 verbrachte Bertha von Suttner und wirkte dort gemeinsam mit den Pazifisten Beniamino Pandolfi und Felix Moscheles an der Gründung einer lokalen Friedensgesellschaft mit, diese war für sie Impuls und Vorbild für eine österreichische Friedensgesellschaft.

Die Österreichische Friedensgesellschaft

Bereits zwei Jahrzehnte vor Gründung der Österreichischen Friedensgesellschaft im Jahr 1891 plädierten die Parlamentarier Robert von Walterskirchen und Adolph Fischhof für die Schaffung eines internationalen Parlaments, das sich aus Parlamentariern der einzelnen europäischen Staaten konstituieren sollte und für eine allgemeine europäische Rüstungsbeschränkung, leider stießen sie auf keinerlei Resonanz.
Es kam schon damals das Thema eines vereinten Europa! zur Sprache und wir haben es nach über 120 jahren noch immer nicht geschafft…

Bertha von Suttner startete am 3. September 1891 in der Neuen Freien Presse einen Aufruf zur Gründung einer österreichischen Friedensgesellschaft, sie hatte damit eine derartige Resonanz, daß bereits am 29. September 1891 eine Vorversammlung in Wien, im Alten Rathaus in der Wipplingerstraße, einberufen werden konnte.

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Das Ziel der ÖFG und ihr offiziell unpolitischer Charakter hatte auf Grund der politischen Situation der Monarchie einen schwache Position: Nationalitätenkonflikte, Dominanz militärischer Denkweisen, eine starke aristokratische Elite, die Schwäche des Liberalismus und später die große Begeisterung für Krieg bildeten ein ungünstiges Umfeld für pazifistische Aktivitäten. Da die Polizei die Befugnis zur Auflösung von Gruppen hatte, die rechts – bzw. gesetzeswidrig oder staatsgefährdend handelten, standen pazifistische Organisationen unter ständiger Kontrolle. Der begrenzte Handlungsspielraum der ÖFG wird auch dadurch verdeutlicht, daß bereits die Nichtbefolgung oder Verleitung zur Nichtbefolgung eines Militäreinrückungsbefehles einen drastischen Verstoß gegen das österreichische Strafgesetz darstellten. Daher mußte die ÖFG subversive Aktionen gegen den Staat vermeiden, um nicht der Illegalität beschuldigt zu werden und eine Zwangsauflösung zu riskieren. Dies erklärt auch zum Teil, weshalb die Aktionen der ÖFG sich auf lange Sicht als wenig effektiv erwiesen. Ein anderer Grund für die Ineffektivität der ÖFG vor dem Ersten Weltkrieg liegt an der fehlenden Unterstützung durch politische Gruppierungen.
Alfred Hermann Fried wurde im Jahr 1891 auf die Österreichische Friedensgesellschaft aufmerksam und machte in seinem ersten Schreiben an Bertha von Suttner den Vorschlag, eine Monatszeitschrift zu veröffentlichen, „um der Friedensidee in Deutschland und Oesterreich die notwendige Verbreitung zu geben“. Die erste Ausgabe der Zeitschrift „Die Waffen nieder! Monatsschriftzur Förderung der Friedensidee“ erschien am 1. Februar 1892. Während ihres Bestehens, bis 1899, bildete die Zeitschrift ein bedeutendes Forum des Pazifismus im deutschsprachigen Raum.

die erste Frau die den Friedensnobelpreis erhielt

Um die Jahrhundertwende ist Bertha von Suttner eine sehr bekannte Persönlichkeit in der Friedensbewegung Europas. Im Jahr 1905 wurde ihr der Friedensnobelpreis als Anerkennung für ihren unermüdlichen Einsatz gegen einen industriell geführten Krieg überreicht, den sie immer wieder in weiser Voraussicht beschrieb: Alle Staaten zerstampft, alle Arbeit eingestellt, alle häuslichen Herde umgeworfen, nur e i n Schrei des Schmerzes von Grenze zu Grenze- Jedes Dorf eine Brandstätte, jede Stadt ein Trümmerhaufen, jedes Feld ein Leichenfeld, und noch immer tobt der Kampf: unter den Meereswellen schießen die Torpedoboote, um mächtige Dampfer in den Grund zu ziehen; in die Wolken steigen bewaffnete und bemannte Luftschiffe einer zweiten äronautischen Truppe entgegen, und aus tausend Meter Höhe schneien verstümmelte Krieger als blutende Flocken herab …“
In ihrer Nobelpreisrede sagt sie unter anderem: „Festungen werden gebaut, Unterseeboote fabriziert, ganze Strecken unterminiert, kriegstüchtige Luftschiffe probiert für das demnächstige Losschlagen“.
Ihre Warnungen und Prophezeiungen bleiben ungehört und Europa stürzt sich mit großer Begeisterung in den ersten Weltkrieg – mit verheerenden Folgen, dem ersten Giftgaseinsatz und über 17 Millionen Toten. Bertha von Suttner erlebt diese ungeheure Katastrophe nicht, sie stirbt am 21. Juni 1914 in Wien – zwei Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Sie war Zeit ihres Lebens mit der Geringschätzung der sie umgebenden Gesellschaft konfrontiert, es war die erste Wiener Gesellschaft und die Männergesellschaft die sie als Frau nicht Ernst nahm, daher ist diese Frau (und viele andere Frauen dieser Zeit) zu bewundern, da sie trotz aller Hindernisse unbeirrbar ihren Weg ging.

Foto

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Weblinks

http://www.peacemuseumvienna.com/

http://www.linksnet.de/de/artikel/19576

Literatur

Bertha von Suttner – Kämpferin für den Frieden von Brigitte Hamann , 2013
ISBN-13: 978-3850337557

Die Waffen nieder!: Eine Lebensgeschichte von Bertha von Suttner, 2012
ISBN-13: 978-3847270317

Bertha von Suttner: Memoiren von Bertha Von Suttner,2013
ISBN-13: 978-3863474447

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Wiener Schneekugelmuseum

wie in Wien die Schneekugel entstand

Vor über 110 Jahren begann die wundersame Geschichte der Wiener Schneekugeln, die in die Welt zogen um die Menschen zu erfreuen.

Der traditionelle Gewerbebetrieb stellt in einem alten „Fuhrwerkhaus“ (das von außen nicht leicht zu erkennen ist, da ohne viel Werbung und Tam Tam) in der Schumanngasse 87 seit vier Generationen die weltbekannten Wiener Schneekugeln her, die in die ganze Welt exportiert werden. Das Unternehmen der einzigen „echten Scheekugelerzeugung“ der Welt ist in dem Haus der Fam. Perzy auf mehreren Etagen untergebracht,im Hinterhof befindet sich die Werkstätte in der die speziellen Maschinen untergebracht sind.

Im ersten Stock wird der Verkauf abgewickelt und es sind sehr viele Schneekugeln in den verschiedensten Größen zu sehen, da kommt bei mir wieder das Kind zum Vorschein und ich muß sie angreifen und schütteln:-)

Wer steckt hinter der fantastischen Idee der Schneekugeln?

Da war einmal der Erfinder Erwin Perzy I., im Jahr 1876 geboren, Spielzeug übte auf ihn schon als Kind eine große Faszination aus und später entwarf der gelernete Chirurgieinstrumentemacher Spielzeug für Groß und Klein. Im Haus seiner Eltern richtete er sich eine Werkstatt ein, in der er sich mit Erfindungen beschäftigte und hier erfand er auch den bekannten Wiener Silvestergruß, das Silvesterblei ist eine Zinnlegierung (nur so gelingt es auch mit einer Kerzenflamme) und ist bis heute als „Original Wiener Silvesterguß“ zu kaufen.

Erwin Perzy I. hatte auf Grund seines Berufes mit Spitälern zu tun und arbeitete auch an der Lösung der Beleuchtung für Operationssäle, daher experimentierte er mit einer Schusterkugel um die Lichtausbeute der Kohlenfadenlampe zu verstärken. Schuhmacher verwendeten diese Kugel um das Licht einer dahinter gestellten Kerze zu verstärken. Erwin Perzy I. fügte dem Wasser diverse Stoffe zu, welche das Licht reflektieren sollten, unter anderem verwendete er auch Grieß, dieser sank sehr langsam herab und erinnerte ihn an Schneefall.

In seiner Freizeit befasste er sich mit der Erzeugung von Miniaturen der Basilika Mariazell für einen Freund, dieser verkaufte diese Miniaturen auf einen Souvenirstand.

Durch das Experiment mit Grieß kam er auf die Idee, die Miniatur Basilika in eine Glaskugel zu geben und Grieß einzufügen – Voilà die erste Schneekugel erblickte das Licht der Welt.

