wiener kriminalmuseum

Kriminalmuseum

Das Wiener Kriminalmuseum und seine mörderischen Sammlung

Wer Schauergeschichten von Mördern, Betrügern, Dieben und Heiratsschwindlern liebt, der ist im Kriminalmuseum gut aufgehoben um mehr über diese gruseligen und vor allem realen Geschichten zu erfahren.
Das Kriminalmuseum befindet sich im Keller des „Seifensiederhauses“ Große Sperlgasse 24 in 1020 Wien, einem der ältesten Häuser der Leopoldstadt aus dem 17. Jahrhundert. Ursprünglich hieß die Große Sperlgasse Herrengasse oder auch Hauptgasse, diese befand sich innerhalb des jüdischen Ghettos.
In dieser Zeit befand sich auf Nummer 24 das Haus des Kantors, bzw. das Gemeindehaus der selbstverwalteten Judenstadt. 1670 wurde das Ghetto aufgelöst und die Juden mussten das Land verlassen, das Gemeindehaus ging nun in den Besitz verschiedener bürgerlicher Gewerbetreibender über und war im Laufe der Jahrhunderte Seifensiederei, Ölerei, Tischlerei und ab dem 19. Jahrhundert Fleischhauerei.

Während der 2. Türkenbelagerung trug das vor der Stadtmauer liegende Haus schwere Schäden davon, bereits zwei Jahre später war das Gebäude wieder renoviert.
Um 1960 schloss die traditionsreiche Fleischhauerei Tschippan nach hundertjähriger Geschichte für immer sein Geschäft, das Haus gelangte immer wieder an wechselnde Besitzer und fand als Lagerhaus und ähnlichen eine unwürdige Verwendung. Ein Altwarenhändler wollte es als Geschäfts- und Wohnräume nutzen, Teile abtragen und gegen Neubauten ersetzen. Diese Pläne wurden zum Glück nie realisiert und das Gebäude gelangte wieder zur Veräußerung.

Im Jahr 1988 erwarb Dr. Regina Seyrl-Norman das sehr desolate Haus, die einbrechenden Dächer, das stürzende Mauerwerk und Unmengen an Geröll und Müll wurden in einer zweijährigen Renovierung liebevoll saniert. Die Renovierung wurde ausschließlich von Privaten, ohne öffentliche Zuschüsse, finanziert und konnte 1991 als „Wiener Kriminalmuseum“ eröffnet werden. Ein Besuch im Kriminalmuseum gibt nicht nur einen Einblick in die Polizei- und Kriminalgeschichte Wiens, es zeigt mit dem geschichtsträchtigen Seifensiederhaus ein liebenswertes Baujuwel mit einem wunderschönen sehenswerten Innenhof und ein Stück Alt-Wien.

Das Wiener Kriminalmuseum ist in Räume von A bis S aufgeteilt

Im ersten Raum A ist der Schwerpunkt Sicherheits- und Justizwesen im alten Wien
In lebensgroßen Darstellungen werden die Stadtguardia und die Rumorwache gezeigt. Hier befindet sich das barocke Portrait des hl. Petrus Canisius, es ist das letzte Relikt der Schranne (Sitz des Stadt- und Landgerichts) am Hohen Markt, weiters werden der Hexenprozess Plainacher aus dem Jahr 1583 und der ungeklärte Fall eines zerstückelten jungen Mädchens aus dem Jahr 1665 dokumentiert.

Raum B beschäftigt sich mit dem 18. Jahrhundert, im Justizwesen gab es in diesem Jahrhundert sehr große Veränderungen, von Folter bis zur humanen Weltanschauung der josefinischen Zeit. Die ersten Tatwerkzeuge werden als Beweissicherung aufbewahrt und sind in diesem Raum des Kriminalmuseums zu sehen, sowie gedruckte Dokumente, Moritaten und Todesurteile. Weiters ist der Fall Zahlheim zu sehen und der mumifizierte Kopf eines Hingerichteten, also Nerven bewahren:-)

Die Kriminalgeschichte des Biedermeier befindet sich in Raum C, trotz der restriktiven Maßnahmen gab es in dieser Zeit zahlreiche schwere Bluttaten, nicht von ungefähr wurde das Institut der Gerichtsmedizin im Jahr 1804 gegründet. Der Fall Grasl und seiner Bande, sowie der Fall Severin von Jaroschinsky waren aufsehenerreged und werden hier dokumentiert. Das Polizeiwesen durchlief ein Wandlung von der Stadtguardia und Rumorwache zu der k.k. Militärpolizeiwache, die Gerätschaft von Schwarzfischern und Wilddieben lassen die gesellschaftlichen und politischen Unruhen vor dem Ausbruch der Revolution erahnen.

Zeugnisse der Revolution 1848 befinden sich im Raum D, mit den berechtigten Forderungen der Revolution gingen auch sehr viele kriminelle Handlungen wie Plünderungen, Gewalttaten und Brandschatzungen einher. Im Jahr 1848 wurde Kriegsminister Latour ermordet, im Museum ist sein Säbel zu sehen, mit dem er von den Tätern getötet wurde. Die Hinrichtung des Offiziers und Schriftstellers Wenzel Messenhauser zeigt aber auch die Gewalt unter Ausnützung staatlicher Autorität.

Raum E beschäftigt sich mit dem Attentat am Kaiser, Im Jahr 1853 versuchte der ehemalige Husar ungarische Schneidergeselle János Libényi Kaiser Franz Joseph I. mit einem Dolch zu ermorden. Dieser Raum zeigt die Schatulle mit den Handschuhen des Grafen O`Donell die mit dem Blut des Kaisers befleckt sind, ebenfalls ist die Kartusche des Grafen zu sehen, sowie die Dokumentaion der Verurteilung und Hinrichtung des Täters.

Kriminelles aus den Sechziger bis Neunziger Jahren in den Räumen F – I, diese Jahre sind von gewaltigen Veränderungen im Sicherheitswesen und bedeutenden Kriminalfällen geprägt. Die Wiener Sicherheitswache wurde 1869 gegründet und löste die Militärpolizeiwache ab und ist hier dokumentiert. Weiters sind der Fall der Giftmörderin von Ebergenyi, Fälschungen von Kreuzer-Banknoten und eine Sammlung von Tatwerkzeugen zu sehen. In Vitrinen sind Banknotenfälschungen und Druckplatten zu sehen. Der Fall Francesconi wird ausführlich behandelt, da erstmalig die Hinrichtung nicht öffentlich stattfanden sondern mit dem Würgegalgen im Hof des Wiener Landesgerichtes.

Der verheerende Brand des Wiener Ringtheaters im Jahr 1881, die Bluttaten der Anarchisten aus dem Jahr 1883 – 1884, der Mädchenmord des Hugo Schenk und die Kriminalfälle Kreitter und Bednarik sowie Eigentumsdelikte und der Einbruch bei einem Juwelier am Graben im Jahr 1885 sind ebenfalls zu sehen, wie das Bombenattentat des Johann Fock, die Dienstmädchenmorde und der Schädel der hingerichteten Juliane Hummel.

Die Zeit um 1900 in den Räumen J – N, hier werden die sehr zugenommenen Kindesmißhandlungen und der 4-fache Kindesmord aus dem Jahr 1900 gezeigt, sie vermitteln eindrucksvolle, historische Beweisgegenstände. Im Jahr 1904 wird das neue Polizeigebäude an der jetzigen Rossauerlände fertiggestellt, es war damals das modernste der Welt. Erschütternd ist der Anblick der Lichtbilder des ermordeten kleinen Mädchens Mathilde von Scheiger, weiters wird der Giftmord des Oberstleutnants Adolf Hofrichter dokumentiert, der bis heute durch zahlreiche Filme und Publikationen internationales Interesse gefunden hat. Der Fall Beranek – er ist berührend, erschütternd und er zeigt die soziale Problematik dieser Zeit. Louise Weis leidet unter einer Rückgratverkrümmung und fällt der Betrügerin Marie Bartunek in die Hände. Bartunek verspricht den Buckel ihrer Arbeitskollegin zu heilen. Weis gibt ihre Ersparnisse aus, ohne dass sich etwas ändert. Als sie Bartunek zur Rede stellt, wird sie in ein Haus im 20. Bezirk gelockt, ermordet und teilweise zerstückelt.

Der Raum O widmet sich den Zehner Jahren, es ist ein gewaltbereites Jahrzehnt und beginnt im Jahr 1911 mit dem Attentat gegen Justizminister Hochburger und geht weiter mit dem Mord an dem sozialdemokratischen Abgeordneten Schuhmeier, dem Beginn des ersten Weltkrieges im Jahr 1914 und dem Attentat gegen den Ministerpräsident Stürgkh im Jahr 1916. Die letzten Jahre des Friedens und relativen Wohlstands führen zu einer beträchtlichen Zunahme der Geheimbordelle, die als „toleranten Häuser“ und galante Salons bezeichnet werden. In diesem Raum befinden sich pornographische Farbgrafiken die beschlagnahmt wurden. Betrugskriminalität führt beim Verkauf von minderwertigen Schuhwerk an die kriegsführende Armee zu teilweiser Unbeweglichkeit der Soldaten, was sich als sehr tragisch auswirkte.

