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Friedhof St. Marx

Ein verwunschener Ort: der Friedhof St. Marx

Kaiser Joseph II. ordnete 1783 an, das Beisetzungen aus hygienischen Gründen innerhalb des Linienwalls verboten sind, daraufhin entstanden außerhalb in den Vororten fünf neue „kommunale Leichenhöfe“. Einer von Ihnen entstand in der Nähe des bestehenden Siechenhauses, dem Gebäude war die dem heiligen Markus geweihte Kapelle angeschlossen, daher hieß die Gegend St. Marx. Der St. Marxer Friedhof ist der einzige der in seinem ursprünglichen Umfang erhalten blieb.

Auf dem wunderschönen Biedermeierfriedhof wurden ab 1874, nach der Eröffnung des Zentralfriedhofes, keine Beisetzungen mehr vorgenommen. Der Friehof blieb bestehen, aber im Laufe der Jahre verfielen die Grabsteine zusehends. Dem Erdberger Heimatforscher Hans Pemmer ist es zu verdanken das der Friedhof St. Marx noch besteht, er konnte in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die Verantwortlichen der Stadt Wien von der kulturhistorischen Bedeutung des Ortes überzeugen, da hier Mozart und weitere prominente Persönlichkeiten aus Wien begraben wurden.

Die meisten Besucher kommen heute zu Mozarts Grabmal

Wolfgang Amadeus Mozart starb am 4. Dezember 1791, am kommenden Tag wurde sein Leichnam nach der Einäscherung mit einem Pferdefuhrwerk nach St.Marx gebracht. Mozart verdiente zwar sehr viel Geld und war damals, wie man es heute bezeichnen würde, ein Superstar, aber er gab noch mehr aus, daher hinterließ er nur einen geringen Geldbetrag. Es fand eine Bestattung „dritter Klasse“ statt, da ein die erste und zweite Klasse nur den Adeligen und reichen Bürgern vorbehalten. Mozart wurde mit fünf anderen in einem Schachtgrab begraben, es entsprach den josephinischen Begräbnisvorschriften das kein Grabstein aufgestellt wurde und keine Familienangehörige und Priester anwesend waren.
Das genaue Wissen um den Ort ging verloren, an der vermuteten Stelle schuf um 1895 der Friedhofswärter Alexander Kogler ein aus Bruchstücken alter Grabsteine neues Denkmal, wie wir es heute sehen.

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Der St. Marxer Friedhof wurde im Laufe der Zeit vom Autoverkehr immer mehr eingeschlossen, in unmittelbarer Nähe befindet sich die Tangente (Autobahn A23), und trotzdem ist es eine unwirklich schöne, idyllische und grüne Oase mitten in der Großstadt. Ich liebe diesen Platz zum entspannen und auftanken, ähnlich wie die Steinkreise am Himmel.

Aber am schönsten ist der besondere Friedhof mit dem ein wenig verwilderten Flair im Mai, wenn hier so viele Fliederbüsche auf engen Raum blühen wie nirgendwo in Wien.
In seinem knapp 100 jährigen Bestehen wurden hier etwa 8000 Menschen bestattet. Die Grabinschriften wirken heute etwas seltsam, sie erzählen von den Berufsbezeichnungen und sozialen Status der Verstorbenen, gerade das macht es so interessant sie zu lesen.

Weitere prominente Persönlichkeiten aus dem biedermeierlichen Wien:

sind der Komponist Johann Georg Albrechtsberger und der berühmte Virtuose Antonio Diabelli, der Ringelspielbesitzer Basilio Calafati, die Maler Peter Fendi und Moritz Michael Daffinger, die gefeierte Schauspielerin Therese Krones, der Ziegelfabrikant Heinrich Drasche von Wartinberg, der Gründer des Sofienbades Franz Morawetz, die Weltreisende Ida Pfeiffer, die Hofschauspielerin Katharina Waldmüller, die Architekten Josef Kornhäusl und Peter Nobile, der Techniker Alois Negrelli Ritter von Moldelbe, sowie der Erfinder der Nähmaschine, Josef Madersperger, der in einem Armenhaus in St. Marx verstarb und ein typisch österreichisches Erfinderschicksal erlitt.
Viele Persönlichkeiten wurden exhumiert und nach der Eröffnung des Zentralfriedhofes auf diesem in einem Ehrengrab beigesetzt.

Adresse

Leberstraße 6-8, 1030 Wien

Wiener Linien: Linie 18 bis Wildgansplatz oder Linie 71 bis Litfaßstraße

Öffi-App

Weblinks:

Vienna Tourist-Guide

wiener dialekt, wienerisch

Wiener Dialekt

Habidere – verstehst Du noch Wienerisch?