Er nannte seine Erfindung „Glaskugel mit Schneeeffekt“ und meldete sie als Patent an. Auf Grund der Erfindungen Wiener Silvesterguß und Schneekugel gründete er mit seinem Bruder Ludwig um 1900 den Gewerbebetrieb an. Die ersten Schneekugeln wurden in einer kleinen Werkstatt in einem Hinterhof in der Schumanngasse 59 hergestellt und der rasche Verkauf ermunterte Erwin Perzy I. sein Produkt in Serie herzustellen. Da der Anklang sehr groß war, gab es sehr bald weitere Modelle, durch den großen geschäftlichen Erfolg erhielt er 1908 eine Ehrung von Kaiser Franz Joseph I. und in den 20er Jahren wurden die Schneekugeln sogar nach Indien exportiert. Die beiden Weltkriege brachten Rückschläge, da die Menschen in dieser Zeit kein Geld und existentielle Sorgen hatten.

Zu Beginn der 50er Jahre übernahm Erwin Perzy II. den väterlichen Betrieb und übersiedelte in das neu erworbene Haus Schumanngasse 87, wo der Betrieb bis heute angesiedelt ist. Nach dem Krieg ging es wieder bergauf, es entstanden neue Motive und die Menschen wollten sich mit schönen Dingen umgeben. Auf der Ausstellung der Nürnberger Spielwarenmesse konnte Erwin Perzy II. Kontakte in die USA knüpfen, diese wurden einer der größten Abnehmer der Schneekugeln „Made in Austria“.

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Der heutige Firmeninhaber Erwin Perzy III. übernahm 1987/1988 den (groß)väterlichen Betrieb, in den 80er Jahren waren die USA der größte Abnehmer und daher mussten andere Motive kreiiert werden, wie z. B. ein Elefant, das demokratische Maskottchen, der für den Wahlkampf des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan erzeugt wurde, oder einen Esel, der das Wappentier der Republikaner war – und das alles in einer Wiener Schneekugel.

Die Firma beschäftigte in den 80er Jahren um die 60 Mitarbeiter und erzeugte ca 200.000 Schneekugeln pro Jahr. Auf dem Schreibtisch des US-Präsidenten Bill Clinton stand eine Schneekugel aus Hernals, die mit Kunststoff-Konfetti aus der Wahlsiegesparade, statt „Schnee“ befüllt war. Erwin Perzy III. stellt die Werkzeuge, die für die Herstellung von Schneekugeln benötigt werden, selbst her.

Mit Sabine Perzy gib es die vierte Generation die denn Traditionsbetrieb weiterführen wird.

Wieviel Arbeit dahinter steckt sieht man den Plastikminiaturen nicht an, es erfordert jedoch sehr aufwendiges und präzises Arbeiten. Mit modernen Maschinen werden die Miniaturen aus Plastik hergestellt, der Rest ist aber Handarbeit, die Kunststoffmotive , von denen es heute an die 150 Vorlagen gibt, werden in Handarbeit mit wasserfesten und umweltfreundlichen Lack bemalen.

oft kopiert, nie erreicht

Die Zusammensetzung des „Schnees“ ist natürlich Familiengeheimnis, kopiert wurden und werden die Schneekugeln natürlich sehr oft, aber bei diesen Billigprodukten fällt der Schnee schon nach einigen Sekunden hinunter und die Kugeln sind aus Plastik (das Original ist aus Glas), bei den Wiener Schneekugeln – dem Wiener Original – schneit es, je nach Größe, bis zu zwei Minuten.

Heute gibt es die Wiener Schneekugeln in den Größen 25, 45, 80, 120 und 200mm, als Motive gibt es von Wiener Wahrzeichen bis zu Tiermotiven ein sehr vielfältiges Sortiment. Es werden auch auf Wunsch und Vorlage des Modells Sonderanfertigungen hergestellt.

Jeder von uns hat schon etliche Glücksbringer wie Glückschweinchen, Rauchfangkehrer oder Kleeblatt in der Hand gehabt, auch die werden von der Wiener Firma Perzy, sowie die Figuren und Gegenstände aus Zinn für das traditionelle „Bleigießen“, hergestellt. Die Wiener Schneekugeln sind in Internetshops, Museen, Souvenirläden, den Christkindlmärkten und natürlich in der Schuhmanngasse 87 erhältlich.

Das Schneekugelmuseum ist ein Museum das mit sehr viel Liebe, vielen Erinnerungen und natürlich mit vielen Schneekugeln eingerichtet wurde, ob Groß oder Klein, es ist ein Paradies für alle die Schneekugeln und Nostalgie lieben.

Adresse

Schumanngasse 87, 1170 Wien

Wiener Linien: Linie 42 bis Endstation Antonigasse oder Linie 9 bis Endstation Sommarugagasse

Öffi-App

Shop-Öffnungszeiten und Kontakt

Mo-Do 9-15 Uhr
Tel: 01 – 486 43 41

Museum-Öffnungszeiten und Kontakt

http://www.viennasnowglobe.at/index.php?page=museum&lang=ger

Weblink

http://www.viennasnowglobe.at/

sisi-kapelle,am himmel,freiherr von sothen

Sisi-Kapelle

die eigentlich Elisabethkapelle heißt

ist eine Waldkapelle im neugotischen Stil im und befindet sich auf dem Pfaffenberg „am Himmel“ in der Nähe des Cobenzl und der Bellevuehöhe.

Johann Carl Freiherr von Sothen gab die Kapelle anläßlich der Hochzeit des Kaisers Franz Joseph I. mit Elisabeth, Herzogin von Bayern im Jahre 1854 in Auftrag und sie diente der Huldigung des frisch vermählten Kaiserpaares, weiers war sie auch als Grabstätte für den Freiherr von Sothen und seiner Gattin Franziska gedacht. Da Kaiserin Elisabeth im Volksmund „Sisi“ genannt wurde, hieß die Elisabethkapelle sehr rasch Sisi-Kapelle.

Sie wurde nach Plänen von Johann Garben und Stadtbaumeister Josef Kastan errichtet, sie war damals ein absolutes Novum, da es in Wien bis dahin keine neugotischen Gebäude gab. Weitere architektonische Werke des Johann Garben sind der Kursalon im Wiener Stadtpark, das Gittertor für den Wiener Stadtpark und etliche Miethäuser im ersten und neunten Wiener Bezirk.

Wer war Johann Carl Freiherr von Sothen?

Er war ein sehr widersprüchlicher Mensch, da er einerseits als Wohltäter bekannt war, aber andererseits seine Bediensteten ausbeutete. Er besaß einen kleinen Laden im ersten Bezirk, in dem er Lose verkaufte und mit dem von ihm in Wien eingeführten, fragwürdigen Promessenspielen Millionen verdiente.
Auszug: Allgemeine Zeitung, J.G. Cotta’schen, Buchhandlung 1838
„Dieses Promessenspiel, oder das Verheuern und Vermiethen von Staatsanlehens -Loosen ist vielmehr, weil es zu den gröbsten Betrügereien Gelegenheit und Veranlassung gibt“.

Nach dem Bau der Sisikapelle protzte er damit, das durch seine Stiftung 15.000 Jahre lang Messen für sein Seelenheil gelesen werden könnten. Solche Angeber kennen wir auch heute, diese Typen sterben wohl nie aus.

Johann Carl Freiherr von Sothen starb keinen friedlichen Tod, er wurde 1881 von seinem Förster erschossen und in der Sisi-Kapelle beigesetzt. Seine Ehefrau, Franziska Freiin von Sothen starb 1903 und wurde neben ihm beigesetzt.

die Geschichte der Sisi-Kapelle

Im Jahr 1911 erbte der Nonnenorden “Zum armen Kinde Jesu” den Familienbesitz der von Sothens und renovierte anschließend die Elisabethkapelle. Im 2. Weltkrieg wurde auch die Sisikapelle schwer beschädigt und war dann jahrzehntelang dem Verfall preisgegeben.
Im Jahr 1975 entging dieses Juwel nur knapp dem Abriss, in dieser Zeit und in den Jahren zuvor war man nicht sehr zimperlich beim demolieren und abreißen historischer Gebäude, um dann so profane Architektur, wie z.B. die von Carl Appel, hinzuklotzen.

Tatsächlich rettete nur der Beschluss des Bundesdenkmalamtes die Sisi-Kapelle 1975 vor dem Abbruch, da jedoch etliche Rettungsversuche am nötigen Geld scheiterten, verfiel das Gebäude immer mehr und Vandalen trugen das ihre dazu bei, bis es fast zu gänzlichen Zerstörung kam. Die einzige Maßnahme war die Zumauerung des Eingangs und der Fenster.

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Die sakralen Einrichtungsgegenstände waren längst „verschwunden“ bzw. in Sicherheit gebracht worden. Das bemerkenswerte Altarbild von Leopold Kupelwieser („Maria als Himmelskönigin mit drei Heiligen“) wurde bereits zu Kriegsbeginn in Sicherheit gebracht, es ist heute restauriert und befindet sich im Wiener Diözesanmuseum.