Im Raum P befinden sich Zeugnisse der Kriminalität und Moulagen aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg. Österreich war nach dem Weltkrieg zwar flächenmäßig sehr klein, aber durch den Wiener Polizeipräsidenten Johann Schober, er wurde 1918 von Kaiser Karl 1. zum Wiener Polizeipräsidenten bestellt, wurde es auf dem Gebiet des Kriminal- und Polizeiwesens zur Weltmacht. In Wien wurde im Jahr 1923 die INTERPOL gegründet, sie hatte bis zum 2. Weltkrieg ihren Sitz in Wien. Der organisierten Kriminalität in Chicago wurde man nur mit Hilfe der Wiener Kriminalisten Herr. Das „Moulagieren“, Abformung von Leichenteilen oder Objekten für erkennungsdienstliche Zwecke, ist dem im Wiener Polizeidienst stehenden Dr. Poller zu verdanken. In diesem Raum befinden sich einige Moulagen von Mordopfern, auch hier sind schwache Nerven nicht von Vorteil.

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Raum Q beschäftigt sich mit der Zeit der nationalsozial-istischen Herrschaft, die Machtübernahme der National-sozialisten im Jahr 1938 war auf dem Gebiet des Justiz- und Sicherheitswesens sehr rasch und besonders gründlich. Als erstes war es die Optik die ins Auge stach, anstelle des Wiener Wachmanns patroullierten peußisch uniformerte Schutzpolizisten durch die Wiener Straßen. Die neuen Machthaber brachten eine Maschine, die als Gerät F bezeichnet wurde, nach Wien und sie wurde im Wiener Landesgericht aufgestellt. Diese Gerät F war ein Fallbeil, eine perfektionierte Guillotine. Bis zum Ende des „tausendjährigen Reiches“ im Jahr 1945, wurden mehr als tausend Enthauptungen durchgeführt.

Die 2. Republik – die Jahre nach 1945 sind im Raum R zu finden, hier sind Fotos des zerstörten Polizeigebäudes zu sehen, „Wien des dritten Mannes“ war in den Nachkriegsjahren ein Paradies für Delikte jeglicher Art, wie z.B. Gewaltverbrechen, Plünderungen, Entführungen und Selbstjustiz. Etliche Gewaltverbrechen werden sehr anschaulich dokumentiert wie der Fall Johann Rogatsch, der Fall Adrienne Eckhard aus dem Jahr 1952 oder der Mord an dem Wiener Stadtrat Heinz Nittel im Jahr 1981, um nur einige zu nennen.

Dokumentationen über Todesstrafen in Österreich befinden sich im letzten Raum S, die Geschichte der Todesstrafe wird in eindrucksvoller und mahnender Form gezeigt, hier ist auch der Würgegalgen zu sehen der bis zum Jahr 1950 zur Praxis der österreichischen Justiz gehörte. Weiters sind Gerätschaften des Wiener Scharfrichters aus den Jahrzehnten vor 1950 zu sehen. Bei diesen Geräten des Todes läuft es einem kalt über den Rücken, dieser Anblick macht sehr nachdenklich.
Der Tod lässt sich nicht rückgängig machen.

Das Wiener Kriminalmuseum ist ein Muss für alle an Kriminal- Polizei- und Justizgeschichte Interessierte und natürlich für Krimifans:-)

Adresse
Große Sperlgasse 24, 1020 Wien

Wiener Linien: U2 oder Linie 2 bis Taborstraße

Öffi-App

Öffnungszeiten und Kontakt
Do – So 10.00 bis 17.00 Uhr
+43 664 300 56 77

Weblink
http://www.kriminalmuseum.at/

Literatur
Mörderisches Wien Ein Cityguide zur dunklen Seite Wiens,
Edition Seyrl 1997, ASIN: 3901697047

Tatort Wien I.: 1900 – 1924
Edition Seyrl,, 2004, ISBN: 3-911697-09-8

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Steinhof Wien

Die unendliche Geschichte der Steinhof-Verbauung

oder

die dunklen Flecke der Stadtregierung

Das Otto Wagner Ensemble wurde bis in das kleinste Detail durchdacht, geplant und ausgeführt – was von manchen Objekten der Gegenwart nicht gesagt werden kann.

Im Jahr 1907 wurde die Niederösterreichische (Wien gehörte damals zu Niederösterreich) Landes- Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke ‚Am Steinhof‘ mit ihren 60 Pavillons der Spitalsbehandlung von psychiatrischen Patienten aus Wien gewidmet. Sie war die modernste Anlage in Europa und wurde, wie die Kirche vom Steinhof, von Otto Wagner konzipiert. Sein Ziel war ein Ensemble als Gesamtkunstwerk aus Architektur, Gewerbe und Kunsthandwerk, das Resultat war eine einzigartige, durchdachte, humane Anlage im Jugendstil. Psychisch kranke Menschen wurden vorher oft menschenunwürdig untergebracht und vernachläßigt.

Otto-Wagner-Spital

Sämtliche Verzierungen an Fenstern, Türen und Geländer wurden in der Werkstatt von Otto Wagner hergestellt. Sein Ziel war ein Ensemble als Gesamtkunstwerk aus Architektur, Gewerbe und Kunsthandwerk, seine Bedingungen waren eine Lage an einem Südhang und die Ausrichtung der Pavillons in Ost-West-Richtung am Rand des Wienerwaldes. Es entstand eine Mittelachse mit Gemeinschaftseinrichtungen, links und rechts ein System an Pavillons, ein Sanatorium für Privatpatienten im Westen, Wirtschaftsgebäude im Osten und eine Landwirtschaft im Norden, diese befand sich südlich der Feuerwehr, am heutigen Erholungsgebiet, auf denen Obstbäume, Getreide, Kartoffeln und viels mehr gezogen wurde.

Es gab auch Ställe, in denen Schweine, Hühner, Hasen und Kühe gehalten wurden. Das Sanatorium im Westen war luxuriös ausgestattet, die Einnahmen aus diesem Teil des Krankenhauses trugen in erheblichen Summen zum Betrieb der Hauptanlage im östlichen Teil bei. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Sanatorium geschlossen und eine Lungenheilstätte eingerichtet.

Die Bepflanzung außerhalb der Mauer ist ebenfalls nach gärtnerischen und gestalterischen Grundsätzen erfolgt, an der Südfront wurden winterharte Olivenbäume abwechselnd mit Flieder gepflanzt und auf der Ostseite (jetzt thront dort das Rehabilitationszentrum) wurden abwechselnd Fliederbüsche mit Robinien gepflanzt.

Otto Wagner der geniale Architekt der Jahrhundertwende, von ihm stammen auch die Postsparkasse, das Nußdorfer Wehr, die linke Wienzeile-Häuser, die Stadtbahnstationen uvm., hatte damals mehr Architektur-Wissen,Logik und Empathie bewiesen, (Geschmack sowieso), als heute so manche Architekten, Städteplaner und Stadträte.

Gspür für Wien warad notwendig!  Zitat von Dr. Johanna Kraft

Am 9. bis 11. Dezember 1981 wurde die Volksbefragung, ob die Steinhofgründe verbaut werden sollen, mit 53,5% abgelehnt. Eine gemeindenahe Baufirma hatte ein Verbauungsprojekt auf den Steinhofgründen geplant, daher versuchte die SPÖ der Volksbefragung zuvorzukommen, die Bürgerinitiative konnte jedoch mit großer Unterstützung vieler Personen und Vereine ebenfalls vorzeitig die notwendigen Unterschriften einreichen.
Man muß bedenken das es damals kein Internet gab und es trotzdem gelang 247.010 Menschen zu motivieren, ihre Stimme abzugeben. Das war ein klare Ansage der Wiener Bürger und einen Tag vor Weihnachten, am 23.12.1981, wurden die Tore zum Steinhof geöffnet.

Steinhofgründe

Da die Dezentralisierung der Wiener Psychiatrie und Errichtung eines neuen Krankenhauses in Floridsdorf beschlossen wurden, gab es große Diskussionen, was mit Areale der Steinhof-Anlage geschehen soll, die nicht mehr als Krankenhaus genutzt werden.
Der Bau von Wohnhäusern ist ein Eingriff in die perfekt durchdachte Anlage und würde das Ensemble schwerwiegend zerstören, aber das scheint die profitorientierten Unternehmen und auch die Stadt-Regierung nicht zu interessieren.

Schließung des Jugendstiltheaters

Das Jugendstiltheater im Areal des Otto-Wagner-Spitals stellte am 23. November 2009 nach der letzten Vorstellung – ein kabarettistischer Benefizabend unter dem Titel “Zum Tod Lachen” – den Betrieb ein. Dies wurde mit einer Generalsanierung der Spielstätte begründet. Da bis jetzt nichts geschah, ist anzunehmen das es zum Spekulationsobjekt geworden ist.