Das Wienerische wird in Wien und Umgebung gesprochen. Es wird zwischen dem bekannten Meidlinger Dialekt, das ist der mit dem betonten L, dem näselnden Schönbrunner Deutsch, dem Häfn Slang (Häfn= Gefängnis) oder Rotwelsch (wird heute fast nicht mehr gesprochen) und den unterschiedlichen Dialekten der 23. Bezirke. Das Wienerische ist ein weicher, melodischer Dialekt, der zu Verniedlichungen sowie Übertreibungen neigt und bei dem manche Begriffe zwei Eigenschaften besitzen.

Ich finde es schade das immer mehr Menschen nur ein Deutsch sprechen das an Fernsehen und Film angepasst ist, es gehört zu unserer Identität und sollte neben dem Hochdeutsch gesprochen und verstanden werden. Der Wiener Dialekt bringt manches mit einem oder wenigen Worten auf den Punkt, das im Hochdeutsch oft einiger Sätze bedarf.

Wien ist seit dem Spätmittelalter eine Stadt vieler Völker, die die Wiener Sprache geprägt haben. Die Alemannen, Baiern, Italiener, Franken, Slawen, Magyaren,Franzosen, die zwei Türkenbelagerungen trugen zur Bereicherung des Wiener Sprache bei. Sehr großen Einfluss hatte die Einführung der Schulpflicht, sie wurde von Maria Thersia eingeführt, sie bereicherte die Sprache mit lateinischen und französischen Ausdrücken. Auch das jiddische und die Erweiterung des Habsburg`schen Reiches prägte diese Sprache.

Die englische Sprache spielte ab der Industrialisierung im 19. Jahrhundert eine Rolle und Anglizismen sind heute aus der Sprache nicht mehr wegzudenken und wurden teilweise „verdeutscht“ wie z. B. „downloaden“ oder „einloggen“.

Die Französische Sprache spielte sehr lange eine grosse Rolle, sie wurde neben dem Schönbrunner Deutsch am Hof gesprochen. Heute werden oft noch Begriffe wie „Plafond“ (Zimmerdecke), „Trottoir“ (Gehsteig) oder „entrisch“ (im Deutschen ist „unheimlich“ oder „schaurig“ gemeint, es wurde vom französischen Wort „entre“= herein in „entrisch“ umgewandelt), verstanden und verwendet.

Sprichst Du noch Wienerisch?

Trotz des verschwindenten spezifischen Wortschatz, wird ein/e erfahrene/r WienerIn unterscheiden welchen sozialen Stand das Gegenüber hat und zwischen Hochdeutsch und dem Wiener Dialekt wählen. Es ist anzunehmen, das der Wiener Dialekt sich der deutschen Standard Umgangssprache anpassen und letztendlich leider verschwinden wird.

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Es gibt aber ein Entgegenwirken von Wiener Musikern, Kabarettisten und Schauspielern, damit das melodische Wienerische nicht in Vergessenheit gerät.

Hier ein paar typische Worte aus dem Wortschatz des Wienerischen:

  • Gschisti Gschasti= viel Aufheben oder Umstände machen
  • Gschmackig= wohlschmeckend (Neudeutsch: lecker) oder unterhaltsam
  • Pompfüneberer= Bediensteter der Leichenbestattung ( aus dem französischen: Pompes funèbres)
  • Pitzeln= heikel oder pedantisch sein
  • Pamperletsch= kleines Kind, das auch als Schmähwort eingesetzt werden kann
  • Seicherl= Kaffeesieb, Teesieb oder Feigling, geistig minderbemittelter Mensch
  • Schwips oder Schwipserl= leichter Rausch
  • Lamlåckad= faul, träge
  • Liesl, Lisl, Lieserl= Koseform für Elisabeth, Wiener Polizeigefangenhaus auf der Rossauerlände
  • Strizzi= Zuhälter
  • Schwarzkappler= Fahrscheinkontrollor bei den Öffis
  • Kiberer= Polizist
  • Gräuln,gräulen, kräulen= kriechen
  • oida Krautara= alter Mann, alter Nörgler

Pfiat eich, baba und foits net;-)

Literatur

Wörterbuch des Wienerischen, Robert Sedlaczek, Wien 2011

ISBN 978-3852188911

Lexikon der Sprachirrtümer Österreichs, und Robert Sedlaczek, Wien 2012

ISBN 978-3866477346

Weblinks

Echt Wien

waldseilpark-kahlenberg-300

Waldseilpark

Waldseilpark beim Kahlenberg

Einer der größten Waldseilparks Österreichs befindet sich bei bei der Josefinenhütte zwischen Leopoldsberg und Kahlenberg.