Rettung fünf Minuten vor zwölf

Der gemeinnützige Verein „Kuratorium Wald“ erwirbt 2002 das Gebäude sowie das Grundstück und stellte sich bis zum 150. Geburtstag der Kapelle das Ziel, das dieses neugotische Juwel komplett saniert wird und rein äußerlich den strengen Maßstäben der Denkmalschützer entspricht. Der Wiener Altstadtsanierungsfonds stellte dafür 475.000 Euro bei, die restlichen 300.000 Euro kamen über eine organisierte Spendenaktion des „Kuratorium“, die von vielen Firmen und privaten Spendern unterstützt wurde.
Die sterblichen Überreste der von Sothens wurden 2003 in der neugebauten Gruft an der Südseite der Sisi-Kapelle beigesetzt.

Die Restaurierung wurde mit viel Liebe und detaillierter Kleinarbeit umgesetzt und am 8. Juli 2006 wurde die Sisikapelle in neuer Konzeption mit der Auftragskomposition “Kryptomnesie” von O.M. Zykan in der Lichtinszenierung von Hans Hoffer feierlich eröffnet.

Innen erinnert fast nichts mehr an den ursprünglichen sakralen Zweck der Elisabeth-Kapelle, sie ist jetzt ein Ort an dem sich Natur und Kunst durchdringen sollen. Ein “Kreuzweg der Natur” wird auf vierzehn in die Wand eingelassenen Flachbildschirmen gezeigt.

Die Sisi-Kapelle steht für eine Vielzahl an kulturellen oder privaten Verwendungen wie Konzerte, Lesungen, Firmen- und Privatfeiern, Hochzeiten, Seminare uvm. zur Verfügung, sie ist auch technisch sehr gut mit einer Multisoundanlage (Innen- und Außenbeschallung), 14 Flatscreens, Ledscheinwerfer und optionaler Breitband-Internetanschluss ausgestattet.

Ein Sommerfest oder eine Trauung in der Sisi-Kapelle, die mitten im schönen Wienerwald steht, und dem angrenzende Café Restaurant Oktogon am Himmel zu veranstalten bzw. zu vollziehen ist doch eine sehr schöne und romantische Idee, findet ihr nicht auch?

Adresse
1190 Wien, Himmelstraße Ecke Höhenstraße

Wiener Linien: 38A bis zum Cobenzl

Öffi-App

Öffnungszeiten Oktogon und Kontakt
ganzjährig geöffnet
März bis Oktober:
Mittwoch bis Freitag: 12.00 bis 22.00 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag: 11.00 bis 22.00 Uhr
Montag, Dienstag Ruhetag

November bis Februar:
Donnerstag, Freitag: 12.00 bis 22.00 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag: 11.00 bis 22.00 Uhr
Montag, Dienstag, Mittwoch Ruhetag
Küche durchgehend bis 20.30 Uhr

himmel@himmel.at

Weblinks

https://www.falter.at/web/ffiw/detail.php?id=4396

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtleben/301385_Von-der-Ruine-zum-Kleinod-Sisi-Kapelle-am-Himmel.html

http://www.himmel.at

http://www.himmel.at/sisi-kapelle/

http://www.himmel.at/oktogon/cafe-restaurant/

Gedenkstätte Steinhof,spiegelgrund,gross,ns-ärzte

Gedenkstätte Steinhof

die Verbrechen der NS-Medizin in Wien

Eine Ausstellung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes: Der Krieg gegen die „Minderwertigen“

Die Ausstellung ist im Pavillon V des Otto-Wagner-Spitals zu sehen und zeigt erschütternde Einblicke in das menschenverachtende System des Nazi-Regimes.
In den Jahren 1940 bis 1945 wurden vom Nazi-Regime ca 800 angeblich oder tatsächlich geistig bzw. körperlich behinderte Kinder am Spiegelgrund für Experimente angehalten und ermordet, ca 7500 Patienten fielen den Verbrechen der Nazis zum Opfer.

Es gibt leider nur mehr wenige Zeitzeugen und „Spiegelgrund-Überlebende“, einer von ihnen war Friedrich Zawrel. Er ist 2015 in Wien gestorben und war ein Überlebender des Kinder-Euthanasie-Programms

Das Mitwirken der Ärzte und des Pflegepersonals garantierte den reibungslosen Ablauf in den Anstalten. Die Beweggründe sind sehr vielfältig, ob aus Sadismus, Profilierungssucht, Geltungsdrang, anpassen an das System oder im „Namen“ der Wissenschaft, sie sind verabscheuungswürdig und nicht mit dem dem hippokratischen Eid, dieser ist die Grundlage ärztlicher Ethik, vereinbar.
Auszug aus dem hippokratischen Eid:
„Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken nach meinem besten Vermögen und Urteil, sie schützen vor allem, was ihnen schaden und Unrecht zufügen könnte.“

Zitat von Karl Kraus: „Die Kultur endet, indem die Barbaren
aus ihr ausbrechen“.

Zucht des arischen und gesunden Menschen

Schon Ende des 19. Jahrhunderts beschäftigte sich die Wissenschaft mit der Eugenik und es wurde zwischen“positiver Eugenik“ und „negativer Eugenik“ unterschieden, diese fand in Europa und den USA sehr große Zustimmung.
Hier waren ja Antisemitismus, Kolonialismus und Rassismus an der Tagesordnung, ebenso wie die Bezeichnungen Herrenrasse bzw. Herrenvolk. Da ist dann nur mehr ein kleiner Schritt sich zu erdreisten, was lebens- und unwertes Leben ist.

In Deutschland entstand die Bezeichnung „Rassenhygiene“, hier ging es der Wissenschaft um die Zucht „arischen Herrenmenschen“. Zur Gruppe der „Minderwertigen“ gehörten Juden, also alles „Fremdrassige, Homosexuelle, sogenannte „Asoziale“, physisch, psychisch und geistig Behinderte.

Als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, entstanden die „Nürnberger Gesetze“ die jeglichen Kontakt mit Juden verboten. Das  „Ehegesundheitsgesetz“ verbot die Eheschließung, wenn der oder die Verlobte eine „mit Ansteckungsgefahr verbundenen Krankheit“ hat, Schädigung des Partners oder der Kinder zu befürchten ist, ein Partner entmündigt ist oder eine Erbkrankheit hat.

Die Wissenschaft im dritten Reich

beschäftigte sich mit der Begutachtung „andersrassigen“ und ethnischen Minderheiten, sie trug ihren Beitrag dazu bei, dass der Rassenwahn auch in den Gestzen legitimiert wurde.
Die Nazi-Maschinerie war bestens inszeniert, sowie bis ins kleinste Detail aufbereitet, und fast alle spielten bereitwillig mit.

„Aktion T4“ war die Abkürzung für die Adresse Zentraldienststelle T4 in der Tiergartenstraße 4 Berlin, sie war die Adresse für die geheime Zentraldienststelle der Nationalsozialisten. Dieser Aktion, „Vernichtung lebensunwerten Lebens“, fielen 70.000 Menschen unter der Tarnung „Euthanasie“ zum Opfer.

Es waren auch sehr viele Juden unter den ermordeten Pfleglingen, Viktor Frankl war Arzt im jüdischen Spital Rothschild bemühte sich, sovile jüdische PatientInnen wie möglich zu retten.

der Ermordung der Kinder am Spiegelgrund

und hat in den letzten Jahrzehnten viele Menschen besonders erschütternd, diesem Thema wird in der Gedenkstätte viel Aufmerksamkeit gewidmet.

Anna Wödl mit ihrem behinderten Sohn Alfred, um dessen Rettung sie sich erfolglos bemühte, der sechsjährige wurde am 22. Februar 1941 am Spiegelgrund getötet.

Die Kinder wurden in der Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“ am Pavillon15 und 17 untergebracht, sie hieß ab dem Jahr 1942 Heilpädagogische Klinik „Am Spiegelgrund“.
Es wurden hier mindestens 772 Kinder getötet, Krankengeschichten von 743 überlebenden Kindern sind noch existent. An den Kindern erfolgten medizinische Versuche, wie tödlich verlaufende TBC-Impfversuche. Die Gehirnpräparate wurden von den Ärzten für Forschungszwecke verwendet.

kein Nutzen für die „Volksgemeinschaft“

Die Kinder hatten verschiedenste Behinderungen, die Untersuchungen sollten feststellen ob sie an Erbkrankheiten litten bzw. für die Gemeinschaft einen Nutzen hatten.

Diese menschenverachtende Einstellung und Diktion war damals an der Tagesordnung und wurde von diesem „System“ vorgegeben.

NS-Zwangserziehung im Reichsgau Wien

wird sehr gut in der Ausstellung dokumentiert und zeigt wieder einmal die Perfidität dieses Regimes.