Geplante Sanierung des Areals

Anläßlich des 100 Jahr-Jubiläums des Otto-Wagner-Spitals im Jahr 2007 wurde im Jahr 2000 angekündigt, dass das gesamte Ensemble renoviert wird. Schon im Jahr 2011 blätterte die rosa Farbe, die auf die Sichtziegel gestrichen wurde, an vielen Gebäuden wieder ab. Es wurde nur an einem Teil der westlichen Hälfte der Pavillons Verschönerungen durchgeführt, der östliche Teil wurde komplett ausgelassen. Die kunstvollen Fenstern und Türen der Otto-Wagner Bauten rosten vor sich hin und die offenen Geschoss- und Kellerfenster beschleunigen den Verfall. Diese Vorgangsweise ist von privaten Bauspekulanten bekannt, gemeindenahe Betriebe scheinen diese Vorgangsweise jetzt für sich entdeckt zu haben.

Baumbestände

Im Dezember 2011 sind an vielen Stellen im Otto-Wagner-Spital Areal abgeschnittene Baumstämme zu sehen. Eigenartig ist, daß sie in relativ großen Höhen (3-6m) abgeschnitten wurden, daher sind sie auf den ersten und auch zweiten Blick nicht zu sehen, erst wenn der Blick Richtung Baumkronen geht, erkennt man die abgeschnittenen Baumkronen und Äste. Wozu wurde sie in dieser Höhe abgeschnitten? Ist es eine besonders fieser Einfall, um sie später, wenn sie morsch sind, zu fällen?
Auszug: http://www.steinhof-erhalten.at/baumbestand.html

Ausverkauf Steinhof

Ohne Einbeziehung der Öffentlichkeit wurde ein Teil des Areals an die Wohnbaugesellschaft GESIBA verkauft.
2011 plante die gemeindeeigene Fa. Gesiba für die kommenden Jahren ca 650 Wohnungen auf einer Fläche von über 60.000 m2 und lt. Fa. Vamed soll ein Rehab-Zentrum mit Schwimmbad entstehen. Die Bauprojekte sollen zwar im ehemaligen Wirtschaftsteil entstehen, aber trotzdem zerstört es den optischen Gesamteindruck dieser europaweit einzigartigen Jugendstilanlage. Die geplanten GESIBA Wohnungen wäre zu einem Drittel frei finanzierte Eigentumswohnungen geworden, es folgten dann Hinhalte- und Verschleierungstaktiken der Bezirkvertretungen, das nicht Erscheinen der Vertreter der GESIBA und VAMED bei Bürgerversammlungen, die seltsame Wandlung der Grünen im Bezug der Verbauung, die sich bis dato immer vehement gegen eine Verbauung des Otto-Wagner-Spital-Areal eingesetzt hat, was umso erstaunlicher ist, da es sich meiner Meinung nach nicht mit dem Credo der Grünen vereinbaren lässt. Mit Ende des Jahres 2011 soll das Jugendstil-Postamt (es befindet sich rechts vom Eingang) geschlossen werden.

Ende Oktober verfügte Bürgermeister Häupl einen teilweisen Baustopp beim Wohnungsbau, statt 600 werden nur 400 Wohnungen gebaut. Vizbürgermeister Vassilakou will das Projekt neu überarbeiten und neu dimensionieren, die Bürgerinitiative fordert den kompletten Baustopp im denkmalgeschützten Areal. Das Rehabilitationszentrum der Fa. Vamed wird nun doch in dem denkmalgeschützten Areal der Steinhofgründe gebaut. Kostenpunkt des Neubaus: 34 Millionen Euro, Fertigstellung: 2013. Dafür wurden einige Wirtschaftsbaracken sowie das alte Personalwohnhaus abgerissen. Die rot-grüne Wiener Regierung hat trotz aller Bürgerproteste das Projekt voranschreiten lassen.

Am 17.4.2012 ist der Rohbau des VAMED Rehabzentrum fertig. Bürgerinitiative „Steinhof erhalten“ fordert seit langem das das Steinhof-Ensemble Weltkulturerbe werden soll, da dies eine Verbauung verhindern würde. Lt. einer Studie werden dafür vier Kriterien erfüllt, im Areal befindet sich unter anderem die historisch bedeutende Jugendstilkirche „Hl. Leopold“, die von Architekten Otto Wagner entworfen wurde und die Glasmosaikfenster wurden von Koloman Moser geschaffen.Unterstützung bekam die Bürgerinitiative von ALLEN Oppositionsparteien, wiederholt eingebrachte Anträge der Oppositionsparteien scheiterten bisher an der Mehrheit der SPÖ.

Die Petition zur Nominierung des Otto-Wagner-Spitals als UNESCO-Welterbestätte wurde am 9. April 2013 bei der MA 62 mit 4.048 Unterschriften eingebracht. Am 3. April 2013 hat eine Expertengruppe ihre Stellungnahme zur möglichen Verbauung des Otto-Wagner-Areals leider ohne eine klare Aussagen über eine zusätzliche Verbauung abgegeben.

Pulmologisches Zentrum ehemals Sanatorium

Forderungen der Bürgerinitiative:

Wir sind keiner Partei verpflichtet, trotzdem ersuchen wir Sie unsere Forderungen zu unterstützen:
* Kein Abverkauf der Otto-Wagner-Spitalsanlage!
Das Otto Wagner Spital am Steinhof mit der berühmten Kirche am Steinhof ist ein einzigartiges Bau- aber auch sozialpolitisches Denkmal. Ein Denkmal einer sozialen Haltung und menschenfreundlichen Einstellung psychisch Kranken gegenüber. Diese großartige Anlage, die der Wiener Bevölkerung gehört, muss, auch wenn sie in dieser Größe als Spital nicht mehr benötigt wird, der sozialen Wohlfahrt erhalten bleiben! Der Ostteil der Anlage wurde bereits an eine Wohnbaugesellschaft verkauft ! Da der Krankenanstaltenverbund die Anlage als Spital aufgeben will, droht ein leiser, scheibchenweiser Abverkauf, die Privatisierung öffentlichen Eigentums – diesmal unter Federführung der Rot-Grün regierten Stadt Wien!
* Das Otto-Wagner-Spital muss ungeteilt in öffentlichem Besitz bleiben!
* Das Jugendstiljuwel samt Parkanlage muss unzerstört erhalten bleiben !
* Was über hundert Jahre der Wohlfahrt gewidmet war, darf heute nicht dem schnellen Profit geopfert werden !
* Keine neuen Verkehrserreger im Nahbereich des Wienerwaldes !
* Detaillierte Information und Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger!

Auszug: http://www.wien-konkret.at/politik/buergerinitiativen/initiative-steinhof/

Die Bürgerinitiativen machen unverdrossen weiter und brauchen jede Unterstützung, daß dieses Ensemble nicht noch mehr in profitable Hände kommt. 80.000 Unterschriften, viel Prominenz die unterstützt, drei abgeschmetterte Wien-Petitionen, eine zwei-geteilte Bürgerversammlung, eine diesbezügliche Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft und insgesamt neun Anträge auf UNESCO-Welterbeschutz im Gemeinderat.

Die Steinhof-Rehe

Bei der zunehmenden Verbauung sind auch die Steinhof-Rehe in ihrem Lebensraum bedroht, die Rehe sind Morgens und Abends sehr gut zu auf den Steinhofgründen und manchesmal bei den Pavillons zu beobachten. Daher sollten die Verantwortlichen auch an den Tierschutz und nicht nur an den Profit denken.