Diese Attraktion für Sportliche und die, die es werden wollen, wurde im Jahr  2012 nach den modernsten und sichersten Richtlinien gebaut. In eine Höhe von 35 cm bis zu 20 Metern sorgen 14 unterschiedliche Parcours und Wichtelparcours für einen Adrenalinkick. Auf Grund meiner Höhenangst hat es bis jetzt nur für den Wichtelparcour gereicht;-)

Dabei können schwindelfreie Kletterfans nicht nur körperliche Grenzen überwinden, sondern auch den Wienerwald aus einer neuen Perspektive erleben.

Vor dem Spaß muss eine Haftungsausschlusserklärung unterschrieben werden, danach gibt es eine gut verständliche Einführung in die hauseigene Sicherungstechnik, anschließend sollten alle in der Lage sein den Waldseilpark zu erkunden und das Abenteuer zu genießen. Keine Bange wenn etwas nicht klappen sollte stehen Instruktoren zur Verfügung, die mit Rat und Tat zu Seite stehen. Es gibt 135 Übungen von sehr leicht bis sehr anspruchsvoll, es ist also für jeden Anspruch gesorgt.

Pro Natur: der Baumbestand wird durch den Waldseilpark nicht beschädigt, da alle Stationen mittels einer speziellen Technik an den bestehenden Bäumen angebracht wurden.

Nichts für Menschen mit Höhenangst

Sollte das Abenteur in den Höhen wider erwarten doch nicht gefallen oder einem die Höhenangst überkommen, kann kann bei jeder Station abgebrochen werden. Das gutes Schuhwerk erforderlich ist, sollte selbstredend sein. Der Waldseilpark darf von Kindern ab 1,10cm bis zum 14. Lebensjahr nur in Begleitung eines Erwachsenen benutzt werden.

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Nach dem luftigen Erlebnis kann man sich in der seit 80 Jahren bestehenden Josefinenhütte auf seinen Lorbeeren ausruhen und stärken oder wandert zum nahen Kahlenberg um den fantastischen Ausblick auf Wien zu genießen. Sollte das alles noch zu wenig sein, gibt es die Möglichkeit vom Kahlenberg in ca. einer Stunde nach Nussdorf hinunter zu wandern oder zum Cobenzl marschieren.

Der Waldseilpark hat täglich von 10:00 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit geöffnet.

Ab 28. Juni gibt es jeden Freitag und Samstag die Möglichkeit seine Kletterkünste bis 23 Uhr zu erproben.

Adresse

Josefsdorf 47, 1190 Wien

Wiener Linien: 38 A bis Elisabethwiese

Öffi-App

Weblinks

Waldseilpark

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Bedürfnisse in Wien

Historische Wiener Bedürfnisanlagen

Bis die ersten öffentlichen Bedürfnisanstalten errichtet wurden, gab es den Beruf der Abtrittanbieter, die auch Buttenmänner, Buttenweiber oder Madame Toilette genannt wurden. Madame Toilette assoziiert man heute mit einem verlockend duftenden Parfum:-).

Die Antrittanbieter gingen mit Eimer und weiten Mäntel durch die Strassen und boten ihre Dienste an, unter dem Mantel konnten dann die Menschen ihre Notdurft verrichten.

Der Berliner Wilhelm Beetz entwickelte und realisierte eine Idee, mit der es zu einer verbesserter Hygiene kam. In Wien suchte er im Jahr 1880 beim Wiener Magistrat an, ihm den Bau und Betrieb von „Bedürfniß-Anstalten für Personen beiderlei Geschlechts“ zu genehmigen. Trotz der schlechten sanitären Zustände lehnte die Stadt Wien sein Ansuchen ab da die Stadt vorhatte selbst solche Bedürfnisanstalten zu betreiben. Nach zwei Jahren stellte Beetz einen neuerlichen Antrag, in dieser Zeit passierte in Wien in Sachen Bedürfnisanstalt nichts, er wies darauf hin das in anderen Städten Bedürfnisanlagen von privaten Unternehmen erfolgreich betrieben wurden. Diese mal war Beetz erfolgreich, im Jahr 1883 erteilte ihm die Stadt Wien die Bewilligung, gegen eine potenzielle Beteiligung der Stadt, Bedürfnisanstalten „aus Eisen mit Ziegelunterbau und Steinsockel in gefälliger Form“ zu errichten. Der Preis zu dieser Zeit waren 10 Heller für die Benutzung eines Klosetts erster Klasse und 6 Heller für die Benutzung der 2. Klassen.