Die nationalsozialistische Diktatur erwartet aboluten Gehorsam und Unterordnung, wer sich dagegen auflehnte und versuchte gegen den Strom zu schwimmen, wurde mit Zwang in den Konzentrationslagern „umerzogen“. Kinder, die von den Lehrern, Ärzten, Fürsorgerinnen uam. als unerziehbar eingestuft wurden, kamen in ein „Jugendschutzlager“, das nichts anderes als ein Konzentrationslager war.

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Als  die Tötungen, die damals Euthanasie genannt wurden, trotz Geheimhaltung an die Öffentlichkeit drangen, wurde der Widerstand der Angeörigen und PatientInnen massiv, aber es gab kaum Unterstützung der Ärzte und des Pflegepersonals. Schon bei den ersten Transporten vom Steinhof demonstrierten Angehörige vor der Anstalt, diese wurden mit Polizei und der SS niedergeschlagen.

Massive Proteste gegen Euthanasiemorde kamen von der katholischen Kirche, diese Proteste trugen zwar zum offiziellen Abbruch der „Aktion T4“ durch Hitler bei, eine weitere Ausführung der Morde konnte in den Anstalten jedoch nicht verhindert werden..

die totale Anpassung

und Gleichschaltung ist erwünscht, jedes abweichende Verhalten galt als „asozial“und wurde von dem Regime bekämpft. Soziale Randgruppen wurden erfasst und an eine sogenannte“Asozialenkommision“ gemeldet, diese entschied dann über eine Einweisung in ein Arbeitslager. Frauen mußten sich einer Zwangssterilisierung unterziehen, da „unwertes“ Leben nicht erwünscht war.

Mord hat viele Gesichter

Die Wagner von Jauregg-Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof waren Zentren des organisierten Massensterben. Dazu führten die Überbelegung, Vernachlässigung, Medikamentenknappheit, Nahrungsmittelentzug und die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Ruhr, Tuberkulose sowie Typhus.
Dem Hungersterben am Steinhof fielen von 1941 bis 1945 mehr als 3.500 PatientInnen zum Opfer.
Anstaltsmorde wurden auch in den niederösterreichischen Anstalten Gugging und Mauer-Öhling vollzogen.
Der praktische Arzt Dr. Emil Gelny, der nach einem dreimonatigen! Praktikum an der psychiatrisch-neurologischen Klinik 1943 den Titel „Facharzt für Geistes- und Nervenkrankheiten“ erhielt, tötete etwas 600 PatientInnen mittels Medikamente und einem, von ihm selbst umgebauten, Elektroschockgerätes.

In den Jahren 1946/47 mußten sich NS-Ärzte im Nürnberger Ärzteprozess verantworten, von den 23 Angeklagten wurden am 20. August 1947 sieben zum Tode verurteilt, fünf zu lebenslangen Haftstrafen und vier zu Haftstrafen zwischen 10 und 20 Jahren. Sieben Angeklagte wurden freigesprochen. Einer der zum Tode Verurteilten war Dr. Karl Brandt, die strafrechtliche Verfolgung der NS-Medizinverbrechen scheierte an den politischen Verhältnissen der Nachkriegszeit. Die Bevölkerung hatte auch kein Interesse und wollte nur nach vorne blicken, so begann eine Ära des jahrzehntelanges Schweigens.

Viele der ehemaligen NS-Ärzte konnten unbehelligt eine Karriere einschlagen, die Opfer wurden verdrängt und vergessen. Einen großen Schritt nach vorne machte Bundeskanzler Franz Vranitzky im Jahr 1991!, mit der Erklärung über die Mittäterschaft von ÖsterreicherInnen im Nationalsozialismus, bis dahin sah sich ja Österreich immer in der Opferrolle. Im Jahr 1995, fünfzig Jahre nach Kriegsende!, wurde einstimmig im Nationalrat die Einrichtung des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus beschlossen.

Dr. Heinrich Gross

Im Jahr 1948 wurde Gross vor dem Volksgericht Wien wegen Beteiligung an den Kindertötungen am Spiegelgrund angeklagt. Das Urteil lautete zwei Jahre Kerker, aber auf Grund eines Formfehlers wurde es wieder aufgehoben. Gross konnte unbehelligt eine zweite Karriere starten, wobei ihm seine Mitgliedschaft im „Bund Sozialistischer Akademiker“ Türen und Tore öffnete, wie die Facharztausbildung in Neurologischen Krankenhaus am Rosenhügel und anschließende Rückkehr auf den Steinhof, wo er es auf der Karriereleiter bis zum Primar brachte. Im Jahr 1953 begann er mit der Auswertung der Gehirne von Spiegelgrund-Opfern und 25 Jahren veröffentlicht einschlägige Arbeiten auf den Gebiet der Neuropathologie.

Ein Teil der Sammlung lagerte bis 2002 im Keller der Pathologie, was die Wiener Wohnbau-Verantwortlichen 2013 nicht abhielt die ehemalige Pathologie für einen Kindergarten vorzuschlagen.

Heinrich Gross war der meist beschäftigste Gerichtsgutachter Österreichs, obwohl der ganzseitige Artikel von Kurier-Journalist Wolfgang Höllrigl am 17. Dezember 1978 veröffentlicht wurde: „Ein Häftling erkannte in Österreichs meistbeschäftigtem Gerichtspsychiater Dr. Gross einen NS-Arzt wieder. Ein Arzt aus der NS-Mörderklinik“.

Im März 2000 kam es wegen neun Morden, die Gross im Spätsommer 1944 begangen hatte, zur Anklage, jedoch wurde die Verhandlung nach nur 30 Minuten aufgrund eines neuerlichen Gutachtens vertagt und nicht wieder aufgenommen. Dieses Gutachten attestierte ihm fortgeschrittene Demenz und eine Depression.
Tja gute Freunde muß man haben….

Um Jahrzehnte zu spät

Im Jahr 2002 werden die Leichenteile, die im Keller der Pathologie lagerten, endlich beigesetzt und 2003 wurden vor dem Jugendstiltheater ein Mahnmal für die Opfer vom Spiegelgrund und eine Gedenkstätte errichtet, es sind 772 Licht-Stelen die an 772 ermordete Kinder und Jugendliche, die in den Jahren 1940 bis 1945 in der nationalsozialistischen Euthanasie-Anstalt „Am Spiegelgrund“ ihr Leben lassen mussten, erinnert.
Auch wenn manche Menschen meinen: „das alles längst Vergangenheit ist und die soll man gefälligst ruhen lassen, wer weiß wie wir gehandelt hätten usw..“

Diese, unsere, Vergangenheit hat in Österreich viel zu lange geruht, es wurde zulange verdrängt, verleugnet und geschwiegen. Daher sollten wir immer an dieses entsetzliche Kapitel der österreichischen Geschichte und an ihre Opfer erinnern und erinnert werden, damit diese schrecklichen Ereignisse nie wieder stattfinden.

Adresse

Otto Wagner Spital, V-Gebäude, Baumgartner Höhe, 1140 Wien

Öffnungszeiten

Mittwoch bis Freitag (werktags) 10 bis 17 Uhr
Samstag (auch an Feiertagen) 14 bis 18 Uhr

Freier Eintritt

http://www.doew.at/erkennen/ausstellung/gedenkstaette-steinhof
http://www.erinnern.at/bundeslaender/oesterreich/gedaechtnisorte-gedenkstaetten/katalog/gedenkstaette_steinhof
http://www.gedenkstaettesteinhof.at/

Literatur

Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund: Gedenkdokumentation für die Opfer der NS-Kindereuthanasie in Wien von Waltraud Häupl, 2014
ISBN-13: 978-3205774730

In den Fängen des Dr. Gross, Das misshandelte Leben des Friedrich Zawrel von Traudl Schmidt und Oliver Lehmann
ISBN: 978-3-7076-0115-2

Die nationalsozialistische „“Euthanasie““-Aktion „“T 4″“ und ihre Opfer von Maike Rotzoll,2010
ISBN-13: 978-3506765437

Die Ärzte der Nazis Gebundene Ausgabe von Hans-Henning Scharsach, 2000
ISBN-13: 978-3701504299

Medizin ohne Menschlichkeit: Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses von Alexander Mitscherlich und Fred Mielke , 2009
ISBN-13: 978-3596220038

Youtube

Friedrich Zawrel – Meine liebe Republik II
https://www.youtube.com/watch?v=Pd0MLK7jbI4

 

 

 

 

 

 