Prosektur Steinhof

Die Prosektur des Otto-Wagner-Spital (in dem sich bis 2002 die sterblichen Überreste der Kinder vom Spiegelgrund, die dem Euthanasieprogramm der Nazis zum Opfer gefallen waren, befanden) hätte nach den geschmacklosen Vorstellungen und fehlender Emphatie der Wiener Wohnbau-Verantwortlichen 2013 in einen Kindergarten umgewandelt werden sollen. Dieser Kindergarten war als Service für die Bewohner der geplanten 650 Wohnungen gedacht.
Auf der Informationstafel „Prosektur“, im Areal befinden sich eine Reihe von Informationstafeln, ist zu lesen:
Obwohl ungewöhnlich für eine Heil- und Pflegeanstalt für Geistes- und Nervenkranke, wurde ‚Am Steinhof’ auch eine
Prosektur errichtet. Neben Räumen für pathologische Untersuchungen befindet sich hier auch ein Verabschiedungsraum. Die dort befindliche Kreuzigungsgruppe wird Koloman Moser zugeschrieben. Das Gebäude selbst, aus hygienischen Gründen am Rand der Anlage angelegt,verfügt auch über einen eigenen Zugang für die Angehörigen. Sie wurde zunächst in Kooperation mit dem Pathologischen Institut der Universität und ab 1925 als selbständige Abteilung betrieben. Sie ist ein Beispiel für eine gemeinsam genützte Infrastruktur, in Zeiten, in denen auf der Baumgartnerhöhe verschiedene und voneinander unabhängige Institutionen betrieben wurden (wie zum Beispiel neben der Heil- und Pflegeanstalt die Lungenheilstätte oder auch zwischen 1940 und 1945 die „Städtische Nervenklinik für Kinder Am Spiegelgrund“.) Hier befand sich auch die Sammlung von Organpräparaten von Am Spiegelgrund ermordeten Kindern, bis zu ihrer feierlichen Beisetzung in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof 2002. An diesen Präparaten wurde nach 1945, vor allem ab der Mitte der 50er Jahre und weit in die 60er Jahre neuropathologische Forschung betrieben. Zuerst im „Neurohistologischen Laboratorium“ der Anstalt und später im Ludwig Boltzmann Institut zur Erforschung von Missbildungen des Zentralnervensystems. Beide gehörten nicht zum Pathologisch-Bakteriologischen Institut.“

Auszug aus dem Jugendstil-Spital

Die 5. Psychiatrische Abteilung übersiedelte Ende 2014 in die Krankenanstalt Rudolfstiftung. Als nächstes übersiedelt die 4. Abteilung 2016 in das Krankenhaus Nord. Ebenfalls dorthin verlegt werden die Thoraxchirurgie des Otto-Wagner-Spitals und Teile der 1. Pulmologie. Weitere Übersiedlungen sind in Planung. Die Pavillone Vindobona, 1, 8, 17 und 35 stehen leer, der Pavillon Severin im Westen wird generalsaniert und zu einer, für aerogen erworbene Infektionskrankheiten, Spezialstation umgebaut. Es ist doch möglich die Pavillone für die heutigen, technischen Anforderungen umzurüsten, das gleiche könnte mit den anderen Gebäuden geschehen, diese Areal wäre auch ein idealer Platz für die Palliativ- und Hospiz-Medizin.

Baumpatenschaft

Die Bürgerinitiative „Steinhof erhalten“ hat Ende 2014 ein Baumpatenschaft-Projekt gestartet, via der Bürgerinitiative Website kann eine Baumpatenschaft übernehmen werden. Die Patenschaft kostet keinen Cent und es gibt einen Eintrag im visuellen Bepflanzungsplan. Es haben sich bis jetzt über 700 Paten gemeldet.
http://www.steinhof-erhalten.at/baumpatenschaft/baum-patenschaft.html

Das Konzept bis Ende 2016

Der Bürgerinitiative wäre keine Bebauung die liebste Variante. Das Expertengremium der Stadt Wien hat sich auf Folgendes geeinigt: Es sollen auf dem ehemaligen Wirtschaftsbereich 140 Mietwohnungen entstehen und weitere 60 bis 80 Wohnungen sollen durch Umnutzung bestehender Gebäude dazukommen. Für die neuen Wohnungen werden zehn neue Pavillons errichtet. Die Gesiba will 2015 /2016 mit dem Bau beginnen. Die Fertigstellung erfolgt gestaffelt von 2017 bis 2020.
Die Wiener Standortentwicklung erarbeitet ein Konzept für den denkmalgeschützen Teil abseits des ehemaligen Wirtschaftsareals. Es wird aus Kultur, Bildung, Sport, Wissenschaft bestehen und für Ende 2016 erwartet.

Was ich von StadtpolitikerInnen erwarte

Stadtpolitiker sind der Wiener Bevölkerung zur Erhaltung und Schaffung von Grünräumen verpflichtet, in Wien genießen wir den Luxus dieses Grüngürtels und das soll auch so bleiben. Wien ist in Folge zur lebenswertesten Stadt gekürt worden, ich glaube nicht das ein „Wien in Beton“ noch eine Chance hätte.

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Wiener Stadpolitiker sollte es interessieren, das die immer älter werdende Bevölkerung ein Recht auf Pflegeeinrichtungen hat, das es Einrichtungen für Burn-out Patienten, chronische und neuropsychiatrischen Erkrankungen gibt.
Das wären mögliche Nutzungskonzepte für die Steinhofgründe in einer der besten Reinluftschneisen im Nordwesten der Stadt, was gibt es schöneres als Natur zur Rekonvaleszenz und für die Geriatrie.

Da Wien sehr rasch wächst wird sehr viel gebaut, auch dort wo es sehr fragwürdig ist und grüne Areale an verschiedenen Stellen dezimiert werden, das natürlich ohne Einverständnis der Bevölkerung und was noch schlimmer ist, Proteste werden einfach übergangen. Ist ein zubetoniertes Wien soviel schöner als ein Wien mit einem 1905 angelegten Grüngürtel, um den wir international beneidet werden? Es stellt sich aber auch die Frage in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit (die in den nächsten Jahren kaum geringer wird), ob alle hier lebenden Menschen in der ständig wachsenden Stadt ihr Leben bestreiten können?

Unter dem Motto: Was interessiert uns unser Geschwätz von Gestern, wenn der ungezügelte Raubkapitalismus hochprofitable Gewinne in Aussicht stellt.

Adresse

Baumgartner Höhe 1, 1140 Wien

Wiener Linien: 47A oder 48A bis Otto-Wagner-Spital

Öffi-App

Literatur

Die Stadt außerhalb: Zur Architektur der ehemaligen Niederösterreichischen Landes-, Heil- und Pflegeanstalt für Geistes- und Nervenkranke Am Steinhof in Wien, 2015, ISBN-13: 978-3035606300

Weblinks

Die Presse

Bürgerinitiative Steinhof erhalten

Bürgerinitiative Steinhof gestalten

Rehe am Steinhof

Seniorenbund Penzing

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Palais Isbary

Das späthistorische Palais Isbary auf der Wieden

Das Palais Isbary befindet sich in der Schmöllerlgasse 5 im 4. Wiener Gemeindebezirk (Wieden) und wurde 1901/02 von Rudolf Isbary Junior an den Architekten Karl Mayreder und den Wiener Baumeister Johann Sturany in Auftrag gegeben. Karl Mayreder war ein Schüler Heinrich von Ferstels und das Palais Isbary ist eines seiner wichtigsten Werke.

Das Palais ist ein typisch, repräsentativer Bau seiner Zeit und erfüllte den gesellschaftlichen Anspruch des Bauherrn Rudolf Isbary Junior. Seine Mutter war Louise, geborene Hlawatsch, sein Vater Rudolf von Isbary war ein Textilindustrieller, Abgeordneter zum Reichsrat sowie Präsident der Wiener Handelskammer, Rudolf von Isbary wandelte mit seinem Schwiegervater Karl Hlawatsch dessen Wollwarenerzeugung in Wien-Mariahilf zu einer Shawlfabrik (Shawl = Schal) um und die Firma nannte sich dann Hlawatsch u.Isbary. Der damalige Modetrend im Biedermeier, die hervorragenden Handelsverbindungen und neuen Produktionsverfahren sorgten für einen ausgezeichneten Umsatz. In Zeiten der Hochkonjunktur hatte das Unternehmen ca 500 Beschäftigte. Rudolf Isbary Junior übernahm die Firma und erwarb Grundbesitz im Pielachtal, die Isbary´sche Güterdirektion hatte damals 8000 ha und befindet sich bis heute im Familienbesitz.

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Das Palais Isbary ist ein späthistoristischen Bau mit großem Mansarddach und barockähnlichen Dekor. Das Palais besteht aus Parterre, zwei Stockwerken und einer Mansarde. Akzente setzen die zwei Rundbogen-Doppelfenster mit geschwungenem Steinbalkon und bilden mit den einfachen Fenster die Beletage.

Das Stiegenhaus fällt durch ihr reiches Schmiedeeisengeländer auf, die Wände beeindrucken mit Stuckmarmor und in der Nische im unteren Treppenteil ist eine Venus-Statue aus Marmor zu sehen. Eine Innenbesichtigung des Palais Isbary ist nicht möglich.

Das Palais hat den zweiten Weltkrieg und die Demolierungswut der 50er Jahre gut überstanden, im Gegensatz zu dem Rothschild Palais, und befindet sich in einem sehr guten restaurierten Zustand.

Adresse

Schmöllerlgasse 5, 1040 Wien

Wiener Linien: U1 bis Taubstummengasse oder Linie D bis Plößlgasse

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Palais Isbary auf Google Maps

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Henriette Pereira-Arnstein

Henriette Pereira-Arnstein – Salonière, Tochter der Fanny von Arnstein

Henriette Pereira-Arnstein wurde am 29. Nov. 1780 in Berlin geboren, sie war die Tochter der Fanny von Arnstein.

Auf Grund ihres sehr vermögenden Elternhaus genoß sie das Privileg einer umfassende Bildung, was zu dieser Zeit nicht selbstverständlich war.