Wien`s schönste Befürfnisanstalt am Graben

Das besondere an den Pissoires war das 1885 patentierte System der „Öldesinfektion“ und des „Ölgeruchverschlusses“. Hier werden die Wandflächen mit einem Mineralöl (Urinol) abgerieben, um ein haften von Urin zu verhindern. Der Geruchsverschluss besteht aus einem Syphon, indem an der Zulaufstelle die stehende Flüssigkeit mit einer Schicht Urinol abgedeckt wird. Da Mineröl leichter als Wasser ist, verbleibt es immer oben und deckt den Geruch ab.

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Im selben Jahr übersiedelte Beetz nach Wien und gründete die Firma „Wilhelm Beetz“, die sich ausschließlich mit der Errichtung öffentlicher Toilettenanlagen beschäftigte. Ende 1903 betrieb die Firma bereits 93 Pissoirs sowie 58 Bedürfnisanstalten.

Luxus endet nicht vor der Bedürfnisanstalt

Im Jahr 1904 wurde die unterirdische Bedürfnisanstalt am Graben errichtet, die feudale Jugendstil Anlage beeindruckt mit geschliffene Spiegel, Marmor, Messing und vergoldeter Schrift, jede Kabine hat einen Spiegel und ein Handwaschbecken. Diese Anlage befindet sich im Originalzustand und ist sicher die schönste Luxus Ausgabe einer Bedürfnisanstalt in Wien. Ich kann nur von den Damentoiletten berichten, aber die sehr nette Toilettenfrau sagte mir das die Ausstattung bei den Herren dieselbe ist.
Diese wunderschöne Bedürfnisanlage sollte man auf jeden Fall gesehen haben.

Es gibt in Wien noch sehr viele historische Bedürfnisanlagen und Pissoires

wie z. B. vier Bedürfnisanstalten aus dem Jahr 1908 im Schlosspark Schönbrunn, 1130 Wien (beim Meidlinger Eingang, Hietzinger Eingang, Menagerie Eingang und westlich des Gartenhauptparterres)
Bedürfnisanstalt Parkring, Ecke Weiskirchnerstraße / Stadtpark, 1010 Wien, aus dem Jahr 1901
Bedürfnisanstalt Türkenschanzpark, bei Gregor Mendel-Straße, 1190 Wien, aus dem Jahr 1902
Bedürfnisanstalt Schönbornpark, 1080 Wien, aus dem Jahr 1903
Pissoir Rabbiner Schneerson Platz 1020 Wien, aus dem Jahr 1901
Pissoir Sievieringerstraße, bei Fröschelgasse (St. Severin Kirche) 1190 Wien, aus dem Jahr 1902

Literatur

Wie kommt der Hirsch aufs Dach?, Wien 2013

ISBN 978-3993001452

Weblinks

Architektenlexikon

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Gruener Prater

Die zunehmende Verbauung des grünen Prater

die einzigartige Aulandschaft mitten in Wien verkleinert sich durch Menschenhand…das Areal des Prater wurde schon an vielen Stellen reduziert und es ist kein Ende in Sicht!

Der grüne Prater wurde 1978 unter Landschaftsschutz gestellt, das Mauthnerwasser, das Krebsenwasser, einige Bäume und Baumgruppen sind als Naturdenkmal geschützt.

Verbauung

  • Seit 1970 quert die sechsspurige Südosttangente (Stadtautobahn A23) in Hochlage die Prater Hauptallee und das Obere Heustadelwasser.
  • Das alte Messegelände wurde 2001 abgerissen. Auf dem nördlichen Geländeteil wurde 2004 ein neues Messe- und Kongresszentrum errichtet, neben dem Messeareal wurde ein Hotel sowie ein Parkhaus erbaut und am südlichen Geländeteil wurde 2013 die neue Wirtschaftsuniversität Wien eröffnet.
  • Das Stadioncenter wurde im Jahr 2007 am Olympiaplatz eröffnet.
  • Am nordöstlichen Rand des Praters bei der U2-Station Krieau wurde 2010 das „Viertel zwei“ erbaut.
  • Die Kaiserwiese soll als profitable Eventfläche ausgebaut werden.
  • Heuer wurde mit der Erweiterung des „Viertel Zwei“, nahe der Trabrennbahn, begonnen, die Trabrennbahn wurde bereits etwas verkleinert und die Stallungen werden verlegt bzw. werden sie renoviert.
  • Der Krieau widme ich demnächst einen eigenen Beitrag!

Wien ist für seine Grünoasen bekannt und kaum eine Stadt kann mit solchen Freizeit- und Erholungsräume aufwarten, daher sollte die Stadtpolitik diese schützen und bewahren, anstatt Teile zu verkaufen bzw. sie zu verbauen.