Altes Rathaus, wipplingerstraße 8,wien,hausnummer

Hausnummern

von Hauszeichen, Hausschilder und Conscriptionsnummern

Als Wien noch keine Hausnummern hatte, waren die Häuser nicht unadressiert, ihre Adresse war der Hausnamen. Viele Bewohner konnten weder lesen noch schreiben, daher trugen die Häuser auffällige und unverwechselbare Symbole. Jedoch waren nicht alle Hausnamen sichtbar und nur im lokalen Bereich bekannt, aber auf Grund der vielen gleichlautenden Hausnamen kam es immer wieder zu Verwechslungen. Im Wien Museum finden sich etliche schöne Beispiele dieser Kunst, die von Geschäften (wie z.B. ein Adler, der einen reich verzierten Schlüssel trägt, vom Laden eines Schlossers) oder von Häusern stammen etwa ein roter Igel „Zum roten Igel“, das Auge Gottes „Zum Auge Gottes“ und eine wunderschöne, schmiedeiserne Laterne aus dem 18. Jahrhundert „Zur schönen Laterne“, sie war einst am Haus Schönlaterngasse 6 angebracht (heute hängt hier eine Nachbildung von 1971), um Besucher daran zu erinnern woher die Straße ihren Namen hat; beide wurden in der ehemaligen Alten Schmiede auf Nummer 9 gefertigt.
Ende des 18. Jahrhunderts gab es alleine in der Wiener Innenstadt sechs Häuser mit dem Namen „zum goldenen Adler“, mit den Vorstädten waren es insgesamt 29 mit dem gleichen Namen. Heute würden Hauszeichen ein Tohuwabohu erzeugen und die Behörden wären vor eine fast unlösbare Aufgabe gestellt, da stellt sich jetzt die Frage welche Hauszeichen die Behörden hätten…die Polizei etwa den Hausnamen „Kieberei“ oder das Standesamt als Hauszeichen einen Brautschleier;-)

Hier und dort sieht man ein Haus aus dem 18. Jahrhundert, das noch seine alte, durchlaufende Hausnummer in den Verputz gekratzt oder aufgemalt hat, meist direkt neben der neuen Straßennummer auf dem Metallschild (wie z. B. Kleeblattgasse 5, Köllnerhofgasse 3, Fleischmarkt 16, Ballgasse 8 und Kohlmarkt 11, sowie rechte Wienzeile 15).

es wird Ordnung geschafft

Im Jahr 1753 wurde in Wien das erstemal über die Nummerierung der Häuser gesprochen, aber auf Grund der Bedenken der politischen Zentralbehörde des Habsburgerreiches bleibt es nur bei einer Theorie. Im Jahr 1763 wird dieses Thema auf Grunde der, nach Ende des siebenjährigen Krieges, eingeführten Schuldensteuer wieder aufgegriffen. 1769 ist es dann soweit, die Hausnummerierung wird gleichzeitig mit einer Volkszählung (Seelenkonskription) durchgeführt.

Das Ziel der Seelenkonskription (ein eigenartiges Wort) ist ein neues Rekrutierungssystems, um männliche Untertanen zur Wehrpflicht zu rekrutieren. Maria Theresia unterzeichnete am 8. März 1770 die Resolution der Hausnummerierung, es wurden oberhalb der Haustüren die Nummern mit schwarzer Farbe angebracht.
In Wien werden die Hausnummern mit roter Farbe aufgetragen, sie sind z. B. noch an den Häusern Ballgasse 8 und Kohlmarkt 11 zu sehen. Es wurden alle Häuser nummeriert, daher auch die kaiserliche Burg sowie die päpstliche Nuntiatur.

Eine erste Probe wurde von 5. Oktober bis 11. Oktober 1770 in Simmering, also außerhalb der Stadt, durchgeführt, am 10. Oktober 1770 begann die Hausnummerierung in den Wiener Vorstädten und am 11. Oktober 1770 begann sie in Wien.

Mit der Nummerierung gibt es auch eine Änderung des gesetzlich geregelten Zunamen, das im Jahr 1770 erlassene Hofdekret verpflichtet die HausbesitzerInnen dazu, die Hausnummern auch im Inneren der Häuser anzubringen und es verbietet den Untertanen, ihren bei der Geburt bekommenen Zunamen eigenständig zu ändern. Im Jahr 1777 wurden die Türnummern eingeführt, die auch „Familiennummern“ bezeichnet wurden.

Hausschilder und Orientierungsnummern

Vor den Hausnummern gab es in Wien Hausschilder als Adressierungssystem, jedoch durch das Wachstum der Stadt und Vorstädte kam der Einfallsreichtum bei den Schildmotiven an seine Grenzen, daher gab es mehrfache Bezeichnungen. So gibt es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Wien samt Vorstädten 29 Häuser, die mittels ihres Schildes als Haus „zum schwarzen Adler“ bekannt sind und somit verwechselt werden können.
Mit den Konskriptionsnummern wird versucht eine dauerhafte Lösung zu finden, aber durch neue Bauten, Zusammenlegungen und Abrisse wird das
Zahlensystem in Unordnung gebracht, in den Jahren 1795 und 1821 werden deswegen Umnummerierungen vorgenommen.
Da die Stadt weiter wächst ist dieses Problem nicht in den Griff zu bekommen, daher wird ab dem Jahr 1862 ein zusätzliches Adressierungssystem eingeführt. Es sind die noch heute gebräuchlichen, Straßen-Orientierungsnummern.

Die Konskriptionsnummern (fortlaufendes Nummerierungssystem)

werden in den Wiener Bezirken eins bis neun bei einer neuen Anlegung der Grundbücher ab 1874 wieder geändert, sie sind teilweise bis heute im Inneren der Häuser zu sehen. Noch in den 1950er Jahren werden an Häusern Konskriptionsnummern angebracht, im seit 1958 für Orientierungsnummern festgelegten blau-weißen Design.

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Auch kommerzielle Unternehmungen können ihr Hauszeichen behalten, wie die rote Hand bei einem alten Handschuhmacher (1854) in der Schottengasse oder ein pfeifenrauchender Türke über der Tür des Tabakimporteurs Adolf Lichtblau in der Hermanngasse 17, unzählige Schlüssel an Schlossergeschäften in der Stadt, oder eine hölzerne Lederhose in der Grünangergasse 12. Einige wenige tragen noch ihren alten Namen, so das „Schwarze Kameel“ in der Bognergasse 5, wo Beethoven und Lord Nelson einkauften, es wurde von Johann Baptiste Cameel 1618 als Gewürzladen gegründet und ist heute ein Restaurant.
Eine der ältesten Hauszeichen befinden sich am Haus „Zum blauen Karpfen“, das ehemalige Wirtshaus in der Annagasse 14 wurde um 1700 von Georg Karpf eröffnet und am Haus Bäckerstraße 12 befindet sich das skurille Hauszeichen „Allwo die Kuh am Brett spielt“, es ist wahrscheinlich im 17. Jahrhundert entstanden.

Trotzdem nun (fast) alle lesen und schreiben können, kennen die Wiener noch viele ihrer alten Hausnamen, wie z.B. die zwei goldenen Löwen in der Wiedner Hauptstraße 36 „Zu den zwei goldenen Löwen“, die schwarze Raben in der Rotenturmstraße 21 „Zu den drei Raben“, den keulenschwingenden Höhlenmenschen in der Währinger Straße 85 „Zum wilden Mann“, ein verspielten Seehund in der Währinger Straße 6-8 „Zur Robbe“, weiße Pferde in der Josefstädterstraße 85 „Sechsschimmelhof“, ein wasserspeiender Wal in der Piaristengasse 58 und die Lerchenfelderstraße 29 „Zum Walfisch“, von der biblischen „Flucht nach Ägypten“ in der Piaristengasse 56-58 und dem mythischen Basilisken, der sich im Keller des Hauses Schönlaterngasse 7 „Zum Basilisken“ versteckte.

Welche Hauszeichen und Hausschilder kennt Ihr und welche gefallen Euch besonders gut?

Schreibt mir wenn Ihr eines neu entdeckt oder Euch eines oder mehrere schon länger bekannt sind.

Literatur
Ordnung der Häuser, Beschreibung der Seelen: Hausnummerierung und Seelenkonskription in der Habsburgermonarchie von Anton Tantner, 2007
ISBN-13: 978-3035606300

Die Hausnummer: Eine Geschichte von Ordnung und Unordnung von Anton Tantner, 2007, ISBN-13: 978-3894453848

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Dagobert Peche

der fantasievollste Künstler der Wiener Werkstätte

Dagobert Peche ist heute leider in Vergessenheit geraten, obwohl gerade er sehr vielfältige Talente im Kunsthandwerk besaß und mit seinen feinsinnigen Arbeiten vor allem Frauen ansprach. Dagobert Peche gestaltete Innenräume, er designte Möbel, Textilien, Schmuck, Keramin, Glas, Tapeten und Metall.