1802 heiratete sie den Adoptivsohn ihrer Eltern, Bankier Ludwig Freiherr von Pereira, eine Juden sephardischen Ursprungs, mit dem sie vier gemeinsame Kinder hatte. Später konvertierten beide zum christlich-katholischen Glauben. Mit diesem Übertritt drohte Henriette der Ausschluss von jüdischen Zeremonien, aber es ermöglichte ihr das Ausblenden ihrer jüdischen Identität.
Henriette Pereira-Arnstein öffnete ihren eigenen Salon höchstwahrscheinlich vor dem Tod ihrer Mutter Fanny von Arnstein, diesen anspruchsvollen literarisch-musikalischen Salon führte sie in der Tradition ihrer Mutter fort.
Wie ihre Mutter und ihre Tante Cäcilie von Eskeles vor ihr, wurde Henriette ebenfalls mit deutschem Patriotismus in Verbindung gebracht, nachdem ihr Name in den Chroniken zur Unterstützung des Dichters Theodor Körner eingetragen wurde. Körner schrieb während seiner Teilnahme am Krieg gegen Napoleon seine impulsivsten deutschen Nationalgedichte »Leier und Schwert« für Henriette.

In ihrer Anfangszeit als Saloniere wurden ihre Empfänge so luxurios gestaltet wie der Salon ihrer Eltern, es wurden z. B. die Räume mit Früchte beladenen Bäumen geschmückt. Man muß sich das vorstellen, ganze Bäume wurden wegen einen einzigen Empfang gefällt! Von der Mühe des Personals ganz zu schweigen.

Gastgeberin der Wiener Gesellschaft im Biedermeier

Anders als ihre Mutter, deren Haus der Mittelpunkt des politischen sowie diplomatischen Lebens war und oft mitternächtliche Soupee`s bis zu 400 Gäste empfing, führte Henriette Pereira ihren Salon später in einem kleineren Rahmen. Sie veranstaltete jede Woche Künstleràbende mit musikalischen Darbietungen, bei denen sie auch Pianistin war.
Sie hatte auf Grund ihres Laissez-Faire-Stils der Gastlichkeit bedeutende Künstler bei sich zu Gast, darunter Musiker wie Beethoven, Liszt, Theodor Körner, Mendelssohn und Dichter wie Grillparzer, Stifter, Brentano sowie Künstler wie Amerling, Daffinger, Schnorr von Carolsfeld, Schwind, Kriehuber und Danhauser. Amerling porträtierte sie mit ihrer Tochter Flora, in dem sie, ganz im Sinne des Biedermeiers, als mütteliche Dame zu sehen ist.

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Henriette Pereira-Arnstein akzeptierte den Prozess der Entsexualisierung von Damen der Gesellschaft, in dem Porträt ist die Betonung der anerkannten Gesellschaftsdame zu sehen.
Es ist anzunehmen das Henriette Pereira-Arnstein und Tochter Flora – im Gegensatz zur Familie Eskeles – extravaganten Schmuck vermieden, um ihr harmonisches Familienleben zu zeigen.
Henriette Pereira setzte sich wie ihre Mutter und ihre Tante Cäcilie von Eskeles, sehr engagiert für soziale Zwecke ein.

Henriette Pereira-Arnstein, ihre Mutter Fanny Arnstein und ihre Tante Cäcilie von Eskeles formten und vermarkteten sich in
verschiedenen Phasen ihres Leben in verschiedenen Rollen und auf Grund ihres jüdischen „Anderssein“ und ihrer deutschen Kultur schufen sie für sich einmalige Position in der Wiener Gesellschaft.

Eine bemerkenswerte Frau in der männerdominierenden Biedermeier-Epoche, sie starb am 13. Mai 1859 in Wien

Fotos

Wikipedia, Lithographie von Josef Kriehuber, 1841

Literatur

Die Salonièren und die Salons in Wien, Helga Peham, Dezember 2013
ISBN 978-3222134029

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k.u.k. Hoflieferanten

Die k.u.k. Hoflieferanten in Wien

Die historischen Geschäftsportale und eleganten Salons  mit ihren kultiviert-vornehmen VerkäuferInnen stehen für Exklusivität, Luxus und Qualität und repräsentieren die k. und k. Hoflieferanten.

Die Wurzeln reichen zurück bis zu den Hofbefreiten und Hofbediensteten. Als der Hof noch keine feste Resistenz hatte und oft reiste, war die tägliche Versorgung umso wichtiger, daher benötigte der Hof neben dem Dienstpersonal auch Handwerksleute, Händler, Künstler. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts waren es die Hofbefreiten, sie folgten dem Hof auf seinen Reisen und hatten Privilegien, um die gewünschten Waren und Dienstleistungen erbringen zu können.

Da sie vom Kaiserhof alleine nicht leben konnten, durften sie ihren Waren auf den Märkten anbieten und waren natürlich den bürgerlichen Händlern und den zünftisch organisierten Gewerbe überlegen. Daher kam es schon damals zu Gehässigkeiten und nicht nur zu verbalen Übergriffen.

Die Hofjuden

Die hofbefreiten Juden, auch „Hofjuden“ genannt, genossen als jüdische Händler des Hofes gegenüber ihren Glaubengenossen eine Reihe von Vorteilen, unter anderem wurden sie nicht von Progromen bedroht, mußten nicht das Judenabzeichen tragen und waren steuerbefreit. Jedoch mußten sie auf Anordnung der „Preisbehandlungskommision“ des Hofes, die Waren oft unter ihren Wert verkaufen und waren häufiger gezwungen, dem Hof aus finanziellen Engpässen zu helfen. Um zu dem Privileg eines hofbefreitern Jude zu kommen, war Vermögen eine Grund-voraussetzung. Unter Leopold I. wurde die Juden in den Jahren 1670/71 aus Wien vertrieben. Schutzbriefe und Sonderregelungen räumten allerdings den Hofjuden einen ungestörten Aufenthalt in der Stadt ein, das geschah nicht ohne Eigennutz da der Hof öfters eine finanzielle Unterstützung benötigte.
Als der Hof in Wien seßhaft wurde, wurden die umherreisenden Hofbefreiten nicht mehr benötigt. Maria Theresia verringerte die Zahl und die Sparsamkeit von Joseph II. führte zum Abbau.

1782 scheint im Hofkalender erstmals der Begriff des Hoflieferanten auf. Es waren etliche Professionen zu finden, die heute nicht mehr bekannt sind. Am Ende der Monarchie gab es in Wien 506 Hoflieferanten. Das „Hof-und Staatshandbuch 1918 der österreichisch-ungarischen Monarchie“ umfaßt viele Seiten derTräger des k. und k. Hoftitels, in diesem Handbuch sind unter anderem auch Hofkalligraphen und Hofgrünzeughändler aufgezeichnet.
Eine Steigerung des Titles „Hoflieferant“ war die Ernennung zum „Kammerlieferanten“, dieser war auch befugt die Privatgemächer der Herrscher zu betreten. Der zusätzliche Titel eines „Kammer-lieferanten“ (wie etwa Juwelier A. E. Köchert) war ein Privileg und ab dem Revolutionsjahr 1848 eine Vertrauens-auszeichnung.

k. & k. steht für kaiserlich-königlich

Die Ernennung zum Hoflieferanten sollte den jeweiligen Betrieb enger an den Hof binden und beste Leistungen garantieren. Allerdings hatten die Hoflieferanten keine besonderen Rechte. Das Obersthofmeisteramt schrieb 1808: „Der Hoflieferantentitel gewährt Hoflieferanten und Hofprofessionisten zwar den Vorrang, gibt ihm aber kein Vorrecht gegenüber andere, die besser und wohlfeiler Waaren liefern“. Hoflieferant zu sein, bedeutete nicht, sich auf seinen erworbenen und teuer bezahlten Lorbeeren ausruhen zu können. Denn der Hof war nicht verpflichtet, bei seinen Lieferanten einzukaufen; vielmehr förderte er Konkurrenz durch Lizitation der Hoflieferungen, durchgefüht von der „Preisbehandlungskommision“.
Der Titel wurde vom Obersthofmeisteramt verliehen und war, wie bei den Hofbefreiten, nicht erblich. Der Erbe mußte wieder um das Dekret ansuchen. Starb der Lieferant, durfte die Witwe das Geschäft weiterführen, allerdings mußte sie sich einen Meister nehmen. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts konnte ein Titel nur erworben werden, wenn sich das Geschäft in der Nähe des Hofes befand. Der Vergolder Conrad Bühlmayer mietete extra für den Hofverkehr eine Lokalität in der Michaelapassage, in dieser befindet bis heute das Geschäft. Die meisten ehemaligen Hoflieferanten sind heute noch in der Nähe der Hofburg, am Kohlmarkt, in der Bräunerstrasse und am Graben zu besuchen.
Der Hoftitel war für Gewerbetreibende und Händler vor allem ein Qualitätssiegel und brachte die für das Geschäft nötige Werbung. Um den Titel mußte angesucht werden. Gute Voraussetzungen waren die Teilnahme an internationalen Messen, auch ausländische Kontakte, Importe und Exporte waren von Vorteil für eine positive Behandlung des Ansuchens. Die Bedingungen waren auch schon damals sehr rigoros und sind keine Erfindung des 20. und 21. Jahrhunderts.
Der Anstragsteller hatte einen Lebenslauf einzuschicken und listete einerseites seine beruflichen Erfolge auf, andererseits seinen illustren Kundenkreis. Darüber hinaus wurde ein Zeugnis von Polizei und Hofzensur sowie von von der Handelskammer eingeholt.