Stallungen der Krieau

Nur ein völliges Bauverbot kann den Prater noch retten, damit nicht die letzten Grünflächen Wiens zubetoniert werden!

Der historische Prater

Der grüne Prater ist 6 km² Areal das Grossteils aus Aulandschaften besteht.
Ab Mitte des 16. Jahrhunderts war er Jagdgebiet des Hofes, der Wiener Bevölkerung war das Betreten des Praters durch massive Zäune und Forstknechte verwehrt.
Die Prater Hauptallee hat ihren Urspung im 15. Jahrhundert, wo eine kilometerlange, breite Schneise durch den Auwald geschlagen wurde. Unter Joseph II. wurde 1781 entstand das Lusthaus von Isidor Canevale, unter Kaiser Joseph II. wurde 1766 der Prater allen Menschen zugänglich gemacht. Danach entwickelte sich der Prater sehr rasch zu einem sehr beliebten Ausflugsort mit vielen Gaststätten, Buden und Erfrischungsstände, bald gab es auch eine Vielzahl an Ringelspielen, Puppentheater, Kegelbahnen und Musikkapellen. Im Jahr 1873 fand die Weltausstellung im Praterareal statt, der Mittelpunkt neben den zahlreichen Ausstellungspavillons war ein gigantischer Kuppelbau – die Rotunde. Durch den Börsenkrach und den Ausbruch der Cholera wurde die Wiener Weltausstellung zu einem großen Misserfolg und danach wurden die Ausstellungspavillons wieder abgeriessen, einzig die Rotunde blieb bestehen, bis sie 1937 einem Brand zum Opfer fiel.

Naherholungsraum in Wien


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Auf dem heutigen Areal der Kaiserwiese wurde 1895 der Vergnügungspark „Venedig in Wien“ eröffnet, gemeinsam mit dem Architekten Oskar Marmorek, ließ Gabor Steiner einen Nachbau Venedigs mit Palazzi und künstlichen Kanälen errichten.

Adresse
1020 Wien

Wiener Linien: U2 oder Linie 2 bis Taborstrasse

Öffi-App

Literatur
Wien Lexikon, Wien 2007, ISBN 978-3800071166

Weblinks

Wikipedia – Wiener Prater

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Jugendstiltheater Steinhof

Was wird aus dem Jugendstiltheater am Steinhof?

Wien hat mehrere Jugenstiltheater, wie das Hamakom-Theater, das Theater am Mittersteig und das Theater am Steinhof.
In diesem Beitrag geht es um eines der schönsten Jugendstiltheater, vormaliges Gesellschaftshaus, es liegt auf der Mittelachse der Pavillonanlage am Steinhof die vom Verwaltungsgebäude, der Küche und der Kirche auf dem höchsten Punkt gebildet wird. Davor ist das Mahnmal für die Opfer vom Spiegelgrund.

Den Lageplan und die Kirche am Steinhof entwarf der Architekt Otto Wagner, die Pavillon-Anlage und das Jugendstiltheater wurden von Carlo von Boog und Franz Berger geplant. Die Anlage wurde 1907 eröffnet.

Originalaufnahmen Außenansicht 1907

Das Theater repräsentiert den Gedanken des barocken Jugendstils. Die Zufahrtsrampe und die Prachtstiege wirken wie ein herrschaftlichen Landsitz, von dem man auf einer Anhöhe das Parkgelände übersehen kann.

Nutzung als Theater

Das Gesellschaftshaus wurde konzipiert für Patienten um soziale Kontakte zu knüpfen, sich kreativ bei Festveranstaltungen einzubringen und Theateraufführungen beizuwohnen oder selbst zu gestalten. Das Jugendstiltheater wurde 1914 in ein Kriegslazarett umfunktioniert und in den 20er Jahren standen wieder kulturelle Aktivitäten auf dem Terminplan.
In der nationalsozialistischen Ära wurde den Kranken nicht nur das Recht auf Kultur und Lebensqualität, sondern auch das Recht auf Leben abgesprochen. Die Psychiatrie wurde als Instrument der Aussonderung und der Vernichtung missbraucht.

Danach versank das Jugendstiltheater in einen Dämmerschlaf und wurde erst 1989 von einer Gruppe junger Künstler zu neuem Leben erweckt, nachdem dem Theater erst wieder seit der Psychiatriereform 1980 als wichtiger kultureller Bereich ein Stellenwert zuerkannt wurde.

Innenräume

In den letzten Jahren vor der Schließung gab es vorallem in Sommer Aufführungen, wie Opern, Festwochenaufführungen und Schauspiel, die durch das besondere Ambiente eine zusätzliche Qualität erfuhren.