Dagobert Peche wurde am 3. April 1887 in St. Michael, Salzburg, geboren. 1906 übersiedelte Peche nach Wien um Architektur zu studieren. Die Zeit an der technischen Hochschule (1906 bis 1910), in der er Lehrver-anstaltungen Karl Königs, Max von Ferstels, Leopold Simonys und Eduard Veiths besuchte, tritt ab 1908 in den Hintergrund, da er sich ab dieser Zeit in die Architekturklasse Friedrich Ohmanns an der Akademie der bildenden Künsten einschreiben ließ, Ohmann übernimmt die Schirmherrschaft für Dagobert Peche und wird sein Förderer. In seiner Klasse konnte sich Peche entfalten und während diesem Architekturstudium hinterlässt er seine ersten künstlerischen Spuren.

Im Jahr 1910 reist er mit dem Architekturverein der Technischen Hochschule nach England. Als der Verein zur Feier seines dreißigjährigen Bestandes den „Wachauer Almanach auf das Jahr 1910“ herausgibt, ist Peche an der Gestaltung des Titelblattes, den Kalenderseiten und mehreren Architekturzeichnungen beteiligt. Dem Titel „Architekturzeichnungen“ aber werden die noch aus dem Jahr 1909 stammenden Darstellungen kaum gerecht, Peche liegt wenig daran architektonische Gegebenheiten zu konstatieren, im Gegensatz zu der neuen Wiener Bauschule des Begründers Otto Wagner, die für Disziplin, Form und Rhytmik steht. Das zeigt z. B. ein Blatt des Melker Gartenpavillons, der Bau zeigt verschiedenster Flächenstrukturen in romantisch-historisierender Ausführung, in dieser Zeit erfuhr er seine ersten Anerkennungen und das Lob seiner Lehrer.  1910 fuhr er als Teilnehmer einer Vereinsreise nach England, diese Reise prägte ihn für seine weiteren Interessen.

Mit dem Ende des Studiums an der Akademie erhielt er den „Rompreis“ und fuhr für ein halbes Jahr nach Paris, dort faszinierte ihn am meisten der Louvre mit seinen Möbel,Teppiche und der nationalen Malerei um Watteau. Besondere Anziehungskraft übten auf ihn zwei Meisterstücke der Gotik und des Barock: ein kleiner altfranzösischer Gobelin und ein Louis-Quinze-Stuhl, sie prägten ihn als angehenden Kunsthandwerkers. Bei der Rückkehr nach Wien unternimmt er einen Abstecher nach Darmstadt, um seine graphischen Zyklen „Liebe und Tand“ und „Die Schatulle“ dem Herausgeber der Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration“ Alexander Koch anzubieten, der Besuch bringt keinen unmittelbaren Erfolg. Jedoch 1913 nimmt Alexander Koch einen von Rene Delhorbe verfassten Artikel über Dagobert Peches an, zu dieser Abhandlung treten in den kommenden Jahren Beiträge von Autoren wie Berta Zuckerkandl, Leopold Wolfgang Rochowanski oder Willy Frank, die Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration“ wird jenes Organ, das die künstlerische Entwicklung Peches am detailreichsten kommentiert. Delhorbes Ausführungen sind zahlreiche Abbildungen beigefügt, die über Peches breitgefächerte Tätigkeit zwischen 1910 und 1913 aufzeigen. Weiters steht in Delhorbes Ausführungen: „Peches Schwerpunkt liegt nun eindeutig auf dem kunstgewerblichen Gebiet: Dosen und Tafelaufsätze, mit pointiert gesetzten Blüten, punktierten Linien dekoriert oder ganzheitlich von Blätterranken überzogen, sind zu sehen, Broschen werden mit rokokohaften Damen geziert und aus den Zyklen „Liebe und Tand“ und die „Puderquaste“ entnommenen Beispielen spricht der stilistische Rückgriff auf Aubrey Beardsley, dessen Frivolität Peche jedoch ins Dekorative und Liebliche kehrt“.

dem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt

Dagobert Peche, der im Jahr 1911 Josef Hoffmann kennengelernt hat, arbeitet nach der Rückkehr aus Paris als Entwerfer für die Firmen Johann Backhausen, Philipp Haas, die Wiener Keramik, die Wiener Porzellanmanufaktur Josef Böck, Thausig & Komp., Jul. Jacksch-Atzgersdorf sowie P. Piette-Bubentsch.

Im Jahr 1912 wendet er das Erlernte bei der Änderung der Hoffassade des Daberkowschen Wohnhauses (Nelly Daberkow war seine Ehefrau) in der Neubaugasse 29 an, dort befand sich auch sein Atelier, künftig gilt sein Interesse jedoch der Innenraumgestaltung – exakter bezeichnet – der Raumgestaltung.

Sehr große Aufmerksamkeit erweckt er durch die Teilnahme an der im Mai 1913 im Österreichischen Museum stattfindenden Ausstellung der „Österreichischen Tapeten-, Linkrusta- und Linoleumindustrie“ durch seine graziöse Tapetenmuster aus ovalen Blütenbündeln auf gestreiftem Grund oder aus Füllhörnern in geschwungenen Rauten bestehenden Tapetenmuster. Der dem Ausstellungskomitee angehörende Josef Hoffmann lädt Peche, der durch die Eigenart und Vielfalt der präsentierten Tapeten und Möbel auf sich aufmerksam macht, 1914 zur Installierung der österreichischen Abteilung der Internationalen Kunstausstellung in Rom und in der Folge zur Mitarbeit am österreichischen Haus der Kölner Werkbundausstellung ein. Gegensätzliches bestimmt nicht nur das Verhältnis der Ausdrucksformen Hoffmanns und Peches in dieser Zeit, sondern auch Peche selbst bezieht die Wirkung seiner Raumgestaltungen aus dem gekonnten Einsatz von Kontrasten, wie etwa ein „Damenboudoir“ Peches, dessen Konzeption in krassem Gegensatz zur Strenge des von Josef Hoffmann gestalteten Außenbaus steht.

Die Modeausstellung im Jahr 1915 im Österreichischen Museum bildet die nächste Station der Raumkunst Peches. Die Säulenhalle des Museums wird durch ihn zu einem von dunklen Tapeten mit inselhaft verteilten Bouquets begrenzten Umhang, in dem sich in rhytmischem Wechsel spannungsreich hell erleuchtete Vitrinen öffnen. In dieser Ausstellung fällt der Ornamentiker Peche wieder durch seine Form auf, die dem erstarrten Kunsthandwerk neues und lebendiges Leben einflößte.

Seit Jahresbeginn 1915 ist Peche Mitarbeiter der Wiener Werkstätte, im Rahmen der Wiener Werkstätte erhält er Gelegenheit, seine künstlerischen Absichten in den verschiedensten Materialien, in der neuen Stilistik und dem feminin ausgerichteten Konzept zu präsentieren, fachkundige Unterstützung in der Ausführung der Entwürfe, die er z. B. durch den Elfenbeinschnitzer Friedrich Nerold erhält, erweitert seinen Handlungsspielraum.

Notiz des Künstlers
„Kunst ist das Bestreben, die unsichtbaren Rhytmen, welche uns umgeben, zu ahnen, ihr Gesetz zu finden, das Chaos zu klären“.

Die Etablierung Peches in der Wiener Werkstätte unterbricht ein Militärjahr, anschließend bestellt man ihm im Jahr 1917 zum Leiter der neugegründeten Wiener Werkstätte-Filiale in Zürich, welcher Peche in der Ausstattung des Verkaufsraumes sofort ein unnachahmliches Gepräge verleiht, in den Jahren 1917 bis 1919 entstand eine Vielzahl exquisiter Schmuckstücke in den erlesensten und hochwertigsten Materialien in Dagobert Peches präziser, filigraner und einzigartiger Ausdrucksweise. Die geschwungenen Möbel der Tapetenausstellung 1913 sind beinahe vergessen, der Raum ist von sparsam ornamentierten kubischen Elementen durchdrungen, über die sich üppige Fruchtgirlanden und Tüllvorhänge hinwegsetzen. Kuben, Fruchtgirlanden und ein nacktes Mädchen über der Tür, die Dreiheit von Architektur, Vegetation und Mensch, verbindet Peche unter dem Deckmantel eines genialen und beeindruckenden Ladeninterieurs.

Das Schwarz-Weiß-Gold seiner frühen Werke hat keine Geltung mehr, das Ombré, schattierte Farbharmonien, sind an seine Stelle getreten. Daphne, die sich dem Zugriff des Apollo durch die Verwandlung in einen Lorbeerbaum entzogen hat, ist für Peche mehr als ein Motiv, das durch die Mitarbeiterinnen Louise Leonore Maas und Charlotte Billwiller in Tüll oder Seide umgesetzt werden kann. Dagobert Peches Damen sind halb Kind und Kinder sind halb Damen. Körperlose Wesen, Köpfe, von Blättern umsponnen, von Schleiern verhüllt, beleben Stickereien und Zeichnungen. Ein goldener Apfel der Verführung hat jene zugespitzten Blätter, die Peches Kunst um 1919 durchsetzen, und wird dadurch selbst für die Trägerin zu einem gefährlichen Objekt.