Erinnert Euch das nicht an Bewerbungsschreiben? Außer der Hofzensur;-)

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Um die Anzahl der Hoflieferanten einzudämmen wurde 1877 eine Taxe eingehoben. Anfangs betrug sie 250 Gulden und steigerte sich später auf 2.000 Kronen. Diese Taxe kam Künstlern, Gewerbe-treibenden und dem Museum für Kunst und Industrie (heute das MAK) zugute. Bei kleinen Betriebn wurde die Summe auf Ansuchen reduziert.
Das Verleihungsdekret lautete: „Der Erste Oberhofmeister verleiht Ihnen den Titel eines k. u. k. Hoflieferanten. Kraft desselben steht Ihnen das Recht zu, bei Ihrer Firma das Allerhöchste Wappen zu führen, jedoch dürfen Sie sich Letzteren im Siegel nicht bedienen. Diesen Hoftitel behalten Sie solange als Sie Ihr Geschäft aufrecht und persönlich betreiben“. Das Schwarze Kameel“ lieferte seine Delikatessen ab 1825 an den Hof und gehört somit zu den ältesten Hoflieferanten.

Heute hat dieser Titel jede offizielle Bedeutung verloren, und die ehemaligen Hoflieferanten haben mit der billigeren Konkurrenz und oft Massenware zu kämpfen. Dennoch umgibt ehemalige k.u.k. Hoflieferanten bis heute ein ausgezeichneter Ruf, Exklusivität und ein Ambiente werden von Kunden und Liebhabern weiterhin sehr geschätzt. Die Betriebe der ehemaligen Hoflieferanten sorgen mit großen Einsatz, exklusiver Qualität, Geschmack und Stil für die Aura einer längst vergangenen Zeit.

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Haus Mariahilfer Gürtel 1

Eine verborgene Schönheit am Mariahilfer Gürtel

Wenn Euer Blick von der Otto-Wagner U-Bahn-Station Gumpendorfer Straße, die auch einer baldigen Sanierung bedarf, Richtung Sechshauserstrasse fällt, dann seht ihr auf der rechten Seite der Sechshauserstrasse das schmutzig graue Haus Mariahilfer Gürtel 1 Ecke Sechshauser Straße 2. Das Haus wäre ein repräsentatives Schmuckstück, wenn es die Eigentümer endlich restaurieren würden. Unter dem schmutzig grauen Belag verbirgt sich eine Jugendstil Schönheit die den Gürtel und den Beginn der Sechshauserstrasse sehr aufwerten würde.

Die älteste Eintragung über die Adresse Fünfhaus Haus Nr. 1 stammt aus dem Jahr 1847, das damalige Haus hatte die Adresse Hauptstraße Sechshaus. Die heutige Sechshauser Straße bildet die Grenze zwischen dem früheren Vorort Sechshaus auf der einen Seite sowie Fünfhaus, Reindorf und Rustendorf bzw. Penzing an der anderen Seite.

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In einem Heimatbuch von Michael Hahn aus dem Jahr 1853 (es ist das älteste Heimatbuch, das über die Vororte, die heute den 15. Bezirk bilden, geschrieben wurde) scheinen Frau Josefa Huber und Herr Josef Huber als BesitzerIn auf. Um 1888 war es im Besitz von Herrn Heinrich Mache und Frau Josefa Mache. Die damalige Adresse lautetete Sechshauser Hauptstraße 4 Turnergasse / Herklotzgasse.
Vermutlich wurde dieses Gebäude vor 1907 abgerissen und dann durch den Jugenstil Neubau ersetzt und direkt am Gürtel errichtet.

Kein Geld für eine Gebäudesanierung?

Das Jugendstilgebäude hatte 1907 die Konskriptionsnummer Fünfhaus 1 und gehörte von 1918 bis 1926 einer Frau Henriette Hermann. An der Außenfassade erinnern zwei Gedenktafeln an den burgenländischen Heimatdichter und Hutmacher Josef Reischl, der hier als Haupt- oder Untermieter wohnte. Das Gebäude hat anscheind unversehrt den WW2 überstanden und es wäre an der Zeit es zu renovieren damit es die Abgase des Gürtels und den Umweltschmutz übersteht.

Ich finde es schade das es den oder die Eigentümer nicht interessiert das Haus zu restaurieren, es würde dadurch aufgewertet werden und wäre ein sehr schöner Blickfang an der Ecke Mariahilfer Gürtel/ Sechshauser Straße

Adresse

Mariahilfer Gürtel 1, 1150 Wien

Wiener Linien: U6 oder 57A bis Gumpendorferstraße

Öffi-App

Quellen

Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus

Salzberg Häuserkataster, 1928

Häuser Schema 1847

Hahn, 1853

Czapek, 1873

Häuserkataster der Vororte, 1888

Salzberg Häuserkataster, 1926

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Wiener Schmäh

Was macht den Wiener Schmäh aus?

Der Wiener Schmäh charakteristiert den Wiener Humor und kann in jeder Art der Kommunikation verwendet werden. Er ist schwer zu definieren, da im typischen Wiener Schmäh viel Humor, Sarkasmus, Arglist, Melancholie und Boshaftigkeit zu finden ist, das ganze gibt es in freundlich, morbiden, grantelnden ( schlecht gelaunt), raunzenden und charmanten Versionen, oder auch alles in Einem.

Wisst Ihr jetzt was gemeint ist?;-)

Lachen ist eine sehr wichtige Eigenschaft der Österreicher und besonders der Wiener, daher hat Wien hat eine große Kabarett-Tradition und viele Kleinkunstbühnen mit großartigen Komödianten und Satirikern. Häufig wird der Wiener Schmäh mit dem Wiener Charme verwechselt, charmantes ist zwar dabei, aber der Schmäh setzt eine ironisch-zynische Distanz voraus. Ebenso wird er mit der Wiener Gemütlichkeit assoziiert, diese ist auch im Wiener Schmäh zu finden, aber es zeichnet ihn auch eine gewisse Unfreundlichkeit, Hintergründigkeit, Übertreibung und Schlitzohrigkeit aus. Bei geselligen Zusammensein „läuft“ oft der Schmäh als derb-liebenswerte und meist nicht ganz ernst gemeinte Form der Unterhaltung, was oft für Aussenstehende den Anschein des oberflächlichen und des nichts Ernst nehmen hat.

Sehr viele WienerInnen glauben einen Wiener Schmäh zu haben und viele haben ihn tatsächlich. Hinter diesem Schmäh steckt oft das lustig machen über andere, aber auch sehr viel Selbstironie und Situationskomik.

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Für die meisten Nichtwiener ist der Wiener Schmäh nicht einfach zu erklären, da es die Summe von vielen Eigenschaften ist. Ich nenne Euch einige typische Vertreter des Wiener Schmäh, die ihn etwas verständlicher machen.

Wiener Schmähtandler (Sprücheklopfer)

Hans Moser, jede/r kennt ihn wie er in den Filmen nuschelt (nuscheln ist nicht typisch für den Wiener Schmäh;-)) jammert, raunzt (lamentieren, nörgeln) und einer widrigen Situation trotzdem eine komische Seite abgewinnen kann.

Johann Nestroy führte die Tradition des Wiener Volkstheaters fort, aber er entwickelte auch Satiren wie „Zu ebener Erde und erster Stock“ die unterschiedliche soziale und sprachliche Welten aufzeigt.

Karl Farkas hatte in den 20er Jahren gemeinsam mit Fritz Grünbaum die Doppelconférence etabliert, nach dem Krieg war Ernst Waldbrunn sein neuer Partner, später Maxi Böhm, in den Doppelconferencen, an dessen Ende oft Farkas der „Dumme“ war.

Helmut Qualtinger der 1959 mit Carl Merz den Herrn Karl, den Opportunisten, schuf und der zur Personifikation vieler Österreicher und ihren Umgang mit dem Nationalsozialismus wurde.

Falco der den Wiener Schmäh mit Arroganz und Exaltiertheit, in seinen Liedern und als öffentliche Person, bis zur Perfektion verkörperte und leider viel zu früh starb.

Werner Schneyder, der Intellektuelle der Wort und Witz als Waffe geschickt einzusetzen weiß und sich auch einen Namen als Autor, Schauspieler, Regisseur, Boxkampfrichter und Sportkommentator gemacht hat.