Das Jugendstiltheater Heute

Die Bühne stellte im November 2009 den Spielbetrieb ein, das von einem privaten Verein betriebene Theater soll eine dringende Sanierung erfahren.

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Die einzige Veränderung bis jetzt ist die Abmontage der historischen Glasvordächer an der Vorderfront. Sehr dringend kann es nicht sein, da seit einigen Jahren das Gebäude mit der Aufschrift: „Baustelle betreten verboten“ eingezäunt ist, es sind aber keine Bauarbeiten oder Fortschritte zu sehen und es kommt natürlich die Vermutung auf, dass dieses Jugendstiltheater dem Verfall preisgegeben wird um nachher sagen zu können: die Bauschäden sind zu groß und dass das Gebäude in einem so schlechten Zustand ist, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht rentabel sei.

Zurzeit kann nur die Freitreppe u. Vorfahrtsrampe betreten werden.

Ob der Spielbetrieb jemals wieder aufgenommen wird, ist sehr fraglich und das Jugendstiltheater dümpelt vor sich hin und verfällt immer mehr…leider keine so unbekannte Situation in Wien.


Adresse

Baumgartner Höhe 1, 1140 Wien

Wiener Linien: 47A oder 48A bis Otto-Wagner-Spital

Öffi-App

Fotos

Originalaufnahmen Außenansicht 1907 © Verein Steinhof Erhalten

Innenräume © Verein Steinhof Erhalten

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Ruedigerhof

Eines der schönsten Jugenstilhäuser

Jugendstil Architektur findet sich in fast allen Wiener Bezirken, ein kompaktes Viertel gibt es in Wien nicht. Es hat den Vorteil, das fast jeder Bezirk einige Jugendstil Prunkstücke aufweisen kann, daher erlebt der Wien-Besucher auch ausserhalb der City so manche Überraschung.


Einer der schönsten Jugendstil Bauten wurde von Oskar Marmorek 1902 in der Hamburgerstrasse 20 erbaut und ist als Rüdigerhof bekannt. Das heute unter Denkmalschutz stehende Haus wurde inzwischen prachtvoll restauriert, der in Weiß, Blau und Gold gehaltene Baukörper und die verschiedene Putzformen, wie etwa ein Wellenputz im Sockelbereich beeindrucken ebenso, wie das auf der Höhe eines Halbstocks befindliche Kaffeehaus.

Im Rüdigerhof wohnte der überaus beliebte Operettensänger und Operettenbuffo, Kabarettist und Komponist Ernst Arnold.

Dem Architekt Oskar Marmorek verdankt Wien etliche beachtliche Bauten, wie z. B. den Nestroyhof am Nestroyplatz 1, die Wohnhäuser Lindengasse 4 oder Windmühlgasse Nr30 und 32. Er gestaltete zahlreiche große Ausstellungen im Prater, wie die berühmte Schau „Venedig in Wien“, die am 18. Mai 1895 im Wiener Prater eröffnet wurde.

Wie schon oben geschrieben, ist es für mich eines der schönsten Jugendstilhäuser in Wien.

Café Rüdigerhof


Die Einrichtung des Kaffeehauses ist ein gelungener Mix aus Jugendstil und 50er Jahre, was den  Charme dieses Kaffehauses ausmacht. Teilweise ist die Originaleinrichtung noch erhalten.

Sehr originell finde ich die außen gepolsterten Toilettentüren und die Telefonkabine aus den 50ern. Der Gastgarten zählt zu einen der schönsten in Wien, mit Blick auf die rechte und linke Wienzeile, Wienfluss und dem prachtvollen Jugendstilhaus.

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Seit den 50er Jahren befindet sich das Café Rüdigerhof im Besitz der Fam. Halper, es wurde vor ca 3 Jahren restauriert und erstrahlt wieder in voller Pracht.

Das Café weist eine Besonderheit auf, im Gastgarten können laue Sommernächte bis 2h genossen werden, das ist sicher einmalig in Wien.