Im Dezember 1919 wird Peche nach Wien zurückberufen. Er, der durch den Züricher Aufenthalt von den Wirkungen des Krieges einige Zeit verschont geblieben ist, bekommt das Nachkriegselend nun um so mehr zu spüren. Ein nahezu dem Verfall preisgegebenes Haus in Ober St. Veit ist das einzige Quartier, das er für sich, seine Frau und die beiden Töchter finden kann. Durch die widrigen Umstände und der Feuchtigkeit des Hauses erkranken Peche, seine Frau und Kinder, er begegnet dem Elend durch doppelte Aktivität und nimmt an der Kunstschau 1920 teil, fertigt sein bravouröses Ehrengeschenk zu Josef Hoffmanns 50. Geburtstag und reist 1921 nach Köln um in der Firma Flammersheim & Steinmann die Ausführung einer Serie neuer Tapeten zu überwachen. In den Einrichtungsgegenständen für Ing. Ast und in der Wohnung Wolko Gartenberg äußern sich die neuen Tendenzen seiner Kunst, die räumlichen und plastischen Empfinden eine weit größere Bedeutung zugestehen als bisher. Eine Serie von Spiegelrahmen, ausgeführt in der Wiener Werkstätte und in der Firma Max Welz, bildet den Teil einer Auslese, die sein Schaffen in den letzten Jahren dokumentiert.

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Bereits schwer erkrankt fährt Peche noch zur „Deutschen Gewerbeschau“ 1922 nach München, dann zwingen ihn ständige Fieberanfälle ins Sanatorium Aflenz. Das Bemühen seines Freundes Josef Urban, durch eine Sammlung in New York bessere Lebensumstände für Peche herbei-zuführen, kommt beinahe zu spät. Ein Haus wird angekauft, Peche wird dorthin gebracht, ans Bett gefesselt entwirft er noch Skizzen für die Inszenierung des Richard Strauss-Baletts „Schlagobers“, bevor er am 16. April 1923 stirbt, sein Grab befindet sich am Hietzinger Friedhof, Gruppe 10, Nr. 81.

Dagobert Peches schöpferische Phantasie und Ornamentik belebte alle kunstgewerblichen Teilgebiete und er fand für jedes Material und jede Technik neue Möglichkeiten der dekorativen Gestaltung durch ansprechende Stoffmuster und Farben für die Tapetenindustrie, den Stoffdruck, der Spitzenklöppelei und Stickerei. Durch seine Originalität und einzigartige Formensprache beeinflusste er die Goldschmiedekunst und Elfenbeinschnitzerei, Spiegelrahmen und Möbelformen, Keramik und Metallwaren, Papierindustrie und Mode im Kunsthandwerk.

Foto
aus dem Buch: Eine Auswahl seiner Werke von Max Eisler

Literatur

Dagobert Peche und die Wiener Werkstätte, Die Überwindung der Utilität von Peter Noever, Wien 1998
ISBN-13: 978-3775707534

Dagobert Peche. Eine Auswahl seiner Werke von Max Eisler
Wien-Leipzig, 1925
ASIN: B007Y09TCY

Wiener Werkstätte, Avantgarde – Art déco – Industrial Design von Waltraud Neuwirth, Wien1986
ISBN-13: 978-3900282226

Weblinks

WIEN 1900 inspiriert

 

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Otto Wagner

umsichtiger Architekt und Städtplaner

Otto Wagner ( 03.07.1841 – 11.04.1918) der Sohn eines königlich-ungarischen Hofnotars wurde in Wien geboren und wuchs in gutsituierten Verhältnissen auf, seine Eltern gehörten dem Besitzbürgertum an, welche die Erfolge den eigenen Leistungen verdankte.

Mit diesen Vorstellungen wuchs Otto Wagner auf und ist später oft als Architekt und Bauherr in einem aufgetreten. So schuf der Unternehmer Wagner die finanziellen Grundlagen für seine gestalterische Freiheit als Architekt Wagner und schuf, unabhängig von Förderern, großartige Architektur die in Wien allgegenwärtig ist.
Im Jahr 1857 begann er als Sechzehnjähriger seine Ausbildung am Wiener Polytechnischen Institut. 1860 ging er nach Berlin, um an der Königlichen Bauakademie bei Carl Ferdinand Busse sein Studium fortzusetzen, im Jahr 1861 kehrte er nach Wien zurück, wo er an der Akademie der bildenten Künste ein Schüler der beiden Ringstraßen-Architekten und Erbauern der Wiener Staatsoper, August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll, war. 1862 trat er in das Atelier des Ludwig von Förster ein, Förster war einer der treibenden Kräfte bei der Gestaltung der Wiener Ringstraße. Der junge Wagner war also mitten im Geschehen und Entwicklung der Ringstraße, die in allen Stilformen – vom Klassizismus über Gotik bis zur Renaissance – zum Inbegriff des Historismus wurde. Wagners Schaffensphase war bis etwa 1887 von dieser Stilrichtung geprägt und er hat seinen Stil als eine „gewisse freie Renaissance“ bezeichnet. Mit seinem Stil wurde er erfolgreich und berühmt, selbst Jahre später nannte man ihn den „vornehmsten Vertreter der Wiener Renaissance“. Aus dieser Zeit stammen viele Wohnhäuser, die heute zum Großteil unbekannt und deren Entwürfe verschollen sind, Wagner selbst legte keinen großen Wert auf diese Bauten. Die 1868 entworfene Synagoge in Budapest ist in dieser Periode entstanden, ebenso die Dekorationen für den Festzug zur silbernen Hochzeit des Kaiserpaares im Jahr 1879 und den Einzug der belgischen Prinzessin Stephanie nach Wien, aus Anlass ihrer Vermählung mit Kronprinz Rudolf im Jahr 1881.

Artis sola domina necessistas“ (die einzige Herrin der Kunst ist die Notwendigkeit), diesen Satz Gottfried Sempers hat Otto Wagner in seiner Antrittsrede im Jahr 1894 als Professor für eine Spezialklasse der Architektur an der Wiener Akademie der bildenden Künste als sein „Glaubensbekenntniss“ bezeichnet und ihn folgendermaßen erklärt: „Kunst und Künstler sollen und müssen ihre Zeit repräsentieren. Im Durchpeitschen aller Stilrichtungen, wie es in die letzten Jahre mit sich brachten, kann das Heil für die Zukunft nicht liegen, der Realismus unserer Zeit muß das werdende Kunstwerk durchdringen.“ Mit diesem Satz wandte er sich vom Historismus ab und widmete sich dann nur mehr der modernen Architektur.

Otto Wagner ist in Wien allgegenwärtig

Im Jahr 1886 errichtete Wagner für sich und seine Ehefrau in Hütteldorf eine Villa im Renaissancestil, es ist das heutige Ernst Fuchs-Museum in der Hüttelbergstraße 26. An der Hauptfassade, links und rechts vom Eingang, ließ er zwei Tafeln anbringen. Auf der linken war zu lesen: „Sine arte sine amore non est vita“ (Es gibt kein Leben ohne Kunst und ohne Liebe), zur Rechten des Eingangs stand der oben erwähnte Satz: „Artis sola domina necessistas“.

Diese Wahlsprüche kündigen einen Wandel an und beeinflußten Wagners künftiges Schaffen: die Verbindung von Schönheit und Zweckmäßigkeit. Im Jahr 1896 hielt er in seiner Schrift „Moderne Architektur“ fest: „Etwas unpraktisches kann nicht schön sein“. In diesem Sinne spiegeln Wagners Entwürfe seine Auseinandersetzung mit seiner Zeit und seiner Umwelt. Sie galten dem Menschen, der in seinem Arbeitsalltag einer zunehmenden Mechanisierung unterworfen war.