Lukas Resetarits, der als grantelnder Kottan bekannt wurde, ist als Satiriker mit seinem Spott und Humor aus der Kabarettszene nicht mehr wegzudenken. Sein neuestes Kabarettstück heißt „Schmäh“.

Michael Niavarani, der Paradeperser der Nation (Vater Perser und Mutter Wienerin) macht „Richard III.“ von Shakespeare zu einer Komödie und die ist zur Zeit in der Globe Wien Marx Halle zu sehen.

Roland Neuwirth & Extremschrammeln sind der Inbegriff des entkitschten neuen Wienerliedes, mit etwas Blues, eine Prise etwas Rock´n´Roll, eine Hauch Funk und Jazz bringen sie den Menschen das Wiener Lied virtuos näher.

Raimund Korner war Wiens bekanntester U-Bahnfahrer (er ist seit 2012 in Pension) und beherrschte den Wiener Schmäh perfekt, er hatte mit seinen launigen Sprüchen die Gäste der U4 zum Lächeln und Lachen gebracht. Ich vermisse seine unterhaltsamen Durchsagen und es ist schade das es keinen „Nachfolger“in Sachen Schmäh gibt.

Versteht Du jetzt den Wiener Schmäh?:-)
Ich hoffe ich konnte das Geheimnis des Wiener Schmähs den Nichtwienern etwas näher bringen und er ist jetzt etwas verständlicher.

Literatur

„Wenn man trotzdem lacht“ Geschichten und Geschichte des österreichischen Humors, Georg Markus, Wien 2011 ISBN 978-3852188911

„Ich bleib noch ein bissl“ Flüssiges und Überflüssiges, , Wien 2014 ISBN 978-3850028806

Weblinks

Raimund Korners Ansagen auf Soundcloud

Werner Schneyder

Lukas Resetarits

Roland Neuwirth & Extremschrammeln

Michael Niavarani

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Villa Vojcsik

Secessionistische Architektur von Otto Schönthal

Die Villa Vojcsik wurde 1901 in Hütteldorf, das damals ein Teil des 13. Bezirks Hietzing war, von dem 23 jährigen Otto Schönthal im secessionistischen Stil für Dr. Ladislaus Vojcsik entworfen, dieser war der Hausarzt Otto Wagners.

Otto Schönthal besuchte die Meisterschule Otto Wagners und war nach Abschluss des Studiums einige Jahre im Atelier von Wagner tätig und an Projekten wie der prominenten Kirche am Steinhof und dem Baujuwel der Wiener Moderne, der Postsparkassa, tätig.

Die Villa Vojcsik wurde 2005 nach historischen Fotos restauriert und fehlende Fassadenstrukturen wurden ersetzt, diese Villa ist ein positives Beispiel für eine behutsame Restaurierung, diese sollte öfters bei den vielen historischen Gebäuden in Wien angewendet werden.

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Beim Anblick der prächtigen Villa fällt mir die zweite (kleine) Villa Wagner in der Hüttelberstrasse ein, die eine gewisse Ähnlickeit mit der Villa Vojcsik aufweist. Das architektonische Prachstück ist eines der wenigen realisierten Objekte der couragierten Entwürfe der Wagnerschule um.

Das Haus befindet sich in 1140 Wien und ist noch heute im Besitz der Familie Vojcsik.

Adresse

Linzer Straße 375, 1140 Wien

Wiener Linien: Linie 49 oder 47 B bis Bahnhofstraße

Öffi-App

Villa Vojcsik auf Google Maps

Zuckerkandl Berta, schriftstellerin,saloniere

Berta Zuckerkandl

Journalistin, Schriftstellerin und Salonière

Berta Szeps-Zuckerkandl war eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten der Wiener Gesellschaft und eine couragierte, emanzipierte Friedenskämpferin sowie Vertraute fast aller Größen ihrer Zeit. Sie war nicht nur eine berühmte Salonière, sondern auch eine sehr begabte jüdische Journalistin. Sie kannte jeden und stand im Zentrum des kulturellen Geschehens sowie der Gesellschaft. Auf Grund ihrer Aufzeichnungen und Artikel bekommen wir einen Einblick in das Fin de Siècle, dem Zusammenbruch der Monarchie, der Zwischenkriegszeit und den „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland aus der Perspektive einer Frau.
Sie war befreundet mit den bedeutensten Vertretern des gesellschaftlichen und künstlerischen Lebens jener Zeit.

In ihrem Salon verkehrte alles was Rang und Namen hat und sich wie das Who is Who der Jahrhundertwende und des frühen 20. Jahrhunderts liest, um nur einige zu nennen: Hermann Bahr, Alexander Girardi, Johann Strauß, Arthur Schnitzler, Otto Wagner, Gustav Mahler, Gustav Klimt, Arnold Schönberg, Sigmund Freud, Katharina Schratt, Hugo von Hoffmannsthal, Stefan Zweig, Franz Werfel.

Bertha Zuckerkandl wurde 1864 als Tochter des angesehenen liberalen Journalisten und Begründers des „Neuen Wiener Tagblattes“, Moritz Szeps, geboren. Szeps war ein enger Freund des Kronprinzen Rudolf, dessen Kritik an der Politik des kaiserlichen Vaters unter Pseudonym im „Neuen Wiener Tagblattes“ erschien. Der Salon war ein beliebterTreffpunkt der jüdischen Intelligenz Wiens, Berta Zuckerkandl begegnete im Hause ihrer Eltern schon als junges Mädchen so bedeutenden Persönlichkeiten wie dem Komponisten Jaques Offenbach, dem britischen Premier Benjamin Disraeli und Georges Clemenceaus.
Durch ihren Schwager Paul Clemenceau war Berta Zuckerkandl eng mit dem politischen und kulturellen Leben Frankreichs verbunden, sie hatte dadurch Informationen aus erster Hand und Frankreich wurde ihre zweite Heimat. Das Interesse an französischen Kultur hat in gebildeten Kreisen Wiens eine lange Tradition und hatte in Zuckerkandls Salon einen hohen Stellenwert.

1889 heiratete sie den berühmten Anatomen Emil Zuckerkandl und führte in ihrem Haus in der Nußwaldgasse 22, danach in der Alser Straße 23 und in dem bis heute bekannten Salon Oppolzergasse 6, über dem Café Landtmann die Tradition ihrer Mutter fort.

Zuckerkandls Liebe zur modernen Kunst

Durch Clemenceau lernte sie den Bildhauer Auguste Rodin und Künstler der modernen Malerei kennen und wurde daraufhin eine Wegbereiterin der „Wiener Secession“.

In ihrer täglichen Kunstkolumne in der „Wiener Allgemeinen Zeitung“ schrieb sie über die „Wiener Werkstätte“ und engagierte sich sehr für Gustav Klimt. 1902 gelang es  Berta Zuckerkandl, Rodin und Klimt in ihrem beliebten Salon in der Oppolzergasse miteinander bekannt zu machen.

Ein großer Kritiker war Karl Kraus, er veröffentlichte einige Attacke in der Fackel. Kraus bezeichnete sie als „Hebamme der Kultur“, in deren Haus „die Generationen ein- und ausgegangen sind. Er war der Meinung, dass Juden versuchten eine neue Art der Kunst zu benutzen, nämlich der Kunst der Sezession und der Wiener Werkstätte, um assimiliert zu werden. Kraus war selber Jude, aber er dachte, dass diese Kunst keine Assimilation zustande bringen würde. Er kritisiert und schreibt, „Das große gemeinsame Erleben das die Zuckerkandl und den Bahr verband, war hauptsächlich das Glück, gleichzeitig auf Olbrichschen Stühlen (Joseph Maria Olbrich) zu sitzen”. Berta ließ sich von solchen Attacken nicht stören und glaubte an das Motto der Wiener Sezession: “Der Zeit ihrer Kunst, die Kunst ihrer Zeit.“

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In Berta Zuckerkandls Salon lernten sich Gustav Mahler und Alma Schindler kennen, die sich trotz anfänglicher, heftiger Auseinandersetzungen drei Wochen später verlobten, sie war über viele Jahre Almas engste Freundin. Zuckerkandl arrangierte nicht nur Ehen, sie arrangierte auch die Begegnungen mit Max Reinhardt und Hugo von Hoffmannsthal und in ihrem Salon fand die erste öffentliche Lesung des Jedermann statt. Berta Zuckerkandl setzte sich engagiert für die Durchsetzung der Salzburger Festspiele ein. Nach dem Tod ihres Mannes wohnte Zuckerkandl ab 1916 eine Vier-Zimmerwohnung in der Oppolzergasse, bis zu ihrer Emigration 1938 empfing sie ihre Gäste im Bibliothekszimmer, dessen Mittelpunkt ein überdimensionaler Diwan der Wiener Werkstätte bildete, auf dem bis zu zehn Personen Platz fanden.