Adresse

Hamburgerstrasse 20, 1050 Wien

Wiener Linien: U4 bis Kettenbrückengasse

Öffi-App

Literatur

Unbekanntes Wien: Verborgene Schönheit. Schimmernde Pracht, Wien 2010, ISBN 978-3854315131

 

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Fanny von Arnstein

Erste jüdische Salonière, Kunstfreundin und Mäzenin


Fanny von Arnstein, Schirmherrin für Musik, Kunst und Literatur, war die bedeutenste Salonière ihrer Zeit. Die hohe Wertschätzung ihr Person trug viel zur wachsenden Annahme von Juden in der Wiener Gesellschaft bei. Fanny Arnstein ist in erster Linie bekannt für ihr politisches und soziales Engagement: Sie stiftete Kriegslazarette, Kranken- und Armenhäuser und setzte sich bei Joseph II. für die Rechte der österreichischen Juden ein.
Sie förderte auch die Kunst, war Mitbegründerin der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (1812) und veranstaltete Benefizkonzerte.
Sie wurde am 11. März 1757 in Berlin als achtes Kind von Daniel Itzig, Hofbankier Friedrichs II., und seiner Frau Marianne geboren. 1776 heiratete sie in Berlin den Wiener Bankier und Kaufmann Nathan Adam Arnstein oder Arnsteiner. Nathans brillante Gattin Fanny führte einen literarischen Salon, in dem sich Größen von Kunst, Literatur und Finanz zu gesellschaftlichen Soireen trafen.

Fanny Arnstein liebte Literatur und beherrschte mehrere Sprachen, ihre sozialen Talente schufen eine angenehme Atmosphäre in ihrem Salon, wo sich Gäste von verschiedenen Rängen der aristokratischen Gesellschaft trafen. Ob Wissenschafter, Adelige oder Künstler, sie kamen alle gerne zu musikalische Soireen in das Haus des jüdischen Bankiers und seiner Frau. Die gemietete Stadtwohnung der Arnsteins war am Hohen Markt. Das Sommerpalais befand sich am Braunhirschengrund (15. Bezirk) und erstreckte sich von der Mariahilfer Straße bis zum Wienfluss.

Zur Jahrhundertwende scheint es bei den Arnsteins kein Jour fixe zu geben, ihr Haus war jeden Tag offen, meist sogar von Mittag bis Mitternacht, mit Ausnahme der Theaterstunden. Politiker, Diplomaten und Publizisten waren regelmäßige Besucher. Ein guter Freund war Joseph Freiherr von Sonnenfels, er war Reformpolitiker und Direktor der Akademie und ein einflussreicher Schutzpatron der Künste. Friedrich Gentz erwiese sich als ein falscher Freund,er war von Berlin nach Wien gezogen, wurde ein naher Berater von Metternich und war antisemitisch und reaktionär.

Netzwerk von intellektuellen Frauen


Um 1800 wurde Fanny von Arnstein’s Salon das Zentrum eines zusammenarbeitenden Salonnetzwerks von intellektuellen und musikalischen Frauen in Wien. Dies waren unter anderem ihre Schwester Caecilie Wulff, sowie ihre Schwester Rebecca Ephraim. Weiter Frauen waren Bernhard Von Eskeles’ Schwester Eleonore Flies und Fanny von Arnstein’s zwei Nichten, ihre Schwester Marianne Saaling und Mariane Von Eybenberg. 1802 heiratete Fanny von Arnstein’s Tochter Henriette den Bankier Heinrich Pereira. Während der Napoleonischen Kriege ( 1805–1815 ) erwiesen sich Arnstein und ihre Tochter als wahre Patrioten und taten viel für die Kranken und verletzten Soldaten. Gegner der Politik Napoleons, wie Madame de Staël, waren im Salon herzlich Willkommen.
Fanny Arnstein unterstützte unzählige Wohltätigkeiten, sie war Gründungsmitglied und Komiteefrau der Gesellschaft von adeligen Frauen für die Förderung des Guten und nützlichen. 1814 stand im Hause Arnstein der erste Weihnachtsbaum, Fanny Arnstein brachte diesen schönen Brauch von Berlin nach Wien.
Der Höhepunkt der sozialen Aktivitäten im Arnstein Salon fand während des Wiener Kongresses 1814 statt. Es gab Auftritte von jungen Giacomo Meyerbeer. Diplomaten aus ganz Europa waren Gäste, darunter Arthur Wellesley, Herzog von Wellington, Kardinal Ercole Marchese Consalvi und Charles-Maurice Herzog von Talleyrand.
Fanny Arnstein starb nach längerer Krankheit am 8. Juni 1818 in ihrem Haus am Braunhirschengrund . Die Tradition des Hauses wurde nach dem Tod Fanny von Arnsteins durch ihre Tochter fortgeführt.

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Leider ist von dem Arnstein´schen Anwesen nichts übrig geblieben, an die Familie Arnstein erinnert nur mehr ein Strassenname im 15. Wiener Gemeindebezirk.

Das Grab befindet sich am jüdischen Währinger Friedhof, 1180 Wien, Semperstraße 64A/ Schrottenberggasse.