Urbanes Lebensgefühl vermittelt das Wohn- und Geschäftshaus von 1884 für die Länderbank am Lobkowitzplatz, das im Jahr 1884 entworfene „Ankerhaus“ oder das Kaufhaus Neumann in der Kärtnerstrasse aus dem Jahr 1883, bei dem zum ersten Mal in der Architekturgeschichte eine durchhängende Glasdecke den Lichthof im Inneren des Gebäudes überspannte. Wagner gelangte allmählich zu immer moderneren Ausdrucksformen, wie etwa bei dem Verwaltungsgebäude der Länderbank in der Hohenstaufengasse 3 aus dem Jahr 1882. Den Lebensbedingungen des Menschen galt Wagners Interesse auch im Bereich des Wohnens. Auf Grund des rapiden Städtewachstums bildeten Zinshäuser für das Großbürgertum eine attraktive Geldanlage, die sichere Erträge abwarfen. Daher war es für Wagner naheliegend, selbst durch den Bau von Zinshäusern Geld zu verdienen, wobei er als Bauherr und Architekt in einer Person auftrat. Durch den Verkauf der Häuser hatter er genügend Kapital um das nächste Projekt zu realisieren, mit diesem Prinzip entstanden seine wichtigsten Bauwerke. An seiner Weiterentwicklung als Architekt trug auch die Teilnahme an Wettbewerben bei, er hatte an über dreißig nationalen und internationalen Wettbewerben teilgenommen. Ein entscheidender Schritt war für Wagner die Teilnahme am Wettbewerb zum Generalsanierungsplan für Wien in den Jahren 1892 – 1893, er gewann einen der beiden ersten Preise und vorallem die anschließende Berufung zum Generalplaner. Hier ging es um den Bau der Stadtbahn (1894 – 1900) und die Anlage der Donaukanalbauten: das Nußdorfer Wehr und die Schleuse, die Kaianlagen am Donaukanal und das Schützenhaus Staustufe Kaiserbad (1894 – 1906). Die in den ersten Jahren 1894 – 1897 errichteten Stadtbahnbauten der Gürtel- und Vorortelinie sind noch in „freier Renaissance“ gehalten, die späteren 1896 – 1900 entstandenen Stationen der unteren Wiental- und Donaukanallinie, wie etwa die Station Karlsplatz und der Hofpavillon in Hietzing, sind mit ihrem Bauschmuck in Stuck und Schmiedeeisen in der moderne Architektur des Jugendstils gebaut.

Wagners Schrift „Moderne Architektur“ wurde zum Gründungsmanifest für die Architektur des 20. Jahrhunderts, der berühmte Architekt und Wagnerschüler Rudolf Schindler schrieb: „Die moderne Architektur begann mit Mackintosh in Schottland, Otto Wagner in Wien und Louis Sullivan in Chicago“.

Das „Hosenträgerhaus“, ein sechsgeschossiges Wohnhaus in der Universitätsstraße/Eingang Garnisongasse enstand 1887.

Die Wandlung brachte bei Wagner zunächst die „neue Kunst“ (Art nouveau – Jugendstil) hervor, in den Jahren 1898 – 1899 schuf er mit dem Häuserensemble Linke Wienzeile/Köstlergasse, eines davon ist das berühmte „Majolikahaus“, ein Hauptwerk des Wiener Jugendstils. Der Wohnkomfort dieses Jugendstilensembles gehörte damals zu den modernsten in Wien, Im Haus Köstlergasse 3 hatte sich Otto Wagner eine als Gesamtkunstwerk entworfene „Musterwohnung“ eingerichtet, die durch die gläserne Badewanne zu besonderer Berühmtheit gelangte.

Otto Wagner das Enfant terrible

Im Jahr 1899 trat Wagner der Wiener Secession bei, die er aber 1905 mit Gustav Klimt wieder verließ, hiermit war der Bruch mit der Tradition endgültig besiegelt. Dieser Schritt des renommierten, prominenten und charismatischen Architekten erregte die Gemüter der Zeitgenossen, für sie war es absoluter Verrat. Es erschienen sogar Schmähschriften und ab diesem Zeitpunkt bemühte sich Wagner oftmals vergebens um öffentliche Aufträge.

Im Jahr 1902 entwarf Wagner das Depeschenbüro (zerstört, Kärtnerstraße/Ecke Annagasse) für die Zeitung „Die Zeit“, es wurden die damals bekannten neuen Baustoffe wie Aluminium verwendet.

Otto Wagners im Jahr 1907 eröffnete Kirche St. Leopold gehört zu den zehn wichtigsten Kirchen des 20. Jahrhunderts, sie war die „Anstaltskirche“ für die Niederösterreichischen Landes- Heil- und Pflegeanstalten am Steinhof, mit der sie gemeinsam errichtet wurde. Bei dem Wettbewerb für das psychiatrische Krankenhaus, an dem sich auch Leopold Bauer und Carlo van Boog beteiligten, wurde Otto Wagner der erste Preis zugesprochen. Sein Gesamtlageplan wurde zwar angenommen, er wurde jedoch nur mit dem Bau der Kirche betraut.


Einen Eindruck der Feindseligkeit von oberster Stelle, die Wagner entgegenschlug, zeigt folgender Bericht aus dem Vorwort in Wagners Tagebuch aus dem Jahr 1914: „Zur Eröffnung der Steinhofer Kirche kam, in Vertretung des Kaisers, Erzherzog Franz Ferdinand. Ich mußte ihm den Bau erklären, worauf er als Schlußbemerkung einer Ansprache sagte: ´Der Marie-Theresien-Stil ist doch der schönste.´ Ich erwiderte ihm, daß zur Zeit Maria Theresias die Kanonen verziert gewesen seien, während man sie heute vollkommen glatt mache. – Mit ungeheurer Hochmut wendete er sich von mir ab und sein Haß verfolgte mich, trotz mehrfacher Interventionen, derart, daß ich eine Anzahl Aufträge verlor, für die ich in Aussicht genommen war. Die Gemeinde hatte viel zu wenig Mut, sich den überaus gehässigen Machenschaften des Erzherzogs entgegenzustellen.“

Der schießwütigste aller Habsburger (er hat insgesamt 277.769 Tiere zur Strecke gebracht!) und erzkonservative Thronfolger Franz Ferdinand war ein ausgesprochener Gegner der Wiener Moderne, er verhinderte erfolgreich Projekte Wagners wie den Neubau des Kriegsministeriums am Stubenring oder das Technische Museum. Franz Ferdinand war leider in Kunstfragen die prägende Gestalt der Habsburger-Dynastie.

Das Amtsgebäude der k. k. Postsparkasse (Georg-Coch-Platz 1) wurde im Jahr 1910 eröffnet und gehört zu den Ikonen der Wiener Architektur, sie ist gemeinsam mit der Kirche St. Leopold am Steinhof, als Wagners bedeutendstes Werk zu bezeichnen. Der berühmte Kassensaal mit Glasfußboden und abgehängter Stahl-Glas-Konstruktion hat die Architektur des 20. Jahrhunderts wesentlich beeinflußt.

Die Postsparkasse ist das einzige Gebäude der Moderne auf der vom Historismus geprägten Ringstraße.

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Die Wohnhäuser Neustiftgasse 40 und Döblergasse 2-4 waren Spätwerke im Bereich der Wohnbauten Wagners die verwirklicht wurden (1909 – 1912). Er war 68 Jahre, als er sie in Angriff nahm. Diese Gebäude waren damals, gemeinsam mit dem 1910 erbauten Loos-Haus am Michaelerplatz, die modernsten in Wien. Otto Wagner bewohnte im Haus Döblergasse die gesamte Beletage.

Im den Jahren 1912-1913 entstand die Lupusheilstätte, sie ist heute Teil des Wilhelminenspitals. Die Lupuskrankheit (Hauttuberkulose) war an der Wende zum 20.Jahrhundert weit verbreitet. Wagner entwickelte äußerst umsichtige zukunftsweisende Überlegungen für einen Umgang mit Kranken. Er schuf kleinere Raumeinheiten, wodurch er gewährleistete, dass „die Zahl der in einem Raume untergebrachten Kranken möglichst gering ist, um auch diesbezüglich der Individualität der Kranken Rechnung zu tragen.“

Die Villa Wagner II in der Hüttelbergstraße wurde in den Jahren 1912/13 ausgeführt, sie steht nur zwei Häuser weiter von der Wagner Villa I und ist kleiner als diese.

Bis 1912 war Wagner Professor an der Akademie der bildenden Künste, aus der einflussreichen Wagnerschule, die sich im Laufe seiner Professorenjahre herausgebildet hat, sind namhafte Architekten wie Max Fabiani, Rudolf Michael Schindler, Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbrich, Josef Plecnik, Franz und Hubert Gessner und Karl Ehn hervorgegangen.

Otto Wagner ist 11.04.1918 gestorben, er ist in der von ihm entworfenen Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof begraben.

Vergleicht man die frühen, noch ganz dem Historismus zugeordneten Bauten mit dem Häusern in der Neustift-/Döblergasse, wird die enorme Entwicklung deutlich die Wagner im Laufe seines Lebens vollzogen hat. In einem ist sich Otto Wagner jedoch immer treu geblieben: es ist die klare, disziplinierte Formensprache seiner Bauten.


Foto
Otto Wagner – Wikipedia
Aufnahme um 1910

Literatur
M. Pozzetto: Die Schule Otto Wagner: 1894–1912
ISBN-13: 978-3703105241

August Sarnitz: Wagner
ISBN-13: 978-3822828779

Walter Zednicek: Otto Wagner Zeichnungen und Pläne
ISBN-13: 978-3950036053

Museum
Wagner: Werk Museum Postsparkasse
Adresse: Georg-Coch-Platz 2, 1018 Wien
Telefon:059 9053 3825