Die Friedensaktivistin

Der erste Weltkriegs zerstörte ihre Hoffnungen auf ein friedliches Europa. Berta Zuckerkandl setzte sich besonders für die geistige Individualität und Unabhängigkeit Österreichs ein, indem sie ihre Kunstpropaganda forcierte. Darüber hinaus nutzte sie ihre Kontakte zu anderen Frauen oder Salonniéren, mit denen sie in engen Kontakt stand. Die Kriegserfahrungen des ersten Weltkrieges schlagen sich in Berta Zuckerkandls journalistischer Arbeit nieder und schreibt für Frieden und Völkerverständigung.
In den 20er Jahren wendet sie sich zunehmend vom Liberalismus ab und konservativen Gedanken zu, aber sie stellt sich gegen Kanzler Engelbert Dollfuß, der 1934 die Arbeiterbewegung zerschlägt. Nach dem „Anschluß“ Österreichs, konnte Berta Zuckerkandl mit Hilfe der Brüder Clemenceau nach Frankreich fliehen. Als Trägerin des Ordens der Ehrenlegion blieb ihr die Internierung erspart, als die deutschen Truppen in Frankreich einmarschieren, flüchtete die 76-jährige zu ihrem Sohn nach Algier. Dort hielt sie nach der Befreiung durch die Amerikaner über eine von den Alliierten eingerichtete Radiostation eine flammende Rede gegen den Nationalsozialismus und für Frieden und Völkerverständigung. Den Bericht ihres Entkommens, den sie kurz nach ihrer Ankunft in Algier für das Tagebuch ihres Enkels Emile verfasste, ist ein einzigartiges Zeugnis der Stadien und Strapazen einer Flucht vor dem Nationalsozialismus und eines Lebensabschnitts Berta Zuckerkandls, über den wir so gut wie nichts wissen.
Es war ihr noch vergönnt, den Zusammenbruch des Naziregimes mitzuerleben, sie starb im Oktober 1945 nach Jahren der Emigration, in Paris.
Berta Zuckerkandl war eine der schillerndsten und exzentrischsten Persönlichkeiten ihrer Epoche – einer Epoche, die von der ausklingenden Donaumonarchie bis zum Ende des faschistischen Terrors reicht.

Fotos

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Literatur

Österreich intim: Erinnerungen 1892 bis 1942, Bertha Zuckerkandl, Wien 2013
ISBN 978-3852188911

Die Salonièren und die Salons in Wien: 200 Jahre Geschichte einer besonderen Institution, Helga Peham, Styria Premium 2014
ISBN 978-3222134487

Flucht!: Von Bourges nach Algier im Sommer 1940, Bertha Zuckerkandl, Czernin; Auflage: 1, 2013
ISBN 978-3707604566

 

Dritte Mann Museum Wien

Dritte Mann Museum

Das Museum für Filminteressierte

Das Dritte Mann Museum ist ein privates Museum für Filmbegeisterte, das gilt insbesondere für den Film „Der dritte Mann“, sowie für die Nachkriegszeit in Wien.

Das Museum wird mit sehr viel Liebe und Engagement von Karin Höfler und Gerhard Strassgschwandtner finanziert, gestaltet und betrieben.

Hr. Strassgschwandtner`s umfangreiche Sammlung von Originalexponaten um den 1948 in Wien gedrehten Filmklassiker „Der dritte Mann“ wurde 2005 als privates Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ermöglicht eine neue, unkonventionelle Annäherung an die Wiener Nachkriegsgeschichte. Das ausgestellte Material ist ein wichtiger Beitrag zur Wiener Zeitgeschichte und Werdegang dieser Stadt.

Das Dritte Mann Museum repräsentiert einen Teil der Wiener Identität und Geschichte, indem es den im Ausland am meisten mit Wien assoziierten Film „Der dritte Mann“ und das damit verbundene Wien-Bild reflektiert.

Film-Kurzgeschichte Dritter Mann

Das zerbombte und in vier Besatzungszonen aufgeteilte Wien in der Nachkriegszeit. Autor Holly Martins wird von seinem Freund Harry Lime nach Wien eingeladen. Als er ankommt, stellt er fest, dass Lime bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sei. Bei seinen Recherchen fällt ihm auf, dass fast alle am beim Unfall umgekommene, Bekannte von Lime waren. Ein Anrainer berichtet von einem „dritten Mann“, der der Polizei nicht bekannt ist, der Anrainer wird daraufhin ermordet.
Bei seinen Nachforschungen trifft Martins die Lebensgefährtin Anna Schmidt von Limes, verliebt sich in sie, doch Anna kann Harry Lime nicht vergessen. Sie ist gebürtige Tschechin, lebt mit gefälschten Pass in Wien lebt und wird von der Polizei gesucht. Als Martins in der Nacht verfolgt wird, stellt er fest, dass sein Verfolger der tot geglaubte Freund Harry Lime ist. Der britische Major Calloway weiht ihn daraufhin, in die Harry Lime zur Last gelegten Verbrechen, ein: Handel mit gestohlenem Penicillin, das gestreckt und unbrauchbar gemacht wurde, und bei Kindern zu Missbildungen führt. Ein Besuch in einer Kinderklinik überzeugt Martins davon, dass er nun der Polizei helfen muss.
Als Lockvogel der Polizei trifft Martins Harry Lime, der sich in der russisch besetzten Zone Wiens aufhält, in einem Kaffeehaus im westlichen Sektor. Anschließend kommt es zu einer wilden Verfolgungsjagd durch das verzweigte Kanalsystem Wiens, bei der Lime angeschossen und nach der Gefangennahme von Holly Martins erschossen wird.

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Die Highlights des Films, die ihn bis heute unvergesslich machen, sind die fantastischen Kameraperspektiven, das von Anton Karas auf der Zither gespielte Harry-Lime-Thema und die Verfolgungsjagd durch die Wiener Kanalisation.

Der erste Teil der Ausstellung zeigt den internationalen Erfolg des Films „Der dritte Mann“. Die verwendeten Drehbücher (u.a. das original Drehbuch von Trevor Howard), dieFilmzither von Anton Karas, auf der er in London die Filmmusik komponierte. Ton- und Filmaufnahmen in Hülle und Fülle: 60 Schellacks, Vinyl, CD, DVD, VHS, Laserdisc und Film. Über 400 Coverversionen des „Harry Lime Thema“ von Glenn Miller Orchestra bis Beatles, die Originalkappe des „Kleinen Hansel“, eine Ecke ist der „Dritte Mann Boom“ in Japan gewidmet, und jede Menge Poster und Fotos.

Der zweite Teil beherbergt den historischen Kinoprojektor Ernemann VIIb (Bj. 1936) der Firma Zeiss, er wiegt 270 kg! Mit solchen Projektoren wurde 1950 in Wien erstmals „Der dritte Mann“ vorgeführt. Hier wird mit dem historischen Kinoprojektor eine Filmsequenz der sehr bekannten Verfolgungsjagd gezeigt, sie macht große Lust sofort den kompletten Film zu sehen. Mit etwas Glück kann er im Burgkino in englischer Originalfassung gesehen werden.
Weiters sind Wecker und Nippes aus den 50er Jahren mit dem Thema „Der dritter Mann“ zu sehen, man sieht also Merchandising war schon damals ein Thema:-)

Das Museum für Interessierte der Wiener Zeitgeschichte

Im dritten Teil befinden sich mehr als 1.000 Originaldokumente ab 1918 bis zur Wiener Nachkriegszeit, Besucher können sich anhand von Briefen, Dokumenten, Zeitungen, Fotos, Plakaten, Interviews mit Zeitzeugen usw. ein Bild dieser bewegten Zeit machen. Dieser dritte Teil ist für Schulklassen und Zeitgeschichte Interessierte sehr zu empfehlen. Hier befindet sich auch ein nachgebauter Luftschutzkeller, der das Ambiente sehr gut unterstreicht.

Mehr Dritte Mann Museum Fotos

Das Dritte Mann Museum beeindruckt mit einem modernen Design das sich durch insgesamt 13 Ausstellungsräume bis hin zum Internet-Auftritt zieht. Die Ausstellung ist in klare Themen untergliedert, Installationen auf Monitoren (selbst gefilmte Interviews etc.) lockern die Präsentation der Großteils zweidimensionalen Exponate auf.

Was dieses interessante Museum so besonders hervorhebt, ist die persönliche „Betreuung“und der Enthusiasmus der zwei MuseumbetreiberIn.

Es gibt einen regulären Öffnungstag am Samstag Nachmittag. Einmal die Woche zusätzlich an einem Wochentag eine Führung auf Englisch für Einzelbesucher.
Alle Termine sind auf der Website ersichtlich.

Adresse

Preßgasse 25, 1040 Wien

Wiener Linien: U4 bis Kettenbrückengasse oder 59A bis Preßgasse

Öffi-App

Öffnungszeiten und Kontakt
Jeden Samstag 14.00 – 18.00 Uhr
+43-1-5864872

Weblinks
www.3mpc.net
www.drittemannmuseum.com
www.facebook.com/ThirdManMuseum