Der Friedhof ist jedoch öffentlich nicht zugängig, da er in einem völlig desaströsen Zustand ist!

Die Gebeine der Fanny Arnstein befinden sich nicht mehr im Grab, die steinerne Tafel mit der Namensinschrift ist zerbrochen, auch die Namenstafeln am Grab ihres Gatten Nathan und ihres Schwagers Bernhard Eskeles-Arnstein sind zerbrochen.

Es ist eine Schande das dieser Friedhof noch immer nicht saniert wurde!

Fotos

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Weblinks

Blog des Österreichischen Jüdischen Museums

Jewish Womans Archive

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Emilie Flöge

Modesdesignerin, Unternehmerin und Muse von Klimt


Emilie Louise Flöge wurde am 30. August 1874 in Wien als Tochter eines Wiener Meerschaumpfeifen-Fabrikanten geboren.

Sie war Designerin, Modeschöpferin und Unternehmerin und der Lebensmensch und Muse des Malers Gustav Klimt.
Die drei Schwestern Flöge – Pauline, Helene und Emilie – absolvierten einen Nähkurs und begannen anschließend Kleider zu entwerfen.
1904 gründeten die drei Schwestern, die in der Neubaugasse eine Schneiderwerkstätte betrieben hatten, den Modesalon „Schwestern Flöge“ in der „Casa Piccola“ Mariahilferstrasse 1b.

Der von Josef Hoffmann und Koloman Moser exklusiv eingerichtete Modesalon entsprach ganz dem Geist der Wiener Werkstätte.

Von Gustav Klimt stammten die Entwürfe für das Firmensignet und das Geschäftspapier des Hauses. Gustav Klimt entwarf für sie, wie auch Kolo Moser, Reformkleider für ihre Haute Couture Mode.

Mehr als 30 Jahre lang behauptete der Salon im Zentrum des Wiener Modeviertels seine führende Stellung. Trotzdem wird die unternehmerische Leistung der Emilie Flöge heute gerne unterschätzt. Es mag sein, dass sie in der Anfangszeit des Salons von Klimt profitierte, doch musste sie sich als Geschäftsfrau bewähren.

Dennoch wird Emilie Flöge in den Köpfen der Nachwelt auf die Frau „an der Seite von Gustav Klimt“ und dessen Sommerfrische-Partnerin reduziert. Tatsächlich handelte es sich beim Salon Flöge um einen großen Betrieb mit einem breiten Spektrum: Bis zu 80 Näherinnen und drei Zuschneiderinnen arbeiteten hier.
Jährlich zweimal fuhr Emilie Flöge nach Paris und London, um sich an den internationalen Modehäusern wie Dior und Chanel über aktuelle Entwicklungen und Trends zu informieren.

Mit dem „Anschluss“ Österreichs an Nazideutschland verlor Emilie Flöge einen großen Teil ihrer Kundschaft und musste den Salon schließen.

Sie starb am 26. Mai 1952 in Wien, ihr Grab befindet sich am Wiener Zentralfriedhof Tor 4, Gruppe 8, Kreuzallee Nr. 4

Emilie Flöge und Gustav Klimt


Kennengelernt haben sich die beiden spätestens 1891, als Gustavs Bruder Ernst Emilies Schwester Helene heiratete.

Bereits ein Jahr später porträtierte Gustav Klimt die damals 18- Jährige. Klimts Ganzfigurenportrait aus dem Jahre 1902, zeigt die 28 jährige Emilie Flöge als Ikone des bereits secessionistischen, mit Goldornamentik durchsetzten reiferen Klimt-Stils.

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Trotz des umfangreichen Konvoluts enttäuschen die Briefe und Postkarten zwischen Klimt und Flöge und lassen die Art ihrer Beziehung ungeklärt. Emilie Flöge erscheint als ewige unberührte Geliebte, die Gefährtin und imaginäre Gattin im großen Traum seiner erotischen Magie.
Jedoch hat Emilie Flöge nach Klimts Tod angeblich sämtliche in seinem Atelier verbliebenen Schriften verbrannt. Emilies Nichte berichtet von Körben voller Post, die vernichtet worden seien.

Für den Klimt-Forscher Christian M. Nebehay fand der Maler bei Emilie jene „Ruhe, Ausgeglichenheit und Freundschaft, die er anderswo nicht finden konnte.

Emilie Flöge wurde durch Klimts Ikone „Der Kuss“ unsterblich gemacht, indem er der knienden Frauenfigur, die ihm nur ihre Wange zum Kuss darbietet, die Züge Emilies verliehen hat.

Fotos

© Bildarchiv Österreichische Nationalbibliothek

Weblinks

Irene Adessner -Citylights